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dubh

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In gewissen Kreisen: Roman  Übersetzt von Alissa Walser
In gewissen Kreisen: Roman Übersetzt von Alissa Walser
von Elizabeth Harrower
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

2.0 von 5 Sternen Für mich eine Enttäuschung, 20. Juni 2016
Anfang der 70er Jahre verfasst, 2014 erstmals veröffentlicht und 2016 zum ersten Mal auf deutsch erschienen.

Grundsätzlich üben solche "Entdeckungen" ja immer einen gewissen Reiz auf mich aus, obwohl ich nicht genau sagen kann, woran das eigentlich liegt. Vermutlich ist es ein bisschen das Gefühl, bei einer Art Schatzhebung beteiligt zu sein. In diesem Fall - das darf ich schon einmal verraten - hat sich der Schatz jedoch als eine herbe Enttäuschung herausgestellt...

Russell und Zoe sind Geschwister, denen es an nichts mangelt. Sie sind in einem überdurchschnittlich gebildeten, wohlhabenden Elternhaus groß geworden - in den 60ern in der australischen Großstadt Sydney. Während die überbehütete Zoe im ganzen Überfluss etwas wie Unbehagen empfindet, hat Russell schon Schlimmes erlebt, scheint aber keinerlei Schwierigkeiten zu haben, sich wieder in den angenehmen Alltag zu integrieren.

Im Gegensatz dazu stehen Anna und Stephen, ebenfalls Geschwister, aber mit einem ganz anderen Background, denn die beiden sind Waisen. Russell führt seine zufälligen Bekannten in seine gewohnten elitären Kreise ein - ein ziemlicher Bruch für die in ärmlichen Verhältnissen lebenden Geschwister Anna und Stephen. Doch besonders Zoe fühlt sich von den so gegensätzlichen Freunden stark angezogen - im positiven wie negativen Sinne.

Die Handlung setzt einige Jahre später erneut ein: Russell hat geheiratet und ist inzwischen Vater - doch die Ehe ist nicht immer einfach. Zoe hingegen heiratet Hals über Kopf Stephen und auch die Vierte im Bunde, Anna, ist verliebt: nur leider in den Falschen, nämlich den verheirateten Russell. Es scheint so, dass die beiden Geschwisterpaare auf ewig miteinander verwoben sind...

Wieder einige Zeit später begegnen wir allen wieder: die ein oder andere Lebenskrise später, mittendrin in nahezu ruinierte Ehen... Einzig Zoes Werdegang hat mich überzeugt - auch wenn er nicht positiv verlaufen ist. Alle anderen wirkten auf mich träge agierend, teilweise auch hölzern und zu sehr nach "Reißbrett".

Für mich war der Roman sehr schwer zu lesen. Irgendwie zäh und mühsam - alleine die Tatsache, dass ich mir wichtig erscheinende Informationen immer wieder selbst zusammenklauben musste. Zum Beispiel konnte ich häufig nicht einordnen, wie viel Zeit zwischen dem Geschehen vergangen ist oder wo die Zusammenhänge zwischen so manchen Fragmenten sind. Hinzu kommen die Dialoge, bei denen ich mich mitunter ganz schön konzentrieren musste, um zu begreifen, wem ich da eigentlich gerade "zuhöre".

Der Erzählstil wirkte auf mich ernüchternd, weil viele Kleinigkeiten aufkommende Freude im Keim erstickt hat. Keine Ahnung, der Roman wirkte auf mich einfach unfertig.

Fazit: Eine Entdeckung, die es für mich leider nicht gebraucht hätte.


Winterhonig: Roman
Winterhonig: Roman
von Daniela Ohms
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Was für ein Buch!, 20. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Winterhonig: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mathilda, von den meisten Tildeken genannt, hat keine einfache Kindheit. Als ihre Mutter früh stirbt, wird es für das jüngste Kind einer Kleinbauernfamilie aus dem Paderborner Land nicht einfacher. Nicht nur, dass alle Geschwister tüchtig mit anpacken müssen, nein, für das kleine Mädchen geht auch die liebevolle Nähe verloren. Zum Glück hat sie Joseph, ihren vier Jahre älteren Bruder, der sie beschützt und der ihr ein sehr guter Vertrauter ist. Durch ihn lernt Mathilda Karl kennen - ein älterer Junge, der auf dem herrschaftlichen Gut der von Steineckens als Stallbursche arbeitet. Doch die Zeiten könnten nicht schlechter für eine derartige Freundschaft stehen: nicht nur, dass der Vater als überzeugter Katholik nichts von den ostpreussischen und protestantischen Gutsbesitzer hält, nein, es ziehen noch deutlich dunklere Wolken am Himmel auf, denn die Nazis gelangen an die Macht. Doch trotz allem lassen sich Gefühle nicht einfach unterbinden und so wird aus einer beinahe geschwisterlichen Nähe, die viel Trost zu spenden vermag, eine innige Liebe...

Knapp 600 Seiten umfasst dieser Roman der Autorin Daniela Ohms und ich kann nur sagen, dass keine einzige davon zu viel ist. Schon die ersten Seiten haben einen unglaublichen Sog auf mich ausgeübt, so dass ich das Buch kaum weglegen konnte. Daniela Ohms hat ein solch bemerkenswertes Feingefühl für ihre Figuren - allen voran natürlich Mathilda und Karl, aber auch Joseph - dass ich nach wenigen Kapiteln meinte, sie zu kennen. Hinzu kommt die Kulisse, der ich anfangs mit einem Fragezeichen entgegen geblickt habe: gerade die Zeit des Zweiten Weltkrieges kenne ich doch verstärkt aus der Perspektive von Stadtbevölkerung oder aber aus dem Blickwinkel derer, die verfolgt wurden. Hier widmet sich die Autorin einer einfachen, sehr gläubigen und hart arbeitenden Landbevölkerung - für mich ein ungewohnt neuer Blick. Denn auch wenn der Krieg lange weit entfernt scheint, erscheinen schon bald seine Schatten auf dem heimischen Hof: da nach und nach viele Männer an die Front müssen, bleibt die harte Arbeit, die zum Überleben aller wichtig ist, an den Frauen hängen. Und dann ist da noch die Liebe zwischen Karl und Mathilda - eine Liebe, die einfach nicht sein darf und doch so wichtig ist, weil sie vor allem auch Hoffnung schenkt.

Ein wunderschöner Roman, der sowohl den unmenschlichen Facetten des Dritten Reiches, den düstersten Szenen des Krieges und den Entbehrungen als auch den sehnsuchtsvollen Momenten einer tiefen Liebe und der Hoffnung, die Liebsten wiederzusehen, gerecht wird. Dabei hat mich besonders beeindruckt, dass die Autorin immer wieder reale Figuren und Geschehnisse mit in die Handlung eingewoben hat - ein Zeichen für die ausgiebige und gelungene Recherche, auf der das Buch unter anderem fußt. Zudem ist dieser Roman der Großmutter Daniela Ohms gewidmet; der Frau, die sie zu ihrem Buch inspiriert hat.

Für mich ist "Winterhonig" eine Bereicherung, die schon jetzt zu meinen Lesehighlights des Jahres 2016 zählt. Ein emotional ergreifender, authentisch wirkender Roman, der mich durchgehend gepackt hielt und von dem ich mich nur schwer trennen konnte.


Anatomie einer Absicht
Anatomie einer Absicht
von Ana Bilic
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

3.0 von 5 Sternen Grundidee sehr gut, insgesamt aber zu unrund, 20. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Absicht (Gebundene Ausgabe)
Lidia hat die Nase gestrichen voll. Sie hat beschlossen, einen Schlussstrich unter ihre Ehe zu ziehen - indem sie ihren Ehemann umbringt. Die Möglichkeit hat längst Gestalt angenommen, aber die Beweggründe werden anschaulich dargestellt: Lidia lässt im ersten Abschnitt keinen Zweifel daran, dass sie ihren Mann Helmut als Monster sieht und ihre Ehe als Schreckensszenario.
Nun also möchte sie Helmut mit seinem Lieblingsgericht überraschen - es ist aber auch zu gut, dass er Pilze liebt und sich in dieses Gericht auch schnell mal der ein oder andere giftige verirren kann.

Nun könnte man der Ansicht sein, dass Lidia ein Opfer ist, ja, dass es ihr richtig schlecht geht. Doch weit gefehlt - Lidia führt ein privilegiertes Leben und wird nicht mit Gewalt, Hass oder anderen Bedrohlichkeit konfrontiert. Nachvollziehbar ist, dass Lidia unglücklich ist und so nicht weitermachen möchte - aber zum Scheitern ihrer Ehe tragen sowohl Ehefra als auch Ehemann bei. Hier würde eine Scheidung alle Zwecke erfüllen, doch Lidia will mehr. Sie will ihren Ehemann auslöschen, da sie beschlossen hat, dass er seine Chance auf eine Existenz vertan hat.

[i]"Er existiert nicht mehr, weder für mich noch für sich selbst. Er besteht nur. So wie ein Stuhl oder Stein besteht. Er braucht jetzt eine andere Lebensform, die derzeitige hat er schon verbraucht." (S.11)[/i]

Im zweiten Abschnitt lernen wir Helmut kennen und das ein oder andere besser verstehen. Für mich war Lidia zu Beginn nicht sympathisch und auch der zweite Blickwinkel machte es nicht besser. Wobei das nicht automatisch heißt, dass es sich auf die Seite des unwissenden Ehemanns zu schlagen bedeutet. Vielleicht lohnt sich die Erkenntnis, dass die beiden sich gefunden und auch irgendwie verdient haben? Der schmale Roman lässt aber noch weitere Perspektiven zu...

Viele der Ideen und Beschreibungen, die beinahe wie Sezierungen wirken, sind durchaus beachtenswert - aber irgendwie wollte kein Lesefluss aufkommen. Einige Sätze waren messerscharf und böse, intelligent und irgendwie erfrischend, andererseits ist das "Kaputte" dieser Beziehung auch ganz schön ernüchternd. Nichtsdestotrotz gefällt mit die Grundidee Ana Bilics sehr gut und den nötigen Umgang mit Sprache hat sie in meinen Augen. Aber insgesamt waren mir die 160 Seiten etwas zu holprig, zu unrund - kurz, mir fehlte irgendwie die Klammer, die alles zusammenhält.


Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück (Nahaufnahmen)
Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück (Nahaufnahmen)
von Robert Scheer
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wider das Vergessen, 6. Juni 2016
Immer wenn ich zu einem Zeitzeugenbericht, einer Autobiographie oder einer Lebensgeschichte aus der Zeit des Dritten Reiches greife, bin ich froh, dass ich noch einige dieser Menschen, die all das unvorstellbare Leid erlebt haben, erleben konnte und durfte. Schon in jungen Jahren habe ich Verantwortung empfunden, mich mit diesem Thema zu beschäftigen und vor allen Dingen den Mund gegen rechte Tendenzen aufzumachen.
Robert Scheer hat den Mund aufgemacht und in eindrucksvoller Art und Weise seiner Großmutter und ihrem Leben ein Denkmal gesetzt.

Zu ihrem 90. Geburtstag reist der Autor zu seiner Oma Elisabeth Scheer, die Pici genannt wird, nach Israel. Während seines Besuchs erzählt Pici ihrem Enkel ihr Leben - von ihrer Kindheit in Rumänien, wie sich die Zustände für die jüdischen Menschen dort zusehends verschlimmerten, von ihrem Leben in zwei Ghettos und ihrer Deportation in zwei Konzentrationslager und verschiedene Außenlager. Darunter Auschwitz - das Synonym für den industriellen Massenmord der Nazis. Pici wird all das überleben - im Gegensatz zu ihren Eltern, ihren Geschwistern, ihrer kleinen Nichte und anderen Familienmitgliedern. Was Menschen in den Vernichtungslagern erleben mussten, lässt sich auch heute nicht begreifen - trotz aller Dokumentationen und einer Vielzahl an Literatur und Dokumenten. Umso verständlicher, dass Pici über ihre Erlebnisse, das Grauen und ihren enormen Verlust nicht so berichten kann, wie über ihre Kindheit mit ihren Geschwistern und dem väterlichen Holzhandel. Präziser, knapper werden die Schilderungen - angesichts der Tatsache, dass sich das Erduldete kaum in Worte fassen lässt, wirklich nicht verwunderlich.
Pici ist nicht allzu lange nachdem sie mit ihrem Enkel, einem Wahldeutschen, ihr Leben erzählt hat, gestorben. Ob sie ihre Geschichte und die ihrer Familie einmal erzählen musste? Auf jeden Fall ist sie in meinen Augen eine bewundernswert starke Frau, die Robert Scheer ein wichtiges Buch, ja, ein Zeitzeugnis ermöglicht hat. Ihre ruhige Art, ihre Erinnerungen zu schildern, haben bei mir sehr stark nachgewirkt - nicht nur angesichts dessen, wie sie das alles überleben konnte, sondern auch, weil sie ihr Leben, das mit einem solch tiefen, allgegenwärtigen Trauma beladen war, so gelebt hat. Sie ist ihren Weg gegangen, hat trotz allem Hoffnung gehabt und Liebe erlebt und schenken können. Vielleicht der allergrößte Trost - dass Menschen diese Barbarei überlebt haben und sich nicht ganz haben zerstören lassen.

Angesichts der heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland und Europa ist das Buch wichtiger denn je. In Zeiten, in denen sich Teile der Gesellschaft, die sich zunehmend durch Hass, Angst und Mitleidlosigkeit leiten lassen, wieder verrennen. Nur, dass wir heute mit Gewissheit sagen können, wo so etwas enden kann...

Vielleicht sollte man noch wissen, dass es sich um keinen reinen Fließtext handelt, denn diesem Buch liegt ein Gespräch, ja, ein Interview des Enkels mit seiner Großmutter zu Grunde. Dennoch lesen sich Picis Erinnerungen sehr gut - aber sie gehen richtigerweise unter die Haut. Hinzu kommen Bilder, die gemeinsam mit der Lektüre noch einmal ganz besonders ergreifend sind.

Fazit: Ein wichtiges Buch wider dem Vergessen, das mich sehr berührt hat!


Ein Akt der Grausamkeit: Thriller
Ein Akt der Grausamkeit: Thriller
von Patricia MacDonald
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Düster und solide, 29. Mai 2016
Hannah und Adam haben sich auf dem College kennengelernt und verliebt. Sie haben nicht nur sehr jung geheiratet, sondern sind auch ebenso früh Eltern geworden. Ein perfektes Leben? Ja, es scheint so. Tochter Lisa ist hochbegabt und wird ebenso jung Mutter. Doch im Vergleich zu ihren Eltern ist sie unangepasster und schweigt beispielsweise beharrlich über den Vater ihres Kindes. Während sie Medizin studiert, kümmern sich Hannah und Adam um ihre Enkeltochter Sydney.

Doch Hannah, Adam und Sydney müssen in Philadelphia untertauchen, was ihnen unter falschem Namen auch gelingt. Doch dann geschieht das, was man in einer solchen Situation unbedingt vermeiden sollte: nach einer Rettungstat tauchen Fotos der Familie in der Presse auf und sie müssen fürchten, entdeckt zu werden...

Der Klappentext klingt nach einem Albtraum, aber ich muss gestehen, dass mich vor allem Geschichten rund um Zeugenschutzprogramme ziemlich interessieren. Im ersten Moment klingt es faszinierend, sein altes Leben wie eine alte Haut abzustreifen und in eine neue Haut zu schlüpfen - aber natürlich ist das Unsinn, denn vermutlich finden es die allerwenigsten Menschen auch nur im Entferntesten angenehm, derart abtauchen zu müssen. Aber ich finde solche Konstrukte per se spannend - folglich musste ich "Ein Akt der Grausamkeit" unbedingt lesen.

Die Geschichte entpuppte sich nicht nur als thematisch schockierend und mit einem authentischen Personal versehen, sondern leider auch als stellenweise langatmig und ab und an ziemlich vorhersehbar.
Vor allem die familiären Bindungen fand ich sehr gut ausgelotet: Die harmonische, zwanzigjährige Ehe von Hannah und Adam; Hannah, der sowohl ihre Tochter Lisa als auch ihre Enkelin sehr am Herzen liegen... Sie ist der Dreh- und Angelpunkt, da aus ihrem Blickwinkel erzählt wird, wie es zum Abtauchen der Familie aus Tennessee in Philadelphia kam.
Wenn man das ein oder andere 'Verfransen" der Autorin mal beiseite schiebt, liest sich dieser psychologische Thriller zügig und hat durchaus das Potential mit seinem düsteren Thema seine Leserschaft noch über die Lektüre hinaus zu beschäftigen.

Fazit: Solider Psychothriller.

3,5 von 5 Sternen


Als unsere Herzen fliegen lernten: Roman
Als unsere Herzen fliegen lernten: Roman
von Iona Grey
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Liebe, die ein Leben verändert, 29. Mai 2016
1943 sucht die junge Stella Thorne in einer zerbombten Londoner Kirche ihre Armbanduhr. Diese hat sie bei einem nächtlichen Ausflug mit ihrer besten Freundin verloren und ist nun äußerst verzweifelt - war die Uhr doch ein Geschenk ihrer nicht sonderlich netten Schwiegereltern. Als junge Waise, die den Großteil ihres Lebens in einem Heim verbracht hat, ist sie nicht gerade die erste Wahl für deren Sohn Charles, einen beliebten, aber auch biederen Reverend in einem Dorf nahe der englischen Hauptstadt.
Bislang dachte Stella, dass sie es nicht besser treffen konnte, als sie einige Monate zuvor ins Pfarrhaus von King's Oak eingeheiratet hat, doch dann begegnet sie - auf ihrer Suche - dem US-Army Soldaten Dan Rosinski...

2011 bricht die junge Jess in ein altes Haus ein - auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Freund. Bei ihrem Streifzug durch die ziemlich abgelebten Zimmer findet sie einen Brief mit einer altmodischen Handschrift, den sie liest. Er wurde von Dan verfasst und richtet sich in eindringlicher Art und Weise an eine gewisse Stella. Als Jess im Schlafzimmer des Hauses eine Kiste mit weiteren Briefen findet, beginnt sie diese Briefe zu lesen. Und ist fasziniert von den Gefühlen, die zwischen den Zeilen zu finden sind. Trotz ihrer verzweifelten Situation nimmt sie sich fest vor, mehr über Dan und Stella zu erfahren...

Iona Grey erzählt ihre Geschichte - das liegt nahe - in zwei Strängen: ab 1943 mit Stella im Fokus und 2011 mit Jess in der Hauptrolle. Anfangs war ich etwas skeptisch, denn die Autorin benötigt rund 100 Seiten, um die Handlung in einen flüssigen Gang zu bekommen. Mich hat die Grundidee so interessiert, dass ich dieses Dahinplätschern gut ertragen konnte, aber auch im Nachhinein denke ich, dass hier weniger etwas mehr gewesen wäre. Zumal ich gestehen muss, dass ich vor allem auf Stella und Dan sehr neugierig war und mich dann doch ziemlich auf die beiden gedulden musste. Aber das war's auch schon an Kritik! Denn was folgt ist eine wunderschöne, emotionale Geschichte, die mich in ihren Bann gezogen hat. Nicht selten habe ich gebangt und hatte einen dicken, fetten Kloß im Hals. Wie viel Glück haben wir heute in Westeuropa, dass wir mit den Ängsten und Nöten der damaligen Jahre nicht leben müssen! Iona Grey hat ein sehr gutes Händchen dafür, die Entbehrungen und Sorgen der Zivilbevölkerung in und um London zu schildern - ebenso wie ihren Lebenshunger, der sich vor allem am Beispiel von Stellas Freundin Nancy nachfühlen lässt. Aber auch die Gefühlswelt von Dan, der als Bomberpilot fünfundzwanzig Kampfeinsätze fliegen muss, ehe er abgezogen wird. Im Wissen, dass es um die Überlebensquote nicht sonderlich gut steht...
Alles in allem handelt es sich bei "Als unsere Herzen fliegen lernten" um einen sehr gut lesbaren, berührenden Liebesroman, der letztlich eindrucksvoll zeigt, was die Liebe aus Menschen machen kann.

Fazit: Einfühlsame Liebesgeschichte, die auf zwei Zeitebenen spielt und mit der sich wunderbar die Zeit vertreiben lässt!

4,5 von 5 Sternen


Die Allee der verbotenen Fragen: Roman
Die Allee der verbotenen Fragen: Roman
von Antonia Michaelis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Ein durch und durch besonderes Buch, 19. Mai 2016
Akelei, eine biedere Hausfrau aus Mecklenburg-Vorpommern, führt ein eintöniges Leben, als sie plötzlich ihre Jugendliebe entdeckt. Fin, der Junge, mit dem sie eigentlich nicht sprechen durfte, aber eine tiefe innere Bindung hatte, ist vor 18 Jahren von heute auf morgen verschwunden und nun sieht sie ihn völlig unerwartet als Spiegelbild in einem Schaufenster... Akelei denkt nicht die Bohne nach und folgt ihm. Mit einem lebenden Huhn in der Tasche und ohne wirklich wahrzunehmen, dass Fin nicht annähernd älter geworden ist - im Gegensatz zu ihr.

Johann ist als Kind deutscher Eltern in England aufgewachsen und nach dem Schulabschluss auf der Suche nach sich und seinen Wurzeln. Doch gleich zu Beginn seiner Reise durch Europa, die er vor dem Studium absolvieren möchte, haut es ihn fast aus den Socken: auf einem Greifswalder Friedhof entdeckt er einen Grabstein mit seinem Namen, Johann Fin Paul. Das alleine ist schon befremdlich genug, doch was ihn noch mehr verwirrt, ist die Tatsache, dass der hier Begrabene nicht einmal seinen Geburtstag überlebt hat - und zwar exakt den Geburtstag von Johann. Wie groß kann dieser Zufall sein? Doch als wäre das kein ausreichendes Rätsel, drückt der Pfarrer Johann auch noch einen Koffer in die Hand...

Nun geht es auf eine Reise durch die halbe Republik: Johann kann mit dem Inhalt des Koffers nichts anfangen, aber das entmutigt ihn nicht, sich auf die Suche zu machen - unwissend immer die unscheinbare Akelei mit Huhn im Schlepptau.

Ehrlicherweise kann ich das Buch nicht in ein Genre einordnen. Aber warum sollte ich überhaupt? Das Buch ist ein Faszinosum, das mich abwechselnd zum Lachen, Grinsen, aber auch zum Nachdenken gebracht hat. Antonia Michaelis erzeugt dabei eine ganz eigene Spannung, die es mir wirklich schwer gemacht hat, das Buch aus der Hand zu legen. Die Autorin hat nicht nur ein Händchen für ihre Figuren, die auf einen fremden Betrachter vermutlich langweilig wirken würden, hier aber außergewöhnlich und ganz und gar nicht öde sind, sondern auch für einen Sog, der durch enorme Fantasie und einen leichtfüssigen Stil erzeugt wird. Dazu kommt eine beinahe unordentliche Erzählweise, die es nicht immer einfach macht, zu überblicken, wie alles zusammenhängt: einmal erfahren wir aus Akeleis Kindertagen und dem Alltag in der DDR, dann wiederum müssen wir erfassen, wer hier eigentlich wen beobachtet und wie es überhaupt angehen kann, dass an Fin quasi 18 Jahre spurlos vorbeigegangen sind... Und zu guter Letzt: was wird Akelei mit dem auf der Reise Beobachteten und Gelernten machen?

Wirklich ein besonderes Buch, das mich gefangen genommen hat und mir ungewöhnliche, luftig-lockere Lesestunden beschert hat! Für alle Leserinnen, die Lust auf einen etwas anderen Roman haben und dabei ihre Fantasie spielen lassen wollen.


Die Toten von Natchez: Thriller
Die Toten von Natchez: Thriller
von Greg Iles
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rassismus und die politischen Morde der 60er in den USA, 16. Mai 2016
"Die Toten von Natchez" ist der zweite Band der Pann Cage-Trilogie des Autoren Greg Iles. Vielleicht bekommt der ein oder die andere leichte Panik, wenn er/sie bemerkt, dass dieses Buch immerhin gute 1000 Seiten umfasst, ebenso wie der Start in die Reihe, "Natchez Burning". Aber - so viel sei schon einmal vorweg genommen - der Autor versteht sein Handwerk über die Maßen, so dass die Seiten nur so dahinfliegen...

In diesem Roman geht es um amerikanische Geschichte - und zwar wirklich nicht die am hellsten leuchtende:
Wir befinden uns in Mississippi, einem klassischen Südstaat der USA, genauer gesagt in Natchez, einer Stadt im Südwesten, die als älteste Siedlung des Bundesstaates gilt. Penn Cage, seines Zeichens Rechtsanwalt und aktueller Bürgermeister der Stadt, und seine Verlobte Caitlin, eine äußerst engagierte Journalistin, sind gerade noch rechtzeitig einem Anschlag einer rassistischen Organisation, die sich Double Eagles nennt, entkommen. Penn, dessen Vater in großen Schwierigkeiten steckt, möchte diesem helfen und gerät dadurch mit Forrest Knox, dem rassistischen Polizeichef, in einen üblen Konflikt. Der einflussreiche Polizist möchte mit allen Mitteln verhindern, dass Penn die Double Eagles in Verbindung mit Morden und anderen Verbrechen bringen kann...
Greg Iles widmet sich mit diesem Thriller einem sehr düsteren Kapitel, nämlich dem Rassismus, der in den 60er Jahren in den Südstaaten schwelte und auch heute noch ein großes Thema ist. Gemeinsam mit den Ermordungen John F. Kennedys, Bobby Kennedys und Martin Luther Kings eines der beherrschenden Themen dieser Jahre... Anhand des Buches kann man durchaus auch Entwicklungen und Stagnationen, den alten Süden betreffend, nachvollziehen - ebenso wie heutige soziale Probleme, die in einem der ärmsten US-Bundesstaaten eine große Rolle spielen.

Bemerkenswert ist, dass die Handlung lediglich innerhalb weniger Tage spielt und dennoch so viel Stoff bietet, dass ich keine Seite als zu viel empfunden habe. Das liegt natürlich am lebendigen, detailreichen, aber nie überbordenden Stil des Autoren, der es wirklich versteht, die Spannung hoch zu halten und seinen Figuren und dem gesellschaftlichen Rahmen genug Platz einzuräumen. Ganz im Innersten geht es um eine Verschwörung und natürlich gibt es auch den ein oder anderen Zufall, aber das schmälert die Leistung von Greg Iles kein bisschen. Es handelt sich um Unterhaltungsliteratur, die richtig gut gemacht ist, mit einigen Überraschungen aufwartet und nach Beendigung der Lektüre ist eines klar: ich möchte unbedingt den dritten Teil lesen, denn nicht nur der Autor hat eine Mission!

Fazit: "Die Toten von Natchez" bezeugt, was für ein glänzender Autor Greg Iles ist, der für seine Trilogie ein wichtiges gesellschaftlichen Thema wählt und dieses packend erzählt. Unbedingt lesen!

(Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass man "Die Toten von Natchez" ohne die Kenntnis des ersten Bandes "Natchez Burning" lesen kann. Aber ich denke nicht nur, dass es zum Verständnis trotz allem hilfreich ist, wenn man den komplexen ersten Band bereits kennt, sondern ich halte es vor allem für absolut lohnenswert, wenn man beide Bücher liest!)


So bin ich nicht: (Gretas Storys)
So bin ich nicht: (Gretas Storys)
von Anneliese Mackintosh
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bemerkenswertes Debüt, das sicherlich nicht jedermanns Sache ist, 16. Mai 2016
Eigentlich fasse ich die Handlung eines gelesenen Buches gerne mit meinen eigenen Worten zusammen, da ich mit so manchem Klappentext nicht ganz glücklich bin. Dieses Mal mache ich das nicht, denn die Inhaltsangabe des Verlages hat mich sofort angefixt:

"Greta will nur Liebe, Glück, Mittag essen mit Margaret Atwood und endlich einen echten Orgasmus. Aber vor allem möchte sie ihren Vater zurück, mit dem Trinken aufhören und einmal mit der gutaussehenden Frau mithalten, die immer neben ihr auf dem Laufband läuft und T-Shirts trägt mit Schriftzügen wie »Gut ist das Gegenteil von Großartig«. Sie wünscht sich ein normales Verhältnis zu ihrer Mutter und dass ihre Schwester aufhört zu versuchen, sich umzubringen. Sie würde am liebsten nie mehr Kleidung tragen, nie wieder Fleisch essen oder Milch trinken und für radikale politische Ideen kämpfen. Sie würde gern mehr sie selbst sein. Sie würde gern weniger wollen. Denn immer wenn sie etwas erreicht, wird ihr etwas anderes genommen."

Klingt gut? Genau, so ging es mir auch!

Greta wäre gerne normal. Einfach so, wie sie sich eben fühlt, nicht so, wie sie wohl wahrgenommen wird. Greta hat keine einfache Zeit hinter sich: ihre Schwester ist psychisch sehr krank, ihr geliebter Vater verstorben. Spätestens danach ist Greta auf der Suche nach sich selbst und geht einen ungewöhnlichen Weg, denn er führt über Alkohol, Drogen, sexuelle Eskapaden zu teilweise seltsamen Versuchen, ihr Leben zu strukturieren. Kann sie Freundschaft und Liebe finden? Schafft sie es, irgendwann mit ihrer Trauer umzugehen?

Die in Deutschland geborene Autorin Anneliese Macintosh, die in Cornwall aufwuchs und auch heute wieder im Südwesten Großbritanniens lebt, sagt von ihrer Hauptfigur Greta, dass sie zu 68% aus ihr persönlich besteht - der Rest sei frei erfunden. Wow, das gibt zu denken, denn bei der Lektüre fragt man sich unweigerlich, welcher Part nun wahr sein könnte und welcher nicht. Zudem sagt sie, dass es sich um eine Sammlung von Erzählungen handelt (Greta's Stories), aber ich habe das Buch nicht wirklich als Erzählband wahrgenommen, wenngleich es auch kein stringent erzählter Roman ist.

Der Stil der Autorin ist schonungslos, stellenweise drastisch, aber immer offen und ehrlich - auch wenn man das an der ein oder anderen Stelle vielleicht gar nicht will (ich sage nur "too much information"). Einige Sequenzen, vor allem die, die Gretas Trauer beschreiben, haben schon fast etwas lyrisches, andere Szenen sind wiederum unanständig bis vulgär. Tja, hier schont sich weder Greta noch die Autorin ihre LeserInnen. In meinen Augen ist der Balanceakt der Autorin geglückt: Greta, die in Wirklichkeit auf der Suche nach Erfolgserlebnissen und Liebe ist; eine lebendige Erzählweise, die brutal ehrlich wirkt und dabei heftige Einsichten in alltägliche menschliche Tragödien zulässt; jede Menge Schmerz und dennoch Humor - all das hat Anneliese Mackintosh gepackt.
Ein Buch, das einen innerhalb kürzester Zeit sowohl zum Weinen als auch zum Lachen bringen kann.

Fazit: Anders, bemerkenswert, schockierend und überraschend ehrlich. Für mich ein Volltreffer.


Black Rabbit Hall - Eine Familie. Ein Geheimnis. Ein Sommer, der alles verändert.: Roman
Black Rabbit Hall - Eine Familie. Ein Geheimnis. Ein Sommer, der alles verändert.: Roman
von Eve Chase
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Ein spannendes Familiengeheimnis und ein kornischer Landsitz, 8. Mai 2016
Die jungen Londoner Lorna und Jon möchten im Herbst heiraten - wenn es nach Lorna geht am liebsten auf einem beeindruckenden Landsitz in Cornwall, weit entfernt von einer Großstadt. Als die beiden Verlobten auf ihrer Suche zum etwas abseits liegenden Black Rabbit Hall kommen, sieht sich Lorna sofort in einen Bann gezogen...

Gut dreißig Jahre früher verbringt Familie Alton wie jedes Jahr die Sommermonate auf Black Rabbit Hall, dem etwas heruntergekommenen Familienbesitz. Nancy und Hugo, sowie ihre Kinder Amber, Toby, Kitty und Barney lieben diese Zeit, die viel Freiheit und Zeit für die Familie bereithält. Es sind Wochen, die wie Kaugummi vergehen - aber nicht wie einer, der bereits sämtlichen Geschmack verloren hat, sondern wie ein frischer mit einem aufregenden Geschmack. Doch 1969 geschieht in einer Nacht etwas Furchtbares, denn der Jüngste ist noch nicht zuhause und ein Gewitter zieht auf...

Romane, denen Familiengeheimnisse zugrunde liegen und die auf zwei Zeitebenen spielen, sind mittlerweile keine Mangelware mehr. Auch Eve Chase beherrscht diese Art, eine Geschichte zu erzählen - sie verknüpft beide Handlungsstränge ziemlich gekonnt. In Rückblenden erfahren wir von den Altona - allen voran von Amber, dem ältesten Mädchen der Altons, die in sehr schwierigen Zeiten versucht, die Familie zusammen zu halten. Ihre Familie ist nach der Gewitternacht kurz vor dem Zerbrechen und noch stehen unglücklichen Ereignisse bevor...

Durchaus gleichberechtigt kann man den zweiten Part der Geschichte lesen, der sich vor allem auf Lorna fokussiert. Auch wenn ich ihre anfängliche Suche nach einem bezahlbaren und dennoch imposanten kornischen Landsitz verstehen kann, empfand ich ihren Drang, nachdem sie Black Rabbit Hall zum ersten Mal gesehen hatte, als reichlich verbissen. Über ihre Recherche auf dem Anwesen hat sie beinahe ihren Anlass und vor allem ihren Verlobten vergessen. Dieser ist nämlich nicht halb so überzeugt von ihrer Wahl...

Die Autorin hat ein gutes Gespür für ihre Figuren und das Geheimnis, das sie alle verbindet. Allen voran Amber hat mich rundum überzeugt - aber auch andere Charaktere haben eine Glaubwürdigkeit und Tiefe, die mir sehr gefallen haben. Gut fand ich in diesem Zusammenhang im Übrigen, dass für die beiden Stränge unterschiedliche Schriftarten gewählt wurden - so ist man stets im Bilde, welcher Handlung man gerade folgt. Für mich war irgendwie offensichtlich, dass die Autorin eine Menge Engagement in ihr Buch gesteckt hat, alles ist durchdacht und beinahe liebevoll gezeichnet - aber ich muss gestehen, dass ich dann doch an ein zwei Stellen das Konstrukt durchblitzen sah und zum Ende für meinen Geschmack ein bisschen zu doll aufgetragen wurde.

Fazit: Wirklich gute Unterhaltung auf zwei Zeitebenen - mit einer guten Prise Spannung und richtig gut gezeichneten Figuren.


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