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Ein überzeugendes Plädoyer für eine wahre Soziale Marktwirtschaft, 16. November 2009
Prof. Dr. Max Otte, bekannt vor allem durch seinen Mega-Bestseller 'Der Crash kommt', identifiziert in seinem neuesten Werk die Finanzkrise als Symptom einer gezielten Desinformation durch verschiedene gesellschaftliche Kräfte.
Er zeigt in überzeugender Weise auf, dass in vielen Bereichen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Informationsstandards mehr und mehr verfallen. So werden hochkomplexe und undurchschaubare Finanzprodukte konstruiert, welche dem Privatanleger Sicherheit und Rendite suggerieren. Letztlich wird der Verbraucher in seiner Hilflosigkeit allein gelassen, weil der Vertrieb derartiger Produkte provisionsgetrieben und die Bank in den meisten Fällen der Gewinner dieser Wetten ist. Die eigentliche Beratung bleibt auf der Strecke. Der Verbraucher fühlt sich orientierungslos und alleingelassen zurück. Immer komplexer werdende Gesetze und eine undurchsichtige Produkt- und Preispolitik vieler Großkonzerne sind weitere Beispiele eines Kartells der Desinformationswirtschaft.
Der Autor führt aus, wohin diese gefährlichen Entwicklungen führen: zu einer Erosion oder gar Spaltung der Gesellschaft. Diese Befürchtungen sind keineswegs Ergebnis einer Verschwörungstheorie. Vielmehr führt Max Otte eine Vielzahl von Belegen an, welche die gewitzten Strategien der Desinformationswirtschaft entlarven. Das erklärte Ziel seiner Darstellung ist es, dem mündigen und aufgeklärten Bürger die Mechanismen der Desinformation zu erklären, um sich davor zu schützen.
Max Otte benennt drei Triebkräfte der Desinformation und belegt diese an vielfältigen Beispielen:
1.) Interesse der Wirtschaftsakteure an Desinformation
2.) Macht- und Ahnungslosigkeit der Politik
3.) Die Schwächung der Medien und des Journalismus.
Unter Rekurrrierung auf politische Ideen, u.a. von Weber oder Rousseau, stößt Professor Otte eine Wertedebatte an, an deren Ende eine Rückbesinnung der Politik auf das Gemeinwohl stehen soll. Er hält ein flammendes Plädoyer für eine wahre Soziale Marktwirtschaft und tritt für eine Regulierung in der Tradition des Ordoliberalimus ein. Ein starker Rechtsstaat mit einem starken und unabhängigen Beamtentum (Idee des Staats-Dieners) soll für die Durchsetzung des Allgemeinwohls sorgen. Der Staat dürfe sich nicht aus der Verantwortung ziehen und müsse die rechtlichen, sittlichen, psychologischen und politischen Voraussetzungen für eine soziale, faire und funktionsfähige Marktwirtschaft schaffen.
Wie schon in seinen vergangenen Werken gelingt es Prof. Otte, in einer anschaulichen und leicht verständlichen Sprache komplexe Muster gesellschaftlicher Phänomene zu beschreiben und zu erklären. Dabei verharrt er nicht auf der Ebene der Erklärung, sondern legt auf fundierte, kritische Weise den salzbestreuten Finger auf die offenen Wunden unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. So kann dieses Buch als eine Art moderner Kapitalismuskritik aufgefasst werden. Max Otte tritt ein für eine aufgeklärte bürgerliche und soziale Marktwirtschaft, wo Werte wie geschäftliche Anständigkeit, Loyalität und die Einhaltung fairer Spielregeln gepflegt und wiederbelebt werden müssen.
Angesichts der wachsenden Desinformationswirtschaft wird es immer wichtiger, dass souveräne Anleger und Verbraucher sich ihre eigenen Gedanken machen und ein solides Wissensfundament haben, um der Desinformationswirtschaft zu widerstehen. Im abschließenden Kapitel gibt Prof. Otte einige Denkanstöße, wie wir als Verbraucher unsere Mündigkeit erhalten und uns vor den Verwirrspielen der Desinformation schützen können.
Fazit: Ein typischer Otte! Unkonventionell, unbequem, aufwühlend und weitsichtig! Mit diesem Werk werden wir Verbraucher aufgeklärt über ein neues schleichendes Phänomen, welches sich hinter der Fassade der Finanzkrise verbirgt und den Zusammenhalt unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung gefährdet.