Profil für dubh > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von dubh
Top-Rezensenten Rang: 1.577
Hilfreiche Bewertungen: 276

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
dubh

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12
pixel
Die Konitzer Mordaffäre: Roman
Die Konitzer Mordaffäre: Roman
von Herbert Beckmann
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Eine Spirale der antisemitischen Gewalt, 2. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Konitzer Mordaffäre: Roman (Broschiert)
Die Kleinstadt Konitz in Pommern. Im März des Jahres 1900 wird die Leiche des 18jährigen Gymnasiasten Ernst Winter auf einem noch zugefrorenen See gefunden. Die Art und Weise, wie er zu Tode gekommen ist, legt nahe, dass der Mörder sich sehr gut auf das Schlachten oder die menschliche Anatomie verstanden hat. Doch die Ermittler der Polizei und der Justiz sind schon sehr rasch überfordert.
Und so geraten die öffentlich verbreiteten ersten Ermittlungsergebnisse schon bald außer Kontrolle: Teile der Bevölkerung gehen von einem Ritualmord, den Juden begangen haben, aus: immerhin ist der Kreisphysikus, der die Autopsie durchgeführt hat, zu der Erkenntnis gekommen, dass der Schüler vollkommen blutleer aufgefunden wurde... Nachdem ortsansässige Antisemiten das Gerücht von einem rituellen Ausbluten streuen, bricht sich Hysterie und Hass seine Bahn. Und so sieht sich nicht nur der örtliche Fleischermeister den Verdächtigungen ausgesetzt, sondern 'selbstverständlich' auch der jüdische Schächter.
Während Bürgermeister Deditius - der auch gleichzeitig der Polizeichef der Kleinstadt ist - dem Fall möglichst unvoreingenommen nachgehen möchte, sind sich der Staatsanwalt und der Kreisphysikus, der nebenbei völlig ungeeignet für eine derartige Untersuchung ist, sicher, dass es sich nur um einen Juden gehandelt haben kann, der Ernst Winter geschächtet hat. Als dann weitere Körperteile des Opfers auftauchen und eine Belohnung für sachdienliche Hinweise ausgerufen wird, mehren sich Verleumdungen, falsche Zeugenaussagen und hanebüchene Hinweise, was zu einer deutlichen Pogromstimmung anschwillt. Daraufhin entsendet das preußische Innenministerium zwei Ermittler nach Westpreußen - darunter einer der angesehensten Kriminalisten Preußens. Dieser unternimmt zwar die richtigen Schritte und lässt Profis ans Werk, die sowohl die sterblichen Überreste Ernst Winters als auch andere Beweisstücke untersuchen. Doch zu viel wurde schon zerstört, da eventuell wichtige Gegenstände weggeworfen, Spuren vernichtet und Aussagen nicht richtig aufgenommen wurden. Und nicht nur das - auch der Mob ist letztlich nicht mehr zu stoppen. Mehrere Tausend Antisemiten verüben Anschläge auf jüdische Wohnhäuser und Geschäfte. Die Feuerwehr wird mit Steinen beworfen, als sie versucht, einen Brand zu löschen, der auf die Synagoge überzugreifen droht. Schließlich entsendet Berlin sogar Militär, um die jüdischen Bewohner Konitz' und ihren Besitz zu schützen.

Ehrlich gesagt habe ich nicht gewusst, dass das Buch von Herbert Beckmann auf einem wahren Fall beruht. Da der Mord gleich zu Anfang geschieht, kann man "Die Konitzer Mordaffäre" auch als Kriminalroman lesen, aber nachdem ich wusste, dass das alles genau so vonstatten ging, ja, selbst die historischen Figuren mit ihren richtigen Namen auftauchen, habe ich das Buch mit noch mehr Interesse und Aufmerksamkeit gelesen. Auch wenn wir aus heutiger Sicht wissen, in was der stetig wachsende Antisemitismus dieser Zeit mündete: es ist sehr erschreckend, was ein einfacher, leicht hingesagter Satz für Folgen haben konnte. Die Antisemiten stürzten sich wie die Aasgeier darauf und verbreiteten jede Menge Hass und Unwahrheiten. Und all das verselbständigte sich, förderte schlechte Eigenschaften bei Menschen und gipfelte in purer Gewalt...

Mich hat dieses Buch sehr in seinen Bann gezogen. Der schnörkellose Erzählstil Herbert Beckmanns passt sehr gut zum Geschehen, das schlicht und ergreifend für sich steht. In meinen Augen hat der Autor sehr gut recherchiert und dichtet den damaligen Ereignissen auch nichts dazu. Wer sich also vom Ende überraschen lassen möchte, sollte zuvor nicht zur 'Konitzer Mordaffäre' googeln...

Fazit: Klare Leseempfehlung für alle historisch Interessierten!


Wenn die Wale an Land gehen
Wenn die Wale an Land gehen
von Kathrin Aehnlich
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Leipzig in den 80ern und NYC zwanzig Jahre später..., 2. August 2015
Kathrin Aehnlich kam 1957 in Leipzig zur Welt und studierte dort nach dem Besuch der Ingenieurschule für Bauwesen in den 80ern am Literaturinstitut. Nach der Wende arbeitete sie unter anderem als Journalistin und Schriftstellerin. Erstmals wurde ich durch ihren großartigen Roman "Alle sterben, auch die Löffelstöre" auf die Autorin aufmerksam - deshalb musste ich ihr neuestes Buch "Wenn die Wale an Land gehen" unbedingt lesen. Auch in der Hoffnung, dass möglicherweise einige biographische Elemente eine Rolle spielen... Kathrin Aehnlich lebt in Markkleeberg bei Leipzig.

Roswitha Sonntag, soeben frisch geschieden, reist nach New York City. Sie ist auf der Suche nach Mick, der in den 80er Jahren der Mittelpunkt von Roswithas Freundeskreis und zudem ihr bester Freund war. Es war die Zeit, in der Roswitha eine Ingenieurschule besucht und gemeinsam mit ihren Freunden eine eigene Kultur und Kunst geschaffen hat - kleine Nischen der Freiheit in einem allmählich untergehenden Land. Die jungen Leute haben Filme gedreht, fotografiert und dabei den Klängen der Musik des imperialistischen Gegners der DDR und des Sozialismus' gelauscht.
Doch was ist dann aus Mick geworden? Dem jungen Mann, der sich nichts und niemandem beugen wollte und schon immer ein Faible für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hatte...

Mit der inzwischen 50jährigen Roswitha entdeckt der Leser das Land, von dem Mick immer geträumt hat. Roswitha hat nichts weiter als eine alte Anschrift Micks - eine bescheidene Ausgangslage in einer Stadt mit solchen Dimensionen. Doch sie begegnet Freunden und Weggefährten von Mick, die sich um sie und ihr Anliegen kümmern. Die Autorin schafft hier ein sehr gelungenes Portrait des stark afroamerikanisch geprägten New Yorker Viertels Harlem und einzelner Bewohner.
Doch das wirklich Bemerkenswerte sind die Rückblenden, mit denen Kathrin Aehnlich die Geschichte in der Gegenwart anreichert: sie zeigen das durchgängige, stark verbindenende Element, die Musik, die kleinen Fluchten aus einem beinahe genormten Alltag und machen die Erkenntnisse der Hauptfigur Roswitha, die begreift, dass es manchmal nur Nuancen oder scheinbar unwichtige Entscheidungen sind, die vieles im Leben verändern (können), besonders deutlich.

Meine Hoffnung, dass einige Erlebnisse der Autorin selbst in diesen Roman eingeflossen sind, hat sich erfüllt, denn anders kann ich mir die Intensität des Erzählten nicht erklären. Die Emotionen, die aus dem Mief und der Langeweile - aber auch aus den kleinen Rebellionen der Studentenclique - in der DDR entstehen, haben mich allesamt erreicht. Obwohl ich nicht im sozialistischen Teil Deutschlands sozialisiert wurde, konnte ich viele Träume und Hoffnungen der jungen Leute nachvollziehen... Aber auch die Schilderungen der Gefühle und Erkenntnisse, die Roswitha zwanzig Jahre später in New York hat, empfand ich als sehr eindrucksvoll. Es lohnt sich in den meisten Fällen, Träume zu haben und sie zu verfolgen - das kann man hier lernen.
"Wenn die Wale an Land gehen" ist ein ehrliches und melancholisches, ein lebenskluges wie auch an wenigen, dafür umso richtigeren Stellen humorvolles Buch.

Fazit: Ein beeindruckendes Buch über junge Menschen in den 80ern in der DDR - ihre Träume und kleinen Fluchten. Und darüber, was zwanzig Jahre später daraus geworden ist.


Im Schatten der Purpurbuche: Roman
Im Schatten der Purpurbuche: Roman
von Joël Tan
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Eine Rückführung in ein mittelalterliches Leben, 2. August 2015
In Svens Leben läuft vieles richtig: sie hat einen Job, dem sie sehr gerne und ebenso engagiert nachgeht, tolle, enge Freunde und vor allem mit Marc, ihrem Verlobten, einen Mann an ihrer Seite, den sie über alles liebt.
Marc wirkt in meinen Augen etwas zu perfekt, was an der rosaroten Brille Sveas liegen mag. Seine Art, ständig die Hosen alleine anhaben zu müssen, finde ich dann doch etwas befremdlich, aber Svea stört das nicht weiter. Einzig seine Abneigung gegenüber allem Übersinnlichen passt nicht so sehr zu ihr, die für Dinge wie beispielsweise Handlesen offen ist.
Eines Tages besucht Svea mit ihrer Freundin Tilli den Bremer Jahrmarkt und gewinnt dort eine sogenannte Rückführung in eines ihrer früheren Leben. Svea ist mehr als skeptisch und sich nicht sicher, ob sie den Gewinn einlösen soll. Doch als sie sich dann darauf einlässt, sieht sie Szenen aus dem Mittelalter und Menschen, die starke Gefühle in ihr auslösen... Doch was hat das alles zu bedeuten? Gab es die Geschehnisse und vor allem die Personen aus der Vision wirklich? Und wenn ja, was hat das für einen Einfluss auf ihr eigenes Leben in der Gegenwart?
Und hier zeigt sich ein Problem, das ich mit dem Buch hatte: während ich angenommen habe, dass ein deutlicher Teil der Handlung in der Vergangenheit spielt, ist das Gegenteil der Fall. Zumal ich eigentlich erwartet habe, dass ich als Leserin eine Art Zeitreise erlebe. Doch die Episoden in der Vergangenheit sind rar und beschränken sich auf so etwas wie Visionen, die Svea von ihrem angeblich früheren Leben hat. Die Autorin Joël Tan hat ausgiebig recherchiert und kann die sogenannte Rückführung sehr gekonnt schildern - aber ich muss gestehen, dass ich damit nicht sonderlich viel anfangen kann. Dadurch, dass diese esoterischen Handlungen und Auswirkungen einen großen Stellenwert in diesem Roman einnehmen, wurde ich nicht vollständig warm mit ihm.
So versucht Svea nun mit Hilfe ihrer Freundinnen, die Rätsel, die ihr ihr früheres Leben und vor allem ein Mann aus der damaligen Zeit aufgibt, zu lösen. Dabei muss sie begreifen, dass nichts ohne Folgen bleibt und das, was wir mitunter Schicksal nennen, ganz genau weiß, wohin es zu gehen hat...

Zugegeben: ich bin gas offensichtlich zu nüchtern veranlagt und somit die falsche Zielgruppe für diesen Roman. Bevor man mit der Lektüre startet, sollte man sich fragen, ob man sich auf Elemente wie Rückführungen einlassen kann und möchte. Denn dazu nimmt dieses Element eine zu große Rolle ein. Das habe ich klar falsch eingeschätzt, da ich einen stärkeren historischen Part in Form einer Art Zeitreise erwartet habe.
Svea ist mir als Hauptfigur sympathisch gewesen - auch wenn ich ihre Beziehung mit Marc nicht unbedingt nachvollziehen konnte. Doch sie entwickelt sich und zeigt mehrfach, dass sie einen wirklich guten Charakter hat.
Wenn ich meine persönlichen Schwierigkeiten mit dem Grundgedanken der Geschichte außer Acht lasse, dann kann ich sagen, dass die Handlung durchaus spannend ist - aber auch hier gab es für mich ein paar Ungereimtheiten, die meinen Lesegenuss etwas geschmälert haben. So waren mir manche Wendungen einfach zu konstruiert, so dass sie in der Handlung damit noch herausstachen - dabei bin ich mir sicher, dass die Autorin dies auch anders hätte lösen können.

Fazit: Für Leserinnen, die Interesse an Esoterik haben, ein guter Schmöker.


Vegan im Job: Über 60 schnelle und gesunde Rezepte - auch für unterwegs
Vegan im Job: Über 60 schnelle und gesunde Rezepte - auch für unterwegs
von Patrick Bolk
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Gewinn für die vegane Küche, 22. Juni 2015
Patrick Bolk hat nach "So geht vegan!", das vor allem den Einstieg ins vegane Leben erleichtern kann, mit "Vegan im Job" ein weiteres Kochbuch vorgelegt, das mich sofort interessiert hat. Vegane, schnelle und gesunde Rezepte - das klingt einfach vielversprechend für den Arbeitsalltag... und ich wurde nicht enttäuscht, so viel kann ich schon jetzt verraten.

Zu Beginn gibt es eine kurze Einführung und etliche hilfreiche Tipps zum Einkauf, der Lagerung von Lebensmitteln, effizienterem Kochen und dem optimalen to go-Essen...
Nach knapp 30 Seiten startet das Kochbuch mit dem Kapitel Frühstück (S. 38 bis 57). Nach einem kleinen Überblick gibt es einen Mix aus Rezepten, der mir gefallen hat und bei dem ich mit vorstellen kann, dass jeder etwas finden kann: die, die am liebsten flüssig frühstücken, die, die auf süß oder deftig stehen oder die, die Müsli oder zum Beispiel Milchreis mögen. Mein Highlight ist hier definitiv das Caesar-Sandwich (S. 57). Auch wenn ich gestehen muss, dass ich dieses Sandwich lieber abends genieße, da ich so gar keine Frühstückerin bin. Dieses Dressing, dass auf die Brotscheiben gestrichen wird... ich könnte mich reinlegen, wirklich. Da ich morgens aber meist erst auf dem Weg zur Arbeit wache werde und deshalb erstmal nicht frühstücken kann, bin ich an den Werktagen eine Verfechterin des Trinkfrühstücks (S. 40) - mit Heidelbeeren ist das ganz, ganz großartig, aber natürlich kann man auch herrlich mit anderen Früchten variieren. Durch Haferflocken und gepoppten Amaranth ist dieser Drink auch durchaus sättigend. Ebenfalls sehr lecker in dieser Rubrik: der Milchreis mit Apfel-Zimt-Kompott (S. 49). Hier gilt nur, dass man den Zubereitungshinweis des Milchreises beachten sollte - da scheint es deutliche Unterschiede bei der Flüssigkeitsmenge zu geben. Nicht mein Fall war die Blitz-Schokoladencreme (S. 51), was aber daran liegt, dass ich auf Süßes nicht so stehe - Konsistenz und Zubereitung waren jedenfalls top.

Im Anschluss folgt das Kapitel Lunch to go (S. 58 bis 79). Auch hier gibt es einen kleinen Überblick, der sich kurz und knackig vor allem mit der Planung und dem Transport des Essens beschäftigt. Im Anschluss geht es ans Eingemachte, denn es finden sich wirklich abwechslungsreiche Rezepte, die nicht nur Praktikabilität versprechen, sondern schlicht und ergreifend gesund und köstlich sind. Ungewöhnliche Salate wie der Asiatische Gurkensalat mit Algen (S. 62), ein Kichererbsensalat mit Orangen, grünen Bohnen und Spargel (S. 63) oder ein Scharfer Reisnudelsalat (S. 64) versprechen etwas ungewöhnliche Ausflüge - mein Favorit unter den Salaten ist ein scheinbar unscheinbarer Kartoffelsalat mit karamellisierten Zwiebeln (S. 66). Mit einer überschaubaren Zutatenliste lässt sich ein Salat zaubern, bei dem für mich alles stimmt. Eine perfekte Komposition, bei der ich eine genaue Einhaltung des Rezepts unbedingt empfehle - einfach, weil man da in meinen Augen nichts besser machen kann! Aber auch unter den folgenden leichten Gerichten gibt es einen echten Kracher: die Hummus-Grillgemüse-Wraps (S. 78)! Die Gewürze sind toll zusammengestellt, die Warps sind gut zu transportieren und sowohl kalt als auch leicht erwärmt zu essen.

Zum Glück gibt es dann noch das Kapitel Quick Dinner (S. 80 bis 111), denn natürlich muss es auch abends mal schnell gehen - ohne dass ich auf Genuss und gesundes Essen verzichten möchte. Aber selbstverständlich lassen sich auch hier viele Gerichte gut vorbereiten und eigenen sich somit für die Mittagspause. In dieser Rubrik habe ich gleich mehrere Favoriten: die Minestrone mit Mandelparmesan (S. 85), die Lieblingsnudeln (S. 99) und vor allem der Rustikale Erbseneintopf (S. 107). Gerade letzteren könnte ich ein Mal pro Woche essen! Als köstliches und einfaches Abendessen, das sich für mich perfekt zu einem Filmabend eignet: Backofengemüse mit Hummus (S. 87). Verdammt, ich liebe dieses Hummus! Perfekt auch zum Tippen für Rohkost...

Zum letzten Abschnitt Partytime (S. 112 bis 129) kann ich noch nichts sagen, da ich hier noch kein Rezept getestet habe. Aber das wird sich hoffentlich sehr bald ändern. Vorgemerkt sind die Sommerrollen mit Erdnussdip (S. 121), das Zwetschgencrumble (S. 123) und die Müsliriegel (S. 129)...

Im Anhang finden sich neben einem Wochenplaner, Einkaufslisten und Tipps für den Vorratsschrank unter anderem noch ein kleiner, aber hilfreicher Saisonkalender.

Für mich ist dieses Kochbuch ein echter Gewinn! Ich habe mich beim Nachkochen fast immer zu 100% an Zutaten und Rezept gehalten, wenn überhaupt, habe ich mal etwas weggelassen - einmal ein Lorbeerblatt (da ich den Geschmack nicht so gerne mag) oder mal einen Schuss Weißweinessig, den ich schlicht vergessen habe. Gerade weil ich mich so strikt an das Buch gehalten habe, muss ich sagen, dass ich begeistert bin, was für einen tollen Geschmackssinn Patrick Polk hat und wie stimmig er Gewürze und unterschiedlichste Zutaten kombiniert. So muss ich sagen, dass ich nicht nur viele hilfreiche Rezepte für den Alltag gefunden habe, sondern auch Anregungen, um darüber hinaus zu experimentieren... Manche Kochbücher verschwinden relativ schnell in meinem Regal, da häufig die Beschaffung einzelner Bestandteile zu kompliziert ist oder mir schlicht und ergreifend die Zubereitung zu lange dauert - in diesem Fall ist es definitiv nicht so. Ich bin mir sicher, dass ich so ziemlich jedes Rezept ausprobiere und obwohl ich das Buch noch nicht lange besitze, habe ich manche Gerichte schon zwei-, dreimal gekocht.

Fazit: Für mich gibt es Nichts zu diskutieren - dieses Kochbuch ist ein Must-Have.


Die verbotene Zeit: Roman
Die verbotene Zeit: Roman
von Claire Winter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Schuld und dem Leben mit dieser, 21. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Die verbotene Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
London, 1975. Clara, Tochter deutscher Eltern, die in Cornwall aufgewachsen ist, leidet sehr darunter, dass sie nach einem Autounfall einen Teil ihres Gedächtnisses eingebüsst hat. Doch nicht nur die wie ausgelöschten Erinnerungen belasten die junge Frau immens, nein, sie kann sich zudem des Eindrucks nicht erwehren, dass sich ihr Mann Tom seltsam verhält und sie von irgendetwas abzuhalten versucht... Nicht gerade hilfreich, dass sie von einem Journalisten erfahren muss, dass sie vor ihrem Unfall Fragen zu Anastasia stellte, der großen Schwester, die vor 12 Jahren plötzlich an der Steilklippe nahe des des Behringer'schen Zuhauses verschwand... Als dann auch ihr eigener Vater mauert, steht für Clara fest, dass sie ein zweites Mal Nachforschungen anstellen wird. Ob ihre Fragen dieses Mal die richtigen Empfänger finden? Menschen, die ihr helfen können und wollen?

Gute 50 Jahre früher in Berlin. Dora wächst im Haus der Theußenbergs auf, denn ihre Mutter ist als Hausmädchen im Haushalt der wohlhabenden Fabrikantenfamilie angestellt. Als Dora die Tochter des Hauses, Edith, an einem Wintertag vor dem Ertrinken im nicht ganz zugefrorenen See bewahrt, bahnt sich eine sehr enge Freundschaft an: die Mädchen sind unzertrennlich und während Doras Mutter anfangs große Bedenken hat, nehmen Ediths Eltern Dora wie eine zweite Tochter auf, zahlen ihr Schulgeld und lassen ihr immer wieder Kleidung und kleine Geschenke zukommen. Es sind unbeschwerte Jahre, die die beiden Mädchen in Berlin verbringen - Edith hilft der aus einfachsten Verhältnissen kommenden Dora vor den Gehässigkeiten der Mitschülerinnen, Dora hingegen erdet die schillernde, sämtlich Männer betörende Edith hin und wieder. Die Vertrautheit der beiden ist bemerkenswert und so haben sie mit Ediths Bruder Carl und anderen jungen Menschen einen festen Freundeskreis und genießen die Jahre der Weimarer Republik. Doch schon bald lassen sich die ersten dunklen Wolken am Himmel erkennen: Wilhelm, Doras Bruder, ist ein gutes Beispiel für die anfänglich unterschätzten neuen Machthaber... Doch noch finden die jungen Frauen ihr Glück: während Dora den inzwischen verhinderten Leistungssportler und Olympioniken Paul kennen und lieben lernt, begegnet Edith dem extravaganten Maximilian von Stettenheim und heiratet ihn sehr spontan.

Was Dora und Edith ebenfalls eint, ist die Ablehnung der Nazis: Dora rettet einen jüdischen Assistenzarzt vor den SS-Schergen, die das Krankenhaus, in dem sie als Schwester arbeitet, von "unerwünschten Elementen säubern" wollen, doch mit zunehmender Macht der Nazis zieht sie sich zurück und distanziert sich innerlich. Als plötzlich auch jüdische Freunde und Bekannte von Dora und Edith von heftigen Restriktionen betroffen sind, begreift auch Edith, wie ernst es ist. Da sie - im Gegensatz zu Dora - Schwierigkeiten hat, mit ihrer Meinung hinter'm Berg zu halten, ist sie geradezu prädestiniert, sich rasch selbst in die Bredouille zu bringen... Und dann ist da auch noch Heinrich Raven, ein Mann der neuen Zeit, der die schöne Edith schon lange bewundert und verehrt - und nun zu einer echten Bedrohung werden könnte.

Was für ein tolles, fesselndes Buch! Der Autorin Claire Winter ist in meinen Augen wirklich ein Glanzstück gelungen, an dem es nichts, wirklich gar nichts auszusetzen gibt. Bewundernswert, wie gekonnt sie die Fäden ihrer Geschichte in den Händen behält, wie passgenau sie die Geschichten auf beiden Zeitebenen und aus unterschiedlichen Erzählperspektiven ineinander verwoben hat... Kleinste Puzzleteilchen fügen sich allmählich zusammen und selbst wenn man an der ein oder anderen Stelle die richtige Vermutung im Kopf hat: es bleibt bis fast zu letzten Seite äußerst spannend!
Der zweite riesige Pluspunkt der Geschichte sind die Figuren, die glaubhaft handeln und damit vor allem vor einem historisch so prekären Hintergrund überzeugen! Ich freue mich jedes Mal, wenn ein Autor es schafft, seine Figuren nicht nur schwarz oder weiß zu zeichnen und sie trotz ihrer Stärken und Schwächen liebenswert erscheinen zu lassen. Das ist der Autorin wirklich perfekt gelungen, denn alle Charakter haben ihre Nuancen - die einen mehr, die anderen weniger; klar.
Und damit bin ich beim dritten fetten Pluspunkt, der Atmosphäre. Egal in welchen Situationen und zu welcher Zeit - Claire Winter beherrscht die Tonlage. Das zeigt sich vor allem in sehr emotionalen, bedrückenden Szenen, in denen sie die in meinen Augen die richtigen Worte findet, die das Grauen beschrieben...

Es ist eine Geschichte, die ihren Ausgang im finstersten Kapitel der Menschheitsgeschichte nimmt und dennoch immer wieder Hoffnung aufzeigt. Eine Geschichte von tiefer Freundschaft und echter Liebe. Eine Geschichte von Schuld und Sühne. Und eine Geschichte über Menschen, die mit dem Erlebten und den eigenen Handlungen leben müssen - wie können sie damit überhaupt umgehen?

Fazit: Ein sehr bewegender Roman, der mich auf 576 Seiten nicht losgelassen hat und auch nach der Lektüre noch nachwirkt. Definitiv ein Buch, das einen Scheinwerfer verdient hat, damit es möglichst viele LeserInnen findet!


Der dunkle Weg: Roman
Der dunkle Weg: Roman
von Susanne Goga
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Hamburg - Dublin, 1912., 21. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Der dunkle Weg: Roman (Taschenbuch)
Die junge Ida Martens macht sich auf den Weg nach Irland, um in Dublin ihre Freundin Grace Gifford zu besuchen. Die Eltern können diesem Wunsch nichts abgewinnen, sie sähen die Tochter viel lieber unter einer guten Haube. Ob sie ahnen, dass diese Reise das Leben Idas komplett auf den Kopf stellen wird?
Die Kaufmannstochter, der es an nichts mangelte, außer vielleicht an Verständnis und elterlicher Liebe, fühlt sich in Dublin auf Anhieb wohl: die - im Vergleich zu Hamburg deutlich kleinere - Stadt zeigt sich freundlich und offen. Aus dem angedachten Besuch wird mehr und Ida sucht sich ein eigenes Zimmer. Bei der Wirtin Mrs Fitzgerald und in ihren vier Wänden fühlt sie sich nicht nur sehr wohl, sondern kann auch gut malen, da sie die nötige Helligkeit hat. Schon bald lernt Ida Menschen kennen, geht ihrer Leidenschaft, dem Malen, nach und sucht sich eine Arbeitsstelle, um ihr Zimmer finanzieren zu können.
Doch sie lernt auch die Schattenseiten Dublins kennen: Straßen, in denen das Elend herrscht und die Bewohner ums blanke Überleben kämpfen. Bei einem Streifzug durch die Henrietta Street lernt sie Cian O'Connor kennen, einen jungen Arzt, der sich sehr in den Armenvierteln engagiert. Seine schroffe Art täuscht nicht darüber hinweg, dass er sein Herz am rechten Fleck hat und Missstände gerne beim Namen nennt. Aber Ida lernt auch noch andere Menschen kennen, die politische Ziele verfolgen, die durchaus auch Probleme mit der Obrigkeit mit sich bringen können... Der sehr sympathische Séan Mac Diarmada, der Ida schon bald darüber aufklärt, dass er für die Abspaltung vom Vereinigten Königreich ist, da die Briten die irische Bevölkerung schon viel zu lange knechten und somit eine wesentliche Schuld an den katastrophalen Bedingungen in den Elendsvierteln und am Hunger der Iren haben.
Ida ist eine mutige Frau, die nicht einfach wegschauen kann, sondern stattdessen mitfühlt und bereit ist einen Beitrag zu leisten, dass es diesen Menschen, die ihr so lieb geworden sind, zu helfen. Sie zeichnet Szenen und Menschen aus den Brennpunkten und diese werden in einem kleinen Büchlein veröffentlicht. Die Zeichnungen kommen auf diesem Weg in die USA, wo sie die vielen irischen Emigranten an das Elend in der alten Heimat erinnern und für finanzielle Unterstützung werben soll. Und es funktioniert: das Buch ist nicht nur künstlerisch beeindruckend, sondern beschert auch einiges an Geld...
Ida hat inzwischen einen festen Freundeskreis, der zwar durchweg nicht aus den armen Schichten stammt, sich aber für die Verbesserung der Lebenssituationen einsetzt. Einige lindern die Not, wo sie nur können, doch Ida merkt bald, dass etliche auch der Meinung sind, dass das Übel bei der Wurzel gepackt werden muss und die Briten aus Irland verjagt werden müssen - nur dann können sich die Iren vom Joch aus Hunger und Armut befreien. Dass das nicht einfach wird, ist auch Ida klar, doch sie ist erstaunt, dass einige ihrer Freunde auch weiter gehen würden und auch Gewalt nicht ausgeschlossen ist. Je länger sie in Dublin bleibt, je mehr sie kennenlernt und je enger die Freundschaften und ihre Beziehung wird, desto mehr begreift sie die Idee eine Unabhängigkeit. Ist das nicht auch ein Stück ihrer eigenen Geschichte? Hat sie nicht auch das Heft in die Hand genommen und ist inzwischen eine unabhängige Frau, die ihr Leben und ihr Glück in die eigene Hand genommen hat?
Doch während die Verfechter eines eigenständigen Irlands ihre Pläne schmieden und Ida ihnen nahe ist, zieht ein anderes Gewitter über Europa auf: als in Sarajevo der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand mitsamt Ehefrau erschossen wird, ist der große Krieg nicht mehr aufzuhalten. Ein Weltgeschehen, das auch an Ida nicht spurlos vorbeigeht...

Was für ein großartiges Buch! Die Autorin Susanne Goga hat eine packende, berührende Geschichte aus dem Herzen Europas geschrieben. Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, wie die Iren noch vor 100 Jahren gelitten haben - eine Tatsache, die bis heute Konsequenzen auf das Verhältnis zwischen Irland und dem Vereinigten Königreich hat. Susanne Goga berichten vom Wunsch nach Unabhängigkeit - vom jahrelangen Kampf der Iren um Freiheit und eine Republik. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass sie dafür auf eine Vielzahl an realen Persönlichkeiten zurückgreift, die sie allesamt mit einer tollen Tiefe ausstattet, so dass sie nicht nur authentisch, sondern auch ungemein sympathisch daherkommen. Wer sich mit der irischen Geschichte auskennt, der wird natürlich ahnen, wie das historische Geschehen seinen Lauf nimmt - aber dadurch wird der Lesegenuss keineswegs geschmälert. Denn man kann mit den Charakteren mitgehen, ihre Beweggründe erfahren, ihre Entscheidungen überdenken und hinterfragen. Wer wenig oder keinerlei Kenntnisse der Geschichte Irlands hat, der kann abtauchen und neben einer sehr interessanten Handlung auch einige Fakten lernen. Im besten Fall macht das neugierig - ich habe mich einige Male ertappt, wie ich recherchiert habe und mich über alte Bekannte und allerlei Wissenswertes gefreut habe.

Mein Liebling war neben Ida vor allem Séan, aber auch Joe (Seosamh Máire Pluincéid), Tom (Tomás Mac Donnchadha), die Countess Constance Markievicz und Cian mochte ich wirklich gerne. Mit all diesen Figuren habe ich mitgefühlt und mitgelitten - ja, zum Ende sogar Tränen vergossen. Wie gut, dass wir im Jahr 2015 leben und wissen, welches Ende es mit Irlands Freiheit nahm.

"Der dunkle Weg" hat mich gefesselt und mitfühlen lassen - über einen solch dichten, historisch perfekt recherchierten Roman, der einen so intellent unterhält, kann ich mich einfach nur freuen. Für mich definitiv ein echtes Highlight!

Fazit: Unbedingt lesen! Und wenn das Buch gerade nicht zur Hand ist: 'Fields of Athenry' hören...


Als die Sonne im Meer verschwand: Roman
Als die Sonne im Meer verschwand: Roman
Preis: EUR 15,99

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Weder halbwegs objektiv, noch gut erzählt., 21. Juni 2015
Das erste Buch von Susan Abulhawa, "Während die Welt schlief", hatte vor längerer Zeit meine Aufmerksamkeit erregt, da mich das Thema der Autorin sehr interessiert. Vermutlich liegt es zugleich aber auch an meiner Angst einer zu einseitigen Erzählung, dass ich das Buch letztlich noch nicht gelesen habe. Beim zweiten Roman habe ich nun die Gelegenheit ergriffen - nur um festzustellen, dass sich manche Befürchtungen nur allzu perfekt erfüllen...

Als Tochter palästinensischer Flüchtlinge geboren, in Jerusalem, Kuwait und Jordanien aufgewachsen, kam Susan Abulhawa als Teenager in die USA. Ihr Thema ist seit jeher die Situation der Palästinenser und so beschäftigen sich ihre beiden Romane sehr intensiv mit dem Nahen Osten und der arabischen Bevölkerung.

Hier lassen sich auch gewisse Überschneidungen der Biographie der Autorin und der Hauptfigur erkennen: Die Palästinenserin Nur ist in Amerika aufgewachsen und kennt die Heimat ihrer Eltern und Großeltern nur aus den Erzählungen ihres Großvaters. Nachdem sie Jamal, einen Arzt aus Gaza, kennengelernt hat, reist sie zum ersten Mal in die Ecke der Welt, in der ihre Wurzeln liegen.
Die Handlung beginnt jedoch im Jahre 1940 als eine Familie aus ihrem arabischen Dorf flieht und im sogenannten Gaza-Streifen unterkommt. Das Erlebte prägt die Barakas stark und hat auch noch Jahrzehnte später Einfluss auf die Familienmitglieder. Die Dramen und Schicksalsschläge sind unerbittlich und vor allem treffgenau, aber natürlich berühren sie... Und hier liegt für mich die erste Krux, denn das Buch soll selbstverständlich auf die Situation der Palästinenser aufmerksam machen, übertreibt aber meiner Meinung nach. Okay, das ist sicherlich eine narrative Möglichkeit, die man einem Autor zugestehen kann, wenn ihm ein Anliegen sehr am Herzen liegt - auch wenn es mir selbst nicht gefällt, wenn es gar zu einseitig wird. Aber gut, weiter im Text.
Nur, in den USA entwurzelt und durch Verluste traumatisiert, findet in Gaza alte Verbindungen zu ihrer Familie, lernt vieles über die palästinensische Kultur und über Zusammenhalt und Liebe in arabischen Familien. Dabei erzählt die Autorin die Geschichte nicht stringent, sondern springt sowohl in der Zeit als auch in den Erzählperspektiven. So wirkt es ein bisschen so, als würde vor dem Auge des Lesers ein Flickteppich entstehen, der selbstverständlich am Ende als Ganzes funktioniert...

Abulhawas Stil ist sehr blumig, was durchaus in der Tradition arabischer Erzähler gesehen werden kann, mich aber zunehmend ermüdet hat, denn ich fand ihn zu ausufernd und ab einem gewissen Punkt auch langweilig. Vielleicht neige ich dann doch zu nüchternen Erzählungen - auch wenn ich experimentelle Stile durchaus auch gerne ausprobiere und nicht generell damit scheitere. Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich nicht nur die auffällige Häufung an Tragik, sondern auch die zahlreichen Zufälle. Und nicht genug: zusätzlich zum klischeehaften Aberglauben der Menschen, bekommt der Leser es auch noch mit Übernatürlichem zu tun, indem die Autorin einen Dschinn in die Geschichte einbaut. Dass dann auch noch einzelne Figuren Kontakt mit Nachfahren haben, mag ich da schon gar nicht mehr erwähnen... So lässt mich einiges an der Geschichte verwirrt zurück - aber wenn ich ehrlich bin: so etwas passiert wohl ab und an. Es gibt Bücher, die lassen einen einfach ratlos zurück und in der Regel mache ich - wenn ich sie überhaupt zu Ende lese - einen Haken dran und gut ist. Doch bei "Als die Sonne im Meer verschwand" gelingt mir das nicht, denn mich ärgert die sehr einseitige Darstellung des Konflikts. Keine Frage, es gibt auf jeder Seite schlimme Dinge, die geschehen sind und die man verurteilen sollte - aber dieses Buch empfinde ich schon als eine Art Propaganda. Kritik wird nicht an israelischen Soldaten geäußert, sondern generell an "den Juden"; Leidtragende sind ausschließlich die Palästinenser - und im besonderen Fokus natürlich Frauen und Kinder. Das ist so simpel wie antisemitisch und hasserfüllt.
Muss ich zum Ende noch erwähnen, dass die westlich aufgewachsene Nur sich selbstverständlich ihrer Wurzeln besinnt und ein wunderbares Leben an einem Brennpunkt der Erde führt? Das ist wirklich einfach und ich glaube im Übrigen auch nicht an einen genetisch verankerten Lebensstil.

Fazit: Dieses Buch gehört zu den wenigen, bei denen ich nicht eine Sekunde nachdenken muss, ob ich sie in mein Regal stelle. Es hatte keinen halben Tag nach Beendigung der Lektüre meine Wohnung bereits verlassen. Und von dem Wunsch, das erste Buch der Autorin zu lesen, war ich auch umgehend geheilt.

0/5 Sternen (was hier nicht möglich ist)


Totengedenken: Roman
Totengedenken: Roman
von Rennie Airth
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenige Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges..., 21. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Totengedenken: Roman (Taschenbuch)
Großbritannien ist noch immer von den Nachwehen geprägt: in den Städten sind die Lücken, durch Bomben verursacht, deutlich zu sehen und noch sind Lebensmittel und Benzin rationiert... Doch seit Kriegsende ist die Labour Party an der Macht und nicht nur die Gesellschaft versucht sich in einem Neuanfang, sondern auch die Wirtschaft.
In dieser Zeit erschüttert eine Mordserie die Öffentlichkeit: bei den Opfern handelt es sich um vermeintlich unbescholtene Männer und sie scheinen irgendwie miteinander verknüpft zu sein - doch die Polizei hat arge Probleme, ein Motiv zu erkennen. Dazu kommt ein nicht beendeter Brief - der an Scotland Yard adressiert ist und John Maden erwähnt -, den die Ermittler auf dem Schreibtisch eines Opfers finden.
Der schon einige Zeit pensionierte Scotland-Yard-Inspector John Madden, der sich mit Frau und Kindern zurückgezogen hatte, unterstützt nun seine ehemaligen Kollegen und nach und nach finden sich Hinweise auf eine Lynchjustiz...

Leider wurden ja nicht alle Krimis von Rennie Airth ins Deutsche übersetzt. Bei "Totengedenken" handelt es sich um den vierten Fall des Ermittlers John Madden, der aber völlig eigenständig zu lesen ist. Zwischen den einzelnen Krimis liegen große zeitliche Abstände - vielleicht passt sich der Autor hier dem eigenen Schreibverhalten an. Denn zwischen den Veröffentlichungen seiner Romane liegt jedes Mal eine gefühlte Ewigkeit. Mag sein, dass der Südafrikaner einfach kein Schnellschreiber ist - nach der Lektüre des neuesten Falles muss ich aber sagen, dass das vielleicht auch ein ganz gute Idee ist, denn die Qualität des Geschriebenen ist einfach richtig gut. Also habe ich beschlossen, dass ich mich jetzt einfach in Geduld übe und hoffe, dass der Autor noch einen weiteren Krimi um Inspector Madden schreibt...
Hier stimmt einfach alles: die Spannung hält sich sehr gut, die Auflösung ist gekonnt, die Figuren sind in meinen Augen glaubhaft und mit John Madden und einer jungen Kollegin gibt es zwei besonders sympathische Charaktere. Natürlich muss ich zugeben, dass mich die Zeit der Handlung sehr interessiert - vor allem, wenn ich bedenke, dass die Zusammenhänge zurück in beiden Weltkriege reicht... Für mich sind die Szenen und die Atmosphäre einfach authentisch und lassen mich in schwierige Zeiten blicken. Zumal sie natürlich auch für die Ermittlungen einen perfekten Nährboden bieten.

Fazit: Wer gerne historische Krimis liest, die nicht vom bloßen Thrill leben, sondern viel von der damaligen Zeit transportieren sollen und so eine gelungene Stimmung schaffen, der wird hier perfekt bedient. Rennie Airth versteht sein Handwerk und ich hoffe auf einen weiteren Fall mit John Madden!


Mariposa - Bis der Sommer kommt
Mariposa - Bis der Sommer kommt
von Nicole C. Vosseler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

5.0 von 5 Sternen Mariposa, Kalifornien., 7. Juni 2015
Auf den 18jährigen Jake aus L.A. wirkt die Kleinstadt Mariposa am Rande des Yosemite Nationalparks wie ein Dreckskaff, in das er nie im Leben wollte. Doch von Wollen kann keine Rede sein - Jake hat eine schwierige Geschichte und zuletzt ziemlichen Mist gebaut, so dass Mariposa im Grunde so etwas wie eine zweite und zugleich letzte Chance ist. Er wurde von einem Richter zu Sozialstunden (Community Service) verdonnert und lebt dafür mit einem anderen jugendlichen Straftäter in einer kleinen Pension. Doch wie soll er die ihm endlos erscheinenden Monate, die vor ihm liegen, in einem solchen Nest herumbringen? Mit gerade einmal einer Tankstelle, einem Sports-Pub und einem Diner?
Statt dass Jake die Natur genießt und die Ruhe nutzt, um sich Gedanken über sein Leben und seine Träume zu machen, stänkert er erst einmal gehörig über Josh, den Betreuer des Projekts, für das er arbeitet, herum und vertreibt sich seine freien Stunden lieber stumpfsinnig. Bei einem Pub-Besuch lernt er Travis kennen, über den er sich insgeheim lustig macht, und wenig später Nessa, ein ungewöhnliches Mädchen, die nicht mit seinen bisherigen 'Chicks' vergleichbar ist - und ihn dennoch fasziniert.

Doch warum ist Nessa eigentlich so anders? Warum lebt sie so zurückgezogen mit ihrer Familie im Wald nahe Mariposa? Jake und Nessa nähern sich ganz allmählich an und lernen sich behutsam kennen. Doch bedeutet dies nicht auch, dass sie ihrem Leben eine neue Wendung geben? Kann Jake dann den 'Bad Boy'-Status aufrechterhalten und kann Nessa ihre Geheimnisse bewahren?

Natürlich weiß man von der Inhaltsangabe, dass sich zwischen Nessa und Jake eine Liebesgeschichte anbahnt, aber wie die Autorin Nicole C. Vosseler diese erzählt, das ist einfach großartig und spannend! Mit einem unglaublichen Gespür für die Hauptfiguren, lässt sie diese abwechselnd zu Wort kommen und gibt ihnen Raum sich zu entfalten und das Herz der LeserInnen zu erobern... Aber nicht nur das: denn auch die anderen Charaktere werden darüber nicht vergessen. Sie wurden mit ebenso viel Herzblut von der Autorin gezeichnet und sind meine heimlichen Helden in der Geschichte!
"Mariposa" handelt von Liebe und Loyalität, von Freundschaft und Vertrauen, von ehrlicher Unterstützung und Hilfsbereitschaft. Dieses Buch hat mich berührt und bewegt, denn es hat mir deutlich gezeigt, dass man manchmal im Leben an einer Gabelung steht und sich entscheiden muss. Nicht irgendeine Entscheidung, nein, sondern eine gewichtige, von der man weiß, dass sie Konsequenzen haben wird.

Nicole C. Vosseler hat jedoch nicht nur ein sehr feinsinniges Gespür für ihre Figuren, sondern auch für die Natur des Yosemite Nationalparks. Mir hat es gefallen, mit Nessa, Hayden, Jake und Josh Mariposa und die nahe Umgebung zu erkunden. Die Natur, die nicht nur Nessa und ihre Familie prägt, sondern auch die Bewohner der Kleinstadt, die nicht den Eindruck erwecken, die große, weite Welt zu vermissen. Ist die Welt vor einer solch atemberaubenden Kulisse nicht eh viel größer und weiter als die, die von Menschenhand aus Beton, Metall und Glas gemacht wurde?
Aber auch den Erzählstil möchte ich nicht außer Acht lassen, denn er ist einfach toll. Die Geschichte kommt leichtfüssig daher und die Autorin schafft es, wahre Bilder vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen. Und was will ich bei einer Lektüre mehr? Wenn ich mit den Figuren mitfühle, mich ihr Schicksal bewegt und ich das Gefühl habe, dass ich deren Erlebnisse regelrecht vor mir sehe - dann geht nicht mehr.

Gemeinsam mit Jake kommt man als Leser nach und nach hinter Nessas Geheimnis. Hierbei beweist die Autorin auch ihr fantastisches Können, auch wenn es zu sagen gilt, dass dies nur ein Element der Geschichte ist. In meinen Augen war kein Quentchen zu viel, aber auf die Idee muss man sich natürlich einlassen (können).

Fazit: Ein wunderschönes Jugendbuch - glasklare Leseempfehlung!


Spurlos im Schnee
Spurlos im Schnee
von Cordula Hamann
  Broschiert
Preis: EUR 10,99

4.0 von 5 Sternen Spannendes Alpenpanorama, 6. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Spurlos im Schnee (Broschiert)
Ein kleines Dorf in den bayerischen Alpen ist plötzlich mitten in einem schrecklichen Geschehen: ganz in der Nähe ist eine Lawine abgegangen und hat nicht nur Menschen mitgerissen, sondern auch das Dorf von der Außenwelt abgeschnitten.
Etliche Skiurlauber kommen mit einem Riesenschrecken davon, doch ein Gefangenentransport hat nicht so viel Glück - die Rettungsmannschaft kann mit Polizistin Claudia Jensen nur eine Überlebende retten. Doch als diese im Dorf angelangt, macht sich langsam aber sicher eine gruselige Ahnung breit: der Gefangene, der in ein anderes Gefängnis überführt werden sollte, hat offensichtlich ebenfalls überlebt und hält sich nun in der Nähe von Grahmried auf.
Als am darauffolgenden Tag eine grausam zugerichtete Frauenleiche gefunden wird, herrscht Gewissheit: Thomas Bach, ein gefürchteter Serienmörder, ist auf freiem Fuss. Dass sich das ganze Dorf nun in Aufruhr befindet, macht die angespannte Lage nicht besser.

Die junge Studentin Katja Reichenberger, die ebenfalls zum Winterurlaub in dieser Ecke unterwegs war, hilft nun er Polizistin, die trotz Verletzungen die Ermittlungen aufnimmt. Am besten bevor der aufkommende Schneefall die Spuren des entflohenen Häftlings verwischt...

Im Grunde hat die Autorin Cordula Hamann hier einen klassischen Krimi vorgelegt: die abgeschiedene, ja, von der Außenwelt erst einmal abgeschnittene Szenerie und die Panik vor dem Flüchtigen schüren eine sehr gute Spannung, die auch durchgängig hoch bleibt. Hinzu kommt die winterliche Atmosphäre und mit Katja und Claudia gelungene Charaktere. Aber am besten hat mir die brodelnde Stimmung im Dorf gefallen: während der drei Tage, von denen der Roman handelt, entpuppen sich so einige Bewohner als Geheimnisträger, die die eh schon schwierige Stimmung stetig zuspitzen. Soll heißen, dass Claudia und ihre Gehilfin Katja alle Hände voll zu tun haben. Vielleicht ist dieser Punkt einer der wenigen möglichen Kritikpunkte an "Spurlos im Schnee", denn dass eine Studentin dank Krimilektüre eine prächtige Ermittlern abgibt, kann man bezweifeln. Aber nun gut, das ist für mich ein klitzekleiner Minuspunkt, da mich der Krimi ansonsten überzeugt hat. Die Autorin beherrscht ihr Handwerk, zeichnet eine zuverlässige Spannungskurve und hat mit Claudia und Katja (sieht man einmal von der Funktion der Hobbyermittlerin ab) realistische Hauptfiguren geschaffen. Mit der Unnahbarkeit der Polizistin hatte ich anfangs etwas Schwierigkeiten, doch das legte sich mit der Zeit und ist auch in keinem Falle als Kritik zu verstehen, denn es macht schlicht und ergreifend die Figur in meinen Augen glaubhafter.

Auch wenn man als geübter Krimileser vielleicht die ein oder andere Ahnung haben könnte, hat Cordula Hamann hier einen wirklich fesselnden Krimi vorgelegt. Zudem ist Kulisse für einen Krimi so ungewöhnlich wie perfekt - für mich hat die Abgeschiedenheit jedenfalls definitiv für zusätzlichen 'Thrill' gesorgt... Im Grunde bleibt mir nur eine einzige Sache, an der ich etwas zu kritteln hätte: das Ende. Das kommt mir schlicht und ergreifend zu abrupt.

Fazit: Wer im Sommer etwas Abkühlung benötigt: zugreifen! Wer einen packenden Krimi mit Alpenpanorama und wohlportionierten kalten Schauern über den Rücken lesen möchte: zugreifen!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12