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Rezensionen verfasst von
Holden Caulfield

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Der Hobbit: Smaugs Einöde
Der Hobbit: Smaugs Einöde
DVD ~ Manu Bennett
Preis: EUR 4,99

100 von 131 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 37,5 Grad - 'Der Hobbit' leidet noch immer an erhöhter Prequelitis, 9. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Smaugs Einöde (DVD)
--- SPOILERWARNUNG für 'Der Hobbit' und 'Der Herr der Ringe' ---

--- Diese Rezension bezieht sich in erster Linie auf die KINOFASSUNG ---

--- Zusätzliche Anmerkungen zur EXTENDED EDITION hinzugefügt ---

Ein guter Film zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass er noch Jahre später nachdem der "Eye Candy" seiner Action Szenen verblichen ist, weiterhin durch das Drama der Geschichte und seiner Figuren das Publikum zu unterhalten vermag. Ob 'Smaugs Einöde' auch so ein Film ist? Drehbuchautorin Phillipa Boyens erwähnte bereits im 'Making of' zu 'Eine unerwartete Reise', dass der zweite Teil einer Trilogie immer am schwersten zu schreiben ist. Das trifft besonders auf 'Smaugs Einöde' zu dessen Dramaturgie offensichtlich gelitten hat, als die ursprünglichen zwei Hobbit Filme zu einer Trilogie ausgebaut wurden.

- Die Reise geht weiter, jedoch treten die Charaktere auf der Stelle -

Es ist nicht leicht sich für 13 Zwerge zu interessieren, die untereinander nicht nur optisch sondern auch in ihrem Handeln schwer zu unterscheiden sind. Manche Zwerge treten als Charakter immer noch nicht in Erscheinung, sondern sind nur für Lacher zuständig (Bombur). Wie schon bei der Flucht aus den Goblin Höhlen im Vorgänger, können die Zwerge bei der Flucht in den Fässern die tollsten Kunststücke vollführen und sind nahezu unverwundbar. Oh, halt! Ein Zwerg wird verwundet, nämlich Kili ... zu einem bestimmten Zweck. Mehr dazu später. Die Erzfeinde der Zwerge - die ewig hinterher laufenden Orks - werden reihenweise und allzu leicht dezimiert und lassen so keine echte Gefahr oder Bedrohung aufkommen. Warum sollte das Publikum mitfiebern, wenn den Figuren sowieso nichts von Substanz passiert?

Ganz besonders Thorin Eichenschild - der wichtigste Zwerg überhaupt - schwächelt an dramaturgischer Zugkraft und Charisma. Mit der im Vorgänger angedeuteten "Drachenkrankheit" wird leider nichts gemacht. Will Thorin seinem Volk den Erebor zurückgeben oder will er im tiefsten Herzen nur den Arkenstein zurück bekommen? Das Zeigen dieser inneren Zerrissenheit wäre ein Faktor, wo man als Zuschauer mitfiebern könnte. Thorin schwärmt zwar bedeutungsschwanger hier und da vom Erebor, aber das war es dann auch schon - sein Charakter ist reduziert auf pathetische Reden und grimmige Blicke. Am Ende von 'Eine unerwartete Reise' gab es diese schöne Szene als Thorin zugibt sich in Bilbo getäuscht zu haben und ihn als vollwertiges Mitglied seiner Gemeinschaft akzeptiert. In 'Smaugs Einöde' gibt es leider kaum Momente, die diese neue Freundschaft vertieft. Was sehr schade ist, denn Kenner des Buches wissen, dass Thorins und Bilbos Freundschaft noch auf eine harte Probe gestellt wird.

Und Bilbo? Der titelgebende Hobbit tritt oft in Aktion, indem er den Zwergen mal wieder mehrere Male aus der Patsche hilft (Spinnenbefreiung, Fässerflucht, Lösung des Türrätsels). Und natürlich der Dialog mit dem Drachen Smaug (das Highlight des gesamten Films) zeigt Bilbos Cleverness, die er schon beim Rätselspiel mit Gollum unter Beweis stellen durfte. Aber anscheinend hat die Reise zum Erebor kaum noch Auswirkungen auf Bilbo. Anstatt seiner besseren Charakterentwicklung im Buch zu folgen, lässt Peter Jackson ihn lediglich Frodo-artige Ringsucht Symptome spüren, die wir alle schon aus den 'Herr der Ringe'-Filmen kennen. Warum? Im Buch bleibt Bilbos Ring relativ unscheinbar. Womit wir beim nächsten Punkt wären.

- Gandalf ächzt "Sauron!" ... und das Publikum zuckt mit den Schultern -

Tolkien hat so manche Begebenheit aus gutem Grund in den sogenannten "Anhängen" abgelegt. Sie trugen zur Handlung der Bücher wenig bei und lenkten mitunter von der Geschichte ab. Die "Anhänge" dienen in erster Linie als Hintergrundmaterial, wenn man sein Wissen bezüglich einiger Charaktere und Geschehnisse vertiefen möchte. Und genau aus diesen Anhängen schöpft Peter Jackson zusätzliches Material um seine Hobbit Trilogie mit mehr Laufzeit zu füllen. Ob das wirklich effektiv ist, veranschaulicht die Nebenhandlung um den Nekromanten.

Was wäre das schön gewesen für die Zuschauer, die sich nicht so sehr mit den Büchern auskennen: da steckt ein gruseliger Hexer mit den Orks unter einer Decke und baut in einer ebenso gruseligen Festung eine Armee auf. Wow, das könnte spannend werden! Und vielleicht am Ende des dritten Teils gibt es einen kleinen Fingerzeig, der den Zuschauern die Scheuklappen von den Augen blässt und alle schreien erstaunt: "Dieser Hexer ... das war Sauron!". Aber leider entzauberte bereits 'Eine unerwartete Reise' das Potential einer mysteriösen und spannenden Nebenhandlung. Wir alle sahen den Hexenkönig in seiner Ringgeistform, als er den Zauberer Radagast angriff. Jeder halbgescheite Kinogänger brauchte nur 1 + 1 zusammen zu zählen, wer sich da in Dol Goldur als Nekromant eingenistet hatte. Mit dem bereits entlarvten Wissen verpufft jegliche Spannung bzw. Enthüllung sämtlicher diese Nebenhandlung betreffenden Szenen. Stattdessen gibt es optisch nur alt Bekanntes: Bilbo spürt den Einfluss des Einen Ringes, das lidlose Auge wird mehrmals eingeblendet, Gandalf verteidigt sich erneut mit seinem Balrog-bewährten weissen Schutzschild und Sauron darf sich kurz in seiner bekannten Rüstung aus dem Prolog von 'Die Gefährten' zeigen.

Durch die Miteinbeziehung Saurons verliert die Reise von Bilbo und den Zwergen an Bedeutung und Fokus. Anstatt sich stärker auf die Charaktere und Geschehnisse des Buches einzulassen bzw. ihnen mehr Platz einzuräumen, wird eine Menge Laufzeit mit dem uninteressanten Aufbegehren Saurons als Nekromant verschwendet. Gleichzeitig werden die interessanten Passagen des Buches wie z.B. Beorn und der Düsterwald viel zu schnell abgehakt und hastig zu den Elben und weiter in die Seestadt gehetzt. Mehr von der eigentlichen Geschichte und weniger überflüssige und teils sogar plumpe Referenzen an die 'Herr der Ringe'-Filme täte Jacksons Hobbit-Mehrteiler gut.

- Das Studio wollte es so: die Tauriel / Kili / Legolas Liebelei -

Von diesen drei Charakteren taucht eigentlich nur Kili im Buch auf. Was machen also die beiden anderen hier? Wie schon unlängst bekannt, ist die weibliche Elbin Tauriel eine Schöpfung von Peter Jackson um sagen wir es mal ganz banal: um der frauenlosen Kinderbuchgeschichte eine Frauenquote zu verpassen. Was Legolas angeht ist es schon zwielichtiger. Vielleicht sollte es anfangs nur ein kleiner Cameo-Auftritt werden. Einerseits ist er zweifelsohne der Sohn des Königs der Waldelben, andererseits war Legolas in 'Herr der Ringe' besonders beim weiblichen Publikum sehr beliebt. Als 'Der Hobbit' auf drei Filme ausgedehnt wurde, benötigte Jackson ein zusätzliches Drama in seinem hobbit'schen Mittelstück. Was hat sich im zweiten Teil einer jeden Trilogie schon immer am Besten bewährt um die Zuschauer zu unterhalten? Richtig, ... Liebe! Evangeline Lilly, die Darstellerin von Tauriel, bestätigte in einem Interview, dass diese Dreiecksbeziehung auf Wunsch des Studios bei den im Jahr 2012 stattgefundenen Re-Shoots hinzugefügt wurde. Das Ganze beginnt so: als Tauriel den Zwerg Kili im Verließ einsperrt, gibt dieser einen "Ich könnte was in meiner Hose haben"-Spruch zum Besten. Tauriel antwortet: "Oder auch gar nichts." Unglaublich aber wahr, Peter Jackson ist auf das Niveau abgerutscht in Mittelerde Unterhosenwitze zu benötigen! Ein paar Szenen später darf Legolas auch noch eifersüchtig mitlauschen. Oh la la, durch simple Daily-Soap Mechanismen ist der Film gleich viel interessanter geworden! Später eilt Tauriel Kili zu Hilfe und heilt ihn von seiner Morgul Vergiftung mit Königskraut. Sanft greift Kili nach Tauriels Hand und der Romantik Nonsens ist perfekt.

Warum ist das ein Problem? Studiobosse verstehen vom Drehbuch schreiben meistens soviel, wie eine Kuh vom Eier legen. In erster Linie sind sie an den Einspielergebnissen interessiert und das ein Film (besonders aus dem Fantasy Genre) möglichst viele Zuschauerschichten anspricht. Bei dem Tauriel/Legolas/Kili Liebesdreieck kommt es einem vor, als wollte das Studio gezielt die Altersgruppen der 'Hunger Games'-Filme (12 bis 18 Jahre) bedienen. Getreu ihrer Konstruierung und ohne Rücksicht auf die ursprüngliche Konstellation der Figuren, wirkt die Liebesgeschichte in 'Smaugs Einöde' gezwungen und fehl am Platz. Darüber hinaus wird der Charakter von Legolas "beschädigt": der exzellente Bogenschütze und "zarte" Elb ("Es liegen grausame Stimmen in der Luft."/"Eine rote Sonne geht auf. Heute Nacht ist Blut vergossen worden.") aus 'Herr der Ringe' verkommt hier zu einem arroganten Schnösel, der nur over-the-top Bewegungsvariationen seiner Olifanten Tötung aus 'Die Rückkehr des Königs' zum Besten geben darf. Legolas fühlte sich wie ein echter Charakter an, als sich über drei Filme hinweg eine Freundschaft zwischen ihm und Gimli entwickelte und beide so ihre gegenseitigen Vorurteile überwanden. In 'Smaugs Einöde' ist Legolas leider nur Mittel zum Zweck.

Tauriels ursprüngliche Charakterisierung für die Zweifilmstruktur kann man nur erahnen. Man bedenke: es gibt im Film keine eindeutige Aktion seitens Legolas, die den Zuschauern deutlich macht, dass er tatsächlich in Tauriel verliebt ist. Lediglich Thranduil erwähnt es ihr gegenüber, dass Legolas Gefühle für sie hat. Blendet man diesen Dialog aus, erhärtet sich der Verdacht, dass Legolas und Tauriel ursprünglich als Geschwister konzipiert waren! Und die Sache mit Kili bekäme somit eine "großer-Bruder-mag-nicht-den-neuen-Freund-der-kleinen-Schwester"-Dynamik. Alle Szenen mit Legolas, Tauriel und Kili funktionieren in dieser Konstellation. Als das Studio eine zusätzliche Liebelei im Film haben wollte, bedurfte es lediglich der Änderung weniger Dialogzeilen im Drehbuch - z.B. aus: "Dein Bruder macht sich große Sorgen. Er sagte mir, Du wanderst zu oft ausserhalb der Grenzen unseres Reiches bla bla bla" wurde: "Legolas hat Gefühle für Dich." Und sofort bekam dieses Figurendreieck einen anderen Kontext.

- Aus Zwei macht Drei: wir brauchen ein neues Ende! -

Ein weiteres "Opfer" des Hobbit-Trilogie-Umbaus ist das Finale von 'Smaugs Einöde'. Das Ende des ersten Hobbit Films markierte ursprünglich die Flucht in den Fässern. Durch die neue Drei-Film-Struktur verschoben sich massiv die Spannungsbögen in der Handlung. Für 'Smaugs Einöde' benötigte Peter Jackson jetzt ein oder zwei neue Höhepunkte, bevor das Licht im Kinosaal wieder angeht: die Erebor Verfolgungsjagd und die Ork Scharmützel in Seestadt. In der ehemaligen Zwei-Film-Struktur, waren diese Szenen nicht vorhanden. So unglaubwürdig wie die Erebor Verfolgungsjagd aussieht und choreographiert ist (Stichwort: Balancieren auf Smaugs Schnauze & Schubkarren-Surfen auf flüssigem Gold), entstand sie nahezu komplett vor einem Green Screen im Sommer 2013 im Rahmen von zusätzlichen Dreharbeiten. Die Passagen sind eindeutig in dem online gestellten Production Blog zu erkennen.

Und erneut rennen und hüpfen die Zwerge unverwundbar durch die Szenerie und Smaug ist erstaunlich leicht auszutricksen - Smaug der Unbeholfene! Das Ganze mündet in einem Versuch den Drachen mit einem riesigen Zwerg (!) aus Gold zu ertränken. Parallel dazu darf sich Legolas an einer Strassenecke (wie episch) mit dem CGI-Ork Bolg prügeln. Smaug befreit sich aus dem flüssigen Gold und "wäscht" sich mit wenigen Flügelschlägen komplett davon rein. Aber anstatt weiter die paar Zwerge und den "Fassreiter" im Erebor zu jagen ... fliegt er lieber Richtung Seestadt. Warum? Dieses unlogische Verhalten von Smaug ist ein verräterisches Anzeichen für die ursprüngliche Zwei-Film-Struktur: Smaug hätte nach Bilbos Verschwinden und ohne zu wissen wo sich die Zwerge verstecken, aus Frust und Rache das nächstbeste Ziel angegriffen: die "Fassverhökerer" vom See. Klingt nachvollziehbar. Die jetzige Fassung wirkt so, als ob Smaug nach der Golddusche spontan einfach keine Lust mehr auf die Zwergenjagd hat.

Was bleibt sonst noch? Bilbo darf mal wieder den letzten Satz sprechen und dann Schnitt, Dunkelheit, Abspann. Insgesamt fühlt sich das Ende zusammengestückelt, übertrieben und vor allem unbefriedigend an. Am Schluss von 'Die Zwei Türme' wurden die Zuschauer belohnt: Rohan wurde von der Unterdrückung Sarumans befreit. Das Thema bzw. der Konflikt innerhalb des zweiten Film wurde gelöst und die Sorge um liebgewonnene Charaktere hatte sich ausgezahlt. 'Smaugs Einöde' hingegen belohnt die Zuschauer mit nichts außer Schauwerten und vertagt (oder sollte man sagen "verjährt") alle etablierten Konflikte auf den dritten Hobbit Film.

- Die Extended Edition -

Mit den zusätzlichen 25 Minuten in der Extended Edition ist 'Smaugs Einöde' ein wesentlich runderer Film. Die neuen Szenen lassen dem Film mehr Zeit die Mittelerde Atmosphäre zu entfalten und er wirkt insgesamt nicht mehr so gehetzt wie die Kinofassung. Auch wenn die meisten der oben angesprochenen Kritikpunkte auch hier vorhanden sind, würde ich der Extended Edition 4 von 5 Punkten geben. Sie ist definitiv der Kinofassung vorzuziehen.

- FAZIT -

Es ist schon faszinierend, wenn ein Regisseur zum zweiten Mal das gleiche Material anfasst. Er schafft es nicht vollends die Magie des Erstlingswerks erneut einzufangen, sondern eher den Ruf der Filmreihe und seiner eigenen Reputation in Zweifel zu ziehen - vergleichbar mit Steven Spielberg und 'Indiana Jones 4', Ridley Scott und 'Prometheus' und den 'Star Wars Prequels' von George Lucas. Zugegeben ist Peter Jackson weit von den Regieschwächen eines George Lucas entfernt, jedoch kranken die ersten beiden Filme seiner Hobbit Trilogie an ähnlichen Symptomen, wie die 'Star Wars Prequels': wenig bis gar keine Charakterentwicklung (Bombur), der Hang zu albernen Elementen (Radagast), statt praktischer Effekte verstärkt auf CGI zu setzen (Orks) und der Drang den Zuschauern die Verbindung zur ersten Trilogie unmissverständlich unter die Nase zu reiben (Sauron).

Peter Jackson vermeidet in 'Smaugs Einöde' größtenteils die Albernheiten und den Slapstick des Vorgängers, liefert aber im Gegenzug nur spannungsarme und übertriebene Action Szenen ab. Erneut versucht er die epische und emotionale Tiefe der 'Herr der Ringe'-Filme zu erreichen, scheitert jedoch daran die kleine Kinderbuchgeschichte zu etwas Größerem aufzublasen. 'Der Hobbit' darf nicht er selbst sein, sondern wird dazu genötigt die viel zu großen Fussstapfen der ersten Trilogie zu füllen.

Eine Sache hat mich von Anfang an irritiert: das Erste was wir in 'Smaugs Einöde' sehen ist ... Peter Jackson. Wie damals in 'Die Gefährten' futtert er in Bree eine Karotte. Vielleicht ist es ein augenzwinkernder Cameo-Auftritt für die Fans ... oder aber die filmische Visualisierung eines Regie Egos, welches mittlerweile etwas zu selbstsicher mit Tolkiens Vermächtnis herum hantiert. Subtil sieht anders aus.
Kommentar Kommentare (22) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 16, 2014 8:24 AM MEST


Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels - 2-Disc Special Edition
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels - 2-Disc Special Edition
DVD ~ Cate Blanchet, Karen Ellen, Harrison Ford Shia LaBeouf
Wird angeboten von MK-Entertainment
Preis: EUR 19,47

37 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Indiana Jones und das Königreich der Star Wars Prequels, 10. Oktober 2012
--- SPOILERWARNUNG für alle vier Indiana Jones Filme ---

Über den vierten Film der Indiana Jones Reihe ist schon viel geschrieben und viel gesagt worden. Was die Enttäuschung und den Spott angeht, wird er meistens im gleichen Atemzug mit den berüchtigten Star Wars Prequels genannt. Das liegt nicht zuletzt an einer gewissen Person namens George Lucas...

- Was ist das Problem dieses Films? -

Im Making of [The Return of a Legend] dieser DVD erwähnt Regisseur Steven Spielberg, dass er mit den alten Filmen sehr glücklich ist und die Trilogie mit dem finalen Ritt in den Sonnenuntergang (Indiana Jones und der letzte Kreuzzug) perfekt abgeschlossen war. Er wollte sich anderen Aspekten des Filmemachens hingeben und nie wieder einen Indiana Jones Film machen. Doch in den Jahren die folgten, wurden er, Harrison Ford und George Lucas immer wieder gefragt, wann der nächste Indiana Jones Film kommt. Es gab Fans, die einen weiteren Film wollten...

Mitte der 90er, nachdem die 'Young Indiana Jones' TV Serie abgesetzt wurde, machte sich George Lucas auf die Suche nach einer Story für einen vierten Film. Bei der Suche nach dem sogenannten MacGuffin, machte George Lucas den ersten, wenn nicht sogar den schlimmsten Denkfehler, der sich durch den restlichen Schaffensprozess dieses Films zog: der Film sollte, Ford's Alter entsprechend, in den 50er Jahren spielen und deshalb auch eine kinematographische Basis jener Ära inne haben: Science-Fiction B-Movies mit Ausserirdischen und fliegenden Untertassen! Jedoch basierte Indy's Charakter auf den amerikanischen Abenteuer Serien der 30er und 40er Jahre. Lucas portierte also den Protagonisten in ein fremdes Genre, zu dem er ganz und gar nicht passt! Hierzu ein ähnliches Beispiel: ein verworfenes Konzept für RAMBO 5 (ja richtig, Teil 5) sah vor, John Rambo auf einen genetisch veränderten Supersoldaten Jagd machen zu lassen. Klingt merkwürdig und unpassend? Ist auch so!

Lucas, dessen Ideenfindung spätestens seit den Star Wars Prequels sowieso mehr als fragwürdig ist, wollte sich von dieser Aliens / UFO Idee nicht abbringen lassen. Der Film sollte sich um Ausserirdische drehen. Der ursprüngliche Titel des vierten Films lautete sogar 'Indiana Jones and the Saucer Men from Mars' (zu deutsch: Indiana Jones und die Untertassenmenschen vom Mars). In den ersten Drehbuchentwürfen kämpfte das U.S. Militär gegen fliegende Untertassen und Indy befand sich mitten in diesem Konflikt (oh je, was wäre DAS für ein Film geworden?!). Doch dann erschien 'Independence Day' im Kino und Lucas liess von der Idee ab. Spielberg selbst war nie wirklich überzeugt von dem UFO Plot.

So verschob Lucas das Hauptaugenmerk des Films auf die Thematik der Prä-Astronautik. Diese behandelt mögliche Theorien, dass Ausserirdische einmal die Erde besucht und antike Kulturen beeinflusst haben sollen - Erich von Däniken Gedankengut vom Feinsten. Jedoch passte dieses Thema schon besser zu Indy als das 'Saucer Men' Skript. Zum MacGuffin wurden die mehr oder weniger bekannten Kristallschädel auserkoren, welche angeblich von antiken Kulturen im südamerikanischen Raum erschaffen wurden. Die Ausserirdischen waren, weil Lucas es so wollte, immer noch in der Handlung mit drin. Da Spielberg von Anfang an diese Idee nicht gefiel, beschloss Lucas sie interdimensionale Wesen zu nennen, die aber trotzdem wie 50er Jahre B-Movie Aliens aussehen! An diesem Punkt hat Spielberg aufgegeben seinen Kumpel George in bessere Bahnen zu lenken und stimmte dem Plot zu.

Die Story litt unter dem mehrmals umgeschriebenen Drehbuch. Lucas verzögerte mögliche Drehtermine, weil er ständig etwas an den Drehbuchentwürfen anderer Autoren auszusetzen hatte. Sogar ein fertiges Drehbuch von Frank Darabont (Die Verurteilten, The Green Mile, Der Nebel), von dem Spielberg total begeistert war, wurde von Lucas abgelehnt. Die Zeit drängte und Spielberg beauftragte seinen Kollegen David Koepp aus dem ganzen vorhandenen Skript - und Ideenbrei ein brauchbares Drehbuch zusammen zu basteln ... und damit wurde dann gedreht.

- Was war die Folge? -

Die ganze Jagd nach dem Kristallschädel wirkt unausgegoren und erreicht leider nicht das Tempo, den Witz und die Spannung der alten Filme. Harrison Ford liefert als gealterter Indy seine beste Performance seit Jahren ab. Shia Labeouf als Mutt Williams nervt zu keinem Zeitpunkt und er nimmt aktiv an der Action teil. Die restlichen Figuren bleiben leider relativ blass. Cate Blanchett, John Hurt, Karen Allen, Ray Winstone und Jim Broadbent, alles sehr gute Schauspieler, sind sträflich unterfordert und können aus ihren schwach ausgearbeiteten Charakteren nicht mehr herausholen.

Anders als sein Kumpel George Lucas, wollte Spielberg mit echten Sets und an echten Locations drehen, anstatt auf Blue Screen und CGI Matte Paintings zu setzen. Diesen "guten" Vorsatz machte Spielberg aber selbst zunichte, da er aufgrund von familiären Gründen (seine Tochter machte ihn während der Dreharbeiten zum Großvater) nicht außerhalb der USA drehen wollte. Was muss man also tun um an exotischen und außergewöhnlichen Orte zu drehen, welche nicht innerhalb der USA zu finden sind? Richtig! Man muss die Sets oder die regionale Natur der Drehorte digital manipulieren, damit diese "exotisch" aussehen. So sieht man vielen Szenen deutlich an, wo mit Blue Screen und CGI Matte Paintings gewerkelt wurde. Der sterile ILM (Industrial Light & Magic) Look der Star Wars Prequels ist deutlich sichtbar. Hinzu kommt noch die Art und Weise wie Spielberg viele Szenen ausgeleuchtet hat - sei es durch die Beleuchtung am Set oder durch nachträgliches "Color-Grading". Alles ist merkwürdig hell und strahlt in gelblich-weissen Farbtönen. Insgesamt passt der Look des vierten Teils leider nicht zum Look der alten Filme.

Ebenfalls auffällig ist der (für einen Indiana Jones Film) schwache Gewaltgrad: Menschen werden außerhalb des Bildes erschossen und Schusswunden sind kaum sichtbar. Das betrifft nicht nur die Taten von Indys Gegnern, sondern auch sein eigenes Handeln: vorbei sind die Zeiten in denen er seine Feinde zum Zwecke der Selbstverteidigung überfährt, erdrosselt oder ganz spontan mit seinem Revolver erschiesst. Erneut ein deutlicher Unterschied zu den alten Filmen.

Und zum Schluss hebt ein UFO ab! Die Indiana Jones Filme behandelten bisher religiöse oder okkulte Artefakte. Aber Ausserirdische? Hand aufs Herz, wahrscheinlich gibt es Leben auf anderen Sternen - demnach wären Ausserirdische keine mystischen Elemente mehr, sondern eine wissenschaftliche Tatsache. Egal wie man sie nennt - Ausserirdische oder interdimensionale Wesen - hier spielt wieder das Grundproblem mit rein, dass Indiana Jones im Science-Fiction Genre deplatziert wirkt. Wohlgemerkt, die ersten drei Filme werden z.B. in der englisch-sprachigen Wikipedia Enzyklopädie als 'Fantasy-Adventure-Film' klassifiziert, der vierte Film hingegen als 'Science-Fiction-Adventure-Film'.

'Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels' leidet in erster Linie unter dem schlechten Drehbuch und dem unpassenden Ausserirdischen Plot. Hinzu kommt die abgeschwächte Gewaltdarstellung, der künstliche Look dank des leuchtenden 'Color-Gradings' und der deutlich sichtbare Einsatz von CGI. Das Zusammenkommen all dieser Dinge trübt den Gesamteindruck des Films.

- Die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit -

Jeder der alten Indiana Jones Filme hat seine unglaubwürdigen Momente: z.B. Indys Ritt auf dem U-Boot mittels Festhalten am Periskop in 'Raiders', der Schlauchboot Sprung aus dem Flugzeug in 'Tempel des Todes' und die unsichtbare Brücke in 'Letzter Kreuzzug'. Wenige Szenen (meistens am Anfang oder gegen Ende der Filme), die die Grenzen des physikalisch/logisch Machbaren übertreten. Diese waren aber stets wohl dosiert in der Handlung und der Action untergebracht und waren so für die Zuschauer einfacher zu akzeptieren.

Der vierte Teil übertreibt es mit diesen unglaubwürdigen Momenten - angefangen mit der berühmten Kühlschrank-Szene. Die 20-minütige Dschungel Verfolgungssequenz in der zweiten Hälfte des Films, ist regelrecht überladen mit over-the-top Momenten nebst offensichtlichem Einsatz von CGI: der Mutt/Spalko Schwertkampf auf fahrenden Jeeps, die Mutt/Affen/Lianen-Szene, die Waldameisen Sequenz, Marion's Jeep Stunt auf den Gummibaum und der anschliessende dreifache Wasserfallsturz (auch mit dem Jeep). Die Glaubwürdigkeit der Action driftet ab ins Lächerliche und die Akzeptanz der Zuschauer schwindet so von Szene zu Szene. Und kurze Zeit später müssen die Zuschauer auch noch das Sci-Fi Finale und die Hochzeit "verdauen". Das Ende des Films schlug so manchem Indiana Jones Fan auf den Magen.

- FAZIT -

Ganz ehrlich: es war schön Indy noch einmal in Action zu sehen. Aber ich bevorzuge dann doch als Ende der Reihe den Ritt in den Sonnenuntergang (Letzter Kreuzzug) als den Auszug aus der Kirche (Kristallschädel).

Der vierte Teil ist zweifelsohne der schwächste Indiana Jones Film. Wer ist daran Schuld? Die Fans, die unbedingt noch einen Indiana Jones Film haben wollten? Die lustlose Regie von Steven Spielberg, der eigentlich nie einen vierten Teil machen wollte? Oder George Lucas, dem in all den Jahren keine bessere Geschichte einfiel, als die Sache mit den 'interdimensionalen Wesen'?

Entscheidet selbst...
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 25, 2014 12:42 AM MEST


The Legend of Zelda: Skyward Sword - Special Edition (inkl. Orchestra CD)
The Legend of Zelda: Skyward Sword - Special Edition (inkl. Orchestra CD)
Wird angeboten von games.empire
Preis: EUR 49,95

11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Gebieter, mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% könntest du Skyward Sword mögen.", 2. Februar 2012
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Gleich vorweg! Von mir durchgespielte Zelda Titel: Link's Awakening, Ocarina of Time, Majoras Mask, Wind Waker und Twilight Princess - Erfahrung mit der Zelda Reihe ist also vorhanden.

Kommen wir gleich zu den positiven Dingen, die ich an Skyward Sword gemocht habe. An den Grafikstil musste ich mich erst gewöhnen, aber mit wachsender Spielzeit wusste dieser dann doch sehr zu gefallen. Die Musik? Auch sehr schön! Endlich mal (fast) keine neu aufgelegten Musikstücke aus Ocarina of Time, sondern viele neue Melodien die zum Mitsummen einluden. Der beste Level(abschnitt)? Ganz klar die Ranelle Wüste! Hier gefiel mir alles: Grafik, Musik, Topografie, das dort beheimatete Volk und die originellen Rätsel der Tempel (Stichwort: Steine der Zeit). Die Spieldauer? Nichts zu beanstanden! Ich brauchte (ohne alle Sidequests zu lösen) rund 34 Stunden.

- Was hat mir nicht gefallen? -

Die Wii Motion Plus Steuerung! Sie funktioniert nicht immer optimal und besonders bei den viel gepriesenen Schwertkämpfen entstanden sehr oft Frustmomente. Gegner - und Geschicklichkeitssituationen, die mit einem Joypad in älteren Zelda Spielen in Null Komma Nix bewältigt waren, mutieren hier zu echten Geduldsproben. Man weiss, wie die Gegner zu besiegen sind, aber wenn man dann wegen nicht erkannter Schwerthiebe den Kampf verliert, zerrt das schon ziemlich an den Nerven. Ständig muss die Kameraperspektive mittels Z-Knopf nachjustiert werden. Mangels zweitem Analogstick gibt es keine Rundumkamera, wie bei der GameCube Version von "Twilight Princess". Gleiches gilt für die Ego Perspektive bzw. Situationen wo es auf genaues Zielen ankommt (Bogen schiessen, Enterhaken, Aurasuche, etc.) - ist der Zeiger verstellt muss er erst nachzentriert werden.

- "Gebieter, ich habe dir etwas zu berichten." -

Link's neue Gefährtin ... Phai ... ist so hilfreich wie eine verstopfte Toilette. Sie babbelt überflüssiges Zeug und drückt sich immer in Prozentzahlen aus. Und das Schlimmste: sie hat keine Persönlichkeit. Sie ist ein emotionsloser Statusberichtautomat. Wie sehr hab ich mir Midna oder Navi herbei gewünscht - die beiden fühlten sich wenigstens noch wie Charaktere an.

- Wolken, blauer Himmel, ein paar Inseln ... fertig ist die neue Oberwelt. -

Was den Wolkenhort und das Wolkenmeer angeht: wer schon das Ozean-Insel-Konzept von "Wind Waker" nicht mochte, wird hier auch hier nicht glücklich werden. Man fliegt umher und es gibt wenig entdecken - langweilig!
Das "Erdland" besteht nur aus drei Gebieten (Wald, Vulkan, Wüste). Diese werden im weiteren Spielverlauf mehrmals besucht. Diese sind dann zwar minimal variiert, aber man fragt sich dennoch "Was? Schon wieder da durch?". Einzig in der Wüste Ranelle öffnet sich beim letzten Handlungs-relevanten Besuch ein vorher nicht zugänglicher Abschnitt. Durch das "Gebietsrecycling" wird die Spieldauer künstlich in die Länge gezogen. Ein viertes Gebiet mit einem z.B. "Eis"-Thema hätte der Abwechslung im Spiel gut getan.
Aber nicht nur Gebiete werden recycelt, sondern auch Gegner! In allen Arealen finden sich die ewig gleichen Gegner (Bokblins, Glibber, Fledermäuse). Sicher kommen auch andere Gegner vor, aber die eben genannten stechen durch das häufige Auftauchen eben sehr hervor. Sogar zwei (!) Endgegner Typen müssen im Spielverlauf jeweils drei Mal besiegt werden. Und wieder fragt man sich: "Schon wieder? Warum nochmal?"
Die ersten paar Stunden im Spiel ziehen sich so dahin, weil die Handlung einfach nicht richtig in Fahrt kommt. Die ersten beiden Tempel sind ein Witz, was traditionelle Zelda Komplexität angeht. Erst ab dem dritten Tempel wird es endlich kniffliger. Tempel mit mehr als zwei Etagen sind leider kaum vorhanden.

- Ocarina of Time Prequel? -

Skyard Sword soll angeblich die Vorgeschichte zu Ocarina of Time erzählen. In der verworrenen Zelda Timeline mag Skyward Sword ja durchaus vor Ocarina of Time spielen, aber ausser dem Master-Schwert werden hier keine weiteren Verbindungen zu anderen Elementen (z.B. Deku Baum, Ganon, Zoras, etc.) erklärt.

- Zelda Light? -

Skyward Sword muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zugunsten der sogenannten Casual Gamer vereinfacht worden zu sein. Wieso hat man zu Beginn schon 6 Herzen statt den traditionellen 3 Herzen? Nintendo muss sich darüber im Klaren gewesen sein, dass nicht alle Spieler mit der ach so präzisen Wii Motion Plus Steuerung klar kommen würden - wenn überhaupt. Damit man also nicht schon zu Beginn an, von den einfachsten Gegnern in den Game Over-Bildschirm befördert wird, spendierte man gleich 6 Herzen, um den Spieler über die Steuerungs-Frust-Schwelle hinwegzuretten.

- FAZIT -

Der heutige Zocker ist ziemlich anspruchslos, weil er immer den gleichen Kram, haben will, wie beim letzten Mal. Deshalb wird auch leider jeder neue Zelda Titel sofort mit Ocarina of Time verglichen.
Was ziemlich ungerecht ist, weil jedes neue Zelda (auch Skyward Sword) für sich etwas Eigenes hat, was es von den anderen Titeln der Reihe abhebt. Und das ist auch gut so. Dadurch verkommt die Zelda Reihe nicht zu solchen Förderbandtiteln wie z.B. der Call of Duty Reihe oder den EA Sports Spielen.

Skyward Sword ist kein schlechtes Spiel. Es ist kein schlechtes Zelda ...

... ABER ...

... es wurde zugunsten der Casual Gamer vereinfacht. Durch die sich wiederholenden Gebiete, recycelte Standard - und Endgegner und der Frust verursachenden Steuerung, hinterlässt Skyward Sword einen durchwachsenen Eindruck.


James Bond: GoldenEye 007
James Bond: GoldenEye 007
Wird angeboten von software and more
Preis: EUR 29,99

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nintendo 64 Veteranen ... seid gewarnt!, 21. November 2011
= Spaßfaktor:2.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: James Bond: GoldenEye 007 (Videospiel)
Kann sich noch jemand an den E3 2010 Trailer für dieses Spiel erinnern? Da saßen mehrere Personen (angeblich erfahrene Spieler) an einem Tisch und wurden gefragt, welches der beste Shooter aller Zeiten wäre ... und dann ging es los ... GoldenEye 007 ... EXKLUSIV für Nintendo Wii. Die berühmte Intro Kamerafahrt des "Dam"-Level, der Wachmann auf dem Klo des "Facility"-Level, Split-Screen für 4 Spieler, Golden Gun-Mode, Paintball-Mode, und und und...

... das MUSS einfach GoldenEye 007 sein!

Zugegeben, die Grafik sieht für ein Wii Spiel gut aus, es stehen mehrere Steuerungsvarianten zur Auswahl und die Musik klingt auch so wie in den James Bond Filmen.

Doch irgendwas stimmte mit dem Spiel von Anfang an nicht...

Warum wird jedes Missionsbriefing auf einer Weltkarte mit irgendwelchen wichtig aussehenden Satellitendaten abgehalten? Wieso sind die Level so schrecklich linear gestaltet? Warum muss ich einfach nur brav die Wegpunkte auf der Karte ablaufen um an mein Ziel zu gelangen? Wieso habe ich regenerierbare Gesundheit? Wieso wird mir angezeigt, wenn Granaten in meine Nähe geworfen wurden? Warum gibt es ständig geskriptete Sequenzen, in denen ich nichts weiter machen kann als zugucken?

Moment mal ... wieso habe ich das Gefühl CALL OF DUTY zu spielen ?!?

Damit der GoldenEye 007 Fan glaubt eben keinen simplen CALL OF DUTY Abklatsch vor sich zu haben, wurde dem Spieler "angeblich" auch die Möglichkeit gegeben, sich durch die Level hindurch zu schleichen, statt nur stupide zu ballern. Sehr Bond-mäßig oder? Agent sein, Schleichen, Stealth oder wie auch immer ihr es nennen wollt. Mal ganz ehrlich ... die Level sind regelrecht vollgestopft mit Gegnern, die einem den Rücken zukehren! Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wieviele Gegner in den Leveln rumstehen und den Spieler dazu "einladen" ihn lautlos auszuschalten. Es erzeugt nur den Eindruck man könne auch schleichen statt zu kämpfen. Wird man trotz aller Vorsicht doch entdeckt, passiert immer das Gleiche: die Musik schwillt an und Verstärkung gesellt sich zu den normalen Gegnern dazu. Die Devise lautet dann nur noch: alle Gegner im "Raum" müssen im offenen Kampf besiegt werden. Die Möglichkeit, sich wieder zu Verstecken, gibt es nicht. Wenn die Musik wieder ruhige Töne anschlägt, darf man weiter ziehen. Die Schleich Mechanik ist nur oberflächlich ins Spiel implementiert. Warum? Weil es hauptsächlich ums Ballern geht! Die zweitrangigen Agenten Aktionen beschränken sich auf das lautlose Ausschalten der gezielt ahnungslos platzierten Gegner und das Erfüllen beiläufiger Sekundärziele, die darin bestehen, irgendein Objekt mit dem Smartphone zu scannen. Das Smartphone ist übrigens das EINZIGE Bond Gadget im ganzen Spiel.

Im Online Multiplayer wird der CALL OF DUTY Abklatsch noch offensichtlicher. Für Abschüsse und siegreiche Runden gibt es Erfahrungspunkte mit denen der Spieler im Rang aufsteigt und neue Waffen und Extras freischaltet. Die zuschaltbaren Spezialeigenschaften wurden sogar 1:1 aus CALL OF DUTY 4 übernommen! Erhöhter Patronenschaden, größeres Magazin, erhöhte Präzision aus der Hüfte, und und und ... geht es nicht noch einfallsloser?! GoldenEye 007 unterscheidet sich, sowohl im Single Player, als auch im Multiplayer, in keinster Weise von CALL OF DUTY.

Im Grunde genommen, ist dieses Spiel kein Remake des Nintendo 64 Originals, sondern lediglich eine zeitgenössische Neuinterpretaion des Films von 1995. Aber die Werbung für dieses Spiel suggerierte eindeutig den Eindruck, es handele sich hier um eine Neuauflage des N64 Originals! Die Frage ist, warum wird ein Remake eines damals wegweisenden Klassikers produziert und geht dann auch noch den einfachen Weg, die Spielmechanik von CALL OF DUTY zu kopieren (von den rudimentären Agentenzutaten mal abgesehen)?

Die Antwort lautet: leicht verdientes GELD!

Der Name "GoldenEye 007" aktiviert die nostalgische Aura des N64 Klassikers in den Köpfen der Spieler. Hätte dieses Spiel irgendeinen anderen Titel gehabt, wäre es unbeachtet geblieben und relativ schnell in Vergessenheit geraten (wie es momentan dem Nachfolger '007 Legends' ergeht). Das Gameplay von CALL OF DUTY zu implementieren war ein schlauer (und fauler) Schachzug, da es in Zeiten der sogenannten Modern Warfare Shooter bekannt und beliebt ist. Zumal das N64 Original in "weiter Ferne" ist: ungern schließt man sein N64 an heutige HD Fernseher an, da die Bildqualität einem unscharfen Farbbrei gleicht und eine XboxLive Version des N64 Originals konnte wegen lizenzrechtlichen Problemen nie veröffentlicht werden. Zurückgeblieben sind reihenweise Fans, die sehr gerne den N64 Klassiker nochmal spielen würden, es aber nicht mehr können, sei es aus dem einen oder anderen Grund.
Was tun also findige Programmierer? Sie nehmen eine aktuell beliebte Shooter Spielmechanik, garnieren es mit einer modern getrimmten Handlung eines 1995er Bond Films und vermarkten es so als sei es ein Remake eines Spieleklassikers von 1997.

Man könnte meinen, die einstmalige Wii Exklusivität wäre eine Art "Geschenk" an die vernachlässigte Nintendo Gemeinde gewesen. Bei so einem Prestige trächtigen Titel wie GoldenEye 007 hatten PS3 & Xbox 360 auf einmal das Nachsehen. Falsch gedacht! Denn ein Jahr später spendierte man auch diesen Konsolen eine aufpolierte Version dieses Spiels mit dem Zusatz "Reloaded".

Mich stört einfach die Art und Weise, wie man dieses Spiel im Vorfeld beworben hat (N64 Nostalgie) und wie einfallslos es dann letzten Endes designt wurde (Gameplay 1:1 abgekupfert von CALL OF DUTY). Dieses Spiel profitiert einzig und allein von dem Ruf des N64 Originals. Es erzeugt eine Illusion eines GoldenEye 007 Spiels. Aber in Wirklichkeit bekamen wir nur CALL OF DUTY: Modern BONDfare
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 4, 2014 1:39 PM CET


Duke Nukem Forever (uncut)
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Wird angeboten von CARDANO
Preis: EUR 9,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DUKE NUKEM FOREVER - Ein Spiel, besser als sein Ruf..., 5. Juli 2011
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Duke Nukem Forever (uncut) (Videospiel)
--- Diese Rezension betrifft den Single-Player-Modus ---

Durch viele schlechte Reviews habe ich mich zunächst sehr in meiner Kaufentscheidung bezüglich DUKE NUKEM FOREVER verunsichern lassen. Spieleseiten wetteifern regelrecht darum die mieseste Bewertung (teilweise sogar 20% - 30%) zu veröffentlichen und verspritzen damit Gift in der Gamercommunity. Getreu: "Wer DNF toll findet, ist ein Idiot." Kein Spieler traut sich noch das Spiel mal selbst anzutesten geschweigeden ein gutes Wort darüber zu verlieren.

Entgegen der vielen schlechten Wertungen hab ich mir den "neuen" Duke doch gekauft... und ich wurde nicht enttäuscht: DUKE NUKEM FOREVER macht Spaß. Die Grafik ist nicht überragend, aber auch nicht unterirdisch. Die Ladezeiten sind lang, okay... ABER... dafür stimmt der Rest des Spiels.

Von der Gesamtspielzeit her (ca. 12 Stunden) kann sich so mancher sich-selbst-zu-ernst-nehmender Call of Duty Single-Player eine Scheibe abschneiden. Das Shooter Gameplay von DNF macht Laune, es gibt mehrere Endgegner zu besiegen und die Fahrzeugabschnitte (RC Car, Monster Truck, Gabelstapler) sind eine nette Abwechslung zum Ballern. Nebenbei sorgt der übertriebene Proll Humor für eine herrliche B-Movie Atmosphäre (unbedingt in englischer Sprache spielen!) - der Duke liebt Frauen, Prunk und Protz und steht auch dazu.

Es gibt unzählige Anspielungen an das Filmgenre (z.B. Christian Bale's Terminator 4 Wutrede im Fernsehstudio, der Kreisel aus dem Film INCEPTION im Striptease Club) und an das Spielgenre (z.B. "That's one DEAD SPACE marine.", "I hate VALVE puzzles"). Der Duke verneigt sich vor den Besten beider Genres und zwinkert ihnen zu. Sogar ein GoldenEye-Bungie-Sprung von einem Staudamm ist mit dabei.

In den Leveln finden sich haufenweise Objekte und Mini-Games mit denen Duke interagieren kann um seine Ego-Leiste (Lebensenergie) erhöhen. Der Spieler wird so ermutigt die Umgebung zu erkunden, um dem nächsten Level-Boss mit mehr Lebensenergie gegenüberzutreten zu können. Das Leveldesign ist abwechslungsreich, aber auch linear gestaltet. Das fällt aber nicht weiter ins Gewicht, da der Spieler nicht die ganze Zeit von einem Navigationsmarker "an-der-Hand" durch die Level geführt wird. Man muß schon selber gucken, wie und wo es weitergeht. Besonders die Abschnitte in denen Duke geschrumpft wird, sind witzig und machen sehr viel Spaß. Überhaupt werden viele Areale besucht: Duke's Casino, die zerstörten Straßen von Las Vegas, ein unterirdisches Alien-Nest (vergleichbar mit dem Nest der Ameisen-Löwen in Half-Life 2: Episode 2), das Duke Burger Restaurant, ein Striptease Club (dessen Sinn & Zweck an ein Rollenspiel Quest erinnern - "I can dig that ROLEPLAY s***."), die Wüste von Nevada und noch viele mehr.

Für die Trophäenjäger unter Euch: sämtliche "Trophäen" von DNF kann man Offline erspielen.

- FAZIT -

Wer Duke's erstes 3D Abenteuer im Jahre 1996 gezockt hat, wird sicher nicht enttäuscht werden. Grafikfetischisten lassen lieber die Finger von Duke. Alle anderen sollten den Titel zumindest mal antesten. Trotz der schwachen Technik kann man viele Stunden spaßige Action mit DUKE NUKEM FOREVER haben. In diesem Sinne: "Hail to the King, Baby!"


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