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Rezensionen verfasst von
Martin Resch "makarresh" (Hamburg)
(REAL NAME)   

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The Bootleg Series Vol.5: Live 1975 -- The Rolling Thunder Revue
The Bootleg Series Vol.5: Live 1975 -- The Rolling Thunder Revue

21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die "Rolling Thunder Revue" - Dylan als Zirkusdirektor, 21. Mai 2007
Die vielbejubelte und medial ausgeschlachtete Comeback - Tournee mit The Band von 1974 hatte bei Bob Dylan einen recht zwiespältigen Eindruck hinterlassen.Der Meister war mit seinen Auftritten sehr unzufrieden, fühlte sich von seinen klassischen Songs eher behindert als gefördert und steckte obendrein in einem kreativen und privaten Tief. Dylan zog sich vorerst mal wieder zurück, widmete sich der Malerei und suchte nach neuen Ausdrucksformen. Ein erstes Ergebnis war das fabelhafte Album "Blood On The Tracks", mit dem Dylan u.a. die Trennung von seiner Ehefrau Sara verarbeitete. Er verließ sein Haus in Malibu und kehrte an den Ursprungsort seiner Karriere zurück, das Greenwich Village in New York. Dort entstanden in Zusammenarbeit mit dem Off - Broadway - Komponisten Jacques Levy eine Reihe für Dylan völlig neuartiger, kurzgeschichtenartiger Songs, die er mit einem bunt zusammengewürfelten Haufen Musiker (die magische Geigerin Scarlett Riviera wurde buchstäblich von der Stasse aufgesammelt) unter chaotischen Umständen aufnahm (Background - Star Emmylou Harris war von dieser Arbeitsweise gar nicht angetan) und die heute unter dem Namen "Desire" als eines der besten Dylan - Alben bekannt sind. Doch damit nicht genug.

Mit einer Reihe von Freunden und Bekannten aus den alten Village - Tagen (u. a. Allen Ginsberg, Joan Baez, Roger McGuinn oder Mick Ronson) ging His Bobness auf eine Tour durch die USA und Kanada, die damals völlig neuartig war und bis heute eine der berühmtesten Tourneen Dylans ist. Die "Rolling Thunder Revue" bestand aus einer Mischung aus Folk - Abend, Dichterlesungen, Theater und Rock - Show mit Dylans Auftritt als Höhepunkt. Die Gruppe spielte oft unangekündigt in kleinen Hallen, Schulaulen oder Eishockey - Stadien. Trotzdem waren die Auftritte oft innerhalb kurzer Zeit ausverkauft und wegen des großen Erfolgs wurde eine zweite "Rolling Thunder Revue" gestartet, die auf dem leider sehr kurzen Album "Hard Rain" dokumentiert wird. Von der ersten Tournee zeugten lange Zeit nur Bootlegs und der Konzertfilm "Renaldo and Clara". Mit dieser Doppel - CD aus der immer wieder hervorragenden "Bootleg - Series" wird diese Lücke endlich gefüllt.

Hier erlebt man Bob Dylan auf dem Höhepunkt seiner Bühnenpräsenz, musikalisch und stimmlich war er nie präsenter und inspirierter. Auch seine alten Songs hat er wieder bestens im Griff, der eine oder andere erscheint in völlig neuem Gewand, so die zur Rocknummer umfunktionierte Ballade "Tonight I'll Be Staying Here With You", das den Opener bildet, "A Hard Rain's A - Gonna Fall", das auf doppeltes Tempo beschleunigt wird, oder "The Lonesome Death Of Hattie Carrol", das ebenfalls im Rock - Format erscheint. Auch wenn Dylan sich alleine mit der Gitarre vor das Mikro stellt, wirkt er inspiriert und souverän wie selten zuvor, man höre nur die hervorragende Version von "Tangled Up In Blue", "Mr. Tambourine Man" oder die Duette mit Joan Baez. Besonders hell strahlt das Material vom damals noch unveröffentlichten "Desire" - Album, das in hervorragenden Live - Versionen fast komplett hier vertreten ist, stets veredelt durch Dylans energischen Geang, der hier seinesgleichen sucht und das Spiel Scarlett Rivieras. Den Abschluß bildet mit "Knockin' On Heaven's Door" einer von Dylans berühmtesten Songs, der hier ebenfalls durch die ungewöhnliche Bandbesetzung in neue Dimensionen vorstößt.

Nicht zu Unrecht ist die "Rolling Thunder Revue" bis heute eine der meistgeliebten Performances Bob Dylans, dieses ausgezeichnete Live - Album sollte in keiner Sammlung fehlen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 28, 2010 9:53 PM MEST


Der Pate 1-3 Box-Set [5 DVDs]
Der Pate 1-3 Box-Set [5 DVDs]
DVD ~ Al Pacino
Wird angeboten von maximus2014
Preis: EUR 36,85

22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Corleone - Trilogie: Dreimal großes Kino, 12. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Pate 1-3 Box-Set [5 DVDs] (DVD)
1969 erschien der Roman "Der Pate" des italo - amerikanischen Autors Mario Puzo. Das Buch schilderte den Lebensweg des fiktiven Mafia - Clanchefs Vito Corleone (eigentlich Andolini), der als Kind, ironischerweise von der Mafia verfolgt, nach Amerika fliehen muß und dort zum Oberhaupt der Mächtigsten der "fünf Familien" in der New Yorker Unterwelt aufsteigt. Der realistische Stil des Romans und die tiefen Einblicke in den inneren Zirkel einer Unterweltorganisation ließen das Buch zu einem internationalen Bestseller werden, von dem bis heute rund 20 Millionen Exemplare verkauft wurden.
Natürlich ließ die Verfilmung nicht lang auf sich warten, die allerdings von einigen Schwierigkeiten begleitet wurde. Die Besetzung der Hauptrolle mit Marlon Brando wurde vom Studio erst nach einer Fertigstellungsgarantie akzeptiert, da das als rebellisch geltende Schauspiel - Genie in den vergangenen Jahren für einige Erschütterungen in der Filmwelt gesorgt hatte. Brando gab sich jedoch, entgegen seinem Image, völlig problemlos und dizipliniert. Ferner gab es Diskussionen um die Besetzung des Michael Corleone mit dem noch recht unerfahrenen Al Pacino (er sollte nach den ersten Aufnahmen sogar gefeuert werden) und Frank Sinatra fühlte sich durch die Figur des vom Paten begünstigten Schnulzensängers Johnny Fontane verunglimpft. Auch die Italian - American Civil Rights League, eine Organisation, die sich um das Image der italienischstämmigen Amerikaner kümmerte und deren Präsident Joseph Colombo ironischerweise selbst ein mächtiger Mafioso war, legte Protest ein, da sie durch den Film das Bild der Italo - Amerikaner in der Öffentlichkeit gefährdet sah. Dies ist der Grund, warum in allen drei Filmen so gut wie nie das Wort Mafia erwähnt wird. Die Italo - Amerikaner sollten nicht samt und sonders als Mafiosi gesehen werden.
Trotz dieser Querelen entstand mit "Der Pate" nicht nur einer der besten Gangsterfilme, sondern auch ein Werk, das von vielen als der beste Film aller Zeiten gesehen wird. Coppola zeichnet mit seinem Mafia - Epos ein genaues Bild der amerikanischen Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg, das vom Regisseur zusammen mit dem Autor verfasste Drehbuch verbindet meisterhaft die einzelnen Handlungsstränge und die Besetzung für jede einzelne Rolle darf als geradezu ideal angesehen werden.
Primus inter pares in diesem hervorragenden Ensemble ist Marlon Brando, der mit Vito Corleone einen weiteren Beweis seiner überragenden schauspielerischen Fähigkeiten liefert. Der Pate beherrscht nahezu übermächtig den ganzen Film, scheint alles zu wissen und die weiteren Figuren (mit Ausnahme des rebellischen Michael) mehr oder weniger unbewußt nach seinem Willen zu leiten. Don Corleone wird meistens nur im Halbdunkel gezeigt, was ihm etwas Mysteriöses verleiht, spricht mit leiser, heiserer (und, wenn man Brando kennt, sehr vernuschelter) Stimme und läßt widerstrebende "Kunden" äußerst subtil seine Macht spüren (man denke nur an die berühmte Szene, in der der Filmproduzent Jack Woltz mit dem abgetrennten Kopf seines Lieblingspferdes im Bett aufwacht), ohne sich selbst in Verdacht zu setzen. Keine andere Filmfigur wurde so oft parodiert wie Vito Corleone (einmal sogar von Brando selbst), was für die nachhaltige Wirkung der Rolle spricht. Der Pate ist unbestreitbar eine der einflußreichsten Figuren der Filmgeschichte geworden.
Auch in den weiteren Rollen finden sich meisterhafte Darstellungen (Al Pacino als Michael Corleone, die Rolle, die ihm zum Durchbruch verhalf; Robert Duvall als Tom Hagen, James Caan als der aufbrausende Santino (Sonny) oder John Cazale als schwächlicher Fredo) und Musterbeispiele für ideale Typbesetzung (Richard Castellano als Clemenza, Al Lettieri als Sollozzo, Lenny Montana als Luca Brasi oder Morgana King als "Mama Corleone"). Der Film selbst verbindet virtuos Motive des klassischen Gangsterfilms aus der "schwarzen Serie", Szenen von vorher seltem gesehenem Realismus (Sonnys brutaler Tod an der Mautstelle) mit einer ausgefeilten Handlung, die ein Werk von den Ausmaßen eines shakespearschen Königsdramas entstehen läßt. Selbst wenn man den "Paten" schon auswendig mitsprechen kann, sieht man den Film immer wieder gern und entdeckt neue Nuancen. "Der Pate" wurde zu recht mir drei Oscars (Film, Hauptdarsteller, Brando verweigerte die Auszeichnung, und adaptiertes Drehbuch) ausgezeichnet und hätte noch einige weitere verdient gehabt.
Nach dem großen Erfolg entstand zwei Jahre später "Der Pate - Teil 2", in dem sowohl die weitere Entwicklung des Corleone - Clans unter der Führung Michaels (wieder, ungleich beeindruckender als im 1. Teil, Al Pacino), als auch der Werdegang Vito Corleones (kaum schwächer als Brando: Robert de Niro) zum "Godfather" ab dem Zeitpunkt der Flucht aus Sizilien geschildert wird. "Der Pate - Teil 2" gilt nicht zu unrecht als das beste Sequel der Filmgeschichte, virtuos wird die Handlung des 1. Teils weitergesponnen, die Rollen sind wieder ausgezeichnet besetzt (John Cazale liefert als verräterischer Fredo eine ausgezeichnete Leistung, der große Schauspiellehrer Lee Strasberg brilliert als Hyman Roth und Michael V. Gazzo hinterläßt als Frankie Pentangeli bleibenden Eindruck) und der Film bringt das Kunststück fertig, zwei gleichberechtigte Handlungen (Michael - bzw. Vito - Erzählstrang) meisterhaft miteinander zu verbinden. Die Tragödie Michael Corleones, der zwischen der Machterhaltung seines Clans und dem Kampf gegen das Auseinanderbrechen seiner Familie hin - und hergerissen ist, hat ein weiteres Mal die Qualität einer Shakespeare - Tragödie, in den Vito - Szenen wird sowohl die Atmosphäre New Yorks des frühen 20. Jahrhunderts ausgezeichnet eingefangen, als auch eine ausgefeilte Geschichte um Mord und Rache erzählt (nach Jahren kehrt der zum Paten aufgestiegene Vito Corleone nach Sizilien zurück und tötet die Mörder seiner Familie). "Der Pate - Teil 2" war der erste Fortsetzungsfilm, der einen Oscar für den besten Film erhielt, und das völlig zu Recht, ferner gab es noch Auszeichnungen für de Niro (bester Nebendarsteller), Coppola (Regie und, zusammen mit Mario Puzo, bestes Drehbuch) und Carmine Coppola (Musik). Auch der zweite Teil der Corleone - Trilogie ist ein Film, den man immer wieder sehen will.
Nach dem Erfolg der Fortsetzung verspach Coppola, niemals einen dritten Teil zu drehen, finanzielle Probleme veranlaßten ihn jedoch 16 Jahre später zu einer Meinungsänderung. "Der Pate - Teil 3" wurde von der Kritik übel verrissen, größtenteils wurde die konstruiert wirkende Handlung und die schauspielerischen Leistungen bemängelt. In der Tat kann der dritte Teil nicht mit den beiden anderen Filmen konkurrieren. Die Story um die verzweifelten Bemühungen Michael Corleones, dem Mafia -Mileu zu entkommen, um schließlich in einem Sumpf aus politischer Korruption und vatikanischen Intrigen zu landen wirkt in der Tat etwas willkürlich zusammengeschustert. Die populäre Legende um die angebliche Ermordung des Papstes Johannes Paul I., die Verstrickung der italienischen Politik (Giulio Andreotti stand sehr deutlich Pate für die Figur des zwielichtigen Politikers Lucchesi) und der Vatikanbank (der dubiose Bischof Paul Marcinkus wird ebenfalls portraitiert) in dieses angebliche Attentat wird zu einem wenig glaubwürdigen Plot vermengt. Wie aus dem Nichts taucht ferner ein unehelicher Sohn Santino Corleones auf, um die Macht über den Corleone - Clan zu übernehmen. Auch bei der Besetzung traf Coppola nicht immer ins Schwarze. George Hamilton wirkt als Ersatz für den "verstorbenen" Tom Hagen (Robert Duvall stand für einen weiteren Auftritt in der Rolle nicht zur Verfügung) etwas blaß, auch die Besetzung der Mary Corleone mit Coppola - Tochter Sofia (die sich mittlerweile als begnadete Regisseurin erwiesen hat) war kein Glücksgriff, brachte sogar die berüchtigte "Goldene Himbeere" ein. Trotzdem ist "Der Pate - Teil 3" kein schlechter Film, die Handlung ist, wenn auch etwas unglaubwürdig, sehr spannend, Pacino liefert ein weiteres Mal eine ausgezeichnete Vorstellung, Andy Garcia macht als Vincent Mancini "Corleone" eine sehr gute Figur und die Besetzung des alten Don Altobello mit Eli Wallach war ein weiterer Glücksgriff. Der dritte Teil ist bei weitem nicht so schlecht wie sein Ruf, auch diesen Film kann man sich oft ansehen, ohne enttäuscht zu werden.
Diese Box versammelt alle drei Teile, Bild - und Tonqualität sind ausgezeichnet, was vor allem bei den beiden älteren Filmen auffällt. Teil 2 wird wegen der Überlänge auf zwei DVDs verteilt, was aber nicht sonderlich ins Gewicht fällt.
Ein besonderer Leckerbissen für Fans der "Pate" - Reihe ist allerdings eine fünfte DVD, auf der es neben einem Stammbaum der Corleone - Familie diverse Dokumentationen über die Entstehung der Trilogie, über eine Stunde nicht verwendetes Szenenmaterial und diverse Fotogalerien zu sehen gibt. Das Preis - Leistungsverhältnis stimmt hier absolut.
Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 1, 2011 1:09 PM CET


American Recordings
American Recordings
Wird angeboten von GMFT
Preis: EUR 13,96

39 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Rückkehr des Man in Black, 4. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: American Recordings (Audio CD)
Die 80er Jahre hatten Johnny Cash genauso übel zugesetzt wie vielen anderen Idolen der Rockgeschichte. Nicht nur Nashville wollte von dem unbequemen Rebellen, der sich weigerte, seine Musik dem Zeitgeist entsprechend glätten zu lassen, nichts mehr wissen, auch in der Popwelt, die damals auf Synthie - Sounds und hochgegelte Haare eingestellt war, wirkte der Man In Black fehl am Platz. Einziger Lichtblick dieser Zeit, die auch von neuerlicher Tablettensucht und Therapie, sowie von einer schweren Operation geprägt war, war die Gründung der "Highwaymen", mit denen Cash noch einmal die Spitze der Country - Charts erreichen konnte, dann wurde es still um ihn und niemand erwartete noch große Taten von dem einst so hochgeschätzten Musiker.
Man hatte nicht mit Cashs Kampfgeist und dem Produzenden Rick Rubin gerechnet, der ansonsten in der Heavy Metal - und Hip Hop - Szene zuhause war. Rubin bot der Country - Legende, die zuletzt nicht mal mehr einen Plattenvertrag hatte, einen neuen Vertrag an, setzte ihn in Cashs berühmtem Blockhaus mit Gitarre vor ein Mikro und ließ ihn singen, was ihm gerade einfiel (mit dieser Methode befreite sich gerade auch Cash - Intimus Bob Dylan aus seiner Formkrise). Das Ergebnis ist eines der stärksten und erschütterndsten Alben der Rockgeschichte. Allein schon das Coverbild ist ein Geniestreich. Der Man in Black steht, flankiert von zwei Hunden und bewaffnet mit einem Gitarrenkoffer, vor dramatischer Wolkenkulisse in einer wüsten Landschaft und blickt drohend in die Kamera. Darüber steht kein Titel, keine großen Ankündigungen, nur ein schlichtes "CASH", mehr ist auch nicht nötig, was sich auf dem Album befindet, spricht für sich.
Bei vielen anderen Künstlern hätte das bunte Sammelsurium der Songs ein heilloses Durcheinander ergeben, nicht so bei Johnny Cash, der verwandelte zielsicher jeden Song in eine Eigenkomposition und veredelte ihn mit seinem originären, eigentlich simpel erscheinenden, aber schwer zu imitiereden Stil.
Am Anfang steht "Delia's Gone", eine klassische "Murder Ballad", für die Cash einen neuen Text schrieb und deren Video (wohl auch wegen der Mitwirkung von Kate Moss) den alten Mann beim MTV - Publikum schlagartig berühmt machte.
So geht es weiter mit Eigenkompositionen mit sprechenden Titeln wie "Let The Train Blow The Whistle" (das Leben "on the road"), "Like A Soldier" (das Überleben trotz härstester Schläge)oder "Redemption" (der unerschütterliche Glaube). Auch die Coverversionen sind hervorragend ausgewählt. Nick Lowes "Beast In Me" ist eine erschütternde Selbstanklage, Kris Kristoffersons "Why Me Lord", Tom Waits' "Down There By The Train" oder Leonard Cohens "Bird On A Wire" wirken wie für Cash geschrieben. Auch die Traditionals "Tennessee Stud" und "Oh Bury Me Not" und die etwas überraschenden Covers von Glenn Danzigs "Thirteen" oder "The Man Who Couldn't Cry" von Loudon Wainwright III fügen sich nahtlos ins Cash - Universum, so daß das Album wie aus einem soliden Block gehauen erscheint.
Die Wirkung dieses Albums liegt vor allem in seiner Authenzität. Nichts wirkt aufgesetzt, nichts gekünstelt, Cash meint alles, was er singt, scheint alles selbst erlebt zu haben (hat er zu einem guten Teil auch).
"American Recordings" verhalf Johnny Cash zu einem von kaum jemandem erwarteten Comeback und bescherte der Rockwelt noch (bislang) vier hervorragende Folgealben und das grandiose Box - Set "Unearthed". Jede dieser Platten ist es wert, unzählige Male gehört zu werden, doch die Intensität der "American Recordings" übt einen ganz besonderen Reiz aus.
Als Extra gibt es noch ein sechsseitiges Heftchen mit "Album Thoughts", in dem sich Cash mit kerniger Handschrift an sein Leben und seine Gitarren erinnert.
Ein Muß für jeden Cash - Fan und für den, der es noch werden will.


The Bootleg Series Vol. 6: Live 1964 - Concert At Philharmonic Hall
The Bootleg Series Vol. 6: Live 1964 - Concert At Philharmonic Hall
Preis: EUR 23,97

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Rebell und seine Gemeinde, 28. April 2007
Kaum ein anderer Musiker wurde zu seinen frühen Zeiten so geradezu abgöttisch verehrt wie der junge Bob Dylan. Für tausende junge, von der Starrheit und Unfreiheit der amerikanischen Gesellschaft der 50er und frühen 60er Jahre abgestoßene Menschen war der junge Dichtergott mit Gitarre und Harmonika, der schneidend nasalen Gesangsstimme und der rebellischen Attitüde ein Idol, dem seine Gemeinde durch das ganze Land hinterherreiste und bei jedem Konzert gefesselt an seinen Lippen hing. Bei diesem Auftritt, aufgezeichnet am Halloween - Abend 1964 in der New Yorker Philharmonic Hall, der über lange Zeit nur für teueres Geld als Bootleg zu haben war, erlebt man noch einmal die hypnotische Wirkung, die der 23 - jährige Dylan auf seine Fans hatte, kaum ein Jahr später änderte sich das Verhältnis für viele nachhaltig, als der Meister plötzlich mit elekrischer Gitarre und Band auftrat und damit einen großen Teil seiner treuen Anhängerschaft verschreckte, nicht das letzte Mal, wie man sehen kann, wenn man Dylans lange Karriere Revue passieren läßt.

Doch an diesem Abend herrschte noch absolute Einigkeit zwischen Künstler und Publikum. Frenetisch wird das Idol begrüßt und er weiß, was er seinen Fans schuldig ist, gibt sofort eine brillante Version seiner Protesthymne "The Times They Are A - Changin'" zum besten, worauf er gleich das wunderschöne "Spanish Harlem Incident" folgen läßt. Den nächsten Song, "Talkin' John Birch Paranoid Blues", kennt man von seinen Alben unter dem Titel "I Shall Be Free", nur ist der Text hier völlig anders, Dylan macht sich über die hysterische Angst der amerikanischen Gesellschaft vor dem Kommunismus lustig und gibt den verbohrten Kleinbürger, der in Rosenbüschen nach der roten Gefahr sucht. Das Publikum lauscht andächtig, beklatscht jeden Song begeistert, kennt sogar das niemals auf Platte erschienene "Who Killed Davey Moore?" auswendig und Dylan, heutzutage völlig untypisch, streut immer wieder Scherze ein ("It's Halloween, i got my Bob Dylan - Mask on.") und "vergißt" ab und an seinen Text, um sich von den Zuschauern aushelfen zu lassen. Die begeisterte Zuhörerschaft wird für ihre rege Beteiligung mit einer weiteren Reihe großartiger Songs belohnt, "Gates of Eden", "It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)" das Dylan als "a very funny song" ankündigt und in echte Textschwierigkeiten gerät (der Song war noch nicht mal aufgenommen) und das ebenfalls noch sehr neue "Mr. Tambourine Man". Den ersten Teil beschließt er mit einer hervorragenden Version von "A Hard Rain's A - Gonna Fall", um im zweiten Teil mit "Talkin' World War III Blues" nahtlos an den politischen Protest anzuknüpfen. "Don't Think Twice, It's All Right" singt er geradezu frenetisch, gerät gewollt nahe an die Grenze zur Selbstparodie um anschließend die ebenfalls hochverhehrte Joan Baez auf die Bühne zu holen und mit ihr ein zwar harmonisch nicht ganz einwandfreies, dafür aber hochklassiges Set zu spielen: "Mama, You Been On my Mind", "Silver Dagger" (das, hier muß ich Frau Baez widersprechen, nicht von Dylan stammt) und wunderbare Versionen von "With God On Our Side" und "It Ain't Me, Babe". Als Zugabe und um noch einmal die begeisterte Zuhörerschaft zu belohnen, gibt es noch "All I Really Want To Do", seinen größten Hit zu dieser Zeit, man trennt sich in absoluter Einigkeit, die Zeiten sollten sich schon sehr bald ändern.

Was bei diesem Konzert vor allem auffällt, ist Dylans hohe Konzentration, der präzise Gesang, seine Hingabe an die Musik und seine Interaktion mit dem Publikum, das ihm bei den inszenierten kleinen "Unfällen" immer begeistert beklatscht und "aus der Patsche hilft".

Dylan mag in seiner Karriere noch weit brillanter geworden sein, seine Texte und seine Musik haben sich noch gewaltig weiterentwickelt, aber so sympathisch wie an diesem Abend wirkte er nie wieder. Das ist das große Plus an diesem Konzert, hier erlebt man noch nicht den unnahbaren Dichtergott, sondern einen noch sehr jungen, zeitweise recht schüchtern wirkenden, hochtalentierten Musiker.

Ein weiterer Pluspunkt ist die schöne Aufmachung der Doppel - CD und das informative, dem Zeitgeist entsprechend geschriebene Booklet mit vielen Photos.

Ein absolut lohnender Kauf.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 31, 2011 7:15 PM MEST


Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme)
Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 86,99

72 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Soltis Ring - Eine Aufnahme, die Maßstäbe setzte, 27. März 2007
Wie so oft im Leben Richard Wagners nahm hier eine im Grunde recht einfache Idee riesenhafte Dimensionen an. Kurz nach der Komposition des "Lohengrin" hatte er die Idee zu einer heroisch - idealistischen Oper über den größten Helden der deutschen Sagenwelt. Das Werk trug den Arbeitstitel "Siegfrieds Tod", war eine stark vereinfachte Version der jetzigen "Götterdämmerung" und sollte den Helden als Wagners Idealbild des von gesellschaftlichen Zwängen freien, unabhängigen Menschen zeigen. Nach der Flucht ins Schweizer Exil erschien dem Komponisten die Handlung nicht tiefgreifend genug ausgeschöpft, er dichtete eine Vorgeschichte und nannte sie "Der junge Siegfried". Auch dies ging Wagner noch nicht weit genug, also vertiefte er sich weiter in die germanischen und nordischen Götter - und Heldensagen, so entstand das Textbuch zu "Die Walküre" und schließlich als Vorabend "Das Rheingold".

1852 stand schließlich der Zyklus als dichterische Einheit fest und Wagner ging (diesmal in der "richtigen" Reihenfolge) an die Komposition. Insgesamt dreißig Jahre schrieb und komponierte Wagner an seinem unbestreitbar größten Werk, legte lange Pausen ein, in denen seine bahnbrechenden Musikdramen "Tristan und Isolde" und "Die Meistersinger von Nürnberg" enstanden und der Komponist musikalisch weiterreifte. 1874 beendete er schließlich mit den letzten Noten zur "Götterdämmerung" die Komposition des Zyklus, zwei Jahre später erklang der "Ring des Nibelungen" (die ersten beiden Teile hatte, ungeachtet der Proteste Wagners, bereits der Bayernkönig Ludwig II. uraufführen lassen) erstmals vollständig bei den neugegründeten Bayreuther Festspielen, von dort aus eroberte die Tetralogie sehr schnell die ganze Welt und stellt bis heute für jede wagnertaugliche Bühne und jeden ambitionierten Regisseur und Dirigenten eine hochwillkommene, da unbegrenzt ausdeutbare Aufgabe dar.

Die gewaltigen Dimensionen dieses Werks stellen nicht nur die Musiktheater vor große Herausforderungen, auch die Aufgabe, den Ring auf Tonträger zu bannen, ist nicht zu verachten. Man benötigt ein riesiges Orchester mit großem Nuancenreichtum, eine ganze Reihe hochklassiger Sänger und steht vor dem Problem, die musikalische Spannung über eine Dauer von mehr als 15 Stunden aufrechtzuerhalten. Natürlich nahmen viele Dirigenten diese Aufgabe an und so kann man heutzutage aus einer Vielzahl von Ring - Einspielungen wählen, von denen jede ihren Reiz besitzt.

Sir Georg Solti nahm sich Ende der 50er Jahre vor, die erste wirkliche Gesamtaufnahme (alle vorherigen Dirigenten hatten der Länge des Werks Tribut zollen und Kürzungen akzeptieren müssen) einzuspielen. Er wählte dazu mit den Wiener Philharmonikern das wohl beste und wandlungsfähigste Orchester der Welt und eine Vielzahl ausgezeichneter und erfahrener Sänger. Über das Ergebnis ist seit jeher viel diskutiert worden, viele halten diesen Ring für die Aufnahme, an der sich alle späteren Einspielungen messen lassen müssen. Dies mag etwas übertrieben sein, doch kann man Soltis Interpretation noch immer mit Einschränkungen als Musteraufnahme sehen. Solti läßt hier seiner Vorliebe für breite Tempi und gewaltige Orchestereruptionen freien Lauf und schafft so den leider oft schlecht kopierten, monumentalen Wagner - Klang, für den der Komponist, der doch zu kammermusikalischer Feinheit fähig war, berühmt und noch mehr berüchtigt ist. Solti läßt es aber nicht nur donnern. Wunderbar geraten ihm die Liebesszenen im ersten Akt der "Walküre", die Beleitung des Wotan - Monologes, Siegfrieds "Waldweben", das den grobschlächtigen Helden zum ersten Mal sympathisch erscheinen läßt und die Gestaltung der mystischen Götterfiguren, vor allem die Auftritte der geheimnisvollen Erda und ihrer Nornen. Weitere Beispiele für Soltis musikalische Feinfühligkeit würden den Rahmen dieser Rezension sprengen, nur muß auch gesagt werden, daß einige Effekte nicht unbedingt nötig gewesen wären. Um möglichst große Theaternähe zu erzielen, wurden einige "Spezialeffekte" verwendet, so eine Donnermaschine (von Wagner verlangt), Stierhörner, die einen unbestreitbar archaischen Klang haben, die Stimme des Drachen Fafner wird mit viel Hall unterlegt. Leider wurden die Sänger auch oft so platziert, daß der Eindruck von Auftritt, Bewegungen auf der "Bühne" und Abgang erzielt werden sollte, was bei dem hohen Lautstärkepegel des Orchesters manchmal zu Verständnisschwierigkeiten führt. Auch die technisch zum Bariton verzerrte Stimme Wolfgang Wingassens in der "Götterdämmerung" klingt für heutige Hörgewohnheiten etwas seltsam und läßt die dramatische Szene ein wenig albern erscheinen. Dies sind aber nur kleine Mängel in einer ansonsten ausgezeichneten Aufnahme, die man noch nach über vierzig Jahren fast uneingeschränkt genießen kann.

Auch bei den Sängern setzte Solti auf bewährte Qualität.

Wotan, oberster Gott und zentrale Figur des Zyklus wurde mit großen Sängern besetzt. Im "Rheingold" leiht ihm George London, lange Zeit Stammgast in Bayreuth und erfahren in der Partie seine Stimme. Er löst seine Aufgabe sehr gut, verleiht mit seiner mächtigen Stimme dem schwierigen Charakter des Wahrers der Verträge, der selbige oft nicht achtet, viel Kontur. Etwas anders sieht es in "Walküre" und "Siegfried" aus. Hans Hotter war über lange Jahre weltweit der "Wotan vom Dienst", kein anderer Sänger konnte in dieser Rolle mehr Erfahrung aufweisen und niemand hatte sie so sehr verinnerlicht. Leider litt Hotter an chronischem Asthma, das seiner Stimme zum Zeitpunkt der Aufnahmen bereits einigen Schaden zugefügt hatte. In der früher mächtigen Stimme macht sich ein starkes Zittern bemerkbar, lange oder hohe Noten werden ihm zur nur schwer bewältigten Aufgabe und auch die Textverständlichkeit ist nicht die Beste. Dafür gelingen ihm immer wieder wunderbare Momente, so in den langen Monologen in der "Walküre" und in der wundervollen Erda - Szene im "Siegfried".

Wotans Gemahlin Fricka wird ebenfalls von zwei Sängerinnen dargestellt. Im "Rheingold" ist die große Kirsten Flagstad zu hören, die, zwar schon mit etwas angejahrter Stimme, die jedoch den berühmten silbernen Klang nicht verloren hat, sich noch einmal als eine der besten Wagner - Sängerinnen präsentiert. In der "Walküre" ist es Christa Ludwig, die einen bleibenden Einduck hinterläßt, nicht nur, weil sie den Götterstreit gewinnt, sondern auch den indisponierten Hotter an die Wand singt. Auch in der "Götterdämmerung" liefert sie mit der bewegenden Darstellung der Waltraute eine ausgezeichnete Vorstellung.

Claire Watson wurde ebenfalls für zwei Rollen engagiert, die hervorragend zu ihr passen. Im "Rheingold" veredelt sie die Rolle der Freia, in der "Götterdämmerung" Gutrune mit ihrer schönen, klaren Stimme.

Die weiteren Götter sind mit Waldemar Kmentt (Froh), Eberhard Wächter (Donner) und dem alten Wagner - Helden Set Svanholm (in der für ihn recht ungewöhnlichen Rolle des schurkischen Loge, die er aber ausgezeichnet darstellt) rollendeckend und hochkarätig besetzt.

Die mysteriöse Figur der Erda wird in dieser Aufnahme ebenfalls von zwei Sängerinnen darsgestellt. Im "Rheingold" ist es Jean Madeira, die diese wundervolle Szene mit ihrem reinen Alt in geheimnisvolles Halbdunkel taucht, kaum schwächer, doch stimmlich etwas weniger beeindruckend schlägt sich Marga Höffgen im "Siegfried".

Als Alberich agiert hier jemand, dem diese Rolle wie keinem Anderen auf den Leib geschrieben schien. Gustav Neidlinger war mit seiner einmaligen Stimme und seinem großen schauspielerischen Talent prädestiniert für den machtgierigen Nibelungen und zeigt hier ein weiteres Mal, warum er als Idealbesetzung für diese Partie galt.

Sein Burder Mime, zuerst der unglückliche Schmied des Ringes und der Tarnkappe, schließlich Siegfrieds widerwilliger Ziehvater, wird von Paul Kuen ("Rheingold"), einem routinierten Darsteller der Rolle und Gerhard Stolze ("Siegfried") gesungen. Stolze schrammt hier des Öfteren haarscharf daran vorbei, den häufig begangenen Fehler zu machen und den unleidlichen Zwerg zur Karikatur werden zu lassen, deklamiert die Partie mehr, als sie zu singen, schafft aber immer wieder den Sprung zurück in die Gesangslinie und liefert so ein insgesamt recht überzeugendes Rollenportrait.

Brillant ist Walter Kreppel in der Rolle des sensiblen Riesen Fasolt. Von diesem Sänger kenne ich leider keine weiteren Aufnahmen, doch diese ausgezeichnete Leistung macht Lust auf mehr.

Ebenfalls ideal besetzt ist sein böser Bruder Fafner mit Kurt Böhme, dessen schwarze, mächtige Stimme sowohl den gierigen Riesen als auch den (leider recht stark verhallten) Drachen vor Augen entstehen läßt.

Eine bessere Besetzung für das Wälsungenpaar ist nur schwer vorstellbar. James King war ein Sänger mit außergewöhnlich mächtiger, jedoch sehr schöner und strahlender Tenorstimme, ein hervorragender Lohengrin und ein noch besserer Siegmund. In dieser Rolle erwarb er sich weltweit Ruhm und den wunderschönen ersten Akt der "Walküre" hört man hier nicht zuletzt dank ihm in einer kaum zu überbietenden Version. Ihm zur Seite steht die großartige Régine Crespin, auch sie eine erfahrene Wagner - Sängerin und eine der besten Darstellerinnen der Sieglinde, die ich kenne. Die Harmonie der Liebesgesänge, die den ersten Akt der "Walküre" beinahe zu einer eigenen Oper machen, hört man hier in einer kaum zu übertreffenden Schönheit, wozu natürlich auch Soltis sensible Orchesterführung ihren Teil beiträgt.

Gottlob Frick liefert hier eine recht eigenwillige, aber hochinteressante Interpretation des Hunding. Er wirkt sehr stoisch, fast roboterhaft, als hätte er keinen eigenen Willen, sondern würde von den Göttern wie eine Marionette für ihre Zwecke benutzt. Stimmlich ist er wie immer hervorragend, einer der besten Bässe, die es jemals gab. Die weit dankbarere Aufgabe des Hagen in der "Götterdämmerung" löst er bravourös wie kein Anderer.

Und nun zum Wagner - Traumpaar der 60er und 70er Jahre. An Birgit Nilsson führte damals kein Weg vorbei, wenn es darum ging, die Werke des Komponisten mit der perfekten Stimme aufzuführen und einzuspielen. Als Brünnhilde zeigt sie sich ein weiteres Mal in bestechender Form, die Macht ihrer Stimme ist beeindruckend wie eh und je und wen sonst hätte Solti für die wichtigste Frauenpartie im Ring engagieren sollen, als die schwedische Naturgewalt, die sich hier als die würdige Nachfolgerin der Flagstad (auch sie eine wunderbare Brünnhilde, man höre nur den legendären Furtwängler - Ring) und als Meßlatte für alle künftigen Sängerinnen präsentiert. Meiner Meinung nach ist Birgit Nilsson als Brünnhilde noch immer nicht übertroffen und wird es wohl in naher Zukunft auch nicht werden.

Und wo Birgit Nilsson ist, da ist Wolfgang Windgassen nicht weit. Der geniale Sänger - Darsteller war beinahe zwanzig Jahre lang Heldentenor Nummer eins in Bayreuth und weltweit einer der gefragtesten Wagner - Interpreten. Auch in dieser Aufnahme gestaltet er den Siegfried mit der ihm eigenen Sensibilität und gewinnt dem etwas plumpen Charakter des Helden viele Nuancen ab. Stimmlich war Windgassen ursprünglich eher im lyrischen Fach zuhause, bewältigte die extrem schwierigen Wagner - Partien, wie auch hier zu hören, mit seiner schauspielrischen Brillanz, die seine Darstellungen noch heute maßgeblich machen. Im Verein mit Birgit Nilsson hört man hier wirklich das ideale Wagner - Paar.

Bleibt noch der sensible Gunther von Dietrich Fischer - Dieskau zu erwähnen, der diese etwas undankbare Rolle sehr aufwertet und den unglücklichen Gibichungen zu einem wirklichen Handlungsträger werden läßt.

Auch die kleinen Rollen sind hier ausgezeichnet (Joan Sutherland als Stimme des Waldvogels!) und zum Teil mit späteren Stars (Lucia Popp, Gwyneth Jones, Helga Dernesch, Brigitte Fassbaender) besetzt.

Ob Soltis Ring nun die Referenz - Aufnahme ist oder nicht, dieses Urteil maße ich mir nicht an. Seit der Einspielung hat es noch sehr viele Aufnahmen von Wagners gewaltigem Zyklus gegeben und jede hat ihren eigenen Reiz. Nur soviel: Alle späteren Einspielungen sind mehr oder weniger von Soltig großer Pioniertat inspiriert und diesen Ring kann man jedem Wagner - Fan noch immer uneingeschränkt empfehlen, wozu das behutsame Remastering, durch das die Aufnahme entrauscht wurde, sein Teil beiträgt.


Cherubini: Medea
Cherubini: Medea
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 77,58

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Callas überirdisch, Klang unterirdisch, 22. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Cherubini: Medea (Audio CD)
Zu seinen Lebzeiten einer der meistbewunderten und einflußreichsten Komponisten, besitzt der Italiener Luigi Cherubini heute bedauerlicherweise nurmehr musealen Wert. Eine Wiederentdeckung seines Werks im Stile der erfolgten Barock - Renaissance wäre wünschenswert, zollte doch beispielsweise der übermächtige Beethoven dem Kollegen aus Florenz, der ihn durch seine "Befreiungsopern" zu seinem Geniewerk "Fidelio" inspirierte, unengeschränkte Bewunderung. Cherubini beeinflußte europaweit die Komponisten seiner und der nachfolgenden Generation, er war an jedem muskalisch bedeutenden Ort in wichtigen Positionen anzutreffen, obwohl er nie ein Günstling der Mächtigen war, komponierte in italienischer, französischer und deutscher Sprache und verfasste musiktheoretische Werke, die noch heute ihre Gültigkeit haben. Er komponierte in einem einfachen, doch kunstvollen und eingängigen Stil, der klar in der Tradition Christoph Willibald Glucks steht, leider sind seine Werke inzwischen fast völlig vergessen, nur seine Revolutionsoper "Les deux journées" (im Deutschen "Der Wasserträger") und die hier besprochene "Medea" (uraufgeführt 1797 in Paris) haben die Jahrhunderte überdauert und werden noch ab und an inszeniert.

Warum gerade eine so hervorragende Oper wie "Medea" so selten gespielt wird, ist hier sehr deutlich zu hören. Wie kein anderes Werk steht und fällt diese Oper mit der Hauptdarstellerin. Für Medea genügt es nicht, eine sehr gute Sopranistin zu sein, man braucht mehr, als eine große Stimme, um in dieser Partie zu überzeugen, diese Rolle muß gelebt werden, sonst bleibt sie eine hohle, rachsüchtige Furie ohne Innenleben. Wer wäre für die Darstellung dieser obendrein gesanglich immens anspruchsvollen Partie besser geeignet gewesen, als die junge Maria Callas? Sie war auf die beeindruckendsten Frauenfiguren der Opernbühne (Lady Macbeth, Tosca, Norma, Violetta Valéry, in früheren Jahren sogar Isolde, Kundry, Brünnhilde) spezialisiert und eine Herausforderung dieser Größenordnung kam der Callas gerade recht. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1953 und wurde unter der Leitung von Leonard Bernstein live an der Mailänder Scala aufgezeichnet. Maria Callas befand sich hier unbestritten auf dem Höhepunkt ihrer stimmlichen Leistungsfähigkeit, sie klingt noch völlig frei, ohne den kehligen Unterton und die Schärfe, die sich später in ihrer nicht wirklich schönen, aber einmaligen Stimme fanden. Nicht umsonst wird diese Aufnahme als eines der bedeutendsten Callas - Dokumente bezeichnet, an diesem Abend übertraf sich die bereits berühmte Sängerin ein weiteres Mal selbst und erhielt schon nach ihrer Auftrittsarie zehnminütige Ovationen. Jeder Ton wird nicht nur gesungen, sondern auch gefühlt, die Genialität der Darstellerin Maria Callas zeigt sich hier in jeder Szene und unterstreicht ein weiteres Mal ihren nach über 50 Jahren noch immer unangefochtenen Status als "primadonna assoluta". Nicht umsonst zählte Medea zu ihren Paraderollen, aber besser als an diesem Abend konnte selbst sie in der Partie nicht mehr werden.

Die übrige Besetzung ist durch die Bank solide, wird aber von der Callas mehr oder weniger kollektiv an die Wand gesungen. Einzig Fedora Barbieri in der Rolle von Medeas Amme Neris vermag noch einige Akzente zu setzen.

Leider gibt es hier aber auch viel Negatives zu bemerken. Zum einen ist da das für seine Neigung zum kreativen Chaos berüchtigte Orchester der Scala, das dem damals noch recht unerfahrenen Bernstein in einigen Passagen nach Belieben auf der Nase herumtanzt. Bernstein scheint mit dem eigenwilligen Verein ziemlich überfordert zu sein, noch dazu hatte er nur fünf Proben zur Verfügung, um die Partitur zu durchleuchten, was eindeutig zuwenig war.

Ein noch größeres Ärgernis ist, wie in fast allen Scala - Aufnahmen aus den 50er Jahren, die Qualität der Aufnahme. Die Geräte waren offenbar hoffnungslos veraltet, die Mikrophone wohl sehr ungünstig platziert, auf jeden Fall versteht man den Souffleur oft besser als die Sänger. Alles klingt nach einem illegalen Mitschnitt auf einem Diktiergerät, die Aufnahme setzt zeitweise sogar völlig aus.

Die Abteilung Tontechnik der EMI hat hier ihr Möglichstes getan, um den Mitschnitt zu retten, so daß er jetzt ein wenig entrauscht und mit den Sängerstimmen im Vordergrund daherkommt, was jedoch die Qualität nur ein wenig anheben kann.

Gäbe es hier nicht eine epochale Leistung der Jahrhundertsängerin zu bewundern, könnte man diese Einspielung getrost vergessen, aber so ist sie als einziges Dokument der Callas in dieser Rolle für den Fan unverzichtbar.


The Originals - Wagner (Tristan und Isolde)
The Originals - Wagner (Tristan und Isolde)
Preis: EUR 17,97

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unvergessliches Musikereignis, 18. März 2007
Über Wagners "Tristan und Isolde", schon über den ersten Akkord des Vorspiels, sind tonnenweise Bücher und Interpretationen geschrieben worden. Diese Oper gilt vielen als endgültige Vollendung des Musiktheaters, Wagner fand für sein großes Liebesdrama eine bislang noch nie gehörte Musik, verließ die Gebiete und Gebote der Harmonik, komponierte Klänge, die sich an keinerlei Konventionen hielt, die nur noch pure Emotion ausdrücken wollte und die inneren Vorgänge der Personen hörbar machte. Dieses Musikdrama öffnete der nachfolgenden Generation von Komponisten die Tür zur Neuen Musik, bereitete den Weg für Komponisten wie Richard Strauss, die "Zwölftonmusiker" und beeinflußt noch heute viele Komponisten nachhaltig.

Logisch, daß sich lange kein Opernhaus an diese absolut revolutionäre Partitur heranwagte. "Tristan und Isolde" wurde am 6. August 1859 vollendet und mußte lange auf seine Uraufführung warten. Straßburg, Karlsruhe, Paris, Dresden, Weimar, überall wurde die Oper als unaufführbar erachtet, die Wiener Hofoper brach die Produktion nach über 70 Proben ab. Schon schien es, als würde das Werk niemals auf die Bühne kommen, wäre da nicht der Bayernkönig Ludwig II. gewesen. Der "Märchenkönig" war der wohl glühendste Wagnerianer aller Zeiten, er holte den Komponisten nach München und befahl, "Tristan und Isolde" an der Hofoper aufzuführen. So erklang das Werk zum ersten Mal am 10. Juni 1865 unter der Leitung des legendären Hans von Bülow, ein denkwürdiges Datum. Der Legende nach erschütterte die Oper das Publikum so nachhaltig, daß es, ähnlich Goethes "Werther", eine Selbstmordepidemie hervorrief und der erste Tristan, ein Tenor mit dem klangvollen Namen Ludwig Schnorr von Carolsfeld, sich so überanstrengt hatte, daß er wenige Wochen nach der ersten Vorstellung an einer simplen Erkältung starb. Um revolutionäre Werke ranken sich oft Legenden, allerdings bietet "Tristan und Isolde" noch immer eine große Herausforderung für einen jeden Dirigenten, Regisseur und Sänger, der sich an dieses gewaltige Liebesdrama heranwagt, obwohl es heute natürlich weltweit auf jeder wagnertauglichen Bühne vertreten ist.

In Bayreuth, dem heiligsten Tempel der Wagnerpflege, erklang "Tristan und Isolde" zum ersten Mal drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, 1886, und steht seitdem regelmäßig auf dem Spielplan. Viele Male wurde es inszeniert und aufgenommen, so daß die Genese des Tristan auf der Bayreuther Bühne sehr gut dokumentiert ist. Eine ganz besondere Interpretation lieferte Karl Böhm 1966, wovon diese Einspielung ein beeindruckendes Zeugnis ablegt. Böhm dirigiert das wie immer ausgezeichnete Bayreuther Festspielorchester wie in einem Rausch, er zieht das Tempo massiv an, was dem Werk besonders während des ersten und dritten Aktes zugute kommt. Der Hörer wird unweigerlich in die Handlung hineingezogen, kann sich nicht mehr von der Oper losreißen, bis Isolde schließlich mit ihrem überirdischen Todesgesang über der Leiche des geliebten Tristan zusammensinkt. So intensiv und spannend habe ich die Oper noch von keinem Dirigenten interpretiert gehört.

Das Ensemble läßt hier keinerlei Wünsche offen, es ist das Beste, was Bayreuth in den 60ern zu bieten hatte, und das war die absolute Elite des Wagnergesangs.

Wolfgang Windgassen war über zwei Jahrzehnte der Bayreuther Heldentenor Nummer eins. Er hatte, wie viele geniale Sänger, eine nicht wirklich schöne Stimme, dafür besaß er ein riesiges Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten, die seine Interpretationen bis heute einmalig machen. Als Tristan überzeugt er hier einmal mehr als hochbegabter Sänger - Schauspieler, die gewaltigen Ausbrüche des todwunden Helden im dritten Akt sind in dieser Aufnahme an Intensität kaum zu übertreffen, auch im überirdischen zweiten Akt, an der Seite Birgit Nilssons, zeigt er seine großen Fähigkeiten als Darsteller, wobei er stimmlich mit der schwedischen Naturgewalt kaum mithalten kann. Windgassen wurde oft vorgeworfen, er singe "ökonomisch", also stimmschonend. Wahr ist, daß er für die gewaltigen Wagnerpartien kaum das geeignete Stimmaterial mitbrachte, er war eher ein lyrischer Tenor, der auch als Tamino zu glänzen verstand. Einige Male muß er sich auch hier in den Sprechgesang retten, um die riesigen Anforderungen zu meistern, was dem Gesamtbild seiner Darstellung aber keinen Abbruch tut. Ein hervorragender Tristan.

Seine Partnerin ist die Isolde der Rekorde. So oft wie Birgit Nilsson hat keine andere Sängerin in dieser Rolle auf der Bühne gestanden. Auch hier zeigt sie ein rundes und, dank ihrer gewaltigen Stimme, die sie jedoch meisterhaft zu modulieren verstand, mitreißendes und bewegendes Rollenportrait. Die Nilsson verließ sich meistens, wie auch hier, auf die Kraft ihres Organs und ließ die Darstellung eher nebenher laufen, was ihre Leistung hier jedoch kaum schmälert. Trotzdem bleibt Kirsten Falgstad in dieser Rolle meine Favoritin.

Der König Marke ist hier mit Martti Talvela ausgezeichnet besetzt. Seiner großen Baßstimme vermag er leise und intensive Töne zu entlocken, er singt und spielt den guten, desillusionierten König rundum überzeugend, auch ohne daß man den beeindruckenden Zweimetermann auf der Bühne sieht.

Tristans treuer Gefährte Kurwenal wird hier von Eberhard Wächter gesungen, auch er über lange Jahre Stammgast in Bayreuth und im Wagnerfach zuhause. Sein Kurwenal ist ein seinem Herrn bedingungslos ergebener Diener, Wächters etwas rauhe Stimme passt ausgezeichnet zu dem einfach gestrickten Kämpfer, der seinem Herrn in den Tod folgt. Einer der besten Darsteller dieser Partie.

Auch Isoldes Zofe Brangäne wurde hier mit einer großen Sängerin besetzt. Christa Ludwig bringt die nötige Erfahrung mit Wagnerpartien mit, um ein bewegendes und stimmlich ausgezeichnetes Rollenportrait zu zeichnen. Das Zusammenspiel der beiden Frauen im ersten Akt ist beispielhaft, ihr Gesang vom Turm im zweiten Akt mischt sich traumhaft mit dem Zwiegesang die Liebenden.

Auch in den kleinen Rollen sind hier große Namen vertreten, seien es nun der Tenor Erwin Wohlfahrt als Hirt, Gerd Nienstedt als Steuermann oder Peter Schreier als junger Seemann, der diese kleine Partie fast zu einer Hauptrolle umgestaltet.

Ein wenig aus dem Rahmen fällt Claude Heater als Melot. Er hat einen starken Akzent und fällt auch stimmlich etwas aus dem Rahmen. Sein Auftritt als Verräter macht allerdings den Bruch zu dem langen Liebesduett so deutlicher.

Klangtechnisch gibt es kaum eine bessere Liveaufnahme, wobei die Bayreuther Einspielungen oft von ausgezeichneter Qualität sind, was wohl an der einmaligen Akustik des Festspielhauses liegt. Natürlich poltert das eine oder andere Mal der Bühnenboden, allerdings hält sich das sonst oft störende Gehuste des Publikums in wohltuenden Grenzen. Die Zuschauer waren wohl genauso fasziniert, wie es der Hörer sein wird.

Jedem Wagnerfreund, der diese Einspielung noch nicht besitzt, sei sie mit unbedingter Empfehlung ans Herz gelegt.


The Originals - Rossini (Der Barbier von Sevilla)
The Originals - Rossini (Der Barbier von Sevilla)
Preis: EUR 13,97

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der originale Barbier, 24. Februar 2007
Gioacchino Rossini war eine einmalige Erscheinung. Der "Schwan von Pesaro", wie man ihn auch nannte, war zunächst nicht weniger als ein musikalisches Wunderkind, das bereits mit zwölf Jahren virtuose Orchesterstücke komponierte und mit unglaublicher Leichtigkeit und Schnelligkeit unvergängliche Melodien schrieb. In seinen produktivesten Zeiten schuf er nicht weniger als vier Opern im Jahr (und bediente sich dabei auch gerne mal bei sich selbst), einmal brachte er es gar auf sechs, er war einer der berühmtesten und populärsten Komponisten seiner Zeit, seine Reisen durch ganz Europa glichen Triumphzügen, die Begeisterung, die ihm entgegenschlug, übertraf noch die Hysterie um die meisten der heutigen Stars bei weitem. Rossini war nicht mehr und nicht weniger als der erste globale Popstar, der durch seine Geschäftstüchtigkeit auch zu großem Wohlstand kam.

Das rief natürlich die Neider auf den Plan, der hochverehrungswürdige Beethoven nannte ihn einen "Sudler", Schumann schrieb ganze Traktate über den verhaßten "Kanarienvogel" und seine "seelenlose" Musik, trotzdem kam an dem omnipräsenten Maestro, ob man ihn nun mochte oder nicht, niemand vorbei.

Seltsamerweise hatten gerade seine heute bekanntesten und beliebstesten Opern "Il barbiere di Siviglia" und "La Cenerentola" zunächst einen schweren Stand. Im Falle des "Barbiere" war der Grund eine gleichnamige Oper des damals sehr berühmten Komponisten Giovanni Paisiello, weswegen Rossini sein Werk, das er innerhalb von zwei Wochen komponiert haben soll, am 26. Dezember 1816 vorsichtshalber unter dem Titel "Almaviva oder Die sinnlose Vorsicht" in Rom zu Uraufführung brachte. Am ersten Abend gab es ein Pfeifkonzert und die Oper galt als durchgefallen, doch bereits am nächsten Abend erntete die Oper einen umjubelten Erfolg und trat innerhalb kürzester Zeit einen Triumphzug um die Welt an.

Natürlich gibt es auch jede Menge Aufnahmen, die alle ihre Vor - und Nachteile haben, doch hier hier Besprochene übt auf mich nach wie vor einen ganz besonderen Reiz aus: Zum einen ist dies die erste Operneinspielung, die ich überhaupt besessen habe (die Original - LPs habe ich immer noch), zum anderen ist dies der gelungene Versuch Claudio Abbados, der Originalpartitur wieder zu ihrem Recht zu verhelfen. Schon zu Rossinis Lebzeiten hatten sich die Dirigenten und Sänger auf den "Barbier" gestürzt und fröhlich eigene Ideen (ob nun gut oder nicht, sei dahingestellt) in die Oper eingebracht, sodaß der Komponist beizeiten sein eigenes Werk nicht mehr erkannte (Zitat: "Wundervoll, von wem ist das?"). Abbado verbat den Sängern, sowie sich selbst, eigene Verzierungen und hielt sich strikt an das von Rossini komponierte Original, verkleinerte das Orchester auf das vorgeschriebene Maß, machte aus der zum Sopran umgewandelten Rosina wieder einen Mezzo und schuf so eine Mustereinspielung, die bis heute ihren Reiz nicht verloren hat, sondern, im Gegenteil, noch immer ein Beispiel für eine rundum gelungene Operneinspielung ist.

Bis auf eine Ausnahme ist das Gesangsensemble ausgezeichnet:

Diese Ausnahme heißt Luigi Alva, über lange Zeit der gefragteste Rossini - Tenor und ohne Zweifel ein meisterhafter Belcanto - Sänger, der zum Zeitpunkt der Aufnahme jedoch leider seine besten Zeiten schon länger hinter sich hatte. Sein Graf Almaviva wirkt nicht gerade wie ein junger, überschäumender Liebhaber, seine Stimme neigt zum "Tremolieren" (d. h. sie zittert manchmal regelrecht) und klingt zeitweise recht abgesungen, auch die zahlreichen Koloraturen (die auch ohne eigene Verzierungen schon kompliziert genug sind) bewältigt er nur mit Mühe. Alva ist leider der große Schwachpunkt dieser Einspielung, obwohl er darstellerisch zu überzeugen weiß, was nicht die Tugend jedes Sängers ist.

Enzo Dara dagegen macht als Bartolo eine brillante Figur. Auch diese Rolle wurde von Rossini mit sängerischen Schikanen gespickt, die Dara jedoch ausgezeichnet zu meistern versteht, man höre nur die komplizierte Arie "A un dottor della mia sorte". Auch darstellerisch macht Italiens berühmtester Baßbuffo einen weiten Bogen um jedes Klischee und bringt so nicht nur einen sehr komischen, sondern auch recht gefährlichen alten Doktor zu Gehör.

Teresa Berganza hatte die schwere Aufgabe, der Rosina ihre ursprügliche Gesangslinie wieder zu geben. Rossini hatte diese Partie für einen Mezzo geschrieben, was natürlich die Gesangsstars der Sopran - Szene auf den Plan rief, die die begehrte Partie entsprechend transponieren ließen. Berganza macht einen sehr guten Eindruck, singt und spielt ein selbsticheres, junges Mädchen, das gar nicht daran denkt, ihrem alten Vormund in die Ehe zu folgen. Gesanglich interläßt sie einen großartigen Eindruck, nur manchmal fehlt ihr das Neckische, das diese Partie benötigt,um vollends zu überzeugen.

Einmal mehr fulminant schlägt sich Hermann Prey in seiner Paraderolle Figaro. Heutzutage ist es modern, diesem Sänger seine damals ungeheure Popularität zum Vorwurf zu machen, ebenso seine Volksnähe, seine darstellerische Leistung wird des öfteren als "grobschlächtig" bezeichnet. Das mag durchaus seine Berechtigung haben, im Gegensatz zu seinem großen Konkurrenten Fischer - Dieskau, wirkt Prey immer ein wenig hemdsärmelig, was dem bauernschlauen Figaro allerdings viel besser zu Gesicht steht, als durchdachtes Taktieren. Prey war ein Sänger, der immer aus dem Bauch heraus agierte und seinen Theater - Instinkt sprechen ließ, was ihm vor allem als Figaro, sowie in seiner anderen Paraderolle Papageno zu Recht Weltruhm verschaffte. Gesanglich gibt es bei ihm nichts auszusetzen, Prey hatte in den 70ern (die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1972) unbestritten seine Glanzzeiten. Für mich ist er noch immer der beste Rossini - Figaro.

Auch Paolo Montarsolo fügt sich ins rundum zufriedenstellende Bild dieser Aufnahme. Als Basilio balanciert er virtuos auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Gefährlichkeit, auf dem man in dieser Partie so leicht in das eine oder andere Extrem abrutschen kann. Hervorragend singt er die berühmte "Verleumdungsarie".

Das positive Bild rundet Stefania Malagú in der Rolle der ältlichen Haushälterin Berta (bzw. Marcellina) ab. Sie darf endlich einmal die ihr zugedachte Arie singen und bereichtert damit diese Aufnahme weiter.

Einen kleinen, aber wichtigen Part hat der Ambrosian Opera Chorus, der seine Aufgabe einmal mehr überzeugend löst.

Insgesamt kann man auch nach über dreißig Jahren diese Aufnahme weiterhin jedem Opernliebhaber, und ganz besonders demjenigen, der sich gerade für die Oper zu interessieren begiint, ans Herz legen, ein klassischer Evergreen.


Modern Times
Modern Times
Preis: EUR 7,57

25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dylan in modernen Zeiten, 19. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Modern Times (Audio CD)
Das Jahr 2006 war für Bob Dylan eines der Besten seit langem. Zum halbrunden Jubiläum war er in den Medien so omnipräsent, daß man meinen konnte, die 60er Jahre seien zurückgekommen, überall wurde dem Meister überschwänglich zum 65. gratuliert, er selbst ließ sich in schlicht hervorragenden Radiosendungen (was bei dem sonst extrem medienscheuen Dylan ein wahres Wunder ist) zu Themen des Lebens (Musik natürlich, Frauen, Knäste, Lyrik, Baseball usw.) vernehmen, gab Intervievs, führte seine "Neverending Tour" weiter und veröffentlichte im September zur Krönung ein hervorragendes Album, das den schon ausgezeichneten Vorgängern (das triumphale "Time Out Of Mind" und "Love And Theft) die Krone aufsetzt.

Auf "Time Out Of Mind" herrschte ein düsterer, pessimistischer, gar todessehnsüchtiger Ton zu spartanisch produzierter Musik vor, "Love And Theft" unternahm eine manchmal etwas chaotisch Reise quer durch die amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts.

"Modern Times" eröffnet mit dem klassischen Rocksong "Thunder On The Mountain", der den Hörer nach Hells Kitchen, Midtown Manhattan, entführt und ihm Alicia Keys an die Seite stellt, "Spirit On The Water" ist eine melancholische Hymne an eine vergangene Liebe (in langsamem Swing, so daß man dazu auch noch tanzen kann, aber nur ganz langsam), "Rollin' and Tumblin'" zitert, wie der Titel schon verspricht, virtuos und kongenial einige Bluesklassiker, "When The Deal Goes Down" ist ein melancholischer Walzer (Tanzsong Nr. 2) und ein hemmungslos sentimentales Liebeslied, wie man es von Dylan schon lang nicht mehr gehört hat, "Someday Baby" skizziert einmal mehr eine unglückliche Liebesgeschichte und damit ein ewig gültiges Bluesthema.

Einer der stärksten Songs, den Dylan je geschrieben hat, ist zweifelsohne der "Workingman's Blues #2", ein Song über den Niedergang, allerdings mit einer recht fidelen Altersweisheit und zu einer aufwärts strebenden Melodie mit Spieluhr - Piano vorgetragen, der dem Thema die Düsternis nimmt einen den Lichtstreifen am Horizont erahnen läßt. Mit "Beyond The Horizon" zitiert Dylan ein weiteres mal die mittlerweile liebgewonnene Swingmusik seiner Jugend (Tanzsong Nr. 3) und singt unsterbliche Zeilen wie "Beyond the horizon, in the springtime or fall, love waits forever for one and for all", einfach wunderschön, in "Nettie Moore" wird die Heldin eines Folksongs liebevoll gezeichnet, "The Levees Gonna Break" zitiert wieder bewußt einige Bluesklassiker und ruft hintergründig die Flut von New Orleans ins Gedächtnis zurück. Dylan schließt hier mit der majestätischen Western - Ballade "Ain't Talkin'", in der er einmal mehr die Rolle des aus dem Paradies vertriebenen, von aller Welt verlassenen und verratenen Outlaws übernimmt, ein Song über Einsamkeit und Verzweiflung, wie nur Dylan ihn schreiben kann.

Das wohl etwas ironisch betitelte Album orientiert sich also ganz an klassischem Material und jeder Song bringt das Künststück fertig, uralt und doch brandneu zu klingen, Dylan hat hier eine Platte voller Evergreens geschrieben, die man immer wieder mit größtem Genuß hören kann.

Man kann nur hoffen, daß der Meister uns noch sehr lange erhalten bleibt.

Unbedingte Kaufempfehlung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 5, 2013 11:26 AM MEST


Der Name der Rose
Der Name der Rose
von Umberto Eco
  Sondereinband
Preis: EUR 11,90

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ecos virtuoser Kloster - Krimi, 18. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Name der Rose (Sondereinband)
"Der Name der Rose", der erste Roman des italienischen Semiotikers und Literaturwissenschaftlers Umberto Eco, begründete dessen Ruf als wissenschaftlich präziser und dabei einfühlsamer Schilderer mittelalterlichen Lebens.

Nicht ohne Ironie merkt Eco im Vorwort an, sein Roman sei "die deutsche Übersetzung meiner italienischen Version einer obskuren französisch - neugotischen Fassung einer im 17. Jahrhundert gedruckten Ausgabe eines im 14. Jahrhundert von einem deutschen Mönch auf lateinisch verfassten Textes". Darin berichtet im Jahr 1327 der an der Schwelle des Todes stehende Adson von Melk über die Erlebnisse, die er als Novinze an der Seite seines Lehrmeisters William von Baskerville in einer Abtei an den Hängen des nördlichen Apennin hatte. William soll eigentlich an einem Streitgespräch unter hohen kirchlichen Würdenträgern über die Frage der Armut Jesu und der daraus begründeten Forderung der Bettelorden teilnehmen, wird jedoch vom Abt gebeten, einen seltsamen Todesfall innerhalb der Klostermauern aufzuklären. William, ein passionierter Leser und mittelalterlicher Sherlock Holmes, der sich weigert, sich mit den damals recht einleuchtenden "Erklärungen" Hexen - und Teufelswerk abzufinden, beginnt seine Nachforschungen in der Klostergemeinschaft und deckt immer weiter einen Sumpf von Verrat, Mord, Häresie und sexueller Ausnutzung auf, dessen Ausgangspunkt ein geheimnisvolles Buch in der labyrinthischen Klosterbibliothek ist. Gleichzeitig verarbeitet Adson seine Eindrücke über die Lebensgemeinschaft im Kloster, gerät in unerklärliche Seelenzustände und verliebt sich zum ersten und einzigen Mal in seinem Leben.

Eco versteht es meisterhaft, die einzelnen Handlungsfäden zusammenzuführen, historische Figuren (Ubertin von Casale, Michael von Cesena und Bernard Gui,sowie "Fra Dolcino") in eine erfundene Geschichte einzubinden. Mit großer Sorgfalt und viel Hintergrundwissen schildert er das Leben in den mittelalterlichen Klöstern, die damalige Glaubenseinstellung und die dazugehörigen Streitereien (Hintergrund ist der Streit zwischen Kaiser Ludwig dem Bayern und dem berüchtigeten Papst Johannes XXII.), welche er in einer absurden Szene, in der die hohen geistlichen Herren würdig zu diskutieren beginnen, um sich schließlich die übelsten Ausdrücke an den Kopf zu werfen, parodiert.

"Der Name der Rose" wird jedoch nie ein reiner "Professorenroman", der die Handlung ausser Acht läßt. Neben seiner gewaltigen Bildung hat Eco auch noch die Fähigkeit, eine äußerst spannende Geschichte zu erzählen, den Leser immer wieder auf falsche oder vermeintlich falsche Fährten zu führen und auch die zahlreichen Nebenhandlungen interessant zu gestalten.

Leicht ist das Buch nicht gerade zu lesen, ich selbst brauchte zwei Anläufe, wenn man die Lektüre allerdings auferksam betreibt und sich von den zahlreichen lateinischen Einsprengseln und Architekturschilderungen nicht abschrecken läßt, hat man einen Roman der Sonderklasse in Händen, den man immer wieder lesen kann und an dessen Vielschichtigkeit die Verfilmung kaum heranreichen kann.


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