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Rezensionen verfasst von
Dieter Hellfeuer (Hamburg)
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Listening Booth: 1970
Listening Booth: 1970
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 13,88

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hören und staunen!, 23. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Listening Booth: 1970 (Audio CD)
Kurze Vorbemerkung: Ich habe in den 70ern und 80ern Platten gekauft wie blöd, um in den darauf folgenden Jahrzehnten festzustellen, dass sich im großen Bereich Pop/Rock alles irgendwann wiederholt, was mich längst zum überzeugten Klassik- und Jazzhörer hat werden lassen. Außerdem war ich noch nie Freund von Coverversionen, weil ich bis auf wenige Ausnahmen das Original stets besser fand als die Fälschung. Keine guten Vorsaussetzungen also für Mr. Cohn, bei mir zu punkten, zumal ich von ihm bislang nur Walking in Memphis im Hinterkopf hatte. Als aber neulich im Deutschlandradio John Lennons autobiografisch-gefärbtes Look at me" in einer von einem knochentrockenem Schlagzeug und satter Akustikklampfe angetriebenen Version lief und gegen Ende des Songs dann auch noch kongenial ein Beatles-Zitat eingebaut wurde, war plötzlich wieder dieses Kribbeln aus der Vergangenheit im Bauch. Ich also nach Feierabend nichts wie hin zum CD-Dealer meines Vertrauens, zu Hause ins Sofa gefläzt, Kopfhörer auf und Start gedrückt. Okay, ich will jetzt nicht die Elogen zu den einzelnen Songs wiederholen, die schon die meisten der hoch verehrten Vorrezensenten hier vorgenommen haben oder auf die superben Arrangements und die (leider selten gewordene) hifidele Klangqualität eingehen, nur so viel: Wer auf Singer/Songwriter-Pop/Rock steht und noch die Unterschiede zwischen so genannten RTL-Superstars" und echten Handmade-Musikern wie Bob Dylan, Cat Stevens oder Neil Young herauszuhören vermag, kann an dieser Scheibe nicht ungestraft vorbeigehen. Und die Strafe wäre wirklich grausam, nämlich einen der echten Höhepunkte des Musikjahres 2010 zu verpassen. Übrigens: Wer meine Begeisterung teilt und noch nichts von James Hunter und seiner sensationellen 2008er CD The hard way gehört hat, sollte das nachholen. Die ist nämlich auf Augenhöhe mit dieser wunderbaren Scheibe, und das will echt was heißen!


1974: Roman
1974: Roman
von David Peace
  Taschenbuch

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Nein! Nein! Nein!" oder "Peace!", 14. September 2010
Rezension bezieht sich auf: 1974: Roman (Taschenbuch)
Eigentlich kann man David Peace für dieses Machwerk keinen Vorwurf machen, hat er kürzlich erst in einem Interview erklärt, dass er mit seinem Erstling "1974" sich eigentlich nur seinen inneren Sadismus von der Seele geschrieben hat - was ihm heute eher peinlich ist. Dem Verlag und vor allem all jenen "Krimi der Zukunft"-Jublern muss aber schon der Vorwurf gemacht werden, entweder das Buch nicht gelesen zu haben oder selbst unter einer selbstquälerischen Neigung zu leiden. Ich habe mich jedenfalls noch nie derart freudlos durch einen vermeintlichen Unterhaltungsroman geblättert, darauf wartend, dass doch irgendwann der Kick kommen muss, warum "1974" gar zum Deutschen Krimipreisträger avanciert ist. Als dann um Seite 250 herum zum bestimmt hundertsten Mal der Satz auftauchte "Ich schaute auf die Uhr meines Vaters" war ich dennoch entschlossen: Schreib diesen Satz noch ein Mal und ich trete den Scheiß in die Tonne! Wundersamerweise verschwand die Uhr auf einmal und mit ihr der Satz, wohin, weiß wohl auch der Autor nicht. Dabei ist des Vaters Uhr nur eine von unzähligen stilistischen Manierismen und inhaltlichen Ungereimtheiten, die sich als Ersatz einer nachvollziehbaren Handlung durch den Text ziehen. Höhepunkt zweifellos die zehnseitige Folterorgie im Polizeipräsidium samt Scheinhinrichtung und Hinauswurf aus dem fahrenden Lieferwagen, was dem gefolterten Protagonisten lediglich ein kurzes Schulterzucken abnötigt, bevor er nach einem erholsamen Nickerchen im heimischen Bettchen aufwacht und nun selber zehn Seiten lang irgendein (welches, ist mir nicht so ganz klar geworden) Geständnis aus einer plötzlich aufgetauchten völligen Randfigur herausprügeln will, worauf der Geprügelte über zehn Seiten hinweg in jedem Absatz "Nein! Nein! Nein!" brüllt, was der andere wie gewohnt mit "Scheiße! Scheiße! Scheiße!" kontert, um dann doch noch mit einem für ihn (und mich) überraschenden Namen konfrontiert wird, der ihn paar Seiten später in einen dunklen Keller führt, wo ein Mensch dieses Namens ohne Augen, Genitalien und Finger seinem Ende entgegenröchelt, woraufhin ... ach, das will ich dann doch lieber nicht verraten.
Fazit: Für alle, die mal so richtig innerlich frösteln" (Die ZEIT) wollen, ist die Lektüre dieser 380 Seiten auch ohne Decke dringendst empfohlen - und schadet bestimmt auch als Referenz für einen Job im gehobenen Feuilleton bestimmt nicht.


The Hard Way
The Hard Way
Preis: EUR 19,66

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wow!, 13. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: The Hard Way (Audio CD)
Manchmal ist das Leben eben doch fast ein Märchen: Da war mal einer, der hatte seit Jahrzehnten authentischen Rhythm& Blues und Soul im Blut, konnte prima singen und fast noch besser klampfen, musste aber weitestgehend ungehört durch britische Dörfer tingeln. Bis eines Tages ein irischer Brummbär namens Van Morrison ...
James Hunter weiß jedenfalls, wovon er auf The Hard Way" singt, und das macht er so frisch und unprätentiös, dass man auch als Nicht-Nostalgiker einfach gute Laune bekommen muss. Und auch der Vorwurf, diesen oder jenen Titel garantiert schon mal gehört zu haben, zum Beispiel in Papas Single-Sammlung aus den 60ern, müsste den Engländer nicht jucken, im Gegenteil: Selbst ein Sam Cooke wäre bei einem Titel wie Carina"! vor Neid erblasst, weil er den fast so, aber eben nicht genau so komponiert und eingespielt hat. Dass all diese Songperlen außerdem von einer super Begleitband unterstützt werden und alles obendrein in bester, schon fast audiophiler Klangqualität aus den Boxen kommt, macht dieses Album für mich zu einem der besten der letzten Jahre. Davon abgesehen: Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass der Typ totale Ähnlichkeit mit Michael Keaton hat?


Böse Schafe: Roman
Böse Schafe: Roman
von Katja Lange-Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ungeheuere Nähe, 12. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Katja Lange-Müller gelingt mit diesem Buch das Kunststück, eine Liebesgeschichte von derart authentisch wirkender Intimität zu erzählen, die vergessen lässt, dass es sich um einen Roman und nicht etwa um reale Tagebuchaufzeichnungen oder Briefe handelt. Nichts an diesem Text wirkt gekünstelt oder gar konstruiert, nichts gefühlsduselig oder gar anbiedernd, und gerade dadurch erzeugt sie eine ungeheuere Nähe zu ihrer Protagonistin, eine Nähe, die einen sämtliche emotionalen Wechselbäder durchleiden lässt, die die Liebe zu einem heroinsüchtigen Menschen mit sich bringt, eine Liebe, die in doppeltem Sinne stärker und schmerzhafter ist als die Sucht.
Dabei ist Böse Schafe" alles andere als ein betroffenheitsschwangerer "Drogenroman". Es ist ein von großer Empathie gezeichnetes Bild zweier sich durch das Leben mogelnder Existenzen im Westberlin der Vorwendezeit, die auf ebenso komische wie tragische Weise eine Symbiose eingehen. Dass Katja Lange-Müller trotz ihrer pointierten Milieuschilderungen jener Nach-68er-Loser-Boheme nahezu alle linksromantischen Klischees zu umschiffen vermag, ist nicht minder bemerkenswert.
Bleibt zu hoffen, dass Katja Lange-Müller auf diesem Weg weitermacht, auch wenn sie angekündigt hat, dass mit Böse Schafe" ihre Berlin-Trilogie" abgeschlossen sei. Es gibt reichlich Themen für eine Autorin, die so klasse schreiben kann.


Ende gut
Ende gut
von Sibylle Berg
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

79 von 83 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Richtig gut so!, 8. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Ende gut (Taschenbuch)
"Die hat doch einen totalen Hass auf die Welt", meinte neulich eine Bekannte auf einer wirklich gelungenen Geburtstagsparty zu mir, als ich ihr sagte, dass ich gerade Sibylle Bergs "Ende gut" lesen würde. "Muss ich nicht haben", sagte sie dann noch, und ehe ich ihr gänzlich die Laune verdarb, verzog sie sich schnell zum Buffet mit den leckeren Käseschnittchen.

Klar muss man das nicht haben, und sicher gibt es lustigere Bücher (Sven Regener), praktischere Bücher (Tim Mälzer) oder solche mit pseudoakrobatischer Syntax und viel betroffenheitsschwangeren Mittelschichtsneurosen (demnächst wieder live in Klagenfurt zu erleben). Die muss man aber auch nicht haben und werden trotzdem gekauft wie, naja eben.

Aber komisch, nicht nur diese Geburtstagsparty (zufällig ein Vierzigster), nein auch fast sämtliche Talkshows und Journalistenrunden und Nachrichtensendungen zu Themen wie Integration, Demografie, Iran, islamistischer Terror, Flut oder Vogelgrippe, die mich während der Lektüre dieses Buches begleitet haben, waren wie Fußnoten zu dem Text.

Mag ja sein, dass Sibylle Berg einen ziemlichen Hass auf diese Welt (genauer: deren jämmerliche Protagonisten in Politik und Medien) hat, aber ich kenne kein Buch, in dem das einerseits so authentisch, gleichzeitig so visionär herüberkommt, nicht mal bei Houellebecq. Und das bei einer deutschen Autorin. Hut ab, echt! Kennt man doch ein wenig die politisch korrekten Tabuzonen hiesiger Verlage.

Dazu kommt ein reduzierter, gleichwohl aber virtuoser Stil, der der Autorin einen Sprachwitz erlaubt, von dem sich selbst die bissigsten Kabarettisten eine Scheibe abschneiden könnten - wenn sie sich denn trauten.

"Ende gut" ist in der Tat ein ziemlich düsteres Weltuntergangsszenario, leider liegt es näher an der Realität als an der Fiktion. Und klar wollen das alle jene Politiker und Journalisten nicht wahrhaben, die uns seit Jahren von den Segnungen von EU und Euro, Globalisierung und Multikulti erzählen, und sich dann bei Christiansen & Co ihre Aufwandsentschädigungen auszahlen lassen, mit denen ein Hartz-IV-Empfänger mal eben so ein paar Monate über die Runden kommen müsste.

Und eben diesen, aber auch allen anderen nicht gänzlich zum Spaß aufgelegten Zeitgenossen sei die Lektüre dieses Romans dringend empfohlen, auch wenn es schmerzt. Diese Prosa will nämlich weh tun, und das ist trotz des versöhnlichen Endes richtig gut so. Die fetten Jahre sind nämlich wirklich vorbei.


There Must Be a Revolution Somewhere
There Must Be a Revolution Somewhere
Wird angeboten von MEDIMOPS
Preis: EUR 5,49

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Psycotischer" Fusion-Trip, 20. August 2005
Der Begriff „Fusion" wird ja arg strapaziert, wenn man sich in die Bereiche Jazz oder Weltmusik begibt. Das französische, so weit ich weiß in Paris arbeitende Ensemble „Psyco" zeigt mit dieser (ersten?) CD, was Fusion tatsächlich sein kein: Kein uninspiriertes Nebeneinander von Musikstilen, sondern deren Verschmelzung zu etwas Neuem, in diesem Fall total „psycotischen" fast 80 Minuten Wahnsinnsmusik.
Vor allem Liebhaber von Acid-Jazz dürfte „There must be a revolution somewhere" vom Hocker hauen. Teilweise klingt das so, als ob die deutsche Bandlegende Can aus den Kölnern Keller wieder auferstanden ist, und sich von Jun Miyake zu einer Session mit Mother Earth und dem späten Miles Davis haben überreden lassen. Dabei tragen die Musiker von Psyco Namen wie Kiala Nzavotunga, Jean Phi Dary, Omar Sosa, Ji Dru, Stephane Belmondo, Waki, Ced Ricard, Disco Minck, Ravir oder Doctor L. Und die, wie gesagt produzieren eine Musik, die praktisch alle paar Takte mit neuen Überraschungen auftrumpft, hier ein Soul-Zitat, dort ein Hauch Folk, sogar Barockes blinzelt zwischen den Synkopen durch, das alles eingewoben in einem flirrenden Klangteppich, der von einer phänomenalen Rhythmusgruppe und fantastischen Bläsern (vor allem Querflöte und Sax) geprägt wird. Dazu setzt eine Marc Ribot vergleichbare Gitarre spröde bis funky Farbtupfer. Und alles wird präsentiert in einer Klangqualität, die einfach nur superb zu nennen ist.
There must be a revolution somewhere - auf dieser CD wurde schon mal der Weg dahin bereitet


Rohstoff. Roman. Jörg-Fauser-Edition Bd. 2
Rohstoff. Roman. Jörg-Fauser-Edition Bd. 2
von Jörg Fauser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lucky Loser, 21. April 2005
Jaja, er ist schon einer, dieser Harry Gelb. Junkie, Penner, Trinker, verkannter Schriftsteller und Anarchist mit kleinbürgerlicher Bodenhaftung in Personalunion. Klar, dass aus dem nichts wird. Erstaunlich allerdings, wie er es schafft, trotz Bierwampe und leerer Taschen stets die schärfsten Miezen ins Bett zu kriegen. Auf jeden Fall hat Jörg Fauser in seinem 1982 erschienen Roman „Rohstoff" einen Protagonisten geschaffen, der trotz (oder aufgrund) allen Scheiterns als Identifikationsfigur für alle wahren oder vermeintlichen Existenzialisten taugt, so eine Art Felix Krull der Hausbesetzer- und Spontiszene Anfang der frühen 70er Jahre.
Herausgekommen ist ein knapp 300 Seiten starker Schelmenroman, in dem die Drogen-, Kunst- und Politikfolklore jener Jahre ziemlich amüsant in Szene gesetzt wird. Harry Gelb mischt in allem tüchtig mit, aber am Ende bleibt er doch nur der Außenseiter, der abgesehen von den Drogen einzig bei den Frauen Trost findet, bis es selbst denen reicht.
Was davon autobiografisch, was fiktiv ist, lässt sich nur vermuten, auf jeden Fall taugen die im Einband vorhandenen Fotos des 1987 im Suff tödlich verunglückten Jörg Fauser schon ganz gut als Harry-Gelb-Anmutung, auch wenn man ihm - sorry! - mit dieser Nasenbär-Visage den Womanizer nicht ganz abzukaufen vermag.
Dass einige Kritiker in „Rohstoff" allerdings gleich einen „der besten deutschen Romane überhaupt" (FAZ) oder den „wohl besten deutschen Drogenroman" (Stuckrad-Barre) sehen, wäre wohl selbst für den Fallada-Fan-Fauser ein wenig zu anbiederisch, für den gebeutelten Harry Gelb sowieso. Dazu sind Handlung wie Erzählstil zu konventionell gestrickt, Variationen des inzwischen reichlich abgenudelten Lucky-Loser-Blues in Bahnhof-Zoo-Moll, in dessen Strophen aus heutiger Sicht so manches Klischee durchschimmert. Macht ja auch nix, denn auch der Blues bietet trotz all seiner Klischees und Wiederholungen noch immer genügend Raum für Stellen, die auch nach dem x-ten Hören unter die Haut gehen. Und solche Stellen hat „Rohstoff" zur Genüge. Übertriebene, obendrein posthume, Feuilleton-PR hat dieses Buch daher gar nicht nötig.


Theodorakis: Songs for Guitar
Theodorakis: Songs for Guitar
Preis: EUR 18,99

5.0 von 5 Sternen Musikalische Tiefe, 21. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Theodorakis: Songs for Guitar (Audio CD)
13 „Songs for Guitar", allesamt instrumentale Interpretationen von Mikis-Theodorakis-Liedern, gibt es auf dieser CD zu hören. Und wie das eigentlich bei allen herausragenden Aufnahmen ist, so braucht man wohl auch hier eine Weile, um das Ergebnis zu würdigen.
Denn was beim ersten Hören ein wenig spröde anmutet, offenbart nach mehrmaligem Auflegen eine musikalische Vielfalt und Tiefe, wie sie bei Solo-Aufnahmen mit klassischer Gitarre selten sind. Rainer Rohloff stellt seine Kunst ganz in den Dienst der Kompositionen, nie hat man den Eindruck, dass die Technik seines Spiels im Vordergrund steht. Das ist in dieser Szene durchaus erwähnenswert, sind doch gerade Gitarrenplatten häufig bloße Demonstrationen von Saitenakrobatik, die beim ersten Abhören zwar zu beindrucken wissen, dann aber recht schnell ihren Reiz verlieren.
Rohloff dagegen „singt" diese Lieder, seine Arrangements leben von den Klangfarben und der Rhythmik, die er seinem Instrument zu entlocken vermag. Vor allem aber spiegelt diese CD seine Begeisterung für die stark folkloristisch geprägten Kompositionen von Theodorakis (den er auch live auf der Bühne begleitet hat), und diese Begeisterung überträgt sich, langsam, fast unmerklich, auf den Zuhörer.
Herausgekommen ist eine Musik fern aller Schubladen, die sich ebenso zum konzentrierten Lauschen eignet wie auch als unaufdringlicher Hintergrund beim Lesen, Schreiben oder Weintrinken zu zweit. Klasse!


Einmal rundherum. Geschichten einer Weltreise.
Einmal rundherum. Geschichten einer Weltreise.
von Andreas Altmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rundherum klasse!, 19. August 2004
"Das hier ist keine Weltreise, sondern die Beschreibung einer Weltreise. (...) Wenn das Lesen dieser Seiten irgendeinen Sinn haben soll, dann den folgenden: den Leser mit Sehnsucht vergiften."
Diese von Andreas Altmann aus seinem Buch "Einmal rundherum" zitierten Sätze treffen den Nagel auf den Kopf. Auf gerade mal 150 Seiten gebündelt sind die Empfindungen und Erlebnissse eines Schreibenden, der auf einer Reise mit (scheinbar) eher willkürlich gesetzten Zielen einmal um den Globus jettet, und der dabei seine eigenen Erinnerungen, kulturelle Eigenarten sowie historische Fakten reflektiert und "nebenbei" das Zusammentreffen mit anderen Menschen schildert.
Egal, wo auch immer auf den fünf Kontinenten das stattfindet: Dieses Beschreiben ist gerade aufgrund der Subjektivität perfekt gelungen, ist so voller Intelligenz, Witz, Kritik, Euphorie, Belesenheit, und vor allem: Ehrlichkeit, dass ich für mich sagen muss, bisher keinen annähernd so unterhaltsamen und inspirierenden "Reisebericht" gelesen zu haben. Das Büchlein gehört daher zu meinen Klassikern in punkto Geburtstags- oder-aus-welchem-Anlass-auch-immer-Geschenken (nicht nur gegenüber Leuten, die gerne reisen), und ich freue mich jedes Mal auf die positiven (aufgrund des m. E. blöden Covers) eher erstaunten Reaktionen. So gesehen hat mir dieses Buch nicht nur beim Lesen Freude bereitet, und ich wünschte mir mehr dieser Art Bücher,


The Very Best Of Cat Stevens (CD + DVD)
The Very Best Of Cat Stevens (CD + DVD)
Preis: EUR 14,65

71 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit DVD ein Muss!, 3. Dezember 2003
24 Songs, klanglich noch einmal aufpoliert, darunter alle Klassiker sowie die auf den bereits vorhandenen "Best of"-Compilations selten vorhandenen beiden Stücke aus "Harold and Maude" - das allein ist schon ein Muss für Liebhaber perfekten und in dem Fall sogar massenkompatiblen Songwritings. Vor allem für jene, die unter 20 sind und die geklauten Aldi-Samples von Dieter Bohlen für Songs halten.
Okay, ich bin gut zwei mal 20 (Bohlen aber auch, glaub ich, zumindest sieht er so aus). Und Cat Stevens gehört für mich seit den Siebzigern zu den "All-Time-Top Five" der Singer/Songwriterszene, auf Augenhöhe mit Simon& Garfunkel, Lennon, Dylan oder Leonard Cohen. Mit diesen gemeinsam hat er eine stark autobiografisch geprägte Melancholie, die die Grundlage für all jene zeitlosen "Sounds of Silence" ist, die selbst von unsäglichen Oldie-Radios nicht totgenudelt werden können.
In dieser Melancholie liegt wohl auch der Schlüssel dafür, dass der zum Islam konvertierte Engländer zwischenzeitlich nicht immer für positive Schlagzeilen sorgte. Gerade vor diesem Hintergrund aber macht die der limitierten CD beiliegende DVD regelrecht betroffen.
Die Authentizität, mit der auf dieser DVD etwa "Father & Son" oder "Wild world" nach über 30 Jahren bildlich wie musikalisch überkommen, ist ein zu Herzen gehendes Dokument dafür, dass Songs eben mehr sind als Drei Akkorde-Tralala mit Kaugummilyrik, vorgetragen von pubertierenden GZSZ-Klonen.
Ob sich Jusuf Islam alias Cat Stevens deswegen in so konsequenter Weise ins Private und Politische zurückgezogen ist, sei dahingestellt. Mit diesen 24 Songs (von denen man von mir aus "Morning has broken" gerne gegen ein frühes Meisterwerk wie "Trouble" hätte austauschen können), mit diesen Songs hat er mit Sicherheit noch für lange, lange Zeit Spuren hinterlassen als Künstler wie als Mensch. Und davon können andere nur träumen.


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