Fashion Sale Hier klicken Sport & Outdoor b2s Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16
Profil für Martin Resch > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Martin Resch
Top-Rezensenten Rang: 110.092
Hilfreiche Bewertungen: 1893

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Martin Resch "makarresh" (Hamburg)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12
pixel
Was für ein schöner Sonntag!
Was für ein schöner Sonntag!
von Jorge Semprún
  Gebundene Ausgabe

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Überladen und zu ausschweifend, 23. Juli 2010
Bei allem gebotenen Respekt vor einem Überlebenden der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, einem Widerstandskämpfer gegen Faschismus und Unterdrückung, einem Opfer von Folter und Konzentrationslager: Was Jorge Semprún hier als Hybriden aus Roman, Autobiographie, Lehrbuch politischer Weltanschauungen, philosophischem Werk und Geschichtsexkurs zusammengemengt hat, entbehrt zwar nicht einer gewissen Faszination, ist allerdings so immens überfrachtet mit Abschweifungen, Assoziationen und Sprüngen in der Handlung, dass man an vielen Stellen nicht mehr folgen kann und es nach einiger frustrierender Leseschwerstarbeit auch irgendwann nicht mehr will.
Ausgehend von einer sarkastischen Bemerkung eines Mithäftlings, als man an einem verschneiten Wintersonntag im KZ Buchenwald zum Appell antreten muss, soll "Was für ein schöner Sonntag!" wohl so eine Art Autobiographie und Vergangenheitsbewältigung sein.
Zu Beginn ist auch alles noch einigermaßen nachvollziehbar: Häftling 44904, alias Jorge Semprún, hat an einem Wintermorgen auf dem Ettersberg verbotenerweise den Weg verlassen, um einen verschneiten Baum zu bewundern. Im Konzentrationslager normalerweise ein Verbrechen, das mit dem Tod bestraft wird. Der SS - Hauptsturmführer, der den Fall übernimmt, zeigt sich jedoch so beeindruckt von Semprúns Kenntnissen über die deutsche Kultur und insbesondere über Goethe, dessen Lieblingsort einst der bei Weimar gelegene Ettersberg war, auf dem das KZ errichtet wurde, was im Anbetracht der unmenschlichen Zustände im KZ Buchenwald gleich doppelt barbarisch und monströs erscheint, dass er den Häftling am Leben lässt.
Dann jedoch beginnt das Buch, immer wieder den Faden zu verlieren. Zwar erfährt man interessante Details über die verschiedenen Überlebensstrategien, die die Häftlinge im KZ anzuwenden verstehen, faszinierend insbesondere das Abhängigkeitsverhältnis, in das die SS - Wächter, die um jeden Preis verhindern wollen, an die Front abkommandiert zu werden, zu den verschworenen Kommunisten im Lager, die das Kommando über die weiteren Häftlinge übernommen und sich als Widerstandsblock organisiert haben, geraten sind. Allerdings bekommt man noch eine allzu ausführliche Autobiographie des Autors, auch diese immer wieder von Abschweifungen und philosophischen und politischen Betrachtungen unterbrochen, eine Abrechnung mit dem Kommunismus und insbesondere mit dem Stalinismus und diverse mehr oder weniger interessante Exkurse zum Thema Goethe und Weimarer Klassik, nicht ohne sporadisches Wiederaufnehmen der Handlung im Konzentrationslager.
Begegnet einem jenseits von Seite 300 zum zehnten Mal der Satz "Aber eigentlich wollte ich von einem Sonntag im KZ erzählen" (oder so ähnlich, auch hier zeigt Semprún sich recht variantenreich), ist man unwillkürlich versucht, zu entgegnen: "Ja, dann mach doch endlich!"
"Was für ein schöner Sonntag!" behandelt eine unendliche Zahl von Themen, die jedoch nicht wirklich vertieft, sondern, sobald der Leser sich darauf eingelassen hat, wieder von einem neuen Thema oder einer weiteren Abschweifung unterbrochen werden.
Ein Buch, das man vielleicht mehrfach konzentriert lesen sollte, am besten mit einem Notizblock, um sich an ein etwa 50 Seiten zuvor angerissenes Thema wieder zu erinnern.
Ich muss jedoch gestehen, dass ich nicht besonders viel Lust dazu verspüre.


Together Through Life
Together Through Life
Wird angeboten von DVD Overstocks
Preis: EUR 8,07

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Album für einen trockenen, heißen Sommer, 22. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Together Through Life (Audio CD)
Bob Dylan nimmt seine Zuhörer diesmal mit auf eine Reise durch den tiefen Süden der USA. "Together Through Life" klingt in weiten Teilen wie der Soundtrack zu einem Dokumentarfilm über das Leben an der texanisch - mexikanischen Grenze. Die Stamm - Band, mit der Dylan auch seine Neverending - Tour weiterführt, ist auch hier, wie auf den letzten Alben, vertreten und präsentiert sich als sowohl aufeinander, als auch auf den stets unberechenbaren Meister eingespieltes Team, ergänzt wurde die Band diesmal allerdings durch den Multiinstrumentalisten David Hidalgo, dessen Akkordeon "Together Through Life" ein unvergleichliches Flair und eine Exotik verleiht, die man in Dylans Werk zuletzt auf dem Meisterstück "Desire" gehört hat. Noch ein Vergleich mit "Desire" drängt sich auf: Zum erstem Mal seit dieser Zeit duldet der Meister einen Co - Autor an seiner Seite. Diesmal ist es kein Theaterregisseur, sondern der Grateful - Dead - Lyriker Robert Hunter, mit dem Dylan eine lange Freundschaft und Zusammenarbeit verbindet.
Herausgekommen ist dabei kein monolithisches Meisterwerk, wie es "Time Out Of Mind" oder "Modern Times" waren, "Togehter Through Life" stellt man besser in den Kontext der "Basement Tapes" oder des 2001er Albums "Love And Theft" , ein liebevoller Streifzug durch die traditionelle Musik der Vereinigten Staaten, von der Dylan sich immer wieder seine Inspiration holte. Der gute alte Freund Blues steht Pate für viele Stücke dieses schönen Songzyklus. "Beyond Here Lies Nothing" und "My Wife's Hometown" klingen, als hätte ein Muddy Waters sie schon vor 50 Jahren geschrieben und der Meister hätte sie irgendwo in einem verstaubten Ordner wiedergefunden. Meisterhaft gespielt, von Hidalgo veredelt und von Dylans unverwechselbarer Raspelstimme getragen, entfalten sie Songs eine unvergleichliche Atmosphäre. Etwas anders sieht es mit den Blues - Rock - Stücken aus. "Jolene" und "Shake Shake Mama" rocken zwar ganz possierlich, bleiben aber insgesamt zu brav und verhalten. Vielleicht hätte man die Songs erstmal auf der Bühne erproben und dann damit ins Studio gehen sollen.
Die stärksten Momente erreicht Dylan auf "Together Through Life", wenn er wieder den Chronisten erschütternder Liebesgeschichten gibt, wie im Lamento "If You Ever Go To Houston" oder in den hier zahlreich vertretenen Balladen ("Life Is Hard", geschrieben auf Bitte des französischen Filmregisseurs Olivier Dahan und laut Dylan Inspiration für das ganze Album, "Forgetful Heart", einmal mehr eine wunderschön wehmütige Nummer über vergangene Liebe, "This Dream Of You" und das wundervolle "I Feel A Change Comin' On").
"Together Through Life" ist eines dieser Alben, aus denen man zunächst nicht so recht schlau wird, als ersten Eindruck wirkt es etwas unfertig und willkürlich. Seinen vollen Reiz entfaltet es erst nach mehrmaligem Hören, am besten in heißen Sommernächten mit angenehmer Gesellschaft. Ausprobieren lohnt sich.


Strauss: Die Fledermaus (Gesamtaufnahme)
Strauss: Die Fledermaus (Gesamtaufnahme)

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die fast perfekte Fledermaus, 21. Juli 2010
Um ganz ehrlich zu sein: Sobald ich das Wort "Operette" höre, setzt bei mir ein starker Fluchtinstinkt ein. Operette verbinde ich mit einem Höchstmaß an Kitsch, sinnfreier Handlung, belangloser Musik, sowie einem abgesungenen Rudolf Schock und einer gackernden Erika Köth. Unterhaltung für die Massen aus Zeiten, in denen es noch kein Internet und kein Privatfernsehen gab.
Eine rühmliche Ausnahme bildet "Die Fledermaus". Bei dieser Operette stimmt einfach alles: Das Textbuch ist witzig und schwungvoll, bewegt sich auf der Ebene einer sehr guten Komödie (woraus das Libretto auch entstanden ist). Die Figuren haben zwar allesamt keinen sonderlichen Tiefgang, sind aber liebevoll gezeichnet und lebensnah und versinken nicht allzu sehr im Klischee und Johann Strauss' Musik erhebt das Werk zusätzlich über all die anderen Operetten (mit Ausnahme einiger weniger anderer Werke), die im 19. und frühen 20. Jahrhundert geradezu in Massenproduktion entstanden. Jede Musiknummer aus der "Fledermaus" ist ein Volltreffer, für die Sänger eine dankbare und nicht zu unterschätzende Aufgabe, und besitzt eine unwiderstehliche Ohrwurmqualität. Zwar war auch der "Fledermaus", wie so vielen anderen Meisterwerken, bei der Uraufführung kein triumphaler Erfolg beschieden (der Börsenkrach 1873 hatte eine Wirtschaftskrise ausgelöst und den Wienern die Feierlaune verdorben), aber das Werk eroberte sich im Laufe der Zeit seinen festen Platz in den Spielplänen, selbst die elitäre Wiener Hofoper nahm es ins Repertoire auf und deklamierte es zur "komischen Oper", um keine Reputation einzubüßen. Wann immer das Publikum erheitert werden soll, eine "Fledermaus" - Inszenierung ist eine sichere Bank.
Eine nicht ganz einfache Aufgabe ist es, eine wirklich gute Aufnahme zu finden. Entweder ersteht man eine Aufnahme mit zwar guten Sängern, aber schwachem Dirigat (ein Placido Domingo beispielsweise sollte sich meiner Meinung nach vom Pult fernhalten), oder man bekommt eine grandiose orchestrale Fassung (wie bei der DG unter Carlos Kleiber) mit sehr diskutabler Sängerauswahl (unwienerischer als Hermann Prey und Julia Varady geht es wohl kaum, über Ivan Rebroff sei der gütige Mantel des Schweigens gebreitet). Diese Probleme hat man mit dieser Einspielung wahrlich nicht. Herbert von Karajan dirigiert die wie immer hervorragenden Wiener Philharmoniker (die das Werk wahrscheinlich auch im Schlaf noch spielen könnten, das aber lobenwerterweise nicht tun) schwungvoll und mit viel Esprit. Das Sängerensemble besteht zum größten Teil aus aufeinander eingespielten Mitgliedern der Wiener Staatsoper, für noch die kleinste Rolle hat man hier die Idealbesetzung gefunden.
Waldemar Kmentt, lange Jahre der lyrische Tenor schlechthin und vom Charakterfach bis zur Operette überall einsetzbar, ist ein hervorragender Eisenstein, der die nicht eben anspruchslose Partie voll ausfüllt. Gesanglich befand er sich im Vollbesitz seiner Kräfte (er war gerade mal 31) und gibt dem Eisenstein sowohl die nötige Arroganz, als auch die Anzüglichkeit, ohne dabei jedoch unsympathisch zu wirken.
Auch die beiden großen Frauenrollen kann man kaum besser besetzen. Hilde Güden war langjähriges Mitglied der Wiener Staatsoper, galt als ideale Mozart - und Strauss (Richard) - Interpretin und war für die Rosalinde geradezu eine ideale Besetzung. Sie wirkt zwar immer nobel und löst die großen Ansprüche der Partie mit Bravour, verliert aber nie die Bodenhaftung, die für die Rolle sehr wichtig ist. Eine große Rosalinde mit viel wienerischer Erdigkeit. Die vorhin von mir geschmähte Erika Köth befand sich zum Zeitpunkt der Aufnahme ebenfalls noch auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit, die koloraturlastige Partie des Stubenmädels mit höheren Ambitionen meistert sie hervorragend, ohne in das gefürchtete Gackern zu verfallen, das sich in späteren Jahren einschlich.
Walter Berry und Eberhard Waechter füllen die Rollen rachsüchtigen Notars Dr. Falke und des fidelen Gefängnisdirektors Frank sowohl schauspielerisch als auch musikalisch voll und ganz aus. Wunderschön vor allem Berrys "Brüderlein und Schwesterlein".
Als Orlofsky gibt es hier keinen abgesungenen Heldentenor oder Möchtegernrussen, wie in einigen anderen Aufnahmen, sondern die große Mezzosopranistin Resgina Resnik zu hören, die die nicht gerade anspruchsvolle, aber wichtige Rolle des zu Tode gelangweilten jungen Milliardärs ausgezeichnet interpretiert.
Komplettiert wird das Ensemble durch Giuseppe Zampieri als feurigem Alfred (ein kleiner Seitenhieb auf Karajans Besetzungspolitik, da er als künstlerischer Leiter der Wiener Staatsoper verstärkt auf Sänger aus dem Mutterland der Oper zurückgriff und die alten Stammkräfte mehr und mehr in den Hintergrund drängte). Daraus erklären sich auch die Abkanzelungen, die sich der italienische Sänger im Gefängnisakt von "Frosch" Erich Kunz, einem Staatsopernmitglied der Stunde Null nach dem 2. Weltkrieg, immer wieder gefallen lassen muss. Kunz überzeugt hier auch als reiner Sprecher, nur mit einer kurzen Gesangseinlage.
Als besonderen Leckerbissen fährt die DECCA während des Festes des Prinzen Orlofsky eine Vielzahl an Stars auf, die man damals unter Vertrag hatte. So kommt man in den Genuß von Kurzauftritten einiger der größten Sänger der damaligen Zeit, unter anderem Ljuba Welitsch, Renata Tebaldi, Leontyne Price, Birgit Nilsson, Joan Sutherland, Jussi Björling, Mario del Monaco und Ettore Bastianini. Besser geht es kaum.
Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es allerdings: Bei der digitalen Überarbeitung scheint einiges schiefgelaufen zu sein, da es noch ein recht deutliches Grundrauschen gibt und dafür die Sängerstimmen recht leise und hallig klingen, woran man sich erst einmal gewöhnen muss.
Trotz dieses Makels: Meiner Meinung nach noch immer die rundeste und lebendigste Fledermaus - Aufnahme auf dem Markt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 1, 2014 10:03 PM CET


Star Wars Trilogie (4 DVDs)
Star Wars Trilogie (4 DVDs)
DVD ~ Mark Hamill

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen (Fast) ungetrübte Nostalgie, 17. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Star Wars Trilogie (4 DVDs) (DVD)
Manche Kindheitserinnerungen verblassen nie: Auf dem Fernseher läuft ein seltsamer, in den Bildschirm hinein zu verschwinden scheinender Vorspann zu einer faszinierenden, noch nie gehörten Musik. Dann das erste Bild: Der Weltraum, ein kleines Raumschiff fliegt vorbei, verfolgt von einem nicht enden wollenden Riesenschiff. Der Verfolgte wird geentert, nach kurzen Gefecht erscheint durch den "Pulverdampf" ein schwarzes Ungetüm, das seltsame Atemgeräusche ausstößt. Ladies and gentlemen: Darth Vader has entered the building.
Dieser Paradebösewicht, der schon im Verlauf der mittlerweile "klassischen" Trilogie eine recht interessante Wandlung durchmacht, ist nur eine von unzähligen faszinierenden Figuren, die das Star - Wars - Universum bevölkern. Jeder hatte seinen Lieblingscharakter (bei mir lieferten sich Vader, Han Solo und Yoda einen harten Kampf um die Spitze) und mindestens einen, der einem unbeschreiblich auf den Zeiger ging (im meinem Falle der ständig dazwischenblökende Chewbacca), die etwas hanebüchene und verworrene Handlung mit ihren plötzlichen Logiksprüngen störte einen nicht weiter, ebenso wenig wie die Tatsache, dass ein Raumschiff auch bei höchster Geschwindigkeit im luftleeren Raum unmöglich ein Geräusch erzeugen kann, man war einfach gefangen von der Vielzahl der Figuren und der Charakterzeichnung, der klaren Aufteilung in Gut und Böse.
1977 schlug die Blockbusterbombe zum ersten Mal ein. Mitten in die Zeit des "New Hollywood", als Filme von Peter Bogdanovic, Francis Ford Coppola oder Martin Scorsese (um nur die Wichtigsten zu nennen) en vogue waren und ein neuer Realismus mit dem althergebrachten Popcornkino aufgeräumt hatte, platzte George Lucas mit einem naiven Weltraummärchen, in dem die Guten die Bösen schlagen, jede Menge Material in die Luft fliegt und in dem exzessiv Spezialeffekte verbraten wurden. "Star Wars" erntete vernichtende Kritiken bei den geschätzten Kollegen und in den Kreisen der Cineasten, das Volk strömte jedoch ins Kino und machte "Star Wars" zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.
Teil I (oder IV, nach moderner Zählung) besticht noch heute und nach digitaler Bearbeitung durch seinen naiven Charme und die liebevolle Figurenzeichnung. Die schauspielerischen Leistungen sind nicht gerade berauschend, aber darum geht es in den Star - Wars - Filmen auch nicht. Sieht man sich den Film auch zum hundertsten Mal an, und kann man schon jede Dialogzeile auswendig herunterbeten, so ist es doch jedes Mal, wenn man die DVD in den Player schiebt, als würde man alte Freunde besuchen gehen. Die 1997, als der Film zum 20 - jährigen - Premierenjubiläum nochmals in die Kinos kam, eingearbeiteten digitalen Effekte (u. a. ein paar mehr seltsame Viecher in der Raumfahrerstadt Mos Eisley und eine Szene mit dem ersten Auftritt des diesmal bewegungsfähigen Jabba The Hutt) wären meiner Meinung nach nicht wirklich notwendig gewesen, stören aber nicht weiter, weil sie auf die Handlung, die ohnehin leicht genug zu verfolgen ist, keinerlei Einfluss haben. Viel eher hätte man sich bereits damals um Bild - und Tonqualität kümmern sollen, da dieser die 20 Jahre nicht sonderlich gut getan hatten. Dies ist jedoch in dieser Ausgabe immer noch nicht passiert, so dass man mit einem etwas grünstichigen Weltraummärchen leben muss und der Ton beizeiten blechern klingt, was allerdings zum Nostalgie - Faktor beiträgt.
Teil II gefällt mir immer noch am besten. George Lucas hatte sich als Regisseur während des 1. Teils völlig verausgabt und zeichnete so nur noch als Produzent verantwortlich. Die Regie überließ er dem alten Hasen Irving Kershner, der "Das Imperium schlägt zurück" als düsteren Weltraumwestern inszenierte. Es gibt ein Wiedersehen mit allen liebgewonnenen (oder auch nicht) Figuren aus Teil I, sowie den legendären ersten Auftritt des zwar kurz gewachsenen, aber unendlich weisen Jedi - Meisters Yoda (damals noch kein computeranimierter Hüpffrosch, sondern eine von Frank Oz genial zum Leben erweckte Puppe), eine der größten Überraschungen der Kinogeschichte und ein Ende, das offener nicht sein könnte. Auch hier wurde zum Neustart im Kino einiges verändert (z. B. der erste Auftritt des "Imperators", um mehr Kontinuität in die fortlaufende Handlung zu bringen), was aber wieder nicht weiter ins Gewicht fällt.
Teil III nennt sich prophetisch "Die Rückkehr der Jedi - Ritter", was das erhoffte Happy - End eigentlich schon verrät. Zwar nicht gerade der krönende Abschluss der "klassischen" Trilogie, weil der Film doch einige Durchhänger hat, doch gibt es wieder allerhand zu bestaunen, so die überdimensionale Puppe "Jabba the Hutt" und sein schräger Hofstaat, eine rasante Verfolgungsjagd durch den Urwald des Mondes Endor, eine Unzahl knuddeliger Ewoks (die beim Publikum einen solchen Erfolg hatten, dass ein unsäglicher Nachfolgefilm gedreht werden musste) und die finale Konfrontation des Helden Luke Skywalker mit dem Erzbösewicht. Auch hier wurden einige digitale Spielereien eigefügt, was aber allenfalls zu Erheiterung beiträgt. Ärgerlich ist jedoch, dass die deutsche Tonspur offensichtlich nicht im Geringsten bearbeitet wurde. Schon in der originalen Synchronfassung lispelten sämtliche Figuren, was sich auf dieser DVD - Ausgabe kein bisschen gebessert hat. Der Fan, der den ganzen Film ohnehin auswendig kann, wird sich an die englische Original - Tonspur halten, da lispelt nämlich niemand.
Eine schöne Zugabe ist hier eine vierte DVD mit einer sehr ausführlichen Dokumentation über die Entstehungsgeschichte der Trilogie, Interviews, Trailern, Produktionsfotos usw. Fast vier Stunden Zusatzmaterial stimmen jeden Fan fröhlich.
Auch wenn die Box nicht alles halten kann, was versprochen wird (Bild - und Tonqualität), ein Muss für den Star - Wars - Fan. Die Filme werden ihren Reiz nie verlieren und die formschöne Box macht sich gut im Regal.
May the force be with you.


Let It Bleed
Let It Bleed
Preis: EUR 14,94

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Kater - Album, 16. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Let It Bleed (Audio CD)
"Let It Bleed" ist wie das böse Erwachen am nächsten Morgen: Der Kopf schmerzt, als würde ununterbrochen mit einem Hammer drauf geschlagen, wie man sich auch legen oder setzen mag, alles dreht sich, der Magen rebelliert, sobald man auch nur an Essen denkt oder versucht sich zu erinnern, wieviel von dem verfluchten Alkohol oder sonstigem man sich gestern zu Gemüte geführt hat. Ohnehin kann man sich an den Großteil der vergangenen Nacht nicht erinnern und versucht, das Geschehene anhand etwas verworrener Erinnerungsfetzen und Erzählungen zu rekonstruieren. Am Ende weiß man einige Dinge: Die Party war gut (oder besser), man hat sich wohl ein bisschen danebenbenommen und schwört sich, das nächste Mal vernünftiger zu sein. Bis das nächste Mal kommt. So ist "Let It Bleed".
Glaubt man den Schilderungen der Leute, die die 60er live miterlebt haben, und in deren Erinnerung sich diese Zeit mit zunehmendem Alter immer mehr verklärt, so waren die Sixties eine nicht enden wollende Party, in der man die Grenzen des engen gesellschaftlichen Korsetts sprengte, gegen den Krieg in Vietnam und ansonsten gegen alles und jeden, was den Ruch des Spießigen an sich hatte, demonstrierte und sich von überforderten Polizisten mit Wasserwerfern und Knüppeln traktieren ließ, sich einen Joint am anderen ansteckte, mittels psychedelischen Drogen auf Bewußtseinserweiterungsreise ging und die Freuden der plötzlich so frei gewordenen Liebe auskostete.
Das mag alles seine Richtigkeit haben, doch auch die Medaille hat eine Kehrseite: Der Krieg in Vietnam wollte einfach kein Ende nehmen (tatsächlich war der Spuk erst 1975 endlich zu Ende), einige der einst so friedlichen Hippies gründeten terroristische Vereinigungen, es gab Rassenunruhen, kurz vor der großen Woodstock - Party ermordeten fanatisierte Anhänger von Charles Mansons "Family" brutal reiche Leute in ihren Häusern (unter ihnen die Schauspielerin Sharon Tate), um den von Manson prophezeiten "Krieg der Rassen" auszulösen. Ende das Jahres 1969 gab es schließlich das "Woodstock der Westküste", ein vom Management der Rolling Stones sagenhaft schlecht organisiertes Festival auf dem dafür völlig ungeeigneten Altamont Speedway in Livemore, Kalifornien. Die als Ordner engagierten Hells Angels wussten sich der außer Kontrolle geratenen Zuschauermenge nur noch mit sinnloser Prügelei zu erwehren, schließlich wurde, während die Stones ihr Set spielten, der Zuschauer Meredith Hunter von einem Angel erstochen, weil er einen Revolver gezogen hatte. Der Hippietraum von einer friedlichen Welt unter dem Regenbogen ging mit einer Katastrophe zu Ende.
Zwar hatten die Stones selbst wenig Anteil an dem Desaster, obwohl von einigen verqueren Leuten die "diabolische Energie" ihrer Musik dafür verantwortlich gemacht wurde, so richtig passten sie aber nie zu den Idealen der Bewegung. Ihr einziger Versuch, im Strom mitzuschwimmen, war das Album "Their Satanic Majesties Request", das mit einigen recht seltsamen Experimenten und ein paar recht brauchbaren Songs daherkam und von der Kritik einhellig verrissen wurde. Die Stones besannen sich daraufhin wieder auf ihre Stärken und die Wurzeln im Blues, nahmen das hervorragende Album "Beggars Banquet" auf und entledigten sich auf nicht ganz feine Weise des immer mehr in Drogennebel und persönlichen Problemen versinkenden einstigen Bandleaders Brian Jones (auf "Let It Bleed" ist er nur noch bei zwei Songs vertreten). Jagger und Richards übernahmen endgültig das Ruder, mit Mick Taylor wurde ein neuer, ausgezeichneter Gitarrist ins Boot geholt, der die nächste Phase in der langen Bandgeschichte mitprägen sollte.
"Let It Bleed" beleuchtet nun die dunklen Seiten des Lebens, entstanden unter chaotischen Bedingungen, beeinflusst von den immer gewalttätiger werdenden Unruhen auf der ganzen Welt und den wilden Zuständen in der Band selbst, die sich nach Jones' Rausschmiss auf Selbstsuche befand und den Blues als Lebensader wiederentdeckte. Das ganze Album ist eine Bestandsaufnahme, das sich wie ein Gang über ein verwüstetes Schlachtfeld anhört, allerdings mit einem Lichtsreif am Horizont endet.
"Gimme Shelter" eröffnet den Ritt in die Dunkelheit, unheilvoll erhebt sich der Song über Sturm und Krieg, unterlegt mit dramatischen Drums und Piano - Donnern, angetrieben von Keiths Gitarre und Jaggers panischem Gesang, der von der Soulsängerin Merry Clayton noch exzessiver übernommen wird. Der Gänsehautmoment gleich zum Beginn des Albums und für nicht wenige der beste Song der Stones schlechthin.
Weiter geht es mit "Love in Vain", geborgt vom Blues - Übervater Robert Johnson. Ein deprimierter Lover begleitet sein Mädchen zum Bahnhof und sieht resigniert den Lichtern des sich entfernenden Zuges hinterher. Eins der besten Covers, das die Stones je gemacht haben, das das Interesse an dem sagenumwobenen Bluesmusiker aus den 20ern sprunghaft ansteigen ließ.
"Country Honk" ist eine verballhornte Version der Hitsingle "Honky Tonk Women", bei der die Stones nach einer heruntergekommenen Straßencombo klingen, was durch den eingespielten Verkehrslärm noch unterstrichen wird.
Nächster Höhepunkt ist der Titelsong. "Let It Bleed" ist ein dreckiger, sexuell aufgeladener R & B - Song mit allerdings tröstlicher Botschaft. "We all need someone we can lean on."
Einer der sanfteren Nummern auf "Let It Bleed" nach dem brutalen "Midnight Rambler" ist "You Got The Silver", der letzte Song, auf dem Brian Jones noch mitspielte. Weil Mick Jaggers Gesangsspur irrtümlich gelöscht wurde, durfte sich Keith Richards am Mikro versuchen und er machte seine Sache hervorragend. Obwohl er zu den zahlreichen Nicht - Sängern im Rockbusiness gehört, veredelt sein sanfter, zaghafter Gesang diesen schönen Song noch zusätzlich.
Das Album schließt mit "You Can't Always Get What You Want", einem exzessiven Kracher in Übergröße, der keusch und engelsgleich mit dem London Bach Choir anhebt und sich mit zunehmender Dauer immer weiter zu einem schrillen Finale steigert, dem es nichts mehr hinzuzufügen gibt.
"Let It Bleed" steht auch nach über 40 Jahren immer noch ganz weit oben, wenn es die besten Alben aller Zeiten aufzulisten gibt. Es markiert einen Umbruch sowohl im Zeitgeist als auch im musikalischen Stil der Band und gehört zu den Platten, denen der Zahn der Zeit nicht das Geringste anhaben kann.
You can't always get what you want
But if you try sometimes you might find
you get what you need


Christmas in the Heart (Deluxe Edition inkl. Weihnachts-Grußkarten)
Christmas in the Heart (Deluxe Edition inkl. Weihnachts-Grußkarten)
Wird angeboten von SEDIVA Deutschland
Preis: EUR 17,49

14 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weihnachten mit Onkel Bob, 10. Oktober 2009
Bob Dylan hat ein Weihnachtsalbum aufgenommen. Bob Dylan? DER Bob Dylan? Der Meister? Der Dichterfürst? Der coolste alte Mann auf Erden, der sich vor 12 Jahren mit "Time Out Of Mind" spektakulär zurückmeldete, seitdem auf einer Welle des Erfolgs schwimmt und alles zu Gold macht, was er anfasst? Die Ikone, die uns Songs wie "Masters Of War", "Visions Of Johanna", "Like A Rolling Stone" und unzählige Hochkaräter mehr beschert hat? Genau der...
Was hat nun ausgerechnet Bob Dylan, Säulenheiliger und Identifikationsfigur der Protestbewegung und allseits anerkannter Großmeister der Songwriterzunft ausgerechnet mit dem am unfassendsten kommerzialisierten Fest der Welt zu tun? Auf den ersten Blick rein gar nichts, Weihnachten spielte in seinem Schaffen noch nicht mal während seines heftigen Flirts mit dem Christentum Ende der 70er eine sonderliche Rolle. Geld hat er wohl auch genug, immerhin ist er ebenso geschäftstüchtig wie genial. Warum also ausgerechnet ein Album mit Weihnachtsliedern?
Diesmal rief das Gutmenschentum, Dylan wird von den Erlösen dieses Albums wohl keinen Cent sehen, die Einnahmen in den USA gehen komplett an Feeding America, eine Organisation, die der von der Finanz - und Wirtschaftskrise arg gebeutelten niederen Einkommenschicht der USA warmes Essen auf den Tisch bringt. Die Einnahmen aus dem Rest der Welt gehen ebenfalls an Wohltätigkeitsorganisationen. Eine höchst ehrenvolle Angelegenheit also.
Was kann man nun zur Qualität der Platte sagen? Es wurde ja schon kräftig geätzt und kritisiert und tatsächlich ist Dylans krächzende Raspelstimme wohl kaum etwas, was mit dem Fest des Friedens und der Liebe (was Weihnachten im Idealfall ja immer noch sein sollte, die Realität sieht oft genug anders aus) in Verbindung bringt. Nach dem ersten Durchhören muß ich sagen: Hab noch nie so ein schönes Weihnachtsalbum gehört. Dylan hat seine bewährte Studio - und Tourband im Rücken, die die größte Aufgabe, die weltbekannten Weihnachtslieder nicht zu sehr in die Kitschfalle tappen zu lassen, hervorragend lösen. So wird diese Gefahr meist weiträumig umschifft und es ensteht ein möglichst erdiger Sound um die Stimme Dylans, der hier so zart und einfühlsam wie selten zuvor klingt. Daß er ein hervorragender Crooner ist, hat er auf seinen letzten Alben Mal um Mal bewiesen und auch hier präsentiert sich der Meister in Bestform. Ferner bleiben dem Hörer (größtenteils) Bimmelglöckchen und Kinderchöre erspart, die Chorparts werden dankenswerterweise von nicht allzu süßlichen Männer - und Frauenstimmen gesungen. Nicht immer war Dylan so geschmackssicher, ich erinnere mich mit Grausen an "They Killed Him" von "Knocked Out Loaded". Höhepunkte des Albums sind für mich der ziemlich schräge "Christmas Blues" und das krachende "Must Be Santa". Wunderschön einfach Dylans Version von "Hark The Herald Angels Sing", "I'll Be Home for Christmas" und "Little Drummer Boy", außerdem hat man die wohl einmalige Gelegenheit, Dylan auf Latein singen zu hören ("Adeste Fideles"). Irgendwie macht dieses Album warm ums Herz und man fühlt sich in bessere Zeiten versetzt.
Punktabzug gibts einzig für das bescheuerte "Christmas Island" und den exzessiven Einsatz von Bimmelglöcken in zwei Songs. Ansonsten: Sehr schönes Album, das mir mein einmal mehr ausfallendes Weihnachten versüßen wird.


Il Trovatore
Il Trovatore
Preis: EUR 11,98

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wertvoller Troubadour, 21. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Il Trovatore (Audio CD)
"Il trovatore" ist seit langer Zeit die Lieblingszielscheibe, wenn es darum geht, Abneigung gegen die Oper zu begründen. In der Tat fällt es leicht, dieses Werk zu kritisieren. Das Textbuch von Salvatore Cammarano ist, freundlich ausgedrückt, nicht gerade logisch, er nahm sich aus dem Drama "El trovador" des Spaniers Antionio Garcia Gutierrez einfach die dramatischsten Szenen und vermengte sie zu einer schwer nachvollziehbaren, immer wieder unglaubwürdige Volten schlagenden Handlung mit ziemlich schablonenhaften Figuren.
Giuseppe Verdi mochte das Libretto trotzdem, er fand das Stück schön, einfallsreich (das ist es in der Tat, soviele überraschende Wendungen sucht man in so mancher Fernsehserie vergebens) und voller dramatischer Szenen, die Verdi so sehr liebte. Vor allem die Zigeunerin Azucena, die heimliche Hautfigur der Oper, schlug den Komponisten in ihren Bann und er stattete sie musikalisch besonders liebevoll aus. Sofort nach der Vollendung des "Rigoletto" begann er mit der Komposition, die Oper wurde am 19. Januar 1853 in Rom uraufgeführt und brachte einen weiteren vollständigen Triumph für den Komponisten, innerhalb von zwei Jahren verbreitete sich das Werk über die ganze Welt und zählt noch heute zu Verdis populärsten Opern.
"Il trovatore" bedeutet einen Sieg der Musik über die Handlung, denn wegen der unlogischen Geschichte und den grob gezeichneten Figuren dürfte die Oper kaum die Zeit überdauert haben. Verdi zog hier allerdings sämtliche Register seiner einmaligen Begabung und schuf das musikalisch vielseitigste und melodienreichste Werk seiner frühen Schaffensphase. Er findet für jede Szene die richtige Atmosphäre und schafft sowohl ausdrucksstarke dramatische Bilder als auch innige Liebesgesänge und es gelingt ihm, das Innenleben der Figuren eindrucksvoll zu zeichnen. Ganze Bücher konnte man über Verdis Inspiration schreiben, die nie die Linie der Handlung aus den Augen verliert und für jede Situation eine genial einfache und einfach geniale musikalische Untemalung findet.
Natürlich ist "Il trovatore" noch immer eines von Verdis populärsten Werken und wurde sehr oft aufgenommen, was dem Käufer einmal mehr die Wahl erschwert. Diese Einspielung ist sowohl wegen der größtenteils hervorragenden Besetzung als auch wegen der musikalischen Interpretation Herbert von Karajans ein herausragendes Beispiel einer lebendigen und gründlich durchdachten Studioaufnahme. Sie stammt aus dem Jahr 1956, als Karajan zwar schon ein umjubelter Pultstar war, allerdings noch nicht seine Interpretation über den Willen des Komponisten stellte und sich als ein Dirigent voller ansteckendem Schwung und Theaterblut zeigte. Viele seiner besten Aufnahmen stammen aus dieser Zeit und auch "Il trovatore" ist ein Musterbeispiel für eine ideale Opernaufnahme. Karajan findet stets das richtige Tempo, die musikalische Spannung wird immer auf einem hohen Level gehalten und Karajan hat das sonst oft ziemlich chaotische Orchester der Scala perfekt im Griff. Historisch interessant ist diese Aufnahme obendrein dadurch, daß einige traditionelle Kürzungen zum ersten Mal wieder einbezogen wurden. Manrico singt hier beide Strophen der weltberühmten "Stretta" und Leonores Cabaletta "Tu vedrai che amore in terra" ist ebenfalls erstmals in einer "trovatore" - Einspielung zu hören, somit ist dies die erste wirkliche Gesamtaufnahme der Oper.
An der Besetzung gibt es kaum etwas auszusetzten. Maria Callas' einzigartige Stimme hatte 1956 zwar bereits etwas Schaden genommen, sie klingt schon ein wenig kehlig und neigt zur Vokalumformung. Trotzdem meistert sie die Schwierigkeiten der Rolle rundum ausgezeichnet, Maria Callas liefert hier einmal mehr den Beweis, daß mehr als eine schöne Stimme nötig ist, um zu überzeugen. So gelingt ihr hier eine ausnehmend lebendige Darstellung der etwas undankbaren Leonora, die eigentlich nur das arme Opfer ist, an dem zwei Männer herumzerren. Die Leonora der Callas ist entgegen der allgemeinen Rollenauffassung ungemein selbstbewußt, eine wirklich lebendige Frau und kein Opferlamm.
Rolando Panerai gestaltet seinen Graf Luna sehr vielseitig. Der Gegenpart des Toubardours wird meist als gandenloser, brutaler Bösewicht gezeichnet, daß auch er Leonora wirklich liebt, tritt oft in den Hintergrund. Panerai stattet ihn allerdings mit viel Gefühl aus und betont besonders die wenigen leisen Töne, was dem rüpelhaften Grafen eine selten gesehene weiche Seite gibt. Gesanglich ist er etwas von meisterhafter Stimmbildung entfernt, bei Panerai steht immer das Gestalterische im Vordergrund, was hier durch die Bank positiv zu Buche schlägt.
Für Azucena gibt es kaum eine bessere Besetzung als Fedora Barbieri. Die große Mezzosopranistin war auf die großen Verdi - Partien spezialisiert und wirft hier ein weiteres Mal ihre ganze Erfahrung und ihre große schauspielerische Begabung in die Waagschale. Ihre Gestaltung der Zigeunerin ist völlig überzeugend, ihre großen Szenen (selbst die oft etwas langatmige Erzählung der Vorgeschichte im zweiten Akt) sind Höhepunkte der Aufnahme, ihr größter Augenblick ist jedoch das wundervolle "Ai nostri monti" in der Kerkerszene. Gesanglich ist sie nicht mehr ganz so überragend wie in der älteren Einspielung dieser Rolle unter Renato Cellini, doch nimmt sie den Hörer hier noch einmal mit ihrer hervorragenden Interpreation gefangen.
Und da gibt es noch das Problemkind. Die Titelfigur gehört zum gestalterisch undankbarsten, was die Opernbühne zu bieten hat. Manrico ist geradezu die Karikatur des dummen Tenorhelden, der nur seinen Gefühlen folgt, in jede unglückliche Situation hineinstolpert, von seiner angeblichen Mutter als Werkzeug zur Rache mißbraucht wird und schließlich, um sie zu befreien, mit der immer wieder mitreißenden "Stretta" mit Hurra ins Verdeben rennt. Nur wenige Tenöre vermochten es, den guten Manrico nicht als arienschmetternden Dummkopf darzustellen, so Jussi Björling, Carlo Bergonzi oder Placido Domingo. Giuseppe di Stefano gehört nicht gerade zu dieser Riege, als genialer Gestalter hat sich der Traupartner der Callas nie hervorgetan, dafür umso mehr als Impulssänger mit ausgesprochen schöner Stimme. Diese Tugend kommt auch hier größtenteils zum Ausdruck, so in den schönen Liebesszenen mit Leonora oder in der erschütternden Kerkerszene, in der er auf die bei vielen Tenören obligatorischen tragischen Schluchzer dankenswerterweise verzichtet. Sein Problem sind die Stellen, in denen Manrico den Helden spielen muß. Di Stefano war nie ein Ritter des hohen C wie ein del Monaco oder Pavarotti, sondern ein lyrisch geprägter Tenor. So muß sich di Stefano hier gewaltig durch die lauten Stellen stemmen und kriegt gerade mal so die Kurve, etwa in der "Stretta", die man hier eher mit ihm durchleidet, als sie zu genießen. Kann er jedoch seine gewohnte lyrische Linie singen, gelingen auch ihm Szenen von außergewöhnlicher Schönheit.
Insgesamt kann man sagen, daß man es hier, trotz der etwas unglücklichen Auswahl des Tenors, mit einer durch die Bank hervorragenden Aufnahme zu tun hat, deren Kauf man nie bereuen wird. Auch die Tonqalität ist für eine schon 50 Jahre alte Einspielung ungewöhnlich gut.
Mit diesem "Troubadour" macht man garantiert nichts verkehrt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 31, 2009 10:46 PM MEST


Norma
Norma
Preis: EUR 21,99

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Norma assoluta, 21. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Norma (Audio CD)
Zusammen mit Gaetano Donizetti und Gioacchino Rossini bildet der sehr jung verstorbene Sizilianer Vincenzo Bellini das Dreigestirn der berühmtesten Belcanto - Komponisten, die das Operngeschehen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast uneingeschränkt beherrschten. Von diesen dreien erschien einige Zeit lang jedes Jahr mindestens eine neue Oper, die meist einem bewährten Strickmuster folgten: Ein Textbuch mit einem Nichts an Handlung, gefällige und schwungvolle Musik, dazu ein bis drei exponierte Sänger, die mit ihrem stimmakrobatischen Fertigkeiten das Publikum zu Ovationsstürmen hinrissen. Allerdings hat auch dieser stets als oberflächlich gescholtene Opernstil Meisterwerke auf der Habenseite zu verzeichnen, ohne die das Musiktheater um einiges ärmer wäre, so Rossinis "Il baribiere di Siviglia", "La Cenerentola" und "Guillaume Tell" (eigentlich keine Belcanto - Oper mehr), Donizettis "L' elisir d' amore", "Lucia di Lammermoor" und "Don Pasquale" und natürlich Bellinis "Norma".
Nur knapp drei Jahre blieben Bellini, um seinen Ruhm auszukosten. 1831 hatte er nach einigen Achtungserfolgen mit "La Sonnambula" seinen internationalen Durchbruch gefeiert, noch im gleichen Jahr, am 26. Dezember, wurde "Norma" in Mailand uraufgeführt, im Triumphzug verbreitete sich das Werk in den nächsten Jahren über die ganze Welt und verschaffte dem mit gerade einmal 33 Jahren verstorbenen Bellini seinen gebührenden Platz im Musik - Pantheon.
"Norma" rettete Bellinis Namen vor dem Vergessen, die enorm anspruchsvolle Titelpartie war für jede Sängerin, die etwas auf sich hielt, ein Anreiz, von den weiteren Werken des Komponisten ließ man jedoch weitgehend die Finger. Sie galten als veraltet, der Einfluß der omnipräsenten Meister Verdi und Wagner mit ihren ausgefeilten Musikdramen verdrängte die Vertreter der reinen Gesangskunst in ein Nischendasein, obwohl Wagner, der schärfste Verächter des Belcanto, sich zumindest über "Norma" uneingeschränkt lobend äußerte. Bellini selbst wurde als "Vorläufer Verdis" abgekanzelt und seine Partituren verstaubten in den Archiven.
Das änderte sich, als nach dem 2. Weltkrieg das Verlangen nach einfach schöner Musik und bewundernswerten Gesangsleistungen sprunghaft anstieg. Hinzu kam, dass die Mailänder Scala, vor allem durch das Auftauchen Maria Callas' und ihrer kongenialen Mitstreiter Gobbi und di Stefano, in den 50er Jahren in ein "Goldenes Zeitalter" eintrat. Endlich war wieder eine Primadonna da, die für die extrem schwierigen Bellini - Partien sowohl die stimmlichen Fähigkeiten, als auch das schauspielerische Talent mitbrachte. So gab es in den frühen 50ern eine wahre "Bellini - Renaissance", vergessene Werke wie "Il pirata", "Beatrice di Tenda" und "I puritani" wurden ebenso gegeben, wie die etwas geläufigere "Sonnambula". Der Diamant in der Belcanto - Krone blieb allerdings die "Norma", fast über ihre gesamte Karriere hinweg die Paraderolle der Callas. 1948 sang sie die Rolle erstmals in Florenz unter dem Dirgat ihres Förderers Tullio Serafin, danach gab es kaum ein Jahr, in dem die Callas nicht irgendwo auf der Welt dieser Partie und natürlich sich selbst Ruhm einbrachte. Selbst als ihre Stimme bereits schwer angeschlagen war, stand sie weiterhin als "Norma" auf der Bühne, was ihr nun an stimmlicher Leistungsfähigkeit fehlte, machte sie mit ihrem schauspielerischen Talent wett, blieb bis zum letzten Auftritt in der Rolle 1965 und bis heute der Inbegriff für die Idealbesetzung der Partie, die "Norma assoluta".
Diese Gesamtaufnahme stammt aus dem Jahr 1954, sozusagen mitten aus dem "Goldenen Zeitalter". Am Ende einer für die Callas triumphalen Scala - Saison holte Tullio Serafin ein Ensemble zusammen, das mit den zu besetzenden Rollen ausreichede Erfahrung besaß und stimmlich auf (fast) durchgehend höchstem Niveau agieren konnte. Wie bei Serafin üblich geht nicht vom Dirigentenpult, sondern von den Sängern der fesselnde Zauber dieser Einspielung aus. Serafin war kein Pultstar, der mit geschlossenen Augen und selbstvergessen im Klangmeer des Orchesters badet, sondern fungierte stets als unterstützender Begleiter, wie ein guter Korrepetitor. Er versucht nicht, durch Exponieren bestimmter Orchesterteile oder Verlangsamen bzw. Beschleunigen der Tempi der Oper seinen unverkennbaren Stempel aufzudrücken, läßt einfach Bellini spielen und verliert sich nicht im Wohlklang (das gibt Bellinis Musik, um ehrlich zu sein, auch nicht her), sondern ist ein stets bescheiden im Hintergrund wirkender Bändiger des ansonsten gerne mal schief spielenden Scala - Orchesters. So etwas muß man auch erstmal können.
Wie kaum eine andere Oper steht und fällt die "Norma" mit der Hauptdarstellerin. Sie ist fast ununterbrochen auf der Bühne, steht immer im Mittelpunkt und muß das Geschehen beinahe im Alleingang an sich reißen. Dabei hat sie eine Gesangspartie zu bewältigen, die mit Koloraturen, Sechzehntelläufen, Skalen und ständig über das Notensystem hinausführenden Spitzentönen gespickt ist. Eine "Norma" muß also schauspielerisch wie stimmlich über eine Gesamtdauer von fast 2 3/4 Stunden ständig wach und präsent sein, kann sich nicht die kleinste Unaufmerksamkeit leisten, ohne dass diese vom Hörer bemerkt würde. Für Maria Callas in der Form von 1954 kam diese Herausforderung gerade recht. Ohnehin schon weltberühmt für ihre "Norma" setzte sie sich mit dieser Aufnahme ein Denkmal. Wie jede ihrer Lieblingsrollen hat sie die gallische Priesterin verinnerlicht und bringt das Kunststück fertig, aus über 50 - jähriger Entfernung ihr Rollenportait dem Hörer allein durch ihren Gesang vor Augen zu führen. Wie ein Vorrezensent so richtig bemerkte, handelt es sich hierbei um kein Video, das ist allerdings auch gar nicht nötig. Wenn man genügend Phantasie besitzt, läuft der Film automatisch im Kopf ab und Maria Callas ist dabei die größte Hilfe. Stimmlich steht sie auf ihrem Höhepunkt, die extremen Schwierigkeiten der Rolle meistert sie mit einer Souveränität, die ihresgleichen sucht. Vom himmlischen "Casta diva" bis zu ihrem erschütternden Schuldgeständnis zieht sie den Hörer in ihren Bann, um ihn nie wieder ganz loszulassen. Eine überzeugendere und gesanglich bessere "Norma" ist für mich (noch) nicht denkbar. Mal sehen, die nächste "assoluta" kommt bestimmt.
Auch für die wichtige Rolle der Adalgisa wurde eine bewährte Kraft geholt. Ebe Stignani hatte schon 1926 in dieser Rolle an der Scala debutiert und galt seitdem als Idealbesetzung für die junge, etwas naive Priesterin. Auf der Bühne mag der deutliche Altersunterschied zwischen ihr und Maria Callas ein wenig irritierend gewirkt haben, auf CD jedoch merkt man der Stignani ihr fortgeschrittenes Alter kaum an. Auch sie kann für ihre Rolle aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen und singt mit einer wunderbar reinen, nicht mehr jugendlichen, aber klaren Mezzosopran - Stimme. Besonders in den Szenen Norma - Adalgisa erlebt man ein Wunder an Sopran - Mezzo - Harmonie. Auch Ebe Stignani ist ein gutes Argument für die Anschaffung dieser Aufnahme.
Etwas anders sieht es mit dem Pollione von Mario Filippeschi aus. Die ziemlich einfach gestrickte Rolle des römischen Prokonsuls mit Vorliebe für gallische Mondpriesterinnen vermag er zwar überzeugend darzustellen, gesanglich geht er meiner Meinung nach allerdings zu sehr gemäß dem Motto "Hauptsache laut" ans Werk. Ein wenig erinnert er an den dauer - fortissimo singenden Mario del Monaco, nur hat er bei weitem keine so audrucksvolle und schöne Stimme. Einen Ausfall kann man ihn nicht wirklich nennen, er hat einige sehr schöne Momente mit Ebe Stigani und v.a. mit der Callas. Singt er alleine, muß man jedoch mit einem ziemlich krachledernen Römer leben.
Ausgezeichnet besetzt dagegen ist die kleine Rolle des Oroveso mit dem Baß - Bariton Nicola Rossi - Lemeni, einem, wie man hören kann, bochbewährten Belcanto - Sänger, der die oft vernachlässigte Rolle des Oberpriesters beträchtlich aufwertet.
Auch der Scala - Chor zeigt sich in dieser Aufnahme als Einheit, was sonst nicht immer der Fall ist, sehr konzentriert und diszipliniert.
Für den Callas - Fan ist diese Aufnahme ohnehin unverzichtbar, für jeden, der diese einamlige Sängerin kennen lernen möchte, der denkbar beste Einstieg.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 24, 2010 7:55 PM MEST


Verdi: La Traviata
Verdi: La Traviata
Preis: EUR 13,60

36 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einmalige Traviata - trotz Klangqualität, 20. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Verdi: La Traviata (Audio CD)
Mit "La Traviata" (Die vom Weg Abgekommene) betrat Giuseppe Verdi sowohl thematisch wie musikalisch Neuland. Bislang hatten seine Opern generell im Mittelalter bzw. Altertum gespielt, es gab hochdramatische Situationen, übermenschliche Gefühle, verabscheungswürdige Fieslinge und mitreissende Chöre zu bewundern. 1853 war Verdis Stellung im Musikgeschäft jedoch bereits so gefestigt, dass er sich eines Themas annehmen konnte, das ihn schon seit längerer Zeit faszinierte. Fünf Jahre zuvor hatte er den Roman "La dame aux camélias" von Alexandre Dumas (Sohn) kennen gelernt. Der hatte mit seinem Buch einer einstigen Geliebten, der mit 25 Jahren der Schwindsucht zum Opfer gefallenen Kurtisane Alphonsine Plessis, ein Denkmal gesetzt. Diese berühmteste aller Halbweltdamen, die auf dem Pariser Prominenten - Friedhof Père Lachaise unter einem monumentalen Grabmal ruht, führt seitdem in Dumas' Werken unter dem Namen Marguérite Gauthier und natürlich in Verdis Oper als Violetta Valéry ein wohl ewiges Leben.
Verdi fühlte sich von dem Stoff tief berührt und an sein eigenes Privatleben erinnert. Er lebte bereits seit geraumer Zeit unverheiratet mit der Sängerin Giuseppina Strepponi zusammen, die noch dazu drei uneheliche Kinder hatte. Im streng katholischen Italien dieser Zeit und erst recht in Verdis kleinstädtischem Wohnort Busseto war das ein veritabler Skandal, Giuseppina wurde von vielen Hütern der bürgerlichen Moral geschnitten.
Dies dürfte Verdi dazu veranlasst haben, Violetta Valéry zu einer seiner liebenswürdigsten und warmherzigsten Bühnenfiguren zu machen. Nur für kurze Zeit, zu Beginn des ersten Aktes und in der Bravourarie "Sempre libera" tritt einem die glamouröse, unnahbare und gefühlskalte Kurtisane entgegen, danach wandelt sich die "Traviata" zur aufrichtig liebenden Frau, die zugunsten ihres Alfredo sogar auf die Liebe ihres Lebens verzichten will und schließlich zu einer überirdisch schönen Melodie in Alfredos Armen ihr Leben aushaucht.
Verdi fand zu diesem ihm neuen Sujet eine für ihn eher untypische Musik. Anstatt zündender Melodien (die gibt es natürlich auch, man denke nur an das berühmte "Brindisi") hört man das ganze Werk hindurch einen flüssigen Konversationsstil, die musikalische Sprache ist feinfühliger, intimer als in den großen heroischen Opern. Das Liebesduett zwischen Violetta und Alfredo, sowie die lange Passage Violetta - Germont sind Musterbeispiele für komplett durchdachte musikalische Handlungsabläufe. Besser hätte auch ein Richard Wagner das nicht gekonnt.
Sofort nach der Uraufführung des "Trovatore" ging Verdi an die Komposition, er benötigte nur 45 Tage, um "La Traviata" komplett in Musik zu setzen. Am 6. März 1853 erklang das Werk erstmals im Teatro Fenice in Venedig und fiel vollständig durch. Hauptgrund für den Mißerfolg dürfte die Besetzung der Violetta mit einer wohlbeleibten Sopranistin gewesen sein, die sich offenbar einer äußerst robusten Gesundheit erfreute und deren Tod durch Auszehrung stürmische Heiterkeit hervorrief. Auch die von der Zensur geforderte Verlegung der Handlung ins vorrevolutionäre Frankreich spielte eine Rolle. Ein Jahr später wurde das Fehlurteil korrigiert, die Neueinstudierung am Teatro San Benedetto in Venedig geriet zum Sensationserfolg, seitdem ist "La Traviata" nicht mehr von der Opernbühne wegzudenken.
Auch der Filmregisseur Luchino Visconti machte mit seiner Inszenierung zum Beginn der Scala - Saison 1955 alles richtig. Statt an den äußeren Merkmalen zu experimentieren, stellte er eine im besten Sinne konservative "Traviata" auf die Bühne nahm sich drei Wochen (eine für damalige Verhältnisse unerhört lange Probenzeit), um die Sänger sich in ihre Rollen einfühlen zu lassen. Das stieß vor allem bei Giuseppe di Stefano auf Unverständnis, die stets lernbereite Maria Callas dagegen warf sich mit voller Kraft in die Probenarbeit mit dem Ergebnis, dass ihr eine vollkommene, für diese Rolle Maßstäbe setzende Darstellung gelang. Ihre Violetta wurde zum Prüfstein und zur fast unerreichbaren Meßlatte für künftige Interpretinnen, am Ende des Abends lag ihr das Publikum zu Füßen.
Gesanglich befand sich die Callas 1955 ohnehin auf dem Höhepunkt, kein scharfer Ton, kein unsauberer Vokal rutscht ihr heraus. Das Liebesduett mit di Stefano, die Koloratur - Arie "Sempre libera", die sie mit einem zwar nicht vorgeschriebenen, aber astreinen hohen D krönt, ihre gesamte Vorstellung im 2. Akt, die Arie "Addio del passato" und die erschütternde Todesszene sind Dokumente unwiederbringlicher Gesangskunst auf allerhöchstem Niveau.
Als würde das nicht schon genügen, verzichtet sie auch auf jeden plakativen Effekt in der Darstellung. Nicht umsonst zählte die "Traviata", neben "Norma", "Tosca", "Lucia" und "Medea" zu ihren Paraderollen. Violetta Valéry ist ihr in Fleisch und Blut übergegangen, nie hat man das Gefühl, einer innerlich unbeteiligten Primadonna zuzuhören, die Callas lebt ihre Rolle mit letzter Konsequenz. Eine derartige Verschmelzung von erstklassiger Sängerin und ausgezeichneter Schauspielerin kommt extrem selten vor und ist ein vielleicht alle hundert bis zweihundert Jahre vorkommender Glücksfall. Gäbe es von der Callas nur diese eine Aufnahme, allein dadurch wäre ihr Status als "Primadonna assoluta" voll gerechtfertigt.
Genug der Lobeshymnen auf die Callas, es gibt noch weitere Gründe, warum sich die Anschaffung dieser Einspielung lohnt. Da wäre zunächst Giuseppe di Stefano als Alfredo zu nennen. Der hielt nicht sonderlich viel von psychologischer Rollenforschung, sah nicht ein, warum von einem Sänger mehr als Gesang zu verlangen sei und tat diese Einstellung durch hartnäckiges Fernbleiben von den Proben kund. Zu seiner Verteidigung ist zu sagen, dass der Alfredo ohnehin ein etwas flacher Charakter, die Oper voll und ganz auf die Hauptdarstellerin zugeschnitten ist. Di Stefano bekommt hier aber für die für seine Stimme optimale Partie geboten. Alfredo ist ideal für seinen wundervollen Belcanto - Tenor, er muß nicht andauernd mit hohen Tönen glänzen, was nicht seine Stärke war, sondern kann eine stringente Melodielinie in mittlerer Lage singen. Seine schönsten Momente hat er im Liebes - Duett mit der Callas und in seiner (leider gekürzten) Arie "De' miei bollenti spiriti" , wogegen sein Haßausbruch im 3. Akt etwas übertrieben wirkt. Ein großer Darsteller war er nun mal nicht.
Ein dritter großer Pluspunkt dieser Aufnahme ist der Vater Germont von Ettore Bastianini. Auch der war nicht unbedingt ein Hochbegabter, was glaubhafte Darstellung betrifft, dafür hatte er die mit Abstand schönste Baritonstimme seiner Zeit vorzuweisen. Der großartige 2. Akt geht zu einem Gutteil auf sein Konto, er krönt seine Leistung mit einem "Di Provenza il mar, il sol", das ich noch von keinem anderen Germont besser gehört habe und reißt damit das ohnehin dauerbegeisterte Publikum zu einem weiteren Ovationssturm hin.
Somit wäre dies die Referenz - "Traviata", gäbe es da nicht auch einige Schattenseiten. Zunächst einmal bekommt der sonst ohne Fehl agierende Dirigent Carlo Maria Giulini die Chaostruppe, die sich "Orchestra del Teattro alla Scala" nennt, erst im Laufe des 1. Aktes unter Kontrolle, das wundervolle Vorspiel gerät zeitweise schmerzhaft schief. Auch der Chor ist alles andere als sicher, die erste Szene droht auseinander zu fallen, bis beim "Brindisi" endlich alle ihre Linie gefunden haben. Ab diesem Zeitpunkt wird es ein garantiert unvergesslicher Opernabend.
Außerdem wurden für die Aufzeichnung der Vorstellung Aufnahmegeräte verwendet, die wohl schon seit Carusos und Giglis Zeiten in Gebrauch waren, die Tonqualität ist dumpf und zum Teil sehr rumpelig. EMI - Produzent Walter Legge kochte verständlicherweise noch Jahre später vor Wut über die Schlamperei, immerhin war man in den frühen 50ern in Salzburg und Bayreuth aufnahmetechnisch schon einige Schritte weiter. Vieles wurde getan, um diese einzigartige "Traviata" klanglich zu verbessern, so bekommt man mit dieser Ausgabe die bestmöglich restaurierte Tonfassung, die man von einem Masterband in Bootleg - Qualität erwarten kann. Noch immer muß man sich über die beiden ersten Nummern (Vorspiel und Eingangschor) retten und den Impuls unterdrücken, die CD aus der Anlage zu reißen und aus dem Fenster zu werfen. Was danach kommt, wird es so wohl nie wieder geben.
Fans technisch hochklassiger Aufnahmen werden hiermit wenig Freude haben, für den Freund höchster Gesangskunst und natürlich für den "Callasianer" ist diese Einspielung absolut unverzichtbar.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 1, 2014 10:32 PM CET


Le Nozze di Figaro (Ga)
Le Nozze di Figaro (Ga)
Preis: EUR 13,97

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Le nozze di Figaro - Allzweckwaffe gegen Langeweile, 20. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Ga) (Audio CD)
Am 17 April 1784 erfolgte nach langem Hin und Her die Uraufführung des Theaterstückes "La folle journée ou Le mariage de Figaro" in der Comédie Francaise, einer satirischen Komödie des Uhrmachers, Dramatikers, Geschäftsmannes und Berufswitwers Pierre Augustin Caron, geadelter de Beaumarchais. Wer etwas mehr über diese faszinierende Persönlichkeit erfahren will, der lese Bergners "Der unbekannte Beaumarchais" oder Lion Feuchtwangers realistischen Roman "Die Füchse im Weinberg". Beaumarchais' Komödie über den Kammerdiener und einstigen Barbier von Sevilla, der sich aus Liebe zu einer Kammerzofe nicht nur gegen seinen Herrn erhebt, sondern ihn auch noch besiegt, kam im absolutistisch regierten Frankreich mit seiner allmächtigen Monarchie der offenen Rebellion gleich. Das Stück wurde sofort verboten, erst drei Jahre nach seiner Entstehung und auf viele Einflüsterungen hörend gab Louis XVI. es zur Aufführung frei und ganz Paris wollte es sehen. Sogar die Versailler Hofgesellschaft spielte es im "Petit Trianon" mit der Königin Marie Antoinette als Gräfin Almaviva. Sie ahnten noch immer nicht, wie kurz der Vulkan vor dem Ausbruch stand.
Kaiser Josef II., der sich als aufgeklärter Monarch sah, erlaubte seinem Hofpoeten Lorenzo da Ponte die Umformung dieses "unmöglichen" Stückes in ein Opernlibretto nur unter der Bedingung der Elinimierung aller anstößigen und sozialkritischen Stellen. Da Ponte entschärfte gehorsam seine Umdichtung, der rebellische Grundtenor des Werkes, die Revolte der Untertanen gegen die Herrschenden, ließ sich jedoch nicht herausstreichen. So entstand, gestützt auf Beaumarchais' Vorlage, eine vollendete musikalische Komödie mit unzähligen Intrigen, Mißverständnissen, Verwechslungen und Enthüllungen, das wohl gelungenste Textbuch, das Mozart je vertont hat.
Der konnte sich hier voll entfalten und schuf eine Musik, die vor genialen Einfällen nur so glitzert. Jede einzelne Partiturnummer ist ein Volltreffer und ein Ohrwurm, den man nach einmaligen Hören sofort wiedererkennt. Mozart trifft bei der Charakterisierung der Figuren und der Beschreibung der Situationen stets den richtigen Ton und landet auch im turbulentesten Ensemble sicher auf einem lyrischen Ruhepunkt.
Am 1. Mai 1787 wurde "Le nozze di Figaro" zum ersten Mal im Wiener Hofburg - Theater gegeben. Über die Reaktion des Publikums gibt es, vom Begeisterungssturm bis zum totalen Duchfall, die verschiedensten Berichte. Sicher ist, dass die Oper auffallend schnell wieder vom Spielplan verschwand und erst nach der Premiere in Prag ein wahrer Publikumsrenner wurde, dessen Popularität bis heute nicht gelitten hat.
Natürlich hat derjenige, der eine Gesamteinspielung sucht, hier wieder die Qual der Wahl. Man könnte ganze Regale mit Figaro - Aufnahmen füllen, jedes Klassiklabel bietet mindestens zwei davon an. Levines Einpielung aus dem Jahr 1991 ist, trotz des sehr hohen Preises, für jeden, der eine moderne und doch im besten Sinn klassische Einspielung haben möchte, die richtige Wahl. Levine gibt, wie immer, ein gemäßigtes Grundtempo vor, leitet auf dieser Basis das Metropolitan Opera Orchestra flüssig und schwungvoll, ohne die lyrischen Momente zu vernachlässigen. Die Tonqualität ist natürlich erstklassig, wirkt auch nicht, wie bei vielen digitalen Aufnahme, von Grund auf steril. Kleiner Tipp am Rande: Wem, wie mir, das Cembalo irgendwann einmal auf die Nerven geht, wird dankbar wahrnehmen, dass die Rezitative hier mit Hammerklavier, Cello und Kontrabaß begleitet werden. Auch das durchgehend hochklassige Sängerensemble spricht für sich:
Ausgezeichnet ist die Besetzung des Figaro mit Ferruccio Furlanetto. Diese Rolle wurde ursprünglich für einen "Basso cantante" konzipiert, also eine jugendlich klingende, schlanke Baßstimme. Im Laufe der Jahrhunderte eigenten sich immer mehr Baritone den Figaro an, Furlanetto ist die beste Werbung für die originale Version. Vor allem in den Ensembles mit Susanna und der Gräfin harmoniert die tiefste Männerstimme einfach besser mit den beiden Sopränen zusammen, auf der anderen Seite wird der Kontrast mit dem Bariton des Grafen Almaviva so deutlicher. Darstellerisch fehlt Furlanettos Figaro ein wenig die erotische Anziehungskraft, er ist eher ein gutmütiger, schelmischer und listiger Kammerdiener, dem man die Freude gönnt, seinem arroganten Herrn, dem er selbst ja einst beim "Frauenfang" behilflich war, einmal kräftig eins auszuwischen. Mit dem "Leporello" unter Karajan ist dieser "Figaro" für mich Furlanettos beste Aufnahme.
Auch seine Partnerin Dawn Upshaw als Susanna überzeugt fast völlig. Sie ist eine entwaffnend übermütige Susanna mit jugendlich heller Stimme, in ihrer Darstellung absolut glaubhaft. Allerdings fehlt auch ihr ein wenig die Lust auf Liebe, der Funke zwischen ihrer Susanna und Figaro will manchmal nicht so recht überspringen. Auch an den verführerischen Stellen ist sie eher mit sauberer Stimmführung beschäftigt, ihre besten Momente hat sie als quirlige, spöttische Kammerzofe der Gräfin, wobei ihr die berühmte "Rosenarie" wunderschön gerät.
Voller Liebesschmerz und Noblesse ist die Gräfin Almaviva von Kiri Te Kanawa. Dabei scheint, was bei vielen anderen Darstellerinnen nicht der Fall ist, in den Szenen, wo die Intrigen gegen ihren untreuen Göttergatten gesponnen werden, noch die raffinierte Bürgerstocher Rosina durch. Ihre Neigung, Partien zu verhauchen, hat sie hier sehr gut im Griff, sie klingt kraftvoll und frisch, nie angestrengt. Vor allem ihre Arie "Dove sono i bei momenti" singt sie äußerst ausdrucksvoll.
Ein wahrer Bilderbuch - Graf ist Thomas Hampson. Bis auf zwei etwas unsaubere Ansätze in seiner Arie singt er durchweg ausgezeichnet, beherrscht sowohl das liebestolle Säuseln, wie das herrische, fast grausame Auftreten gegenüber seiner Gattin. Dabei wirkt er aber nie brutal oder verfällt ins Chargieren. Sein Graf ist ein sehr charmantes Ekel, ein Opfer seiner Triebe und damit eng dem Don Giovanni verwandt.
Auch für den Cherubino der Anne Sofie von Otter ist kein Lobeswort zu hoch. Sie singt dieses Denkmal für alle Pubertierenden mit jugendlicher Energie, die "Geschlechtsumwandlung" gelingt ihr fabelhaft. Ihr glaubt man die so furchtbaren Adoleszenzqualen des dauerverliebten Pagen, die beiden Kavatinen habe ich noch von keiner Darstellerin dringlicher und zugleich besser gesungen gehört.
Mit der Marcellina von Tatinana Troyanos habe ich so meine Schwierigkeiten. Ihr Timbre ist sehr breit, worunter die Texverständlichkeit leidet, in der selten gesungenen Arie im 4. Akt wirkt sie ziemlich unsicher. Dafür spielt sie keine alberne Matrone, sondern eine mühsam um Würde kämpfende Dame. Die Wandlung von der heiratswütigen Alten zur liebenden Mutter innerhalb weniger Sekunden gelingt ihr sehr glaubwürdig.
Sehr gut besetzt sind auch die weiteren Rollen, etwa Anthony Laciura als Intrigant Basilio, der endlich auch einmal seine Arie singen darf, sowie Heidi Grant als süße, schelmische Barbarina; auch den altgedienten Renato Capecchi als Antonio hört man gerne mal wieder. Ein wenig zu polternd agiert Paul Plishka als Don Bartolo.
Wer also eine ausgezeichnet besetzte und ausgeführte Aufnahme in bester Klangqualität sucht, der ist mir dieser Einspielung zur vollsten Zufriedenheit bedient.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12