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zeilensprung

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Die Leiden eines Amerikaners
Die Leiden eines Amerikaners
von Siri Hustvedt
  Gebundene Ausgabe

40 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Behutsam und magisch!, 11. März 2008
Das neue Buch der amerikanischen Schriftstellerin Siri Hustvedt ist nicht ganz leicht zu lesen. Man braucht schon einen freien Kopf und vor allem etwas Zeit, da die vielen gesponnenen Gedanken manchmal nur so sacht angerissen werden, dass sie sich schnell verflüchtigen können, wenn man nicht konzentriert bei der Sache ist.
Gleichzeitig ist "Die Leiden eines Amerikaners" aber auch ein ganz wundervolles Buch, dass den Leser mit sehr tiefgründigen, manchmal verstörenden und immer anrührenden Gedankenbildern sättigt.
Und es ist eine Seelenreise, die den Leser dem Protagonisten sehr nahe bringen.

Fortwährend sah ich bei der Lektüre die Bilder der Autorin vor mir: Eine wahre Schönheit, langjährige Ehefrau des Schriftstellers Paul Auster, die Zerbrechlichkeit und Stärke zugleich ausstrahlt.
Vielleicht erschien mir das Buch auch darum so authentisch, weil ich bei Erik Davidson, dem Ich-Erzähler dieses Buches genau den gleichen Eindruck hatte.

Siri Hustvedts Familienroman beginnt an einem sehr kalten Januartag: Erik und seine Schwester sind gemeinsam ins Elternhaus zurück gekehrt, um die Habseligkeiten ihres verstorbenen Vaters zu sichten. Dabei stoßen sie auf Aufzeichnungen, die der Vater über viele Jahre machte und die eine Reihe von Geheimnissen enthüllen, die die erwachsenen Kinder verstören.
Viel ist von der Familie auch nicht mehr übrig:
Erik ist geschieden, arbeitet als Psychiater und ist sehr einsam.
Seine Schwester Inga und ihre Tochter Sonia wirken nach dem Tod des Mannes und Vaters ebenfalls verloren und sie alle sind von einer Stimmung umgeben, die zugleich Aufbruch aber auch Angst bedeutet.

Erik verliebt sich in seine Mieterin, bekommt allerdings nur zu ihrer fünfjährigen Tochter einen richtigen Draht. Inga wiederum wird mit sehr unangenehmen Enthüllungen über ihre schwierige Ehe mit einem gefeierten Autor konfrontiert. Und Sonia, ihre Tochter, wird erwachsen und ist zugleich von den Ereignissen des 11. September 2001 traumatisiert.

"Die Leiden eines Amerikaners" ist auch eine Reise in die blinden Flecken der Seele. Ein Buch, das einerseits sehr intime Einblicke eröffnet, andererseits dabei im Ungefähren bleibt. So wird das Buch niemals aufdringlich.

Ein wirklich magisches Buch, leise und behutsam erzählte Literatur!


Vergebung: Roman
Vergebung: Roman
von Stieg Larsson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

291 von 315 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Abschluss noch einmal alle Register gezogen!, 7. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Vergebung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Endlich ist der dritte und abschließende Kriminalroman der Reihe um den Journalisten Mikael Blomqvist und die private Ermittlerin Lisbeth Salander erschienen.

Stieg Larsson führt darin konsequent eine der aufregendsten Thriller-Trilogien der letzten Jahre zum Abschluss und greift darin zwar noch einmal tief in die Kiste der unglaublichen Zufälle und vertrackten Wendungen, erweist sich aber auch wieder als ein genialer Erzähler, der keinen Handlungsstrang versanden lässt und ein so komplexes Beziehungsgestrüpp aufdröselt, das der Leser schon mit allen Sinnen dran bleiben muss, um folgen zu können.

Die Handlung von "Vergebung" beginnt dort, wo der zweite Teil "Verdammnis" endete. Nach dem Lisbeth Salander schwerste Schussverletzungen am Kopf erlitten hat und in buchstäblich letzter Sekunde gerettet wird, beginnt der Alptraum erst richtig.
Denn Zalatschenko, den Salander und Blomqvist in "Verdammnis" jagten, überlebt ebenfalls schwer verletzt und trachtet Lisbeth gleich wieder nach dem Leben. Viel schwerer wiegt jedoch, dass Zalatschenko als Informant des Geheimdienstes inzwischen mit seinem Wissen zum Staatsrisiko geworden ist und man darum auch Salander unbedingt aus dem Weg räumen will, da ihr Wissen einen ganzen Apparat von Spionage und Gegen-Spionage sprengen könnte.
So beginnt ein Wettlauf von sich konkurrierenden Systemen, die alle ein gemeinsames Ziel haben: Lisbeth Salander soll das Krankenhaus nicht lebend verlassen.

Doch Mikael Blomqvist ist seinen unsichtbaren Feinden stets eine Nasenlänge voraus, mit seiner Intelligenz, wichtigen Beziehungen, Mut und Glück beginnt er einen schier aussichtslosen Kampf gegen ein staatliches Netz, dem jedes Mittel zum Machterhalt recht zu sein scheint.

Von Zeit zu Zeit mag der Leser schon einmal an den vielen glücklichen Zufällen zweifeln.
Doch der Eindruck eines schwedischen James Bond verfliegt gottlob immer wieder recht schnell, denn Stieg Larsson hat einfach seine ungeheuer komplexe Story stets im Griff.

In seinem viel zu kurzen Schriftsteller- und Journalistenleben hat Stieg Larsson mit seiner Krimi-Trilogie Maßstäbe gesetzt, an denen sich der skandinavische Kriminalroman künftig messen lassen muss!
Eine absolute Empfehlung!
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 18, 2010 6:26 PM CET


Emma
Emma
DVD ~ Gwyneth Paltrow
Preis: EUR 7,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ironie schön verpackt!, 5. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Emma (DVD)
Gwyneth Paltrow ist eine herrliche Emma. So kapriziös und zugleich mitfühlend, so von sich überzeugt und zugleich verunsichert und einfach sehr nett anzusehen, in ihren hübschen Kleidern.

Kurzum, diese Verfilmung ist gelungen!
Ein Ausstattungsfilm mit spritzigen Dialogen, opulenten Bildern und immerhin noch so nah an der literarischen Vorlage, dass die für Jane Austen so typische Ironie schön verpackt herüberkommt.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Emma Woodhouse, Anfang zwanzig und eine Landadelige, lebt in Highbury und ist eine eifrige Ehestifterin. Ihre alte Erzieherin hat sie gerade vorteilhaft unter die Haube gebracht, da kommt ihr eine neue Freundin gerade recht. Harriet ist nicht so wohlhabend wie Emma, liebt eigentlich einen Bauern, der Emma aber nicht standesgemäß genug ist. Ihr Plan, Harriet mit dem Pfarrer zu verheiraten, geht jedoch gründlich schief. Bis die richtigen Paare einander finden, einschließlich Emma, die eigentlich unverheiratet bleiben möchte und am Ende ihren Mr. Knightley bekommt, gibt es viele Verwicklungen...

Wer die literarische Vorlage kennt, wird sich über die Leichtfüßigkeit freuen und die Heiterkeit, die dieser Film vermittelt. Die Charaktere sind gut ausgewählt und passen gut zu den Romanfiguren.
Aber auch wer Jane Austens Romane nicht kennt, hat bestimmt Freude an den sehr schönen Landhausszenerien und dieser spritzigen Geschichte.

Zwei Stunden beste Unterhaltung, spritzig wie ein Glas Sekt und heiter wie ein Frühlingstag!


Der Orientalist: Auf den Spuren des Essad Bey
Der Orientalist: Auf den Spuren des Essad Bey
von Tom Reiss
  Gebundene Ausgabe

67 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Etwas ganz Besonderes!, 27. Februar 2008
Der Amerikaner Tom Reiss hat sich als Journalist und Buchautor geschichtlichen Grenzgängern und Randfiguren verschrieben.
In dieser Tradition steht auch seine sehr umfangreiche Biographie über Lev Nussimbaum alias Essad Bey alias Kurban Said.

Unter letzterem Pseudonym veröffentlichte Nussimbaum den in den Dreißiger Jahren erstmals erschienenen Roman "Ali und Nino". Schon vorher hatte er mit seinen Romanbiographien, autobiographischen Texten und vielen Artikeln in Literaturzeitschriften im deutschsprachigen Raum Erfolg. Vor allem fiel der zum Islam konvertierte Jude aus Aserbaidschan durch seine orientalischen Inszenierungen auf. Als fester Bestandteil der Berliner und Wiener Kaffeehauskultur gehörte er in den einschlägigen literarischen Kreisen dazu.
Als "Ali und Nino" vor einiger Zeit noch einmal neu aufgelegt wurde, war die Herkunft dieser Liebesgeschichte noch nicht eindeutig geklärt. Neben Nussimbaum kam u.a. die Baronin Ehrenfels als Verfasserin in Frage.
Diese ebenfalls schillernde Persönlichkeit war lange mit Nussimbaum befreundet.

Wer war dieser Nussimbaum, der stets mit seinen biographischen Daten spielte, immer wieder seine Vergangenheit neu erfand und der als Autor eine Weile große Erfolge feierte, bevor er nach der Flucht vor den Nazis in Italien umkam?

Dieser spannenden Frage geht Tom Reiss in seiner Biographie nach. Dabei beschränkt er sich nicht auf die mühsam zusammengetragenen Lebensfakten. Er erhellt für den Leser jeweils den geographischen und geschichtlich-politischen Hintergrund der Lebensstationen Nussimbaums.
Das liest sich streckenweise wie ein Märchen.

In der Ölstadt Baku kommt Nussimbaum 1905 zur Welt, sein Vater ist Industrieller und Millionär, seine Mutter, die Nussimbaum fremd blieb und bald stirbt, war Revolutionärin, von Abraham Nussimbaum freigekauft aus zaristischer Haft.
In weltoffener Atmosphäre wächst er heran, flieht aber mit seinem Vater vor den Bolschewisten zunächst Richtung Osten durch Turkmenistan und Buchara, später über Konstantinopel - wo er den Sturz des osmanischen Reiches miterlebt nach Paris. Von dort siedelt er dann ins revolutionäre Berlin über, besucht hier mit vielen anderen Exilrussen das Gymnasium, u.a. mit Boris Pasternak und Vladimir Nabokovs Geschwistern. Er konvertiert zum Islam und nimmt seine Orientalistik-Studien auf.
Gleichzeitig widmet er sich bereits der Schriftstellerei und mit Fleiß und elegantem Stil macht er sich schnell einen Namen.
Nach einer Aufsehen erregenden Ehe mit Glamourfaktor folgt eine öffentliche Scheidung und der kurze, traurige Abstieg nach Hitlers Anschluss in Österreich, wo Nussimbaum inzwischen lebt.

Tom Reiss hat mit sehr großer Akribie und Kennerschaft das Lebenspanorama Nussimbaums vor dem Leser ausgebreitet. Dabei erweist er sich als Geschichtsspezialist mit absolutem Talent zur spannenden Darstellung einer beinahe überbordenden Faktenfülle.
Durch die vielen Quellentexte ist das Buch äußerst umfangreich und detailliert.

Im Vorwort erfährt der Leser die sehr spannende Entstehungsgeschichte dieser Biographie, die dank einer Reihe von glücklichen Zufällen - die allein schon Stoff für einen Roman gegeben hätten - zustande kam.

"Der Orientalist" - im ganz neuen Osburg-Verlag erschienen - ist ein Buch für Menschen, die Freude haben an Spiegelungen des 20. Jahrhunderts. Denn wie in einem Brennglas ist in der Lebensgeschichte des Lev Nussimbaum noch einmal alles vereint, was die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ausmachte: Krieg, Umsturz, Irrtümer und schreckliches Leid, aber auch viele ungeahnte Möglichkeiten, die am Schopfe gepackt eine so reiche und ungewöhnliche Lebensreise ausmachten.
Ein ganz besonderes Buch!
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 17, 2008 8:27 PM MEST


Das Wochenende
Das Wochenende
von Bernhard Schlink
  Gebundene Ausgabe

19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tolle Idee -- aber leider verschenkt!, 25. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Das Sujet ist vielversprechend:
Der Terrorist Jörg, gerade begnadigt, verunsichert in der lange vermissten Freiheit, trifft unmittelbar nach seiner Haftentlassung seine alten Freunde wieder. Arrangiert hat dieses Treffen seine Schwester. Alle sind gekommen: Freunde und alte Kampfgefährten, die nach dem Marsch durch die Institutionen angekommen sind. Wie wird sich dieses Wiedersehen entwickeln?
In diesem Spannungsfeld verliert sich die Novelle von Bernhard Schlink.

Bernhard Schlink ist einer meiner Lieblingsschriftsteller. Alle seine Bücher haben einen lange wirksamen Nachhall bei mir gehabt. Dieses Mal verpuffte schon bei der Lektüre die Wirkung.

Das Wiedersehen, die Konfrontation mit den begangenen Verbrechen, die Erklärungsversuche auf beiden Seiten, bei den alten Freunden wie bei Jörg -- das alles wirkte auf mich eher holzschnittartig.
Zu klischeehaft waren mir die alten Freunde, die nun Midlife-Crisis geschüttelte Akademiker geworden sind.
So wird dieses Treffen zu einer unguten Nabelschau, zu einer Aneinanderreihung von uneingestandenen Lebenslügen und Anklagen.
Und über allem wabert die Schuldfrage.

Bernhard Schlink hat sich dennoch getraut: Ein Thema zu verarbeiten, das die Leser polarisiert. Leider hat er es nach meinem Leseeindruck verschenkt.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 13, 2008 9:43 AM MEST


Kind 44
Kind 44
von Tom Rob Smith
  Gebundene Ausgabe

78 von 83 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwer zu verkraften!, 20. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Kind 44 (Gebundene Ausgabe)
"Kind 44" ist auf dem Weg zum Weltbestseller.
Das ist insofern eine Überraschung, weil Tom Rob Smith eine Geschichte erzählt, die für die meisten Leser sicher nicht leicht zu verkraften ist.
Rund um eine ziemlich konstruierte Thriller-Handlung berichtet er eindringlich und glaubwürdig von einer vollkommen mundtot gemachten Gesellschaft, die von verkommenen, perversen und grausamen Bespitzelungssystemen beherrscht wird.

Kurz vor Stalins Tod, im Winter 1953, nimmt diese Geschichte ihren Anfang.
Auf Moskauer Bahngleisen wird eine grausig zugerichtete Kinderleiche gefunden. Der Vater des Jungen wendet sich mit seinem Mordverdacht an seinen Vorgesetzten, den Geheimdienstler Leo, der sich im System zwar zurechtgefunden hat, aber spürt, dass seine Glaubwürdigkeit angezweifelt wird. Tatsächlich gerät Leo selbst ins Fadenkreuz interner Ermittlungen und soll seine Frau ans Messer liefern. Da er sich weigert, wird er schließlich degradiert und erhält einen Milizposten in der Provinz.
Dort wird er mit einem ganz ähnlichen Verbrechen konfrontiert und ahnt nun, das ein Serienmörder völlig unbehelligt sein grausames Werk fortführt. Unter schwierigsten Bedingungen, immer in der Angst, entdeckt und verraten zu werden, führt Leo nun seine Ermittlungen durch. Dabei vollzieht er selbst eine persönliche Wandlung.
Mithilfe seiner Frau gelingt ihm schließlich die Klärung des Verbrechens, doch den Preis, den er dafür zahlen muss, ist sehr hoch.
Denn auch der Täter hat in Leos Leben eine längst vergessen geglaubte Rolle gespielt...

Die Wandlung des Leo ist das einzig tröstliche an diesem Buch -- anderenfalls wäre es noch viel weniger auszuhalten gewesen.
Tom Rob Smith hat ein Buch geschrieben, das sicher eine Menge ausrichten kann!
Er schildert eindringlich, wie ein Überwachungsstaat funktioniert.
Die stalinistische Sowjetunion war ein mehr als unwirtlicher Ort, in dem nicht nur das nackte Überleben für die Menschen einen tagtäglichen Kampf bedeutete. Wie wenig es braucht, Menschen zu brechen und zu welchem Luxus persönliche Integrität in einem solchen System wird, ist die eigentliche Botschaft dieses Romans.
Und wenn das Transportmittel einer solchen Message eine manchmal nicht ganz schlüssige Krimihandlung ist, ist das durchaus verzeihlich!

Ein starkes Buch!


Nacht ohne Schatten: Judith Kriegers dritter Fall
Nacht ohne Schatten: Judith Kriegers dritter Fall
von Gisa Klönne
  Gebundene Ausgabe

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Politisch, nachhaltig und tiefgründig!, 11. Februar 2008
Gisa Klönne lässt ihr Ermittlerpaar Judith Krieger und Manni Korzelius zum dritten Mal ermitteln und erneut wird das sehr ungleiche Couple mit einem Fall konfrontiert, der unter die Haut geht.

Dabei rückt Gisa Klönne in "Nacht ohne Schatten" ein politisch-brisantes Tabuthema in den Mittelpunkt, häusliche Gewalt gegen Frauen und Zwangsprostitution, ohne jemals missionarisch oder moralinsauer zu werden.
Im Gegenteil: Durch ihre sehr gründlichen Recherchen gelingt es ihr, ein zugleich erschreckend realistisches Bild von bundesrepublikanischer Wirklichkeit zu zeichnen und unaufdringlich auf etwas aufmerksam zu machen, dessen Existenz man gerne verdrängt.
Und sie verbindet ihre gesellschaftliche Bestandsaufnahme mit einem sehr spannenden Fall, bei dem Judith Krieger mit ihrer ganzen, nicht unkomplizierten Persönlichkeit gefordert ist.

In ungewöhnlich warmen Januartagen wird die Leiche eines S-Bahnfahrers gefunden. Der unauffällig lebende Mann gibt der Kölner Kripo zunächst Rätsel auf. In direkter Nähe zum Tatort brennt kurze Zeit später eine Pizzeria ab und in deren Keller wird eine junge Prostituierte gefunden, die dort unter unwürdigsten Bedingungen gefangen gehalten wurde.
Die Ermittlungen führen Judith Krieger und Manni Korzelius einerseits in das Rotlichtmillieu, andererseits in eine benachbarte Kunstfabrik, deren Bewohner ebenfalls rätselhaft und undurchsichtig sind.
Während Judith Krieger spürt, das dieser Fall zu einer Wende in ihrem Leben führen wird, hat sich Manni ernsthaft verliebt...

"Nacht ohne Schatten" ist ein engagierter Kriminalroman, zugleich aber auch ein spannendes Leseerlebnis.
Gisa Klönne ist eine Autorin von besonderem Format, die glaubwürdig und echt Gesellschaftskritik und Spannung miteinander verbindet.
Auch wenn man diesen dritten Kriminalroman aus ihrer Feder schnell und atemlos liest:
Judith Krieger, Manni Korzelius und die Protagonisten dieses Falles bleiben beim Leser!


Abbitte
Abbitte
DVD ~ Keira Knightley
Preis: EUR 6,99

67 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragende Umsetzung!, 7. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Abbitte (DVD)
Literaturverfilmungen, die sich einerseits nah an der Vorlage bewegen, andererseits ein Eigenleben haben, findet man nicht allzu oft.
Bei "Abbitte" ist genau dieser Spagat aber aufs Reizvollste gelungen!

Ian MacEwan beschränkt zwei Drittel seines Romans, immerhin knappe 400 Seiten, auf die Geschehnisse eines einzigen Tages im Leben einer großbürgerlichen Familie im Sommer 1935. Dabei zieht er alle erzählerischen Register, so dass der Leser mit jeder Seite mehr in die Ereignisse der Familie Tallis und die Gedanken- und Gefühlswelt der agierenden dreizehnjährigen Briony, die mit ihren Entdeckungen schließlich eine Lawine mit unvorhersehbaren Folgen ins Rollen bringt, hineingezogen wird.
Was sich also für den Leser sehr langsam entwickelt, bringt der Film in einer ruhigen und dennoch eindrücklichen Bilderfolge herüber:
Eine im wahrsten Sinne des Wortes schwüle Atmosphäre, Sinnestäuschungen, das Verwischen von Wahrheit und Fantasie.
Dabei lenkt der Film mehr als das Buch die Geschehnisse auf die ältere Schwester Brionys, die von der wunderbar agierenden Keira Knightley verkörpert wird.

Die tragischen Folgen von Brionys nicht mehr zurück zu nehmenden Beschuldigungen, die Kriegsjahre und schließlich der Rückblick der alten Briony bilden den perfekten Gegensatz zu der anfänglich behüteten und verspielten Gartenszenerie.
Die Bilder aus den Kriegstagen in Nordfrankreich und die Darstellung einer allen Hindernissen trotzenden großen Liebe brennen sich dem Betrachter ein.

"Abbitte" ist ein sehr bleibendes Filmereignis! Wie das Buch auch verlangt es dem Schauenden einiges ab. Manche Szenen sind kaum auszuhalten! Dennoch, oder vielleicht gerade darum, lohnt sich dieser Film, einmal, ein weiteres Mal, viele Male!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 2, 2008 10:49 AM MEST


Schuhhaus Pallas. Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte
Schuhhaus Pallas. Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte
von Amelie Fried
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erinnerungsliteratur für Jugendliche und Erwachsene!, 6. Februar 2008
Der Anstoß, sich mit ihren jüdischen Wurzeln zu befassen, kam für die Autorin und Journalistin Amelie Fried ausgerechnet aus New York.
Ihr Mann läuft dort im November 2004 den Marathon und stößt bei einem Besuch im Leo Baeck-Institut auf die Namen von Amelie Frieds Großonkel und -Tante. Beide kamen in Auschwitz um.

Dieser Anruf ist Anlass für Amelie Fried, die Geschichte ihrer Familie zu erforschen. Knapp drei Jahre wird sie brauchen, bis sie alle Unterlagen, Gespräche und Zeugnisse zusammengetragen und geordnet hat.
Eine insofern geglückte Spurensuche, da sie noch einen Cousin ihres Vaters ausfindig machen konnte und auf die Erinnerungen ihrer hochbetagten Tante zurückgreifen kann, die zögerlich, aber dann doch sehr offen über das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte Auskunft gibt.

Amelie Frieds Großvater war Jude. Schon lange zum evangelischen Glauben übergetreten, führt er mit seiner evangelischen, nicht jüdischen Frau ein gut gehendes Schuhgeschäft in Ulm, das Schuhhaus Pallas.
Der Großvater fühlt sich als "guter Deutscher" und lässt sich von den Schikanen der Nazis anfangs nicht einschüchtern.
Er wird zusammengeschlagen und macht sich den sehr schlichten Ulmer Emporkömmling und Polizeidirektor zum persönlichen Feind.
Auch als seine Frau sich von ihm trennt, er damit vogelfrei für die Nazis wird, beweist er Mut und hat schließlich Glück: Er überlebt das Naziregime.
Auch Amelie Frieds Vater ist zum Zeitpunkt der Nazidiktatur schon erwachsen. Als Halbjude erhält der vielseitig begabte Intellektuelle Schreibverbot und muss um sein Überleben kämpfen.
Doch der Riss, der durch die Biographie zweier Generationen der Familie Fried geht, die vielen Opfer innerhalb der Verwandtschaft, die von Frieds Vater nach Kriegsende tot geschwiegen werden, erweist sich auch nach Kriegsende als große Hypothek für die Hinterbliebenen.

Amelie Fried erzählt auf sehr beeindruckende Art und Weise diese Geschichte. Ursprünglich nur für die Familie gedacht, vor allem für die beiden Kinder Amelie Frieds, entschloss sie sich schließlich "Schuhhaus Pallas" zu veröffentlichen.
Sie stieß während ihrer Recherche auf viele Fotografien und erneuerte die familiären Bindungen zum Cousin ihres Vaters, von dessen Herkunft sie lange nichts ahnte.

Die Spurensuche ist zu einem sehr spannenden Stück Erinnerungsliteratur geworden, das für Jugendliche wie für Erwachsene eindringlich und sehr verständlich das Grauen der Nazizeit vergegenwärtigt.
Inzwischen liegt Hitlers Machtergreifung 75 Jahre zurück, die Befreiung von Auschwitz 63 Jahre.
Da ist ein solches Buch, das noch Zeitzeugen zu Wort kommen lässt, ein besonderer Schatz!
Insofern kann man Amelie Fried für ihre Offenheit und ihren klugen und zugleich dezenten Stil nur danken!

Ein wichtiges Buch!


Zusammen ist man weniger allein
Zusammen ist man weniger allein
DVD ~ Audrey Tautou
Wird angeboten von Celynox
Preis: EUR 10,66

41 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwei schöne Stunden verspricht der Film schon..., 6. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Zusammen ist man weniger allein (DVD)
Als ich damals "Zusammen ist man weniger allein" gelesen hatte, hat mich das Buch noch über Wochen gedanklich gefangen genommen. Ich habe mich einfach ein wenig glücklicher gefühlt als sonst, weil mir nach der Lektüre anhaltend warm um's Herz war.
Ähnlich ging es mir übrigens nach dem Kinofilm "Die fabelhafte Welt der Amelie".
Und nun die zauberhafte Audrey Tautou in der Rolle der Camille... da kann doch - fast - nichts schief gehen.

Tatsächlich verspricht "Zusammen ist man weniger allein" einen schönen Film-Abend. Sehr nah an der literarischen Vorlage, sehr französisch und sehr stimmig ist hier das Buch umgesetzt worden.

Zur Geschichte: Camille ist Reinigungskraft und mit sich und ihrem Leben alles andere als im Einklang. Sie haust in einer zugigen Dachkammer, aus der der Adlige Phillibert sie zu sich in seine großbürgerliche Wohnung holt. Dort lebt auch schon ein Koch, dessen Alltag angefüllt ist mit Arbeit und der Sorge um die alte Großmutter, die in einer Klinik lebt und unmöglich weiter alleine leben kann.
Er hat wenig Verständnis für die kapriziöse Camille, findet sie einfach nur anstrengend. Aber schließlich verlieben sie sich ineinander, eine Beziehung, die bald schon durch die unterschiedlichen Gedankenwelten beider Partner auf eine harte Probe gestellt wird...

Trotz vieler schöner Film-Augenblicke, vielen besonderen Momenten für das Auge, vermag der Film nicht das Flair des Buches zu vermitteln.
Das mag zum einen daran liegen, das außer Camille die Darsteller eher schwach besetzt sind.
Auch wenn mich der Film sehr gut unterhalten hat -
leider verblasst die Erinnerung an "Zusammen ist man weniger allein" sehr schnell.


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