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Rezensionen verfasst von
zeilensprung

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Ferien auf Saltkrokan: Jubiläumsausgabe
Ferien auf Saltkrokan: Jubiläumsausgabe
von Astrid Lindgren
  Gebundene Ausgabe

23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein entschwundenes Land!, 27. Mai 2007
Kinderferien, so wie man sie eben nur als Kind erlebt: Die beschreibt Astrid Lindgren genau so hinreißend wie die Abenteuer Michels, Pippis oder der Bullerbü-Kinder.

"Ferien auf Saltkrokan" ist vielleicht das schönste Sommer-Kinderbuch, da es von unbeschwerten, nicht enden wollenden warmen Tagen in den Schären erzählt. Und von einer Handvoll Kinder, die vollkommen glücklich sind mit sich selbst, ihren Abenteuern am Wasser und in den Wäldern, ihren Spielen und ihren Liedern.

Vater Melcher fährt mit Pelle und Malin in ein baufälliges Haus auf der kleinen Insel Saltkrokan. Die Familie lebt in Stockholm und er möchte den Kindern - Malin ist schon fast erwachsen und sehr verliebt - die Ruhe der Natur zeigen. Doch auf Saltkrokan angekommen, ist nicht viel mit Ruhe. Denn es warten bereits Tjorven und Stina, der Hund Botsman und viele Abenteuer auf die kleine Feriengesellschaft.

"Ferien auf Saltkrokan" ist ein sehr liebenswertes Buch aus Astrid Lindgrens reichem Schaffen. Auch wenn Kinderferien heute sicherlich anders aussehen, beschreibt sie hier etwas, was sich Groß und Klein für einen Urlaub wünschen würden: Unbeschwertheit, gute Laune, Sonnenschein und eben ausgeglichen-fröhliche Kinder!


Bis ich dich finde (detebe)
Bis ich dich finde (detebe)
von John Irving
  Broschiert
Preis: EUR 13,90

48 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von Tätowiererinnen, Orgelspielern und Lebenslügen!, 26. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Bis ich dich finde (detebe) (Broschiert)
Vorhang auf für Jack Burns, einen neuen typischen John Irving Helden!

Zunächst einmal: knappe 1140 Seiten muss der Leser bewältigen und das ist - vorallem zwischen Seite 200 und Seite 400 - manchmal fast ein bisschen viel verlangt, denn wie immer geht Irving in die - manches Mal ein wenig geschmacklosen - Details. Aber gottlob wird man für sein Durchhaltevermögen auch belohnt, denn John Irving knüpft mit "Bis ich dich finde" an seine großen Romane "Garp" und "Hotel New Hampshire" an und so verheisst dieses Buch einen fulminanten Start in den neuen Bücherfrühling!

Jack Burns ist ein uneheliches Kind und seine Mutter sucht mit ihm gemeinsam in allen Hafenstädten Nord- und Mitteleuropas nach William Burns, der Orgelspieler ist und ein "Tintensüchtiger", den Alice - Jacks Mutter - über die Tattoo-Szene, der sie selbst angehört, kennen und lieben gelernt hat. AllŽdie hartgesottenen alten Tätowierer, die Organisten in den verschiedenen Kirchen und die Huren in den Häfen geben eine wunderbare Kulisse ab für einen wirklich rasanten Start in die Entwicklungsgeschichte des Jack Burns, der seine weitere Kindheit schließlich auf einer Mädchenschule in Toronto verbringt, dort allzu früh sehr skurille sexuelle Erfahrungen macht und schließlich als Schauspieler eine ganz besondere Karriere macht.

Auf dem Höhepunkt seines Erfolges, nach dem Tod der Mutter, macht er sich erneut auf die Suche nach seinem Vater, vollzieht die Reise, die er als Vierjähriger machte nach und gewinnt ganz neue Einsichten...

Diese zweite Reise ist zugleich das stärkste Stück des Romans, der hier wirklich atemberaubend an Fahrt gewinnt und so gekonnt mit der verzerrten Wahrnehmung spielt, dass der Leser wirklich mit den zeitweisen Schwächen des Buches versöhnt wird.Alle Figuren bekommen viel stärkere Konturen und die Könnerschaft Irvings tritt deutlich hervor.

Es ist ein Buch, dass mir manchmal ein wenig uninspiriert erschien, allerdings nur auf den ersten Blick! Da er dieses Mal fast alle handelnden Personen erneut irgendwann die Bühne betreten lässt, hat das Buch dadurch eine sehr große Tiefe. Es ist ein Roman für Langstreckenleser, an dessen Ende man dann doch traurig ist, Jack Burns und seinen Kosmos verlassen zu müssen!

(Diese Rezension bezieht sich auf die gebundene Ausgabe)


Die Burg (Hauptkommissar Toppe ermittelt, Band 6)
Die Burg (Hauptkommissar Toppe ermittelt, Band 6)
von Hiltrud Leenders
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alte Bekannte..., 26. Mai 2007
...trifft man von Zeit zu Zeit ganz gern!
Das gilt auch für die Besetzung der Kriminalromane des Autoren-Trios Leenders/Bay/Leenders.
Seit 1992 erscheint alle anderthalb bis zwei Jahre ein neuer Kriminalroman für das Klever KK11 mit Kommissar Toppe und seinem Team. Er, seine Frau Astrid, die Kollegen Apeldorn und Cox und vor allem natürlich Ackermann, sind dem Leser in all den Jahren einfach ans Herz gewachsen.

Und wie das so ist mit alten Bekannten: Man ist vor allem neugierig, wie es ihnen so ergangen ist. Toppe mit seiner Frau Astrid und Apeldorn mit Uli, Cox, der sich erstmals verliebt und natürlich der allzeit gut gelaunte Ackermann, der mit seiner rheinisch-gutmütigen und stets gut gelaunten Art den Betrieb aufmischt.

Ach ja, und einen Kriminalfall hat das Klever KK 11 nebenbei auch noch zu lösen. Diesmal geht es um eine englische Historientruppe, die in Kleve einen militärischen Cont aufführt. Dabei explodiert eine Bombe, es sterben drei Menschen. Die Kleinstadt am Niederrhein ist erschüttert. Was steckt dahinter? Ein Terrorakt? Oder wollte der Täter nur einen bestimmten Menschen töten? Dank der Verstärkung durch eine englische Kommissarin der Truppe haben die Ermittler schnell eine Spur...

Die Krimihandlung ist zwar einigermaßen solide und spannend erzählt, aber steht eigentlich eher nicht im Mittelpunkt. "Die Burg" ist Unterhaltung für ein paar vergnügliche Stunden und eben ein Treffen mit jenen alten alten Bekannten!
Ackermann würde vielleicht sagen: "Für ma ebkes zwischendurch herrlisch!"


Marlene Dietrich: Portrait Vol. 4
Marlene Dietrich: Portrait Vol. 4
von Helga Bemmann
  Audio CD
Preis: EUR 19,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hommage an den "blauen Engel"!, 25. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Marlene Dietrich: Portrait Vol. 4 (Audio CD)
Lo Malinke liest die Biographie der Marlene Dietrich auf besondere Art und Weise. Am Anfang bereitet sein schnelles Sprechtempo vielleicht ein wenig Schwierigkeiten, da man sich ein wenig einhören muss. Dann jedoch fließt das grandios erzählte Leben der Schauspielerin und Entertainerin und ein bewegtes Zwanzigstes Jahrhundert an dem Hörer vorbei, viel mehr es dringt in ihn ein.

Es ist ein sehr liebevolles Portrait, denn Marlene Dietrich hatte viele Begabungen und Fähigkeiten, die sie dank ihrer Gabe stets am richtigen Ort zu sein, zeitlebens einsetzen konnte.

Geboren 1901 als Tochter wohlhabender Eltern wird sie zu preußischer Tugend- und Gewissenhaftigkeit erzogen. Der Vater stirbt sehr früh, die Mutter heiratet erneut. Nach einer Ausbildung als Musikerin versucht sie sich im Berlin der frühen Zwanziger als Schauspielerin und Tänzerin, wird schließlich zum Theaterstar und dreht Ende der Zwanziger Jahren ihren wohl berühmtesten Film "Der blaue Engel". Mit dem Starregisseur Sternberg erobert sie Hollywood und ist nur noch selten in Europa. Den durchaus verlockenden Angeboten Hitlers und Goebbels, sie hier zur Königin des Films zu machen, widersteht sie. Obwohl ihr Stern in Amerika bereits sinkt, wird sie amerikanische Staatsbürgerin und setzt sich mit großem persönlichen Engagement bei der Truppenbetreuung ein. Außerdem hilft sie vielen emigrierten Schauspielern und greift ihnen tatkräftig unter die Arme.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt sie eine zweite Karriere als Entertainerin und Chansonsängerin. Sie ist schließlich in ganz Europa zu Hause, bis sie sich in den Siebziger Jahren aus dem Showbusiness zurückzieht und bis zu ihrem Tod 1992 in Paris lebt.

Kapriziös war die Dietrich nie! Stets praktisch veranlagt , erweist sie sich jeder Lebenslage gewachsen. Souverän und wandlungsfähig, stark in ihren persönlichen Beziehungen, verfügte sie über die nötigen Mechanismen, alle Veränderungen ihres Lebens positiv zu sehen und zu erfüllen.

Dieses Hörbuch lässt ein glamouröses, selbstbestimmtes und wohl auch glückliches Leben Revue passieren und gleichzeitig Einblicke in das kulturelle Schaffen der Zwanziger Jahre in Deutschland, der Dreißiger Jahre in Hollywood und das Leben der deutschen Exilanten zu, wunderbar erzählt von Helga Bemmann, die unter Anderem bereits das Leben Kurt Tucholskis und Erich Kästners beschrieben hat.


Im toten Winkel - Hitlers Sekretärin
Im toten Winkel - Hitlers Sekretärin
von Traudl Junge
  Audio CD

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seelen-Erleichterung!, 24. Mai 2007
Sicher war es kein Zufall, dass Traudl Junge nur wenige Tage, nachdem sie Andre Heller für seinen Film "Im toten Winkel" Rede und Antwort gestanden hatte, starb. Es scheint fast, als sei durch das Öffentlich-Machen ihrer von ihr selbst so schwer getragenen Vergangenheit eine Zentnerlast von ihr gefallen.

Sowohl der Film, als auch das Buch und dieses Hörbuch machten vor einigen Jahren Furore. Hier kam noch einmal eine Zeitzeugin zu Wort, die Hitler aus der Nähe erlebt hatte. Ihre Erinnerungen waren eine entscheidende Vorlage für den Film "Mein Untergang", sie wurden kontrovers und heftig diskutiert.

Die Schlüsselszene dieser Hörbuchfassung ist für mich der Satz, in dem Traudl Junge sinngemäß sagt, dass Jung-Sein keine Entschuldigung ist und sie es dem jungen Mädchen, dass sie einst war, nicht verzeihen könne, dass sie nicht nur für Hitler gearbeitet hatte, sondern ihn sogar gern hatte.

Im Folgenden schildert sie ihren Weg. Vaterlos aufgewachsen, lebt Traudl gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester beim autoritären Großvater. Durch Zufall nimmt sie mit Anfang Zwanzig an einem Auswahlverfahren teil, in dem ein paar neue Schreibkräfte für das persönliche Büro Hitlers gesucht werden. Obwohl sie furchtbar nervös ist, gelingt es ihr, eine Stelle zu ergattern. Bald ist sie zuständig für Hitlers private Korrespondenz, vor allem in der "Wolfsschanze" in Ostpreußen. Dort lernt sie Hitler als zwanghaften, aber auch freundlich-wunderlichen und nachsichtigen Chef kennen, den sie respektiert und eben auch mag. Da sie allein für dessen private Korrespondenz zuständig ist, erlebt sie ihn eher als freundlichen, älteren Herrn und nicht als verblendeten Diktator und Menschenfeind. Welche historische Dimension ihre Tätigkeit haben wird, ist ihr zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht bewusst.

Sie erlebt auch die letzten Tage Hitlers in Berlin und das gespenstische Finale seiner Diktatur. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen versucht sie, Frau Goebbels davon abzubringen, ihre Kinder zu vergiften und sie schreibt schließlich auch Hitlers Testament, bevor er sich mit Eva Braun umbringt.

In den vielen Jahren danach, in denen Traudl Junge durchaus nicht ohne Erfolg als Journalistin arbeitet, wird ihr allmählich die historische Tragweite ihrer knapp zweijährigen Tätigkeit als Hitlers Sekretärin bewusst. Immer wieder kehrende Depressionen und ein ungeheures Schuldbewusstsein machen ihr schwer zu schaffen.

In den Interviews mit Andre Heller, die insofern keine Interviews sind, weil Heller sie einfach erzählen lässt, spricht sie sich erstmals ihre widerstreitenden Gefühle von der Seele.

Beim Hörer bleibt der Eindruck, dass eine junge naive Frau ihre persönliche Chance nutzen wollte. Sicher ließ sie sich außer ihrer Naivität nichts zu schulden kommen. Wie viele haben schließlich "nichts gewusst"? Wohltuend ist, dass Traudl Junge keinem Rechtfertigungsdrang folgt, sondern zu ihren Fehlern steht, die sie eben erst viele Jahre später erkannte.

Ihre Erinnerungen, mit leiser, verhaltener, trauriger Stimme gesprochen, lassen den Hörer erschauern. Es zeigt einen Wolf im Schafspelz, dessen diabolische Kraft eben auch ein Leben zerstörten, das nur peripher an den geschichtlichen Ereignissen beteiligt war.


Ravel
Ravel
von Jean Echenoz
  Gebundene Ausgabe

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 'Wie eine eilige Skizze!, 21. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Ravel (Gebundene Ausgabe)
Den Kunstgriff, aus biographischen Eckdaten, bzw. aus einem biographischen Ausschnitt eine literarische Erzählung zu machen, haben schon andere Autoren angewandt. Ihn zu beherrschen gelingt nur wenigen. Jean Echenoz Erzählung über den französischen Komponisten Maurice Ravel hält ein konstant literarisch hohes Niveau, bleibt aber dennoch im Ungefähren.

Ravel bleibt dem Leser auch nach der Lektüre dieser Skizze ein Fremder.

Echenoz wählt für sein gelungenes Experiment die letzten zehn Lebensjahre des französischen Komponisten. Die Handlung setzt in den letzten Tagen des Jahres 1927 ein, Ravel trifft letzte Reisevorbereitungen für eine Amerika-Reise, die zum Triumphzug wird.

Die Überfahrt auf einem Luxusdampfer wird minutiös und detailgetreu beschrieben, eindrücklich bleibt mir vor allem eine Szene, in der der Kapitän Ravel eine Freude machen möchte und eine Komposition von ihm spielt. Ravel windet sich vor Ärger, macht aber doch gute Miene zum vermeintlich bösen - besser schlechten - Spiel.

Die vier Monate lange Reise, in der Auftritt Auftritt folgt, Ravel vielen Berühmtheiten vorgestellt wird, seine Lust und zugleich sein Überdruss gegenüber allem Schönen und die Jahre danach, die schließlich in geistiger Umnachtung und einem grausigen Tod enden, beschreibt Echenoz leichtfüssig-elegant.

Wie Colum MacCann in seinem grandiosen Buch "Der Tänzer" - einem Roman über den Ballettkünstler Nurejev - ist Echenoz ein kühler, manchmal fast unbeteiligt wirkender Erzähler. Aber immer dann, wenn man es nicht vermutet, gelingen ihm so anrührend zarte Schilderungen, dass Ravel für einen flüchtigen Moment ganz nahe kommt, um dann wieder in einer Aura aus Unnahbarkeit zu entschwinden.

Ein interessantes Buch!


Ex Libris
Ex Libris
von Anne Fadiman
  Broschiert

22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Essayistische Punktlandungen!, 19. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Ex Libris (Broschiert)
Anne Fadiman ist Bibliomanin aus Leidenschaft! Und für Menschen, die ähnlich denken und fühlen hat sie ein wunderbares Buch geschrieben!

Es gibt viele Lese(ver)führer, die von schönen, zeitweilig auch lebensverändernden Leseerfahrungen erzählen!

Bei diesem kleinen Buch handelt es sich allerdings um eine ganz besondere Perle.

Anne Fadiman war eines jener lesebesessenen Kinder, die so tief in ein Buch absinken konnten, dass sie nicht einmal wahrgenommen hätten, dass das Haus brennt. Aufgewachsen in einer Familie von Büchertrinkern, war es nur natürlich, dass auch später ihr eigener Partner ein ebenso eifriger Leser war wie sie selbst. Aber was tun mit zwei Bibliotheken? Es dauerte Jahre, bis sie und ihr Mann die beiden Buchbestände mischten und sich - ohne gleich die Scheidung zu riskieren - einigen konnten, welche Ausgabe der vielen doppelt vorhandenen Exemplare aufgehoben werden sollte...

Anne Fadiman macht sich aber auch Gedanken über aussterbende Wörter und wie man ein Buch zu behandeln hat, sie führt uns in ihr Kuriositätenkabinett und in ihre geheimsten Lesevorlieben ein.

Sie beherrscht die Kunst, kurzweilig und zugleich ernsthaft zu schreiben. Ihre Beiträge sind essayistische Punktlandungen und vor allem durchdrungen von Leidenschaft!

Ein Kopfkissenbuch, dass man von Anfang bis Ende lesen kann, oder auch einfach nur irgendwo aufschlägt und sich unweigerlich festliest.


Liesl Karlstadt: Münchner Kindl und Travestie-Star
Liesl Karlstadt: Münchner Kindl und Travestie-Star
von Gunna Wendt
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was wäre Karl Valentin ohne Liesl Karlstadt gewesen?, 19. Mai 2007
Liesl Karlstadt verbrachte den größten Teil ihrer Karriere an der Seite des Komikers Karl Valentin, dessen hintergründige Komik von jeder Generation aufs Neue entdeckt wird. Viele seiner Sketche und kurzen Clownerien sind jedoch ohne seine Partnerin, die die Verwandlungsfähigere der Beiden war, undenkbar.

Wer war diese Frau, die immer wieder Mut zur Hässlichkeit bewies und Karl Valentin über fünfundzwanzig Jahre begleitete, ihm auch nach der Machtübernahme der Nazis die Treue hielt, als dessen Projekte zum Scheitern verurteilt waren?

Auf diese Fragen findet Gunna Wendt in ihrer neubearbeiteten Biographie Antworten. Sie rollt das Leben der 1892 geborenen Elisabeth Wellano auf.

Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, entwickelt Liesl schon früh einen großen Ehrgeiz, ist stets Klassenbeste und auch später als Verkäuferin sehr tüchtig. Von den "Brettln" angezogen, gibt sie ihren Beruf bei Tietz auf und zieht mit einer Schauspieltruppe durch München und das Umland. Bei einem ihrer Auftritte wird sie von Karl Valentin entdeckt, der ihr gleich sagt, dass sie für eine Soubrette viel zu wenig Busen habe und ihr den Vorschlag macht, es mal mit einer komischen Rolle zu versuchen.

Der Erfolg stellt sich sofort ein und in Anlehnung an Valentins großes Vorbild Karl Maxstadt nennt sich Elisabeth Wellano fortan Liesl Karlstadt. An der Seite des hypochondrisch-chaotisch veranlagten Valentin wird sie schließlich unsterblich.

Manisch-depressiv unternimmt sie 1935, nach dem ihr Vermögen in Valentins Gruselkabinett endgültig dahingeschmolzen war, einen Selbstmordversuch. Nach seinem Tod beginnt sie zwar noch eine weitere Karriere, ist jedoch bis heute als Liesl Karlstadt unvergessen.

Gunna Wendt reiht in ihrer in der Reihe "Blue Notes" im Edition Ebersbach erschienenen Biographie nicht nur die Lebensdaten aneinander. Ihr gelingt ein sehr dezidiertes Bild der Künstlerin im Kontext ihrer Zeit, die beide Weltkriege, die Weimarer Republik und die Nachkriegsjahre umfasst.

Ein sehr schönes Buch über eine hochinteressante Frau!


Friedhof Melaten zu Fuss
Friedhof Melaten zu Fuss
von Ilona Priebe
  Taschenbuch

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine ganz besondere Stadt der Toten!, 19. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Friedhof Melaten zu Fuss (Taschenbuch)
Melaten ist viel mehr als ein großer Friedhof, er ist zugleich Kölns grüne Lunge, ein Ort der Ruhe aber auch ein Kulturdenkmal.

Auf Melaten, ursprünglich Hinrichtungsstätte und Siechenfeld ausserhalb der Stadttore, finden sich nicht nur die Grabstätten vieler berühmter - auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannter - Kölner. An den unzähligen Grabstätten aus mehreren Jahrhunderten haben auch Kunstfreunde ihre helle Freude.

Und nicht zuletzt ranken sich um viele Gruften auch skurrile Geschichten, die man aus diesem kleinen Buch aus der Bachem-Reihe erfahren kann.

Zunächst einmal wird die Geschichte Melatens anschaulich dargestellt. Auf drei Spaziergängen wird der Besucher mit besonderen Grabstätten vertraut gemacht. Es gibt auf Melaten u.a. eine "Karnevalisten-Ecke", wo Willi Ostermann und andere berühmte Kölner "Orjenale" ihre letzte Ruhestätte fanden. Man findet aber auch die Gräber von Willy Millowitsch, Willy Birgel und Rene Deltgen, Maria Clementeni Martin, Konsalik, den Frühs, Wallraf und Richartz und vielen weiteren.

Und nur in Köln kommt man wohl auf die Idee, den Weg mit den imposantesten Grabstätten "Millionen-Allee" zu nennen.

Das letzte Kapitel ist den Frauen auf diesem wunderschönen, von uralten Bäumen bestandenen Gottesacker gewidmet. Denn neben den "echten" Toten beeindrucken hier die wunderbaren Engel aus Stein, die neben der Stele - als Symbol für ein zu früh abgebrochenes Leben - die meisten Gräber zieren.

Für einen Besuch auf Melaten sollte man Zeit mitbringen. Er lohnt sich zu jeder Jahreszeit und ist ein Ort der Muße und Einkehr, aber auch ein Ort für Entdecker! Das Buch gibt einen guten Überblick und enthält neben den Lebensgeschichten der "wichtigsten" Toten auch viele stimmungsvolle Fotos.


Der Tod in Venedig: Novelle
Der Tod in Venedig: Novelle
von Thomas Mann
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwüle Tage!, 5. Mai 2007
"Der Tod in Venedig" ist wohl Thomas Manns bekannteste Erzählung. Für viele Leser ist diese knapp fünfzig Seiten lange Novelle die erste Begegnung mit einem der wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Jedoch ist "Der Tod in Venedig" keine Zwischendurch-Lektüre! Die kunstvolle Sprache, für deren Verständnis man schon ausgeschlafen sein sollte, hat es in sich! Wer sie jedoch einmal durchdrungen hat, wird diese Erzählung sicher nie mehr vergessen!

Gustav Achenbach, ein Schriftsteller aus München mit klar strukturiertem Innenleben, begegnet auf einer Reise in Venedig einer polnischen Familie. Der junge Tadzio beherrscht bald seine Gedanken- und Gefühlswelt. Ohne Tadzio anzusprechen, steigert Achenbach sich in eine rauschhafte Verehrung, die ihm den Seelenfrieden raubt. In jenen Tagen, in denen in Venedig gleichzeitig ein hektisches Treiben beginnt, da die Stadt von einer Seuche heimgesucht wird, bringt sich Achenbach fast um den Verstand...

Es ist viel in diese Geschichte hinein geheimnisst worden. Thomas Mann, der selber homoerotische Neigungen hatte, wurde immer wieder ein autobiographisches Ereignis unterstellt, dass diese Geschichte zur Folge gehabt hätte. Wie auch immer: Hier ist ein literarisches Universum in der Nussschale gelungen. Thomas Manns literarische Könnerschaft ist hier auf wenigen Seiten so konzentriert und verdichtet, dass diese Novelle zu Recht zu einer Ikone der Thomas Mann-Liebhaber wurde!


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