Profil für Martin Resch > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Martin Resch
Top-Rezensenten Rang: 15.837
Hilfreiche Bewertungen: 1704

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Martin Resch "makarresh" (Hamburg)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12
pixel
Oh Mercy
Oh Mercy
Preis: EUR 6,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Befreiungsschlag aus der Krise, 11. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Oh Mercy (Audio CD)
Bis zum Jahr 1989 war Bob Dylan in den 80ern so gut wie gar nichts gelungen. Zu Buche stand allenfalls das starke Album "Infidels" und die sehr gelungene Liveplatte "Real Live". Aber sonst? "Empire Burlesque" war, trotz einiger Songs von Format, mit dem typischen 80er - Instrumentarium kaputtproduziert worden, auf den nachfolgenden Alben zeigte sich der Meister oft von seiner schlechtesten Seite: Viele Coverversionen, für Dylans Verhältnisse erschreckend schwache Songs und allgemeine Ziellosigkeit. Auch auf der Bühne konnte Dylan zu dieser Zeit kaum überzeugen, unkonzentriert und desinteressiert an seinen eigenen Songs schaffte er es beizeiten, ganze Säle leerzuspielen. Midlife Crisis pur also beim Meister und er dachte ernsthaft darüber nach, seine Karriere zu beenden. In solchen Situationen kauft man sich entweder einen Porsche oder ändert etwas in seinem Leben. Dylan kaufte sich keinen Porsche.
1988 startete Dylan seine Neverending Tour, die mittlerweile seit über 20 Jahren läuft. Man kann es auf das Leben "on the road" schieben, oder auf die Tatsache, daß His Bobness seinen Alkohol - und Drogenkonsum entschieden zurückfuhr, auf jeden Fall sprudelten die Songs wieder und "Oh Mercy" wurde ein versöhnlicher Schluß für ein verkorkstes Jahrzehnt. Nicht nur das, da erste von Daniel Lanois produzierte Album kann man getrost unter die ganz großen Alben des Meisters zählen. Düster und pessimistisch ist die Grundstimmung, Songs wie "Most Of The Time", "Man In The Long Black Coat" und "Where Teardrops Fall" zeigen Dylan wieder in Hochform, als bissigen Kommentator der Unwägbarkeiten des Lebens, "Ring Them Bells" und "Everything's Broken" sind ohnehin längst zu Klassikern geworden und haben ihren verdienten Platz im Live - Repertoire gefunden. Mit einem Silberstreif am Horizont entläßt uns Dylan aus "Oh Mercy", dem Album, das seinen ramponierten Ruf wieder festigte und seine immer noch vielen Fans auf bessere Zeiten hoffen ließ: "Shooting Star" gehört unbestreitar zu Dylans schönsten Lovesongs, sehnsuchtsvolle Melodie, Dylan schaltet seine Raspelstimme auf zärtlich und besingt in wenigen, ungewöhnlich klaren Worten Dinge, für die manch anderer dicke Wälzer schreiben mußte. His Bobness in Bestform.
"Oh Mercy" beendete ein für Dylan größtenteils katastrophales Jahrzehnt versöhnlich und zeigte deutlich, daß der Meister noch lange nicht das aus den Sechzigern übriggebliebene Relikt geworden war, für das ihn so mancher Kritiker bereits erklären wollte. Für den Fan unverzichtbar und außerdem ein gutes Einsteigeralbum für Neufans.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 16, 2009 11:35 PM CET


Ariadne auf Naxos
Ariadne auf Naxos
Wird angeboten von dischiniccoli
Preis: EUR 48,00

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alter Glanz, der nie vergeht, 9. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Ariadne auf Naxos (Audio CD)
Kaum ein anderer Komponist war so wandlungsfähig wie Richard Strauss. Zu Anfang seiner Opernkarriere ein getreuer Verehrer Richard Wagners wandelte er sich mit seinen beiden Dramen "Salome" und "Elektra" zu einem Vertreter des krassen Naturalismus, nur um mit dem "Rosenkavalier" eine weitere Kehrtwende zu vollziehen und den Vertretern den Wiener Klassik ein Denkmal zu setzen. Mit "Ariadne auf Naxos" betrat er ein weiteres Mal Neuland. Die Oper entstand als ein Dankesgeschenk an den großen Regisseur und Theaterleiter Max Reinhardt, der die Premiere des "Rosenkavalier" gerettet hatte. Und wieder gab es etwas ganz Neues vom Gespann Richard Strauss/Hugo von Hofmannsthal. Der Dichter ersann ein Konversationsstück im Stile Molières (von dem jedoch nach vielfältigen Bearbeitungen kaum etwas übrigblieb), in das die Aufführung einer Oper (bzw. zweier Opern gleichzeitig) eingebunden wurde.
Im Hause eines neureichen Wiener Großbürgers soll nach dem Souper die tragische Oper "Ariadne auf Naxos" eines hoffnungsvollen jungen Komponisten aufgeführt werden, im Anschluß ist ein Lustspiel mit dem Titel "Die ungetreue Zerbinetta" geplant. Leider gerät der Zeitplan durcheinander, so daß der Hausherr verfügen läßt, daß beide Opern gleichzeitig gegeben werden sollen. Unvereinbare Gegensätze stehen sich gegenüber, die "hohe" Kunst soll sich mit dem "Trivialen" die Bühne teilen. Allzu menschliche und aus jedem Theater bekannte Tragödien und Intrigen spielen sich ab und schließlich rauft man sich doch zusammen.
Zu Hofmannsthals wunderbar satirischem Vorspiel (die Szenen im Hause des Großbürgers) schuf Strauss einen modernen Parlandostil, der die Gefühle der jeweils handelnden Personen zusätzlich unterstreicht und die Figuren wunderbar charakterisiert, die Oper (die als Theater auf dem Theater gegeben wird) ist in strengem, klassischen Stil komponiert, die Nummern mit zahlreichen Schwierigkeiten gespickt (so zählt die Arie der Zerbinetta zum Schwierigsten, was die Opernbühne zu bieten hat).
"Ariadne auf Naxos" ist eine wunderschöne Kammeroper geworden, die, nach mehrmaliger Umarbeitung, ihre Uraufführung am 4. Oktober 1916 in der Wiener Hofoper feierte und nach dem 1. Weltkrieg einen kleinen, aber feinen Siegeszug auf den Bühnen der ganzen Welt antrat. Eine Oper eher für Genießer als für das Massenpublikum.
Herbert von Karajan war schon seit Beginn seiner Karriere ein glühender Bewunderer von Richard Strauss und seine Aufnahmen der Werke des Komponisten zeugen eindrucksvoll von der Verehrung, die der Stardirigent ihm entgegenbrachte. Kaum bei einem anderen Komponisten tritt der Pultstar Karajan so sehr hinter der Musik des Meisters zurück und zeigt sich als getreuer Erfüller des Willens des Komponisten. Seine frühen Aufnahmen der Strauss - Werke sind durchgehend wunderbare Zeugnisse dieser Verehrung. So auch die 1955 entstandene "Ariadne auf Naxos", die man auch heute noch an die Spitze unter den Einspielungen dieser Oper stellen kann.
Nicht nur Karajans Dirigat und das wunderbar spielende Philharmonia Orchestra machen diese Aufnahme noch immer hörenswert, nazu perfekt wurde das Sängerensemble von Produzent Walter Legge ausgewählt, der für sein Händchen, auch noch die kleinsten Partien mit den besten Kräften zu besetzen, bekannt war. So gibt es hier unter anderem den berühmten schweizer Tenorcomedièn Hugues Cuénos als Tanzmeister, den damals noch völlig unbekannten Hermann Prey als Harlekin, der seine Aufgabe bravourös löst und den großen Charaktertenor Gerhard Unger in der kleinen Rolle des Scaramucchio zu hören.
Natürlich wurden auch für die großen Partien ideale Besetzungen gefunden. Das "dramatische" Paar Primadonna/Ariadne und Tenor/Bacchus geben die große Elisabeth Schwarzkopf, die ihre Aufgabe gewohnt souverän löst und deren heute etwas gekünstelt wirkender Gesangsstil optimal zur eitlen Diva und der vom Schicksal schwer gezeichneten Prinzessin paßt, sowie der junge Rudolf Schock, der sich hier noch im Vollbesitz seiner wunderbaren Stimme zeigt und auch nicht den Fehler macht, den eingebildeten Tenor zur Karikatur des trällernden Holzkopfs zu machen.
Noch eine Stufe besser präsentieren sich Irmgard Seefried als Komponist und Rita Streich in der extrem schwierigen Partie der Zerbinetta. Seefried war so etwas wie Karajans Ziehkind, man kannte sich schon aus gemeinsamen Zeiten am Stadttheater in Aachen. Die Partie des naiven, ganz der Kunst dahingegebenen Komponisten, der zähneknirschend und leidend Konzessionen machen muß, um die nächsten Monate überleben zu können, war Seefrieds Paraderolle und gilt als eine der besten Strauss - Interpretationen überhaupt, der hier ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt wird.
Rita Streich singt Zerbinetta in dieser Aufnahme so, als hätte der Komponist die Rolle allein für sie geschrieben. Als führendem Koloratursopran ihrer Zeit bereiten ihr die gewaltigen gesanglichen Ansprüche der Partie keinerlei Schwierigkeiten, außerdem gestaltet sie die flatterhafte, leichtlebige Zerbinetta, sonst gern als Paraderolle für Koloraturmaschinen mißverstanden, die sich keinen Deut um überzeugendes Schauspiel kümmern, außerordentlich liebevoll und voller Lebendigkeit, setzt die Meßlatte für Konkurrentinnen in dieser Partie in schwer erreichbare Höhe.
Insgesamt kann man sagen, will man eine Aufnahme dieses kleinen Schmuckstücks der Operngeschichte erwerben, so macht man mit dieser Einspielung auf keinen Fall etwas verkehrt. Zwar weist diese "Ariadne auf Naxos" bereits ein stolzes Alter auf und der Stereofan kommt hier nicht auf seine Kosten, allerdings wurde die Aufnahme, die ohnehin schon von sehr guter Klangqualität war, gründlich überarbeitet und remastert, so daß es nur noch ein leises Grundrauschen zu hören gibt.
Unbedingt zu empfehlen.


I'm Not There [Special Edition] [2 DVDs]
I'm Not There [Special Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Christian Bale

34 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ballad of a thin man, 1. März 2009
Im Moment sind biographische Filme über musikalische Idole der letzte Schrei in Hollywood, sie sind meist von hoher Qualität, ziehen eine Masse Publikum ins Kino und gewinnen regelmäßig Oscars, so kam schon Ray Charles zu Ehren, Johnny Cash und Edith Piaf folgten nach.
Nun ist also Bob Dylan an der Reihe, doch Regisseur Todd Haynes bricht hier aus den Konventionen der Filmbio aus. Es wäre sehr einfach gewesen, Junge wächst in Duluth, Minnesota auf und entdeckt den Rock'n'Roll, Junge geht nach New York und wird ein Star, Junge trifft Mädchen, Heirat, Scheidungsdrama, Krise, Absturz, Comeback usw., doch Todd Haynes will mit seinem Film nicht das Leben des Meisters nacherzählen, sondern dem Phänomen Bob Dylan nachspüren, die unzähligen Rollen widerspiegeln, mit denen sich Dylan in seiner Karriere immer wieder neu erfand und die Faszination, die von seinen Songs und Texten ausgeht, in Bildern darstellen.
Deshalb gibt es in diesem Film auch keine wirkliche Hauptrolle. Die Person, um die es geht, wird von sechs verschiedenen Schauspielern dargestellt, keine von ihnen heißt Bob Dylan und der Name fällt in dem Film nicht ein einziges Mal. Die Anfänge des Meisters als junger Folkie und Verehrer von Woody Guthrie repräsentiert Marcus Carl Franklin. Er spielt Dylan als kleinen schwarzen Jungen, der Ende der 50er Jahre unter dem Namen Woody Guthrie mit einer Gitarre, auf der "This machine kills fascists" steht, per Güterzug durch die USA reist (der junge Dylan stilisierte sich gern als ehemaliger Hobo) und die Welt so von allen Seiten kennenlernt, um schließlich am Krankenbett seines Idols zu singen.
Fast schon dokumentarisch ist der Handlungsstrang, in dem Christian Bale die Hauptrolle spielt. Er ist Jack Rollins, ein rebellischer Folksänger, dem seine Fans zu Füßen liegen, und der seine Bestimmung in der Bürgerrechtsbewegung gefunden zu haben glaubt. Er scheitert jedoch, zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und wird Prediger in einer Kirche der wiedergeborenen Christen (Dylans frühe Karriere als Prostestsänger und seine Gospelalben Ende der 70er standen Pate).
Über diesen Jack Rollins wird ein Film gedreht, die Hauptrolle spielt ein gewisser Robbie Clark (Heath Ledger in einer seiner letzten Rollen), dessen Karriere mit diesem Film erst richtig in Fahrt kommt. Zur selben Zeit verliebt er sich in die französische Malerin Claire, die Ehe hält 10 Jahre, dann kommt es zur dramatischen Scheidung (Dylans Ehe mit Sara Lowndes wird beleuchtet).
Beim Newport Folk Festival kommt es zu einem Skandal. Der bisher so beliebte Folksänger Jude Quinn (grandios als geschlechtsloses, spilleriges Etwas mit Sonnenbrille und riesigem Wuschelkopf: Cate Blanchett) tritt auf einmal mit Band auf und schockiert die Fans mit lauter Rockmusik. Quinn tourt nach London, legt sich mit dem Establishment, dem Publikum (Dylans legendärer Auftritt in der Free Trade Hall in Manchester kommt zu Ehren) und der Kunstszene an, philosophiert mit (einem sehr gut getroffenen) Allen Ginsberg, albert mit den Beatles herum, streitet mit "Coco Rivington" (Warhol - Stilikone Edie Sedgwick), kollabiert von zuviel Drogen und zuwenig Schlaf und kommt bei einem Motorradunfall ums Leben. Cate Blanchett spielt phantastisch und sieht als Einzige Dylan wirklich ähnlich, in ihren Szenen wird Dylans Karriere Mitte der 60er Jahre reflektiert, dies mit viel Surrealismus, der in den Filmen dieser Zeit beliebt war und mit unzähligen Zitaten und Anspielungen auf Songs, tatsächliche Ereignisse und Legenden der 60er Jahre.
Nun zu Billy The Kid. Der ist auch Bob Dylan und wird von Richard Gere gespielt. Billy ist der Kugel seines Freundfeindes Pat Garrett entkommen und lebt zurückgezogen in einem von seltsamem Volk bewohnten Dorf namens Riddle. Die Idylle im Dorf, das das ganze Jahr Halloween feiert, wird bedroht, als ein Highway gebaut werden soll. Billy schlägt sich auf die Seite der Bevölkerung, überlistet die Highwaybauer um Garrett und entkommt seinen Häschern ein weiteres Mal. Er flüchtet sich in einen Güterzug und entdeckt dort die Gitarre, die der kleine Woody Guthrie versteckt hatte. Hier wird natürlich Dylans Mitwirkung in Peckinpahs Western "Pat Garrett & Billy The Kid" reflektiert, aber auch die geisterhafte Musik der "Basement Tapes" (die Bevölkerung von Riddle scheint sämtlich dem Plattencover entstiegen), die Americana von "John Wesley Harding" und die wilde, inprovisationsfreudige Zeit der "Rolling Thunder Review".
In Zwischenepisoden steht der Dichter Arthur (Ben Whishaw) vor Gericht und wird befragt, warum er aufgehört hat, Protestlieder zu dichten. Dieser sieht aus, wie eine Mischung aus Dylan und Arthur Rimbaud und gibt auf die Fragen stets surreal - poetische Antworten, die zum großen Teil aus Pressekonferenzen stammen und mit denen Dylan gern ahnungslose Journalisten an der Nase herumführte.
"I'm Not There" ist kein wirklich biographischer Film, es ist ein Film über die verschiedenen Facetten einer nicht fassbaren Perönlichkeit. Es ist kein Film über das Leben Bob Dylans, auch nicht wirklich über seine Kunst, Todd Haynes interpretiert das Werk des Meisters, beläßt ihm die Rätselhaftigkeit, läßt die verschiedenen Handlungen immer wieder ineinander übergehen oder sich abwechseln.
Es ist so gut wie unmöglich, "I'm Not There" beim ersten Ansehen ganz zu verstehen, zu zahlreich sind die Zitate und Anspielungen auf Leben und Werk Dylans.
Vielleicht ist der Film am ehesten mit seinen größten Songs wie "Desolation Row" oder "Visions Of Johanna" vergleichbar: Faszinierend, grandios, manchmal verstörend und unbegrenzt ausdeutbar.
Zusätzlich zum Hauptfilm bekommt man bei dieser Ausgabe eine zweite DVD mit Hintergrundinformationen, einigen (leider recht kurzen) Interviews mit Darstellern und Regisseur, eine kurze Hommage an den verstorbenen Heath Ledger und einige Musikvideos.
Für den Dylan - Fan ist dieser Film ohnehin unverzichtbar. Wer sich allerdings mit Leben und Werk des Meisters noch nicht eingehend befasst hat, wird wohl ziemlich ratlos zurückbleiben.
Ein wunderschönes Stück Filmkunst, allerdings nur für den kundigen Fan.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 3, 2012 8:31 AM MEST


Apocalypse Now Redux
Apocalypse Now Redux
DVD ~ Marlon Brando
Wird angeboten von thheyen
Preis: EUR 4,80

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The Horror, 28. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Apocalypse Now Redux (DVD)
Der Vietnamkrieg war die große Katastrophe in der Militärgeschichte der USA. Der zehnjährige Kampf der hochgerüsteten US - Streitkräfte gegen die Dschungelkrieger des Vietcong stürzte einen großen Teil Südostasiens ins Chaos, verwüstete ganze Landstriche, kostete fast zwei Millionen Menschen das Leben, löste eine weltweite Protestbewegung aus und traumatisierte eine ganze Generation. In den USA protestierten von Anfang an viele vor allem junge Menschen gegen das sinnlose Gemetzel im Dschungel, der unterschwellig schwelende Generationskonflikt entlud sich in teilweise gewaltsamen Demonstrationen, eine große Anzahl der Veteranen kam traumatisiert aus dem Kriegsgebiet zurück, brauchte lange, um die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten, falls sie es überhaupt schaffte und mußte sich als Mörder beschimpfen lassen, anstatt, wie zu früheren Zeiten üblich, als Helden gefeiert zu werden. Der Vietnamkrieg hinterließ große Kratzer in Ansehen der moralischen Institution USA, die sich 1975 geschlagen aus dem Land zurückziehen mußten.
Kurze Zeit darauf entstanden die ersten Filme über das Trauma einer ganzen Nation, zum großen Teil ungewöhnlich realistische, psychologische Antikriegsfilme, in denen keine Spur mehr von der naiven Heldenverklärung, die die Filme über den 2. Weltkrieg noch geprägt hatten, zu finden war. Noch heute beeindrucken diese Filme als Statements einer sensiblen und intelligenten Generation von Regisseuren gegen Krieg und Gewalt, man denke nur an Michael Ciminos "The Deer Hunter" oder Hal Ashbys "Coming Home".
Auch Francis Ford Coppola, seit seinen beiden beeindruckenden "Der Pate" - Filmen eine Institution in Hollywood, nahm sich in den späten 70ern dieses Themas an und schuf den meiner Meinung nach besten und intensivsten Vietnamfilm. Basierend auf Joseph Conrads hervorragendem Roman "Herz der Finsternis" und den Reportagen von Michael Herr, entstand "Apocalypse Now", ein Film, der, angefangen von der klaustrophobischen Atmosphäre im bedrohten Saigon bis zum Showdown im Dschungelreich des wahnsinnigen Colonels Kurtz, die Aura eines nicht enden wollenden, absurden und doch unglaublich realistischen Alptraums hat.
Schon die Dreharbeiten verliefen ungewöhnlich und waren von zahlreichen Schwierigkeiten geprägt. So zerstörte ein Sturm das gesamte Filmset, Hauptdarsteller Martin Sheen erlitt während der Dreharbeiten einen Herzinfarkt und es mußten zahlreiche Szenen ohne ihn gedreht werden, Dennis Hopper zog sich auf den Philippinen ein Tropenfieber zu und mußte nach Hamburg ins Tropeninstitut ausgeflogen werden und Marlon Brando machte ein weiteres Mal seinem Ruf als schwieriger Charakter alle Ehre. Zunächst hatte er gewaltig an Gewicht zugelegt und entsprach Coppolas Vorstellung von Colonel Kurtz rein äußerlich nicht mehr. Zusätzlich verlange er kategorisch Unterbringung in Luxushotels mitten im philippinischen Dschungel und zerstritt sich mit dem Regisseur mehrfach wegen des Drehbuchs.
Trotz aller Widrigkeiten entstand mit "Apocalypse Now" einer der beeindruckendsten Filme überhaupt, der über die Jahre nichts von seiner Faszination verloren hat, eines der ganz großen Werke des Kinos.
Captain Willard (Martin Sheen) wird mit einer "speziellen" Mission in den vietnamesischen Dschungel geschickt. Hinter den feindlichen Linien in Kambodscha hat sich der hochdekorierte Colonel Kurtz (Marlon Brando) ein eigenes Reich aufgebaut, in dem er sich wie ein lebendiger Gott verehren läßt. Kurtz' Funksprüche zeugen vom Fall eines vorbildlichen Soldaten in den Wahnsinn, Willard erhält den Auftrag, mit einem Patrouillenboot flußaufwärts nach Kambodscha zu fahren und "Schluß" mit dem Colonel zu machen.
Die Fahrt wird zu einer alptraumhaften Tour durch die Schrecken des Vietnamkrieges, episodenhaft wird der Wahnsinn des Kampfes und die Traumatisierung der Soldaten in unvergessliche Bilder gepackt, so der Angriff der 1. US - Luftkavallerie unter dem Kommando des fanatischen Surfers Ltd. Colonel Kilgore (grandios: Robert Duvall) auf ein vom Vietcong gehaltenes, strategisch wichtiges Dorf zu Wagners "Walkürenritt", zu dem Kilgore sich erst überreden läßt, als er von den phantastischen Surfwellen in diesem Flußabschnitt erfährt, oder der Besuch diverser Playboymodels in einem Versorgungslager der Armee, bei dem es fast zu einer Revolte der sexuell ausgehungerten Soldaten kommt.
Nach und nach fällt fast die gesamte Besatzung des Patrouillenbootes kleineren Scharmützeln mit dem fast immer unsichtbaren Feind zum Opfer, bis man schließlich in Kurtz' surrealistischem Reich inmitten von Dschungelruinen ankommt.
1979 kam "Apocalypse Now" in die Kinos, wurde einer der größten Erfolge in Coppolas Karriere und heimste zwei Oscars (8 Nominierungen) ein. 2001 brachte Coppola den Film noch einmal in einer restaurierten und um 50 Minuten längere Fassung ins Kino. "Apocalypse Now Redux" konnte zwar nicht an der Erfolg der Urfassung anknüpfen, doch runden die zusätzlichen Szenen (unter anderem ein ganzer Handlungsstrang auf einer französischen Plantage) die manchmal etwas unklare und sprunghafte Handlung ab. Vor allem der Figur des Colonel Kurtz kommt die zusätzliche Zeit sehr zugute, fielen doch viele Szenen mit Brando der Schere zum Opfer. Kurtz ist trotz seiner wenigen Auftritte die alles beherrschende Figur in "Apocalypse Now", der Verursacher und die Auflösung der ganzen Handlung. Ähnlich wie Vito Corleone in "Der Pate" wird er meistens im Halbdunkel gezeigt (eine Notlösung wegen Brandos Gewicht), wodurch er eine mysteriöse, unheimliche Ausstrahlung bekommt, Marlon Brando wirkt hier nicht mehr wie ein gescheiterter Soldat, eher hat er Ähnlichkeit mit einer übermächtigen Dschungelkreatur, von der man gleichzeitig abgestoßen und magisch angezogen wirkt. Eine der besten Leistungen des späteren Marlon Brando.
"Apocalypse Now" wurde für die Redux - Version komplett neu synchronisiert (wobei diese Synchronisation näher am Original ist, bedauerlicherweise fiel so die markante Stimme von Gottfried Kramer als Brandos deutsche Stimme heraus, da der Schauspieler bereits verstorben war) und die DVD bringt den Film in bester Sound - und in restaurierter Bildqualität. Bedauerlicherweise bekommt man kaum Extras zum Film zu sehen, was aber angesichts der Qualtiät nicht weiter stört.
Ein Film, der seine Kraft nie verlieren wird und den man hunderte Male sehen kann. Ganz großes Kino.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 4, 2009 12:57 AM MEST


Are You Experienced?
Are You Experienced?
Wird angeboten von Dvd Overstocks UK
Preis: EUR 23,27

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Let Jimi take over, 28. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Are You Experienced? (Audio CD)
1967 war die Zeit endlich reif für Jimi Hendrix. Der ehemalige Animals - Bassist Chas Chandler hatte ihn mit seiner Band "Jimmy James and The Blues Flames" in New Yorker Village gesehen und war begeistert von der Technik des exotisch aussehenden, dafür sehr schüchternen Jimi, der sich in jahrelanger Übung eine bis heute einmalige und unerreichbare Spielweise angeeignet hatte. Ursprünglich hatte Hendrix sogar gelernt, "verkehrt herum" zu spielen, er war Linkshänder, so etwas wie spezielle Gitarren gab es noch nicht und das Umspannen der Saiten war eine äußerst zeitaufwändige Prozedur. So wurde die Gitarre in Jimis Händen zu viel mehr, als zu einem reinen Instrument, sie entwickelte ein regelrechtes Eigenleben und Hendrix tat alles dazu, sein virtuoses Spiel durch Effekte wie hinter dem Rücken spielen, die Gitarre mit Zunge und Zähnen bedienen und exzessiven Einsatz des Wah Wah - Pedals noch spektakulärer zu gestalten.
Chandler war davon überzeugt, den neuen Gitarrengott gesehen zu haben, bot Hendrix einen Vertrag an und verfrachtete ihn nach London. In Amerika hatte Jimi lange Zeit eher unspektakuläre Jobs als Slidegitarrist bei Little Richard oder den Isley Brothers gehabt, bei denen er zwar seine Technik verfeinern konnte, jedoch immer nur im Hintergrund wirkte. Noch dazu war er, wie bereits gesagt, ziemlich schüchtern und hielt seine Stimme für unattraktiv. Der Legende zufolge ist es Bob Dylan zu verdanken, daß Jimi doch noch auf der Bühne den Mund aufmachte. Dessen eigenwillige Vortragsweise überzeugte Hendrix davon, daß auch jemand, der "nicht singen kann", Außergewöhnliches leisten kann. So überwand Jimi sich schließlich und stellte sich doch noch hinters Mikro, was die absolut richtige Entscheidung war, da so das Gitarrengenie endlich in den Vordergrund kam.
In London, der wichtigsten Stadt der Popkultur in den 60ern, teilten sich zwei Männer den Gitarrenthron. Pete Townshend, der Gitarrist von The Who, war für seine energiegeladene Performance berühmt, die nicht selten damit endete, daß er sein Instrument entweder in einen Verstärker versenkte oder es auf dem Boden zerdepperte und Eric Clapton war der uneingeschränkte Meister des technischen Spiels, der auch gerne mal auf den Namen "Gott" hörte. In diese Atmosphäre geriet schließlich der schüchterne Junge aus Seattle, bekam den Bassisten Noel Redding und den Drummer Mitch Mitchell an die Seite gestellt und die drei wurden als "Jimi Hendrix Experience" auf die Menschheit losgelassen. Nur wenige Wochen brauchte Hendrix, um zur größten musikalischen Sensation Londons, Englands und schließlich der ganzen Welt zu werden. Jimi war die ideale Kombination aus exotischem Aussehen, Vorliebe für ausgeflippte Klamotten, mitreißender Bühnenperformance und ausgefeilter Technik, nach der das sensationslüsterne Publikum gierte, das bunte, schillernde, verrückte Aushängeschild der Hippiebewegung und ein Schlag ins Gesicht eines jeden konservativen Wertebewahrers. Noch dazu erwies Hendrix sich als außergewöhnlich begabter Songwriter, die Singles "Hey Joe" (nicht von Hendrix geschrieben, trotzdem so etwas wie seine Erkennungsmelodie), "Purple Haze" und "The Wind Cries Mary" und das im Mai 1967 erschienene Debütalbum "Are You Experienced?" landeten auf Top - Positionen in den Charts. Das Album versammelt nicht nur die großen Hits, die Hendrix zu dieser Zeit hatte, auch die weiteren Songs sind von durchgehend hoher Qualität, beispielsweise das psychedelische "Third Stone From The Sun", der virtuose Blues "Red House", das krachende "Manic Depressions" oder das knisternde "Fire".
Wie damals üblich gab es für den UK - und den US - Markt verschiedene Versionen des Albums, die US - Ausgabe war bedeutend hitlastiger, während auf der UK - Pressung noch unbekanntere Songs im Vordergrund standen. Auf der hier besprochenen Ausgabe wurde die britsche Version komplett als Album übernommen, die Songs der amerikanischen Ausgabe ("Hey Joe", "Purple Haze", "The Wind Cries Mary") wurden als Bonustracks angehängt und um einige B - Seiten (darunter so prominente Kandidaten wie "Highway Chile" und "Stone Free") ergänzt.
In welcher Version auch immer, "Are You Experienced" gehört noch immer (und das nach respektablen 42 Jahren) zu den besten und einflußreichsten Alben der Popgeschichte und Hendrix ist auch fast 40 Jahre nach seinem viel zu frühen Tod als größtes Genie an der Gitarre unübertroffen.
Unverzichtbar für jeden Fan großartiger Musik.


Ein Porträt des Künstlers als junger Mann
Ein Porträt des Künstlers als junger Mann
von James Joyce
  Gebundene Ausgabe

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein ganz Großer erhebt die Stimme, 19. August 2008
1914 hatte James Joyce bereits mit der Kurzgeschichtensammlung "Dubliner" auf sich aufmerksam gemacht. In 15 Geschichten behandelte er die Schicksale von einfachen Menschen, die im Alltag der irischen Hauptstadt feststecken, die für Joyce immer ein Synonym für das Eigesperrtsein in einer konventionellen und unbeweglichen Gesellschaft war. Die gewaltige Abneigung gegen Dublin und sein lebenslang gestörtes Verhältnis zu Irland, das ihn zu einem ewigen Wanderleben trieb, sollte eines der vorherrschenden Themen seines Werks werden.
Zwei Jahre später erschien sein erster Roman "Ein Portät des Künstlers als junger Mann", der stark autobiographisch geprägte Bericht über die Kindheit und die Jugendjahre des Stephen Dedalus. Dieser ist ein kränklicher (Joyce war ein absoluter Hypochonder), blasser Junge mit eigenem Kopf, der sich bereits in früher Kindheit weigert, blinden Gehorsam zu leisten und sich sehr früh als den geborenen Künstler erkennt. Der Leser verfolgt Stephens Entwicklung von seinen ersten Kindheitserinnerungen über die Schulzeit (eine angesehene Jesuitenschule, wie Joyce selbst), die ihn zuerst erwägen läßt, entweder Lehrer zu werden oder die geistliche Laufbahn einzuschlagen. Ganz besonders tiefen Eindruck und eine intensive Vorstellung von der Angstfrömmigkeit, die zu dieser Zeit noch weitgehend vorherrschte, hinterläßt hier die brillante Szene, in der ein Pater seinen Schülern die Hölle in den schrecklichsten und plastischsten Farben schildert. Die Zeit an der Schule prägte Joyces tiefe Abneigung gegen die verknöcherte irische Gesellschaft und die Herrschaftsansprüche der katholischen Kirche, so läßt er Stephen auch nach dem Verlassen der Schule kräftig gegen alles und jeden rebellieren, an der Universität ein Lotterleben führen und nichts und niemanden mehr respektieren, bis er, der sich immer als den geborenen Schrifsteller gesehen hat, egal, welche Laufbahn andere für ihn vorgesehen hatten, schließlich erste künstlerische Erfolge erlebt.
Wenn man Zugang zur Gedankenwelt dieses großartigen Schriftstellers sucht, sollte man sich nicht gleich an seine beiden Großwerke "Ulysses" oder "Finnegans Wake" heranwagen, irgendwann legt man unweigerlich beide Bücher frustiert beiseite, weil man einfach nicht mehr mitkommt. Ich selber stehe bei "Ulysses" noch vor meinem zweiten Versuch und hoffe, ihn vor der Rente noch zu bewältigen. "Ein Portät des Künstlers..." ist weit zugänglicher, noch linearer aufgebaut, auch wenn hier bereits Joyces eigenwillige Erzählweise und sein ständiges Springen in der Handlung und von äußeren zu inneren Vorgängen ständige Aufmerksamkeit erfordern. Auch sollte man sich auf lange innere Monologe über Sinn und Zweck des Daseins, Glaubensfragen und das Leben als geborener Schriftsteller, der sich von aller Welt unverstanden fühlt (und dem Leser auch nicht eine gewaltige Portion Eigenliebe erspart), einstellen.
Insgesamt ein faszinierender Roman, in der Joyce seine Hauptperson (also sich selbst) von allen Seiten beleuchtet und ein beeindruckendes Gesellschaftsbild des frühen 20. Jahrhunderts zeichnet. Trotz einiger Längen sehr lesenswert.


The Legend
The Legend

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Pflicht für jeden Fan, 25. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: The Legend (Audio CD)
Nach Johnny Cashs Tod hagelte es förmlich Kompilationen mit Hits, unveröffentlichten Aufnahmen, Konzertmitschnitten und sonstige Best Ofs rund um den Man In Black. Sucht man nun die wirklich definitive Werkschau (die gibt es nicht, noch nicht), so ist diese 2005 zum 50 - jährigen Jubiläum (1955 veröffentlichte SUN - Records Cashs erste Aufnahmen) erschienene Box die beste Wahl. Ohne jemals dem Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu können (es fehlen sämtliche Aufnahmen aus der "American Recordings" - Serie, die in der fabelhaften Anthologie "Unearthed" dokumentiert werden) bietet diese 4 - CD - Box den bestmöglichen Rückblick auf die lange Karriere des Man In Black.
CD 1 versammelt sämtliche Hits, die Cash hatte, wobei es allerdings ein paar Qualitätsschwankungen gibt. Natürlich gibt es die Hochkaräter wie "I Walk The Line", "Home Of The Blues", "Ring Of Fire", "Folsom Prison Blues" oder "A Boy Named Sue", doch schleicht sich immer wieder ein Song ein, der ein weiteres Mal beweist, daß Chartplatzierungen nichts mit der Qualität eines Songs zu tun haben. So gibt es direkt nach "Ring Of Fire" ein ziemlich billiges Selbstplagiat dieser Erkennungsmelodie des Man In Black namens "The Matador", das zwar im Fahrwasser dieses Songs schwimmt, jedoch bei weitem nicht an ihn heranreicht und heute zu recht in Vergessenheit geraten ist.
CD 2 erweist sich als bedeutend geschmackssicherer. "Old Favourites And New" versammelt Songs, wie nur Johnny Cash sie interpretieren konnte und für die man ihn immer lieben wird. Hier gilt, je weniger musikalischer Ballast auf die Songs geladen wird, je mehr sie von sparsamem Arrangement und dem sonoren Bariton getragen werden, desto besser und intensiver sind sie. Die Sammlung umfaßt die breite Zeitspanne von 1955 - 2002 und es gibt hier wirklich keinen Ausfall zu beklagen. Von "Cry, Cry, Cry", der ersten Single, die Cash überhaupt veröffentlichte, über Klassiker wie "Get Rhythm", "Big River", "I Still Miss Someone", "I Got Stripes" oder "25 Minutes To Go" bekommt man hier alles, was den Man In Black auszeichnet, bis die CD mit einer schönen Version von Dylans "Forever Young" ausklingt.
"The Great American Songbook" nennt sich die dritte CD und hier gibt es wieder Johnny Cash in seinem Element zu hören: Er singt Eigenkompositionen, ehrt Größen wie Huddie Ledbetter, Hank Williams oder Jimmie Rodgers und so entsteht eine sehr schöne Zusammenstellung von Traditionals und Klassikern der amerikanischen Folk - und Countrymusik, von denen Cash einige (z. B. "Delia's Gone", "Streets Of Laredo", "I'm So Lonesome I Could Cry") für die "American Recordings" - Serie nochmals aufnahm und gegen die diese früheren Aufnahmen leider etwas an Intensität verlieren. Insgesamt aber eine sehr schöne Zusammenstellung ohne jeden Ausfall.
Ein wenig anders sieht es mit der letzten CD aus, die "Family And Friends" betitelt ist und auf der es Cash mit diversen Duettpartnern zu hören ist. Der Großteil ist auch hier hervorragend, besonders die Aufnahmen mit June Carter bzw. der Carter Family, außerdem gibt es noch Zusammenarbeiten mit Größen wie Bob Dylan, Ray Charles, Elvis Costello und der Nitty Gritty Dirt Band. Leider sind auch ein paar Ausfälle dabei, wie eine recht lahme "Neuversion" von "I Walk The Line" mit Rodney Crowell oder das schnulzige "Silver Haired Daddy Of Mine" mit Tommy Cash, die man besser überspringt.
Höchst erfreulich ist das Booklet, das in die Box integriert ist und in dem man eine Kurzbiographie des Man In Black und eine Vielzahl an Fotos findet, mit denen man Johnny Cash von seiner Kindheit bis in die letzten Jahre verfolgen kann.
Insgesamt ein rundum gelungene, schön aufgemachte Karriereschau mit vier randvollen CDs, denen man den ein oder anderen Ausfall leicht verzeiht und die man für den günstigen Preis dem Cash - Fan und jedem, der den Man On Black noch kennenlernen will, uneingeschränkt empfehlen kann.


Under the Red Sky
Under the Red Sky
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nennen wir es unentschieden..., 24. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Under the Red Sky (Audio CD)
Kaum jemand kann etwas mit diesem Album anfangen. Kurz vorher hatte Dylan endlich seine Formkrise, die beinahe die ganzen 80er Jahre andauerte, überwunden und mit "Oh Mercy" ein Album mit starken Songs abgeliefert, das die Dylan - Gemeinde nach der Durststrecke wieder auf bessere Zeiten hoffen ließ. Songs wie "Political World", "Ring Them Bells" oder "Shooting Star" erinnerten an frühere Großtaten des Meisters, man erwartete gespannt das nächste Album und dann das: His Bobness gibt Kinderlieder zum Besten.
In der Tat erinnern viele Texte auf "Under The Red Sky" an Abzählreime, die man früher im Kindergarten im Kreis stehend in der Art von "Ene mene Muh - und raus bist du" von sich gegeben hat, dies allerdings mit einer Rockband und mit einem Who is Who an Gaststars. Dylan brauchte nur zu rufen und alle kamen, Stevie Ray Vaughan, Elton John, George Harrison und nicht zuletzt Slash (wobei man Dylans Chuzpe bewundern muß, den damals wichtigsten Gitarristen der Welt in einem gerade mal knapp dreiminütigen Nichts von einem Song namens "Wiggle Wiggle" zu verbraten, in dem er sich kaum entfalten konnte, Slash dürfte nicht besonders erbaut gewesen sein). Textlich ist das Album also alles andere als befriedigend, wobei man natürlich auch hier die ein oder andere Perle wie den sarkastischen "T. V. Talkin' Song" oder die schöne Ballade "Born In Time" findet, größtenteils gibt es aber Bob Zuckowski und seine Freunde mit Großtaten wie "Handy Dandy" zu hören.
Natürlich hagelte es für dieses Album wieder böse Kritik, "Oh Mercy" wurde als ein Strohfeuer abgetan und Dylan für endgültig ausgebrannt erklärt. Erst einige Jahre später und nach einem ausgedehnten Ausflug in die Gefilde der alten Blues - und Folkklassiker fand Dylan wieder zu alter Stärke und eroberte sich seinen angestammten Platz ganz oben zurück.
So schlecht, wie es gemacht wird, ist das Album allerdings auch wieder nicht. Wie gesagt, die ein oder andere Perle findet sich unter den Texten und musikalisch ist "Under The Red Sky" durchgehend von hoher Qualität, was auch den zahlreichen Gaststars zu verdanken ist. Dylan selbst scheint ein ziemliches Faible für dieses unbeschwerte kleine Album zu haben, zumindest streut er während seiner Konzerte immer wieder Songs daraus ein und läßt seine Fans rätseln, woher sie dieses seltsame Lied kennen (zuletzt kam oft "Cat's In The Well" zu diesen Ehren).
Alles in allem keines der großen Dylan - Alben, eher eines, das man gut hören kann, wenn einem an einem sonnigen Sommertag nach solider Rockmusik ist, über deren Texte man nicht lange nachdenken muß. Auch manchmal ganz schön.


Der Fliegende Holländer (Ga)
Der Fliegende Holländer (Ga)

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dokument einer großen Inszenierung, 24. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Fliegende Holländer (Ga) (Audio CD)
Seit es die Seefahrt gibt, gibt es auch die dazugehörigen Legenden und die Bekannteste darunter dürfte der Mythos vom Fliegenden Holländer sein, jenem Kapitän, der seine Seele dem Teufel verschrieb und auf Ewigkeiten die Meere durchfahren muß. Ungeheuer populär war die Legende in der geisterverliebten Zeit der Romantik, doch die Faszination hat sich bis in unsere Zeit gehalten, seinen letzten großen Auftritt hatte der Fliegende Holländer immerhin im "Fluch der Karibik".
Auch diversen Literaten gefiel die Sage, so entstand ein wirkliches Drama um den verfluchten Kapitän, der beizeiten sein Schiff verlassen darf, um an Land ein Mädchen zu freien, das ihn treu lieben muß. Tut sie dies, so ist der Kapitän erlöst, wenn nicht, tötet er sie und muß weitere 100 (oder 10 oder wie bei Wagner sieben Jahre) zur See fahren.
Richard Wagner bekam die Bearbeitung von Heinrich Heine (in den "Memoiren des Herrn von Schnabelewopski") auf der stürmischen Flucht zu See von Riga (wo ihm, wie immer, die Gläubiger im Nacken saßen) nach Paris in die Hände. Die stürmische See inspirierte Wagner zu seiner ersten großen Meisteroper, dem Bindeglied zwischen der Romantischen Oper und dem Musikdrama, das er im Alleingang erfand. Noch ist der Einfluß der altvorderen Komponisten spürbar, Heinrich Marschner, Giacomo Meyerbeer und natürlich der verehrte Carl Maria von Weber standen deutlich Pate, noch gibt es Musiknummern und Übergänge, dennoch ist die Oper schon beinahe völlig durchkomponiert, die Grenze zwischen Nummernoper und Musikdrama verschwimmt hier.
"Der fliegende Holländer" entstand in Wagners berüchtigten "Pariser Hungerjahren", zunächst konnte er nur den Text an die Pariser Oper verkaufen, der dann von einem heute vergessenen Komponisten vertont wurde. Wagner selbst ging ein Jahr später an die Ausarbeitung und am 2. Januar 1843 erklang seine eigene Version des "Fliegenden Holländers" im Dresdener Hoftheater, wo Wagner den Posten des Hofkapellmeisters erhalten hatte. Zwar war die Reaktion relativ verhalten, allerdings eroberte sich die Oper langsam aber sicher ihren Platz auf den Bühnen der Welt und gilt heute als eine der populärsten Opern Wagners, wegen der romantischen Handlung, der ausgearbeiteten Musiknummern, für die Wagner unbestreitbar ein Gefühl hatte (Ouvertüre, Steuermannslied, Steuermannschor), der musikalischen Zugänglichkeit und der wohltuenden Kürze der Oper, ferner läßt es sich kein Regisseur mit Theatergefühl entgehen, ein echtes Geisterschiff auf die Bühne zu zaubern.
Das Geisterschiff liegt auch des öfteren in Bayreuth vor Anker, es ist die früheste Oper Wagners, die dort aufgeführt wird. Viele legendäre Inszenierungen gab es schon von diesem Werk, viele großartige Holländer und Sentas konnte man im Wagnertempel schon genießen, am bekanntesten wahrscheinlich die Kombination Franz Crass - Anja Silja. Von 1978 - 85 lief jedoch die für mich interessanteste Inszenierung von Harry Kupfer in Bayreuth. Kupfer deutete die ganze Handlung als Traum Sentas, die die ganze Oper über auf der Bühne präsent war und verweigerte dem Publikum den romantischen Schluß durch ihren Selbstmord, als sie mit der Realität (durch den Jäger Erik) konfrontiert wird. Dazu gab es eine großartige, energiegeladene Interpretation durch Woldemar Nelsson, den wohl besten Festspielchor aller Zeiten, der die Chorpartien zu den absoluten Höhepunkten der Aufführung werden ließen und ein rundum überzeugendes Sängerensemble.
Lisbeth Balslev als Senta gibt eine recht unkonventionelle Interpretation zum besten. Sie wirkt sehr erwachsen, lotet ihre Rolle psychologisch aus, vom jungen Mädchen und dem romantischen Schwärmen bleibt nicht viel übrig, was allerdings der Inszenierung geschuldet ist. Gesanglich reicht sie nicht wirklich an die großen Sentas der Vergangenheit wie Anja Silja oder Gwyneth Jones heran, ihre Stimme läßt des öfteren die Leichtigkeit vermissen, die für eine Senta nötig ist, allerdings fügt sich diese Interpretation ins Gesamtkonzept der Inszenierung. Eine recht unkonventionelle, aber sehr interessante Senta.
Ihr Gegenpart ist mit Simon Estes hervorragend besetzt. Sein dunkler, kräftiger Baßbariton ist für den mysteriösen Holländer absolut rollendeckend, er läßt sich auch nicht dazu hinreißen, die Rolle mit sängerischen Effekten "interessanter" zu gestalten, sondern verläßt sich allein auf die Vielseitigkeit seiner Stimme. Schauspielerisch gibt es nichts zu kritisieren, auch er fügt sich in das Konzept der Inszenierung und überzeugt auf ganzer Linie. Trotz seines starken amerikanischen Akzents ist Estes für mich der beste Holländer der neueren Zeit.
Daland ist bei dem finnischen Baß Matti Salminen recht gut aufgehoben, auch wenn er es schwer hat. Viele hervorragende Sänger gab es schon für diese wichtige Vaterrolle, am bekanntesten wohl Gottlob Frick und Martti Talvela. In diese Riege kann sich Salminen nicht einreihen, gibt jedoch insgesamt einen sehr überzeugenden Daland, auch wenn er in den gern gemachten Fehler verfällt, den habgierigen norwegischen Kapitän in die parodistische Ecke zu drängen.
Bleibt noch der Steuermann von Graham Clark zu erwähnen. Clark war über lange Zeit der wichtigste und beste Charaktertenor, den Bayreuth zu bieten hatte und sang dort alle wichtigen Rollen wie David in den "Meistersingern" oder Mime bzw. Loge im "Ring des Nibelungen". Auch in der kleinen Rolle des Steuermanns, die schon für viele Sänger ein wichtiges Sprungbrett war, überzeugt er voll und ganz. Gäbe es nicht noch den einmaligen Fritz Wunderlich in dieser Rolle zu hören, so wäre er mein Favorit als Steuermann.
Komplettiert wird das Ensemble durch den sehr soliden Erik von Robert Schunk, der diese undankbare Rolle gut meistert und sich damit für wichtigere Aufgaben im Wagnerfach empfahl und die mütterliche, leider sehr abgesungen wirkende Mary von Anny Schlemm.
Einen sehr wichtigen Part haben die Chöre in dieser Oper, und der Bayreuther Festspielchor gibt ein weiteres Mal eine phantastische Vorstellung. Wuchtig und vielseitig, in jeder Situation mit genau der richtigen Intensität, dabei absolut präzise und perfekt textverständlich. Ich kenne keine Holländer - Aufnahme mit besseren Chören.
Die Aufahme entstand live im Jahr 1985, die Tonqualität ist entsprechend hervorragend, wobei die Akustik des Festpielhauses seinen wichtigen Beitrag leistet. Zwar ist die Aufnahme live auf der Bühne entstanden, jedoch ohne Publikum, um dem allgegenwärtigen Heer der Huster zu entgehen. Allerdings wirkt diese Aufnahme alles andere als steril, sondern quicklebendig.
Insgesamt der beste Holländer der neueren Zeit, wenn er auch nicht ganz die Qualität der Aufnahmen aus den 60er und 70er Jahren erreichen kann.


Das Schweigen der Lämmer - Steelbook
Das Schweigen der Lämmer - Steelbook
DVD ~ Jodie Foster

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der beste Thriller der Welt, 23. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Schweigen der Lämmer - Steelbook (DVD)
Thomas Harris' erste erfolgreiche Thriller "Roter Drache" und "Das Schweigen der Lämmer" schrieen geradezu danach, verfilmt zu werden. Schon 1986 inszenierte Anthony Mann "Roter Drache" unter dem Titel "Manhunter" für das Kino und in diesem Film hatte auch der Erzbösewicht Nummer eins (laut der Liste der größten Bösewichter des American Film Institute) seinen ersten Auftritt auf der Leinwand: Dr. Hannibal Lecter, forensischer Psychiater, hochintelligent und - gebildet, mit großem Sinn für Ästhetik und Vorliebe für Menschenfleisch. Der erste Darsteller dieser Rolle war Brian Cox und "Manhunter" gilt bis heute als der Geheimtip unter den Harris - Verfilmungen.
Sein endgültiges Gesicht bekam Lecter jedoch von einem anderen Schauspieler. Für Anthony Hopkins bedeutete diese Rolle den endgültigen Durchbruch zum Weltstar, er erhielt für seine Leistung den Oscar als bester Hauptdarsteller, spielte Hannibal Lecter noch zweimal (in bedeutend schwächeren Filmen allerdings) und wird bis heute so sehr mit dieser Rolle identifiziert, daß es ihn sogar als Halloween - Maske gibt. In der Tat kann man sich für diese Rolle keinen anderen Schauspieler mehr vorstellen. Lecter wirkt Hopkins wie auf den Leib geschneidert, er agiert von seiner Zelle in der Anstalt für geisteskranke Verbrecher aus wie ein Marionettenspieler, der alle anderen Figuren an ihren Fäden tanzen läßt, greift aber wie ein Raubtier selbst ins Geschehen ein, als er die Chance dazu sieht. Meist ist er nur im Halbdunkel oder in Großaufnahme zu sehen, was ihm noch zusätzlich eine mysteriöse Aura verleiht. Sowohl Hopkins als auch Regisseur Jonathan Demme haben mit dieser Figur alles richtig gemacht und so eine der faszinierendsten Filmcharaktere überhaupt geschaffen.
"Das Schweigen der Lämmer" hat allerdings noch um einiges mehr zu bieten als Hopkins in seiner Paraderolle. Nicht umsonst erhielt der Film in den fünf wichtigsten Kategorien (bester Film, Hauptdarsteller, Hauptdarstellerin, Regie und Drehbuch) die Oscars 1992. Ted Tally (Drehbuchautor) lieferte perfekte Arbeit, hielt sich eng an Harris' Vorlage und zog an den richtigen Stellen den Spannungsfaden bis zum Zerreißen an. Jodie Foster als Clarice Starling überzeugt auf ganzer Linie und steht in ihrer Leistung Hopkins in nichts nach. Großartig sind die Szenen, in denen sich Starling und Lecter gegenseitig belauern, versuchen, den Schwachpunkt des anderen zu finden, wodurch beide fast unmerklich in immer größere Abhängigkeit voneinander geraten.
Großes Lob auch für die Inszenierung des Films durch Jonathan Demme, der von der ersten bis zur letzten Sekunde eine dichte, unheimliche Atmosphäre schafft, die Spannung bis zum dramatischen Höhepunkt immer mehr steigert, so daß man auf der Jagd nach dem Frauenmörder "Buffalo Bill" nicht anders kann, als auch nach dem hundertsten Ansehen noch mitzufiebern und der den durch die Bank ausgezeichneten Schauspielern viel Raum zur Gestaltung ihrer Rollen gibt.
Die hier besprochene Ausgabe kommt als DVD - Zweierpack, auf der einen DVD der Hauptfilm in bester Bild - und Tonqualität, auf Silberling Nummer zwei gibt es viele erfreuliche Extras rund um den Film, so ein ausführliches Making Of, entfallene Szenen, recht amüsante Pannen, Fotogalerien und diverse Trailer sowie einen Text für den Anrufbeantworter, wenn man denn unbedingt Hannibal Lecter auf seinem AB haben will.
Insgesamt eine wirklich schöne Box für den Fan zu einem absolut akzeptablen Preis, die keine Wünsche enttäuscht.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12