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Rezensionen verfasst von
Martin Resch "makarresh" (Hamburg)
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Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5
Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5
von Thomas Bernhard
  Gebundene Ausgabe

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Virtuoser Virtuosenroman, 11. August 2007
In Thomas Bernhards 1983 erschienenem Roman "Der Untergeher" verwebt der Erzähler auf virtuose Weise Fiktion und Realität. In dem ganzen Buch gibt es nur vier Absätze, die sich alle auf der ersten Seite finden und in denen die wesentlichen vier Themen, die im Verlauf eines langen inneren Monologes immer wieder variiert werden, antizipiert werden: Das eigenwillige Piano - Genie Glenn Gould (in einer Bernhardschen Variante, die zwar Ähnlichkeiten mit der Biographie des historischen Gould aufweist, jedoch auch beträchtliche Unterschiede), der "Untergeher" Wertheimer, titelgebende Figur des Romans, die Faszination für Bachs "Goldberg - Variationen", schließlich die gemeinsame Biographie der drei Figuren.
Gould, Wertheimer und der Erzähler kennen sich seit 1953, als sie gemeinsam in der Nähe von Salzburg bei einem gewissen Horowitz (welcher natürlich auch ein historisches Vorbild hat) studierten. Dieses Kennenlernen hat über die Zeit den Effekt, daß Wertheimer und der Erzähler, beeinflußt vor allem durch Goulds Genialität beim Vortrag der "Goldberg - Variationen", ihre pianistische Karriere aufgeben, weil sie einsehen, daß sie niemals eine derartige Stufe der Vollendung erreichen werden. Der Erzähler verschenkt seinen Steinway - Flügel und verbringt die folgenden 28 Jahre damit, immer wieder eine Abhandlung "Über Glenn Gould" zu beginnen und, in der Einsicht, dessen Person und Kunst nie in Worte fassen zu können, wieder zu verwerfen. Wertheimer, von Gould mit dem Spitznamen "Der Untergeher" bedacht, gibt sich dem Müßiggang hin und quält seine Schwester so lange, bis sie ihn verläßt (ungefähr zur selben Zeit stirbt der fiktive Gould am Piano an einem Schlaganfall), woraufhin Wertheimer sich erhängt.
Kurz nach dessen Beerdigung bertritt der Erzähler ein Gasthaus in Wankham, es beginnt ein langer innerer Monolog, in dem der Erzähler den gemeinsamen und parallelen Lebensweg der drei Pianisten Reuvue passieren läßt und den Grund für Wertheimers Selbstmord zu ergründen sucht.
Der Roman ist ein typisches Werk Thomas Bernhards, der Schriftsteller gibt sich ein Thema vor, das er immer wieder, mit vielen Abschweifungen von der psychologischen Analyse bis zu einer sehr amüsanten Schimpfkanonade gegen österreichische Gasthäuser, variiert, um wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückzukehren. Virtuos spielt der Autor ein weiteres Mal mir der Sprache und verwebt geschickt hitorische Tatsachen mit Erfundenem. Der Roman ist vom ersten bis zum letzten Satz durchkomponiert wie ein Musikstück, es wird auf Kapitel, Absätze (bis auf, wie gesagt, die erste Seite) und direkte Rede (es werden nur indirekte Zitate verwendet) verzichtet.
Ein nicht leicht zu lesender, dafür thematisch hochinteressanter (man merkt die Liebe des Autors zur Musik in jeder Zeile und in der äußeren Form) und sprachlich brillanter Roman.


American III: Solitary Man
American III: Solitary Man
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 14,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Man In Black gegen Krankheit und Tod, 8. August 2007
Rezension bezieht sich auf: American III: Solitary Man (Audio CD)
Schon bei den Aufnahmesessions zu "Unchained" hatte Johnny Cash diverse Male krankheitsbedingte Pausen einlegen müssen, wie schlecht es ihm ging, wurde allerdings erst im Oktober 1997 offensichtlich, als er bei einem Konzert beinahe zusammenbrach. Cash litt an einer Nervenkrankheit, die seinen Körper langsam immer mehr schwächte und weitere Tourneen unmöglich machte. Cash ließ sich jedoch ein weiteres Mal nicht unterkriegen, beschloß, den Namen der Krankheit zu vergessen und weiter Musik zu machen.
"Solitary Man", das dritte Album aus der "American Recordings" - Serie, erschien schließlich im Okotber 2000. Wieder unter der Produktion Rick Rubins und unter Beteiligung diverser Gaststars entstanden, stellt das Album ein beeindruckendes Statement des Man In Black zu seinem Zustand und seinem Kampf dagegen dar.
Das Thema aller Songs ist denkbar düster, schwere Schicksalsschläge und Tod sind allgegenwärtig, doch trotz seiner offensichtlichen Schwäche gibt sich Cash hier entschlossener denn je, niemals aufzugeben. Das Coverbild zeigt den Man In Black im Halbschatten, die Gitarre umgehängt. Cash erscheint leicht gebeugt, aber noch immer ungebrochen vom unbarmherzigen Schicksal. Sein sonorer Bariton wirkt hier das erste Mal brüchig und rauh, man hört ihm die schwere Krankheit an, doch ebenso hört man in jedem Song Cashs Entschlossenheit, sich davon nicht irritieren zu lassen.
Das Songmaterial ist ein weiteres Mal exzellent, seien es Eigenkompositionen oder ausgezeichnet ausgewählte Coverversionen. Tom Pettys "I Won't Back Down" oder "One" von U2 gewinnen durch die kraftvolle Interpretation und Cashs unüberhörbaren Durchhaltewillen viel Intensität und Tiefe. Das Thema Tod wird auf "Solitary Man" vielfach und ohne falsches Pathos behandelt, sei es in der dramatischen Ballade "Mary Of The Wild Moor", dem trutzigen "Nobody", in Will Oldhams "I See A Darkness" (ein großartiges Duett mit Oldham selbst) oder, besonders drastisch in Nick Caves "The Mercy Seat", dem absoluten Höhepunkt des Albums. Neben Tom Petty And The Heartbreakers, die schon auf "Unchained" beteiligt waren, sind wieder diverse Gastmusiker vertreten, die alle einen hochklassigen Beitrag liefern, so gibt es June Carter Cash und Sheryl Crow in "Field Of Diamonds" zu hören und Merle Haggard ist bei "I'm Leavin' Now" ein kongenialer Duettpartner. Das Album endet mit dem Traditional "Wayfaring Stranger", einem Song, der einmal mehr Cashs unerschütterlichen Glauben repräsentiert und den Tod nicht als schreckliches Schicksal, sondern als Erlöser und Neubeginn deutet.
"Solitary Man" ist, trotz des düsteren Themas, eines der stärksten Alben, die Cash jemals veröffentlicht hat, beeindruckend durch die Unbeugsamkeit des Man In Black und die hervorragende Qualität des Sonds und der Musiker. Ein Statement dafür, sich von schweren Schlägen nicht unterkriegen zu lassen, und, trotz der Allegenwart des Todes, eines der tröstlichtsten Alben, die ich kenne.


Blonde on Blonde
Blonde on Blonde
Preis: EUR 5,99

19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bestes Album aller Zeiten, 3. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Blonde on Blonde (Audio CD)
1966 hatte Bob Dylan es geschafft. Er hatte die Gefilde der Folk - und Protestbewegung verlassen, deren Anhänger ihn geradezu vergötterten, ihn als eine Art Heilsbringer sahen und als Aushängeschild für ihre Bewegung. Dylan hatte diese Verehrung lange Zeit genossen, sah sich durch die Ansprüche seiner Fans, immer der Protestsänger mit Gitarre und Mundharmonika zu sein, allerdings zusehends in seiner Entwicklung behindert. Schließlich wagte er den Ausbruch. Er holte sich Musiker ins Studio, um hintereinander drei Alben aufzunehmen, deren Einfluß auf die gesamte Musikszene gar nicht zu ermessen ist. "Bringing It All Back Home" und "Highway 61 Revisited", beide 1965 erschienen, erschütterten mit ihrer überbordenden Kreativität, der völlig neuen Art des Songwiritings und der improvisatorischen Aufnahmeweise die Welt der Popmusik nachhaltig. Ein Jahr später übertraf der Meister sich noch einmal selbst, auf "Blonde On Blonde" zeigt Dylan sich als begnadeter Kunstproduzent, der sich nicht mehr von Stömungen oder Ansprüchen der Fans an ihr Idol von seinem Weg abbringen läßt. Bereits während der Tour mit der kanadischen Band The Hawks (später The Band) 1965 entstanden die ersten Blaupausen für dieses erste Doppelalblum der Rockgeschichte, anfang 1966 schließlich begab sich Dylan mit einem Teil seiner Band und einigen hochklassigen Sessionmusikern nach Nashville (ausgerechnet, der angesagteste New Yorker Hipster nimmt in der erzkonservativen Country - Hochburg auf) ins Studio. Das Ergebnis beeinflußte die Popmusik bis heute nachhaltiger, als je ein anderes Album (außer vielleicht Sgt. Pepper der Beatles, jedoch auf anderer Ebene) und gilt als Dylans definitives Statement als eigenständiger, unabhängiger und über allem stehender Künstler.
Den Anfang macht "Rainy Day Women # 12 & 35", das es als Single beinahe an die Spitze der US - Charts geschafft hätte (Dylan hatte noch nie einen No. 1 - Hit, was mal wieder beweist, daß Chart - Platzierungen völlig überschätzt werden). Der Song preist das Lotterleben im Stil Rimbauds mit unzähligen Anspielungen auf Drogenkonsum zu einem polternden, New - Orleans - inspirierten Jazz - Marsch. Die ultimative Absage an die alten Folkie - Tage.
"Pledging My Time" könnte man schlicht als Ballade und Liebeserklärung an eine Frau bezeichnen, wäre da nicht die schräge musikalische Untermalung und der kryptische Text, der, wie beim Dylan dieser Zeit üblich, alle möglichen Deutungsmöglichkeiten offenläßt.
"Visions Of Johanna" ist einer der stärksten Songs, die der Meister je geschrieben hat. Wohl beeinflußt von Baudelaires Großstadtlyrik entsteht hier ein Szenario, in dem ein Haufen Freaks sich in einem Apartment die Zeit vertreibt, während der Sänger am Fenster steht und einer verflossenen Liebe nachtrauert. Dylan überschlägt sich hier geradezu im Finden rätselhafter Metaphern, Robbie Robertsons Gitarrenlinie fungiert als Bindeglied zwischen der dunklen, surrealen Bilderwelt des Dichters und der Musik. Dies ist einer der Dylan - Songs, an denen schon viele Koryphäen sich den Kopf zerbrochen haben, was His Bobness gemeint haben könnte, ohne ein eindeutiges Ergebnis vorweisen zu können. Egal, der Song ist ohnegleichen, man muß nicht alles verstehen.
"One Of Us Must Know (Sooner Or Later)" macht die Deutung schon wieder einfacher, es geht um das traurige Ende einer Beziehung, einer der wenigen Songs die bereits vor den Aufnahmesessions entstanden und deren musikalische Untermalung (Robbie Robertson an der Gitarre und Al Kooper an der Orgel) maßgebend für den schillernden Gesamtsound des Albums werden sollte.
Auch "I Want You", einer von Dylans bekanntesten Songs, kommt als ein virtuos rätselhaft gedichtetes Liebeslied, das viele Deutungsmöglichkeiten zuläßt, daher, dessen Refrain "I want you, I want you so bad", allerdings keinerlei Zweifel offenläßt. Eines der schönsten Liebeslieder des Meisters.
"Stuck Inside Of Mobile With The Memphis Blues Again" ist der große Auftritt der Rhythm - Section von Dylans Session - Band. Der Bass von Joe South und Kenny Buttreys Drums gehen hier eine symbiotische Verbindung von selten gehörter Intensität ein, während Dylan ein weiteres Mal fröhlich mit Metaphern um sich wirft und ein musikalisches Roadmovie entstehen läßt.
"Leopard - Skin Pill - Box Hat" bedient sich musikalisch recht eindeutig bei den geliebten Blues - Klassikern, die immer schon einen großen Einfluß auf Dylans Musik hatten, His Bobness gießt im Text einen großen Eimer voll Spott über die oberflächliche Modewelt aus. Dylan als Satiriker der Extraklasse.
"Just Like A Woman" ließ mit seinem oberflächlich betrachtet frauenfeindlichen Text Frauengruppen Sturm laufen, geht man den, für Dylan recht eindeutigen, Lyrics jedoch auf den Grund, findet man eine wunderschöne Ballade, in der der vermeintliche Macho am Ende als ein recht ängstliches Häufchen Elend dasteht. Einer von Dylans größten Hits, der auch oft gecovert wurde.
"Most Likely You Go Your Way (And I'll Go Mine)" ist ein bitterböser Abgesang auf eine verkorkste Romanze, Dylan knurrt bereits wie zu Zeiten von "Blood On The Tracks". Der Song ist einer der besten Mittel gegen Liebeskummer und findet sich noch immer regelmäßig im Live - Repertoire des Meisters.
In "Temporary Like Achilles" zeigt Dylan sich ein weiteres Mal von seiner sensiblen Seite, vergeblich versucht er in schönen, von einem Country - Piano untermalten Versen, eine hartherzige Dame zu erweichen. Nicht der beste Track auf dem Album, jedoch eine wunderbare Ballade.
Mit "Absolutely Sweet Marie" folgt ein weiteres Liebeslied, diesmal jedoch nicht verzweifelt, sondern, wie der Titel schon vermuten läßt, recht fidel. Über einem leichtfüßigen Blues - Arrangement reimt Dylan "jump it" auf "trumpet" und gibt die berühmt gewordenen Zeilen "To live outside the law, you must be honest" von sich.
Es wird gerne darüber gestritten, wer denn nun "Fourth Time Around" eigentlich geschrieben hat. Dylan - Forscher behaupten, der Song sei die Vorlage für "Norwegian Wood" von den Beatles gewesen. Beatles - Forscher behaupten das Gegenteil. Nun, da "Norwegian Wood" eindeutig älter ist, wird die Beatles - Fraktion recht haben. Dylans Vortrag hier ist grandios, er versetzt sich in einen Typ zwischen altem Bluesman und bekifften Hippie und erzählt eine verrückte Geschichte, die wohl keinem Beatle zu dieser Zeit eingefallen wäre. Ein großer Spaß.
"Obviously 5 Believers" erschien als B - Seite der Single "Just Like A Woman" und ging wohl deswegen etwas unter, völlig unverdient, wie ich sagen muß. Es ist die wahrscheinlich beste R & B - Nummer auf "Blonde On Blonde", die virtuosen Musiker, allen voran Robbie Robertson, treiben diese grandiose Bluesnummer mit großartiger Mundharmonika (Dylan verzichtete diesmal auf die Bedienung dieses Instruments) unerbittlich voran, während Dylan einen druckvollen, mit deutlichen sexuellen Assoziationen gespickten Text von sich gibt.
Zum Schluß gibt es noch eines dieser wunderbaren musikalischen Langgedichte vom Schlage "Desolation Row". "Sad Eyed Lady Of The Lowlands" ist ein Denkmal für Dylans damals frisch angetraute Ehefrau Sara, das diese Frau in elf Minuten mit allen denkbaren Metaphern verklärt. Aufgenommen von übermüdeten Musikern irgendwann zwischen drei und vier Uhr morgens besitzt diese Nummer eine unwiderstehliche somnambule Atmosphäre und entläßt den Hörer aus diesem einzigartigen Album, das ihn nie wieder loslassen wird.
Nicht umsonst gilt "Blonde On Blonde" vielen Experten (und noch viel mehr Musikliebhabern) als das beste Album der Rockgeschichte, es hat inzwischen über vierzig Jahre auf dem Buckel, unzählige Musiker verschiedenster Stile wurden und werden immer noch davon beeinflußt. Kein Körnchen Staub ist auf "Blonde On Blonde" zu entdecken, es ist einer der unsterblichen Klassiker, ohne den jede Plattensammlung keine solche ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 17, 2014 1:07 AM CET


Der große Gatsby. SZ-Bibliothek Band 4
Der große Gatsby. SZ-Bibliothek Band 4
von F. Scott Fitzgerald
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker der Goldenen 20er Jahre, 3. August 2007
Das kurze, dramatische Leben des F. Scott Fitzgerald könnte kaum eine typischere Biographie für einen Schriftsteller der "Lost Generation" aus dem Amerika der 20er Jahre sein. Schon an der Princeton University widmet er sich mehr dem Schreiben als seinem Studium, bricht schließlich ab und geht für zwei Jahre zur Armee. 1920 erscheint sein Debütroman "Diesseits vom Paradies", der ihn schlagartig berühmt macht. Acht Tage nach der Veröffentlichung heiratet Fitzgerald die Society - Schönheit Zelda Sayre, die beiden gelten als das Traumpaar der amerikanischen Gesellschaft der offenherzigen 20er Jahre.
Seine Romane und Erzählungen sind charakteristisch für den Stil der goldenen Jazz - Ära, Fitzgerald ist neben Ernest Hemingway, Gertrude Stein und William Faulkner einer der bekanntesten Vertreter der amerikanischen Moderne und wird mit diesen zur sogenannten "Lost Generation" gezählt, die sich von der US - Gesellschaft abwandten, um in Europa das Leben der Bohème auszukosten. Fitzgeralds ausschweifender Lebensstil und seine Alkoholabhängigkeit führen in den späten 20ern zu ernsten finanziellen Schwierigkeiten, seine Ehe scheitert, die Weltwirtschaftskrise ruiniert ihn und seine Bücher verkaufen sich nicht mehr, er verfällt völlig dem Alkohol und ist gezwungen, Drehbücher für Hollywood zu schreiben. Seinen Roman "Der letzte Tycoon", der mittlerweile als sein bedeutendstes Prosawerk gilt, kann er nicht mehr vollenden, Fitzgerald stirbt am 21. Dezember 1940 im Alter von 44 Jahren in Hollywood.
"Der große Gatsby" entstand 1925 in Paris und ist bis heute Fitzgeralds bekanntester Roman, wozu die kongeniale Verfilmung von John Clayton aus dem Jahr 1974 mit Robert Redford und Mia Farrow einiges beitgetragen hat.
Der Ich - Erzähler Nick Carraway kommt 1922 aus dem Mittelwesten nach New York, um in den Immoblienhandel einzusteigen. Er mietet einen Bungalow auf Long Island, wo er seinen Nachbarn Jay Gatsby kennenlernt, einen Geschäftsmann, der mit undurchsichtigen Methoden zu großem Reichtum gekommen ist. Gatsbys großes Ziel ist es, seine ehemalige Geliebte Daisy zurückzugewinnen, die während seiner Militärzeit den wohlhabenden, aber rohen und ungebildeten Tom Buchanan geheiratet hat. Carraway, der als Außenseiter aus der Provinz von allen unterschätzt wird und gerade deshalb Zugang zu allen Kreisen hat, wird zunächst wider Willen Gatsbys Vertrauter und so immer weiter in die dramatischen Geschehnisse hineingezogen, die in einem tödlichen Autounfall und dem Mord an dem eigentlich unschuldigen Gatsby münden.
Fitzgerald läßt seinen Ich - Erzähler die Ereignisse in einem knappen, klaren Sprachstil schildern und arbeitet mit vielen Aussparungen. Es entsteht ein dichtes Geflecht aus Metaphern und Symbolen, das das amerikanische Selbstverständnis und seine sozialen und kulturellen Grundfesten ausleuchtet.
Als der Roman erschien, war Fitzgerald ein bekannter und angesehener Autor. Obwohl von der Kritik hochgelobt, blieben die Verkaufszahlen weit hinter den Erwartungen zurück, zu deutlich hatte Fitzgerald die Oberflächlichkeit und Scheinheiligkeit der Gesellschaft, der durch die Figuren, besonders Gatsby und die selbstsüchtige Daisy, ein unverhüllter Spiegel vorgehalten wurde, ktitisiert, der Autor fühlte sich zutiefst mißverstanden. Erst im Zuge der Fitzgerald - Renaissance nach dem 2. Weltkrieg rückte dieser hervorragende Roman wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit und wurde als das Meisterwerk eines herausstechenden Schriftstellers anerkannt. Mittlerweile ist "Der große Gatsby" ein moderner Klassiker, der in keiner Bibliothek fehlen sollte.


2001: Odyssee im Weltraum
2001: Odyssee im Weltraum
DVD ~ Keir Dullea
Wird angeboten von rezone
Preis: EUR 29,00

21 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 2001 - Das Ideal des Science - Fiction - Films, 14. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: 2001: Odyssee im Weltraum (DVD)
Es fällt natürlich sehr leicht, diesen Film zu kritisieren. Auf "2001" muß man sich restlos einlassen, stets mitdenken und darf sich nicht von der Langsamkeit und scheinbaren Handlungslosigkeit (die einzigen wirklichen "Action - Szenen", von denen andere Filme dieses Genres fast ausnahmslos leben, ist der Kampf des Astronauten Dave Bowman gegen den außer Kontrolle geratenen Supercomputer HAL 9000) abschrecken lassen. Nach mehrmaligem Ansehen weicht die Befremdung (herkömmliche Sehgewohnheiten werden in diesem Film bewußt nicht bedient) unweigerlich einer immer größer werdenden Faszination für dieses einmalige Gesamtkunstwerk, man ist immer wieder beeindruckt von der Arbeit des Perfektionisten Stanley Kubrick, der vor knapp 40 Jahren einen Film schuf, der auch heute noch ohne weiteres mit den Spezialeffenkten bedeutend jüngerer SF - Werke mithalten kann und dabei eine komplexe Geschichte vom Anbeginn der Menschheit bis zum Raumfahrt - Zeitalter erzählt.

Der Film ist in mehrere Akte eingeteilt. Zunächst verfolgt der Zuschauer eine Gruppe Frühmenschen in der afrikanischen Savanne. Ständig bedroht von Raubtieren und feindlichen anderen Sippen, erwacht die Gruppe eines Tages neben einem rätselhaften Monolithen, der offenbar Einfluß auf die geistige Entwicklung der Vormenschen nimmt. Nutzlos am Boden liegende Knochen werden als Werkzeuge und Waffen erkannt, die feindliche Gruppe gewaltsam vom lebensnotwendigen Wasserloch (der erste Krieg) vertrieben. Berühmt ist der Übergang zum zweiten Akt. Ein triumphierend in die Höhe geworfener Knochen bleibt kurz scheinbar schwerelos in der Luft und mit schneller Überblende wird ein fast gleichförmiger, im Orbit kreisender Satellit gezeigt. Zu Johnann Strauß' Walzer "An der schönen blauen Donau" scheinen die im Raum schwebenden Raumstationen, Satelliten und Fähren einen Tanz aufzuführen, ebenfalls eine legendäre Szene. Dr. Heywood Floyd ist auf dem Weg zum Mond, dort soll eine streng geheime Konferenz stattfinden. Ein dem frühzeitlichen Exemplar absolut gleicher Monolith wurde bei Grabungen auf dem Mond gefunden, er scheint absichtlich vergraben worden zu sein und sendet eine starke Strahlung in Richtung Jupiter. 18 Monate später ist das Raumschiff "Discovery" mit fünf Astronauten und dem absolut perfekten Bordcomputer HAL 9000 an Bord auf dem Weg zur Jupitermission. Drei der Astronauten wurden in Tiefschlaf versetzt, Dave Bowman, Frank Poole und HAL überwachen den Flug. Alles scheint in Ordnung, bis der scheinbar unfehlbare Computer beginnt, Fehler zu machen. Aus "Angst" um seine Existenz gerät HAL außer Kontrolle und tötet vier Astronauten, bis es Bowman gelingt, HALs höhere Funktionen abzuschalten. Auf sich allein gestellt, setzt Bowman die Reise zum Jupiter fort. Nach einer psychedelischen Sequenz, in der das Schiff durch einen langen Lichttunnel zu fliegen scheint, findet sich Bowman in einem altmodisch eingerichteten Zimmer wieder. In einer rästelhaten Szene sieht der Astronaut sich selbst in verschiedenen Lebensaltern bis zum Tod, der Monolith erscheint ein weiteres Mal und ein Fötus, sehr deutlich an Bowman erinnernd, schwebt schließlich in einer Fruchtblase zwischen Erde und Mond.

Der Einfluß, den "2001" auf das gesamte Genre ausübte, kann gar nicht überschätzt werden. Unzählige Male wurde der Film zitiert, vom Kinofilm bis zu den "Simpsons". Revolutionär waren die Spezialeffekte (es gab einen Oscar), den Einsatz der Musik kann man nur dramaturgisch perfekt nennen. Neben der bereits erwähnten Szene zu "An der schönen blauen Donau" erklingt mehrere Male an signifikanten Stellen der Anfang aus "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss, das Erscheinen des Monolithen wird immer mit dem "Kyrie" aus Györgi Ligetis "Requiem" unterlegt. Stets wirkt die Musik wie für den Film geschrieben und begleitet kongenial die Handlung, die einen scheinbar unbegrenzten Spielraum für Interpretationen in verschiedenste Richtungen bietet.

"2001" ist einer der unsterblichen Kinoklassiker geworden, der seinen Reiz wohl nie verlieren wird, solange man bereit ist, sich auf die, zugegeben, etwas sperrige Handlung einzulassen.

Diese DVD beinhaltet neben dem Hauptfilm in bester Ton - und Bildqualität leider nur noch einen Kinotrailer, was etwas wenig für ein Werk dieser Bedeutung ist, aber "2001" in der Qualität entschädigt auch dafür.


Katz und Maus. SZ-Bibliothek Band 3
Katz und Maus. SZ-Bibliothek Band 3
von Günter Grass
  Gebundene Ausgabe

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Für die Katz, 11. Juni 2007
Ganz ohne Zweifel ist Günter Grass einer der wichtigsten Schriftsteller der Nachkriegsliteratur und seine Bedeutung für die nachfolgenden Generationen kann gar nicht überschätzt werden. "Die Blechtrommel" habe ich verschlungen, umso enttäuschender verlief die Lektüre des zweiten Teils der Danziger Trilogie. "Katz und Maus" bringt es auf magere 142 Seiten, was an sich nicht schlimm ist, da ich ein Freund kurzer Bücher bin und schon Geschichten aus wenigen Sätzen die Literatur nachhaltig verändert haben. Nun wäre es sehr schön gewesen, wenn Herrn Grass auf diesen 142 Seiten etwas auch nur ansatzweise Interessantes eingefallen wäre, das ist allerdings nicht der Fall.

Die Handlung spielt im Danzig des 2. Weltkriegs. Der Schüler Pilenz hat seinem Freund Mahlke einen üblen Streich gespielt. Mahlke hat einen Makel: Sein Adamsapfel ist übermäßig groß, was ihn zum Ausenseiter stempelt, Pilenz setzt auf diesen Adamsapfel (der wohl etwas mäuseartiges hat) eine Katze und macht Mahlke so ein weiteres Mal zum Gespött. Aus Reue entschließt er sich, die Lebensgeschichte seines Freundes aufzuschreiben. Lieber Pilenz, das ist sehr nett von dir, aber es wäre nicht nötig gewesen. In dem ganzen Buch passiert so gut wie gar nichts, es geht nur immer wieder darum, wie sich Mahlke um Anerkennung und um Kaschierung seines "Makels" bemüht. Dazu überschlägt Grass sich geradezu in sprachlichen Volten, fängt Sätze an, die er irgendwann später mal beendet, läßt mal Subjekt, mal Prädikat weg und schafft so einen zwar komplizierten, aber absolut uneleganten, geradezu klumpigen Sprachstil. Grass macht nicht einmal den Versuch, sich in einen 14 - Jährigen, aus dessen Perspektive das Buch ja erzählt ist, und in dessen Sprache hineinzuversetzen, alles liest sich, als ob ein Literaturprofessor den Sprachstil eines Jugendlichen zu imitieren versucht.

Um die Verbindung herzustellen, läßt Grass hier einmal kurz den Blechtrommler Oskar Mazerath durch den Park wackeln, was den Leser an ein bedeutend erquicklicheres Zusammentreffen mit diesem Autor erinnert.

Mag man Grass noch so sehr schätzen (und ich schätze ihn wirklich, vor allem für sein politisches Engagement), diesen absolut mißglückten zweiten Roman sollte man schnell abhaken.


Love and Theft
Love and Theft
Preis: EUR 7,99

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Love And Theft - Dylans fidele Ahnenforschung, 6. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Love and Theft (Audio CD)
Nach der triumphalen Rückkehr mit "Time Out Of Mind" hing wieder mal alle Welt an Dylans Lippen. Der Meister, dessen Kreativität so mancher Kritiker schon versiegt wähnte, brachte sich mit dieser Sammlung kompromisslos pessimistischer Songs wieder ins Gespräch und wurde gar durch die spartanische Produktion (die bei seinen Alben in den 80er Jahren immer scharf gerügt worden war, Zeichen der Zeit) zum Vorbild der Lo - Fi - Bewegung. Dylan mußte nach dieser Eruption erneuter Kreativität nun endgültig niemandem mehr etwas beweisen, sein nächstes Album, 2001 erschienen und "Love And Theft" (immer diese wunderbar ironischen Albumtitel) genannt, knüpft musikalisch an die beiden in den frühen 90ern entstandenen Platten "Good As I Been To You" und "World Gone Wrong" an, auf denen Dylan kein eigenes Material zu Gehör gebracht, sondern ausgesuchte Traditionals und Folksongs aufgenommen hatte, die ihm besonders am Herzen lagen.

"Love And Theft" besteht zwar ausschließlich aus neuen Dylan - Songs, der Meister läßt sich hier jedoch stets deutlich von den Vorbildern aus alter Zeit, noch lang vor der Rock'n'Roll - Bewegung, inspirieren. Pate standen natürlich größtenteils die Bluessänger der 20er und 30er Jahre, neu ist hier allerdings Dylans neue alte Liebe für die Swingmusik, die er hier auf einigen Titeln zum Ausdruck bringt. Das Album gleicht einer Zeitreise ins musikalische Amerika vor dem 2. Weltkrieg und legt Dylans Wurzeln offen, bei jedem einzelnen Song hört man dem sonst oft grießgrämigen Meister hier den Spaß an der Sache an.

Es beginnt mit "Tweedle Dee And Tweedle Dum", rumpelnder Beat, Gitarren, die wie aus dem Sumpf gezogen klingen, dazu raspelt Dylan einen seiner mit literarischen Zitaten gespickten Rätseltexte herunter. Ein guter Auftakt, aber nicht gerade ein neuer "Tombstone Blues". "Mississippi" kannte man bereits vor dem Erscheinen des Albums, Dylan hatte ihn, wohl nicht ohne Hintergedanken, Sheryl Crow zu Aufnahme überlassen. Seine eigene Version ist eine ergreifende Liebeserklärung voller Schwermut und Reue, musikalisch ganz tief im Süden angesiedelt und mit einem wunderschönen Refrain. "Summer Days" ist ein krachender Rockabilly - Song, ein Gruß an die musikalischen Vorbilder des Ur - Rock'n'Roll, mit "By And By" folgt ein erster Eindruck von Dylans Jazz - Einflüssen, er schaltet seine Krächzstimme auf zärtlich und singt Zeilen wie "You were my first love and you'll be my last", ein Song zum Engtanzen. "Lonesome Day Blues" klingt wie der Song, den Muddy Waters nie aufgenommen hätte, ein böse, traurige Klage wie in den Zeiten der Arbeit auf den Baumwollfeldern. "Floater" zitiert die Swingmusik der 30er mit einer Gitarrenlinie, die von Charlie Christian stammen könnte und einem sehr hintergründigen Text, "High Water (For Charley Patton)" ist einer der stärksten Songs des späteren Dylan, eine gewaltige Wortkaskade, die sich vielfach an Zitaten aus Blues - Klassikern (nicht umsonst ist der Song einem der größte Altmeister gewidmet) bedient und der Sänger betätigt sich als schneidend zynischer Chronist. Die Nummer hätte auch wunderbar auf "Blood On The Tracks" gepasst. "Moonlight" sieht Bob Dylan in einer sehr seltenen Rolle. Wieder beleiht er die Swingmusik und betätigt sich als Crooner, wie es ein Frank Sinatra nicht besser hinbekommen hätte, nur eben mit dem dylanschen Reibeisenbariton. Mit "Honest With Me" läßt es die Band noch einmal krachen, Dylan überschlägt sich fast mit Wortakrobatik, "Po' Boy" schildert ein Familienschicksal mit bissiger Sozialkritik, wieder standen die alten Bluesmeister Pate. Das Album schließt mit "Sugar Baby", His Bobness ist hier der Seelentröster, der aufbauende Freund und entläßt den Hörer mit einem Silberstreif am Horizont.

Wie heißt es so schön, "kleine Künstler imitieren, große Künstler kopieren." Dylan ist ein großer Künstler.

Ein fabelhaftes Album mit absolut zeitloser Musik.


Süddeutsche Zeitung - Bibliothek; [1]: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Süddeutsche Zeitung - Bibliothek; [1]: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
von Milan Kundera
  Gebundene Ausgabe

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Liebe im Prager Frühling, 2. Juni 2007
Milan Kundera ist einer der bekanntesten tschechischen Schriftsteller. Er studierte an der Prager Filmakademie und begann seine Karriere als Musiker. Bereits mit 30 Jahren sah er sich jedoch als "Romancier und nichts als Romancier". Zunächst relativ an das kommunistische Regime angepasst, entwickelte sich Kundera in den Zeiten des "Prager Frühlings" zur Galionsfigur einer Bewegung unter tschechischen Künstlern, die sich gegen das System auflehnte und die Dogmen der politischen Führung nicht mehr achtete. Sein erster Roman "Der Scherz" und der erste Band der Geschichtensammlung "Das Buch der lächerlichen Liebe" sind eine scharfe Kritik am Totalitarismus und machten Kundera zum Vordenker der Freiheitsbewegung "Prager Frühling".

Nachdem durch den Einmarsch der Roten Armee diese Bewegung niedergeschlagen und Presse - und Kulturfreiheit wieder unter die Kontrolle des kommunistischen Regimes gezwungen worden war, wurden Kunderas Bücher aus den Bibliotheken entfernt und seine neuen Romane "Das Leben ist anderswo" und Abschiedswalzer" konnten in der Tschechoslowakei nicht mehr erscheinen, der Autor selbst wurde zur "persona non grata" erklärt. 1975 erhielt er einen Ruf an die Universität Rennes und emigirierte nach Frankreich. Dort entstand schließlich 1982 der Roman, der ihn weltbekannt machen sollte. In "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" schildert Kundera die Liebesgeschichte des Arztes Tomas und der Kellnerin Teresa vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der tschechischen Freiheitsbewegung. Tomas und Teresa führen eine lebenslange Beziehung, die jedoch durch seine notorische Untreue immer wieder belastet wird. Nach der Niederschlagung des Aufstands flieht das Paar in die Schweiz, wo Tomas seine alte Affäre mit der Malerin Sabina wieder aufnimmt. Die gedemütigte Teresa erträgt es nun nicht länger und kehrt in die Tschechoslowakei zurück. Tomas folgt ihr, gibt dadurch eine vielversprechende Karriere als Chirurg auf und wird durch die Flucht in ein einsames Dorf auch am Fremdgehen gehindert.

Der Roman ist nicht gerade einfach zu lesen. Kundera unterbricht die Handlung immer wieder durch philosophische Bertrachtungen, arbeitet viel mit Rückblenden und unterbricht die Handlung oft, um als Erzähler die Geschichte zu kommentieren. Dadurch entsteht an einigen Stellen etwas Verwirrung, so daß man das Buch nach einmaligem Lesen kaum erfasst haben dürfte, der Autor bleibt jedoch immer nah an seinen Figuren und entführt den Leser auch durch die zahlreichen Unterbrechungen der Handlung in die innere Welt der Personen und in die Atmosphäre des "Prager Frühling".

Nicht gerade eine leichte Sommerlektüre, aber ein wichtiger Bestandteil der Weltliteratur, dessen Lektüre sich, trotz der zeitweisen Sperrigkeit auf jeden Fall lohnt.


Unchained
Unchained
Wird angeboten von jazzfred1975
Preis: EUR 20,05

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Starkes Album, 1. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Unchained (Audio CD)
Mit dem spartanischen, düsteren und brutal ehrlichen "American Recordings" hatten Johnny Cash und Produzent Rick Rubin 1994 ins Schwarze getroffen. Diese Platte katapultierte Cash, den das Musikbusiness bereits von der Liste gestrichen zu haben schien, schlagartig zurück an seinen verdienten Platz an der Spitze des Rock - Pantheons und machte den Man In Black auf seine alten Tage ein weiteres Mal zum Jugendidol. Die Qualität des Albums und sein Erfolg bewog das Team Cash/Rubin zu einer weiteren Zusammenarbeit mit dem bewährten Rezept. Cash sang einfach, wozu er Lust hatte, Rubin übernahm beratende Funktion und empfahl Songs, die der Country - Legende bislang fremd waren, wodurch es auch hier einige Überraschungen gibt. Um das Folgealbum etwas konsumentenfreundlicher zu gestalten und weil Cash mal wieder mit einer Band arbeiten wollte, holte man einen alten Cash - Verehrer und seine Band dazu: Tom Petty & The Heartbreakers. Das Ergebnis ist ein kraftvolles Album mit einer exzellenten Songauswahl, das jedoch in punkto Intensität weder mit Cashs Platten mit den Tennessee Three oder dem Vorgänger konkurrieren kann.

Der Opener "Rowboat" von Beck könnte kaum geeigneter für den Man In Black sein, ein klassischer Song über das Leben auf der Strasse und eine gute Einstimmung auf die bunte Songauswahl. Der erste Höhepunkt folgt sofort. Don Gibsons "Sea Of Heartbreak" kommt mit Boogie - Woogie - Flair und Baß - Piano daher und verbreitet gute Stimmung. Der nächste Song ist ein absoluter Höhepunkt des Albums und eine faustdicke Überraschung. Mit "Rusty Cage", im Original von Soundgarden, konnte Cash sich lange Zeit nicht anfreunden, der Song mit einem für Cash recht untypischen Tempowechsel geriet jedoch zu einem Höhepunkt des Albums und sicherte Cash weitere Punkte auf der Coolness - Skala der Grunge - Kids. "The One Rose", ein alter Jimmie - Rodgers - Klassiker, wird stilsicher interpretiert, Cashs Eigenkomposition "Country Boy" rumpelt zwar recht stimmig, erreicht aber nicht den Drive der Originalversion von "With His Hot & Blue Guitar". Dean Martins rührseliges "Memories Are Made Of This" wird durch Cashs rauh - charmante Interpretation geadelt, "Spiritual" singt er gewohnt inbrünstig, ohne missionarisch oder aufdringlich zu wirken, eine von Cashs größten Tugenden. Ein weiterer Höhepunkt ist das Carter - Family - Original "Kneeling Drunkard's Plea", das einen unwiderstehlichen Holterdipolter - Beat besitzt. Etwas schwächer geht es mit dem zu weichgespülten Petty - Song "Southern Accents" und Cashs "Mean Eyed Cat" weiter, "Meet Me In Heaven" und "I Never Picked Cotton" sind wieder hochklassige Versionen, während der Titelsong "Unchained" ziemlich unter den Konserven - Streichern leidet. Cash schließt mit dem großartigen "I've Been Everywhere" stellt einmal mehr seine unnachahmliche Coolness, gepaart mit ungeahnter Zungenfertigkeit unter Beweis.

Insgesamt ein brillantes Album, dem man den einen oder anderen Ausrutscher in punkto Geschmackssicherheit vorbehaltlos verzeiht.

Die Hammeralben sollten noch folgen...


Leoncavallo: Cavalleria Rusticana (Gesamtaufnahme) (ital.)
Leoncavallo: Cavalleria Rusticana (Gesamtaufnahme) (ital.)
Preis: EUR 24,01

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cavalleria Rusticana / Pagliacci - Zweimal Verismo in Starbesetzung, 27. Mai 2007
Es gibt nicht wenige Komponisten, deren Ruhm auf einem einzigen Werk beruht. Der in Livorno geborene Pietro Mascagni ist einer dieser Fälle. Lange Zeit nahm man in der Musikwelt von dem Komponisten, der den völlig unbedeutenden Posten eines Musiklehrers und Blaskapellenleiters in Cerignola bekleidete, keinerlei Notitz, doch sollte sich dies mit seinem ersten Opernwerk grundlegend ändern. Der Mailänder Verlag Sonzogno schrieb im Jahr 1890 einen Wettbewerb für einaktige Opern aus. Mascagni, von seinem Posten alles andere als ausgelastet, nahm sich das Volksschauspiel "Cavalleria Rusticana" des Autors Giovanni Verga vor, eine nahezu ideale Vorlage für ein veristisches Musikdrama. Die Geschichte spielt im sizilianischen Bauernmilieu, beinhaltet viel Volkstümlichkeit, gepaart mit einem hohen Maß an Dramatik. Mascagni besaß die Gabe der großen Melodie und ein untrügliches Gespür für den dramatischen Atem einer Opernszene. "Cavalleria Rusticana" kann man eigentlich immer und überall spielen lassen, diese Oper hat ein Thema, das interantional und über Völker - und Kulturgrenzen hinweg verständlich ist, ein nicht zu häufig vorkommender Glückfall. Mascagni gewann mit seinem Beitrag den Wettbewerb, "Cavalleria Rusticana", uraufgeführt am 17. Juni 1890 in Rom, wurde der größte Triumph in der Karriere des jungen Komponisten und verbreitete sich in Windeseile über die ganze Welt.

Natürlich gibt es auch eine Vielzahl von Aufnahmen, sehr oft, wie auch hier, im Verein mit Leoncavallos "Pagliacci", da auch diese Oper sehr kurz ist und beide thematisch sehr gut zueinander passen. Oft werden auch beide Werke an einem Abend mit dem selben Ensemble aufgeführt. Hier gibt es auf zwei CDs Interpretationen der Opern von verschiedenen Dirigenten mit unterschiedlichen Ensembles. Der Star der Aufnahme ist beide Male Luciano Pavarotti, der seine Aufgaben sehr gut löst. Die Einspielungen stammen aus dem Jahr 1978, also aus der Zeit, als Pavarotti noch im Vollbesitz seiner einzigartigen Stimme war und außerdem bereits über die Erfahrung verfügte, komplexe, auch wegen der Kürze der Partien schwierige Rollen zu meistern. Am überzeugendsten wirkt er als leichtsinniger Turiddu in der "Cavalleria", eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschrieben wirkt. Die "Siciliana", ein Volkslied, das, recht untypisch, in die Ouverture integriert ist, habe ich von keinem anderen Sänger der Rolle schöner interpretiert gehört, Pavarotti vermeidet im berühmten Trinklied das oft eingeschmuggelte hohe C, singt ansonsten sehr disziplinert und meistert die dramatischen Szenen mit genau der richtigen Mischung aus dramatischer Gestaltung und virtuoser Gesangstechnik. Ein wenig ferner liegt ihm der Canio in "Pagliacci". Wie so viele Sänger dieser Partie gelingt es ihm hier nicht, aus dem übermächtigen Schatten Enrico Carusos zu treten, auch wirkt seine eher leichte, am Belcanto geschulte Stimme, an einigen Stellen nicht ganz rollendeckend, ihm fehlt die dunkle Färbung des dramatischen Tenors, den diese Partie benötigt, und wie sie ein Valdimir Atlantow, Domingo oder Carlo Bergonzi besaßen. Nichtsdestotrotz hinterläßt er auch hier einen sehr guten Eindruck, vor allem im Verein mit seiner Lieblingspartnerin Mirella Freni gibt es hier wunderbare Gesangsleistungen zu hören, einzig die plakativen Schluchzer am Ende der berühmten Arie "Ridi, Pagliaccio" hätte er sich sparen können.

Die weitere Besetzung der "Cavalleria Rusticana" ist ausgezichnet bis grundsolide. Neben Pavarotti hinterläßt Julia Varady in der Rolle der Santuzza den nachhaltigsten Eindruck. Mit ihrem dramatischen Sopran interpretiert sie die Partie des verlassenen Mädchens, das schließlich furchtbare Rache nimmt, absolut überzeugend und bewegend.

Die Rolle des Fuhrmanns Alfio, das Instrument von Santuzzas Rache ist bei Piero Cappuccilli, dem bedeutendsten italienischen Bariton der 70er Jahre, sehr gut aufgehoben. Er macht aus dem betrogenen Alfio keinen düsteren Bösewicht, sondern interpretiert ihn als eigentlich heiteren Charakter, der, durch die Umstände in seiner Ehre gekränkt, zum Rächer wird. Stimmlich gibt es bei ihm nichts zu mäkeln, Cappuccilli ist nach wie vor einer der besten Baritone.

Ebenfalls sehr überzeugend gibt Ida Bormida die Mama Lucia und Carmen Gonzales leiht der Lola ihren verführerischen Mezzosopran.

Eine wichtige Rolle spielt der Chor, der viele Szenen zu untermalen oder zu leiten hat. Der London Opera Chorus hinterläßt hier einen ausgezeichneten Eindruck, präsentiert sich als eingespieltes und virtuos geleitetes Ensemble. Dirigent Gianandrea Gavazzeni leitet das National Philharmonic Orchestra sensibel und inspiriert, insgesamt eine rundum empfehlenswerte "Cavalleria Rusticana" ohne naturalistische Effekthascherei, es gibt nur ein bißchen Peitschengeknalle in Alfios Fuhrmannslied.

Ähnlich wie Mascagni war Ruggiero Leoncavallo ein "One - Hit - Wonder" in der Opernszene. Zunächst ein unbekannter Pianist in Kaffeehäusern und Leiter umherziehender Operntruppen, beteiligte er sich an oben genanntem Wettbewerb, wurde jedoch nicht zugelassen, weil sein "Pagliacci" zwei Akte hat. Die Jury zeigte sich jedoch tief beeindruckt von der hochdramatischen Oper im Clownsgewand und empfahl das Werk wärmstens zur Aufführung, die den größten Triumph in Leoncavallos Leben bedeutete und ihn schlagartig weltberühmt machte. Ähnlich wie die "Cavalleria" behandelt "Pagliacci" ein Grundthema der Bühne: Das Altern, das Scheitern der Liebe und das mühsame Aufrechterhalten des Scheins. Zwar wird in "Zeit und Ort" angegeben, die Handlung spiele in einem kalabrischen Dorf im Jahr 1865, doch eine solche Tragödie kann sich immer und überall auf der Welt ereignen, was, neben der wundervollen Musik, die Popularität, die diese Oper noch heute hat, erklärt: Dieses Werk scheint mitten aus dem Leben gegriffen zu sein.

Viele Interpreten des tragischen Helden Canio hat es schon gegeben, noch immer am berühmtesten und noch heute für jeden Darsteller maßgeblich dürfte Carusos leider nur in Bruchstücken überlieferte Interpretation sein, aus dessen Schatten sich nicht einmal Pavarotti lösen kann.

Pavarottis langlährige Lieblingspartnerin auf Bühne und Tonträger, Mirella Freni liefert hier eine so eindringliche Leistung, daß sie den Tenor des öfteren etwas blaß erscheinen läßt. Ihre weiche, glockenreine Stimme passt optimal zu der flatterhaften Nedda, rundum überzeugend gelingt ihr die Darstellung sowohl der "realen" Person Nedda als auch der "Colombina" in der Komödie, die zum Drama gerät. Einzig Maria Callas vermag ihr in dieser Rolle Komkurrenz zu machen.

Tonio, der Intrigant, ist mit dem schwedischen Charakterbariton Ingvar Wixell absolut rollendeckend besetzt. Auch er gibt nicht den reinen Bösewicht, sondern vermag die Doppelbödigkeit dieser Partie überzeugend darzustellen.

Die weiteren Rollen sind mit Vincenzo Bello (Beppe/Arlecchino) und Lorenzo Saccomani (Silvio) mehr als solide besetzt.

Wie in der "Cavalleria" kommt dem Chor hier als Handlungsbegleiter ein sehr wichtige Rolle zu. Wieder überzeugt der London Opera Chorus auf ganzer Linie.

Diesmal steht Giuseppe Patanè am Pult, auch er löst seine Aufgabe ausgezeichnet und leitet das National Philharmonic Orchestra mit viel Gefühl für die Dramatik und die intimen Momente dieses Werks.

Insgesamt eine Aufnahme, die aus der Vielzahl der "Pagliacci"/"Cavalleria Rusticana" - Einspielungen durch die Leistungen der Sänger und die Interpretation der Dirhgenten herausragt.

Absolut empfehlenswert.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 24, 2014 6:38 PM CET


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