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Rezensionen verfasst von
Amarokk

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Eragon - Das Erbe der Macht
Eragon - Das Erbe der Macht
von Christopher Paolini
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

108 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ich mag Galba, 2. Februar 2012
Die Überschrift spricht bereits den Knackpunkt an, der mich als großen Anhänger der Fantasy-Literatur am größten irritierte: Als ich das Buch nach gut drei Wochen endlich zuschlug und damit den Zyklus Eragon beendete, empfand ich Sympathie für Galbatorix. Und ich werde auch noch darlegen, warum.
Zunächst aber ein Rundumschlag, da es sich hier um Teil vier einer ganzen Reihe handelt: Den ersten Teil las ich mit Genuss! Mir gefiel die einfache, aber doch plastische Welt, die mir da präsentiert wurde. Der Vergleich zu Herr der Ringe, vom Plot her auch Star Wars, lag nah; ebenso das Prinzip der wahren Sprache, welches in 'Erdsee' schon seine Anwendung fand. Dennoch gefiel, was der werte Herr Paolini da zu Papier brachte.
Meine Verbeugung vor diesem 'Wunderkind', auch dafür, dass er es schaffte, eine solch imposante Masse an Schreibwerk zu verfassen.
Doch, soviel sei auch gesagt: Ist es eine Ehrung für einen mittlerweile wohl auf die 28 zugehenden Herren, als 'Wunderkind' angehimmelt zu werden? Nur ein kleiner Hinweis für die Fans, die manchen Logik-Fehler und flache Charaktere mit Alter entschuldigen wollen.
Jedenfalls: Der erste Band hatte seine Reize, auch wenn beim zweiten Durchlesen hier und dort kleine Stolpersteine aufkamen (als einziges Beispiel sei hier genannt, dass Eragon nebst Magie und Schwertkampf Lesen und Schreiben innerhalb weniger Wochen lernt).
Band zwei und drei brachten den Knick. Plötzlich hatte unser kleiner Drachenreiter also seinen Platz gefunden, bei den ehrenwerten Varden. Und von da an wurde es seltsam zäh; Roran als zweiter Protagonist half im zweiten Teil noch ein wenig aus, wurde im dritten Band jedoch geradezu abstoßend brutal - doch dazu später, vorerst kein zu großes Spoilern.
Band vier dann der größte Absturz. Denn Eragon hat noch immer keine Entwicklung durchgemacht. Er soll der große Drachenreiter sein, und doch kommt er mir noch immer wie ein Bauerntrottel vor; ein kleiner Junge, dem man den Mantel eines Kriegsherrn übergestreift und einen satten Stoß gegeben hat: 'Und nun geh und mach!' Und Eragon watschelt los, in zu großen Klamotten. Ernsthaft: Kann sich selbst der glühendste Fan Eragon mittlerweile als gereiften, erwachsenen Krieger vorstellen? Beschwört er etwa das Bild von Aragorn, Arathons Sohn herauf, der stolz und grimmig durch die Pforte Helms Klamms marschiert? Oder sieht man nicht doch noch immer den fünfzehnjährigen Jungen, der seiner Arya hinterherschmachtet und sich von allen das Okay abholen muss, ehe er in den Hof darf zum Spielen?
Auch die Magie, plötzlich inflationär vorhanden, wird fade. Nicht mehr magisch. Sie ist ein schlichtes, effektloses Werkzeug ohne Glanz. Keine göttliche Gabe, sondern fast schon Wissenschaft, nach den Maßstäben eines Physikers berechnet. Magie wird nicht geheimnisvoll eingesetzt und fantasievoll vom Autor beschrieben. Magie wird gewirkt, Magie verschließt die Wunde oder macht Feuer oder einfach Bumm.
Und für alle, die sich Spoiler ersparen möchten, sage ich kurz und knapp, warum mir Galbatorix sympathischer ist als die Varden-Partei: Weil er nichts Böses tut! Er hat hin und wieder Wutausbrüche und erschlägt einige seiner Diener, wie gern hervorgehoben wird. Ein Choleriker, schön und gut. Und den Thron hat er sich durch scheußlichsten Verrat erschlichen, ja. Das reichte in Band eins für den bösen Bösen. Doch nun? Seiner Bevölkerung geht es gut! Die Städte, welche die Varden schleifen, sind prunkvoll und die Einwohner leiden nicht unter IRGENDWAS, was ihnen der König auferlegte, es gibt keine große Schicht der Armut oder Unterdrückung. Im Gegenteil. Stets brechen Eragon und seine heldenhaften Horden - unter ihnen auch die Urgals, die von der Bevölkerung als Plage empfunden werden und anfangs zur Stilisierung Galbas zum Bösen beitrugen - in eine schöne Welt des Wohlstands ein, wann immer sie die Schutzmauern einreißen und die Straßen stürmen. Keine Armenviertel, die es unter normalen Umständen nicht auch gäbe. Keine für mich als Leser sichtbare Gewaltherrschaft.
Der Autor behauptet, Galbatorix ist unfassbar böse und muss vom Thron herunter. Doch eine Grundregel des Schreibens ist nunmal: Behaupten reicht nicht. Zeig es mir. Sag nicht, er ist böse, sondern zeig mir das Elend, das er hervorrief, zeig mir die Unterdrückten und so weiter und sofort. Stattdessen bekomme ich feindliche Soldaten, die ehrenmütig vor ihren durch Eid gebundenen Herren stehen und anschließend vom Bauernlümmel im Feldherrenmantel halbiert werden. Feinde mit guten, ehrenwerten Zügen sind gut, ja, doch da Galbatorix als wirklich Böser nicht rüber kommt, entzieht sich die Geschichte allem Sinne.
Keine Tiefe der Charaktere. Sie sind gut, denn sie sind gut. Der Böse ist böse. Muss er sein. Wäre er nicht böse, wäre die ganze Geschichte bloß eine Eroberungskampagne und ein Rachefeldzug für das Auslöschen der Drachenreiter, die jedoch unter der normalen Bevölkerung nur noch eine Legende sind.

Ab hier SPOILER -

Hier die größten Knackpunkte, die mir sauer aufstoßen:

Eragon: Wie gesagt, nach wie vor ein tumber Bauernjunge. Er soll der Mächtigste der ganzen Truppe sein, stolpert jedoch eigentlich nur durch die Gegend - meiner Empfindung nach. Er muss geschützt werden, regelrecht betüddelt von seiner Elfengarde, muss sich bei Nasuada abmelden und gute Gründe vorbringen, warum er sich von der Truppe zu entfernen hat - wie bei der Reise in die Ruinenstadt der Drachenreiter. Er will einen Schlüssel zur Vernichtung von Galbatorix finden, einem Hinweis nachgehen - und muss lang und breit überreden. Jeder hat Zweifel an ihm, jeder fürchtet, der glorreiche Held der Truppe könnte ohne die Unterstützung seiner Freunde stolpern und ins nächstbeste Kaninchenloch fallen. Er wird beschützt, wo es geht. Und soll doch letzten Endes mit den Fähigkeiten, die er bereits hat und die offenbar kaum für die Alltagsabenteuer genügen, gegen den finstersten Fiesling der Welt antreten. Lieber nichts riskieren bei der Suche nach neuer Stärke - lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Mal ganz platt: Moral muss doch am Boden sein, wenn man ständig heraufbeschwört, wie übermächtig Galbatorix doch ist und von allen Seiten wird nur bestätigt: 'Ja, er ist ein harter Brocken, eigentlich haben wir keine Chance. Wenn er wollte, könnte er kommen und uns ausradieren.'

Faktor Glück: Schließt sich gerade einmal ganz kurz an im Zuge des letzten Satzes: Ist doch so, oder? Galbatorix wird hochstilisiert zum Gott, und offenbar ist er auch so mächtig; allein sein Drache Shruikan müsste eine Herausforderung darstellen. Bloß gut, dass Galbatorix keine Lust hat, selbst etwas zu tun. Er hockt in seinem Thron, und sein Drache gibt den Wandvorhang. Er hat kurz einen starken Auftritt mit donnerndem Brüllen und Kettenrasseln, doch dann geht er wieder zurück an die Leine. Ein Glück, ist der Obermotz zu faul, selbst mal richtig loszulegen. Hätte ers getan, wäre ja noch eingetroffen, was alle befürchtet hatten!
Ein übler Beigeschmack. Die Story hat meiner Meinung einfach nicht die schlimmste Wendung, die größte Herausforderung erreicht. Über Galbas schwachen Kampf hätte ich hinwegsehen können, wäre er nicht in allen drei Bänden vorher zum Non-Plus-Ultra geworden. Es war, als halte mir der Autor den fetten Braten hin, fächelte mir den Duft zu und sagt: 'Er ist zart und saftig', Galbatorix wird die ultimative Herausforderung. 'Freu dich auf den Geschmack', freu dich auf diesen Kampf.
Doch es wird bloß drüber geredet. Der Braten verschmorrt dann doch im Ofen.

Der Feind selbst: Eigentlich hat Galba doch hehre Ziele, oder? Einschränkung von Magie und dergleichen wird später sogar von Nasuada aufgegriffen - aha? Eigentlich keine Veränderung, nur der übliche Wechsel, wenn ein Usurpator den Thron erobert.
Lediglich die Varden als Opposition sind gegen Galbatorix. Und sonst? Steht die Bevölkerung auf ihrer Seite? Nein, denn die Truppen der Städte stehen da nicht als Besatzungsmacht oder unterdrücken irgendwen. Alles läuft ganz normal, wie es sollte. Nirgendwo andere Aufständische, alle glücklich und zufrieden.
Und die Varden fallen in diese Idylle, sorry wenn ichs so sage, aber bestreitet es jemand? Sie selbst überziehen das Land mit Krieg und Verheerung, und am Ende sind Varden und Elfen und Zwerge und Werkatzen zufrieden, doch die Unschuldigen leiden.
Moral und Mordlust: Stößt mir sauer auf. Ab dem zweiten Band sind es immerhin Menschen, die auf beiden Seiten dem Schwert übergeben werden. Ich lese auch Historische Romane wie Bernard Cornwells 'Das letzte Königreich', und auch dort ist der Protagonist ein 'echter' Krieger, der den Kampfrausch liebt und seine Feinde wild schreiend erschlägt. Dort wird dies auch offen zugegeben - so war es eben zu jener Zeit, und der Leser versteht.
Und bei Eragon? Roran zählt im zweiten Band, wieviele Menschen (zehn bis zwanzig) er nun auf dem Gewissen hat, und verspürt tiefste Scham, weil sein Gewissen pocht. Im dritten Band zählt er nicht selbst, sondern einer seiner Kameraden die bereits dreistellige Summe von 186 Mann (soweit ich mich richtig entsinne, vielleicht war die Zahl auch gering anders). Und hoch oben auf dem Leichenberg, dass sie über die Dächer der Häuser hinwegblicken können, erklärt er trocken: 'Schade, dass es nicht vierzehn mehr waren. ich hätte die 200 gern voll gemacht.' Und er fällt in das Lachen der Umstehenden ein.
Witzig, nicht wahr? Dies setzt sich auch fort. Roran darf sich im letzten Band als ganz abgezockter Feldherr erweisen, der mit dem Gedanken an seine geliebte Katrina munter Schädel zertrümmert und als zum Soldaten und Drachenreiter-Cousin umgeschulter Bauer die anderen gestandenen Feldherren mit genialen Kriegslisten überraschen. Auch die anderen Einwohner aus Carvahall, also alle Handwerker und Schmiede und Bauern, haben ihr Herz auf dem rechten Fleck und wissen, wie man Soldaten in die Schlacht führt.
Eragon selbst metzelt und schnetzelt ebenfalls, dass es eine Lust ist - einziges Beispiel für den Spaß, den er haben muss, sei bereits das erste Gefecht. Arya wirft einen Speer, trifft zwei Männer gleichzeitig und setzt ihn durch das Wort 'Brisingr' in Brand. Eragon steht nahebei, höchst gelassen im Pfeilhagel, und bemerkt neckend, dass das unfair sei - immerhin könne er das nicht. Sein eigenes Schwert geht nämlich beim Wort Brinsingr von allein in Flammen auf. Daher muss er sich dieses Wort oft verkneifen.
Sich danach das quälende Gejammer und schlechte Gewissen in endlosen Selbstgesprächen zu Gemüte führen zu müssen, ist für mich als Leser wirklich die Höhe! Gemetzel, weil es sich eben gut schreibt und irgendwie dazugehört, inklusive cooler Rambo-Sprüche. Aber danach muss natürlich darüber gewehklagt werden, wie einen die Gesichter der Getöteten im Schlaf verfolgen! Alles verständlich, alles nachvollziehbar. Doch dann bitte nicht die Schlacht erst als Abenteuerspielplatz zum Rumtoben beschreiben - denn das wird sie, wenn alles haarklein und in blutroten Farben ausgemalt wird und die Helden ihre Sprüchlein reißen und offenbar rechten Spaß an ihrer Überlegenheit finden.
Letzter Punkt. Magie. Sie ist irgendwie weg. Fantasy enthält doch sonst soviel Magie und Mystik, nicht? Doch Eragons Welt ist aufgeklärt. Magie ist ein Werkzeug, Rohmaterial wie Stein und Holz. Sie ist eben da, und manche können sie verwenden, manche nicht. Sie wird gebraucht, um jedes kleine Problemchen aus der Welt zu räumen - ohne besondere Effekte, es glitzert kaum was, sondern der Held denkt sich eine Methode aus, wie er einen Schutzzauber anpasst oder sonstiges, und dann geht er wie ein Rechtsanwalt seine Klauseln durch, interpretiert ins Kleinste jedes Wort und dreht es wie eine Zehnpfennig-Münze dreimal rum, dass es auch ja passt. Es wird ausschweifend erläutert, was wohl für Probleme aufkommen könnten - im Band drei will Eragon beispielsweise seine Knochenwülste an den Händen (er war ja auf der Suche nach einer guten Waffe und erdachte sich diese 'Fäustlinge' als Aushilfe) schützen. Er denkt dabei darüber nach, durch einen Schutzzauber alles abstoßen zu lassen, was darauf treffen könnte. Geht aber nicht. Er könnte ja aus Versehen gegen einen Berg schlagen, und dann würde sein Schutzzauber versuchen, den Berg abzustoßen und das würde ihn ja umbringen.
Sorry. Für mich keine Magie. Paragraphenreiterei. Künstliche Erzeugung von Spannung, denn natürlich gehen Schutzzauber so gut wie niemals fehl. Und sie werden auch einfach erdacht und in Gedanken ausgearbeitet, mehr erfolgt nicht; keine mystische Beschwörung oder so etwas, was anderswo eine gewisse Stimmung verbreitet. Schutzzauber sind auch überall. Jeder hat welche, auch Roran wird von Eragon mit diesen nützlichen Dingern belegt - obwohl er es ja gar nicht will, Eragon ist schließlich der echte Held und sollte seine Energien nicht auf Fußsoldat Roran verwenden. Tut er trotzdem.
Es gibt allgemein keine Götter in dieser Welt - jedenfalls bezeichnet Eragon sie ganz offen als Scheinbilder. Schau an, das ewige Philosophieren über Sein und Nichtsein hat ihn also auch die Religionen durchschauen lassen.

Fazit. Alles aufgeklärt und klinisch rein, moralisch standfeste Helden haben Blut an den Händen und waschen sich rein durch überbordendes Philosophieren über all das, was ja eigentlich sein musste und sich nicht vermeiden ließ. Und am Ende ändert sich nichts, was ich als Leser sehen kann und mich veranlasst zu sagen: 'Dafür hat es sich doch gelohnt'. Nein. Eragon verlässt seine Freunde, weil die frisch schlüpfenden Drachen das Vieh der Zwerge von den Almen pflücken würden und er sie daher anderswo ausbilden muss. Verständlich. Ich kann mich täuschen. Doch wären Drachen also eine Belastung für das neue Alagäesia?

Der Autor ist erwachsen geworden. Seine Welt ist ebenfalls erwachsener geworden, weniger farbenfroh und magisch, dafür wissenschaftlich fundiert und aufgeklärt. Und für mich nicht mehr reizvoll. Die Eragon-Reihe habe ich damit endlich abgeschlossen. Der Autor darf mir mit allen weiteren versprochenen Werken gestohlen bleiben. Scheint ja so, als seien in gewisser Weise Fortsetzungen für die Nebenfiguren geplant...
Zwei Sterne von mir, für den starken ersten Band und den guten Zweiten.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 7, 2014 5:45 PM CET


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