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GoMar (Niederösterreich, Österreich)

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Dan Shockers Larry Brent - Neue Fälle, Die Geheimen X-Akten der PSA - Zombie Insekten
Dan Shockers Larry Brent - Neue Fälle, Die Geheimen X-Akten der PSA - Zombie Insekten
von Christian Montillon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Larry Brent ist nicht kleinzukriegen ..., 8. Juni 2011
Seltsames geschieht in einem gottverlassenen Winkel der USA. Augenzeugen glauben, Menschengestalten gesehen zu haben, deren Schädel an halbskelettierte Käfer erinnern. Niemand schenkt ihnen Glauben, bis die Computer der PSA auf eine Routinemeldung aufmerksam werden. Larry Brent rüstet zum Einsatz, und bald stecken er und seine Kollegin Su Hang in einem grauenvollen Hexenkessel aus Angst und Terror.

Was der Klappentext schon ankündigt, wird in dem vorliegenden 5. Buch der neuen Hardcover-Reihe um Larry Brent von Christian Montillon als Dan Shocker neu grandios und spannend umgesetzt. Mit diesem Roman stellt C. M. endgültig unter Beweis, dass er der würdige Nachfolger von Jürgen Grasmück alias Dan Shocker ist, auch was den allerersten Serienhelden der deutschen Gruselszene betrifft: Larry Brent. Fernab von jeder Neuausrichtung wird hier ein Roman vorgelegt, der in der besten Tradition der so erfolgreichen Heftroman-Serie zu Papier gebracht wurde. Es fehlen in diesem Abenteuer zwar X-GIRL-C alias Morna Ulbrandson und X-RAY-7 alias Iwan Kunaritschew, Larrys kongeniale Partner überaus vieler Abenteuer, aber diese beiden Protagonisten werden hier durch die Chinesin Su Hang alias X-GIRL-G ohne Probleme wettgemacht. Auch der Wortwitz zwischen Larry Brent und Su Hang kommt nicht zu kurz, sodass sich doch der eine oder andere Schmunzler auf die Wangen des Lesers zaubert, wenn der »alte« Schwerenöter wiederum seinen Charme versprüht, aber eben von seiner Kollegin nett, jedoch konsequent abgeblockt wird.

Was bei C. M.s erstem Roman dieser Reihe (Marmortod) noch zu kurz kam, wird hier ordentlich vertieft: die Charakterisierung und Gefühlsschilderung von Nebencharakteren. Auch hier erreicht der Autor die Dimension seines Vorgängers, das heißt, C. M. hat seine Hausaufgaben in diesem Punkt ordentlich gemacht. Und man kann auch mit der weiblichen Protagonistin namens Danielle White mitleiden, mitzittern, sich mitfürchten ob des Horrors, dem sie ausgesetzt wird, nachdem ihr Freund, der sie in einem normalerweise geschlossenen Park vernaschen wollte, von den Zombie-Insekten kaltblütig ermordet wird, weil er »unbrauchbar« war. Ebenso mit dem jungen Ehepaar John und Sally Gordon, die mit dem größten Horror ihres Lebens konfrontiert werden. Einziges Manko ist hierbei, dass diesen »Nebenschauplätzen« diesmal beinahe zu viel Platz eingeräumt wurde, aber nichtsdestotrotz erhält hiermit die Story eine weitaus größere Tiefe als z. B. »Marmortod«.

Aber auch der Clou mit Sheriff Anthony Bertram, der mit dem Wiener Kommissar Sachtler befreundet ist, mit dem Larry Brent »früher« schon einige Fälle gemeinsam gelöst hat, ermöglicht es C. M. hervorragend, in wenigen Sätzen wieder einen Bezug zu den Heftromanen herzustellen respektive zu den »historischen« Abenteuern Larrys, die ja doch schon einige Jahrzehnte »auf dem Buckel haben«. Aber wie das eben so ist bei dieser Gattung von Serienhelden: sie altern nicht. Aber Hand aufs Herz: Wer will schon einen Rentner namens Larry Brent in durch Alzheimer, Parkinson und/oder Rheuma beeinflusste Aktionen erleben? Also, lassen wir das mit dem natürlichen Alterungsprozess mal außen vor und nehmen wir die Historie als vor Kurzem passiert in Kauf. Dies gelingt um so leichter, als in diesem Roman wohltuend auf den übermäßigen Einsatz von Handys verzichtet wird (außer bei der Peilung vom Aufenthaltsort des Oberschurken). So kommunizieren die PSA-Agenten immer noch nostalgieheischend mittels ihrer Weltkugel mit X-RAY-1 und den Computern der PSA.

Die Polizeiarbeit von Larry Brent und Su Hang wird gut aufgebaut beschrieben, sodass es ziemlich glaubhaft herüberkommt, wie sie dem neuen Super-Gegner der PSA, Richard Pertal, wiederum auf die Schliche kommen. Dieser größenwahnsinnige Wissenschaftler hat sich aber keinen Geringeren als einen der früheren Hauptgegner der PSA, nämlich Dr. Tschang Fu, der eigentlich tot sein sollte, aber unter der Mitwirkung einer weiteren Gegnerin der PSA aus früheren Jahren, Dr. X, uns Lesern zu unheilvollem Leben erhalten geblieben ist. Gut so! Es schadet sicher nicht, wenn Figuren aus den Heftromanen wiederum zu Ehren kommen bzw. wenn von Dan Shocker selbst nicht abgeschlossene Handlungsstränge in dieser Buchreihe zu einem richtigen Ende geführt werden.

Ein leichtes Problem meines Erachtens in diesem Roman ist die Zeitabfolge. So verbringt Danielle White doch ein paar Tage bei den Zombie-Insekten, bevor sie ihrem grausamen Schicksal zugeführt wird, während das Geschehen mit Larry Brent und Su Hang an einem Nachmittag und Abend abläuft. Hier hätte ein bisschen mehr auf diesen Aspekt geachtet werden können, aber dem Gesamteindruck des Romans tut dies keinen Abbruch.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Länge des Romans, der mit knapp 150 Seiten nicht gerade gewaltig ist. Dieser vorliegende Roman hätte ruhig noch um etliche Seiten länger ausfallen können, so spannend, wie er geschrieben wurde. Dafür wird der Leser wiederum mit einer Kurzgeschichte aus dem Jahre 1960, also zu Beginn von Jürgen Grasmücks SF-Karriere belohnt, die ganz deutlich die spezielle Handschrift dieses Autors bereits erkennen lässt.

Fazit: Ein spannend geschriebener Roman, der sich leicht lesen lässt, da man mit den Figuren des Romans mitleben und mitfühlen kann, was dem Plot nur guttut. Somit kommt auf diesen knapp 150 Seiten des Romans keine Langeweile auf, wird doch die Spannung des Romans kontinuierlich hinaufgeschraubt bis zum Showdown, in dem es für die PSA-Agenten beinahe zur Katastrophe kommt, wenn da nicht ... aber so weit will ich nicht vorgreifen! Jedenfalls erweist sich Richard Pertal einmal mehr als zäher Gegner der PSA, der X-RAY-1 am Ende noch ankündigt, dass nun aber Schluss mit lustig sei! Und wenn man dem Nachwort des Autors Glauben schenken darf - und warum sollte man dies nicht können? - dann gibt es in wenigen Monaten ein Wiedersehen mit Richard Pertal und Dr. Tschang Fu unter der Federführung von Susanne Wilhelm nach einem Exposé von Christian Montillon selbst. Was soll denn da noch schiefgehen?

Beschreibung des Titelbildes:

Ein sehr gruseliges Titelbild, das Herr Lonati-Sieber noch höchstpersönlich nach Angaben von Dan Shocker in den Achtzigerjahren gemalt hat, aber die Story eben nicht mehr verwirklicht werden konnte, weil der Pabel-Verlag die Serie damals ohne wirklich zwingenden Grund einstellte. Der halbskelettierte Kopf links im Vordergrund wirkt überaus unheimlich, ebenso die zwei Gestalten, die den gefangen genommenen Mann fortschaffen. Die anderen vier Monster hingegen, welche die Frau, die wohl Danielle White darstellen soll, eskortieren, wirken eher etwas komisch auf mich. Die beiden links und rechts, die hinter der Frau gehen, haben ihre (lüsternen) Blicke wohl mehr im tiefen Ausschnitt ihres Kleides hängen als sonst wo. Was das Drudenfuß-Symbol auf der Stirn der Monster bedeuten soll, entzieht sich meiner Kenntnis, denn dies kommt im Roman überhaupt nicht vor. Kleines Detail am Rande: Ich frage mich immer wieder, wie diese Zombies mit dem Oberkiefer allein wirkungsvoll zubeißen können sollen, aber auch das soll die Gesamtwirkung des Titelbildes nicht schmälern. Auch die orange Hintergrundfarbe unterstreicht das Unheimliche des Geschehens sehr gut und passt somit hervorragend zum Gesamteindruck des Titelbildes. Die übrige Aufmachung mit der Geisterhand vorne und auf dem Buchrücken mit durchlaufender Nummerierung erfreut des Sammlers Herz, denn so macht sich die Buchserie auch recht gut im Bücherregal.


Dan Shockers Larry Brent - Neue Fälle, Die Geheimen X-Akten der PSA - Gargoyle
Dan Shockers Larry Brent - Neue Fälle, Die Geheimen X-Akten der PSA - Gargoyle
von Susanne Wilhelm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neue Monster braucht das Land ..., 8. April 2011
Grauenhafte Nachrichten für die PSA aus Frankreich: Kinder werden von fliegenden Kreaturen aus Wohnhäusern geraubt. Der Klappentext verrät es schon: Hier wird wiederum auf den Beschützerinstinkt der Leser und Leserinnen gesetzt. Welche Mutter würde nicht ähnlich reagieren wie Louise Beaumont, die, als sie einen lauten Knall aus dem Kinderzimmer und gleich darauf das Weinen ihres kleinen Sohnes hört, sich einem geflügelten Monster gegenübersieht, das gerade ihr Kind rauben will? Obwohl sie sich todesmutig dem Monster entgegenwirft, kann sie den Kindsraub dennoch nicht verhindern.

So bekommt Larry Brent alias X-RAY-3 von seinem Chef David Gallun alias X-RAY-1 den Auftrag, umgehend nach Rouen zu fliegen, um seinem Kollegen und besten Freund Iwan Kunaritschew alias X-RAY-7, der bereits vor Ort ist, bei dessen Ermittlungen zu unterstützen und weitere Kindesentführungen nach Möglichkeit zu verhindern. Larry trifft auch sogleich auf Commissaire Gaspard, den Polizeichef von Rouen, der natürlich absolut nicht an Unheimliches glaubt. So machen sich die beiden PSA-Agenten in einem erheblich aufgemotzten Citroën C2 (als Hommage an Studentenzeiten der Autorin, obwohl sie mir dafür zu jung zu sein scheint?) daran, dem Fall auf den Grund zu gehen. Und als Larry schließlich Zeuge davon wird, wie sich eine Steinskulptur in einen fliegenden Gargoyle verwandelt, folgt er diesem bis in ein verlassenes Industrieviertel, wo er und Iwan gleich darauf unter sehr realen, von einer irdischen Waffe ausgehenden Beschuss genommen werden.

Was hat das nun wieder zu bedeuten ...?

Der erste Roman zur Larry Brent-Hardcover-Reihe von Susanne Wilhelm ist nicht von schlechten Eltern, um es einmal salopp zu formulieren. Ich muss an dieser Stelle wirklich sagen: Hut ab! Die junge Autorin hat das »Phänomen Larry Brent« ganz gut verstanden und konnte sich sogar als Frau in diesen »Machotypen Dan Shocker'scher Prägung« der 60er-, 70er- und 80er-Jahre überaus gut hineindenken. Und das soll etwas heißen! Eine junge Frau, die die Tochter von Larry Brent sein könnte, schreibt beinahe über ihn so, als ob sie via Morna Ulbrandson an seiner Seite agieren würde. Hier findet kein verklemmtes »Männergehabe« statt, sondern ganz einfach die Akzeptanz einer Romanfigur, die es schon geschafft hat, über 20 Jahre im Dienst zu überleben gegen allerhand Dämonisches und auch Menschliches (im negativen Sinn), und dennoch nach weiteren über 20 Jahren noch immer auf dem Romanmarkt präsent zu sein und es sogar zu einer Buchreihe zu bringen. Das soll Larry Brent erst einmal jemand nachmachen (außer Björn Hellmark alias Macabros, aber der ist immerhin fünf Jahre jünger)!

Anfangs »schwächelt« der Roman etwas, aber das ist sicher nicht Susanne Wilhelms Schuld, denn hier musste sie einfach zu viele Querverweise zu anderen Hardcovern und auch zu diversen Heftromanen vornehmen, bevor es so richtig losgehen konnte mit der Arbeit von Larry Brent und Iwan Kunaritschew im französischen Rouen. Gleichzeitig gibt sie damit aber auch bekannt, dass sie sich im neuen und im alten Larry-Brent-Kosmos ganz gut auskennt. Nach diesen wenigen Seiten gibt sie dann ordentlich Gas, allein wenn man bedenkt, dass sie kein Problem damit hat, über von Gargoyles verspeiste Kinder zu schreiben. Etwas, was sich Jürgen Grasmück alias Dan Shocker wohl schwerlich erlauben hätte dürfen dank der Kontrollstelle für jugendgefährdende Schriften in Deutschland. Man muss ehrenhalber aber auch dazu sagen, dass damals die Gewaltakzeptanz des Lesepublikums wahrscheinlich auch nicht so hoch gewesen wäre.

Aber die junge Autorin macht ihre Sache in diesem Roman sehr gut. Das muss hier an dieser Stelle einfach gewürdigt werden, auch wenn manchmal der Eindruck entsteht, dass manche Passagen des Buches etwas mehr Härte problemlos vertragen hätten. Aber man sollte definitiv nicht ungerecht sein: für einen Erstling hat sie dieses Unterfangen bravourös gemeistert! Ich muss ehrlich sagen, dass ich gespannt auf ihr nächstes Larry Brent-Hardcover warte, denn ich denke, dass die Autorin mit ihrer Aufgabe durchaus wachsen wird, was nichts weiter heißt, als dass wir uns zumindest auf einen ebenso spannenden weiteren Roman aus ihrer Tastatur freuen dürfen.

Sehr positiv finde ich jedoch, dass sie Larrys Freundin Dodo am Anfang erwähnt - auch zwischendurch wieder einmal -, aber dennoch Larry das »auf-schöne-Frauen-Blicke-werfen« erlaubt, soll heißen, sie nimmt ihm nicht vollkommen seine »Männlichkeit«. Ebenfalls ist positiv hervorzuheben, dass Iwan Kunaritschew seine geliebten, berühmt-berüchtigten »Vampir-Killer« öfter rauchen darf, als dies bei Dan Shocker selbst der Fall war. Denn in diesem Roman gibt es nun mal keine Kollegin, die ihm dies verbieten will - und doch pafft er nicht einfach bedenken- und rücksichtslos vor sich hin. Ebenso bietet er anderen Menschen seine Selbstgedrehten an, die diese natürlich nicht vertragen. So soll es sein, denn nicht alles von lieb gewonnenen Marotten unserer Serienhelden soll dem allgemeinen Mainstream zum Opfer fallen ...

Fazit: Susanne Wilhelm hat hier einen Roman abgeliefert, der sich mit etlichen Romanen von Dan Shocker selbst durchaus messen kann. Die Figuren in ihrem Roman sind zum Teil sehr pointiert gezeichnet - vor allem der »ungläubige« Kommissar namens Gaspard, der am Ende doch etwas bekehrt wird (wie dies bei D. S. ebenfalls des Öfteren geschah, wohlbemerkt). Claire Romains Beweggründe als Gargoyle-Jägerin fallen meines Erachtens zwar etwas zu gering aus, denn eine jahrhundertealte »Bringschuld« ist für mich nicht die heroische Allgemeingültigkeit, aber »religiöse Verblendung« kann durchaus einiges in dieser Richtung bewirken. Im Übrigen muss man sicher auch dem begrenzten Rahmen von 160 Seiten Rechnung tragen, mit dem die Autorin auszukommen hatte, sodass die Charakterisierungen nicht bis ins Detail ausgearbeitet werden können. Alles in allem bietet dieser vorliegende Roman eine sehr spannende Story, die zwar zum Schluss hin auf den letzten Seiten etwas abflacht, da der Showdown mit dem Ende der Gargoyles ein wenig zu einfach vonstatten geht, aber das kennen wir auch von Dan Shocker selbst zur Genüge. Hier gibt es ein wirkliches Finale, wo so einiges aufgearbeitet wird, was beim Erfinder der Romanreihe in einem überhasteten Ende wohl unerwähnt geblieben wäre, wie die Leser seiner Heftromane alle wissen. Also warten wir ihren nächsten Roman ab, denn ich denke, dass sie dann sehr wohl einige Kleinigkeiten ausgemerzt haben wird, die als eher unbedeutende Kritikpunkte aufgefallen sind.

Beschreibung des Titelbildes:

Laut Beschreibung wiederum ein Lonati-Bild, was ich nicht nachvollziehen kann, denn das Thema Gargoyles war zu Herrn Lonatis Lebzeiten eher kein Thema, aber dennoch ist es sehr stimmungsvoll. Von dem Gargoyle, der auf den am Boden liegenden Mann starrt und bereits im Begriff ist, ihn anzugreifen, geht eine spürbare Bedrohung aus, von der man erwartet, dass sie für den Menschen zum echten Problem werden könnte. Das Motiv kommt zwar so nicht im Roman vor, aber nichtsdestotrotz ist es überaus passend. Wenn ich kein Abonnent der Serie wäre, dieses Cover hätte mich sicher zum Kauf animiert.


Das Buch der lebenden Toten
Das Buch der lebenden Toten
von Thomas Fröhlich
  Broschiert
Preis: EUR 14,00

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Da in der Hölle kein Platz mehr ist, sind sie bereits hier ..., 23. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Buch der lebenden Toten (Broschiert)
Diese Anthologien-Sammlung von 21 Kurzgeschichten auf 225 Seiten (eine zu lang geratene Story ist online zu lesen), erschienen im Wiener EVOLVER-Verlag, hat gehörig was zu bieten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass hier Geschichten aus einem Schreibwettbewerb veröffentlicht wurden! Anfangs dachte ich, na ja, ist halt wieder ein Buch mit mehr oder weniger faden Zombie-Geschichten (ich mag diese vor sich hin faulenden Horrorwesen nicht sonderlich), aber gleich die erste Story »Tagebuch 2901« von Simon Saier hat mich auf der Stelle in ihren Bann gezogen. Es geht darin um eine Testreihe an Zombies, um ein Gegenmittel für ihre Heilung oder gegen den Zombie-Virus an sich herzustellen, aber der Zombie übernimmt mit der Zeit die gedankliche Kontrolle. Also, alles andere als lediglich tumbe Untote, sehr packend geschrieben mit einem guten Schluss.
Und so geht es weiter: Story um Story reiht sich an, beinahe eine besser als die andere. Leider sind auch Storys darunter, bei denen ich mich etwas »durchzwängen« musste, aber das waren nur wenige - und meistens die, die das Thema eher ernsthaft abhandeln wollten. Wo aber das gewisse Augenzwinkern, gepaart mit Humor, dabei war, waren sie stets sehr gut gelungen. Besonders gut fand ich die Story um »Ronnies Vorrat« von Lothar Nietsch. Hier ist es umgekehrt! Ein getöteter Drogenhändler wird zum Fressvorrat für einen Junkie, als der scheinbar Tote wieder erwacht. Während weltumspannend der Zombie-Virus um sich greift, während der Junkie von seinem Fenster aus beobachten kann, wie sie sich mit der Zeit unten auf der Strasse herumtreiben, wie es immer mehr Zombies werden - verlässt er seine Wohnung nicht, denn er hat ja seinen Vorrat in Form eines Zombies zu Hause! Eine überaus morbide Vorstellung ...
Sehr gelungen fand ich auch die Story »Wiedervereint« von Stefanie Lasthaus, die auf Haïti spielt. Hierbei geht es um eine Frau als Stalkerin, die einen Voodoo-Priester veranlasst, aus ihrem untreuen Ehemann einen Zombie zu machen, aber damit geht es erst richtig los. Oder die Story »Herzensangelegenheit« von Kai Seuthe, in der es um das Recht jedes Menschen geht, sich einen Zombie als Haustier zu halten und damit auch Gassi gehen zu dürfen. Warum man das nicht nachahmen sollte, steht ausführlichst in dem Buch beschrieben - und man braucht schon einen guten Magen und starke Nerven, um diese Geschichte fertig zu lesen. Dafür aber hat sie es wirklich in sich!
Mit jeder weiteren Geschichte wollte ich das Buch immer weniger aus der Hand legen - wahrscheinlich hatte mich das Zombie-Fieber bereits gepackt - und alle Storys in einem Zug lesen. Aber ich zwang mich dazu, immer nur eine oder zwei kürzere pro Tag zu lesen. Und mit der Zeit hatte ich dann beinahe das Gefühl, als würden so komische Gestalten durchs Wohnzimmer schlurfen, als würde sich grauenhafter Gestank darin verbreiten, und als hätten sie mich schon im herausfallenden Auge, um ihren unersättlichen Hunger zu stillen!
Es ist überaus interessant mitzuverfolgen, wie viele unterschiedliche Varianten das Zombie-Thema in diesem Buch hergibt: Keine der Storys gleicht der anderen, jede bietet eine völlig neue Sicht auf ein Horrormotiv, das mir immer eher langweilig erschien. Mitnichten! Mit diesem Buch ist es den Herausgebern Thomas Fröhlich und Peter Hiess gelungen, den Zombies neues Leben einzuhauchen, und man kann ohne Übertreibung sagen, durch dieses Buch sind die Zombies wieder zu untotem Leben erwacht und anscheinend nicht mehr tot zu kriegen. Wer eher altbacken geschriebene Schauergeschichten lesen will, ist hier nicht gut bedient, wer aber trashige Storys mag, die zum großen Teil überaus brutal und grauslich sind - wie eben Zombies auch -, dieser Leser oder diese Leserin wird mit diesem Buch sicher gut unterhalten. Man muss nur die Wohnung immer wieder lüften, um den Verwesungsgeruch hinauszulassen. Aber Vorsicht, es könnte bereits der eine oder andere Zombie draußen lauern ...
Fazit: Ein Lesespaß der doch kurzweiligen Art, bei dem auch der Humor und die Ironie nicht zu kurz kommen.


Dan Shockers Larry Brent - Das Kennedy-Rätsel
Dan Shockers Larry Brent - Das Kennedy-Rätsel
von J. J. Preyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Larry Brent auf dem Sprung ins 21. Jahrhundert, 12. Dezember 2010
Kaum zu glauben, aber Larry Brent, der beste männliche Agent der PSA, ist im 21. Jahrhundert angekommen. Kein Jahr gealtert, macht er frisch und frohgemut weiter wie ehedem, obwohl er in diesem Buch nicht vordringlich auf Dämonenjagd geht, denn das Altern der Hauptprotagonisten gehört nicht zu den Gefilden des Heftromans und wird in diesem ersten Hard-Cover aus der Tastatur von J. J. Preyer ebenso übernommen. Aber ganz ehrlich, wer will schon einen gealterten Larry Brent als Romanhelden haben? Die Frage stellt sich nur, warum man ihn nicht dort weitermachen ließ, wo er mit der Einstellung der Heftroman-Serie aufhören musste, gegen Ende der Achtziger-Jahre. Aber so hat er nun vor allem auch mit den Segnungen der modernen Zeit zu tun, mit Mobil-Telefonen, mit Computern für jedermann, einem Strandhaus bei Montauk auf Long Island und einer Motorjacht - was halt ein Agent des 21. Jahrhunderts so braucht. Ein Detail dazu am Rande: Larrys Nachbar, ein gewisser Dr. Knight, ist ein blinder Psychoanalytiker, in dem unschwer eigentlich David Gallun zu erkennen ist. Larry kommt dessen Stimme auch bekannt vor, denn sonst hört der PSA-Agent ja nur die elektronisch veränderte Stimme seines geheimnisvollen Chefs. Handelt es sich bei Dr. Knight wirklich um X-RAY-1, den unbekannten Chef von X-RAY-3? Und die PSA selbst bekommt ebenfalls schwerwiegende Veränderungen verpasst. Es wird eine neue Computeranlage installiert, die später sogar »Big Wilma« und »The Clever Sofie« in Rente schicken sollen, die so viele Jahre lang die Geschicke der PSA und auch die der Agenten und Agentinnen zu überwachen hatten. David Gallun, der hier dezidiert wieder unter den Lebenden weilt, wehrt sich zwar vehement dagegen, aber es zeichnet sich ab, dass er die Modernisierung der PSA nicht aufhalten wird können. In diesem Roman wird zudem nicht einmal erwähnt, dass X-RAY-1 vor langer Zeit von Dr. Satanas ursprünglich getötet wurde, was später bei der Neuauflage der Larry-Brent-Serie in eine schwere Verwundung umgeändert worden war, damit einmal die Chance bestünde, Larry Brent von seiner Doppelfunktion als X-RAY-3 und zusätzlich als X-RAY-1 abzulösen. In diesem Buch erfährt erstmals Morna Ulbrandson von diesem Arrangement, und sie ist zumindest sauer auf Larry, dass nicht einmal sie etwas davon wusste.
Zudem ist die Beziehung zwischen Morna und Larry relativ abgeflacht, ja, Larry ist sogar vor Mornas Augen direkt hinter der neuen Kollegin Sharon Monastir her und pflegt eine Liaison, von der Morna ebenfalls weiß - und nicht wirklich etwas dagegen unternimmt. Obwohl Jürgen Grasmück alias Dan Shocker wohlweislich nie vorhatte, aus den beiden ein Liebespaar werden zu lassen, damit sie nicht in ihrem Aufgabenbereich dadurch gefährdet werden konnten, hätte es das bei ihm sicher auch nicht gegeben. Aber die moderne Zeit fordert ihr Recht - und solche Beziehungen scheinen »normal« zu sein. J. J. Preyer dürfte die Heftroman-Serie nicht so gut kennen, auch nicht die Schlüsselromane bezüglich Mornas und Larrys Seelenzustand zueinander gelesen haben, und wenn doch, dann hat es ihn nicht wirklich interessiert. Oder er wollte einen moderneren Larry Brent »in jeder Beziehung« dem Leser anbieten. Aber auch bei ihm bleibt die neue Beziehung zwischen Sharon und Larry eher oberflächlich, wird nicht wirklich vertieft, als wüsste er selbst noch nicht so ganz, was er mit den beiden anfangen möchte.
Das Geschehen in diesem Roman hat recht wenig Gruseliges an sich, außer die Beschreibung der grausigen Morde, wobei die Opfer regelrecht geschächtet werden, um damit den islamischen Hintergrund beizubehalten. Denn die Mär von den moslemischen Attentätern, die am 09. 11. 2001 beide Türme des World Trade Centers in Schutt und Asche gelegt haben sollen, soll für das Volk und die Weltöffentlichkeit erhalten bleiben. Und hier wartet J. J. Preyer mit einer Fülle von Informationen auf, die für knapp 200 Seiten des Buches eigentlich fast zuviel sind, da hätten noch locker 100 Seiten mehr dafür herhalten können. Das Wie und Warum der Anschläge auf das WTC, das Warum des Anschlages auf das Pentagon, das Warum der Ermordung von Präsident John F. Kennedy und später von dessen Bruder Robert F. Kennedy, als dieser ebenfalls Präsident hätte werden sollen. Das Mysterium der ersten Mondlandung, die immer mehr angezweifelt wird, wird hier als die große Intrige einer mächtigen Gruppe dargestellt, die zwar ihre eigenen Männer auf dem Mond hatten, um das sogenannte »Rad der Refaim« zu besichtigen und danach zu zerstören, damit es die Menschheit nicht zu Gesicht bekommt, um vielleicht gar auf diese »Elite« aufmerksam zu werden. Dafür wird die Mondlandung mit den uns bekannt gewordenen drei Männern in einem Filmstudio abgedreht - mit dem Ergebnis, dass diese erste Mondlandung immer mehr angezweifelt wird. Die Gruppe, die hinter all dem steht, sind die »Nephilim«, die aus dem All kamen, und die in der Bibel als die »gefallenen Engel« bezeichnet werden, eine Rasse von Riesen, die sich mit den Menschen zu vermischen begann, als welche von ihnen auf der Erde zurück blieben, und die sich durch besondere Größe und besondere Intelligenz auszeichnen, die aber ihre ureigensten Ziele stetig weiter vorantreiben - und die vor keiner noch so großen Grausamkeit zurückschrecken, um diese Ziele auch zu erreichen (siehe den Anschlag auf einen vollbesetzten Mannschaftsbus). Jedes Mittel ist ihnen recht, um unentdeckt zu bleiben. Und so müssen denn auch über 3000 Menschen im WTC sterben, als Joe Lessing an Larry Brent zu Beginn des Romans die brisanten Erkenntnisse bezüglich der Kennedy-Morde im Auftrag der Nephilim übergeben will. Und nur ein Zufall rettet Larry davor, ebenfalls zu diesen Opfern zu gehören.
Verbissen heftet er sich in weiterer Folge auf die Spuren der Attentäter, und je weiter er vorankommt, umso mehr Leichen stapeln sich hinter ihm. Es gelingt ihm, in eine unterirdische Anlage der Nephilim einzudringen. Kann er dort weitere Erkenntnisse sammeln? Schon sitzt ihm der grausame Killer wieder im Nacken. Langsam aber nimmt der unheimliche, wahre Gegner Gestalt an, und Larry Brent weiß schließlich, was er zu tun hat, um ihn aus der Reserve zu locken. Er hat aber nicht mit dem gerechnet, was dann geschieht, als Larrys Gegner sich offenbart ...

Fazit: J. J. Preyer ist der erste Autor, der ein Larry-Brent-HC schreiben durfte, und er legt einen spannenden Roman vor, in dem Larry Brent beinahe chancenlos scheint, mit dem Leben vor der mächtigen Organisation der Nephilim davonzukommen. Man spürt die Bedrohung beinahe körperlich, der Larry hier ausgesetzt ist. Und obwohl es keine echten Monster sind, ist das Bedrohungspotenzial dieser Gruppe für Larry enorm - wie auch für die Menschheit. Mithilfe dieser gefährlichen Gruppe könnte es dem Autor gewiss gelingen, noch einige spannende Romane zu schreiben, wenn ich dennoch bemerken möchte, dass ich schon finde, Larry Brent sollte wieder mehr mit Geistern und Dämonen zu kämpfen haben. Doch die überaus genaue Recherche zu den brisanten Themen, einige geschickte Wendungen des Romans, die enorme Fülle an Informationen und die knappe, präzise Sprache des Autors schmälern keinesfalls das Lesevergnügen an diesem Roman. Und wie es ihm gelingt, die vielen anfangs gar nicht zusammenhängend scheinenden Enden überaus geschickt zu einer einzigen gewaltigen Bedrohung der Menschheit zu verknoten, das ist schon eine gewaltige Leistung des Autors. Dieser erste Hard-Cover-Larry-Brent ist es allemal wert, gekauft und gelesen zu werden, auch problemlos von jenen Lesern, welche die Heftromane nicht kennen. Ich jedenfalls bin schon gespannt darauf, wie Larry Brents Entwicklung weiterhin vor sich geht ...


Die Hure von Tirol. Der Polit-Thriller
Die Hure von Tirol. Der Polit-Thriller
von C. H. Guenter
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen C. H. Guenter oder wie ein Autor sich von Schablonen befreit!, 8. Dezember 2010
In diesem Roman, der zu den Spätwerken des inzwischen anerkannten Autors zählt - und den er nach eigenen Angaben zu »seinem wichtigsten Roman« erklärte, wichtiger als alle seine Kommissar-X- und Mister-Dynamit-Romane - geht es vordergründig um die Liebesgeschichte einer besonderen Frau, der Contessa Julia von Terlan, die aber so perfekt in das Geschehen um den Freiheitskampf der Südtiroler Extremisten eingewebt wird, dass einem dies beinahe über das gesamte Buch hinweg nicht auffällt. Diese wunderschöne Frau kreuzt über die Jahre hinweg immer wieder die Wege des Mannes, der sie 1957 vor dem Erfrierungstod in den Bergen rettete, ohne sich ihr zu erkennen zu geben. Bei einem gerichtlichen Vergleich betreffend der Wasserrechte derer von Terlan und der Brauerei der Saturners erwacht das Interesse in Julias Seele für diesen starken, vor Kraft strotzenden Mann. Und obwohl ihr Lebensweg anders vorgesehen war, wird das Schicksal sie immer wieder mit Andreas »Andy« Saturner, den genialen Kopf der Südtiroler Freiheitskämpfer zusammenführen. Ja, sie tut alles, um ihn zu finden, als er sie aus seinem Leben heraushalten will, um sie vor Schaden zu bewahren. Obwohl sie von dem einflussreichen Banker Dottore Salvatore Rossalone, dem Spross der einflussreichsten Mafia-Familie auf Sizilien und in Italien, heftigst umgarnt wird, den sie aber gerade wegen seiner Mafiaangehörigkeit verachtet, und auch von Colonello Federico Di Santis, der seitens der italienischen Regierung auf der Jagd nach den Freiheitskämpfern ist, umworben wird, gilt ihre Liebe ausschließlich Andy. Und so bleibt es ihr überlassen, ihn nach einem missglückten Anschlag, bei dem er gefangen genommen wird, aus dem Gefängnis zu Mantua befreien zu lassen mithilfe der Mafia, indem sie zusagt, Rossalone anschließend zu ehelichen, wohl wissend, dass sie so zur Hure werden wird. Rossalone wiederum versucht, Saturner aus dem Weg räumen zu lassen, um den verhassten Nebenbuhler ein für alle Mal loszuwerden. Doch das geht schief, und Andy und Julia gelingt die Flucht, obwohl die Polizei eine gut angelegte Falle aufstellte. So sind sie nun heimatlos, kämpfen aber unermüdlich auf internationalem Parkett weiter für die Autonomie von Südtirol, immer verfolgt von der Justiz, aber vor allem vom unversöhnlichen Hass des Dons vom Rossalone-Clan, der erst ruhen will, wenn die beiden tot sind. Und so setzt er schließlich sogar einen russischen Top-Killer auf das Liebespaar an - und nach Jahren hat dieser Mann sie vor der Mündung seiner Kalaschnikow ...

Ehrlich gesagt, anfangs tat ich mir schwer mit der Art, wie der Text aufbereitet worden war von C. H. Guenter. Dieses Abfassen jedes einzelnen Kapitels als »Jahrbucheintragung« ist schon ziemlich gewöhnungsbedürftig. Aber es bewahrheitet sich wieder einmal: C. H. Guenter war ein großer Autor, der lange Zeit allzu leicht in die Trivialliteraturszene verbannt worden war, dem erst jetzt - posthum wieder einmal! - höchste Ehren gezollt werden. Vielleicht trägt dieses »schlechte Gewissen« der sogenannten »hochgebildeten Leser« dazu bei, auch diese Gattung der Literatur und deren Autoren würdiger und wohlwollender zu bewerten; ein entsprechender Trend ist ja schon erkennbar. Es ist aber alsbald so, dass man von der Kraft von Guenters Worten gepackt wird, wenn man weiterliest. Man muss einfach das Wissen ablegen, dass dieser Mann Hunderte von Mister-Dynamit-Romanen schrieb, dann wird es erheblich leichter. Dennoch merkt man bei jeder Zeile, bei jedem Teilkapitel, bei jedem Kapitel, bei jedem Kapiteltitel die unverkennbare Handschrift von ihm. Der Aufbau ist so Mister-Dynamit-mäßig, dass man es kaum glauben kann, dass dieser Held nicht einmal in diesem Roman auftaucht. Doch halt: das stimmt ja nicht. Er taucht ja auf, zum Schluss hin, als der Autor lakonisch erwähnt, dass Kommissar X in Pension ist, dass Bob Urban nur noch einen Fall pro Jahr löst, Mike Hammer tot ist und nur noch Jerry Cotton in New York nach dem Rechten sieht - eine grandios beschriebene »Götterdämmerung« von ihm selbst. Auch der Hinweis im nächsten Kapitel auf die Verwechslungsmöglichkeit von Australia und Austria, von Carnton und Kärnten - super! Und überhaupt sein augenzwinkernder Einwurf in die österreichische Politik mit Julias Erbschaft im »Beerental« - grandios! Schade, dass es wahrscheinlich viele Leser einfach überlesen haben dürften, denn diese Anspielung auf den »Bärental«-Politiker ist wirklich vom Feinsten.

Zurück zum Roman: Ab den 70er-Jahren nimmt die Geschichte dann doch erheblich an Rasanz zu (positiv sicher auch, dass mehrere Kapitel im selben Jahr spielen), dass die Verwicklungen immer monströser werden (Mafia), und dass man manchmal den Eindruck hat, man liest eine Dokumentargeschichte der Ereignisse in Südtirol. Man merkt aber auch, dass C. H. Guenter ein Italien-Fan war (italienische Wörter, Essensbeschreibungen etc.), was natürlich keine Schande ist, gelingt es ihm doch - bei aller Dramatik des Geschehens - die Italiener nicht pauschal zu verurteilen und schuldig zu erklären an den Geschehnissen in Südtirol. Und dass der Kommissar aus Italien schließlich - nicht einmal ungern, denn Julia liebt er, Andy schätzt er wegen seiner Intelligenz und seinem Bemühen, alle Anschläge ohne Blutvergießen durchzuführen! - zweimal der große Lebensretter der beiden Hauptfiguren wird, das ist überaus versöhnlich geschrieben. Hier legt er dem »Verlierer« - auch in Bezug auf seine Liebe zu Julia - eine menschliche Größe in dessen Charakter, der vielen Protagonisten von sogenannter »großer Literatur« ganz gut anstünde. So merkt man diesem Roman natürlich auch an, dass es ein über 70-Jähriger war, der ihn verfasste, dass es ein Autor war, der mit den »kleinen Feindseligkeiten« in unserem täglichen Zusammenleben nicht mehr viel am Hut hatte. Ein Autor, der sich wohl auch wünschte, dass die Menschen anhand seines Romans ein besseres Verständnis für die Freiheitsliebe eines Volkes auf der einen Seite, aber auch ein besseres Verständnis für den Umgang selbst mit Kontrahenten untereinander an den Tag legen würden.

Es mag auch sein, dass das Thema FREIHEIT FÜR SÜDTIROL einfach zu wenigen Menschen interessant genug erscheint, um darüber lesen zu wollen. Es mag auch sein, dass C. H. Guenter zu sehr in der Schublade des Agententhrillers steckt, dass er zu sehr mit Mister Dynamit apostrophiert wird. Dennoch ist dieser Roman überaus lesenswert - und in gewisser Weise entspricht Andreas »Andy« Saturner absolut Bob Urban, sodass es relativ leicht wäre, sich den Hauptprotagonisten als Mister Dynamit vorzustellen. Es mag auch sein, dass die Wahl des Titels (oder dass die Projizierung des Hauptaugenmerks auf Julia von Terlan fiel), bei der Fangemeinde nicht so gut ankam bzw. ankommt. Aber das wiederum sollte echten Fans des großen Autors nicht viel ausmachen, und jenen anderen Noch-nicht-Fans als Lesern eigentlich egal sein. Ich denke aber, dass viele nach den ersten Kapiteln das Buch beiseite legten, da die Jahressprünge zu groß waren, die Länge der einzelnen Kapitel wohl doch etwas zu kurz waren, um die Leser bei der Stange zu halten.

Der wesentlichste Unterschied zu Mister-Dynamit-Romanen ist aber der, dass es sich hier auch um einen Roman über die Liebe handelt, über bedingungslose Liebe über alle Konventionen hinweg, wie sie wahrscheinlich nur von Frauen geschenkt werden kann. Es geht hier auch um den Verzicht eines angenehmen Lebens gegenüber aller Unbill, die sich Julia mit Andy einhandelt - und dennoch will sie nur ihn! Wenn man sich die Widmung des Buches anschaut, dann scheint es mir eine Liebeserklärung von C. H. Guenter an seine eigene Frau zu sein, der er mit diesem Buch möglicherweise Danke sagen wollte für alles, was sie an seiner Seite durchlebt hat, und vielleicht auch für das, auf was sie verzichten hat müssen an der Seite eines - wie er sich selbst bezeichnet hatte - Lustschreibers.

Fazit: Ich finde, es handelt sich hier um einen Roman, der viel mehr Beachtung verdient. Man muss eben die Geduld aufbringen, das Buch zu Ende zu lesen, dann erschließt sich einem doch die dichterische Kraft des Autors, selbst ein uninteressant erscheinendes Kapitel der vielen Freiheitskämpfe von Völkern auf unserer Erde ernst zu nehmen. Es muss sich nicht immer alles nur um Völker in Übersee oder auf anderen Kontinenten drehen. Und es scheint so, als wollte er auch das Bild der Frau an sich gerade rücken, das speziell in den so erfolgreichen Mister-Dynamit-Romanen ein doch sehr oberflächliches und oftmals auch falsch gezeichnetes ist. Und als Letztes: Hier wird eindrucksvoll bewiesen, dass C. H. Guenter ein Schriftsteller war, der mühelos auch "höhere Literatur" zu schreiben imstande war. Wer weiß, was uns alles vorenthalten blieb, weil ihn der Tod viel zu früh aus unserer Mitte riss ...


Der Bogenschütze
Der Bogenschütze
von Bernard Cornwell
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Der Beginn des Hundertjährigen Krieges aus der Sicht des gemeinen Soldaten, 1. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Bogenschütze (Taschenbuch)
Anfangs war ich sehr skeptisch, ob es sich lohnt, dieses Buch zu lesen, denn ich dachte: Na ja, wieder so ein historischer Roman mit ein bisschen Schlachtgetümmel, Liebesbeziehungen etc. Weit gefehlt, denn das Buch nahm mich sogleich gefangen, da es sehr gut geschrieben ist und vor allem der Blickwinkel des einfachen Soldaten recht faszinierend ist. Auch wenn die Sprache nicht ganz der Wortwahl des Mittelalters entspricht, so ist sie doch nicht so modern, dass sie vollkommen unglaubwürdig erscheint. Und es gelingt dem Autor, auch die "Feinde" als Menschen darzustellen, nicht als Monster, die unbedingt vernichtet gehören.

Dennoch wirkt das Buch nicht hundertprozentig ausgegoren. Das liegt sicher auch daran, dass man manchmal das Gefühl bekommt, es handelt sich doch irgendwie um einen Fantasy-Roman, diese Elemente sind jedoch so gering gehalten, dass man meint, der Autor wusste nicht so recht: soll ich oder soll ich nicht ...?

Die Sache mit dem Gral wird einerseits sehr gut beschrieben, aber die Suche nach ihm ist vor allem in diesem Roman eine eher lästige Nebensache. Interessant ist allerdings der Versuch des Autors, die Suche nach dem Gral einmal von Artus und den Rittern der Tafelrunde wegzubekommen. In der Beschreibung des Grals selbst wird man wiederum an den 3. Film von "Indiana Jones" erinnert, denn auch dort handelte es sich um den einfachen Becher eines Zimmermanns. Man wird sehen, wie es in den folgenden 2 Büchern der Trilogie mit dem Gral weitergeht ...

Fazit: Ein sehr spannend geschriebener Roman um ein historisch verbürgtes Ereignis, das als der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich in die Geschichte einging. Gerade die Beschreibung der Schlacht von Crécy offenbart den Wahnsinn des Krieges, zertrümmert die Verklärung als glorreiches Schlachtgetümmel, zeigt aber auch deutlich auf, dass die Religion immer schon für jeden Krieg missbraucht wurde, denn jede Seite wähnte stets Gott auf ihrer Seite. Das Interesse für die weiteren Teile der Trilogie ist voll geweckt; mich interessiert vor allem das weitere Schicksal von Will Skeat, dessen Schicksal einen ordentlichen Cliffhanger abgibt.


Dan Shockers Larry Brent - Neue Fälle, Die Geheimen X-Akten der PSA - Marmortod
Dan Shockers Larry Brent - Neue Fälle, Die Geheimen X-Akten der PSA - Marmortod
von Christian Montillon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen David Galluns Kindheit oder wie es zur Gründung der PSA kam ..., 17. November 2010
Dan Shockers Larry Brent

Marmortod

von Christian Montillon

Endlich ist er erschienen, der von mir schon lange erwartete erste Larry-Brent-Roman aus der Tastatur von Christian Montillon. Ich war sehr gespannt, wie er mit diesem Helden Jürgen Grasmücks alias Dan Shocker umgeht. Zerstört er auch hier viele der Strukturen, die D. S. geschaffen hat, ähnlich wie bei Macabros betreffend Marlos und die Geister-Höhle mit den sitzenden Skeletten usw.?
Jein, aber dazu später mehr.
Zunächst einmal: Ein sehr gut geschriebenes Buch hatte ich da in Händen, das einen doch recht spannenden Plot aufweist. Die Geschichte mit David Galluns Vergangenheit als kleiner Junge ist gut gemacht, ebenso das ständige Hin- und Herwechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart, wobei die beiden Handlungsstränge sich gekonnt zu einem Großen und Ganzen verknüpfen. Etwas schade dabei ist, dass Larry Brent beinahe nur die Rolle des Zuhörers und Fragenstellers beschieden ist, bis auf die letzten Seiten, wo er ein wenig in Aktion tritt.
Bei dieser Aktion wird er von einem der großen Geheimnisse der PSA gerettet, nämlich X-RAY-2, und nebenbei lüftet C. M. ein weiteres Geheimnis, nämlich das, warum Larry Brent eigentlich nur X-RAY-3 ist und nicht der zweite Mann hinter X-RAY-1. Wie das ganze Geschehen miteinander verquickt wird, das zeigt schon, wie sehr C. M. in die Fußstapfen von D. S. steigen kann - wenn auch nicht in allen Belangen! Gerade durch das Anhängen eines Textfragments aus der Tastatur des Meisters persönlich, aus dessen Untertitel hervorgeht, dass D. S. selbst X-RAY-1 wieder auferstehen lassen wollte, zeigt sich in der Beschreibung der Nebenfiguren das »spezielle Können« von D. S., mit seinen Beschreibungen diese Nebenfiguren zu atmosphärischem Leben zu erwecken, selbst bei einem Mordopfer, das nur wenige Zeilen lang unter den Lebenden weilt. Da geht C. M. doch schneller vor und knallt dem Leser einfach eine Leiche vor die Augen, ohne dieser Leiche zuvor irgendwelche Charakterzüge zu verleihen. Das hat es bei D. S. meines Wissens nach nie gegeben. Und obwohl er immer wieder kritisiert wird, dass er seine Hauptprotagonisten so skizzenhaft schilderte, sosehr ließ er dies bei seinen Nebenfiguren nicht einreißen. Die hatten alle stets ein gewisses Vorleben, wenn auch noch so klein umrissen, aber das war wohl eine ganz spezielle Kunst von ihm, dies auf 60 Heftroman-Seiten einzubauen.
Zurück zum vorliegenden Roman: Die Idee mit der Rückkehr von X-RAY-1 und gleichzeitig das erste Auftauchen von X-RAY-2 ist nicht von schlechten Eltern, vor allem, weil damit auch die etwas übertriebene Doppelgleisigkeit von Larry Brent als X-RAY-3, der gleichzeitig auch X-RAY-1 verkörpern musste, in den neuen Hardcovern ein Ende hat. Es mutete mich oft etwas seltsam an, dass ein Agent, der selbst an der vordersten Front gegen das Böse kämpft, immer Zeit hat, alles das, was in der PSA anfällt, im Auge zu haben, die richtigen Entscheidungen zu treffen, die Einsätze für die weiblichen und männlichen Agenten zu arrangieren, deren Berichte immer zur richtigen Zeit zu lesen und auszuwerten - und das stets von seinen engsten Freunden unbemerkt und mitten in den schwierigsten Einsätzen für ihn selbst! Meines Erachtens: ein Ding der Unmöglichkeit! Aber das war damals in den Siebzigern und Achtzigern wohl nicht wirklich das große Problem im Heftroman.
Jedenfalls hat dies nun ein Ende - und das ist gut so! Somit kann sich Larry Brent wieder auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren. Und er wird auch sogleich von David Gallun in sein geheimes Büro gerufen, wo ihm eröffnet wird, dass ein Verbrecher aus Galluns Kindheitstagen immer noch sein Unwesen treibt und sogar den geheimnisvollen Leiter der PSA direkt aufs Korn nimmt. X-RAY-1 klärt X-RAY-3 mit Hilfe vom überraschend auftauchenden X-RAY-2 - dies ist auch eine Meisterleistung von C. M.! - über die Beweggründe auf, und so erfährt Larry Brent gleichzeitig mit dem Leser, warum und wieso die PSA in den Sechzigern gegründet wurde. Da diese Erklärungen immer wieder mit den Vergangenheitserlebnissen abwechselnd geschildert werden, entsteht ein recht spannendes Konglomerat, das C. M. überaus geschickt zu einem großen Ganzen verquirlt. Und die Quintessenz des Gesamten ist - Achtung: SPOILER!!!!! -, dass X-RAY-2 damals mit der Marmor-Seuche in Kontakt kam - und nun auch X-RAY-1 selbst durch die Machenschaften des Verbrechers, der es auch auf ihn abgesehen hat, obwohl Gallun glaubte, dass dieser tot sei.
Leider nimmt die Spannung des Romans gegen Ende etwas ab, da einfach zu viel erzählt und zuviel in »was-sind-wir-doch-alle-superbrave-Weltenretter«-Manier geschrieben wird. Da tut es beinahe richtig gut, dass C. M. mit Richard Pertal (wohl ein namentliches Pendant zu Richard Patrick aus den Macabros-Romanen?) einen Supergegner aufzubauen versucht à la Dr. Satanas. Mal sehen, ob ihm das gelingt.
Der Showdown - der genauso schnell und abrupt da ist wie es bei D. S. ebenfalls oft geschah - triftet passend zum 50er-Jahre-Vergangenheits-Teil fast in Heimatromangefilde ab, als X-RAY-1 durch eine Formel von Richard Pertal so mir nichts, dir nichts wieder sehend wird! Musste das wirklich sein? Darf es in unserer heutigen Gesellschaft keinen Menschen mehr geben, der ein körperliches Manko aufweist - und sei es Blindheit? Das wäre von D. S. garantiert nicht so beabsichtigt gewesen, denn ich meine, er schrieb X-RAY-1 ganz bewusst dessen Blindheit auf den Leib, um vielleicht allen behinderten Menschen damit Mut zu machen, dass man auch mit einer Behinderung »ein überaus wertvolles und wichtiges Mitglied der Gesellschaft« sein kann.
Und ein Mensch mit einer solch gefestigten Charakterstärke, wie eben David Gallun früher immer beschrieben wurde, der wirft alle seine Prinzipien einfach so über Bord für das »Glück« (bitte dies nicht falsch verstehen, einem echten Blinden würde ich das natürlich von Herzen gönnen!), wieder sehen zu können? Dafür nimmt er etwas an, das vom Teufel persönlich an Richard Pertal weitergegeben worden zu sein scheint? Sicher würden das die meisten von uns wohl ohne Zögern annehmen, aber ein X-RAY-1? Wird er dadurch in seinem Bestreben, das Böse mit Stumpf und Stiel auszumerzen, nicht unglaubwürdig? Hat nun Luzifer ihn nicht ein bisschen in der Hand? Wird er dadurch nicht leichter erpressbar als zu früheren Zeiten, als er ähnlich der »blinden Justitia« sich nur auf sein Wissen und seine empathischen Fähigkeiten verlassen konnte - und es auch tat? Aber vielleicht ist das ja durchaus die Absicht von C. M., denn ich liege sicher nicht falsch in meiner Annahme, dass wir von Richard Pertal noch zu lesen bekommen werden. Und so, wie Richard Pertal hier eingeführt wurde, könnte er durchaus ein bitterböser, teuflischer Charakter à la Dr. Satanas werden, der David Gallun und der PSA noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten dürfte ...
Meine Bitte an die Autoren weiterer Larry-Brent-Romane: übertreibt es nicht zu sehr! Verändert nicht immer alles und jedes, was man bisher gewohnt war (Stichwort Iwan Kunaritschews »Vampirkiller«, die ihm von Morna Ulbrandson einfach so weggenommen werden - ziemlich starker Tobak ist das, würde Iwan früher dazu gesagt haben). Zu viel Huldigen des Zeitgeistes kann auch störend wirken (ich selbst bin auch Nichtraucher, aber mit Sicherheit kein militanter, denn diese Raucherhatz derzeit erinnert schon auch sehr an gewisse Formen von Terrorismus). Ich wäre euch dankbar dafür, und ich glaube, auch viele andere Leser der früheren Stunden ...

Fazit: Christian Montillon hat einen durchaus spannenden Roman geschrieben, der David Galluns Kindheit aus dem Dunkel der Geschichte holt, der einige Geheimnisse der PSA lüftet, die nicht einmal Larry Brent bis dato kannte. So wird auch diese legendäre Figur aus dem »Dan-Shocker-Kosmos« mit einer Vergangenheit versehen, die erklären hilft, warum X-RAY-1 die PSA wirklich gründete.

Bewertung des Buches »Marmortod«: 4 Sterne.

Beschreibung des Titelbildes:

Ein echter Lonati, wie ich in Erfahrung bringen konnte! Wobei die dargestellte, nur mit einem Slip bekleidete Nackte, die mit auf den Rücken gefesselten Händen auf dem Boden liegt, im Roman nicht vorkommt, but Sex sells! Überaus gut ausgeführt ist der Totenschädel mit den marmorierten Knochenpartien. Ebenfalls positiv die Knochenhand am linken oberen Rand, die das B des Schriftzuges Larry Brent hält (entspricht genau dem Schriftzug der LB-Heftromane) und darüber der Name Dan Shockers. Hier sehe ich ein kleines Manko: Ich hätte es richtiger gefunden, wenn man bei der Originalschreibweise »Dan Shocker's« geblieben wäre. Auch der im unteren Drittel sich befindende Autorenname und der Romantitel passen stilistisch gut dazu. Alles in allem ein gruselig anmutendes Titelbild, das den Vergleich mit früheren Lonati-Covern nicht zu scheuen braucht.

Bewertung des Titelbildes: 4 Sterne.


Dan Shockers Larry Brent - Neue Fälle, Die Geheimen X-Akten der PSA - Die Davinci-Loge
Dan Shockers Larry Brent - Neue Fälle, Die Geheimen X-Akten der PSA - Die Davinci-Loge
von J. J. Preyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Larry Brent - wie ihn noch keiner kennt!, 17. November 2010
Dan Shockers Larry Brent 2

Die Davinci-Loge

von J. J. Preyer

Ein sensationell gelungener Roman, den ich soeben aus der Hand legte, nachdem ich ihn nur mit zwei Unterbrechungen las (schlafen und arbeiten zu gehen - muss leider auch sein). Was der Autor hier als Roman vorgelegt hat, das hätte meines Erachtens auch Jürgen Grasmück alias Dan Shocker erstaunt - und sicher auch gefallen, wenn nicht gar begeistert. Der Plot um die Davinci-Loge ist dermaßen atmosphärisch dicht geschrieben, dass man auch dann, wenn manche Erklärungen etwas zu langatmig erscheinen mögen, einfach nicht aufhören kann, weiterzulesen. Man spürt hier Seite um Seite, dass die Geschichte überaus gekonnt ihrem Höhepunkt zugetrieben wird - und diesmal ist auch das Horror-Element, das ich in Larry Brent 1 Das Kennedy-Rätsel vermisste, ordentlich vorhanden.
Allein der Beginn des Romans ist beinahe phänomenal auf seinen etwas über zwei Buchseiten. Die Beschreibung eines Geschehens in dem berühmten Gemälde Leonardo da Vincis Das Letzte Abendmahl ist einfach - grandios! Ein Spitzeneinstieg. Da bleibt man wirklich gebannt an den Seiten des Buches »kleben«, will es einfach nicht zur Seite legen, bis man aus Gründen der Vernunft es doch tut. Aber um bei der nächstbesten Gelegenheit sofort wieder danach zu greifen, um der Geschichte weiterhin zu folgen. Und die Spannung steigt stetig weiter an; nach den ersten Morden beginnt man selbst mitzuraten, wer von der Loge wirklich der Mörder sein könnte, der - um das Geheimnis seiner DNA zu wahren - zu den grausigsten Mordmethoden greift. Und man fiebert ähnlich wie in jüngeren Jahren mit Larry Brent, Morna Ulbrandson und diesmal Robert Kane, den neuen X-RAY-8, mit, wie und ob es ihnen gelingen wird, den unheimlichen Mörder zur Strecke zu bringen. Allein dafür gebührt J. J. Preyer ein Sonderdank.
Ich will an dieser Stelle nicht mehr viel über den Inhalt des Buches verraten, um neugierig gewordenen Lesern nicht den Genuss zu rauben, es selbst Zeile für Zeile, Seite für Seite zu erlesen, in die sprachliche Welt eines Autors einzudringen, der seine Hausaufgaben wirklich gut gemacht zu haben scheint. Allein das große Wissen Preyers über Leonardo da Vincis Leben, Wirken und Schaffen, über viele Aspekte und Zusammenhänge aus dessen Leben, über das Hineinwirken seines Schaffens auch noch in unsere Zeit und in unsere Gedanken, unsere Vorstellungskraft, unser immer größer werdendes Erkennen und eventuell unser Verstehenwollen dieses wirklichen Universal-Genies - auch mit allen seinen Widersprüchen - wird uns mit diesem Buch anschaulich vor Augen geführt. Sicher kann man all dies in vielen geschichtlichen Werken nachlesen, aber dem Autor gelingt es hervorragend, auf diesen doch wenigen Seiten, die er zur Verfügung hatte, uns diesen Mann des 16. Jahrhunderts näher zu bringen, ihn beinahe zum Leben zu erwecken.
Hatte ich beim Das Kennedy-Rätsel noch gerätselt, an welchen Autor mich der Stil J. J. Preyers erinnert, wirkliche Fakten mit Fiktion so gekonnt zu vermischen, dass man manchmal nicht mehr richtig weiß, was nun tatsächlich reine Fiktion ist, so ist mir inzwischen klar geworden, dass es sich um den ähnlichen Stil von C. H. Guenter - inzwischen leider verstorben - handelt, mit dem J. J. Preyer befreundet - zumindest aber ein sehr großer Fan gewesen sein dürfte (immerhin sind Guenters letzte Romane in seinem Oerindur-Verlag erschienen). Und ich betrachte es als kein Manko, von C. H. Guenter etwas »abzukupfern«, da dieser Autor es ebenfalls verstand, eine große Leserschaft zu fesseln (auch mich, der ich mit 15 Jahren meinen ersten Mister Dynamit-Roman in Händen hielt - und danach noch eine Menge weitere gelesen habe). Sollte ich mit meiner Annahme Recht haben, so vertritt J. J. Preyer auf jeden Fall C. H. Guenters Schreibweise überaus würdevoll, ohne sie lediglich zu kopieren.
Und noch etwas fällt auf. Schon in Buch 1 war dies der Fall, und in Buch 2 erst recht: Larry Brent bekommt endlich Tiefe, seine Figur wird sensibler, sein Umgang mit Morna Ulbrandson wirkt nicht mehr nur wie der eines großen Jungen, der nicht wirklich weiß, was man mit dieser Frau anfangen soll - nein, er entwickelt echte Gefühle, durchlebt auch Angstzustände, und macht sich plötzlich große Sorgen um eine Frau. Und er gesteht sich selbst und zum Schluss auch ihr, dass er sie liebt und dass er sehr froh ist, dass sie noch am Leben ist - soll noch einer sagen, dass Larry Brent nicht lernfähig wäre! Auch wie er seine Begegnung mit dem Bösewicht abwickelt, zeigt, dass er nicht einfach nur alles mit der Smith & Wesson Laser erledigen will, sondern dass seine Handlungen nicht mehr ausschließlich vom Drang, alles selbst ausmerzen zu wollen, was nicht seinen Vorstellungen entspricht, erfüllt zu sein scheint. Dennoch bleibt er konsequent und kompromisslos auf der Seite der Guten und Gerechten.

Fazit: Ein äußerst gelungener Larry-Brent-Roman, der es verdient, von einer breiten Leserschicht gelesen zu werden. Zum einen durch eine Fülle von Informationen, die aber nicht langweilen, zum anderen mit einem Spannungsbogen, an dem immer weiter nach oben gedreht wird, und vor allem durch den psychologischen Tiefgang von Larrys Figur, die von ihrer Stereotypität wegkommt und mit viel mehr »Menschentum« angereichert wird. Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall schon gespannt auf den nächsten Roman von J. J. Preyer, der für den Larry-Brent-Kosmos eine echte Bereicherung darzustellen beginnt. Nur weiter so ...

Bewertung des Buches »Die Davinci-Loge«: 5 Sterne.

Beschreibung des Titelbildes:

Lonati lässt grüßen, wenn auch das Titelbild nicht unbedingt mit der Handlung konform geht. Die dunkle Figur erinnert an den Hexenwürger, die sitzende Figur ihm gegenüber am Tisch könnte Martin Gallun darstellen, der junge, stehende Mann ganz links Robert Kane. Einzig die bullige Figur hinter dem Sitzenden erinnert sehr stark an einen Mafia-Killer oder -Schläger. Man spürt förmlich die Angst, die der Schwarzgekleidete ausübt. Auf dem Tisch liegt die berühmte Zeichnung Leonardo da Vincis Der Vitruvianische Mensch, das Symbol des Gleichmaßes, der in einen Kreis und in ein Quadrat passt. Sehr gut dargestellt (wenn es auf den ersten Blick auch nicht auffällt): Die Spiegelung unterhalb des Tisches vom Pergament, den 3 Personen und des Unheimlichen mit Hut - diese Spiegelung an sich ist jedenfalls Teil der Handlung. Wie schon gesagt: Ein stimmiges, zum Inhalt des Buches irgendwie doch passendes Cover, auch wenn es nicht Teil der Handlung ist.

Bewertung des Titelbildes: 4 Sterne.


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