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Rezensionen verfasst von
Axel Lange (Oberhaching)
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Letztes Jahr in St. Blasien: Die Geschichte eines Kurortes und seiner prominenten Gäste
Letztes Jahr in St. Blasien: Die Geschichte eines Kurortes und seiner prominenten Gäste
von Barbara Baur
  Broschiert
Preis: EUR 16,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Aufschwung eines Schwarzwaldnestes zum Kurort mit Weltruf, 23. August 2014
Das detailliert recherchierte Buch holt die Vergangenheit des Schwarzwald-Kurorts aus ferner Vergessenheit. Berühmte Namen tauchen auf, an deren Tage in St. Blasien sich niemand mehr erinnerte: Mendelssohn Bartholdy, Franklin D. Roosevelt, als junger Bub, der Pianist und Gründer der Berliner Philharmoniker Hans von Bülow, Stefan Zweig, aber auch mächtige Personen des beginnenden 20. Jahrhunderts wie der Großindustrielle Hugo Stinnes, die Großherzöge von Baden und Luxemburg, weilten in St. Blasien zur Kur und verhalfen dem Ort zu einem nie mehr erreichten Glanz auf dem gesamten Globus. Die Autorin begnügt sich nicht mit der nackten chronologischen Schilderung der Besucher, sie führt dem Leser diese Menschen wieder zum Greifen nah, in dem sie ihre Schicksale, die oft mit St. Blasien verbandelt waren, neu aufleben lässt. So waren es etwa nur wenige Wochen die vergingen, bis Max von Baden im Kriegsherbst 1918 von seinem Aufenthalt in St. Blasien nach Berlin gerufen, zum ersten Kanzler der neuen Republik gewählt wurde und eigenmächtig die Abdankung Kaiser Wilhlems II., verkündete. Viele andere packende Zusammenhänge honoriger Größen hat Barbara Baur aufgedeckt. Nicht nur der geschichtlich interessierte Leser wird hier in ein paar mitreißende Stunden verwickelt.


Klavierspielen mit der Seele - Der weibliche Weg der Musik: Der weibliche Weg der Musik für eine neue Zeit
Klavierspielen mit der Seele - Der weibliche Weg der Musik: Der weibliche Weg der Musik für eine neue Zeit
von Irina Jacobson
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das das Fühlen nachhaltig zu verändern vermag, 11. November 2013
Dieses Buch hat zu einem Wandel geführt, wie ich mit dem Klavier umgehe, wie ich mich fühle, wenn ich damit arbeite, einem Wandel wie ich Musik fühle. Meine Irrmeinung war: Wenn Du gestresst bist, wenn Du viel "geleistet" hast, dann setz Dich ans Klavier und spiele zur Beruhigung ein wenig. Das lief voll falsch, jahrelang. Von der ersten Minute am Klavier fuhr ich mein Programm, etwas „hinbekommen zu müssen“ sofort weiter, spielte zu schnell, spielte mit beiden Händen, hielt nicht inne, so gut wie nie.

Heute läuft das anders: Ich setze mich vor das Instrument. Ich schließe die Augen. Ich konzentriere mich auf meinen Atem, langsames Ein – Aus. Ich spiele fünf Töne c-g mit der linken Hand, höre auf meinen Atem, dann mit der rechten, gleichmäßig gleich laut, gleich schnell. Nach drei bis fünf Minuten bin ich bei mir. Bin in völlig anderer Verfassung. Ruhig. Dann beginne ich eine Bach-Partita zu spielen, rechts, langsam, eine Zeile. Ich habe zuvor den Satz in logische Teile getrennt, spiele immer nur einen solchen Teil. Dann links dasselbe. Zwischendurch mal schneller, und siehe da es läuft wunderbar geschmeidig. Wenn ich so langsam spiele, erkenne ich die Art, wie ich Fehler mache, das war früher nicht gegeben. Die schönen Übungen im Buch wende ich wahlweise an, immer eine, die mir Spaß macht.

Klavierspielen ist ein neues Erlebnis für mich. Das Wertvollste aber ist noch etwas anderes: Das Buch hat mir gezeigt, dass ich bei allen Dingen dazu neige, mich zu verkrampfen, die ich anpacke. Wenn ich z.B. etwas aufgeschrieben habe mit einem Bleistift, dann waren meine Finger und mein Arm bis zur Schulter steif. Es tat weh. Das muss nicht sein, das lässt sich vermeiden. Es lässt sich bewusster, unverkrampfter leben, wenn man in sich lauscht. Ich werde mit Irina Jacobsons Buch den Weg weiter gehen. Zu entspannter sein, zu mehr "auf meine Gefühle horchen", zu "Musik wirklich empfinden" hat dieses Buch keine Alternative.


Kooperative Intelligenz: Das Erfolgsgeheimnis der Evolution
Kooperative Intelligenz: Das Erfolgsgeheimnis der Evolution
Preis: EUR 19,99

2 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Dead end, 9. November 2013
Der Autor preist die Kooperation als einen "neu" entdeckten Evolutionsfaktor. Er will den den Leser überzeugen, dass Kooperation ein evolutionärer Erfolgsgarant sei. Tasächlich ist in unsererm Jahrhundert gerade der Mangel an globaler Kooperation ausgeprägt dafür, dass die Menschheit ihre Probleme nicht in den Griff bekommt. Wir zeichnen uns als Spezies nicht durch den Gebrauch von Kooperation sondern durch deren Nichtgebrauch aus. Globale Probleme wie Bevölkerungswachstum, Klima, Ernährung, Rohstoffausbeutung, Konsum, Wachstum, Energie, etc. können von der Gemeinschaft nicht global behandelt werden. Dieses Manko hat der Autor übersehen, er hat sein Thema rigoros überschätzt. Viel eher gelten für den Menschen wie für alle anderen Spezies die Regeln Darwins in der Folge von Malthus: Bevölkerungsexplosion bei nicht annähernd gleichem Wachstum der Nahrungsgrundlagen mit anschließendem... A.L.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 27, 2014 4:42 PM MEST


Die Methode: Bd. 1: Die Natur der Natur
Die Methode: Bd. 1: Die Natur der Natur
von Wolfgang Hofkichner
  Broschiert
Preis: EUR 40,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Philosposche und literarische Höchstleistung, 16. August 2012
Dieses Buch ist sprachlich ein Wunderwerk, und das muss dem Übersetzer Rainer E. Zimmermann gleichermaßen angerechnet werden wie dem französischen Autor, von dem man möglicherweise vergessen hat, ihn einen großen Schriftsteller und Poeten zu nennen. Ich meine "Schriftsteller" in einem ursprünglichen Sinne als einen Meister des Wortes. Wer über das Bewusstsein reflektiert als "einen Blitz, der augenblicklich einschlägt und hinwegstirbt, ein Irrlicht, unfähig, ein Verhalten zu modifizieren, das von außen befohlen oder 'programmiert' wird", vor solchem Sehen-Können muss man eine Verbeugung machen.

Wenn es einem Leser nicht gelingt, das kongruente Gedankengebäude Edgar Morins vor sich aufzubauen, dann macht das bei der Lektüre nicht im geringsten traurig. Nein, diesem Mann einfach nur bei der Entwicklung seiner Gedankenstraßen, -windungen und -spiralen mit innerer Gelassenheit zu folgen, ihm zu vertrauen, dass die Pfade alle an ein helles Licht führen, das erhebt einen Menschen, in diesem Fall mich. Menschen, die kosmische, geistige Aggregate erdenken können wie Kant oder Morin lassen uns eingestehen in unsere pure Unfähigkeit, den Kosmos auch nur aus der fernsten Weite in seiner "polysystemischen" Größe intellektuell begreifen zu können. Gleichzeitig lassen sie uns einen Glauben finden an das wahrhaft Sinnhafte und Große, wozu der menschliche Geist fähig ist. - -


Darwins langer Arm - Evolutionstheorie heute
Darwins langer Arm - Evolutionstheorie heute
von Heinz-Ulrich Reyer
  Broschiert
Preis: EUR 42,00

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht auf dem heutigen Stand, 28. April 2011
Ein Buch über Darwins Theorie in der heutigen Sicht muss daran gemessen werden, ob es die Theorien, die auf Darwin aufbauen und sein Gebäude erweitern, auch behandelt. Das ist misslungen. Das von Reyer und Hempel herausgegebene Buch hätte so auch im Großen und Ganzen vor 30 Jahren herauskommen können. Wichtige neue Disziplinen werden nicht einmal erwähnt:

1. EvoDevo: Die evolutionäre Entwicklungsbiologie (s. Wikipedia) ist eine seit 1990 entstandene Forschungsdisziplin, die zu erklären versucht, welche Mechanismen der Organismus selbst in der embryonalen Entwicklung besteuert, um Evolution zu ermöglichen. - Nicht erwähnt.

2. Die Multilevel Selektionstheorie (D. Wilson) beschreibt, dass Selektion auf unterschiedlichen Ebenen und eben nicht nur auf der Ebene des Indivduums (Darwin) oder des Gens (Dawkins) abläuft. -- Nicht beschrieben.

3. Die Theorie der phänotypischen Innovation (G. Müller) erklärt, dass das Zustandekommen von Neueum in der Evolution (Schildkrötenpanzer, Feder, etc.) nicht mit dem Zustandekommen von Variation gleichgesetzt werden kann. Hier herrschen andere Evolutionsfaktoren.--- Nicht behandelt.

4. Die Entstehung multizellularer Organismen benöigt grundlegend andere, physikalische Prinzipen als Darwin und Mendel sie beschrieben haben (S.A. Newman). -- Ebf. nicht angesprochen.

5. Die Theorie der Nischenkonstruktion ist ein in sich eigenes Selektionsprinzip. Organismen (Mensch!) schaffen sich ihre eigene Umwelt. Diese wirkt auf ihre Evolution rekursiv (Odling-Smee).

Ich könnte fortfahren. Schauen Sie zum Vergleich das ebf. neu erschienene von Sarasin & Sommer herausgegebene Werk: Evolution: Ein interdisziplinäres Handbuch. Dieses Buch ist aktuell.

Eine Anmerkung noch: Ein Wwissenschaftliches Werk ohne Autoren- und Sachbuchindex macht den Eindruck, als sei es im Hauruck-Verfahren durch die Schlussredaktion gepeitscht worden. Der Leser kann nichts nachschlagen. Schade!

A. L.
Doktorrand Theoretische Biologie (Evolution)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 28, 2011 4:28 PM MEST


Freaks of Nature
Freaks of Nature
von Mark Blumberg
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,25

5.0 von 5 Sternen Ungeahnte Zusammenhänge in Evo-Devo, 29. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Freaks of Nature (Taschenbuch)
Ein bemerkenswertes Buch. Blumberg ist nicht der Erste, der mißgebildete Organismen heranzieht, um evolutionäre Pfade zu erklären. Bei erstem Anschein, auf Effektdarstellung aus zu sein, wird der Leser eines besseren belehrt. Blumberg geht an seine Sache äußerst sorgfältig heran. Evolutionäre Entwicklungsbiologie (Evo-Devo) wird dem Leser geradezu "plastisch" vermittelt. Die embryonale Entwicklung erfährt veränderte Pfade durch die Ernährung oder durch andere Umweltfaktoren. Wie anders könnte man das besser aufzeigen als an dramatischen Fehlentwicklungen? Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wenn man Blumberg folgt, der die Anpassungsfähigkeit des fehlgebildeten Organismus beschreibt, etwa eines Mädchens ohne Unterkörper, das sich auf Händen von klein auf so virtuos bewegen gelernt hat, dass von einer Behinderung nicht mehr gesprochen werden kann. Was das mit Evolution zu tun hat? -- Viel. Evo-Devo sieht heute Evolution als Fähigkeit des Organismus, in Abhängigkeit von wechselnden Umweltbedingungen unterschiedliche Phänotypen auszubilden. Wie krass die Entwicklungen auch sind, die uns Blumberg vorführt, sie kommen mit ihrer Umgebung klar.

Die Liste der Wissenschaftler, auf Blumberg recherchiert hat, umfasst große Namen: M. Kirschner, M.J. West-Eberhard, P. Alberch, S.J. Gould, C.H. Waddington, H.H. Wilder und viele andere. Ein Buch, das den Leser an die Hand nimmt, der noch im Glauben weilt, Evolutionstheorie hätte mit Darwin begonnen und mit der Synthetischen Theorie geendet. Nein, Evolutionstheorie hat mit der Entdeckung des Embryos gerade erste begonnen. Blumberg zeigt uns überzeugende Pfade von Evo-Devo in einem überzeugenden Buch.


Freaks of Nature : What Anomalies Tell Us About Development and Evolution
Freaks of Nature : What Anomalies Tell Us About Development and Evolution
von Mark Blumberg
  Taschenbuch
Preis: EUR 22,47

5.0 von 5 Sternen Nicht geahnte Zusammenhänge über Evo-Devo, 29. November 2010
Ein bemerkenswertes Buch. Blumberg ist nicht der Erste, der mißgebildete Organismen heranzieht, um evolutionäre Pfade zu erklären. Bei erstem Anschein, auf Effektdarstellung aus zu sein, wird der Leser eines besseren belehrt. Blumberg geht an seine Sache äußerst sorgfältig heran. Evolutionäre Entwicklungsbiologie (Evo-Devo) wird dem Leser geradezu "plastisch" vermittelt. Die embryonale Entwicklung erfährt veränderte Pfade durch die Ernährung oder durch andere Umweltfaktoren. Wie anders könnte man das besser aufzeigen als an dramatischen Fehlentwicklungen? Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wenn man Blumberg folgt, der die Anpassungsfähigkeit des fehlgebildeten Organismus beschreibt, etwa eines Mädchens ohne Unterkörper, das sich auf Händen von klein auf so virtuos bewegen gelernt hat, dass von einer Behinderung nicht mehr gesprochen werden kann. Was das mit Evolution zu tun hat? -- Viel. Evo-Devo sieht heute Evolution als Fähigkeit des Organismus, in Abhängigkeit von wechselnden Umweltbedingungen unterschiedliche Phänotypen auszubilden. Wie krass die Entwicklungen auch sind, die uns Blumberg vorführt, sie kommen mit ihrer Umgebung klar.

Die Liste der Wissenschaftler, auf Blumberg recherchiert hat, umfasst große Namen: M. Kirschner, M.J. West-Eberhard, P. Alberch, S.J. Gould, C.H. Waddington, H.H. Wilder und viele andere. Ein Buch, das den Leser an die Hand nimmt, der noch im Glauben weilt, Evolutionstheorie hätte mit Darwin begonnen und mit der Synthetischen Theorie geendet. Nein, Evolutionstheorie hat mit der Entdeckung des Embryos gerade erste begonnen. Blumberg zeigt uns überzeugende Pfade von Evo-Devo in einem überzeugenden Buch.


Evolution - The Extended Synthesis
Evolution - The Extended Synthesis
von Massimo Pigliucci
  Taschenbuch
Preis: EUR 28,50

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Can Darwin explain how complex bodyform evolve?, 13. Mai 2010
50 Million entries in google for "Darwin" at his 200th birthday in 2009. There were dozens of new books on "how evolution works". But does evolution function like Darwin saw it when it comes to construction of organismic form and complexity? Can the neodarwinian standard model of evolutionary theory explain it? How much power lies in natural selection? Did we never doubt about this? Many scientists did. They doubt in the creative capacity of natural selection to be able to build form, to generate body plans like ours or that of birds, cats or whales. In this book 16 scientists did their work in finding und summarizing new answers.

Like all sciences evolution theory made much progress in the last decades. Progress which didn't make much noise. And it's that, what this book is about. It tells the story of the new science of EvoDevo and other evolutionary discpilines and it shows us the today's frontier of science: How can the organism create spontaneous changes in development? Development became the center of evolution theory since the 90ies. The study of the embryonic process in an egg learns us, how change might happen and even more: how innovation can occur.

The authors of this book - 16 scientists from around the globe - are among the leading publishing people who study the field of evolutionary theory. They come from New York, Harvard, Chicago, Oxford, Vienna and other leading universities. Put their puzzle together on a Symposium hold in Altenberg Austria 2008 this puzzle has now become a comprehensive building of the modern evolution theory.

You learn about the new science of EvoDevo (Evolutionary Development Biology). But you also learn about the theory which goes beyond Darwin explaining that not only nature impacts on evolution but species influence nature as well which together form a complex self organizing system. You experience how the first multi cellular organisms, the metazoans, evolved, the first step in evolution which led to complex life like our's. In summary the Altenberg 16, that's name of the writers' group, extend the existing neodarwinian standard theory in fundamental points. The future will tell us if this book is a paradigm shift rather than a slight Darwinian extension.

Evolution - The Extended Synthesis is a landmark in evolutionary theory for forthcoming decades. If you thought you'd know how evolution works, first read this book and ask yourself again. Your picture of life on earth will change.


Die Darwin-DNA: Wie die neueste Forschung die Evolutionstheorie bestätigt
Die Darwin-DNA: Wie die neueste Forschung die Evolutionstheorie bestätigt
von Sean B. Carroll
  Gebundene Ausgabe

33 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Evolution ist mehr!, 30. Januar 2009
Carroll ist einer, wenn nicht der prominenteste vergleichende Evolutions-Genetiker der jüngeren Generation. In den USA wird mit Lob für ihn nicht gespart. Dieses Buch will tiefes Wissen über die Rolle der Gene in der Evolution transportieren. Dabei bleibt es gänzlich auf der klassischen, (neo-) darwinistischen Linie: Danach ist Evolution Zusammenwirken von zufälliger Mutation und kumulativer Selektion.
Diese Sicht ist überholt. Evolution ist mehr, wie man nicht erst aus jüngsten Veröffentlichungen von J. Bauer oder Kirschner/Gerhart erfährt. Kein Wort bei Carroll über die Entdeckungen, für die es schon mehrere Nobelpreise (1983,2006) gibt:
* Epigenetisches Netzwerk
* Vererbung über Methylierung oder dRNA-Referenz, also nicht über die DNA
* aktive, gestaltende Rolle des Organismus in der Evol.
* Erhaltung von Bewährtem (Körperbaupläne) durch Kontrolle

Caroll bleibt auf der "Hardware"-(DNA)-Ebene. Damit kann er die spannenden Fragen der modernen Evolutionsforschung nicht beantworten. Eineiige Zwillinsgmäuse mit unterschiedlicher Fellfarbe, wie von der australischen Forscherin E. Whitelaw 1999 eindrucksvoll demonstriert, die gibt es nach Carroll und die Neodawrinisten gar nicht.

Alles mit Darwin, also mit 150 Jahre alter Sichtweise zu erklären leugnet das, was wir heute über die interdependenten Mechanismen der Zellen mit dem Genom wissen. Da sind Kirschner/Gerhart; "Die Lösung von Darwins Dilemma" (siehe meine Rezension dort) ebenso wie J. Bauers "Das kooperative Gen" die weit zukunftsweisenderen Veröffentlichungen.


Gehirn und Genom: Ein neues Drehbuch für die Evolution
Gehirn und Genom: Ein neues Drehbuch für die Evolution
von Wolfgang Wieser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über Darwin hinaus, 5. Januar 2008
Auf den Punkt gebracht: Wieser macht Schluss mit Darwin. Nie konnten die Zweifel in der Evolutionsforschung ausgeräumt werden, dass nämlich rein zufallsbasierte Mutationen neben der Selektion der einzige Motor für die Entwicklung komplexen Lebens ist. Es konnte unmöglich wahr sein, dass etwa die Entwicklung des menschlichen Auges oder des Gehirns allein auf diesem Weg entstanden ist. Es m u s s andere Prozesse geben und vor allem muss es Prozesse geben, die in Wechselwirkung arbeiten, also auch von aussen auf das Genom wirken, damit komplexes Leben möglich ist. Epigenetik ist der moderne Überbegriff in der Evolutionsforschung. Wieser zeigt ihre Wirkungsweisen sorgfältig und breiter auf als viele seiner Fachkollegen. Dabei entsteht ein eindrucksvolles Gebäude über die Entwicklung des Lebens, ein Gebäude für das Darwin den Grundstein gelegt hat.

Wieser macht so auch Schluss mit dem Genom als dem alles beschreibenden "Buch des Lebens". Das Genom enthält (ungeachtet des Wirbels der um seine Entzifferung gemacht wurde und wird) nur einen Bruchteil der Anweisungen zum Bau des Lebens und vor allem enthält es keine oder nur wenige determinstischen Vorgaben weder für die Entwicklung des Organismus noch für die des Individuums. Bleibt die Frage, wo diese Dinge denn dann beschrieben sind. Wieser gibt kompetente wissenschaftliche Antwort.

Der Leser lernt neue Evolutionstribünen kennen: Jedes lebende Embryo durchläuft ebenso Evolutionsphasen wie das Gehirn jedes heranwachswenden Individuums. Bei beiden sind die Eigenschaften durch das Genom n i c h t im voraus festgelegt sondern entstehen jeweils erst im Zusammenspiel mit der Umwelt.

Genom und Gehirn ist ein Buch auf der Höhe der modernen Evolutions- und Entwicklungsbiologie. Beachtenswert um so mehr als es von einem deutschssprachigen Autor ist in der von amerikanischen Forschern und Nobelpreisträgern beherrschten Welt. Da ist es eine Freude, dass Wieser Fachleute aus Europa zu Wort kommen lässt. Dabei sind auch Stimmen die seit 100 Jahren vergessen sind obwohl sie die richtige Spur gewiesen haben. Wieser greift weiter als seine Kollegen, stellt den Evolutionsbegriff auf eine neue Bühne. Damit bricht er Schranken fuer ein neues Denken in der Biologie.

Das hervorragende Buch könnte gewinnen durch ein Gloassar der einschlaegigen Fachbegriffe und durch ein paar Grafiken etwa zur Veranschaulichung der gentechnischen Zusammenhänge.
Wenn Wieser die "Festung Darwin" nachhaltig aufbrechen will braucht er Anerkennung, auch im nichtiwissenschftlichen Publikum.


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