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Rezensionen verfasst von
Martin Resch "makarresh" (Hamburg)
(REAL NAME)   

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Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band
Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 29,88

28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Beatles als Tüftler - Das wohl berühmteste Album der Popgeschichte, 23. Juli 2008
Es gibt kaum ein Superlativ, das man auf "Sgt. Pepper" nicht anwenden kann: Eines der ersten Konzeptalben (wobei der Ausdruck hier etwas verfehlt ist, das einzige wirkliche Konzept ist die durchgehende Improvisationsfreudigkeit), das erste Album, das schon am ersten Verkaufstag Goldstatus erreicht hatte, Pionierwerk der Psychedelik (wobei die Beatles allerdings eher als erste weltberühmte Band auf den fahrenden Zug aufsprangen), das wohl bekannteste Cover der Popgeschichte, die zur damaligen Zeit aufwendigste Produktion mit unzähligen technischen Spielereien, komplizierte Songstrukturen, wie man sie von den Beatles bisher nicht gekannt hatte, das am zweithäufigsten verkaufte Album in Großbritannien (noch immer), und auf jeder Bestenliste auf der Top - Position oder zumindest den vorderen Plätzen zu finden. "Sgt. Pepper" gehört zu diesen Platten, die man einfach besitzen muß, um überhaupt mitreden zu können.
Lohnt sich der Kauf und das hundertmalige Anhören des Albums nach über 40 Jahren immer noch? Ganz eindeutiges JA!!! Die Beatles erreichten hier eine ganz neue musikalische Dimsension. Schon in den Vorgängeralben "Rubber Soul" und ihrem (meiner Meinung nach) besten Album "Revolver" hatte sich der Weg schon abgezeichnet, die Musik ging weg von den schlichten Beatstrukturen und wurde komplexer, die Texte entfernten sich von "Boy - loves - Girl" - Poesie und wurden nachdenklicher, tiefsinniger und anspruchsvoller.
Mit "Sgt. Pepper" erreichte diese Kreativität ihren Höhepunkt. Die Beatles hatten das anstrengende Touren eingestellt, waren die berühmteste Band der Welt und mußten niemandem mehr etwas beweisen, konnten sich Studiozeit ohne Ende leisten und nutzten ihre kreative Kontrolle (der bislang allmächtige George Martin durfte nur noch beraten) bis hin zur Narrenfreiheit. "Sgt. Pepper" wurde die Antwort auf die Steilvorlage, die die große Konkurrenz aus Übersee, die Beach Boys, mit "Pet Sounds" auf den Markt gebracht hatte. Zwar erreicht "Sgt. Pepper" meiner Meinung nach nicht ganz die Qualität von Brian Wilsons Meisterwerk, es wurde jedoch ein äußerst anspruchsvolles Popalbum, das seine Einflüsse von den verschiedensten Stilen bezog, in seinen Dimensionen die bisherigen Konventionen sprengte und die Popmusik nachhaltig beeinflußte.
Da die Beatles aufgehört hatten, Konzerte zu geben, brauchten sie auf ihrem neuen Album keine Rücksicht mehr auf die Live - Tauglichkeit der Songs zu nehmen und nutzten diese neu entstandene Freiheit voll aus. In der Tat wäre es kaum möglich gewesen, das Repertoire von "Sgt. Pepper" mit den damaligen technischen Möglichkeiten auf der Bühne zu spielen, diese Techniken entstanden erst nach und nach und somit war das Album auch Vorreiter für die Overkills an technischem Equipment, das später Bands wie Pink Floyd (die parallel zu den Beatles im Studio nebenan ihr Debütalbum aufnahmen) auffuhren, um ihre Songs live spielen zu können. Man kann an Beispielen anführen, was man will, irgendwie trifft man immer auf "Sgt. Pepper", das mit seiner psychedelischen Verspieltheit auch optimal in den "Summer of Love" 1967 passte und so zum Soundtrack für eine ganze Generation gehört.
Die Songs auf dem Album sind fast durchgängig von hoher Qualität, man sieht hier allerdings zum ersten Mal wirklich, wie das Team Lennon - McCartney auseinanderdriftet und sich in verschiedene Richtungen entwickelt. Lennon erging sich in Soundtüfteleien und psychedelischen Versen ("Lucy In The Sky With Diamonds, "Being For The Benefit Of Mr. Kite", "Good Morning, Good Morning", für das verschiedenste Tierstimmen verwendet wurden und das, wenn man in der falschen Stimmung ist, ganz gewaltig nerven kann), McCartney vertraute auf seine soliden Songwriterqualitäten, gepaart mit seiner Vielseitigkeit ("Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" als Rocksong, "When I'm Sixty - Four" als Hommage an die britische Music - Hall - Tradition, "Getting Better" als etwas verdrehter Popsong). Auch George Harrison, der hier seiner Liebe zu indischer Musik freien Lauf läßt liefert mit "Within You, Without You" einen fabelhaften Beitrag, der rein mit indischen Instrumenten eingespielt wurde und so das Interesse an dieser Musik erst richtig weckte. Am besten sind die Beatles allerdings auch auf diesem Album, wenn das Gespann Lennon - McCartney zusammenarbeitet und sich gegenseitig inspiriert, so in Ringos Gesangsstück "With A Little Help From My Friends", das später durch Joe Cockers Interpretation beim Woodstock - Festival ungeheuer populär werden sollte, und dem absoluten Übersong des Albums "A Day In The Life", der "Sgt. Pepper" mit einem Paukenschlag beendet und leise ausklingen läßt. Der Song besteht aus einem von Lennon geschriebenen Part, in dem er Meldungen aus der "Daily Mail" über einen bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Freund der Band, seinen Part in dem Film "How I Won The War" und Schlaglöcher in den Straßen von Blackburn Revue passieren läßt, dazwischen schaltet sich eine musikalische Skizze von Paul McCartney, in der er ein von Routine beherrschtes Leben beschreibt. Dazu hatten die Beatles die kostpielige Idee, eine Überleitung von einem ganzen Symphonieorchester spielen zu lassen, das auch den Song mit einem gewaltigen Crescendo und einem langen Fade - Out beschließt. Insgesamt ein immer wieder überwältigender Effekt und die optimale Inspiration für Bands, die ihre Songs zu orchestralen Klangbildern werden ließen.
Insgesamt muß man über "Sgt. Pepper" sagen, daß es noch immer zu den besten und inspirierendsten Alben der Popgeschichte gehört, mit seiner unglaublichen Kreativität unzählige andere Bands beeinflußt und die Aufnahmetechnik revolutioniert hat.
In knapp 40 Minuten krempelten die Fab Four die ganze Popwelt um, allein dafür gebührt "Sgt. Pepper" sein Platz in der ewigen Bestenliste.


Die Angst des Tormanns beim Elfmeter: Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter: Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
von Peter Handke
  Sondereinband
Preis: EUR 6,50

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessante Psychostudie, 6. Juli 2008
Der Monteur und einstige bekannte Tormann Josef Bloch erscheint eines Morgens zur Arbeit auf seiner Baustelle. Als nur der Polier von seiner Jause aufschaut, wähnt Bloch sich entlassen, verläßt seinen Arbeitsplatz und streift das ganze Wochenende über ziellos durch Wien, findet Kontakt zu einer Kinokassiererin, die er schließlich nach der ersten gemeinsamen Nacht erwürgt. Er besteigt einen Bus, fährt in einen "südlichen Grenzort", wo er bei einer Bekannten unterkommt, jedoch auch keine Ruhe findet. Ständig ist er in Bewegung, ziellos durchstreift er die Gegend, bekommt eher zufällig und unbeteiligt mit, daß ihm die Polizei auf der Spur ist, versucht sich selbst zu überführen.
"Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" ist die Geschichte eines Menschen, der sich eines Tages plötzlich nicht mehr in der für ihn bisher normalen Welt zurechtfindet. Bloch ist mit den Geräuschen und der Grellheit der Stadt, dem Umgang mit seinen Mitmenschen überfordert, kann keine Zusammenhänge mehr bilden, keine Beziehungen mehr aufbauen. Schizophren wirkt sein ganzes Verhalten, Bloch bewegt sich ziellos durch "seine" Welt, ist ständig in Bewegung, wie auf der Flucht vor etwas Unbekannten, ständig dazu gezwungen, sein Verhalten und das seiner Mitmenschen zu interpretieren.
Peter Handke macht es dem Leser in diesem kurzen Bändchen alles andere als leicht. Bloch bei seinen komplizierten Gedankengängen zu folgen, erfordert die volle Aufmerksamkeit des Lesers, seine ziellosen Streifzüge, die oft genug im Nichts enden, umschreibt Handke mit gewaltigen Wortkaskaden und Anhäufungen von Beobachtungen und Interpretationen. Vieles erscheint auf den ersten Blick unnötig, erst nach öfterem Lesen sieht man durch das Wirrwarr in Blochs Geist ein wenig Klarheit durchschimmern.
Handke hat hier den Versuch unternommen, sich in den Kopf eines Geistesgestörten zu versetzen. Zwar ist das Buch in der dritten Person geschrieben, Handke nimmt jedoch fast immer die persönliche Sicht Josef Blochs ein, wahrt nur wenig Distanz und schützt den Protagonisten immer wieder vor seinen eigenen Interpretationen.
Größtenteils ist dieser Versuch geglückt, auch wenn man "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" beim ersten Lesen kaum verstehen wird und der Erzählung noch einiges an Aufmerksamkeit schenken muß.
Ein spannendes, kurzweiliges und dabei äußerst vielschichtiges Buch, das man auf jeden Fall empfehlen kann.
Interessant auch die 1972 entstandene Verfilmung durch Wim Wenders.


Good As I Been to You
Good As I Been to You
Preis: EUR 12,56

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endpunkt und Neuanfang, 22. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Good As I Been to You (Audio CD)
Genug der Überproduktion und der Gaststars, keine geschniegelten, glattgebügelten Hochglanzalben mehr, kein Namedropping, um die Platten zu verkaufen, kein George Harrison, kein Mark Knopfler, kein Slash, kein Elton John und kein David Crosby. Her mit der Akustischen und der Harmonika und gesungen, was in den Sinn kommt.
Bob Dylan hatte fast die ganzen 80er Jahre verschlafen, die größte musikalische und kreative Krise seiner Karriere zu überwinden gehabt, hatte eine ganze Reihe für seine Verhältnisse sehr schwacher Alben veröffentlicht und war orientierungslos den Moden der 80er nachgelaufen. Erst zum Ende des Jahrzehnts, mit dem Album "Oh Mercy", hatte er sich gefangen und eine starke, pessimistische und bissige Platte herausgebracht. Die 90er begannen mit dem zwar recht anhörbaren, aber gnadenlos geschniegelten und mit Gaststars überbesetzten "Under The Red Sky", nicht sonderlich erfolgreich, starkes Gefälle in der Qualität der Songs und von der Kritik, wie damals üblich, verrissen.
Zwei Jahre später schließlich eine erneute Kehrtwende. 1962 war Dylans selbstbetiteltes Debüt erschienen, es zeigte einen jungen, hungrigen und gleichzeitig der Tradition verhafteten und nach Neuem strebenden Folksänger mit gewaltigem Potential. Dreißig Jahre später hat Dylan alles wieder abgestreift, die Band aus dem Studio verbannt, sich alleine mit seiner Gitarre hingesetzt und ehrt die amerikanische Songtradition. Das Ergebnis ist schlicht umwerfend. Purer, unverfälschter und verletzlicher hat man Dylan seit der Mitte der 60er nicht mehr erlebt, als er das erste Mal mit Band auftrat. Nichts wird hier kaschiert und glattgebügelt, nichts mehr durch Produktion verschönert, man hört nur einen alternden, noch immer alles andere als perfekten Musiker, der mit diesem Album zurück zu seinen Wurzeln geht. Dylans Stimme ist noch immer gewöhnungsbedürftig, schneidend, mit den Jahren rauher geworden und nicht eben schön anzuhören, doch noch immer hat er die Fähigkeit, den Hörer mit seinem Vortrag mitzureißen, ihn zu entführen in den Kanon der zeitweise jahrhundertealten Songs, die er auf "Good As I Been To You" zum besten gibt.
Hier geht es nicht um Perfektion, dazu sind diese Songs nicht gedacht, sie gehören zur Tradition, gehören dem Volk, bei dem sie sich seit Jahrhunderten im kollektiven Bewußtsein halten. Da mag die Stimme noch so schräg klingen, zeitweise wegbrechen und die Töne nicht treffen, da mag die Gitarre nicht gestimmt sein und Dylan ein ums andere Mal danebengreifen, die Atmosphäre dieses Albums, die Nähe und Intimität, die der Meister hier erzeugt, findet man in seinem Werk nur ganz selten, in seinen frühesten Aufnahmen und diversen Bootlegs.
Die Kritik zeigte sich seinerzeit ein weiteres Mal verständnislos, sah Dylan als endgültig ausgebrannt an, erst recht, als er ein Jahr darauf mit "World Gone Wrong" noch ein Album derselben Sorte herausbrachte.
Inzwischen sind beide Platten zu Kultwerken avanciert. Sie zeigen Dylans Weg aus der festgefahrenen Situation, hin zu dem furiosen Comeback, das er mit "Time Out Of Mind" hinlegen sollte und mit dem er sich seinen gebührenden Platz ganz oben zurückerobern sollte.
"Good As I Been To You" ist, trotz des Fehlens eigener Songs, eines der wichtigsten Dylan - Alben, es markiert das Ende einer Phase und den Beginn einer Neuen, und es ist nebenbei, gerade wegen der nicht vorhandenen Perfektion, eines seiner schönsten und bewegendsten Werke.


Mozart: Idomeneo (Gesamtaufnahme)
Mozart: Idomeneo (Gesamtaufnahme)
Wird angeboten von FastMedia "Versenden von USA"
Preis: EUR 73,27

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mozarts erste große Meisteroper, 20. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Mozart: Idomeneo (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Lange Zeit führte "Idomeneo" ein Schattendasein in Mozarts Werk. Ähnlich wie die spätere Oper "La clemenza di Tito", die gerne als Gelegenheitsarbeit zwischen "Cosi fan tutte" und der "Zauberflöte" abgetan wurde und die erst in jüngerer Zeit ihren verdienten Platz auf den Bühnen erhielt, mußte dieses Meisterwerk des damals 25 - jährigen Mozart lange auf seine Wiederentdeckung warten. In der Romantik wußte man nichts mit der recht konventionellen, noch in der Tradition des Barock verhafteten Handlung anzufangen und fast war "Idomeneo" schon vergessen, als man in 20. Jahrhundert langsam wieder auf diese erste große Meisteroper eines der größten Genies der Musikgeschichte aufmerksam wurde und es immer häufiger wieder auf die Bühne brachte.
Mozart erhielt den Auftrag zu "Idomeneo" aus München, wo er sechs Jahre zuvor mit "La finta giardiniera" einen beachtlichen Erfolg erzielt hatte. Auftraggeber war der "Kunstfürst" Karl Theodor, der schon Mannheim zu einem Zentrum der Kultur gemacht hatte und einen Großteil seines Orchesters und Theaterensembles mitgebracht hatte, welches Mozart wohlvertraut war. So machte er sich in gewohnt genialischer Art (mal mit Feuereifer arbeitend, mal absolut untätig) an die Arbeit, als der Zeitpunkt der Aufführung immer näher rückte und der Zeitdruck immer größer wunrde, kam auf die Mahnung des Vaters der berühmte Ausspruch: "Komponiert ist schon alles, ich muß es nur noch niederschreiben."
Am 29. Januar 1781 erklingt das Werk erstmals (zur Feier des Faschings in München) und wird zu einem Triumph für den erfolgsverwöhnten Mozart, dessen Hoffnung auf eine Anstellung in München oder weitere Aufträge jedoch ein weiteres Mal enttäuscht werden.
Am Textbuch liegt der anhaltende Erfolg des "Idomeneo" bestimmt nicht, ein recht konventionelles Libretto für eine typische Opera seria mit vielen Verwicklungen und spektakulären Effekten. Siegreich kehrt der König Idomeneus aus dem Trojanischen Krieg in sein Reich Kreta zurück und alles wäre perfekt, gäbe es da nicht den launischen Meeresgott Poseidon, der, allen Griechen feindlich gesonnen, die See aufwühlt und einen schrecklichen Sturm heraufbeschwört, bis Idomeneus in höchster Not schwört, den ersten Menschen, dem er an Land begegnet, dem Gott zu opfern. Dieser Mensch ist natürlich sein eigener Sohn Idamantes, worauf Idomeneus alles Mögliche tut, um den Schwur zu umgehen. Zahlreiche recht unglaubwürdige Entwicklungen gibt es, viele Effekte werden eingeflochten, bis hin zum Erscheinen eines Seeungeheuers, das der zornige Poseidon auf Kreta hetzt und das schließlich von Idamantes (hinter der Bühne) heldenhaft zur Strecke gebracht wird. Um noch Schlimmeres zu verhindern, will Idamantes den Opfertod auf sich nehmen, was jedoch von der ihm in Liebe verbundenen Ilia, einer trojanischen Prinzessin, verhindert wird, die sich als Ersatz anbietet. Das Wirrwarr klärt als "deus es machina" die Stimme des Meeresgottes persönlich, die Idomeneus als König für abgesetzt erklärt und Idamantes und Ilia als neues kretisches Königspaar einsetzt.
Mozarts Musik erhebt diese dichterische Dutzendware jedoch gewaltig. Seine ganze Inspiration gießt er über das Textbuch aus, gestaltet jede Figur meisterhaft mit einer eigenen musikalischen Linie, sei es nun der verzweifelte Idomeneo, der edle Idamante, die sanfte Ilia oder die furienhafte Atridentochter Elettra. Jedes Musikstück, jede Arie (und davon gibt es, der Tradition, der Barockoper folgend, Glucks Opernreform brach sich erst später Bahn, jede Menge) erglänzt in dem typischen Schimmer, der Mozarts Musik immer umgibt. Erstmals setzt der Komponist hier den gewaltigen, drohenden Klang der Posaunen ein, die ihn als kleinen Jungen immer zum Weinen gebracht hatten und die später im "Don Giovanni" den furchterregenden Geist des Komturs begleiten und für zahlreiche Gänsehautstellen in seinem Requiem sorgen sollten.
Die hier besprochene Aufnahme besitze ich schon recht lange, ich habe sie bekommen, als sie frisch auf herausgekommen war und nachdem ich einige andere Einspielungen gehört habe, ist sie für mich immer noch die insgesamt Schönste, die auf dem Markt ist. Das liegt vor allem an der sensiblen und virtuosen Leitung von Sir John Pritchard und an der intimen, kammermusikalischen Atmosphäre, die er und die Wiener Philharmoniker hier entstehen lassen. Liest man die Besetzungsliste, scheint es sich zunächst um eine Hochglanzproduktion mit Konzentration auf das mit Stars gespickte Sängerensemble zu handeln. Doch Pritchards Behandlung der Musik kann man nicht genügend loben, er findet für jede Situation den richtigen Ton und so entsteht eine glanzvolle, an den richtigen Stellen tief gehende und das Innenleben der Figuren auslotende Aufnahme.
Wie gesagt: Das Ensemble ist gespickt mit Stars, angefangen bei Luciano Pavarotti. Der hatte 1988, als die Einspielung entstand, seine besten Zeiten zwar bereits hinter sich, den jugendlichen Glanz und die immense Kraft seiner früheren Aufnahmen hatte seine Stimme verloren, dafür an Sensibilität und Reife gewonnen. Noch immer sang er schlicht und einfach aus dem Bauch heraus und auch hier kommt diese Tugend oft zum Einsatz, allerdings gepaart mit großer darstellerischer Intelligenz. Der verzweifelte Idomeneo ist keine Partie, in der man stimmliche Glanzpunkte setzen kann, man benötigt für diese Rolle viel Sensibilität und davon hat Pavarotti eine große Menge zu bieten. Mag auch die Stimme manchmal etwas müde klingen, die ein oder andere Koloratur nicht ganz sauber sein, Pavarotti ist ein rundum glaubhafter und bewegender Idomeneo.
Die Rolle des Idamante war ursprünglich für einen Kastraten geschrieben. Da diese in heutigen Zeiten schwer aufzutreiben sind, transponierte man die Partie zunächst zum Tenor um, in Zuge der Reoriginalisierung wurde es Mode, Idamante mit einem Countertenor oder einer Mezzosopranistin zu besetzen. Da ich eine nicht erklärliche Abneigung gegen Countertenöre habe, bin ich sehr dankbar, mit Agnes Baltsa hier eine der besten Mezzosopranistinnen der 70er und 80er Jahre zu hören, die ihre Aufgabe gewohnt hervorragend löst und der etwas einsilbigen Partie des edlen Königssohns einiges an Tiefe verleiht.
Ein Liebling Mozarts in dieser Oper war die trojanische Königstochter Ilia, eine seiner am schönsten gezeichneten Opernfiguren überhaupt. Hier ist es ein weiteres Mal die wunderbare Lucia Popp, die sich auch in dieser für sie bereits recht späten Aufnahme die Schönheit und einmalige Kultur ihrer Stimme bewahrt hat und als Ilia sowohl perfekt singt, als auch rundum überzeugend spielt. Es ist schlicht und einfach immer wieder ein Genuß, ihr zuzuhören, ich kann nie genug bekommen von dieser wundervollen, viel zu früh verstorbenen Sängerin.
Der Bösewicht dieser Oper ist die furienhafte, intrigante Atridentochter Elettra, in diesem Sinne auch von Mozart mit viel Leidenschaft und besonders komplizierten Koloraturen ausgestattet. Eine geradezu perfekte Aufgabe für Edita Gruberova, die die Parite gewohnt virtuos meistert, wenn ihr auch ein wenig die Wildheit der zornigen Agamemnonstochter fehlen mag. Ein weiteres Mal eine große Leistung der damals weltbesten Koloratursopranistin.
Einziger Schwachpunkt ist Leo Nucci in der Rolle des Arbace. Der, zugegeben, sehr undankbaren Rolle des treuen Freundes Idomeneos vermag er keinerlei Konturen zu geben, seine Rolle bleibt bedeutungslos und stimmlich ist er alles andere als präsent, wirkt müde und abgesungen. Es wäre besser gewesen, einen erfahrenen Mozartsänger zu holen, oder einen jungen, aufstrebenden Bariton mit dieser Partie eine Chance zu geben. So muß man hier jedoch mit Nucci leben, dessen Part allerdings recht klein ist und nicht sonderlich ins Gewicht fällt.
Dieser kleine Makel stört das Gesamtbild so gut wie gar nicht, ich höre diese Aufnahme regelmäßig und bin immer wieder begeistert von der sensiblen musikalischen Behandlung dieser nicht ganz einfach überzeugend aufzunehmenden Oper.
Für mich der musikalisch schönste "Idomeneo" und drei Stunden purer Mozart - Genuß.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 14, 2010 6:13 AM CET


Born to Run
Born to Run
Preis: EUR 7,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Durchbruch für den Boss, 5. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Born to Run (Audio CD)
1974 schrieb ein Musikkritiker nach einem Konzert Bruce Springsteens mit der E - Street - Band die heute legendären Zeilen: "I've seen the future of Rock 'n' Roll, and its name is Bruce Springsteen." Dieser Kritiker war Jon Landau, der von seiner Entdeckung so überzeugt war, daß er dem "Boss" nicht mehr von der Seite wich, nach langem Rechtsstreit das Management übernahm und auch als Produzent für das neue Album einsprang, als Springsteen selbst nicht mehr weiterkam.
Die bisherigen Alben der E - Street - Band, "Greetings From Asbury Park, N. J." und "The Good, The Bad And The E - Street Shuffle" waren von der Kritik einhellig gelobt worden, erwiesen sich in den Läden allerdings als Flops. Für sein neues Album schwebte Springsteen etwas ganz Großes vor, ein Konzeptalbum über die Flucht aus der Enge der Kleinstädte und Konventionen sollte es werden, über das ewige Thema Liebe und das Leben in den USA, dazu ein von den legendären Aufnahmen Phil Spectors aus den 60ern inspirierter, gewaltiger Sound, ein Album, das den Hörer schlichtweg überrollen sollte.
Respektable zwei Jahre bastelten Springsteen und seine Band an "Born To Run" herum, es wurde entwickelt, verworfen, ewig umarrangiert und die Reihenfolge geändert, Landau warf mehrere Male das Handtuch und Springsteens Beziehung ging über der Arbeit in die Brüche. Der Boss selbst zog das Resümee: "I was born, grew old and died making the album." Das kann man hören.
"Born To Run" ist ein einziger Gefühlsausbruch, triumphaler, unbändiger Rock, wie man ihn noch nie gehört hatte, Texte voller Sehnsucht zu einer gewaltigen "Wall Of Sound", getragen von Roy Bittans und Danny Federicis brillanten Linien an den Tasten und veredelt von Clarence Clemons' Saxophon.
Das Erscheinen des Albums wurde von einer groß angelegten Werbekampagne begleitet, endlich wurde nun auch die Masse auf Springsteen aufmerksam, "Born To Run" kletterte bis auf Platz 3 der US - Charts und Springsteen hatte sich den ihm zustehenden Platz ganz oben im Rockuniversum erobert.
Hört man das Album heute, ist man immer noch beeindruckt von der Vielschichtigkeit der Musik und der Ehrlichkeit in Springsteens Texten, alle Songs sind mitreißend, sei es nun der Opener "Thunder Road", Springsteens Markenzeichen und sein bester Song überhaupt, das genial arrangierte "Tenth Avenue Freeze - Out", das fast manische "Backstreets", der Titelsong, eine gewaltige Gefühlseruption über die Flucht aus tödlich beengenden Verhältnissen oder der großartige Abschluß "Jungleland". "Nur" acht Songs hat "Born To Run" zu bieten, jeder einzelne ist ein Hochkaräter, der virtuos auf allen Tasten der Gefühlsklaviatur spielt.
Bruce Springsteen hat noch einige hervorragende Alben herausbegracht, die Intensität von "Born To Run" konnte er jedoch nie wieder erreichen. Ein absoluter Schatz in jedem Plattenschrank.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 19, 2008 7:59 PM MEST


Sein oder Nichtsein
Sein oder Nichtsein
DVD ~ Jack Benny
Wird angeboten von derdvdler
Preis: EUR 16,95

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lache dem Grauen ins Gesicht, 4. Juni 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sein oder Nichtsein (DVD)
Als Ernst Lubitsch seinen heute bekanntesten Film drehte, waren die unvorstellbaren Verbrechen des Regimes der Nationalsozialisten noch nicht weltweit bekannt, erst nach dem Krieg wurde das ganze Ausmaß des Grauens, das die Nazis über die Welt gebracht hatten, offenbar. So erklärt sich die Leichtigkeit mit denen die NS - Unterdrücker lächerlich gemacht werden und bis heute gilt "Sein oder Nichtsein" neben Chaplins "Der große Diktator" als hervorragendes Beispiel eines antifaschistischen Propagandafilms, der zum ewigen Klassiker wurde.
Als der Film entstand, hatten Hitlers Armeen fast ganz Europa überrannt oder in Bündnisse gezwungen, nur Großbritannien und nationale Widerstandsgruppen boten den Deutschen die Stirn, die Wehrmacht stand an mehreren Fronten im Krieg und war bereits tief in die UdSSR eingedrungen, wo der Vormarsch erst Ende 1942 in Stalingrad steckenbleiben sollte. Genau wie im Deutschen Reich wurden auch in den USA zahlreiche Propagandafilme zur Unterstützung der Kampfmoral und um den Feind zu dämonisieren oder lächerlich zu machen produziert.
"Sein oder Nichtsein" sollte ein Propagandafilm zur Unterstützung des polnischen Widerstands sein, es wurde eine der brillantesten Komödien aller Zeiten und eine bissige Abrechnung mit dem Nazireich. Die Handlung spielt in Warschau im Jahr 1939, am polnischen Nationaltheater wird eine Komödie mit dem Titel "Gestapo" geprobt, doch die bedrohliche Situation führt zur Absetzung des Stückes und nun wird der politisch unbedenkliche "Hamlet" gegeben. Stars des Ensembles sind das Ehepaar Joseph (brillant als eitler, aber liebenswerter Fatzke, der alle Schwächen in sich vereinigt, die ein Schauspieler nur haben kann: Jack Benny) und Maria Tura (die bezaubernde Carole Lombard, die kurz vor der Uraufführung des Films mit nur 33 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam). Die flatterhafte Maria wird von dem jungen Fliegerleutnant Sobinski (Robert Stack) umworben, was zu einem herrlichen Running Gag führt. Kaum steht Joseph Tura als Hamlet auf der Bühne und beginnt den "Sein oder Nichtsein" - Monolog, steht Sobinski auf und verläßt den Zuschauerraum zum Stelldichein, worauf Tura prompt hängenbleibt. Auch gibt es hier wieder den berühmten "Lubitsch - Touch" zu bewundern: Es bleibt der Phantasie des Zuschauers überlassen, wie weit das Techtelmechtel zwischen Maria Tura und Sobinksi geht. Mitten in diese Situation platzt die Nachricht vom deutschen Einmarsch, das Theater wird geschlossen, das Ensemble zerstreut sich und Sobinski flieht zur polnischen Fliegerstaffel bei der Royal Air Force. Nun formiert sich in England und Polen selbst der Widerstand, einem Verräter und Spitzel der Gestapo muß das Handwerk gelegt werden, dazu (und natürlich, um Maria wiederzusehen) wagt sich Sobinski mitten in die Höhle des Löwen, das zerstreute Ensemble wird wieder vereinigt, Joseph Tura spielt mehr oder weniger freiwillig die Rolle seines Lebens und es wird in zahlreichen irrwitzigen und gefährlichen Situationen dem scheinbar übermächtigen Feind, verkörpert durch den Kommandanten der Gestapo, "Konzentrationslager - Erhardt" (ein schauspielerisches Meisterstück von Sig Rugman, der es schafft, Gefährlichkeit und Trotteligkeit zu vereinen) immer wieder ein Schnippchen geschlagen.
"Sein oder Nichtsein" zählt absolut zu den ganz großen Klassikern der Filmgeschichte den man getrost in eine Reihe mit Filmen wie "Citizen Kane", "Der Pate" oder "Casablanca" stellen kann. Nicht nur die Handlung ist ungeheuer vielschichtig und verliert auch bei der verrücktesten Situation nicht eine gewisse Glaubwürdigkeit, es gibt hier auch eine großartige Ensembleleistung (es gibt kaum etwas Besseres, als wenn Schauspieler Schauspieler spielen) und einen nahezu unerschöpflichen Schatz an Filmzitaten (Joseph Tura: "Sie kennen doch bestimmt diesen hervorragenden Schauspieler Joseph Tura?" - Erhardt: "Oh ja, den kenne ich, den hab ich vor dem Krieg in Warschau gesehen. Wissen Sie, was der mit Shakespeare gemacht hat, das machen wir jetzt mit Polen.") zu bewundern.
Die DVD - Ausgabe liefert den Film in bester Bild - und Tonqalität, so daß man ihm sein stolzes Alter fast gar nicht mehr anmerkt, die Tonspuren wurden restauriert (nebenbei bemerkt: "Sein oder Nichtsein" ist ein Musterbeispiel für eine rundum gelungene deutsche Synchronisation), also ein reiner Genuß ohne Knarzen und Rauschen.
Einziger Kritikpunkt: Es gibt leider kaum Extras, außer ein paar Trailer und eine recht magere Dokumentation über Ernst Lubitsch.
Das schmälert allerdings den Gesamteindruck kaum, "Sein oder Nichtsein" ist ein Juwel in jeder Filmsammlung.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 3, 2010 4:50 PM MEST


Traumnovelle
Traumnovelle
von Arthur Schnitzler
  Broschiert

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Psychologisches Meisterwerk, 2. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Traumnovelle (Broschiert)
Es gibt Autoren, die jahrelang an gewaltigen Wälzern schreiben, ohne in der Welt der Literatur auch nur gesteigerte Beachtung zu finden, und es gibt Schriftsteller, die mit Büchern von knapp 100 Seiten die Literatur nachhaltig beeinflussen. Zur letzteren Kathegorie gehört Arthur Schnitzler. Natürlich ist der österreichische Autor nicht nur durch seine "Traumnovelle" bekannt, er hat diverse wichtige Novellen ("Leutnant Gustl") Erzählungen ("Fräulein Else"), Romane ("Der Weg ins Freie") und Theaterstücke ("Reigen", "Liebelei", "Der einsame Weg") geschrieben, doch vor allem durch die kongeniale Verfilmung "Eyes Wide Shut" von Stanley Kubrick gelangte vor allem diese Novelle wieder zu einiger Bekanntheit.
Zwar wird der Film dem Original ganz und gar gerecht, doch lohnt sich die Lektüre des Buches noch immer.
Innerhalb einer Nacht und eines Tages wird das scheinbar glückliche Ehepaar Fridolin und Albertine mit tief in ihrem Unterbewußtsein brodelnden erotischen Phantasien und Wunschträumen konfrontiert. Fridolin erfährt in einem Kaffeehaus von seinem Studienfreund Nachtigall von dessen geheimer Einnahmequelle, er spielt mit verbundenen Augen Klavier bei mysteriösen Veranstaltungen, Fridolin beschließt, sich bei einem dieser Bälle, der noch in derselben Nacht stattfinden wird, einzuschleichen. In einem geliehenen Mönchskostüm und mit der geheimen Parole versehen, erlebt er eine seltsame Orgie in einer Villa, bei der sich als Mönche und Nonnen Maskierte zusammenfinden und sich von bis auf einen Schleier um den Kopf nackten Frauen verwöhnen lassen. Fridolin wird entdeckt, als er eine weitere Parole nicht weiß, doch eine Unbekannte erklärt, sich für ihn opfern zu wollen. Tief verwirrt kommt er nach Hause und hört seine Frau im Bett hysterisch lachen. Albertine hatte einen Traum, in dem sie von einem Mann, von dem sie sich während eines Dänemarkurlaubs angezogen fühlte, verführt wurde und Fridolins Gefangennahme, Folterung und Hinrichtung durch eine mysteriöse Fürstin (in der Gestalt eines Mädchens, das Fridolin sehr anzog) erlebte, was sie jedoch nicht dazu bewegte, ihm zuhilfe zu kommen, sondern vielmehr, ihren gekreuzigten Mann zu verspotten. Fridolin ist entsetzt, sieht seine Ehe am Ende. Am nächsten Tag beginnt er, Nachforschungen über die Geschehnisse der letzten Nacht zu betreiben, wird jedoch von geheimnisvollen Männern eindringlich davor gewarnt und gibt schließlich eingeschüchtert auf. Zuhause entdeckt er seine Mönchsmaske aus der vorigen Nacht neben seiner friedlich schlafenden Frau. Eine Warnung und zugleich ein Zeichen der Bereitwilligkeit zur Verzeihung...
Die "Traumnovelle" ist ein hervorragendes Beispiel für einen gelungenen psychologischen Roman, die Figuren sind sehr präzise gezeichnet und die emotionale Verwirrung durch die erotischen Ereignisse und Traumeindrücke zweier dem Anschein nach völlig "normaler" Charaktere lassen den Leser einen tiefen Blick ins Innenleben von Fridolin und Albertine werfen. Trotz der Kürze des Buches ergibt sich eine komplexe Handlung mit vielen Querverweisen auf frühere, zeitweise nur angedeutete Erzählstränge und der Leser hat viel Gelegenheit, selbst die Ereignisse und inneren Vorgänge zu analysieren.
Ein wichtiges Werk der Weltliteratur, das man auf jeden Fall gelesen haben sollte, und das nicht nur einmal.


Unearthed
Unearthed
Preis: EUR 76,80

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwarzes Gold, 22. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Unearthed (Audio CD)
Kurz nach Johnny Cashs Tod am 12. September 2003 erschien (rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft) diese in edles schwarzes Leinen gebundene Box mit fünf CDs, zahlreichen Fotos, die auf manchmal erschütternde Weise den rapiden körperlichen Verfall, aber auch den unbeugsamen Kampfeswillen und die nie versiegende Kreativität des Man In Black dokumentierten und nicht zuletzt einem 100 - seitigen Begleitbuch, in dem sowohl die zehnjährige Zusammenarbeit zwischen Johnny Cash und Rick Rubin anekdotenreich dokumentiert wird, als auch Rubin und Cash natürlich kenntnisreich das Songmaterial der Box reflektieren. Anfangs war dieses edle Stück hierzulande (angeblich wegen Lieferschwierigkeiten) kaum, und wenn, dann zu einem horrenden Preis zu bekommen, was sich mittlerweile natürlich geändert hat.
Wer das Glück hatte, eine der ersten Ausgaben zu ergattern, bekam eine lückenlose Dokumentation der Arbeit an der "American Recordings" - Serie, vom triumphalen ersten Album 1994 bis zum erschütternden Abgesang "The Man Comes Around" zu hören. Dutzende großartige Songs, die Cash im Laufe der Jahre zusammen mit Rubin aufgenommen hatte, und die es aus irgendwelchen Gründen nicht auf die Alben geschafft hatten.
Um nun die Fucht zu zerstreuen, edel aufgemachte und überteuerte Ausschußware zu kaufen: Diese Box ist geradezu ein Musterbeispiel dafür, wie man eine Anthologie angehen sollte. Unter den Songs findet sich kein einziger Ausfall, man bekommt hier den reinen und unverfälschten Man In Black, wie man ihn in seinen letzten Jahren lieben gelernt hat. Kompromißlos ehrlich, absolut geschmackssicher in der Songauswahl (seien es nun Traditionals, Eigenkompositionen oder Coverversionen) und auch beim größten Tränenzieher dank Cashs erhabener, unerklärlicher Aura absolut kitschfrei.
Mit der ersten CD, "Who's Gonna Cry", bekommt man eine Alternativversion zum 1994er Album "American Recordings" zu hören. Cash hatte so viele Songs aufgenommen, daß sie unmöglich auf eine Platte gepaßt hätten. Das hier festgehaltene Material kann sich ohne weiteres mit "American Recordings", das mittlerweile auf so ziemlich jeder ewigen Bestenliste auftaucht, messen. Es gibt neben allgemein bekannten Brechern wie "Banks Of The Ohio" und "Long Black Veil" zahlreiche Cash - Originale, die durch die Reduzierung auf Gitarre und brüchigen Bariton ungemein an Intensität gegenüber den älteren Versionen gewinnen und Covers von so erlesenem Material wie "Waiting For A Train" von Jimmie Rodgers oder Kris Kristoffersons "Casey's Last Ride". Natürlich geht es um die klassischen Cash - Themen: Liebe, Gott und Glaube und die ewigen Unwägbarkeiten des Lebens.
"Trouble In Mind" heißt die zweite CD, hier geht Cash mit Band und entschieden rockiger zu Werke. Auch auf diesem reinen Cover - Album finden sich zahlreiche Perlen, zum Beispiel umwerfende Versionen der Neil Young - Songs "Pocahontas" und "Heart Of Gold", die in Cashs Händen selbst den über jeden Verdacht erhabenen Young wie einen sentimentalen Kitschier erscheinen lassen, ferner Songs von Hochkarätern wie Chuck Berry ("Brown Eyed Handsome Man"), Roy Orbison ("Down The Line"), Dolly Parton ("I'm A Drifter", hier in zwei Versionen) oder Steve Earle ("Devil's Right Hand"). Diese CD bedient am ehesten die "herkömmlichen" Hörgewohneiten, ein klassisches Rockalbum, ähnlich dem 96er Album "Unchained", allerdings mit den, meiner Meinung nach, insgesamt besseren Songs.
"Redemption Songs" zeigt den Man In Black bereits mit geschwundenen Kräften, doch mit ungebrochenem Durchhaltewillen. Auch hier herrscht die dunkle, intensive Atmosphäre vor, die die letzten beiden zu Cashs Lebzeiten erschienenen Alben "Solitary Man" und "The Man Comes Around" prägten. Cash hat hier über jeden Kommerz - Verdacht erhabene Duettpartner wie Fiona Apple, Nick Cave oder Joe Strummer zur Seite und wagt sich ein weiteres Mal an Songs, die man von ihm nicht unbedingt erwartet hätte, wie etwas Bob Marleys "Redemption Song" oder Cat Stevens' "Father And Son", von denen jeder durch die Interpretation des Man In Black unwahrscheinlich gewinnt. Der alte Johnny Cash hatte eine Ausstrahlung und eine Art zu singen, die sogar Schmachtfetzen wie "Hard Times" oder "You'll Never Walk Alone" in große Momente verwandelte.
Mit "My Mother's Hymn Book" erfüllte sich Cash einen langgehegten Traum. Schon zu Beginn seiner Karriere hatte er sich bei SUN - Inhaber Sam Philips als Gospel - Sänger vorgestellt, war mehr oder weniger in die Rockabilly - und Country - Ecke gedrängt worden. Hier nun eine Sammlung teils uralter Hymnen, von denen Cash einige buchstäblich mit der Muttermilch aufgesogen hat, dementsprechend die inbrünstige, völlig glaubenskitschfreie Atmosphäre dieses Albums, ein beeindruckendes Zeugnis des innigen Glaubens des Man In Black, das selbst Gospel - Verächter verstummen lassen wird. Große Musik, über die niemand zu richten hat.
Einzig die fünfte CD fällt (zumindest für den Besitzer der American Recordings - Serie) etwas ab. Sie ist etwas phantasielos "The Best Of Cash On American" betitelt und versammelt eine diskutable Auswahl von Songs aus den von Rubin produzierten Alben. Natürlich ist kein Ausfall dabei, die gab es beim späten Cash so gut wie gar nicht, aber warum "Unchained" z. B. ausgerechet mit "The One Rose" oder "Southern Accent" vertreten ist, gibt doch Fragen auf, da auf dem Album wirklich stärkere Nummern zu finden sind. Natürlich gibt es hier aber auch die wirklichen Meisterstücke wie "Mercy Seat" und "Hurt", die den späten Johnny Cash so sehr aus der Masse der Musiker auf die Ebene der wirklich Großen hievten.
Dies ist allerdings nur ein kleiner Makel, "Unearthed" sticht aus der Unzahl der auf dem Markt befindlichen Box - Sets heraus und stellt einen wirklichen Schatz in jedem Plattenschrank dar, über dessen Preis man nicht diskutieren kann.
Diese Musik ist unbezahlbar.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 15, 2008 9:33 AM MEST


World Gone Wrong
World Gone Wrong
Preis: EUR 7,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bob Dylan auf ureigenstem Gebiet, 19. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: World Gone Wrong (Audio CD)
Mit "World Gone Wrong" ging Bob Dylan den Weg weiter, den er bereits auf dem Vorgängeralbum "Good As I Been To You" eingeschlagen hatte. Er setzte sich nur mit Gitarre und Harmonika bewaffnet ins Studio, verzichtete auf Band und jedes weitere Beiwerk und nahm Songs auf, die ihn einst als jungen Folksänger zu eigenen Werken inspiriert hatten.
Wieder einmal spaltete Dylan damit Publikum und Kritik, viele Fans hatten ihm nach den krisengeschüttelten 80er Jahren enttäuscht den Rücken gekehrt, konnten auch mit dem neuen Weg, den ihr Idol beschritten hatte, nicht viel anfangen. Auch die Dylanologen waren sich nicht einig, ob diese Rückbesinnung auf die Tradition der Folkmusik nun ein Fortschritt oder ein Verstecken ihres Meisters hinter den Altvorderen war und Dylan in der Rolle des Traditionswahrers der Richtige war. Einige Kritiker schütteten über das zweite Album Dylans ohne eigenes Material einiges an Häme aus, glaubten, hier den Beweis für die endgültige Ausgebranntheit des einstigen Dichterfürsten gefunden zu haben.
Wenn man mit Dylan vertraut ist, weiß man, daß ihm Schelte und Lob völlig egal sind, er geht immer den Weg, den er für richtig hält und läßt sich auch von Spott und Hohn nicht davon abbringen. "World Gone Wrong" stellte sich im Nachhinein (Johnny Cash brachte ein Jahr später mit "American Recordings" ein ähnliches Album heraus und erlebte damit ein sensationelles Comeback) als eines der besten und intensivsten Alben Dylans seit langer Zeit heraus. Durch den Verzicht auf jegliches Beiwerk rücken die alten Songs in ihrer ganzen manchmal brutalen Direktheit in den Vordergrund und wer anders als His Bobness, der einen wichtigen Teil seiner Karriere allein mit seiner Gitarre und seinen Songs bestritten hat, wäre geeignet, diese Songs, die in Amerika ebenso zur Volkskultur gehören, wie hierzulande etwa "Am Brunnen vor dem Tore", in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, und dies mit den einfachsten Mitteln, mit Gitarre, Harmonika und seiner eigenwilligen Gesangsweise. So entsteht eine sehr intensive Atmosphäre, Dylan gibt den Geschichtenerzähler und man wird von Nummer zu Nummer mehr in den Kanon der alten Blues - und Folksongs auf diesem sperrigen, leisen Album, auf dem es keine Ablenkung duch Studiomätzchen und musikalische Kunststückchen gibt, hineingezogen. Ganz ohne Zweifel eine der besten Platten des alternden Meisters.
Vier Jahre später gab es dann auch neues eigenes Material von Dylan zu hören. Die Atmosphäre der beiden Alben voller Traditionals konnte er auch auf "Time Out Of Mind" hinüberretten, das durch seine Düsterkeit und die sonst ungewohnte kompromißlose Direktheit von Dylans Texten lebt und für den Meister ein lang ersehntes und triumphales Comeback bedeutete.
Somit kann man dieses leise, intensive Folkalbum auch als Vorstufe zu einer der besten Platten aller Zeiten sehen, das Dylan den Weg wies und ihn wieder zu alter Stärke und Kreativität zurückführte.


Boito: Mefistofele (Gesamtaufnahme(ital.),Aufnahme London 1973)
Boito: Mefistofele (Gesamtaufnahme(ital.),Aufnahme London 1973)
Wird angeboten von STRADIVARIUS
Preis: EUR 23,94

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterschätzte Aufnahme eines vernachlässigten Meisterwerks, 17. Mai 2008
Wer immer noch denkt, Oper in italienischer Sprache sei schön gesungenes, inhaltsleeres Geträller, dem kein intellektueller Ansatz zu entnehmen ist und das, von Bellini, Rossini, Puccini oder sonst einem - ini komponiert, in lauer Sommernacht zum Wein erklingt und niemanden zum Denken anregt, der hat noch nie von Arrigo Boito gehört. Bevor er sich dem Altmeister Giuseppe Verdi empfahl und ihm zwei meisterhafte Libretti für seine Großwerke "Otello" und "Falstaff" schrieb, hatte er als Mitglied einer avantgardistischen Vereinigung namens "scapigliati" (Struwelköpfe) für gehörigen Wirbel in der Kunstszene gesorgt, da diese Bewegung, wie Revolutionäre eben so sind, die Traditionen der italienischen Kultur hinterfragte und von Grund auf umkrempeln wollte, sogar dem Volksidol Verdi kritisch begegnete.
Das schönste Zeugnis, das diese Bewegung hinterließ, ist Boitos Musikdrama "Mefistofele", das aus dessen äußerst ehrgeizigem Vorhaben entstand, Goethes "Faust" (und nicht nur einen, sondern gleich beide Teile) in ein Musikdrama zu verwandeln. Der erste Versuch ging gründlich schief, die Oper wurde am 5. März 1868 an der Mailäder Scala aufgeführt und fiel völlig durch. Der 26 - jährige Komponist hatte sich überschätzt, einen riesigen Musikklotz in wagnerischer Überlänge geschaffen und als unerfahrener Dirigent die Uraufführung selbst dirigiert. Boito zog sein Werk zurück und arbeitete es sieben Jahre lang gründlich um, unter anderem wurde Faust vom Bariton zum Tenor, von "Faust II" blieben nur die klassische Walpurgsnacht und Fausts Sterbe - und Verklärungsszene erhalten. In dieser Form brachte Boito seine Oper erneut auf die Bühne und erntete diesmal einen vollständigen Erfolg.
Immer noch streitet man über den Wert des "Mefistofele", vielen erscheint diese Oper zu intellektuell, zu philosophisch für ein Bühnenwerk. Zu weit geht vielen Boitos Goethe - Verehrung, weil er sich beim Schreiben des Librettos fast sklavisch am deutschen Dichterfürsten orientierte. Auch die Musik wird eifrig kritisiert, Boito war ein großer Verehrer Richard Wagners und versucht da und dort angestrengt, wagnersche Ideen in seine Musik einzubringen und klingt dabei wie ein, zugegeben, nicht unbegabter Imitator. Alle diese Kritikpunkte tun jedoch der Bühnenwirksamkeit des "Mefistofele", die immmer mehr entdeckt wird, keinen Abbruch und so hat sich diese ungewöhnliche Oper einen festen Platz im Spielplan erkämpft, wohl auch wegen musikalisch so großartigen Szenen wie dem "Vorspiel im Himmel" und Fausts populär gewordener Arie "Dai campi, dai prati".
Noch gibt es recht wenige Aufnahmen, was die Wahl relativ einfach macht. Allgemein als Referenz gilt die Einspielung mit Luciano Pavarotti, Mirella Freni und Nicolai Ghiaurov bei DECCA, was sicherlich seine Berechtigung hat. Allerdings hat auch diese Aufnahme einige Vorzüge zu bieten.
Mit Placido Domingo hört man hier statt dem großen Impulssänger Pavarotti einen sehr grüblerischen, dramatischen Faust mit großer darstellerischer Intelligenz. Domingo hinterfragt seine Rolle und rückt Faust (wohl schon im Hinblick auf spätere Wagner - Ambitionen) in die Nähe der innerlich zerrissenen Helden wie Tannhäuser oder Tristan. Dabei kommt jedoch die Stimmkultur nicht zu kurz. Domingo stand zur Zeit der Aufnahme (1973) in vollem Saft und verleiht der Rolle auch mit seiner prächtigen, etwas dunkel geprägten Tenorstimme Kontur.
Seine Partnerin ist Montserrat Caballé, die sich hier ein weiteres Mal in bestechender Form zeigt. Ihre Margherita ist ein etwas naives junges Mädchen (auch sie sehr nah an Goethes Vorbild), das sich rückhaltlos in Faust verliebt und durch tiefste Verzweiflung zur Erlösung geführt wird. Die Caballé macht einen weiten Bogen um jeden Kitsch, singt makellos und zeigt in dieser Aufnahme ein weiteres Mal ihre Klasse.
Die große Entdeckung dieser Aufnahme ist Norman Treigle in der Titelrolle. Er besitzt nicht die stimmliche Wucht eines Nicolai Ghiaurov oder Boris Christoff (dieser ein großer Gounod - Mephisto), dafür einen schlanken, wendigen Baß, der die Vielseitigkeit und den Trickreichtum des Mephistopheles plastisch darstellt und dessen Dämonie zutiefst beeindruckt. Eine ausgezeichnete Alternative zu den bekannten Rollenportraits.
Das weitere Sängerensemble ist absolut solide, besonders hervorzuheben sind dabei die Elena von Josella Ligi und Thomas Allens Wagner.
Ein Erlebnis sind die Chöre in dieser Aufnahme, wieder einmal zeigt sich der Amrosian Opera Chorus als perfekt aufeinander eingespieltes Ensemble, schön ergänzt durch den Knabenchor der Wadsworth School.
Julius Rudel leitet das London Symphony Orchestra souverän und inspiriert, die schwierige Partitur, die nicht ohne Längen ist, vermag er durch konsequentes Halten der Spannung ausgezeichnet zu meistern.
Insgesamt eine sehr ausgewogene und dank der hochklassigen Sänger wunderschöne Aufnahme, mit der man garantiert keinen Fehler macht.
Achtung: Das Textbuch gibt es hier nur auf italienisch und englisch. Wenn man jedoch etwas Italienisch beherrscht und Goethes Faust noch von der Schule präsent hat, wird man wenige Schwierigkeiten haben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 11, 2011 7:33 PM MEST


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