Profil für B. Kirchner > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von B. Kirchner
Top-Rezensenten Rang: 634.415
Hilfreiche Bewertungen: 351

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
B. Kirchner
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2
pixel
Masters of the Universe [Blu-ray]
Masters of the Universe [Blu-ray]
DVD ~ Dolph Lundgren
Preis: EUR 16,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Trashiger 80er-Fantasyfilm in bislang bestmöglicher Bildqualität, 29. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Masters of the Universe [Blu-ray] (Blu-ray)
Obwohl 1987 der letzte Teil der originalen StarWars-Trilogie (Die Rückkehr der Jedi-Ritter von 1983) schon vier Jahre alt war, muss man diesen trashigen Fantasy-Film, der eher lose auf der erfolgreichen Spielzeug/Comic-Serie basiert (etliche Figuren fehlen, Schauplatz Erde statt Eternia usw.) basiert, wohl eher als letzten Sci-Fi/Fantasy-"Nachklapp" der Post-StarWars-Ära der 80er (mit einem leichten "Conan"-Sword and Sorcery-Einschlag) betrachten denn als eigenständiges Fantasy-Werk.
Bösewicht Skeletor, herrlich überdreht gespielt von Frank Langella, erinnert in seiner Kostümierung an einen Darth Vader/Emperor Palpatine-Verschnitt inclusive der Fähigkeit, Blitze zu schleudern, seine Truppen an die StarWars-Sturmtruppen (wobei die Uniformen selbst verblüffend dem italienischen StarWars-Verschnitt "Kampf um die fünfte Galaxis" ähneln) und Komponist Bill Conti steuerte einen John-Williams-artigen Soundtrack bei, in dem auch ein dem "Imperialen Marsch" ähnliches Stück nicht fehlen darf.
Dass StarWars Oscar-Preisträger Richard Edlund die Spezialeffekte beisteuerte, ist sicher auch kein Zufall - wobei diese hier logischerweise noch aus der "Prä-Digital-Ära" stammen, in der noch in "Handarbeit" mit Modellen, Puppen, handgemalten Laser-Effekten und Matte-Paintings gearbeitet wurde. Die diesbezüglichen Resultate wirken heute natürlich leicht veraltet, besitzen aber durchaus noch einen gewissen nostalgischen Charme.
Trotz aller stilistischen Anleihen bei den die frühen 80er dominierenden Sci-Fi/Fantasy-Kassenschlagern bleibt der Film auf trashig-charmante Weise unterhaltsam, was auch an der damals bewusst auf "extra-komisch" getrimmten deutschen Synchronisation lag, die auch heute noch für viel Heiterkeit sorgt. Ebenso macht es Spass, den (damaligen) Jungstars wie Courteney Cox (Scream) oder Robert Duncan McNeill (Star Trek - Raumschiff Voyager) mit ondulierten 80er-Frisuren zuzusehen, wie sie mit "kosmischen Schlüsseln" und bizarren Strahlenkanonen hantieren. Hauptdarsteller Dolph Lundgren besass zumindest den für die He-Man-Figur adaequaten Körperbau, während seine darstellerischen Fähigkeiten eher weniger ausgeprägt waren - das hatte er eben mit 80er-Action-Heroen wie Schwarzenegger und Stallone gemeinsam, ohne dass es viele Zuschauer gestört hätte. Sehr gut in ihre Rolle passt auch Meg Foster als böse Weltraum-Hexe "Evil-Lyn", der einige der besten Szenen des Films zufallen.

Der Film ist ganz sicher nicht jedermanns Sache, aber wer ein Faible für 80er Sci-Fi/Fantasy-Trash mitbringt und ähnliche "Perlen" wie z.B. "Flash Gordon", "Howard the Duck", "The Last Starfighter", "Sador - Herrscher im Weltraum" u.a. in seiner Sammlung zu schätzen weiss, sollte hier zugreifen.
Aufgrund unklarer Rechteverhältnisse nach dem Ruin des damals verantwortlichen "Cannon"-Studios musste man hier in Deutschland lange sowohl auf die DVD als auch auf die BluRay warten, was zur Folge hatte, dass zahllose "Untergrund"-Versionen dieses Films und Bootlegs kursierten - aber das Warten hat sich gelohnt: So gut sah dieser Film noch nie aus. Von den Schmutzpartikeln, die alle bisherigen Versionen verunstalteten, ist so gut wie nichts mehr zu sehen, Schärfe, Detailzeichnung und Kontrast lassen keine Wünsche offen. Dankenswerterweise hat man auf "Verschlimmbesserungen" der Bildqualität verzichtet (ich sage nur "Predator"...), so dass das ursprüngliche Filmkorn erhalten blieb und dem Bild (über weite Strecken) diesen typisch "körnigen" Look verleiht. Aber das war eben damals Stand der prä-digitalen Filmtechnik. Beim Sound (Stereo bzw. Dolby-Surround, also DD 2.0) hat sich hingegen kaum etwas verbessert, ausser dass Filmschäden, die damals Teile des Original-Dialogs "verschluckt" haben (z.B. bei der Szene mit Lubic und Kevin im hinteren Raum des Musikladens) scheinbar erfolgreich restauriert wurden.
Als Bonusmaterial wurde der Audiokommentar des Regisseurs von der DVD übernommen.


The Elder Scrolls V: Skyrim (PC, Standard-Edition)
The Elder Scrolls V: Skyrim (PC, Standard-Edition)
Wird angeboten von Hauseinkauf - mit Sicherheit schneller Versand
Preis: EUR 12,99

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oblivion/Morrowind/Fallout III Reloaded, 25. November 2011
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Was darf man erwarten, wenn Bethesda den mittlerweilen fünften Teil der beliebten ElderScrolls Reihe veröffentlicht? - ein Singleplayer-Rollenspiel, das sich fundamental von den Vorgängern unterscheidet? Wohl kaum. Wer die Spielmechanik von Morrowind und Oblivion kennt und schätzt, wird sich hier sofort heimisch fühlen, denn im Grunde genommen wurde ausser kosmetischen (bessere Grafik) und storytechnischen (anderer Hauptplot) Veränderungen das Spielgerüst der Vorgänger beibehalten.
Der Spieler schlüpft in die Rolle eines namenlosen Gefangenen (auch das kennt man aus den Vorgängern), der in eine Fantasy-Story um die Rückkehr mächtiger Drachen in das Land der wikinger-ähnlichen Nords verstrickt wird, in dessen Verlauf er seine Figur zu einem mächtigen Krieger/Zauberer/Bogenschützen/Dieb (oder eine Mischung aus allem) entwickeln darf.

Dabei gibt es nicht nur eine recht lange Mainquest zu bestreiten, sondern auch zahllose Nebenquests, die auf verschiedenartigste Weise gestartet werden können (durch Zufallsbegegnungen, Gespräche mit NPCs, das Lesen von Büchern) und diverse Gilden warten auf einen Helden, in denen der Spieler durch weitere Questreihen bis zum Oberhaupt des jeweiligen Vereins aufsteigen darf - auch das kennt man aus Morrowind und Oblivion. Trainiert werden die jeweiligen Kampf- und sonstigen Eigenschaften (Skills, steigerbar von 0 bis 100) durch Gebrauch, allerdings nur - das ist ein Unterschied zum Vorgänger - durch effektiven Gebrauch, d.h. Leerlauf-Zaubern oder Lufttraining funktionieren entweder gar nicht mehr oder bringen weniger Erfahrung als Schwerthiebe und Feuerbälle gegen echte Gegner in echten Kämpfen - gut, dass Bethesda diese Schwäche beseitigt hat. Aus Fallout III übernommen wurden zwei wesentliche Spielelemente, nämlich das Perk-System, das es erlaubt, bei jedem Levelaufstieg einen Punkt in eine bestimmte Spezialeigenschaft zu investieren und das Gefährten-System, das das Anwerben von NPCs als Kampfgefährten ermöglicht. Die Gefährten können auch wie in Fallout III mit bestimmten Rüstungen und Waffen ausgestattet werden.
Das Item-System basiert im wesentlichen auf Oblivion, so dass es neben zahllosen zufallsgenerierten Items nur einige wenige "Unique Items" zu finden gibt, die meist als Questbelohnungen verfügbar werden und von denen man viele auch aus Morrowind/Oblivion kennt (Die "Daedrischen Artefakte"). Entwertet werden diese allerdings durch das einzige wirklich neue Feature, nämlich der Option, Waffen und Rüstungen selbst schmieden und verzaubern zu können. Die Implementierung dieser Features ist allerdings nicht völlig problemlos, denn diese Fähigkeiten ermöglichen bei intensiver Nutzung im fortgeschrittenen Spiel die Herstellung so mächtiger Gegenstände, dass das Balancing merklich leidet - das Spiel wird viel zu leicht.

Die in sehr ansehnlicher 3D-Grafik modellierte Spielwelt bietet diverse Städte, unzählige, von Hand designte (im Gegensatz zu Oblivion) stimmungsvolle Dungeons, jede Menge Gebirge und Wald und schneebedeckte Hügel (passend zum Wikinger-Szenario) zum erforschen, kämpfen oder einfach nur spazierengehen, denn wie schon in den Vorgängern zieht einen die liebevoll designte Spielwelt so in den Bann, dass man auch ohne konkrete Aufgabe einfach nur stundenlang herumlaufen und die virtuelle Wunderwelt mit malerischen Sonnenuntergängen und Nordlichtern am kalten Horizont bestaunen möchte. Wie in Oblivion darf der Spieler in den Städten eigene Häuser kaufen. In den Städten gehen die NPCs ihren Berufen (Schmied, Händler etc.) nach, betreiben Geschäfte, unterhalten sich, lümmeln in Tavernen herum, Jäger jagen Wild und Karavanen bewegen sich die Straßen entlang, so dass der Eindruck einer "lebendigen" (virtuellen) Welt glaubhaft vermittelt wird. Viele der Quests (auch einige Bücher) beinhalten Bezugnahmen auf Geschehnisse und/oder Figuren aus Morrowind und Oblivion, die dem Spieler wirklich die Präsenz einer konsistenten Fantasy-Spielwelt mit eigener Historie und Kultur vermitteln.

Das Echtzeit-Kampfsystem erlaubt nun die gleichzeitige Nutzung von Zaubern und (Einhand-)Waffen, trotzdem artet das ganze regelmässig in wildem Geklicke und unübersichtlichem Chaos aus (besonders wenn die Gefährten mitkämpfen), spielt sich aber dynamisch und actionreich. Taktische Finessen oder strategischen Anspruch darf man aber keinesfalls erwarten. Leider gibt es mit gerade mal acht belegbaren Hotkeys viel zu wenig Schnellverfügbarkeits-Optionen für die unzähligen Waffen und Zauber.
Auf der Negativseite gibt es ein leider äußerst umständlich und unbequem zu bedienendes Inventarsystem zu vermelden, das eindeutig einen Rückschritt im Vergleich zu Oblivion und Morrowind darstellt. Die "Qualität" und der Originalitätsgrad der Quests hebt das Spiel auch nicht wirklich über den Durchschnitt vergleichbarer Rollenspiele hinaus, da auch hier die üblichen Hol- und Bring-Quests, Töte- und Finde-Quests dominieren, die einen zudem regelmäßig in Dungeons auf der anderen Seite der Weltkarte bringen, damit der Spieler auch ja alles zu sehen bekommt, was die Weltendesigner von Bethesda sich ausgedacht haben. Aber die Quantität entschädigt einen, denn alleine in Sachen Grössenordnung werden hier neue Maßstäbe gesetzt. Wer alles sehen und absolvieren will, ist länger beschäftigt als mit jedem anderen derzeit verfügbaren Rollenspiel. Dank einer recht hohen Levelgrenze von 70 ist man auch dann gut beschäftigt, wenn man einfach nur die Wirkungen der Skills und Perks erforschen möchte, die man mit seinem Charakter noch nicht erreicht hat. Für Langzeitmotivation dürfte also gesorgt sein, zumal von Fans erstellte Modifikationen (wie "Nehrim") sicher auch für Skyrim erscheinen werden, die den Wiederspielwert nochmals erhöhen.
Sicher, wie jedes Bethesda Rollenspiel ist auch Skyrim nicht bugfrei, läuft auf meinem Windows XP System aber absolut stabil und performant auf einem Phenom II X6 und einer ATI 6870.

Wer Morrowind, Oblivion und/oder Fallout 3 mochte, ist hier richtig. Man bekommt zwar letztendlich nur das sprichwörtliche "more of the same", aber für welches Fantasy-Rollenspiel gilt das nicht? Auch die ElderScrolls Reihe hat das Rad nicht neu erfunden.


The Witcher 2: Assassins of Kings - Premium Edition (uncut)
The Witcher 2: Assassins of Kings - Premium Edition (uncut)
Wird angeboten von Rare-Games
Preis: EUR 134,95

35 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Rollenspiel oder Action-Adventure?, 27. Mai 2011
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Wie man "Witcher 2" bewertet, hängt ganz erheblich davon ab, was für Vorlieben man in diesem Genre (RPG) hat und welche Präferenzen für eine bestimmte Spielmechanik man mitbringt - und das sollte man sich klarmachen, bevor man den Erwerb dieses Spiels in Erwägung zieht.
Daher ist es vielleicht sinnvoll, zunächst festzustellen, was für ein Spiel "Witcher 2" keinesfalls ist:
- es ist kein "Open World" RPG wie "Morrowind"/"Oblivion", "Two Worlds"(1/2) oder "Gothic"(1/2)/"Risen". Die Möglichkeiten, außerhalb der Mainquest grosse Entdeckungsreisen zu unternehmen, sind sehr begrenzt. Die Anzahl an Schauplätzen ist übersichtlich, die lineare Handlung verzweigt sich zwar an einigen Stellen, aber man wird in diesem Spiel viel mehr "geführt" als man es in anderen RPGs gewohnt ist. Die Handlungsfreiheit ist in gewisser Weise auch eingeschränkt, man kann z.B. keine (nicht von vorneherein feindlich gesinnten) NPCs angreifen (wie in Oblivion). Das ist sicher nicht jedermanns Sache.
- es ist kein RPG, in dem man den Hauptcharakter bzw. die eigene Spielfigur und dessen Entwicklung nach eigenen Wünschen gestalten kann. Der Charakter "Geralt" ist mit seinen Attributen, seinem Kampfstil, seinem Background etc. strikt vorgegeben und die Möglichkeiten, bei einem Levelaustieg daran Änderungen vorzunehmen, sind auch eher eingeschränkt. Man kann aus Geralt keinen Bogenschützen oder reinen Magier machen. Er bleibt ein "Witcher", d.h. ein Schwertkämpfer mit leichter Magie- und starker Alchemie-Unterstützung. Auch das Aussehen lässt sich nicht verändern. Wer sich bei "Dragon Age" oder "Oblivion" bei der Charaktererstellung ausgetobt hat, kann hier enttäuscht werden.
- Mit bösem Willen kann man das Spiel eher als "interaktiven Fantasyfilm" bezeichnen, was sich auch in den zahllosen Skriptsequenzen und Cutscenes bemerkbar macht. Man spielt mit einer vorgefertigten Figur eine vorgefertigte Handlung nach, die man nur eingeschränkt beeinflussen kann - manche Gespräche oder Begegnungen verlaufen dann eben anders. Ausnahme: eine Entscheidung, die den Verlauf eines nachfolgenden Akts erheblich beeinflusst. Des weiteren kann man natürlich diverse Nebenquests absolvieren, die teilweise durchaus mit viel Fantasie erdacht wurden. Aber das ist alles ist natürlich kein Vergleich z.B. zu den Möglichkeiten des Elder-Scrolls-Reihe, wo man Vampir oder Mitglied einer/mehrer Gilden werden konnte, sich als Auftragkiller an die Spitze einer mysteriösen Organisation kämpfen konnte usw.
- das Echtzeit-Kampfsystem ist gewöhnungsbedürftig. Es ähnelt keinem Kampfsystem, das man aus anderen RPGs kennt. Es gibt keine pausierbaren Runden ala Dragon Age (1/2), aber auch kein simples Maus-Geklicke. Wenn man damit nicht zurechtkommt, hat man verloren, denn der Schwierigkeitsgrad ist enorm hoch. Man kann auch während eines Kampfes keine Heil- oder Manatränke zu sich nehmen. Dafür ist die Nutzung von Bomben und Fallen beinahe obligatorisch. Positiv ist zu vermerken, dass sich der Schwierigkeitsgrad im Spiel jederzeit ändern lässt.
- es ist kein "pures" Rollenspiel, sondern bringt starke Action-Adventure-Einschläge mit: Auch als Rollenspieler muss man nämlich bei diesem Spiel Fähigkeiten mitbringen, die man eher im Arcade-Bereich ansiedeln würde, z.B. schnelle Reflexe, Auswendiglernen von Kampfabfolgen, Jump- and Run-Mausklick-Orgien genau mit dem richtigen Timing absolvieren (Boss-Kämpfe) etc. Das ist eine Eingenart, die bei mir zur Abwertung führt, denn meiner Ansicht nach hat so etwas in einem RPG nichts verloren. Da man diese Sequenzen auch nicht umgehen kann, können ungeübte Spieler hier durchaus scheitern, verweifeln und das Spiel kann dadurch unlösbar werden. Leider ist the "Witcher 2" hier nicht das einzige Negativbeispiel dieser Art, so etwas gab es auch schon in "Risen" und "Two Worlds 2"(Endk-r-ampf), aber das macht die Sache nicht besser.
- es ist kein Action-RPG in dem Sinne, dass der Schwerpunkt auf Leveln, Items sammeln und Monster verkloppen liegt. Es gibt zwar die übliche Mechanik mit aufrüstbaren Items, verschiedenen Waffen und Rüstungen, sogar Crafting, aber diese besitzen nur einen eher untergeordneten Stellenwert. Man kann auch nicht - wie in vielen anderen RPGs - im Falle einer Begegnung mit einem zu schweren Boss-Monster einfach zurückgehen und "aufleveln" oder bessere Items suchen (siehe vorherigen Punkt).

Die Prioritäten beim Design dieses Spiels lagen woanders: eine authentisch wirkende mittelalterliche Welt mit Fantasy-Einschlag, die rauh, dreckig, ungehobelt, brutal - und damit glaubhaft - inszeniert ist. Krieg, Mord, Blut, Sex, Flüche, Intrigen, Exekutionen, Machtpolitik. Der zweite Schwerpunkt liegt eindeutig beim "Storytelling". Hier steht die Geschichte, die erzählt wird, im Mittelpunkt - um den Preis eingeschränkter Freiheiten und ziemlich linearen Designs. Das muss man mögen. Die Inszenierung ist allerdings - das muss man neidlos anerkennen - hollywoodreif, besonders hinsichtlich des Artdesigns. Gleiches gilt für die fantastische, detailverliebte und stimmungsvolle Grafik.

Ist dieses Spiel nun empfehlenswert? Nun ja, diese Frage kann man eben nicht so einfach mit "ja" oder "nein" beantworten, denn das hängt von den Vorlieben des geneigten Rollenspielfans ab. Ich wollte daher nur darlegen, was einen in diesem Spiel (nicht) erwartet, weil es sich eben im Design teilweise erheblich von anderen Rollenspielen unterscheidet und daher ggf. nicht jedermanns Sache ist. Mir persönlich stiessen besonders die unsäglichen Arcade-Sequenzen und auswendig zu lernenden Kampfabläufe in den Bosskämpfen extrem übel auf - das kann einen eine Menge Spass verderben und gewaltige Frustration erzeugen. Das Spiel stürzt auch gelegentlich ab, aus unerfindlichen Gründen lassen sich die Pfeiltasten nicht wie in anderen Spielen belegen und eine Menge anderer, kleiner Macken lassen erkennen, dass es wohl unter erheblichem Zeitdruck fertiggestellt wurde. Eventuell werden diese Mägel aber noch durch einen (weiteren) Patch behoben.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 30, 2011 5:09 PM MEST


Drakensang: Am Fluss der Zeit
Drakensang: Am Fluss der Zeit
Wird angeboten von games.empire
Preis: EUR 4,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Altmodisch-gemütliches Rollenspiel mit schöner Grafik, 15. März 2010
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Drakensang: Am Fluss der Zeit (Computerspiel)
Nachdem ich das Spiel gestern endlich durchgespielt habe, möchte ich es hiermit in Form dieser kurzen Rezension weiter empfehlen. Ich bin kein Pen-and-Paper Rollenspieler, sondern kenne die DSA-Serie nur von ihren Computerspiel-Umsetzungen.
In letzter Zeit versuchten viele Rollenspiele (vor allem "Dragon Age"), durch Einbeziehung filmreifer Dramatik, epischer Szenarien und Geschichten sowie actionreicher Handlung "cineastische" Spielerlebnisse zu vermitteln, in dem sich der Spieler wie in einen Herrn-der-Ringe Film zum Mitspielen versetzt fühlen soll. "Am Fluss der Zeit" verkörpert das ziemliche Gegenteil dieser Konzepte und widersetzt sich diesem Spieledesign-Zeitgeist; es ist gemütlich, bedächtig-ruhig, relativ undramatisch, humorvoll, keinesfalls düster-brachial, sondern eher märchenhaft-leicht. Es spielt sich wie der Vorgänger, rundenbasiertes Kampfsystem, 3D-Umgebung und freie Steuerung mit Maus und Tastatur. Das Spiel bietet einen guten Kompromiss zwischen nicht-linearem Erforschen der 3D-Welt und einer stringenten Storylinie im Zuge der Mainquest, die man aber getrost wunschgemäss und ohne Zeitdruck pausieren kann, um Nebenquests oder freiem Erforschen nachzugehen.

Die Verschwörungs-Story reisst nun wahrlich keine Bäume in Sachen "epischem Anspruch" aus, sorgt aber für Unterhaltung, denn die eigentlichen Motivationsfaktoren liegen weniger darin, wissen zu wollen, wie es "weitergeht", sondern im Genuss der unglaublich liebevoll und detailversessen designten Welt. Auch wenn nichts "passiert", macht es einfach Spass, die mittelalterliche Stadt zu durchwandern, an den Ständen mit den kauzigen Händlern die Waren durchzusehen, im Elfenwald in den herrlich stimmungsvollen Farben des virtuellen Laubes zu schlendern und Kräuter zu sammeln oder in der Kneipe den Besuchern zuzuhören. Nebenbei kann man seinen Charakter aufbauen und optimieren, wobei Skill-, Crafting- und Itemsystem ziemlich dem Vorgänger entsprechen. Im Laufe der Handlung kann und sollte man alle zugänglichen Gebiete per Schiff mehrfach besuchen, da es dort immer wieder neue Nebenquests und Items gibt.

Die Anfangsphase mit jeweils charakterspezifischen Quests verläuft allerdings sehr zäh, da der Level 1-"Held" wirklich nichts beherrscht, keine Gegner trifft, keine Resourcen sammeln kann und auch sonst noch recht schwächlich agiert. Insofern sind die "Frust"-Vorwürfe in gewisser Weise nachvollziehbar und es vergehen gefühlte Ewigkeiten, bis der Held 2 oder 3 Level erreicht hat und die Sache etwas an Schwung gewinnt. Aber auch hier kann man nur empfehlen, die "Gemütlichkeit" des Spiels zu nutzen, und lieber die Gegend zu erforschen, denn der Verkauf von gefundenem Kisten- und Fässer-Inventar kann z.B. die Sache erleichtern, wenn man sich vom Erlös etwas bessere Ausrüstung kauft.
Die Fantasy-Klischees zu Rassen und Figuren wirken schon fast wie eine überdrehte LOTR-Parodie, denn die trinkfreudigen, axtschwingenden, erzliebenden Zwerge, die leicht blasiert-arroganten, naturliebenden, holzverarbeitenden und esoterischen Elfen sind dermassen plakativ überzeichnet, dass man nicht nur schmunzeln muss, sondern das ganze zuweilen auch nicht mehr ernst nehmen kann. Aber das gehört eben zum Konzept - ebenso wie der erzählerische Kniff, dass die ganze Story quasi als "Rückblick" des alten Grossvaters Forgrimm berichtet wird, der seiner "Enkelin" das "Märchen" erzählt. Die voll-vertonten Dialoge tragen ihren Teil zu diesem Eindruck bei.
Die fluffige Leichtigkeit sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein recht hartes Kampfsystem hohe Anforderungen an den Spieler stellt; es empfiehlt sich, die Nebenquests zu absolvieren, denn man braucht schon die Erfahrungspunkte, die besten Items, Zauber, Tränke und Waffen, um während des Endkampfes nicht in grosse Schwierigkeiten zu kommen. Die anfängliche Geldnot relativiert sich später, denn man findet genug verkaufbare Items aller Art; ich habe das Spiel mit mehreren Hundert Dukaten, die ich nicht mehr sinnvoll investieren konnte, beendet. Wenn man durch das Spiel nicht durchhetzt, ist auch die Spieldauer akzeptabel, auch wenn "Der Fluss der Zeit" etwas kürzer ausgefallen ist als der Vorgänger.


Harry Potter und der Halbblutprinz
Harry Potter und der Halbblutprinz
DVD ~ Daniel Radcliffe
Preis: EUR 6,97

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu viel Liebesgeplänkel - zu wenig Handlung, 19. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Harry Potter und der Halbblutprinz (DVD)
Es stellt sicher eine Herausforderung dar, bei der filmischen Umsetzung einer so komplexen literarischen Vorlage wie der Harry Potter-Serie, allen Aspekten gerecht zu werden, aber während der Vorgänger "Der Orden des Phönix" es vollbracht hat, die wichtigen Storyelemente trotz notwendiger Unterlassungen filmgerecht zu komprimieren und dynamisch und unterhaltsam aufzubereiten, versagt "Der Halbblutprinz" in gravierender Weise bei den Schwerpunktsetzungen.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass dieser Film immerhin knapp 2,5 Stunden lang ist, so muss man sich zumindest wundern, warum die meiner Ansicht nach entscheidenden Handlungselemente des Buches, nämlich die Offenbarung von Voldemorts Vergangenheit, das dunkle Geheimnis der "Horcruxe" und schliesslich das Ableben eines der Hauptcharaktere im Finale im Film gerade mal in den letzten 30 Minuten abgehandelt werden - und der Film dabei das dramatische Potential dieser Szenen beileibe nicht auszunutzen weiss -, während die romantischen Verstrickungen der jugendlichen Protagonisten in beinahe epischer Breite zelebriert werden und der Film in den ersten zwei Stunden in einer Gemütlichkeit und Spannungsarmut dahinplätschert, die es in den bisherigen Potter-Filmen in dieser Form nicht gegeben hat.

Nun ist sicher auch die literarische Vorlage nicht gerade der Höhepunkt des Potter-Epos, weil sie in ihrer Funktion als "Übergangsgeschichte" zwischen dem gut in sich abgeschlossenen und handlungstechnisch strukturierten "Orden des Phoenix" und dem Verlassen von Hogwarts im Finale überleiten muss, dennoch hätte man gerade aus den entscheidenden Passagen mehr Dramatik herausdestillieren müssen als in diesem Film zu spüren ist.

Da hilft auch die düstere Optik (mehr Düsternis, Grau- und Brauntöne als in allen vorherigen Filmen) nichts, wenn die Handlung nicht mit der Optik korrespondiert. Action-Fans werden ebenfalls nicht auf ihre Kosten kommen, denn verglichen mit der bombastischen Endschlacht im "Orden des Phönix" mit Voldemort vs. Dumbledore (die zwar ein wenig arg an Star Wars orientiert war) weht hier bestenfalls ein (auch tricktechnisch) laues Lüftchen. Die selten langweilige Filmmusik ist ebenfalls kaum geeignet, szenische Elemente musikalisch aufzuwerten. Da hat Nicholas Hooper sogar im Vorgänger noch eine wesentlich bessere musikalische Untermalung komponiert, obwohl seine Musik auch dort zu keinem Zeitpunkt mit der von John Williams noch mit der von Patrick Doyle konkurrieren konnte.
Natürlich besitzt der Film auch seine Qualitäten, vor allem in darstellerischen Bereich, Michael Gambon spielt Dumbledore endlich so, dass man in seiner Performance die literarische Figur wiederzuerkennen vermag - und sich wünscht, er wäre zu dieser Leistung auch schon in den vergangenen drei Filmen befähigt gewesen. Newcomer Frank Dillane verleiht dem jugendlichen Tom Riddle/Voldemort so eine bedrohliche diabolisch-charismatische Präsenz, dass seine kaum 5-minütige Rückblicks-Szene mehr Eindruck hinterlässt als die Leistung manch anderen stets präsenten Hauptdarstellers. Zu den gewohnt kompetenten Charaktermimen wie Alan Rickman, Helena Bonham Carter und Maggie Smith gesellt sich hier Jim Broadbent als gebrochener, zugleich schrullig-kauziger "Professor Slughorn" mit seinem düsteren Geheimnis.

Um es mal positiv auszudrücken: Wer den "Orden des Phönix" als zu überdreht, hektisch, actiongeladen und über-dramatisiert empfand, dem wird "Der Halbblutprinz" vielleicht gefallen. Ich fand ihn schlicht langatmig und bis auf die letzte halbe Stunde bemerkenswert undramatisch. Der Film versagt meinem Eindruck nach dabei, die storytechnische Essenz des Buches mit angemessener Gewichtung auf die Leinwand zu übetragen und verzettelt sich stattdessen in Nebensächlichkeiten. Schade, da wäre mehr drin gewesen...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 20, 2009 11:07 AM CET


Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
DVD ~ Harrison Ford
Preis: EUR 4,99

162 von 196 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Star Wars Syndrom, 24. Oktober 2008
Was haben Indiana Jones und Star Wars gemeinsam? Nicht nur George Lucas und Harrison Ford, sondern auch den Versuch, eine über 20 Jahre alte Kultfilm-Trilogie mit zeitgemässen Effekten, aber dennoch an alte Tugenden anknüpfend, wiederzubeleben. Bei StarWars liegen die durchwachsenen Ergebnisse vor und sie reichen von "furchtbar"(Ep. 1) über "naja"(Ep.2) bis zu "fast so gut wie das Original"(Ep.3). Ich bin mir nicht sicher, ob es noch zwei weiterer Indy-Teile bedarf (die Lucas angeblich plant), um auch hier zum Qualitätsstandard der alten Filme aufschliessen zu können.
Nun muss man einräumen, dass Steven Spielberg ganz sicher ein Lichtjahre besserer Regisseur als George Lucas ist und Hayden Christensen kann sich wohl kaum mit Harrison Ford messen. Aber auch ein Spielberg kann aus einem mässigen Drehbuch nicht mehr herausholen, als es das Skript gestattet. Da die "übernatürlichen" Elemente fester Bestandteil jedes Indy-Filmes waren, halte ich den UFO-Plot (für den ja in erster Linie George Lucas verantwortlich gemacht wird) aber für durchaus verzeihlich, da er auf gelungene Weise in den zeitgeschichtlichen Hintergrund (50er Jahre, Area 51, Kommunisten-Hysterie, Roswell) eingebettet ist und das tricktechnisch wahrlich atemberaubende Finale für offene Münder sorgt.

Denn nicht etwa hierin liegt die grösste Schwäche des Filmes. Die alten Indy-Filme galten vielmehr auch deshalb als Meisterwerke, weil ihnen die perfekte Gratwanderung zwischen ernsthafter (Pseudo-)Plausibilität/Realismus und Mystery/Fantasy-Elementen, zwischen Humor und Action, zwischen Abenteuer/Horror und Romantik gelingt. Diese Balance ist hier zwar nicht völlig, aber in spürbarem Masse verlorengegangen, die Dominanz der völlig überdrehten Actionelemente bekommt dem Film nicht gut, was in unerfreulicher Weise an den zweiten alten Indy-Film "Der Tempel des Todes" erinnert, der deswegen (zu Recht) als Tiefpunkt der alten Trilogie gilt. Somit nähert sich dieser Indy Film eher der Machart von Stephen Sommers "Mumien"-Filmen mit Brendan Fraser an, in denen die Action primär laut und bunt, latent unmotiviert, beliebig (CGI ist immer und überall verfügbar) und selbstzweckhaft inszeniert ist.
Der Handlung fehlt es häufig an einem übergreifenden Spannungsbogen, sie wirkt zu episodenhaft, nicht kohärent, verläuft eher überraschungsarm und teilweise zu hektisch, teilweise zu lahm, was sicher auch dem zu oft überarbeitetem, förmlich zerstückelten, Drehbuch zu verdanken ist.
Trotzdem halte ich den Film nicht für so schlecht wie viele andere, denn Spielberg ist ein viel zu guter Regisseur, als dass er nicht mit der nötigen Subtilität die Indy-Stilelemente "zitieren" könnte, - ohne sie direkt zu kopieren - , auf die die Fans gewartet haben, was aber oft erst auf dem zweiten Blick auffällt: Der Kampf mit dem russischen Schläger variiert z.B. einfallsreich die legendäre Prügelei zwischen Indy und dem deutschen Flugzeugmechaniker aus dem ersten Film, die Tatsache, dass Cate Blanchett eben nicht von Indy getötet wird, sondern ihr die Macht- und Wissbegierde zum Verhängnis wird, kommt den Vorbildern nahe, in denen Belloq verhängnisvollerweise die Mächte der Bundeslade beschwört oder Elsa Schneider beim Versuch, den Gral zu greifen, in den Abgrund stürzt u.v.a.

Harrison Ford ist in Würde gealtert und mit ihm die von ihm verkörperte Filmfigur - Im Gegensatz zu vielen anderen stört es mich nicht, dass sein Film-Sohn hier öfter als er die Initiative ergreift, denn das ist nun einmal dem Alter des Protagonisten geschuldet.
Man hätte sich gewünscht, dass durchaus noch noch mehr direkte Reminiszenzen an die Ur-Trilogie integriert worden wären, vergleichbar den sehr gelungenen Szenen, als Indy wieder an seiner alten Hochschule tätig ist, als er sich an seinen verstorbenen Vater und Brody erinnert, als die Kiste mit der "Bundeslade" zerbricht und als am Ende er - und nicht etwa sein Film-Sohn - den legendären "Fedora"-Hut aufhebt: eine sehr schöne Szene, die die Erwartungshaltung des Zuschauers - zum Glück - unterminiert: denn Harrison Ford ist eben nicht zu ersetzen.
Das kann man von den übrigen Darstellern nur bedingt behaupten: Charakterdarsteller John Hurt bleibt sträflich unterfordert, Karen Allen neigt zum over-acting und kann nicht an die glaubhafte Darstellung der herrlich knisternden Haßliebe zu Indy aus dem ersten Film anknüpfen, Shia LaBeouf nervt zumindest weniger als in "Transformers" und Cate Blanchett als russische Agentin wirkt zu blass. Wenigstens sorgt Meisterkomponist John Williams wieder für klassische Indy-Musik, die übrigens auch das gelungene, im Stil der alten Trilogie gehaltene, DVD-Menü untermalt.

So vergebe ich 3 Sterne, denn zusammen mit der sehr ordentlichen DVD-Präsentation (Single-Ausgabe), hätte das Ergebnis von "Indy Reloaded" - trotz aller Mängel und Defizite - viel schlimmer ausfallen können, nämlich z.B. wie Star Wars Episode I.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 7, 2012 5:33 PM MEST


10.000 BC
10.000 BC
DVD ~ Steven Strait
Wird angeboten von YSH (Differenzbesteuerung § 25a UStg)
Preis: EUR 3,62

11 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Steinzeit-Kitschplatte a la Emmerich - in jeder Hinsicht vorsinflutlich, 3. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: 10.000 BC (DVD)
Roland Emmerich bleibt seinem bewährten Konzept, sich - um das mal höflich zu formulieren - von anderen Regisseuren und ihren Werken "inspirieren" zu lassen - der Unterschied zu seinen anderen (und besseren) Werken besteht hier allerdings daran, dass er dieses Mal außer bei "Apocalypto", "Jurassic Park II - Lost World", "Conan, der Barbar" und vielen anderen Abenteuern vor allem bei sich selbst klaut - nämlich bei seinem ersten grossen Erfolg "Stargate". Genützt hat es leider nicht viel, das "Held befreit ein Volk aus der Hand zivilisatorisch überlegener Sklavenhalter"-Szenario in eine Pseudo-Steinzeit zu versetzen, mit "Steinzeit" hat dieses Trivial-Abenteuer nämlich so wenig zu tun wie Emmerich mit niveauvoller Unterhaltung.
Der Zuschauer fühlt sich eher wie in einem beliebigen, bunten Fantasy-Abenteuer mit schön ausgeleuchteten Landschaften, CGI-Monstern und bizarrer Architektur, in dem Logik und Authentizität so gut wie keine Rolle spielen. Das wäre ja noch erträglich, wenn wenigstens atemberaubende Action oder spektakuläre Effekte diese Defizite kompensieren könnten. Doch die wenigen Effektsequenzen fallen letztendlich so erschreckend einfallslos, in jeder Hinsicht (bestenfalls) durchschnittlich, stereotyp und klischeeüberfrachtet aus wie die gesamte peinlich banale, kitschige und vorhersehbare Handlung.
Schauspielerführung war noch nie Emmerichs Stärke, so kann man nur konstatieren, dass Hauptdarsteller Steven Strait zumindest gut genug aussieht und muskulös genug gebaut ist, um die Heldenrolle zu verkörpern. Die Dreadlock-Frisuren von Skaara (Alexis Cruz) und seinen Freunden in "Stargate" haben Emmerich und/oder den Zuschauern offenbar so gut gefallen, dass er diese in "10.ooo B.C." auch wieder verwendete.

Über die Ursachen des Fiaskos kann man ansonsten nur spekulieren. Meiner Ansicht nach beging Roland Emmerich einen schweren Fehler, als er sich von seinen zwei fähigsten Mitarbeitern trennte - von Drehbuchautor Dean Devlin, der dafür sorgte, dass Emmerichs Trivialabenteuer zumindest mit gelungenem Humor aufgelockert ("Willkommen auf der Erde!") und z.T. ironisch gebrochen wurden (besonders in "ID4", aber auch in "Stargate" und "Godzilla") und Komponist David Arnold, der den passenden orchestralen, z.T. bombastischen Rahmen für viele seiner Filme beisteuerte und auch einer banalen Handlung zumindest musikalisch epische Qualitäten verlieh.
Nachfolger Harald Kloser fungiert in "10.ooo B.C." als Autor, Produzent und Komponist in Personalunion. Dabei ist der Mann in jeder dieser Positionen offensichtlich völlig überfordert.

Zugunsten von Emmerich könnte man argumentieren, dass "10.000 B.C." mit gutem Willen als "Stargate"-Prequel ala "Episode 1" interpretiert werden kann. Im Original-"Stargate"-Film von 1994 wird nämlich erwähnt, dass der ausserirdische Bösewicht "Ra" die Erde verlassen musste, als dort eine Rebellion gegen seine Herrschaft ausbrach. In "10.000 B.C." wird erwähnt, dass der verhüllte Bösewicht "einer von dreien" und "von den Sternen" gekommen sei. Im Kontext mit der ähnlichen Kostümierung könnte man den "Gott" daher auch hier als einen der "Ausserirdischen in Menschengestalt" deuten, der zudem auch in einer Pyramide residiert, die in "Stargate" als Landeplatz für das ausserirdische Raumschiff fungierte. Daher gebe ich, als alter "Stargate"-Fan (Emmerichs mit Abstand bester Film), zumindest noch zwei Sterne.


I Am Legend
I Am Legend
DVD ~ Will Smith
Preis: EUR 4,99

16 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Film scheitert an seiner Unentschlossenheit - und Will Smith, 23. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: I Am Legend (DVD)
In der unendlichen Geschichte "Remakes, die die Welt nicht braucht", wurde mit diesem Film mal wieder ein neues Kapitel geschrieben. Für das Scheitern des Vorhabens sind meiner Ansicht nach zwei Gründe vorrangig zu benennen:
- Will Smith. Es liegt mir fern, zu behaupten, der Mann wäre ein schlechter Schauspieler. Das Problem besteht vielmehr in seiner Vorprägung durch extrem populäre, von ihm verkörperte Figuren, die seine Wandlung hin zu ernstzunehmenenden Charakter-Rollen nun grundsätzlich unglaubhaft erscheinen lassen, weil sich die Assoziation zu seinen coolen Action-Heroen mit lockerem Mundwerk ala "Bad Boys", "Men In Black" und "ID4" einfach nicht abschütteln lässt. Die Inszenierung von "I am Legend" trägt sogar ihren Teil dazu bei, solche Reminiszenzen wachzuhalten, indem z.B. die völlig überflüssige Bodybuilding-Sequenz Smiths beeindruckende Physis und seinen muskelgestählten Körper vorteilhaft ins Licht rückt, aber kaum zu einem verzweifelten Wissenschaftler passen, den Smith hier verkörpert. Was soll das? Ein ähnliches Problem plagte auch schon "I Robot", der nicht etwa wegen Smith, sondern trotz Smith ein guter Film geblieben ist (Alex Proyas Regieleistung und einem guten Drehbuch sei Dank) - aber die Figur des gebrochenen Cops konnte man ihm schon damals genausowenig abnehmen wie z.B. Arnold Schwarzenegger in "End Of Days".

- Zombie-Action oder Endzeit-Drama? Auch ein Endzeitdrama muss kommerziell erfolgreich sein, dachten sich die Verantwortlichen, also liess man neben Kassenmagnet Smith ein paar (richtig schlecht gemachte) CGI-Zombies herumtoben, denn "Resident Evil" und "28 Days/Weeks later" waren ja auch recht erfolgreiche Filme. Leider passen diese Elemente vorne und hinten nicht zusammen, was sich in der Mitte des Filmes als regelrechter Stilbruch wahrnehmen lässt. Besticht die erste Hälfte noch mit der gelungenen Darstellung einer entvölkerten Welt, so sorgen die absurden und verunglückten Action-Passagen, die nicht nur technisch desaströs ausfallen, sondern auch dramaturgische Defizite aufweisen (warum bewegen sich die Vampir-Zombies als humanoide Wesen schneller als ein Gepard mit Höchstgeschwindigkeit, können Wände hochklettern und mit ihren Schädeln Panzerglas zertrümmern, ohne dabei Schaden zu nehmen?), für entgeistertes Kopfschütteln des Zuschauers. Letztendlich überzeugt der Streifen daher weder als Endzeit-Drama noch als Zombie-Action-Film, verspielt jede in der ersten Hälfte gewonnene Glaubhaftigkeit in lächerlich konstruierten "Zufällen" (die einzige Überlebende kommt gerade im richtigen Moment vorbei...), dem Pseudo-Happy-End und in peinlichem Action-Murks.

Anmerkung zum ersten Remake (1971): Man kann von Charlton Heston und seinen der Entstehungszeit geschuldeten Macho-Attitüden halten, was man will, aber "Der Omega Mann" stellte die entvölkerte Zivilisation noch ganz ohne CGI-Spielereien mindestens genauso glaubwürdig dar und trotz Abweichungen von der literarischen Vorlage war die Darstellung der "mutierten Überlebenden" als religiöse Fanatiker unter der Führung des brillanten Anthony Zerbe ungleich glaubhafter und dramaturgisch sinnfälliger als das, was man sich für "I am Legend" einfallen liess. So bleibt meiner Ansicht nach die 1971er Version ungeschlagen - die es übrigens auch auf einer guten DVD gibt.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 28, 2008 12:49 AM MEST


Aliens vs. Predator 2 (Extended Version)
Aliens vs. Predator 2 (Extended Version)

3.0 von 5 Sternen Splatter-Trash-Stelldichein der zwei Sci-Fi-Horror Monster-Ikonen, 20. Mai 2008
Ich muss gestehen, ich hatte ja angesichts zahlloser Verrisse mit dem Schlimmsten gerechnet, war aber dann vom zweiten AvP-Aufguss doch recht angenehm überrascht. Viel hängt von der Erwartungshaltung des Rezipienten ab - so sollte man sich schon von der Vorstellung verabschiedet haben, dieser Film (wie auch der erste Teil) könnte auch nur annähernd die Qualität der originalen 80er Alien/Predator-Kultfilme erreichen.
Als Rechteinhaber Fox sich seinerzeit dazu entschied, die Franchise auf die Billig-Spektakel-Schiene mit raschem Kommerzerfolg abgleiten zu lassen und folgerichtig Paul Anderson als Regisseur (für den ersten AvP) verpflichtete, war die Entwicklung vorgezeichnet. Das Ergebnis entspricht bei diesem zweiten Film exakt dem, was angesichts dieser Prämissen zu erwarten war - mit dem Unterschied, dass die Verantwortlichen hier sich dankenswerterweise des Vorsatzes bewusst blieben, einen (Billig-)HORROR-Film zu inszenieren, aus der Not eine Tugend machten und die gegebenen Budgetrestriktionen durch passenden Splatter-Trash kompensierten, den die Fans im ersten AvP schmerzlich vermissen mussten.

Ausserirdische Monster verwüsten eine amerikanische Kleinstadt - mehr muss zur Handlung nicht gesagt werden. Dass diese "Monster" eine Vorgeschichte haben und geradezu Ikonen der Popularärkultur darstellen, spielt eine eher untergeordnete Rolle, aber die Filmmemacher fügten trotzdem einige nette und hinreichend subtile Verweise und Anspielungen auf die klassischen Vorgänger in ihr Werk ein.
Der Rest ist Trash, gemacht für Splatter-Sci-Fi/Horror-Freunde und er bekennt sich in seiner Machart dazu. Warum mehr Niveau heucheln als angesichts der Voraussetzungen möglich ist?

So bleiben folgerichtig alle humanen Protagonisten blass und konturlos, fungieren weitestgehend als redundantes Alien-Futter und werden von zu Recht unbekannten Knallchargen gespielt, gegen die selbst Arnold Schwarzenegger wie eine Shakespeare-Ikone wirkt. Die Dramaturgie verläuft zweckmässig, geradlining, eher überraschungsarm und mündet in einen Standard-Spannungsbogen. Brian Tylers Musik erfüllt ihren Zweck. Make-Up-, Splatter-und Spezial-Effekte sowie die - allerdings zu oft in filmisches Dunkel gehüllten - Action-Sequenzen bewegen sich hingegen auf erstaunlich hohem Niveau, wenn man das vergleichsweise geringe Budget bedenkt.
Klar, der Film ist Schund, aber zumindest unterhaltsamer Splatter-Schund, was man vom ersten Teil nicht behaupten konnte. Ich als Sci-Fi, Gore- und Horror-Fan fühlte mich jedenfalls gut unterhalten. Wer andere cineastische Prioritäten setzt, soll die Finger von AvP2 lassen.


Der goldene Kompass
Der goldene Kompass
DVD ~ Nicole Kidman
Preis: EUR 4,97

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Leider nur ein weiteres verunglücktes Fantasy-Epos, 25. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Der goldene Kompass (DVD)
Gerade in einem Fantasy-Film, der den Zuschauer in neue, unbekannte Welten entführen möchte, ist es von enormer Bedeutung, jenes dramatische Element, das man als "Exposition" bezeichnet, in die eigentliche Handlung in sinnfälliger Weise zu integrieren oder ihr voranzustellen. Hierin besteht das Hauptproblem von "Der Goldene Kompass", der es leider versäumt, den Zuschauer in jenes "Paralelluniversum" einzuführen, über das man im Falle der Unkenntnis der literarischen Vorlage nichts weiss. Stattdessen wird der Zuschauer völlig unvermittelt in das fremdartige Szenario geworfen, neue Personen und unerklärte Plotelemente werden vom Drehbuch beinahe im Minutentakt während des brachialen Erzähltempos eingeführt und hinterlassen ein Gefühl der Konfusion und Orientierungslosigkeit. Zudem verhindern die fehlende Exposition und ausbleibende Erklärungen zu den Hintergründen jegliche emotionale Bindung oder Beziehung des Zuschauers zu den Protagonisten, man staunt, aber letzlich bleibt einem das ganze Geschehen weitgehend gleichgültig.
Selbst andere missratene Fantasy-Werke der jüngeren Zeit wie "Eragon" oder "Narnia", auch "Beowulf", haben hier bessere Arbeit geleistet. Möglicherweise hätte eine längere Laufzeit Abhilfe leisten können.
Die Oskar-gekrönten Effekte und Schauwerte halte ich für überschätzt. Die CGI-Tiere besitzen noch immer jene seltsame Aura der Künstlichkeit, die die Effekt-Zauberer seit deren erstmaligem Auftreten in "Jumanji" nicht in den Griff bekommen.
Sicher gibt es auch Leistungen, die zu würdigen sind, etwa das Set-Design, die schöne Musik von Alexandre Desplat, eine Kinderdarstellerin, die solide Arbeit abliefert und die angenehm "kühle" Nicole Kidman als ansprechender weiblicher Fantasy-Bösewicht, die sich vor der "Konkurrenz", wie der überragenden Tilda Swinton als Eishexe in "Narnia" und der köstlichen Michelle Pfeiffer in "Stardust" nicht verstecken muss.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Hollywoods Filmemacher offenbar (literarische) Werke, in den Kinder (oder Jugendliche) eine Hauptrolle spielen, grundsätzlich zu "Kinder-Filmen" degradieren. So haftet auch diesem Film ein eigentlich unangemessener Beigeschmack typischer "Disney-Süsslichkeit" an, der eigentlich nicht wirklich zur Geschichte passt. Zum "Kinderfilm"-Niveau passen dann auch folgerichtig die vielfach ausbleibenden Erklärungen und Hintergründe, der niedrige storytechnische Komplexitätsgrad und die z.T. bizarren Zirkus-Kostüme - man will ja niemanden aus der "Zielgruppe" überfordern.

Schade, so wartet der geneigte Fantasy-Fan weiter auf Produktionen, die den von der LOTR-Trilogie hoch gelegten Massstäben auch nur halbwegs nahe kommen könnten. Ich empfehle den ungleich unterhaltsameren "Stardust".


Seite: 1 | 2