Profil für Noam > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Noam
Top-Rezensenten Rang: 2.449.311
Hilfreiche Bewertungen: 217

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Noam

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
L' Adultera, 4 Cassetten
L' Adultera, 4 Cassetten
von Theodor Fontane
  Hörkassette

2.0 von 5 Sternen Fontane, die B-Version, 8. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: L' Adultera, 4 Cassetten (Hörkassette)
Schön ist natürlich, dass Fontanes Roman L'Adultera als Hörbuch vorliegt. Und man soll auch nicht jeden, der Fontane vorliest, immer gleich an Gert Westphal messen. Aber die Lesung von Bodo Bühling ist auch ohne diesen Vergleich nicht sehr überzeugend. Westphal hat das Buch nicht vorgelesen. Der Grund könnte darin liegen, dass dies der erste Berliner Gesellschaftsroman von Fontane ist. Er ist 1882 erschienen; Frau Jenny Treibel 1893, Effi Briest 1896. Man kann also sagen, dass bei diesem ersten Gesellschaftsroman Fontanes Kunst noch nicht voll entfaltet ist. Es fehlt die Eleganz der späteren Romane.
Die Lesung ist wenig geglückt. Die Stimme ist zu kalt und dünn. Bühling gelingt es nur bedingt, den einzelnen Figuren und ihren Sprechweisen einen charakteristischen Ton zu geben. Und dann die Lesefehler: Der nicht ganz unbekannte Wein ,Lacrimae Christi', bei dem natürlich ,lakrimä' zu lesen wäre, liest er als ,lakrima-e'. Gut, Latein kann nicht jeder gehabt haben, aber auch am englische Wort ,orchard' scheitert er und liest unverdrossen ,orkard'.
Insgesamt also eine schwache Aufnahme, die nur knapp noch den Anforderungen genügt, die man an eine professionelle Produktion stellen kann.


Rituale: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Rituale: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Cees Nooteboom
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,50

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Traktat über die Weltverneinung, 23. Februar 2002
Der bekannte Literaturjournalist Reich-Ranicki, dessen Meinung der Suhrkamp-Verlag auf dem Rückumschlag des Buches abgedruckt hat, ist sich sicher, daß es sich hier um einen Roman handelt, „in dem die Erotik im Mittelpunkt steht." Ist das so? Ach wo! Die Tatsache, daß Inni Wintrop, eine Art Hauptfigur, in dem Buch viermal mit einer Frau Sex hat und das mit hinlänglicher Ausführlichkeit beschrieben wird, bedeutet nicht, daß die Erotik im Mittelpunkt des Buches steht. Vielmehr ist auffällig, daß die erotischen Motive immer bezogen sind auf übergeordnete Themen. Und die sind - anspruchsvoll ist er schon unser Autor Noteboom - die Zeit, die Erinnerung oder genauer gesagt die Erzählbarkeit und Registrierbarkeit von erlebter Zeit und damit auch die Konstruktion von Sinn und Zusammenhang. Soviel - und das ist ja nicht wenig - vermag der Autor zu bewältigen, zumindest im ersten der drei Teile. Gestaltet wird dieses Grundthema durch die Erzählweise. Der Erzähler, der mit kühnen Vorausgriffen und überlegenen Deutungen über Zeit und Sinn regiert, outet sich schon auf Seite 14 als der „große, platonische Elektronenrechner„ der „alles einspeichert". Er weiß nicht nur fast alles, er weiß auch alles besser, auf jeden Fall besser als die Romanfiguren. Das ist allerdings auch nicht so schwer, denn die irren auf ihrem Weg der Sinnsuche doch recht hoffnungs- und orientierungslos durch Amsterdam und die Geistes- und Religionsgeschichte. Und was die Haupt- und Nebenfiguren sich da alles über die Welt und das Leben so zurechtgelegt haben, das kann man dann im zweiten und dritten Teil des Buches nachlesen. Ganz als wäre man auf dem Zauberberg dürfen wir z. B. im zweiten Teil einem dialogischen Wettstreit zwischen einem Existentialisten (Arnold Taads) und einem Geheimen Kammerherrn des Papstes lauschen. Doch dann: Ein Faustschlag des Gastgebers, der dem Existentialisten galt, trifft den Kammerherrn, boom! Darauf geht der Gastgeber (zu viel Portwein) selbst zu Boden! Krach! Das fand ich toll. In diesem zweiten Teil steht neben dem schon erwähnten Existentialismus die Transsubstantiation in der Heiligen Messe im ‘Mittelpunkt des Romans’. Und bei diesen Themen sowie dem ständig wiederkehrenden Motive der Welt- und Lebensverneinung überfordert sich Noteboom doch zu sehr. Da wird nichts gestalte, da werden nur noch in Thesen ausgetauscht. Das wird noch schlimmer im dritten Teil, der dem Sohn des Existentialisten, Philip Taads, gewidmet ist. Hier geht es, wieder unter dem Oberthema ‘Weltverneinung’, um Zen, Tao, Joga (sic!), östliche Mystik, Meditation, teuere japanische Töpferwaren (Akaraku) und die japanische Teezeremonie (Chado). Bei den dazugehörigen Gesprächen gibt es leider keine direkten Handgreiflichkeiten aber dafür Sätze wie den folgenden: "Ich sage, Gott muß sehr ich und ich muß sehr Gott sein, so verzehrend eins, daß dieser Er und dieses Ich ein einziges Ist sind und in dieser Istigkeit ewig an ein und demselben Werk schaffen .... usw.". Solche Äußerungen ersetzen stilistisch doch gut und gerne die Wirkung eines japanischen Würgegriffs (Kesakatame). Oder, genauer gesagt, hier hat Noteboom endgültig die Grenze dessen überschritten, worüber er kompetent schreiben kann.
Und sonst noch? Wir begegnen einigen skurrilen Figuren aus Tausendundeiner Gracht, Kunsthändlern, reichen Katholiken, einigen Frauen wie Innis hysterischer Tante Thérèse, seiner Frau Zita, wegen der er sich zu Beginn des Buches erfolglos umzubringen versucht, und den drei anderen Frauen, mit denen er in dem Buch Sex hat. Womit wir wieder beim Erotischen wären. Der Erzähler ist in dem Buch, wie gesagt, allwissend. Er mußte deshalb auch geahnt haben, was Reich-Ranicki schreiben würde und hat (irgendwie pfiffig!) auch schon eine Antwort ins Buch eingebaut: Inni und einer der Kunsthändler studieren die Sammlerzeichen auf der Rückseite einer Renaissance - Radierung: Inni: "’Sieht so aus, wie das sexuelle Symbol eines Indianerstammes. ‘Jaja’ sagte Bernard ‘the eye of the beholder’..."


Der Alchimist
Der Alchimist
von Paulo Coelho
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

44 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Pseudo-Weisheiten, 4. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Alchimist (Gebundene Ausgabe)
Der Leser dieses Büchleins darf an den Abenteuern und Erkenntnissen eines Jünglings mit Namen Santiago teilnehmen.
Die Geschichte ist in einem Märchen- oder besser Legendenton geschrieben, bei dem Einfachheit immer wieder in Einfältigkeit umschlägt. Wir folgen Santiago von Andalusien, wo er als Schafhirte arbeitet, nach Tanger, wo er sich als besonders begnadeter Kristallglasverkäufer hervortut. Dann zieht er durch die Wüste, kommt in einer Oase an, trifft an einem Brunnen seine Seelenpartnerin Fatima, zieht dann nochmals durch die Wüste usw. usw.
Den Ruf als Weisheitsquelle verdankt das Buch nun der Tatsache, daß im Abstand von einigen Seiten aus dem erzählerischen Nichts, im besten Falle aus der Wüste, Gestalten auftauchen, die dem Jüngling irgendwelche Weisheiten mitteilen, um dann auf Nimmerwiedersehen aus dem Buch zu verschwinden.
Der erste dieser Weisheitsspender ist Melchisedeck, der König von Salem. Von ihm erfahren wir, was unsere Aufgabe auf der Erde ist (dem persönlichen Lebensweg folgen), wovon die Weltseele gespeist wird (von unserem Glück und Unglück), und was passiert, wenn wir uns etwas ganz fest wünschen (das Universum unterstützt uns). Und überhaupt, die Weltseele! Alle paar Seiten lesen wir etwas Neues über sie: Sie taucht vor Santiago auf, später taucht er wiederholt in sie ein, er labt sich an ihr. Wir lernen, daß sie aus Liebe besteht und daß alles in sie eingraviert ist. Auch mit Gott hat sie zu tun, aber was genau soll hier nicht vorweggenommen werden. Ein paar griffige Weisheitssprüche dürfen jedoch mitgeteilt werden:
„Hör auf die Stimme deines Herzens!" (S. 135); „Jeder glückliche Mensch trägt Gott in sich." (S. 130) ; „Die Augen zeigen die Kraft der Seele." (S.142); „Wenn du immer in der Gegenwart bleiben kannst, bist du ein glücklicher Mensch." (S. 91) usw.
Coelho verbindet esoterische Gemeinplätze und pseudospirituelle Kalendersprüche mit Elementen aus Sufi-Geschichten und schafft so eine Mischung aus einem unbeholfen erzählten New-Age-Märchen und einem belanglosen Lebenshilfebuch.
Wie das Buch ein weltweiter Bestseller werden konnte, ist mir ein Rätsel. Vielleicht hat Coelho sich das einfach ganz, ganz fest gewünscht, denn wie lehrt Melsichsedeck schon auf Seite 29: "Und wenn du etwas ganz fest willst, dann wird das Universum dazu beitragen, daß du es auch erreichst." So muß es gewesen sein. An der erzählerischen Qualität des Büchleins oder seiner spirituellen Kraft kann der Erfolg nicht liegen.


Der Alchimist
Der Alchimist
von Paulo Coelho
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

159 von 197 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Esoterische Gemeinplätze, 20. Dezember 2001
Rezension bezieht sich auf: Der Alchimist (Gebundene Ausgabe)
Der Leser dieses Büchleins darf an den Abenteuern und Erkenntnissen eines Jünglings mit Namen Santiago teilnehmen. (Der Alchimist, den der Titel verspricht, taucht erst im letzten Drittel des Buches auf und bleibt auch nicht lange.)
Die Geschichte ist in einem Märchen- oder besser Legendenton geschrieben, bei dem Einfachheit immer wieder in Einfältigkeit umschlägt. Wir folgen Santiago von Andalusien, wo er als Schafhirte arbeitet, nach Tanger, wo er sich als besonders begnadeter Kristallglasverkäufer hervortut. Dann zieht er durch die Wüste, kommt in einer Oase an, trifft an einem Brunnen seine Seelenpartnerin Fatima, zieht dann nochmals durch die Wüste bis zu den Pyramiden, um dort nach dem Schatz zu graben, den ihm ein Traum in Andalusien verheißen hat.
Den Ruf als Weisheitsquelle verdankt das Buch nun der Tatsache, daß in Abstand von einigen Seiten aus dem erzählerischen Nichts, im besten Falle aus der Wüste, Gestalten auftauchen, die dem Jüngling irgendwelche Weisheiten mitteilen, um dann auf Nimmerwiedersehen aus dem Buch zu verschwinden.
Der erste dieser Weisheitsspender ist Melchisdeck, der König von Salem. Von einem solchen Mann darf man sich einiges an Weisheit erwarten, zum Beispiel erfahren wir, was unsere Aufgabe auf der Erde ist (dem persönlichen Lebensweg folgen), wovon die Weltseele gespeist wird (von unserem Glück und Unglück), und was passiert, wenn wir uns etwas ganz fest wünschen (das Universum unterstützt uns). Und überhaupt, die Weltseele! Alle paar Seiten lesen wir etwas Neues über sie: Sie taucht vor Santiago auf, später taucht er wiederholt in sie ein, er labt sich an ihr. Wir lernen, daß sie aus Liebe besteht und daß alles in sie eingraviert ist. Auch mit Gott hat sie zu tun, aber was genau soll hier nicht vorweggenommen werden. Ein paar griffige Weisheitssprüche dürfen jedoch mitgeteilt werden:
„Hör auf die Stimme deines Herzens!" (S. 135); „Jeder glückliche Mensch trägt Gott in sich." (S. 130) ; „Die Augen zeigen die Kraft der Seele." (S.142); „Wenn du immer in der Gegenwart bleiben kannst, bist du ein glücklicher Mensch." (S. 91) usw.
Coelho verbindet esoterische Gemeinplätze und pseudospirituelle Kalendersprüche mit Elementen aus Sufi-Geschichten und schafft so eine Mischung aus einem unbeholfen erzählten New-Age-Märchen und einem belanglosen Lebenshilfebuch.
Wie das Buch ein weltweiter Bestseller werden konnte, ist mir ein Rätsel. Vielleicht hat Coelho sich das einfach ganz, ganz fest gewünscht, denn wie lehrt Melsichedeck schon auf Seite 29: "Und wenn du etwas ganz fest willst, dann wird das Universum dazu beitragen, daß du es auch erreichst." So muß es gewesen sein. An der erzählerischen Qualität des Büchleins oder seiner spirituellen Kraft kann der Erfolg - die Weltseele sei mein Zeuge - nicht liegen.
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 27, 2014 12:13 AM MEST


Kein Titel verfügbar

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fülle des Wohllauts, 29. Oktober 2001
In jeder Hinsicht ein Genuß. Meisterliche Prosa auf höchstem Niveau interpretiert. Westpahal vermag es, dem Text sinnlichen Glanz zu verleihen. Gerade bei den 'Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull', in dem soviel vom Blendenden des künstlichen und künstlerischen Scheins zu erfahren ist, mag man es sich gönnen, das Buch und den Bleistift für Anstreichungen aus der Hand zu legen und sich ganz - wie das Publikum von Müller-Rosé im fünften Kapitel des Romans - verzaubern und verführen zu lassen durch diese 'Fülle des Wohllauts'. Sechzehn Stunden und zwanzig Minuten dauert die Lesung. 13 CDs werden platzsparend, in einem hübschen Kästchen dargeboten
Lediglich das Begleitheft gibt Anlaß zur Kritik. Es erinnert doch etwas an die Sektmarke „Loreley extra cuvée", die von Krulls Vater vertrieben wird. Die Flaschen werden prächtig aufgemacht, vermögen aber über die zweifelhafte Qualität des Inhalts nicht hinwegzutäuschen.
Der Text von Ralph-Rainer Wuthenow, der immerhin neun Textseiten in CD-Format füllt, ist dürftg. Er bietet eine wenig inspirierte Nacherzählung kombiniert mit der unergiebigen - wenn auch weitverbreiteten - These, man könne den Roman besser verstehen, wenn man ihn im Kontext des europäischen Picaro- oder Schelmenromans liest. Ach wo! Im Mittelpunkt steht auch hier das alte Thema Thomas Manns, der Künstler als eine besondere, herausgehoben und gefährdete Gestalt. Und wenn man es nicht sofort sieht, kann man bei Thomas Mann Hinweise bekommen. Er hat es in seinem „Lebensabriß" über den Krull folgendes gesagt: „Es handelt sich natürlich um eine neue Wendung des Kunst- und Künstlermotivs, um die Psychologie der unwirklich-illusionären Existenzform".


Seite: 1