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Rezensionen verfasst von
Grtler, Bj "bjoernguertler" (Aachen)
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Schutzpatron: Kluftingers sechster Fall
Schutzpatron: Kluftingers sechster Fall
von Volker Klüpfel
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Vom liebenswerten Grantler zum Vollpfosten, 14. Dezember 2012
Sorry, die Luft ist raus bei Klufti. Der vielgescholtete "Rauhnacht" hatte wenigstens noch Atmosphäre und die Idee von Agahtha Christies "Und dann gabs keines mehr" oder "Mord im Orientexpress" ganz gut aufgegriffen. Hier boten die Scharmützel zwischen Klufti und "Intimfeind" Langhammer noch Schmunzelpotenzial. Bei "Schutzpatron" nerven die Nickeligkeiten aber einfach nur - nicht nur die Grabenkämpfe mit Langhammer, sondern auch die mit Maier und anderem Personal wie dem Polizeichef.

Die an sich gute Idee, so etwas wie "Topkapi" oder "Das große Dings bei Brings" in die Allgäuer Provinz zu verlagern ist komplett misslungen. Und zwar nicht wegen des Falls, sondern weil sich die Autoren seitenlang in der Blödheit, dem vollkommenen Deppentum von Kluftinger ergehen, während der eigentliche Kriminalfall immer nur wenige Seiten Raum zwischendrin einnimmt und voran stolpert. So wird ein langes Kapitel dem - völlig übertrieben - Golfsimulator in Langhammers Keller gewidmet, ein anderes dem völlig chaotischen Flug nach Wien, aber eine Zeugenbefragung in Wien nimmt nur wenige Seiten ein. Der Zeuge zwitschert wie ein Vögelein. Alles gut!

Kein leitender Polizeikommissar, ein führender Beamter der Mordkommision, kann so blöd und ahnungslos daher kommen. So soll es zum Beispiel Menschen geben, die nie fliegen. Aber als Polizist sollte man zumindest schon mal davon gehört haben, dass Passagiere Flüssigkeiten nicht mit in ein Flugzeug dürfen. Wie Kluftinger Sekretärin Sandy behandelt, würde längst zu einer Beschwerde beim Gleichstellungsbüro führen. Das ein deutscher Polizist den Diebstahl seines eigenen Autos nicht anzeigt und stattdessen völlig verblödete Aktionen unternimmt, um sein Auto wieder zu bekommen (einen unverschlossenen, nagelneuen Dienstwagen auf die Straße stellen und vom Bürofenster beobachten, ob den einer klauen will?!??!), geht meilenweit an der Realität vorbei.

Alles in allem haben die beiden Autoren den zunächst liebenswerten Kluftinger, der manchmal etwas tolpatschig und ahnungslos durchs Polizei- und Privatleben ging, zu einem völligen Vollpfosten und Hornochsen ohne Benehmen gemacht. Schade eigentlich!


Pornography (Remastered)
Pornography (Remastered)
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trostlos!, 8. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Pornography (Remastered) (Audio CD)
"It doesn't matter if we all die": Es war das vierte Album der Band, die sich aus dem Post-Punk in Richtung Gothic aufgemacht hatte - und es war das Album, an dem die Band beinahe komplett zerbrach. Mittlerweile zu einem Trio geschrumpft, Sänger und Mastermind Robert Smith komplett drogensüchtig, schaffte es die Band trotzdem, ihr wohl eindringlichstes Werk raus zu bringen.

Die beiden Vorgänger-Alben "Seventeen Seconds" und "Faith" wiesen schon die Richtung: Die traurigen Popmelodien eines "Boys don't cry" waren auch dort schon nicht mehr zu hören. Songs wie "A Forest" drückten Smith' immer tiefer ins Depressive abgleitende Stimmung wieder - eben auch den Drogen geschuldet.

"Pornography" setzte jedoch noch eins drauf: Klangen die beiden Vorgängeralben melancholisch, traurig, depressiv, so stürzt einen diese Platte in die totale Trostlosigkeit. Dumpfe Drums, tiefe Bässe und wabernde Gitarren verbinden sich zu einem unheilvollen Gesamtensemble. Dazu klagt Smith' Stimme von einer hoffnungslosen Alltagswelt, die ihn umgibt.

Aber zum Ende der Platte kommt er beim Song "Ponography" doch zur Erkennnis, dass er seine Dämonen bekämpfen muss:

"I must fight this sickness
I must fight this sickness
Find a cure
Find a cure ...
I must fight this sickness"

Das Album ist eines der Schlüsselwerke des Gothic - in einer Linie mit Bauhaus' "In the Flat field", Joy Divisions' "Unknown Pleasures" und "Closer", Sisters of Mercys "First and Last and Always" oder Fields Of The Nephilims "The Nephilim".


Wild Birds
Wild Birds
Preis: EUR 15,21

5.0 von 5 Sternen Nicht Bauhaus - na und?, 26. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Wild Birds (Audio CD)
"Echte" Bauhaus-Fans waren regelrecht schokiert über das, was Peter Murphy - unverwechselbarer Sänger und Mastermind der Gothic-Helden - nach der Auflösung der Band produzierte: Melancholischen Pop! Und doch klappt auch dies. Auf dieser CD sind die wichtigsten - von bekanntesten zu sprechen wäre wohl vermessen - seiner Songs zusammengefasst, die er bis Mitte der 1990er Jahre beim Indie-Label Beggars Banquet aufgenommen hatte (LP's "Should The World Fail To Fall Apart" bis "Cascade"). Es ist eine Retrospektive mit vielen wunderschönen Pop-Songs mit einem traurigen Grundtenor. Anspieltipps: "Cuts you up", "Subway", "Indigo eyes", "Strange kind of love" und "I'll fall with your knife". Einziges, schwächeres Stück: "Final solution".


LaCie ForMoa MacBook Notebooktasche 43,2 cm (17 Zoll) mit Griffoption, Luftpolsterschutz, 3 Fächer, rot
LaCie ForMoa MacBook Notebooktasche 43,2 cm (17 Zoll) mit Griffoption, Luftpolsterschutz, 3 Fächer, rot

5.0 von 5 Sternen Passt, stinkt nicht - und war bezahlbar, 26. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese Hülle ist für den Preis absolut unschlagbar. Sie stinkt nicht nach Gummi - wie bei vielen anderen Produkten diese Preisklasse bemängelt. Mein HP Pavillion g7 17"er passt gut rein, in die beiden Seitentaschen passt auch noch ein Kabel zum Laden oder anders, kleineres Zubehör. Die ausklappbaren Trageriemen sollten wohl auch halten, machen zumindest einen so stabilen Eindruck, dass ich keine Angst um das Notebook habe. Warum jetzt allerdings die rote Tasche so viel preiswerter (habe nicht einmal 11 Euro bezahlt) war als die anderen Farben, erschließt sich mir nicht ganz.


ADAC Reiseführer plus: Kroatische Küste. Istrien und Kvarner Golf
ADAC Reiseführer plus: Kroatische Küste. Istrien und Kvarner Golf
von Axel Pinck
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wieder untreu geworden - und nicht enttäuscht!, 26. Oktober 2012
Tja, nachdem ich schon für Dalmatien keinen Einzel-Reiseführer von Dumont finden konnte, sondern nur von Gesamt-Kroatien, habe ich auch beim zweiten Kroatienbesuch auf den ADACplus zurückgegriffen - und wurde abermals nicht enttäuscht. Auch hier wurden wieder die wichtigsten Daten, Fakten und Informationen so detailliert zusammengefasst wie nötig, wenn ich nicht gleich ein Studium ablegen möchte.
Die Innenstädte sind gut beschrieben und mit Rundgängen gut zu erkunden, die Geschichte wir nicht zu kompliziert angerissen, auch kleinere Ortschaften und Ausflugsziele sind aufgeführt. Dazu gibt es Tipps für Restaurants, was man aber eigentlich weglassen könnte, da teilweise - je nach Alter des Reiseführers - die Restaurants gar nicht mehr auf sind. Gut ist der angegliederte Teil über Essen und Trinken, Einkaufen, Verkehr usw.
Auch hier wieder wichtig: Unbedingt zur Ausgabe mit Straßenkarte in bester ADAC-Qualität greifen, wenn man mit dem Auto rumfahren will.
Zwei kleine Wermutstropfen: Auch hier wieder keine Parkplatztipps für die Städte - eigentlich beim Freie-Fahrt-für-freie-Bürger-ADAC etwas unverständlich - und keine Ausflugstipps für das benachbarte Ausland. Denn wenn man überlegt, dass Triest vom istrischen Porec genauso weit entfernt ist, wie Riejka am Kvaner, wäre ein solches Kapitel sicher hilfreich. Außerdem war der "kleine Sprachführer" in der Dalmatien-Ausgabe umfangreicher.


The Duke
The Duke
Preis: EUR 8,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Drei Sterne - im Vergleich mit Joe Jackson selbst, 16. August 2012
Rezension bezieht sich auf: The Duke (Audio CD)
So, das ist sie also, Joe Jacksons Interpretation eines seiner Helden: Duke Ellington. Die Frage ist nicht, ob man noch weitere Interprtationen von Ellingtons Songs braucht, sondern wie diese klingen - und hier kann Jackson leider nicht immer überzeugen, trotz großer Namen auf der Liste der Gastmusiker wie Gitarrenlegende Steve Vai, Ahmir "Questlove" Thomson von The Roots oder Iggy Pop, dem Godfather of Punk.

"Isfahan" und "Caravan" bilden zunächst einmal einen smoothen, guten Einstieg in die Platte, aber schon beim ersten Medley scheint Joe Jacksons eingenwillige Stimme fehl am Platz. Auch von dem folgenden "Mood Indigo" gab es durchaus schon bessere Versionen. "Rockin' in Rhythm" nervt schnell mit Kirmesorgel. Und so geht es weiter: Recht gute Versionen von "Duke"-Stücken ("I Ain't Got Nothin' But the Blues / Do Nothin' 'Til You Hear from Me") wechseln mit belanglosen ("Perdido / Satin Doll") oder sogar nervigen Versionen ("The Mooche / Black and Tan Fantasy"). Ein Augenzwinkern erkennt man bei "It Don't Mean a Thing (If It Ain't Got That Swing)" gemeinsam mit Iggy Pop.

Alles in allem ist diese CD recht unausgegoren und im Vergleich mit vielen anderen Werken von Joe Jackson nur drei Sterne wert - aber nur im Vergleich mit ihm selbst. Denn mit großen New Wave-Platten wie "Look sharp", "I'm the man", genialem Pop wie auf "Night and day", "Body and soul", "Big world", "Laughter and lust" oder "Rain", mit eher Abseitigem, Ambitioniertem wie "Will power" "Heaven & hell" oder "Symphonie No. 1" hat er die eigene Latte schon sehr hoch gelegt. Und er hat sie auch immer wieder selbst leicht unterschritten: "Night music" oder "Night and day II" nur als Beispiele. Oder eben auch hier. Wobei: Meist liegt der eigenwillige, exzentrische Brite, der sich um Kritiker nie gekümmert hat, weit über dem Durchschnitt - scheitert aber ab und an an seinem eigenen Anspruch.


The Best of 1980-1990 (Limited edition)
The Best of 1980-1990 (Limited edition)
Wird angeboten von DVD Overstocks
Preis: EUR 16,42

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn, dann diese Version!, 23. Mai 2012
U2 von ihren Anfängen bis zum großen stilistischen Bruch: Mit dieser Best-Of wird die erste Dekade der irischen Band um Bono und The Edge beleuchtet. Vor allem bis einschließlich der "The Unforgettagble Fire"-Platte spürte man den irischen-katholischen Hintergrund, konnte die zuweilen schwermütige Landschaft und Stimmung in den Songs spüren.

Die besten Stücke? Vielleicht, denn Hits waren es vor allem am Anfang der Karriere (LPs "Boy", "October" und "War") noch nicht - zumindest außerhalb von Irland nicht. Mit der "Unforgettable Fire" kam der Durchbruch, mit der "Joshua Tree" der absolute Erfolg - mit der "Rattle and Hum" der Größenwahn und der Einbruch. Die erste CD bietet durchgängig großartigen irischen Rock. Danach war - für mich persönlich - die Luft raus. U2 wurden zum überambitionierten Kunst-Produkt.

Aber wenn man sich die CD schon zulegt, dann doch bitte diese Doppel-CD-Version: Denn auf CD 2 finden sich hier noch viele B-Seiten der Singles aus den 1980ern, die man auch als U2-Fan nicht unbedingt alle zuhause hat. Sicher ist die Qualität hier nicht ganz so hoch wie auf der ersten CD, aber mit Songs wie "The three sunrises", "Walk to the water" oder "Trash, Trampoline and the party-girl" gibt es einige richtig gute Songs zu entdecken. Die Cover-Versionen "Everlasting love" und vor allem "Dancing barefoot" sind eher mittelmäßig - im Original beide besser.

Schade, das U2 - oder besser die Plattenfirma - diese Version recht schnell durch die eine Einfach-CD ersetzt hat, was man aber fast verstehen muss, denn die Hit-Käufer waren nicht bereit, sich für viel Geld auf B-Seiten einzulassen.


London Boulevard
London Boulevard
DVD ~ Colin Farrell
Wird angeboten von Celynox
Preis: EUR 11,99

6 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Warum Kneightey?, 31. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: London Boulevard (DVD)
Ich habe mit diesem Film ein ganz grundlegendes Problem! Ich gehöre sicher nicht zu denen, die stets laut aufschreien "Das Buch ist aber besser", wenn ein gelungener Roman verfilmt wird. Ich bin auch nicht der, der meint, man müsse sich sklavisch an die Vorlage halten. Da Film und Buch nun mal zwei ganz unterschiedliche Erzählweisen sind, muss zwangsläufig hier und da angeglichen oder gekürzt werden.

Wenn aber wie hier der Plot arg verändert wird und die Hauptfiguren ausgetauscht werden, tut es dann doch weh, weil man das Gefühl hat: Hier ist nur der Titel eines Bestsellers verwurstet worden. Im gleichnamigen Roman von Ken Bruen heuert Ex-Knacki Mitchell nämlich bei einer alternden Theater-Diva als Hausmeister an und beginnt mit ihr ein rein sexuelles Verhältnis. Nebenbei verliebt er sich sich in eine junge, attraktive Frau, die er in einem Cafe kennenlernt und beginnt auch mit ihr ein Verhältnis.

Gerade diese Spannung zwischen der sexuellen Beziehung mit seiner Arbeitgeberin und der beginnenden Liebe zu einer anderen Frau machen den Hauptdarsteller im Buch trotz seiner Brutalität und Skrupelosigkeit menschlich und teilweise sogar sympathisch, denn er will sich aus der Beziehung zur Arbeitgeberin zurückziehen. Im Film bleibt davon nichts übrig, als eine reiche, hübsche Keira Kneightley, um eine bekannte Schauspielerin auf dem Filmplakat zu haben. Das ist mir zu wenig.


Official Version
Official Version
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Es fiept, zischt, surrt an allen Ecken und Enden, 24. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Official Version (Audio CD)
Ich kann mich nie entscheiden, welches das Meisterwerk der EBM-Pioniere Front 242 ist: "Official version" oder "Front by front"? Nach langem Hin-und-Her lande ich dann aber doch wieder bei "Official version" - weil noch kälter, agressiver und Front-typischer.

Die belgischen Elektropioniere werden grundsätzlich als die Mit-Begründer der Electronic Body Music (EBM) genannt und tatsächlich haben sie den Begriff sogar geprägt (Hülle der "No Comment"-LP: Electronic Body Music for you to dance, move and enjoy). Die Wurzeln hat sie sicherlich bei DAF, Throbbing Gristle und anderen Elektro- und Industrial-Pionieren.

Nach einigen Maxi-Singles und der ersten - noch nicht wirklich ausproduzierten - LP "Geography", fanden Front mit "No comment" und der "Politics of pressure"-EP langsam zu ihrem Stil. Und der ist - bei vielen Paralellen zu anderen Bands - nahezu einzigartig. Es gibt wohl kaum eine EBM-Band, bei der es so schön zischt, fiept, surrt wie bei Front - und vor allem wie auf der "Official version". Das Sampling der Band ist in den 1980er Jahren unerreicht und unverwechselbar.

Schon beim ersten Song "W.Y.H.I.W.Y.G" knallen die dumpfen Bässe in die Magengegend, während es in der Hirnrinde pumpt und sirrt. Front variieren bei den einzelnen Songs auch stark beim Tempo - anders als etwa Nitzer Ebb, bei denen es meist voll auf die Zwölf geht. Klug gesezte Samples, die für jeden Song eine eigene Atmosphäre erzeugen, machen "Official version" zu einem echten Trip. So schimmert "Quite unusual" kalt wie der heraufziehende Morgen über einer Industriestadt ("The way the morning broke was quite unusual").

Was auf der Vinyl-Fassung, die ich noch im Regal habe, fehlt, sind die vier Remixe bzw. Maxi-Versionen, die ich nun nicht im Detail kenne. Grundsätzlich sind solche Bonus-Tracks recht nett, wenn noch Platz ist, oft aber auch entbehrlich. Ich habe ziemlich viel von der Band auf Schallplatte, habe mir aber auch nicht jede Maxi und jeden Mix geholt.

Je länger ich hier schreibe, desto deutlicher wird: "Official version" ist tatsächlich mein Lieblingsalbum von Front, auch wenn "No comment" und vor allem "Front by front" dieser Platte in fast nichts nachstehen.


First and Last and Always
First and Last and Always
Preis: EUR 6,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sisters at its best, 20. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: First and Last and Always (Audio CD)
Es war ein langer Weg bis zu dieser ersten LP der Sisters Of Mercy: Von der Zwei-Mann-Dilletanten-Band und der ersten selbstproduzierten Single "Damage done / Watch /Home of the hit-men" (auf der "Some girls wander by mistake" wie alle Maxi-Singles der Band bis zu dieser LP hier), von der Radio-Moderator John Peel so schockiert war, dass er sie gleich zwei Mal in der Sendung spielte, über frühe Dark-Wave-/Gothic-Klassiker wie "Alice", die "Reptile house"-EP oder "Temple of love", hatten sich die Sisters zu einer Band entwickelt. Diese schickte sich nun an, die erste komplette LP auf zu nehmen. "First and last and always" wurde zum Meilenstein des Gothik-Rock (auch wenn Sisters-Chef Eldritch nicht gerne in dieser Schublade ist, so stimmen doch alle Zutaten).

Auf "First and last and always" wird der Sister-Drumcomputer Dr. Avalanche an die Kette gelegt. Anders als bei vielen der frühen Singles wummert er nicht mehr im Stakkato. Die Songstrukturen sind komplizierter, nähern sich aber auch mehr traditionellen Rock-Strukturen an - weg von New Wave. Tiefe Bässe, weniger sägende Gitarren, mehr Melodien und Eldritchs' dunkle Stimme prägen den Sound der Platte, auf der energiegeladenen Songs wie "Floorshow" oder die Cover-Version von "1969" fehlen. Fast alles hält sich eher im Mid-Tempo-Bereich auf.

"Black Planet", "No Time to Cry", "Marian" oder "Some Kind of Stranger" vermitteln Schwere und Düsternis. Diese mag auch von den Drogen kommen, die sich Eldritch in dieser Zeit in größeren Mengen eingeworfen hat und deren Wirkung in "Amphetamine Logic" durchscheinen.

Die Energie zwischen Eldritch und den anderen Bandmitgliedern funktionierte - nach den Aufnahmen der LP und der folgenden Tour allerdings nicht mehr. Eldritch zerstritt sich mit allen, vor allem mit Wayne Hussey, der daraufhin kurzerhand The Mission gründete. Aber das ist eine andere Geschichte. Eldritch baute danach die Band erst einmal zu einem Quasi-Solo-Projekt um und veröffentlichte "Floodland", ebenfalls ein Meilenstein, aber glatter produziert, bombastisch, dunkel, aber nicht mehr düster.

"First and last and always" ist das Dokument der wohl besten Zeit, die diese Band hatte (auch hier würde Eldritch widersprechen, die meisten Fans nicht). Dieses atomsphärisch perfekt düstere Album ist einer der Höhepunkte dieses Genres und reiht sich somit ein in Meisterwerke wie "Pornography" von The Cure, "In the flat field" von Bauhaus, "The Nephilim" und "Elizium" von Fields Of The Nephilim oder den beiden Joy Divison-Alben "Unknown Pleasures" und "Closer".

Zur erweiterten CD-Fassung mit Bonus-Tracks:
Aus den 1980er habe ich noch die Vinyl-Fassung, kenne aber die meisten der Bonus-Tracks von diversen Maxis. Wie so oft bei Bonus-Material handelt es sich in erster Linie um B-Seiten von damals, die auf CD meist nicht zu haben sind. Insofern ist die Veröffentlichung zu begrüßen, vor allem für "echte" Fans. Die Qualität der Songs ist sehr unterschiedlich: Während ich mich bei "Poison door" oder "Bury me deep" frage, warum es nur B-Seiten waren, kicken mich "On the wire" oder "Blood money" nicht ganz so, sind aber gut. Völlig überflüssig: "Some Kind of Stranger (early)". Und ziemlich schlecht: "Long train", dass mit Stakkato-Beat wohl noch einmal an die Zeiten vor "First and last and always" anknüpfen sollte, aber das Niveau nicht erreicht.


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