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Rezensionen verfasst von
Jens Vocker

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The Walk
The Walk
DVD

3.0 von 5 Sternen Talk and walk, 29. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: The Walk (Amazon Video)
Das Ziel von Philippe Petit: zwischen den Twin Towers des World Trade Centers über ein Drahtseil spazieren. Das Ziel dieses Films von Robert Zemeckis: uns mit schwindelerregenden Perspektiven beeindrucken. Beide, Petit wie Zemeckis, haben ihr Ziel erreicht, Petit bereits 1974, Zemeckis 41 Jahre später. Tatsächlich ist Petit das einzige Lebewesen, das sich je vom Dach des einen Turms zu Fuß zum Dach des anderen bewegt hat (wenn man von King Kong absieht, der die Distanz zwei Jahre später mit einem beherzten Sprung überwand).

Petits artistische Leistung ist und bleibt eindrucksvoll. Die schwindelerregenden Perspektiven von "The Walk" sind es ebenfalls. In tricktechnischer Perfektion haben Zemeckis und seine CGI-Spezialisten die Türme des World Trade Center rekonstruiert und bieten dem Zuschauer, auf Wunsch auch in 3D, eine wahrhaft "abgründige" Seherfahrung. Die Kamera stürzt sich in den Abgrund zwischen den Towers und umkreist in majestätischen Bewegungen den kleinen Mann, der in 400 Metern Höhe über die Straßen New Yorks spaziert.

Das alles ist toll anzusehen, ergibt aber noch keinen guten Film. "The Walk" krankt an drei Dingen:

1) Am permanenten und penetranten Off-Kommentar von Monsieur Petit, der uns den ganzen Film ausgiebig über seine Gefühle und Motivationen aufklärt. "Talk and walk" lautet das Motto. Statt seinen Bildern und Charakteren zu vertrauen, muss Zemeckis also zum billigen und veralteten Stilmittel des Off-Kommentars greifen, um uns die Figur des Philippe Petit nahezubringen, der uns entweder genau das erzählt, was wir sowieso gerade sehen, oder uns über seine Gefühlsregungen aufklärt. Das ist zewitklassigen Erzählen und wirkt plakativ. Dazu kommt, das Petit den ganzen Film über in einem nervenden, unecht wirkenden französischen Dialekt radebrecht, der einem schnell auf den Senkel geht.

2) Am Fehlen eines echten Konflikts. Monsieur Petit hat einen Traum und verwirklicht ihn. Schön für ihn, bloß - Handlung entsteht aus Konflikten, aus Spannungen, Reibungen. Davon ist hier quasi nichts zu bemerken. Schritt für Schritt wird von Petit und seinen ihm treu ergebenen Helfern aufwändige - und selbstverständlich illegale - Plan umgesetzt, bis der Artist endlich, eine halbe Stunde vor Schluß, auf dem Drahtseil zwischen den Twin Towers steht. Das ist dann auch die einzige wirklich interessante Episode des Films, der zuvor 1 1/2 Stunden lang bloß pflichtschuldigst die Biographie Petits abgehakt hat, die nun nicht besonders originell oder spannend ist (verstoßener Sohn macht beim Zirkus Karriere etc.). So legt sich bald eine dezente Langeweile über den Film. Wer bis zum finalen Drahtseilakt vorspult, verpaßt genau genommen nicht viel.

3) An der eindimensionalen, permanent netten Hauptfigur, die alle bewundern und ganz toll finden. Monsieur Petit (Jospeh Gordon-Levitt), das ist von vornherein klar und wird uns immer und immer wieder durch die Filmemacher versichert, ist ein sympathischer Nonkonformist, der dumpfen Spießern eine lange Nase dreht, vor allem den ach so bornierten Bütteln des Systems, den Polizisten, die seiner habhaft werden wollen, entweder auf den Straßen von Paris oder 400 Meter über den Straßen von New York. Petit hat keine Kanten und keine Ambivalenzen und ist nur von Leuten umgeben, die ihn und seine Visionen ganz toll finden - diese Charakterisierung wird uns von der Regie in einer derart penetranten Weise eingehämmert, dass uns der Mann in seinem gutmenschelnden Nonkonformismus dann irgendwann doch auf die Nerven geht. Sogar der New Yorker Polizist, der ihn festgenommen hat, versichert ihm - und uns - am Ende, was für ein toller Kerl er doch sei. Nun, nachdem uns das zwei Stunden lang eingetrichtert worden ist, haben wir es auch vorher schon begriffen.

Alles in allem ein professionell inszenierter Film, der aber außer dem spektakulären Finale nichts zu bieten hätte, was ihn über glattes, routiniertes Mittelmaß hinausheben würde.


Der Chef - Un Flic
Der Chef - Un Flic
DVD ~ Alain Delon
Preis: EUR 10,49

3.0 von 5 Sternen Drei im toten Kreis, 13. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Chef - Un Flic (DVD)
Jean-Pierre Melville, der mysteriöse Einzelgänger des französischen Kinos, realisierte mit "Der Chef" ("Un flic") seinen letzten (Gangster-)Film. 1973 erlag der Regisseur einem Herzinfarkt, und man kann nur darüber spekulieren, wie sich seine Karriere entwickelt hätte, wenn er noch zehn weitere Filme hätte inszenieren können. "Der Chef", entstanden 1972, legt zumindet den Verdacht nahe, dass die große Zeit von Melville womöglich vorbei war und sein späteres Werk zu formalistisch, zu routiniert geraten wäre.

"Un Flic" bedient sich der etablierten Melville-Ästhetik aus "Der eiskalte Engel" (1967) und "Vier im roten Kreis" (1970). Die kaltblauen, nachtschwarzen Bilder, der fatalistische Grundton, die schicksalhafte Verstrickung der Protagonisten - alles ist da, doch fehlen dem Film die emotionale Kraft und die zwingende künstlerische Geschlossenheit von Melvilles Meisterwerken.

Alain Delon variiert - diesmal überraschenderweise auf der richtigen Seite des Gesetzes - ein drittes Mal seinen typischen Melville-Charakter, den traurigen Melancholiker mit der unbewegten Miene. Doch während seine ikonische Darstellung des "Eiskalten Engels" den Zuschauer emotional ergriffen hat, bleibt sein Auftritt als Kommissar Coleman (der "flic") bloße Routine - wie so viele Auftritte des späteren Delon, der nicht mehr zur Klasse seiner frühen Jahre zurückfand. Seine magische Leinwandpräsenz war zudem untrennbar mit seiner geradezu spektakuären jugendlichen Schönheit verbunden, von welcher in diesem Film nun nichts mehr zu erkennen ist. Der 37jährige wirkt wächsern, aufgedunsen und kommt optisch nicht gut rüber.

Kommissar Coleman ist scheinbar mit dem Nachtclubbesitzer Simon (Richard Crenna) befreundet, doch es gelingt Melville nicht, dieser Bezehung einen emotionalen Gehalt zu geben oder sie plausibel zu machen. Die Freundschaft wird von der Regie zwar behauptet, funktioniert aber nicht - ganz anders als zum Beispiel die Beziehung, die Delon in "Vier im roten Kreis" mit Gian Maria Volonté verband. Dort stimmte die Chemie zwischen den Darstellern, hier stimmt sie nicht. Richard Crenna, ein vorzüglicher Interpret profilierter Nebenrollen, hat nicht das Charisma eines Hauptrollenschauspielers und weckt die Sehnsucht nach einem Darsteller wie, sagen wir, Yves Montand, der der Rolle ein ganz anders Gewicht hätte geben können. Catherine Deneuve ist als Crennas Frau und Delons Geliebte mehr oder weniger überflüssig und dekoriert den Film wie eine ausdruckslose Schaufensterpuppe.

Die beiden zentralen Sequenzen des Films - ein Banküberfall und ein Zugraub von Simons Gang - werden von Jean-Pierre Melville spannend in Szene gesetzt, auch wenn der Einsatz von Spielzeuglokomotiven und Spielzeughelikoptern unangenehm auffällt und den Film auf der rein handwerklichen Ebene billig aussehen lässt, was bei dem Perfektionisten Melville verwundert (offensichtlich fehlte das Geld, um die Szenen angemessen zu realisieren). "Der Chef" bleibt ein sehenswerter, doch zu routinierter Melville-Film, dem die inszenatorische und darstellerische Klasse von ikonischen Meistwerken wie "Der Teufel mit der weißen Weste" oder "Der eiskalte Engel" fehlt. Als letztes Kapitel eines einmaligen, ja monolithischen Lebenswerks hat er seine Bedeutung und seine Berechtigung, doch er zeigt auch, was passiert, wenn sich ein Regisseur zu sehr auf eine etablierte Formensprache verlässt, statt sich um eine innovative und inspirierte Inszenierung zu bemühen.


Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben [Blu-ray]
Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben [Blu-ray]
DVD ~ Peter Sellers
Preis: EUR 8,94

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bombige Satire, 1. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Dr. Strangelove" bleibt auch nach mehr als fünf Jahrzehnten die ultimative Film-Satire. Stanley Kubricks Geniestreich hat zwar an Aktualität eingebüßt, aber nichts von seiner Klasse und von seinem Witz verloren. Die Verteidigung der "freien" Welt liegt hier in den Händen von Männern, die evolutionsbiologisch auf dem Niveau von Affenmenschen agieren, darunter Bomberpilot Major "King" Kong (der am Schluß auf einem apokalyptischen Atombombenphallus dem finalen Orgasmus entgegenreitet) und General Turgidson, der sich vor seiner Geliebten auf die behaarte Brust trommelt und in Mimik und Körpersprache zunehmend retardiert.

Den ganzen Schlammassel verursacht hat der sexuell gestörte General Jack D. Ripper, der permanent von der kommunistischen Weltverschwörung faselt und seine wertvollen "Körpersäfte" unbedingt vor den Roten schützen will. Noch kaputter ist lediglich der an den Rollstuhl gefesselte deutsche Wissenschaftler Dr. Strangelove (er hieß früher Merkwürdigliebe), der sich zuerst fast selbst erwürgt und dann zu neuem Leben erwacht, als er ein postnukleares Paradies in irgendwelchen Bergwerksstollen herbeiphantasiert (mit 10 Schönheiten pro Mann!). Strangelove alias Dr. Seltsam "erigiert" aus seinem Rollstuhl: "Mein Fuehrer! I can walk!"

Mit diesen Worten endet dieser einmalige Film über den Wahnsinn des atomaren Wettrüstens und die tödliche Effizienz computergesteuerter "Sicherheitssyteme" und Weltuntergangsmaschinen, die streng nach Vorschrift vorgehen, wenn sie die Apokalypse einleiten. Indem er den Wahnwitz satirisch auf die Spitze treibt und das atomare Kräftemessen als apokalyptische Potenzprotzerei entlarvt, erfasst Kubrick die Essenz, den Kern der ganzen Thematik - sehr viel besser übrigens als Sidney Lumt mit dem thematisch identischen "Angriffsziel Moskau", der im selben Jahr entstand und als schwerfälliges, bierernstes Drama weit hinter der Qualität von "Dr. Seltsam" zurückbleibt.

Der legendäre Produktionsdesigner Ken Adam schuf für Kubrick mit dem klassischen "War Room" eine der prägnantesten Kulissen der Filmgeschichte, düster, pompös und klaustrophob. Sterling Hayden und George C. Scott brillieren als durchgeknallte Militärs, doch es ist der geniale Peter Sellers, der dem Film in einer Dreifach-Rolle seinen Stempel aufdrückt und als Dr. Strangelove eine ikonische Darstellung abliefert, die ihresgleichen sucht (aber nicht findet).

Mit dieser Bluray-Edition liegt der Klassiker in optimaler Form vor. Bild und Ton sind glasklar, und das Bonusmaterial wartet mit spannenden Infos zum Film, zu Stanley Kubrick, Peter Sellers und zum historischen Background auf.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 5, 2016 2:09 PM MEST


Heinz Rühmann: Ein Mann geht durch die Wand (Neuauflage in Original 16:9 Widescreen / Vollbild) - Filmjuwelen
Heinz Rühmann: Ein Mann geht durch die Wand (Neuauflage in Original 16:9 Widescreen / Vollbild) - Filmjuwelen
DVD ~ Heinz Rühmann
Preis: EUR 12,33

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rühmann-Kultfilm, 26. Januar 2016
Sehr erfreulich, dass es diesen Rühmann-Kultfilm nun in einer adäquaten Edition gibt, die dem Film gerecht wird. "Ein Mann geht durch die Wand" stammt aus einer Zeit, als hierzulande Komödien noch mit Stil und Geschmack gemacht wurden und Nichtskönner wie Schweiger oder Schweighöfer in den Studios nicht mal als Kabelträger angestellt worden wären. Statt dessen sehen wir hier so wunderbare Darsteller wie Heinz Rühmann, Karl Lieffen, Fritz Eckhardt, Lina Carstens, Henry Vahl oder - der Brüller - Hubert von Meyerinck als fiesen Vorgesetzten, der schließlich von freundlichen Herren in weißen Kitteln abgeholt wird!

Die Geschichte des "kleinen Mannes", der als vermeintlicher Supermann über sich hinauswächst und sich von keiner Wand mehr aufhalten lässt, wird niveau- und geschmackvoll erzählt und bietet Stoff zum Nachdenken. Das ist hochklassige, herzerwärmende Unterhaltung von Leuten, die ihr Handwerk aus dem Effeff beherrschen, und keine dilettantische Pseudokomödie mit dümmlichem Brachialhumor. Regisseur Ladislao Vajda hatte im Jahr davor mit Rühmann den genialen Thriller "Es geschah am hellichten Tag" gedreht und inszenierte mit "Ein Mann geht durch die Wand" einen weiteren zeitlosen Klassiker, der auch nach fast 60 Jahren rundum überzeugt. Heinz Rühmann, die deutsche Schauspiellegende Nummer 1, steht für eine Art von Filmkultur, die es leider nicht mehr gibt und die schmerzlich vermisst wird.


25
25
Preis: EUR 13,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ballades de Adele, 21. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: 25 (Audio CD)
Früher gab es die Ballade pour Adeline - heute gibt es die Ballades de Adele. Zuverlässig alle drei, vier Jahre veröffentlicht die Britin einen Tonträger, der immer das gleiche Songmaterial enthält: überproduzierte, aalglatte Bombastballaden, die "authentische" Gefühlstiefe versprechen, flankiert von ambitiösen Videos in gedämpften Farben. Das kann man sich dank Adeles Sangeskünsten zwei, drei Songs lang anhören. Bei "25" ist das Liedmaterial nun aber so durchschnittlich und monoton, dass es überhaupt keinen Eindruck mehr hinterlässt. Selbst die Hitsingle "Hello" muss ohne eine prägnante Melodie auskommen und kaschiert dies mit dem üblichen Wall-of-Sound-Bombast und mit der Vokalkunst der Sängerin. Ohne deren zweifellos eindrucksvolle Stimme wäre das alles lediglich Fahrstuhlmusik. Noel Gallagher hat das musikalische Wirken Adeles ja zurecht als Oma-Musik bezeichnet. Positiv lässt sich anmerken, dass sich Adele-Songs immerhin besser anhören als Helene-Fischer-Schlager.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 15, 2016 10:08 PM CET


Die Affäre Semmeling [4 DVDs]
Die Affäre Semmeling [4 DVDs]
DVD ~ Fritz Lichtenhahn

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wedel-Epos mit Schwächen, 15. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Die Affäre Semmeling [4 DVDs] (DVD)
Mit "Der große Bellheim" hatte sich Regisseur Dieter Wedel 1993 als Spezialist für aufwändig inszenierte TV-Epen etabliert. "Die Affäre Semmeling" markierte 2002 den Endpunkt einer Entwicklung, die den Regisseur in die Konzeption immer größerer Projekte getrieben hatte. Von 4 auf 5 auf nun 6 Folgen hatte sich Wedel gesteigert, offenbar in dem Bewusstsein, als Großmeister des epischen Erzählens immer genügend interessanten Stoff zur Verfügung zu haben. Tatsächlich hat sich Wedel mit diesem Mehrteiler überhoben, was dann wohl auch zur Folge hatte, dass seine nächsten Projekte viel bescheidener dimensioniert waren.

Die fokussierte, zwingende erzählerische Gestaltung, die noch beim "Großen Bellheim" zu beobachten war, weicht einer ausufernden, mäandernden, aufgeblähten Handlung um Politintrigen und Steuerprobleme. Obwohl alles immer noch auf einem hohen Niveau inszeniert ist, bleibt doch der Eindruck, dass das Geschehen nicht die gleiche Prägnanz hat wie in früheren Mehrteilern, dass Wedel hier auf zu vielen Hochzeiten tanzen will. Das Hin und Her der intriganten Politfuzzis haut einen nicht vom Stuhl, das hat man so oder so ähnlich doch schon in vielen Filmen gesehen, und wenn Vater Semmeling ständig Ärger mit dem Finanzamt hat, dann doch wohl deshalb, weil er sich ein bißchen zu dämlich anstellt und sich nicht gründlich genug informiert. Außerdem klaut Wedel, wie spätestens seit dem "Großen Bellheim" üblich, schamlos Dialoge und Szenen aus anderen Filmen. Der intelligente, gemeine Witz früherer Semmeling-Epen wie "Alle Jahre wieder" fehlt hier sowieso völlig. Damals waren aber auch noch Schauspieler vom Format Strack, Brenner, Dallmeier, Sedlmayer, Schwarzkopf mit an Bord - alle leider zum Produktionszeitpunkt längst verstorben.

Waren frühere Wedel-Epen meist optimal besetzt, passen die Schauspieler hier nicht immer zu ihren Rollen. Heinz Hoenig als Hamburger Bürgermeister? Von der ersten Sekunde an unglaubwürdig. Hoenig ist immer in Gefahr, in seinen Darstellungen zu überziehen und ein bißchen zu deftig den schwergewichtigen Kumpeltypen rauszuhängen. Hier hätte ihn die Regie bremsen müssen. Auch als ehrgeiziger Machtmensch und dauergeiler Macho übertreibt Honeig, zumal die von Wedel geschriebenen Szenen einfach nicht stimming sind. Dass deutsche Spitzenpolitiker Affären haben, glaube ich durchaus, dass sie ihre Gespielinnen derart plump bei öffentlichen Empfängen anbaggern, wo Presse und Publikum alles mit ansehen können, glaube ich nicht.

Und Mario Adorf als Hamburger Alt-Senator? Der wirkt trotz Schiffermütze so unhanseatisch, wie man nur wirken kann, und scheint auf Autopilot eine Variante jener Charaktere zu spielen, die man aus dem "Bellheim" und dem "Schattenmann" kennt. Das patenhafte Gebaren wikt im piefigen Hamburger Senat aufgesetzt und deplaziert, was Regisseur Wedel hätte merken müssen. Er hat hier sowieso den grundsätzlichen Fehler begangen, bequem auf seine altgediente Stammbesetzung zurückzugreifen, statt sich die Mühe zu machen, die Rollen passgenau mit den geeigneten Darstellern zu besetzen.

Besonders unangenehm fällt Wedel-Newcomerin Heike Makatsch auf, die mit penetrantem Dauergrinsen, genervtem Gesichtsausdruck und geweiteten Augen zeigt, dass sie eben keine professionelle Schauspielerin ist, die ihr Handwerk von der Pieke auf gelernt hat. Neben erstklassigen Profi-Darstellerinnen wie Maja Maranow oder Antje Hagen, die subtil ihre Rollen gestalten, wirkt sie überfordert und geht einem zusätzlich durch verschämtes Jungmädchengetue auf den Keks, wenn sie von irgendwelchen Machos angebaggert wird. In der Erinnerung besteht Makatschs Darstellung größtenteils aus Grimassen und Nuscheldialogen. Sie war ja die erste Protagonistin jener unerfreulichen Entwicklung, die schauspielerisch überforderte VIVA-Moderatoren zu Hauptdarstellern in großer Film- und TV-Produktionen gemacht hat.

Hochklassige Nebendarsteller wie Dieter Pfaff, Jürgen Tarrach oder Christian Berkel werten den Film auf, auch Robert Atzorn überzeugt als Hamburger Bürgermeister, der um seine moralische Integrität kämpft. Stefan Kurt dagegen ist einmal mehr so farblos und bieder wie sein Name und als ultimativer Gutmenschendarsteller absolut öde. Als antriebsloser, humorbefreiter Schaffi, der quasi zufällig die Karriereleiter hochfällt und ständig den Moralapostel spielen muss, ist er in der Hauptrolle genau so deplaziert wie im "Schattenmann". Man fragt sich, warum der Regisseur den Part nicht an den viel cooleren Richy Müller gegeben hat, der hier mit einer Nebenrolle abgespeist wird.

Alles in allem ein immer noch sehenswerter Mehrteiler, der aber doch deutliche Defizite aufweist.


The Wolf of Wall Street [Blu-ray]
The Wolf of Wall Street [Blu-ray]
DVD ~ Leonardo DiCaprio
Preis: EUR 9,99

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wall Street 3, 4. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: The Wolf of Wall Street [Blu-ray] (Blu-ray)
"The Wolf of Wall Street" zeigt uns, dass Wall-Street-Broker genau die asozialen, geldgeilen Vollidioten sind, für die man sie schon immer gehalten hat. Regisseur Scorsese nimmt sich drei Stunden und damit eindeutig zu viel Zeit, um uns mit diesem Milieu bekannt zu machen und uns den Abschaum des Abschaums zu präsentieren. Nutten, Orgien, Drogen, Drogen, Orgien, Nutten, Orgien, Nutten, Drogen... auf die Dauer ist das alles doch etwas öde und wiederholt sich, zumal man hier drei Stunden lang den überspanntesten Unsympathen des Universums beim Geldverdienen und Geldausgeben zuschauen muss.

Scorsese präsentiert das alles in dem fiebrigen Inszenierungsstil, den er in "Goodfellas" und "Casino" perfektioniert hat und deren Mafia-Protagonisten merkwürdigerweise sympathischer wirkten als all diese saublöden, backpfeifengesichtigen Broker mit ihrem Tschakka-Getue. Das hat eventuell damit zu tun, dass seinerzeit De Niro und Pesci auf der Leinwand zu sehen waren und man diesmal DiCaprio und Jonah Hill sieht. Das ist schauspielerisch nicht ganz die gleiche Liga, auch wenn DiCaprio und Hill solide Darstellungen abliefern. Irgendwann hat man diese ganzen vulgären, grimassierenden, zugedröhnten, charakterlosen Volldeppen und ihre nuttenhaften Gespielinnen aber einfach über und drückt auf die Fast-Forward-Taste.


StarCraft II: Legacy of the Void - [PC/Mac]
StarCraft II: Legacy of the Void - [PC/Mac]
Wird angeboten von chicken-bay
Preis: EUR 28,90

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Im Weltraum hört dich niemand gähnen, 15. Dezember 2015
Nach 2 1/2 Jahren wurde nun das zweite Starcraft II-Addon publiziert. Die Erwartungen waren hoch, die Enttäuschung ist um so größer. Die vorgeblich epische Protoss-Kampagne entpuppt sich als eine relativ öde Abfolge einfallsloser Standardmissionen, in denen es ständig darum geht, in einer bestimmten Zeit bestimmte Punkte auf der Karte zu erreichen bzw. zu sichern. Von der Vielfalt und Originalität zum Beispiel der Wings-of-Liberty-Kampagne ist das alles weit entfernt. Das Spiel sieht gut aus und überwältigt durch seine wahrhaft galaktischen Zwischensequenzen - aber auch die werden bald öde und wiederholen sich. Die Protagonsten sind außerirdische Langeweiler, die quasi gutmenscheln und die zwischen den Missionen schier endlose Dialoge führen. Worum es nun eigentlich geht und wie sich die Haupthandlung entwickelt - ich konnte irgendwann nicht mehr folgen und habe alles an mir vorüberziehen lassen. Während einst so farbige Charaktere wie Tychus Findlay oder Rory Swann mit flotten Sprüchen für ein bißchen Humor sorgten, geht hier alles bierernst vonstatten, was einen irgendwann zusätzlich anödet. Mir wird es ausreichen, diese Kampagne einmal auf dem Level "normal" durchzuspielen. Nochmal werde ich mir dieses biedere Opus nicht antun.

Ob der Mehrspielermodus was taugt, weiß ich nicht. Ich spiele in der Regel nur Einzelspieler-Kampagnen.


Flug in Gefahr
Flug in Gefahr
DVD ~ Hanns Lothar
Preis: EUR 9,18

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Airport 64, 14. Dezember 2015
Rezension bezieht sich auf: Flug in Gefahr (DVD)
Schön, dass es diesen TV-Klassiker auf DVD gibt. Arthur Haileys mehrfach verfilmte, plagiierte und parodierte literarische Vorlage wurde von Regisseur Theo Mezger kongenial umgesetzt. Mezger, mittlerweile 92, zählt zu jenen alten TV-Profis, die ihr Handwerk aus dem Effeff beherrschten und für Klassiker wie "Raumpatrouille" oder "Schwarz Rot Gold" verantwortlich waren. Mit bescheidenen Mitteln und wenig Kulissen inszenierte er diesen nervenaufreibenden und atmosphärisch dichten Thriller, dessen Handlung ebenso simpel wie effektiv ist: An Bord eines Fluguzeugs wird vergiftetes Essen serviert, die Piloten werden bewusstlos, und ein Passagier, der frühere Militärpilot Spencer, muss die schwerfällige Maschine landen - eingewiesen von dem erfahrenen Kapitän Treleaven, der vom Tower aus Verbindung mit ihm hält.

Ohne billige Effekte gelingt es der Regie, aus der dramatischen Situation ein Höchstmaß an Spannung herauszukitzeln. Im Tower und an Bord finden wir unvergessene, längst verstorbene Schauspiel-Asse wie Hanns Lothar, der das brillante Porträt eines Mannes abliefert, der unter Höchstpannung sein Bestes geben muss. Das Zusammenspiel mit seinem Bruder Günther Neutze als Kapitän Treleaven zeugt vom herausragenden Können dieser beiden Schauspiellegenden. Mit Klaus Schwarzkopf, Benno Sterzenbach oder Willy Semmelrogge sind weitere hochkarätige Darsteller zu sehen, die auch kleineren Rollen Gewicht geben können.

Ein unbedingt sehenswerter, unverzichtbarer Klassiker der deutschen TV-Geschichte. Natürlich darf man bei einem so alten Film keine Wunder bei der Bildqualität erwarten. Und natürlich wurde die Story in "Airplane!" so zeitlos genial gespooft, dass man sich gelegentlich dabai ertappt, leise zu schmunzeln, wenn die altbekannten Handlungselemente hier mit größter Ernsthaftigkeit präsentiert werden.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 5, 2016 3:07 PM CET


Terminator: Genisys [Blu-ray]
Terminator: Genisys [Blu-ray]
DVD ~ Arnold Schwarzenegger
Preis: EUR 9,99

7 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Er kommt hoffentlich nicht wieder, 30. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Terminator: Genisys [Blu-ray] (Blu-ray)
Noch ein überflüssiger Terminator-Film. James Cameron hatte die Saga bereits 1991 zu einem fulminanten Abschluss gebracht und auserzählt. Dass nun Regisseure der C-Klasse ein ums andere Mal versuchen, die Story ins Endlose auszuwalzen, ist bedauerlich, aber wohl unvermeidlich, so lange mit Terminator-Filmen Geld verdient wird. "Terminator: Genisys" präsentiert eine verwirrende Storyline, die sich irgendwie zwischen den Zeitebenen und den bisherigen Terminator-Stories durchschlängelt, aber nie wirklich überzeugt und konstruiert wirkt. Je nachdem, wie es den Filmemachern gerade in den Kram passt, kann die Zukunft und die Vergangenheit manipuliert werden oder auch nicht. Das wirkt willkürlich und folgt nie einer zwingenden inneren Logik, wie es bei den ersten beiden Terminator-Filmen der Fall war.

Bekannte Szenen werden wiederholt, varriiert, plagiiert. Wie immer gibt es eine gigantische Actionszene mit einem "big vehicle" (diesmal einem Schulbus), wie immer produziert der Terminator stoische One-Liner, die hier aber grundsätzlich unkomisch und gewollt rüberkommen. Den nervigen Gag mit dem grinsenden Terminator finden die Filmemacher so toll, dass sie ihn ständig wiederholen. Immer und immer wieder auch führen die stolzen CGI-Experten die ach so tollen gestaltwandlerischen Tricks des bösen Terminator-Modells vor - derlei Szenen kennt man aber aus einer Million Filmen, was sie entsprechend entwertet.

Die Besetzung des Films kann nie überzeugen, zumal wir hier mittlerweile die x-te Sarah Connor, den x-ten Kyle Reese und den x-ten John Connor vorgesetzt bekommen. Emilia Clarke als Sarah Connor wirkt wie eine nervige, verzogene Göre und hat nicht annähernd die Anziehungskraft der legendären Linda Hamilton, die tough und verletzlich zugleich sein konnte. Jay Courtney scheitert kläglich bei dem Versuch, den charismatischen Michael Biehn als Kyle Reese zu ersetzen, und wirkt völlig austauschbar. Jason Clarke als John Connor kann der Rolle nichts geben, was sie faszinierend machen würde, wirkt schmierig und arrogant und leidet außerdem am bekannten "Talking Killer"-Syndrom: Statt seine Opfer rasch zu eliminieren, quatscht er sie so lange triumphierend voll, bis er schließlich ordentlich eins auf die Rübe kriegt.

Arnold Schwarzenegger ist der einzige Aktivposten des Films, auch wenn seine Rolle nicht annähernd so markant gestaltet ist wie in T1 und T2. Den ikonischen Terminator zitiert er eher, als dass er ihn spielt, was allerdings nicht ihm anzulasten ist. Auf jeden Fall kann er durch seine bewährte Leinwandpräsenz punkten und wirkt wie ein Fossil aus einer Zeit, in der noch die Darsteller und nicht die Spezialeffekte im Mittelpunkt eines Films standen.


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