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Rezensionen verfasst von
Lahnstein

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Die Menschenfresserin: Ein Märchen
Die Menschenfresserin: Ein Märchen
von Valérie Dayre
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,90

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So unglücklich. So böse., 22. Juni 2005
Wie das Kind gefressen wird, wird nicht gezeigt. Wir nehmen an, es mußte nicht lange leiden. Was nicht gezeigt wird, das können Kinder ohnehin sich vorstellen.
Was gezeigt wird: ein Wahnsinn, eine Sucht, ein langes Leiden, ein schlimmes Ende, eine abgrundtiefe Reue. Das Böse: nicht faszinierend, sondern erbärmlich!
Mitleid mit der Täterin? Wunderbar sind in diesem Märchen die Erwachsenen, die angesichts einer Menschenfresserin gelassen reagieren: klug, nicht panisch.
Woher kommt das Böse? Weil es keine Antwort gibt, muß danach immer neu gefragt werden, und irgendwann zum ersten Mal!
Ein wunderbar einfaches und schönes Buch.


Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde und der Selbstmord des Astronauten: Prosa und Essays
Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde und der Selbstmord des Astronauten: Prosa und Essays
von Muammar al Gaddafi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

10 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Oberst kann auch fabulieren, 9. Dezember 2004
Eine Quelle der Erkenntnis für den Leser der vielen Anmerkungen des Herausgebers und Übersetzers.
Wir haben die gute Chance, am Ende der Lektüre mehr über Gaddafi, sein Land, seine Politik und seinen Islam zu wissen, als umgekehrt Gaddafi zu wissen scheint über uns Deutsche, über die Politik des Westens, über Juden- und Christentum. Sympathisch ist, daß Gaddafi fast lustvoll-spielerisch und gewiss nicht dogmatisch sowohl uns, als auch seine Landsleute und seine Religion betrachtet. Literatur ist so nicht entstanden, eher etwas wie ein Traktat mit einigen phantastischen Elementen.


Fragmente aus verlorenen Sommern: Gedichte
Fragmente aus verlorenen Sommern: Gedichte
von Rüdiger Görner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leser, verliere dich!, 4. März 2001
Kann man sich einen verwilderten Garten vorstellen, der sich nach hinten auf eine uralte Kulturlandschaft öffnet, vorne aber von einer verkehrsreichen Straße in Wien begrenzt ist? Ein Garten, in dem noch Hölderlin und Rilke wuchs, ein Garten, in dem der Sage nach Pindar Gärtner war? Lernet goß seinen poetischen Impuls ohne weiteres in alte Formen, gleichgültig, ob diese ganz ausgefüllt wurden oder ob vieles überfloß. Im Café Holenia serviert uns Lernet stilvoll einen manchmal nicht recht heißen Doppelten - stellt aber ein Glas frischestes, um nicht zu sagen heiliges Wasser daneben. Leser, riskiere es! Du kannst dich nicht nur von Texten, vom Knäckebrot aus Mehl von der Skrupelmühle ernähren. Rüdiger Görner hat das Verdienst, die vor einiger Zeit gesammelt erschienene (und inzwischen nicht mehr erhältliche) Lyrik Lernet-Holenias durchforstet zu haben und präsentiert eine Auswahl vom oft atemraubend Schönsten.


Austerlitz
Austerlitz
von W. G. Sebald
  Gebundene Ausgabe

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Fund-Palast, 19. Februar 2001
Rezension bezieht sich auf: Austerlitz (Gebundene Ausgabe)
Was die kommende E-Literatur verbergen könnte, das hat bisher noch jedes Buch schon eingangs verraten: seinen Umfang. Durch eingestreute Fotos verraten Bücher von Sebald noch mehr, sofern man sie voreilig durchblättert. Sebald entwickelt aus einer Fülle von detektivisch Gesuchtem und traumwandlerisch Gefundenem eine geheimnisvolle Gestalt (mit Zügen von Ludwig Wittgenstein). Einen, der seine verborgene Herkunft aufdecken will - erst wie träumend, dann wie erwachend, dem Geheimnis mal näher, mal ferner. Einen, der im Nazi-Propagandafilm "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" den Schatten seiner Mutter zu finden glaubt. In Paris den Vater: in einer wunderbaren Szene erleuchtet den Leser wie im Traum ein "endlich fügt sich alles!" Oder ist es umgekehrt? Der Leser ist wie erwacht, aber Austerlitz - so heißt der Held - Austerlitz träumt tiefer als zuvor. Mit welcher Fülle von historischen Details und Beobachtungen macht Sebald die großen Bahnhöfe in London und Paris zu Traumgebilden! Er scheint nichts zu erfinden; das Finden hat er allerdings neu erfunden. Mögen sonst Autoren über ein Fundbüro gebieten - Sebald ist von anderem Zuschnitt. Wenn auch aus der Überfülle wird manchmal etwas wie eine "erdrückende Beweislast" wird. Vielleicht wird ein zukünftiger Autor uns Lesern den Beleg zu jeder Behauptung direkt aus dem Britischen Museum und anderswoher zugleich verbergen und per Mausklick zugänglich machen.


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