Profil für Jayanti > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Jayanti
Top-Rezensenten Rang: 52.290
Hilfreiche Bewertungen: 723

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Jayanti "Mahotepa" (Château St. Germain, 1663 Gruyères, Schweiz)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Hexenwahn und Hexenprozesse
Hexenwahn und Hexenprozesse
von Manfred Hammes
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So etwas gehört in den Religionsunterricht!, 20. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Hexenwahn und Hexenprozesse (Taschenbuch)
Inhalt:

Hexen waren die totale Existenzbedrohung des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit: Krankheit und Tod, Unfruchtbarkeit, schlechte Ernte und kranke Tiere – alles war Hexenwerk.
Mehrere hunderttausend Menschen wurden zwischen 1450 und 1750 in Mitteleuropa als Zauberer und Hexen verbrannt, die meisten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Dieses Buch zeigt, wie Theologen und Juristen dazu beitrugen, daß ganze Prozeßlawinen ins Rollen kamen und wie die bisher meist unterbewerteten finanziellen Interessen der meisten Beteiligten für eine Fortsetzung der Hexenverfolgungen sorgten. Anhand zahlreicher Beispiele und Zitate werden besonders Zustandekommen und Ablauf der Gerichtsverfahren genau untersucht. Die zeitgenössischen Befürworter und Gegner der Hexenprozesse und ihre Werke sowie der von ihnen ausgeübte Einfluß werden ausführlich dargestellt.


Opus Diaboli: Fünfzehn unversöhnliche Essays über die Arbeit im Weinberg des Herrn
Opus Diaboli: Fünfzehn unversöhnliche Essays über die Arbeit im Weinberg des Herrn
von Karlheinz Deschner
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfekt wie immer und Deschner mag zwar für manchen polemisch sein, doch kritisiert er`s wie sich`s gehört, 19. Januar 2015
„Diese Buch enthält fünfzehn kritische Aufsätze zur Geschichte des Christentums. Hier einige Titel und Themen: Den Progressisten Gruß zunächst glossiert die Hoffnungen katholischer und anderer Kreise nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Weide meine Lämmer! zeigt den Umschlag des dreihundertjährigen Pazifismus der ältesten Christenheit in das 313 aufkommende Feldpfaffentum – eine Entwicklung, die bis heute das Verhältnis der christlichen Kirchen zum Militär bestimmt. Sexualität und Christentum bietet einen Exkurs von Jesus und Paulus über die Exzesse von Mönchen und Nonnen in der Christus- und Marienminne, über das Zölibat, die Diffamierung der Frau, die Ehe, den kirchlichen Kampf gegen die Abtreibung bis hin zum Sexualpessimismus der Päpste unserer Zeit. Die konstantinische Schenkung behandelt den historischen Hintergrund, den Anlaß und die Auswirkungen der größten weltgeschichtlichen Fälschung. Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert macht die Mitschuld Roms an den Weltkriegen, seinen Beistand bei der Etablierung der faschistischen Regime und seine riskante Nachkriegspolitik sichtbar. Macht ist alles beleuchtet die gegenwärtige Stellung des Papsttums in Kirche und Gesellschaft. Schwere Zeit für Päpste streift ironisch den Tod von Johannes Paul I. (1978). Morden mit Maria enthüllt das relativ unbekannte janusköpfige Wesen der Gottesmutter, ihre verheerende Rolle als Kriegsgöttin und im antikommunistischen Kampf.“
Karlheinz Deschner

Fünf Aufsätze wurden hier zum ersten Mal gedruckt. Die anderen sind in verschiedenen, inzwischen vergriffenen Publikationen erschienen. Fast alle wurden überarbeitet und zum Teil beträchtlich ergänzt.

„Der bedeutendste Kirchekritiker des Jahrhunderts.“
Wolfgang Stegmüller

„Der einzige in dieser Republik, der brillant und mit höchster Sachkunde die religiöse Situation in unserer Gesellschaft beim Namen nennt.“
Johannes Neumann


Christen gegen Juden
Christen gegen Juden
von Gerhard Czermak
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr lesenswert, 19. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Christen gegen Juden (Broschiert)
Fast 2000 Jahre währt nun die Geschichte des Christentums und mit ihr die Geschichte der wechselvollen Beziehungen zwischen Christentum und Judentum. Es ist in weiten Teilen eine Geschichte unnachsichtiger Unterdrückung und grausamer Verfolgung, die schließlich im Holocaust gipfelte. Und es ist, trotz der umfangreichen Literatur zur Geschichte der Judenverfolgungen, eine verdrängte Geschichte. Denn noch immer neigen die Kirchen dazu, ihren Anteil am Leiden des jüdischen Volkes zu leugnen, die Verantwortung abzuschieben an einzelne Personen, anonyme gesellschaftliche Kräfte oder staatliche Instanzen. Sie möchten nicht wahrhaben, worauf sie in anderen Zusammenhängen eher stolz sind: Die christlichen Kirchen haben die europäische Geschichte und Kultur seit dem vierten Jahrhundert nachhaltig geprägt. Die Nähe von Thron und Altar, die Verquickung von weltlicher und kirchlicher Macht haben das politische und geistige Leben Europas nahezu eineinhalb Jahrtausende beherrscht. Doch die Verantwortung bleibt durchaus nicht so allgemein und mittelbar; sie reicht weiter und oft bis hin zur Mittäterschaft des Pogromhetzers, wenn nicht sogar zur unmittelbaren Täterschaft des Verfolgers.
Gerhard Czermaks Buch wendet sich an den engagierten Christen, der in der Geschichte der Kirchen nicht nur Erbauung und Rechtfertigung seines christlichen daseins sucht, sondern sie auch – und gerade in ihren schrecklichen Seiten – als Quelle der Einsicht verstehen möchte; es wendet sich an jeden historisch interessierten Leser, der besser verstehen lernen möchte, welche Kräfte den Grund und die Anstöße für die zweitausendjährige Verfolgung der Juden gelegt und gegeben haben. In der Fülle der Literatur zu Antisemitismus und Judenverfolgung ist Czermaks Buch das erste, das die ganze, für die Judenheit so leidvolle Geschichte des jüdisch-christlichen Verhältnisses ausbreitet – von den Lehren des Neuen Testaments bis hin zur „Vergangenheitsbewältigung“ der Kirchen nach dem Holocaust. Den Schwerpunkt legt er dabei auf das neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert. Denn der moderne Antisemitismus, der aus mancherlei Quellen schöpfte, seine stärkste Kraft jedoch aus der christlichen Wurzel zog, bildete die Grundlage der rassistischen Naziideologie. Und der nazistische Judenhaß fand eine – wenn auch gemäßigtere – Parallele im christlichen Antijudaismus, der wesentlich dazu beitrug, daß die Christenheit über den großen Mord am jüdischen Volk hinwegsah. Bis zum heutigen Tag neigt sie dazu, die Mitschuld der Kirche zu verdrängen, anstatt sie zu reflektieren und durch tätige Reue zu sühnen.


Wertrangordnung und Humanität: Zur Humanismus-Debatte zwischen Atheisten, Pantheisten, Monotheisten und Agnostikern
Wertrangordnung und Humanität: Zur Humanismus-Debatte zwischen Atheisten, Pantheisten, Monotheisten und Agnostikern
von Hubertus Mynarek
  Taschenbuch
Preis: EUR 28,00

5.0 von 5 Sternen Wider ein sehr gutes Buch seitens Mynarek; sehr zu empfehlen, 19. Januar 2015
Die Quintessenz dieses leicht und flüssig lesbaren sowie übersichtlich gegliederten Werkes bringt der Autor selbst auf den Punkt: "Im Zurückdrängen oder Abwürgen der gefühls­mäßigen, sozialen und ethischen Bestand­teile seines Wesens liegt die Gefahr des Voll­blut-Naturwissen­schaftlers".

Ohne Überbewertung des Emotionalen, befasst sich Mynarek in klaren und verständlichen Worten mit der Reflexion von Geist und Gefühl. Dabei kommt es zunächst zu einer Rang­ordnung der Werte sowie einer Themati­sierung der Synästhesie von Ästhetik und Ethik.

Zunächst wird in sechs Wert­klassen unter­schieden, die gegliedert sind in die niederen sinnlichen und die höheren geistigen Werte. Die niederen Werte werden unter­teilt in utilita­ristische, hedo­nistische, lustvolle und die höheren Werte in ethische, ästhetische, religiöse. Der Einfluss der sinnlichen Wahr­nehmung auf die Wissen­schaft der Moral wird erkannt, aber gleich­zeitig vor einem Ästheti­zismus gewarnt. Die Ethik soll das Gesamt­gefüge der Werte überwachen. Dazu wörtlich: "Ethisch gut ist also ein solches Verhalten, das in einer gegebenen Situation und unter Berück­sichtigung aller an ihr beteiligten Umstände gemäß der Rang­ordnung der Werte handelt und keine einzelne Wert­klasse zur allein­herrschenden macht". Gleichzeitig sieht der Autor in der Selbst­über­schreitungs­tendenz der ästhetischen Werte eine Ver­schmelzung mit religiös-spirituellen Werten, womit man auch in der Kunst eine säkulare Religion erkennen könnte.

Die Frage nach der Möglichkeit eines Humanismus ohne Gott und Religion wird grund­sätzlich mit ja beantwortet. Sie bleibt aber bezüglich der Religion ambivalent, auch wenn diese nicht mit Konfession verwechselt und somit auf ihren genuinen Sinn verwiesen ist. Dazu erfährt Transzendenz eine psycho­logische Erklärung. Ob dabei etwas von dem Grund der Dinge berührt wird, kann jemand nur glauben, aber nicht wissen. Gleichwohl sieht der Autor keinen logischen Wider­spruch darin, es für möglich zu halten, betont aber, dass metaphysische Urteile immer nur Hypothesen sein können. Der Agnostiker ist für ihn der intellektuell Redlichste und Verant­wortlichste. Dazu noch der Wahr­haftigste, weil er erkennt, dass die sog. Wahrheit immer nur relativ sein kann und im Klartext: "Unser Gehirn könne [...] selbst einen mit einer göttlichen Offen­barung daher­kommenden Geist nur als etwas Relatives wahr­nehmen".

Mit seiner apodiktischen Verkündung "Religion vermag unzweideutig zu begründen, warum Moral, ethische Werte und Normen unbedingt und allgemein verpflichtend sein müssen", wird Hans Küng als anti-empirischer und anti-historischer Dogmatiker betrachtet, der dem Monotheismus verhaftet bleibt und für den es ohne Gott keine Ethik gibt. Delikat dann der Hinweis, dass es Zeiten gab, da sogar ein Joseph Ratzinger, "als er von dem hohen Amt noch nicht korrumpiert war", die Ambivalenz dieses Sach­verhaltes klarer erkannte als sein katholischer Kollege Küng. So bekannte sich der später als Papst gescheiterte Ratzinger noch 1969 praktisch implizit zum Agnos­tizismus, wenn er, - wie auf Seite 68 nachzulesen, - verkündet: "Der Glaubende wie der Ungläubige haben, jeder auf seine Weise, am Zweifel und am Glauben Anteil [...] Keiner kann dem Zweifel ganz, keiner dem Glauben ganz entrinnen".

----------------

chließlich gelingt es Mynarek darzustellen, dass auch die sog. "Neuen Atheisten", von Michael Schmidt-Salomon über Daniel Clement Dennett, Christopher Hitchens, Sam Harris bis Richard Dawkins, religiöse Atheisten sind und in dem von ihm ent­wickelten Sinne auch Trans­zendenz-Humanisten. Gleichwohl dürfte ihr Atheismus nur die Bedingung der Möglich­keit von Erkennt­nis sein. Der geniale Physiker Albert Einstein wird als Musterbeispiel eines religiösen Atheisten vorgestellt: "Das tiefste und erhabenste Gefühl, dessen wir fähig sind, ist das Erleben des Mystischen. Aus ihm allein keimt wahre Wissenschaft. Wem dieses Gefühl fremd ist, wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, der ist seelisch bereits tot".

Das Beispiel einer Verschmelzung ästhetischer Werte mit religiös-spirituell empfundenen, leitet auf das Verhältnis ethischer zu religiös-spirituellen Werten über. Das klingt für einen Frei­geist zu­nächst befremd­lich, allein der Autor vermag es nach­voll­ziehbar zu erklären. Unter Religion ist eine freie zu verstehen, denn als dogmatische Konfession missverstanden, erhält der Sinn von Religion eine ab­wertende Bedeutung. Außerdem gibt es auch religiöse Werte ohne Gott. Gleich­zeitig bleibt fest­zu­halten, dass der Begriff Trans­zendenz, der der religiösen und spirituellen Betrach­tung zu Grunde liegt, philosophisch und nicht theologisch zu gebrauchen ist sowie in dynamisch und substantiell unter­schieden wird. Ludwig Feuerbach vertrat eine dynamische Trans­zendenz des Bewusst­sein, auf die sich der Autor bezieht, wenn er schreibt: "In allen großen ethischen Werten, der Liebe, der Wahr­haftigkeit, der Güte, der Gerech­tigkeit, des echten Mit­gefühls [...] steckt ein Moment der Grenz­über­schreitung".

Interpretiert man Transzendenz nicht theologisch, sondern philosophisch, muss sie nicht notwendig eine Über­schreitung des Bewusstseins ins Über­sinnliche oder Außer­weltliche bedeuten, sondern kann auch eine qualitative Steigerung der emotionalen Erlebnis­fähig­keit viel­fältiger Art ausdrücken. Etwa beim Empfinden von Musik, Liebe, Freund­schaft, dem Genuss eines trockenen Rieslings, Kunst allgemein - bis zur der Fähig­keit wirklichen Mit­leidens. Diese tuistische Über­schreitung versucht Mynarek an einem Stufen­schema der Liebe nach­zu­weisen. Mit der Fest­stellung, "Es gibt einen käuflichen Genuss, aber keine käufliche Liebe", wird auf den Weg einer dynamischen Transzendenz über Sex und Erotik zur wahren Liebe hin­gewiesen: "Die Physik der sexuell-erotischen Anziehung kann in die Meta-Physik der Liebe übergehen", so der Autor. Richard Wagner, der als Komponist nicht allein auf die spärlichen Begriffe unserer Sprache beschränkt ist (Leo Tolstoi), gelingt dies musikalisch besser in seiner Oper "Tristan und Isolde": "Sink hernieder Nacht der Liebe, gib vergessen, dass ich lebe. Nimm mich auf in deinen Schoß, löse von der Welt mich los".

Die Ausführungen schließen mit einem Hinweis auf die Ohn­macht des Ethischen. Um dieser Ohnmacht zu entkommen, bedarf es eines Durchbruch-Erleb­nisses durch die (psychische) "Fassade" zum Geist hin. Gemeint ist damit: von der Psycho­genese zur Noogenese, also über das Psychische zum Geistigen. Dazu der Autor: "Wir haben einige Zeugen aus der Geschichte des menschlichen Geistesleben angeführt, die aber in ihrer Anschau­lichkeit nur die Grund­kenntnisse in unserem eigensten Inneren wecken sollten, dass die Natur in ihrer stammes­geschicht­lichen Evolution und unser eigenes Individual­leben dem Wert-Gesetz der Schwer­punkt­verlagerung vom Biologischen zum Psychischen und dem Psychischen zum Geistigen folgen, wobei aber dieses Geistige das Bio-Psychische nicht abstößt, sondern als steuernde, lebensgemäße Kraft integriert und harmonisiert".

Solche Ausführungen erscheinen geeignet die existenz­gefährdenden Miss­verständ­nisse zwischen sog. Humanisten, Frei­religiösen und Frei­denker zu harmonisieren oder gar zu beseitigen. Darüber hinaus könnten sie, - zumindest in ethischer Hinsicht, - eine Brücke zu liberalen "Kindern Abrahams" schlagen, insoweit diese in der Lage wären, die Mythen ihrer Konfession dem Sinne nach zu deuten und nicht wörtlich zu nehmen.


Die Neuen Atheisten: Ihre Thesen auf dem Prüfstand
Die Neuen Atheisten: Ihre Thesen auf dem Prüfstand
von Hubertus Mynarek
  Taschenbuch
Preis: EUR 38,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierend; stark geschrieben, mit aber auch Schwächen, 6. Januar 2015
Das Phänomen ist für viele ungewohnt: Seit Jahren werden wir Zeugen (und zum kleineren Teil Mithandelnde) einer Entwicklung nicht nur im deutschen Literaturbetrieb, nicht nur im gegenwärtigen „Medienhandel“. Bücher dezidiert atheistischer Autoren und „Atheismus-Prediger“ werden (zumindest fürs Erste) als Bestseller verkauft, und manche Leute gewinnen den Eindruck, der Erdkreis sei eines Morgens aufgewacht und habe sich wohlig atheistisch gefunden.

Gewiss hat sich die kulturelle Atmosphäre geändert. Ob jedoch „nachhaltig“, wie Hubertus Mynarek sein neues Buch einleitet, muss erst die Zeit zeigen. Der seit Jahrzehnten ausgewiesene Religionswissenschaftler und –philosoph schreibt in gewohnter Weise, also erstklassig und denkanstößig. Dass er häufig eigene Werke zitiert, ist kein Zeichen von Selbstverliebtheit. Es deutet vielmehr darauf hin, dass sich kaum einer die Mühe macht, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Wer immer noch nichts dazu gelernt hat, nimmt an, die Großkirchen und jene, welche diese sich als Theologen halten, seien über die Neuen Atheisten hergefallen, um deren Argumente zu zerpflücken. Nichts da. Auch diese Mühe müssen wir uns selbst machen. Es reicht offensichtlich nicht, Hochschullehrer der Theologie zu sein und seinen hoch dotierten Brotberuf zu haben. Sie schweigen einfach, ruhen sich auf ihren Staatsgeldern aus, tragen so gut wie nichts zu den Prozessen der Meinungsbildung bei. Auch das ist ein Zeichen für die erbärmliche Leere der christlichen Kirchen und ihrer Theologie, die nur noch Restbestände verwalten und Leichenteile konservieren. Benedikt XVI., der einmal als Intellektueller ausgelobt wurde, zeigt den Weg in genau diese Richtung,
Wenn der Autor die Werke der einflussreichsten Neuen Atheisten Dawkins, Dennett, Harris, Hitchens und Ofray fachmännisch diskutiert wie kein Zweiter und dabei die Thesen mancher Talkshow-Prominenter kritisch angeht, leistet er eine höchst wichtige Vorarbeit für die notwendige Diskussion. Nur so viel zu Dawkins als Beispiel: „Wie es seine Art ist, lässt Dawkins ... zuerst einmal andere über die ‚Charakterlosigkeit‘ der Agnostiker schimpfen, um so die geeignete Atmosphäre für seine eigene Verdammung des Agnostizismus zu schaffen, obwohl er sich selbst paradoxerweise ... schlussendlich auch als Agnostiker erweist.“ Ich steche in ein Wespennest: Vielleicht war es doch etwas voreilig, den Karlheinz-Deschner-Preis an Dawkins zu verleihen. Vielleicht hätte die erst langsam einsetzende Diskussion abgewartet werden müssen. Hubertus Mynarek hat einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan. Sein Buch gehört in jede anständige Bibliothek von Menschen, die sich um die nicht nur religiöse Gegenwartskultur mühen. Die Neuen Atheisten können Gott danken, dass eine so fundierte Auseinandersetzung einsetzt.
Ich wäre auf eine Fortsetzung in doppelter Richtung gespannt:

Zum einen sollte sich Hubertus Mynarek auch einmal mit bundesdeutschen Entwicklungen auseinandersetzen, für die beispielsweise Michael Schmidt-Salomon steht. Und zum anderen fände ich es lohnenswert, wenn sich ein Autor dieses Ranges ausführlich mit dem Agnostizismus beschäftigte, einer millionenfach anzutreffenden Denk- und Lebenshaltung, die freilich noch so gut wie keine öffentliche Diskussion erfahren hat. Mynarek hat soeben in Aufklärung und Kritik einen Beitrag über die These von Dawkins zur „Armut, Schwäche und Feigheit des Agnostizismus“ publiziert. Auch das ein gewichtiger Beitrag zu einer erst einsetzenden Diskussion über das „Verhältnis“ von Atheismus und Agnostizismus.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 22, 2015 3:31 AM CET


Mystik und Vernunft
Mystik und Vernunft
von Hubertus Mynarek
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auch wieder eine tolles Buch von einem brillanten Auor, 6. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Mystik und Vernunft (Taschenbuch)
Der Autor, hat sein 1991 erstmals erschienenes Buch nunmehr in überarbeiteter und erweiter- ter Fassung neu vorgelegt; seine Stellung zum Verhältnis von Mystik und Vernunftspricht sich bereits in seiner Widmung an „alle Suchenden und nicht Saturierten in einer technokratisierten und medial bana-lisierten Welt ...“ aus. Ist das Anliegen des Buches doch weniger eine rein wissen-schaftliche Klärung dieses Verhältnisses,als vielmehr der Versuch, das Zusammen-wirken beider Sphären für die Zukunft des Menschen wieder fruchtbar zu machen.

In einer Einleitung und 13 Kapiteln werden einerseits die verschiedenen Formen von Mystik, deren Herkunft und anthropologischer Hintergrund geschildert, andererseits die in geistloser Technokratie endende Instrumentalisierung der Vernunft, die in ihrer kritischen Selbstreflexion sich meint völlig von Mystik bzw.Metaphysik lösen zu können. Konsequent wird daher im resümierenden Schlußkapitel die „Verschmelzung der Pole“ in der Erkenntnis der „mystischen Tiefe der Vernunft“ eingefordert. Bereits in der Einleitung wird deutlich, daß die Begriffe Mystik, Religion, Glau-be, Spiritualität weniger voneinander unterschieden als gleichgesetzt werden – bei der überwiegenden Mehrzahl der großen Geister der Aufklärung von Voltaire, Lessing, Hume wie der einsetzenden Natur-erforschung – etwa Galilei, Bruno, Newton – bis hinein in die modernen Naturwissenschaften sei vielmehr ein religiöser Grundzug der Vernunft selbst, eine „kosmische Religiosität“ anzutreffen; jede Offenbarungsreligion werde zwar durchdie selbstverständlich notwendige Vernunftkritik abgelehnt, jedoch bedürfe es einer neuen Synthese von „ratio und religio“, um mittels eines „Überbewußtseins und Kreativität des neuen Vernunftbegriffs“ – vom Autor auch als „ökologische Spiritualität“ bezeichnet – den sichtbar werdenden negativen Folgen einer rein instrumentellen Vernunft zu begegnen.
Dazu werden ausführlich Albert Einstein und Julian Huxley und dessen „evolutionärer Humanismus“ zitiert: „’Was die Welt heute braucht, ist nicht nur eine rationalistische Verneinung des Alten, sondern eine religiöse Bejahung von etwas Neuem’“ ...„in einer neuen Schau des Universums und der Rolle des Menschen in ihm, die „’das Gefühl für ein heiliges Mysterium’“ einschließt.
Hintergrund dieser Forderung ist die bekannte Tatsache, daß bloßes Wissen über Fehlhaltungen und -handlungen noch lange keine Veränderung herbeiführt, solange dieses nicht von einem entsprechenden und existentiellen „Geist“ angeleitet wird. Dieser liege – sei dies bewußt oder unbe-wußt – bereits allen menschlichen Handlungen als Glaube bzw. Sinnbezogenheit zugrunde (was natürlich auch noch für eine rein utilitaristische Technokratie zutrifft); heute vorherrschenden unbewußten bzw. irrationalen Glaubenshaltungen gegenüber sei mit E. Fromm ein „rationaler Glaube“ notwendig, der „in produktivem, intellektuellem und emotionalem Tätigsein“ wurzelt. Hingegen scheitere ein reiner Rationalismus an der Unabschließ-barkeit des menschlichen Denkens ebenso wie an der Unmöglichkeit von Letztbegründungen (Münchhausen-Trilemma). Gerade das moderne rationale Denken in den Naturwissenschaften, vor allem in Physik und Quantentheorie, verweise einerseits auf die Offenheit und Unvorhersagbarkeit, führe andererseits in der gleichzeitigen Erkenntnis der durchgehenden Ordnung des Kosmos „häufig zu Ehr- furcht und Staunen angesichts der vollendeten Schönheit und Eleganz der Natur“.

Im dritten Kapitel schließt sich ein Überblick über den Weg der Entmystifizierung der Vernunft an; anders als etwa Kantunterscheidet der Autor nicht zwischen Verstand und Vernunft, sondern verwendet in seiner hier gegebenen Entwicklungsgeschichte des menschlichen Geistes bis hin zur Selbstreflexion der Vernunft beide Begriffe ohne Unterschied. Richtig betont er, daß sich in den verschiedenen Blickwinkeln auf die Welt, der magischen, der sakralen und der ontologisch-metaphyischen Sicht, die Entwicklung des menschlichen Geistes selbst ausspreche, die jenen Phänomenen vorausliegt. Diese Entmythifizierung der Welt führe zu ei- ner Profanierung und Säkularisation – sei „ der geschichtliche Vorgang, in dem die WElt sich “. Äußere und innere Natur werden dabei zuletzt mechanistisch quantifiziert, die Transzendenz wird zu einer „Dimension der psychischen Immanenz“, alle kulturellen Hervorbringungen des Menschen werden so zu „Derivaten[n] der Psychologie und Soziologie“ reduziert. Diese (angebliche) Berechenbarkeit alles Seienden, die weder Natur insgesamt noch Individualität von Mensch und Tier respektiert, sondern nur noch berechnend „vernutzt“, habe faktisch zu Technokratie und Technozentrik geführt. Auf diesem Wege der Säkularisation der Welt dienen „die Werke der Wissenschaft, Kultur und Technik ... nicht mehr dem eigentlichen Fortschritt des Menschen, seiner Selbstfindung und Selbstverwirklichung“, sondern „unter der teuflischen Sonne des Profitstrebens“ holen sie „zur letztendlichen Vernichtung allen Lebens auf Erden aus“ und enden „für den Konsumsklaven von heute ... in der – Banalität“.

Zwar spricht sich auch noch in dieser zu nehmenden Technokratie der Wesenszug des Lebendigen, die Selbstübersteig(er)- ung (Transzendenz) aus, jedoch in einer völlig falschen und destruktiven Richtung der rein materiellen Bedürfnisbefriedigung und -steigerung ohne Rücksicht auf die Natur selbst wie die menschliche Natur als Teil derselben. Dieser Fehlform einer steten Steigerung des Haben-Wollens wird die Auffassung Albert Schweitzers gegen- übergestellt, „in der das Individuum zur Totalität des Seins ... in ein Verhältnis tritt“ in der „Hingabe meines Seins an alle Er- scheinungen des Seins“. „Die ethische Mystik läßt also ‚das Einswerden mit dem Unendlichen durch die ethische Tat ver- wirklicht werden.’“ Die Menschheit kann und muß hier also wählen zwischen einer („guten“) Option für das Leben, oder der („bösen“) für den Tod, zu dem eine nur „technisch-utilitari- stisch-instrumentelle Vernunft“ zwangs- läufig führen muß. An der Bevorzugung der zweiten (Nicht-)Alternative in der Moderne ist nicht die Technik „schuld“, son- dern die Schlußfolgerungen des Menschen selbst aus dieser „Technisierbarkeit“ der Welt (und seiner selbst) einschließlich der auch hier beobachtbaren Übersteigerungs- formen der Großtechnik, denn deren Ab- läufe werden in der „Globalisierung“ und in der Anhäufung von Datenmengen aller Forschungszweige für das Individuumn unüberschaubar. Das stets geforderte Wirtschaftswachstum ist dabei einerseits ein Fetisch, andererseits ein „zwangsläufige[r] Trend der technischen Megamaschine“, der in seiner Konsequenz der „universellen Ausbeutung“ „letal“ sein wird. Dieser Entwicklung will der Autor mit einer „ökologischen Religion“ entgegen- wirken, die sich wiederum auf A. Schweitzer zurückbezieht, für den es be- deutungsvoll ist, „daß in dem ethisch ge- wordenen Menschen ein von Ehrfurcht vor dem Leben und Hingebung an Leben erfüllter Wille zum Leben in der Welt auf- tritt.“ „Der Weg zur wahren Mystik führt durch das rationale Denken hindurch zum tiefen Erleben der Welt und unseres Wil- lens zum Leben hinauf.“ Klar ersichtlich gibt hier Schweitzer dem Transzendenz-streben des Menschen eine ganz andere Richtung, als er in der Megalomanie der Technokratie zum Ausdruck kommt. Ganz im Sinne Schweitzers erstreckt der Autor das ethische Prinzip der Gleichheit, hierin weitergehend als etwa Peter Singer, nicht nur auf die Tiere, sondern auch auf das Lebensrecht der Pflanzen, denn eine „ökologische Mystik“ als „Wurzel aller sittlichen Bejahung, Hinwendung und Hingebung an die Natur in allen ihren Manifestationen“ ziele darauf, „eine be-
friedete Natur zu schaffen“.

Ob letzteres wirklich in der Teleologie der Natur selbst wie in der Natur bzw. im kul- turellen Auftrag des Menschen liegt, kann mit Denkern von Heraklit bis Nietzsche auch anders gesehen werden. Jedenfalls hat die abendländische Religion des Chri- stentums, in ihrer Hauptströmung, anders als etwa Taoismus und Buddhismus, eben- so in jene destruktive Richtung des sichernden Machtstrebens und der Objektivierung des Lebendigen gewirkt, wie in der Befragung der Bibel selbst, an der Naturfeindlichkeit des Christentums und an der Machtverflechtung der christlichen Kirchen gezeigt wird.

Wie oben schon angedeutet, bleibt das Verhältnis von Mythos und Metaphysik, von Verstand und Vernunft sowie der ent- sprechenden Mystik recht ungeschieden – und so meint der Autor, insbesondere auch in Anbetracht der Aussagekraft von Symbolen, die den Begriff bekanntlich weit übersteigen können, daß auch heute noch der Mythos wie ebenso der Kultus einer „ökologischen Religion“ nutzbar gemacht werden könne, was er zunächst an einer neuen Interpretation des christlichen Weihnachtsfestes und sodann unter Bejahung kultischer Verehrung von „Höchstwerten“ zu zeigen sucht. Damit soll der ver-rückte Mensch wieder auf die Welt als lebendigen Organismus hingewiesen werden, aus dem er sich „demiurgisch, faustisch herauskatapultiert“ habe. Hier muß allerdings gefragt werden, ob und wie es angehen kann, daß sich das Naturwesen Mensch aus der Natur „katapultieren“ könne, oder ob nicht vielmehr gerade auch diese Entwicklung in und zur Auswicklung der Natur selbst gehöre? Woran wollen wir messen, welcher Teil unserer kul- turellen Entwicklung „naturgerecht“ ist und welcher nicht? Es sei denn, wir unterstellen der Natur, wie bereits Rousseau („Zurück zur Natur“) und wohl auch der Autor, einen „Willen zur Befriedung“? Haben nicht bedeutsame Geister, wobei vor allem Nietzsche zu nennen wäre, in einer solchen „Heerdenmoral“ das Banale erblickt? Ein größerer Exkurs widmet sich sodann der eigentlichen Wurzel dieses Abdriftens vom rechten Pfad der ökologischen Religion, als dessen Grundphänomen die „Angst“ ausgemacht wird; und zwar, wie die Begrifflichkeit zeigt, wohl von Heidegger herkommend – ohne allerdings dessen Warnung berücksichtigend, daß die Griechen die Anfangsfrage nach dem Sein verfehlt haben –, wird die „metaphysische Angst“ als Folge eines „Schwebezu- standes ... zwischen Sein und Seiendem“ bezeichnet. Das ist platonisch wie auch buddhistisch gedacht, insofern das Seiende als eine eingeschränkte Erscheinung des Seins dargestellt wird: „Die Seinswertigkeit und Seinsmächtigkeit jedes einzelnen Seienden ist ein Teil der unendlichen Macht und Wertigkeit des Seinsgrundes als des hervorbringenden Prinzips.“

Platon sagt im Symposion und im Höhlengleichnis nichts anderes. Mit Heidegger, der in längeren Ausschnitten aus „Sein und Zeit“ zu Wort kommt, wird konstatiert, „daß das Sein wesensnotwendig im Seienden west“ – was angesichts der Erkenntnis der eigenen Eingeschränktheit des Seienden gegenüber dem Sein durch Seiendes (den Menschen) zur „Kontingenzangst“ „am Abgrund des Nichts“ führen könne. Weitergeführt wird diese Diskussion über den „Begriff Angst“ bei Kierkegaard hin zu Jaspers und dessen „philosophischen Glauben“ in der selbst- erhellenden Erfahrung des Scheiterns an der Transzendenz. Die Ausbeutung und Konkretisierung dieser Ängste durch die Kirchen werden näher beschrieben, um sodann auf die Kritik dieser religiös-kirchlichen Praktiken näher einzugehen, wo bei erfreulicherweise der bedeutsamen Rolle des heute oft noch zu Unrecht vergessenen Ludwig Feuerbach ausführlich gedacht wird, dessen Gedanken dann in der „sozioökonomischen Kritik“ von Marx aufgenommen und schließlich von der Psychoanalyse Freuds und seiner Mit-arbeiter Adler und Jung in der Erschlie- ßung von Psyche und Unbewußtem fort- geführt wurden. Der Autor trägt in diesen Kapiteln viel lesenswertes Material zur Entwicklung von Religion und Mystik zusammen und läßt sowohl den tragenden Erkenntnissen insbesondere von Marx und Freud ebenso wie ihren Fehlern in seiner Darstellung Gerechtigkeit widerfahren. Im Schlußkapitel verschmelzen beide Pole Mystik und Vernunft: „Vernunft braucht und hat ganz wesensmäßig eine Mitte, und diese Mitte ist die Mystik.“ Sie sei das „Herz der Vernunft“, ihre „Innenseite“, wobei ausdrücklich auf den „Eros“ des Plato Bezug genommen wird. Von beiden Seiten, der Wissenschaft wie auch der Philosophie und Mystik her, sei eine Auf- einanderzu-Bewegung zu beobachten, was einerseits mit Zitaten etwa von Einstein, Dürr und Capra, andererseits mit Teilhard de Chardin, Bergson u.a. belegt wird. Zuletzt wird dieses im mystischen Erleben erfahrbare „kosmische Bewußt- sein“ als die höchste Bewußtseinsform des Menschen gedeutet, als „zu allem hin ge- öffnete Seinssympathie und -liebe“ hin zu einer „alles übergreifenden Super-Einheit“.

Da sich der Autor bewußt ist, daß eine solche „unio mystica“ aus Eigenem nur wenigen Individuen zuteil werden wird, für eine breite Wirksamkeit einer solchen Verschmelzung von Mystik und Vernunft zur Rettung der Erde von der Technokratie der Vernunft jedoch möglichst viele Menschen sich auf diesen Weg einlassen müssen, diskutiert er traditionelle (meditative Techniken) und moderne Formen (Transpersonale Psychologie), die es er-möglichen sollen, sich der Durchdringung von Mystik und Vernunft anzunähern.


Papst-Entzauberung: Das wahre Gesicht des Joseph Ratzinger und die exakte Widerlegung seiner Thesen
Papst-Entzauberung: Das wahre Gesicht des Joseph Ratzinger und die exakte Widerlegung seiner Thesen
von Hubertus Mynarek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sollte man definitiv mal gelesen haben, sehr gut, 6. Januar 2015
Dieses Buch belegt detailliert, was ich mit vielen von Anfang an ahnte: Ratzinger, ein Karrierist reinsten Wassers, ein „oberster Gendarm der Kirche", der verfolgte und gnadenlos über die Klinge springen ließ, was und wer ihm nicht ins Konzept (auch vom „Bollwerk Europa") paßte, ist seit jeher gerade als Wissenschaftler überschätzt, und er genießt das. Dieser Mann, nicht mehr als ein „dorfpolizeilich strukturierter Inquisitor", hat allein jene Intelligenz aufzuweisen, welche die vatikanische Konfession dringender denn je braucht: Ratzinger bleibt ein unter dem Deckmantel demütiger Bescheidenheit außerordentlich ehrgeizig auftretender und empfindlich auf Widerspruch reagierender „Apologet der päpstlichen Lehre in Dogmatik und Moraltheologie mit genau begrenzter, exakt eingegrenzter und beschränkter Intelligenz, die nie in Gefahr gerät, über den Tellerrand der Kirche hinauszuschauen ..." Der Zweifel, Lebenselixier der Intellektualität, hat bei Ratzinger keine Würde; das macht alles Denken dieses Autors dürftig.

Wer künftig über Benedikt XVI. - „nichts Neues, nichts Originelles, nichts Geniales" - sprechen will, den schwächsten Papst seit über 100 Jahren, dessen Blick „etwas verhalten, etwas misstrauisch, etwas lauernd" prüft, „ob ihn auch alle mögen", kommt nicht an Mynareks Buch vorbei. Es wird sich als Standardwerk der Aufklärung über diesen Papst, den „Polierer der vatikanischen Fassade" im Gewand des geistlichen Biedermanns, erweisen - und über den nach leadership massensehnsüchtigen Katholizismus überhaupt, den ich die infantilste Religion der Erde hieß. Ein Standardwerk nicht nur für jeden, der inmitten der noch immer bejubelten „Stallwärme der Herde" und der nicht aus Kirchensteuern, sondern aus allgemeinen Steuerkassen (auch der Konfessionslosen!) finanzierten Visiten endlich Aufklärung verlangt, sondern auch für jene Journaille, die „im feudalistisch-höfischen Mittelalter steckenblieb" und auf peinlich unwürdige Weise hinter dem deutschen Papst herhechelt und Engagement heuchelt, wo allein Sensations- und Quotengier bewegt.

Kein Kleriker im Brotberuf sollte es wagen, Mynarek am Zeug zu flicken. Auch wenn sich noch Fehler im Detail finden: „Ich möchte ausdrücklich sagen, daß ich gerade auch aus den kritischen Rezensionen viel gelernt habe. Am meisten bereichert und belehrt fühlte ich mich durch die Ausführungen von Hubertus Mynarek." Wer das sagte? Joseph Ratzinger.

Mynarek hat sich nicht geändert. Er bietet einen brillanten Disput um die „Vernebelungsenzyklika ‚Gott ist die Liebe‘", das „unvollständigste Programm der Liebe, das ich kenne". Im Verlauf dieses Disputs zerpflückt Mynarek die Argumente des Papstes, der von vielen mittlerweile zu Kirchenblättern aufgerückten Zeitungen und Magazinen (FAZ, taz, Stern) pflichtschuldigst als das neudeutsche Wunder gepriesen wird, und weist dem päpstlichen Autor auf Schritt und Tritt Auslassungen, Verdrängungen, Einseitigkeiten nach. Lesenswert sind in diesem Zusammenhang Mynareks Ausführungen über Ratzingers Lehre von der Ehe („ohne den leisesten Gedanken an Naturwissenschaften, empirische Anthropologie, Soziologie, Ethnologie"), über das päpstliche Eucharistieverständnis („ein subtiler Kannibalismus") oder über die von Ratzinger, dem nie gewandelten Großinquisitor, so gerne dargetanen Zusammenhänge von Vernunft und Glauben: „Man muß sich das mal vorstellen: Eine Kirche mit einer absurden, irrationalen, bizarr-unvernünftigen, irrwitzigen Ideologie, sprich: die Vernunft verhöhnenden Dogmatik beansprucht die absolute Oberhoheit über die menschliche Person und den gesamten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich, also über die individuelle, soziale, ökologische und ökonomische Vernunft. Und keiner unserer Zwerge, d. h. der Politiker aller Parteien, schreit: ‚Unfug‘ oder wehrt sich dagegen."

Oder sollen wir uns darüber wundern, wie jämmerlich wenig die hoch dotierten theologischen Universitätsfakultäten zum Geistesleben der Republik beitragen? Da bleiben, ebenso wie beim Konfessionsunterricht in den Schulen, alljährlich Milliarden fehlinvestiert, und kein Finanzminister, keine Kultusministerin, kein Parlament schert sich darum. Eine Schande für die Demokratie, die allein die politische Klasse der hochmögenden staats- und kirchentragenden Kräfte zu verantworten hat.

Niemand hätte eine Religion, hätte man ihm diese nicht anerzogen. Kirchenfreie Menschen stehen nicht am Abgrund des Humanum, stürzen nicht in eine moralische oder ethische Leere. Zumindest sind sie nicht schlechter als jene, die sich zu einer Kirche bekennen! Im Gegenteil. Soll schon aufgerechnet sein: Die überkommenen Großkirchen sind historisch und aktuell von so viel Unmenschlichkeit geprägt, daß es eine Zumutung ist, als ein Mensch, der sich von derlei hat befreien können, ausgerechnet von dieser Seite Appelle an die Vernunft oder an eine traditionelle Moral entgegennehmen zu müssen. „Die Moral existiert. Unmoralisch ist das Christentum" (Albert Camus). Nichts ist rachsüchtiger als christliche Demut; wer sich mit Demütigen befaßt, besudelt sich.


Eine Jugend im Osten des Dritten Reiches
Eine Jugend im Osten des Dritten Reiches
von Hubertus Mynarek
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äußerst empfehlenswert, 6. Januar 2015
Der renommierte - und umstrittene - Theologe und Kirchenkritiker Hubertus Mynarek hat mit kritischem Rückblick eine Autobiographie über seine Kindheit und Jugend geschrieben. Die Autobiographie eines ehemals heranwachsenden und schließlich herangewachsenen jungen Menschen im Gezerre dreier ideologischer Machtsysteme: Nationalsozialismus, Katholische Kirche (sich allen diktatorischen staatlichen Gewalten zu allen Zeiten anpassend, sie zugleich ausbeutend und unterhöhlend) und staatlich institutionalisierter Kommunismus - während der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Also ein politisches Buch? Ja, aber bei weitem nicht nur das, sondern eine über gängige Geschichtsschreibung weit hinausgehende romanhaft-spannend und fesselnd geschriebene Verlaufsschilderung der dramatischen Ereignisse jener Zeit im ehemals deutschen, dann polnischen Gebiet; bei aller Exaktheit der Darstellung eine ins Konkrete gehende, individuell scharf herausgemeißelte Charakterisierung der handelnden Personen im Widerspiel damaliger politischer Kräfte.

Zunächst der religiöse Fundus, der dem Kind und Jugendlichen im Elternhaus vermittelt wurde, vom gradlinig nüchtern und klar denkenden soliden Vater, einem Handwerker, der in Groß-Strehlitz eine Sattelei betrieb, und der eher emotional angelegten, warmherzigen, jedoch in entscheidenden Situationen entschlossen und unerschrocken zugreifenden Mutter, einer Geschäftsfrau, deren mutig-konsequentem Auftreten der Sohn seine Aufnahme auf das Gymnasium verdankt. Der war zunächst trotz Kirchenhörigkeit und Glaubenstreue keineswegs - wie fast alle seiner Mitschüler - immun gegen die für die Jugend verführerischen Methoden des Regimes und sah es als Ehre an, in die Napola, die elitäre nationalsozialistische politische Erziehungsanstalt aufgenommen zu werden, was sein Vater jedoch strikt verbot und verhinderte.

Es reiht sich Episode an Episode, in der Jungvolkführer, Hitlerjungen, Lehrer, Mitschüler, Geistliche, jüdische Mitbürger und später Funktionäre im kommunistischen Machtbereich, darunter solche im Priesterrock, auftreten, alle nach Charakter und Handlungsweise - von integrer ethischer Haltung bis hin zu übelsten Intrigen und feiger Käuflichkeit, insbesondere im theologischen Bereich - realistisch und lebensnah geschildert. Diese Jugend-Autobiographie ist nicht chronologisch, sondern nach unterschiedlichen, jedoch ineinander greifenden Lebensbereichen angelegt: Meine Eltern und das Dritte Reich - Meine Erfahrungen in und mit der Hitlerjugend - Die Versöhnungsversuche ehemaliger Hitlerjungen mit Polen (eine Abzeichnung menschlicher Verlogenheit und Heuchelei) - Als Schüler im Dritten Reich.

Die vom Autor als einem bekannten und verdienten Religionswissenschaftler und Kirchenkritiker, der das Dritte Reich von seinem 4. bis 16. Lebensjahr bewusst miterlebt hat, zur Information für den Leser beigegebene Kurzbiographie sei hier im Auszug zitiert:

"Schon im Januar 1945 kam für ihn, den in Schlesien Gebliebenen, dieses Reich zu seinem abrupten Ende. Er wurde Zeuge des Einmarsches der Roten Armee in Schlesien und der Einführung der polnischen Verwaltung in seiner Heimat. Nach vier Jahren Volksschule und fünfeinhalb Jahren deutschem Gymnasium besuchte er nach dem Krieg das polnische Gymnasium und Lyzeum,, studierte dann an der Jagiellonischen Universität zu Krakau Theologie, an der Katholischen Universität zu Lublin Philosophie mit Einschluss der Psychologie (1954 Doktorat in Theologie, 1956 Magisterium in Philosophie).
Nach seiner Übersiedlung im Jahr 1958 in die Bundesrepublik Deutschland war er Assistent an der Universität Münster, 1966 habilitierte er sich an der Universität Würzburg und wurde danach Professor an den Universitäten Bamberg und Wien, wo er Religionsphilosophie, Fundamentaltheologie und Vergleichende Religionswissenschaft lehrte. 1971/1972 war er Dekan an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien."
Mit Schreibern vom 3. November 1971 an Papst Paul VI,. trat er aus Protest gegen die negativen Realitäten in der römisch-katholischen Kirche als einem absolutistisch-monarchistisch verfassten, durch und durch autoritären Machtgebilde aus und musste infolgedessen auf lange Zeit den Verlust seiner Existenz und nach Veröffentlichung seines kritischen Buches "Herren und Knechte der Kirche" (Köln 1973) auch die existenzvernichtenden Gegenschläge dieser Kirche und ihrer Funktionäre ertragen.

Mit gleichem Mut und gleicher Offenheit wie jenes ist sein lesenswertes neues Buch verfasst, das hier besser durch wenige herausgegriffene Zitate gekennzeichnet werden kann als durch eine noch so ausführliche Rezension des durchgängig bemerkenswerten Inhalts:

"Trotz der im vorigen Kapitel geschilderten negativen Einstellung meiner Eltern den Nazis gegenüber war ich bis zum 15. Lebensjahr einschließlich ein Mitläufer des Systems, freilich ein etwas gespaltener, denn ich war ja auch noch Mitläufer in einem anderen System, dem der Kirche, Ich war gewissermaßen schwarz und braun in einer Person, ohne dass mir, der ich noch gar nicht tief reflektierte, das Nebeneinander der beiden Ideologien in meiner Psyche besondere Kopfschmerzen bereitet hätte. Dieses Nebeneinander äußerte sich zum Beispiel darin, dass ich sonntags ganz früh aufstand, um meiner katholischen Gottesdienstpflicht nachzukommen (sprich: zur sonntäglichen Frühmesse zu gehen). Danach nahm ich an der jeden Sonntag veranstalteten Morgenfeier der Nazis teil, bei der man allerdings nicht fehlen durfte, ohne sich Strafen und Nachteile einzuhandeln. Keiner meiner Mitschüler vollzog diesen Spagat zwischen Gottes- und Hitler-Dienst. Die gingen einfach nur zur Morgenfeier der Nazis. Es reichte ja, dass sie nach dem Krieg wieder brave Gottesdienstbesucher wurden." (S. 57)

"Nicht die Charakterfestesten, nicht die ethisch Höchststehenden kommen an die Macht, vielmehr die - allerdings clevere - Mediokrität! Das ist leider der Gang der Dinge, deswegen gibt es auch kaum einen Fortschritt in der Geschichte der Menschheit." (S. 66)

"In der Tat ist der polnische Intellektuelle im Vergleich zum deutschen sehr viel höflicher, entgegenkommender, emotionaler, menschlicher."(S.74)

Bei den späteren Klassentreffen mit meinen ehemaligen Mitschülern habe ich es immer wieder gemerkt, dass die Mehrheit die Gehorsams- und Anpassungsstruktur ihrer Jugend nie überwunden hat, dass selbständiges, unabhängiges Denken weiterhin ihr Ding nicht ist, dass sie stets und überall 'Untertanen' sein werden, egal, wie das System beschaffen ist, in dem sie gerade leben." (S. 152)

In der Tat, auch darin hat sich bis heute gegenüber 1933 - 1945 und 1945 -1989 - wie zu allen Zeiten - nichts geändert; ein bedauerliches Fazit auch dieses verdienstvollen autobiographisch angelegten Geschichtsbuches.


Handbuch Weltethos: Eine Vision und ihre Umsetzung
Handbuch Weltethos: Eine Vision und ihre Umsetzung
von Hans Küng
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ich finde Küng jetzt total überschätzt, nicht zu empfehlen, 6. Januar 2015
Aber selbst mancher gestandene Theologe der sich auf der Höhe des Zeitgeistes dünkt, modern und liberal und tolerant erscheinen möchte, will diesen nicht wegzuleugnenden Tatbestand nicht so ganz anerkennen. Ich denke da an den von den Massenmedien am meisten gehätschelten katholischen Theologen Hans Küng, der zwar mit seinem "Projekt Weltethos" alle Religionen, Philosophien, Weltanschauungen und Ideologien umfassen, versöhnen, auf einen Nenner bringen möchte, aber nicht davon ablässt, darauf zu bestehen, dass alle Werte ihren Bestand, ihre Festigkeit, Gültigkeit und Nichtrelativität nur durch ihre Verwurzelung im Absoluten, in Gott erhalten und behaltet. Küng vergisst übrigens wie allseits immerzu, das er von einem Gottvater ausgeht, der irgendwo fernab sitzt und was auch immer tut...Seltsame Gedanken eines Menschen der früh-kindlich indoktriniert ist.

O-Ton Küng: "Nein, das kategorische des ethischen Anspruchs, die Unbedingtheit des Sollens, lässt sich nicht vom Menschen her, sondern nur von einem UNBEDINGTEN her begründen: von einem Absoluten her, das einen übergreifenden Sinn zu vermitteln vermag und das den einzelnen Menschen, auch die Menschennatur, ja die gesamte menschliche Gemeinschaft umfasst und durchdringt. Das kann nur die letzte, höchste Wirklichkeit selbst sein...Dieser Urgrund, dieser Urhalt und dieses Urziel bedeuten für den Menschen keine Fremdbestimmung. Im Gegenteil...Nur die Bindung an ein unendliches schenkt Freiheit gegenüber allem Endlichen." Seite 77.

Und nochmals Küng: "Doch eines kann der Mensch ohne Religion nicht, selbst wenn er faktisch für sich unbedingt sittliche Normen annehmen sollte: Die Unbedingtheit und Universalität ethischer Verpflichtung begründen." Küng S. 75
Küng gibt sich alle erdenkliche Mühe, Atheisten, Agnostikern, Pantheisten, Materialisten, Skeptikern etc. pp seine Überzeugung plausibel zu machen. Er weist auf die vergeblichen Versuche der Philosophie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hin, eine verbindliche Ethik rational zu begründen, auf die analythische Sprachphilosophie z.B. eines K.-O. Apels, die Frankfurter Kritische Theorie vor allem von Jürgen Habermas, die Geschichtstheorie Rüdiger Hubners usw. Er weis auf die Diskursethik der beiden ersteren hin, die zwar mit Recht die Wichtigkeit des rationalen Diksurses und Konsens betonen, aber die Frage nicht lösen können: "Warum Diskurs und Konsens bevorzugen und nicht die gewaltsame Auseinandersetzung? Und impliziert der Diskurs wirklich Moral und nicht nur Taktik?"

Fazit Küng: "Bisher, so scheint es, sind philosophische Begründungen unbedingt verbindlicher und allgemeingültiger Normen kaum über problematische Verallgemeinerungen und transzendtal-prakmatische oder utilitaristisch-pragmatische Modelle hinausgekommen. Sie berufen sich zwar (mangels einer übergreifenden Autorität) auf eine ideale Kommunikationseigenschaft, bleiben jedoch nicht nur für den Durchschnittsmenschen in der Regel abstrakt und unverbindlich. Trotz behaupteter transzendentaler Letztverbindlichkeiten scheinen sie keinen allgemein einleuchtende unbedingte Verbindlichkeit aufzuweisen. Warum schon soll ich unbedingt, und warum soll gerade Ich? Wer auf ein transzendentes Prinzip verzichten will, muss einen weiten Weg horizontaler Kommunikation gehen, um am Ende möglicherweise festzustellen, er sei nur im Kreis herumgegangen." Küng, Seite 15

Gerade der in einer praktisch-moralischen Konfliktsituation stehende Normalbürger frage sich laut Küng, warum von ihm ein Handel gefordert sein soll, "das keineswegs seinem Nutzen, dem Lebensglück oder der Kommunikation dient, das von ihm vielmehr ein Handeln gegen seine Interessen, ein Opfer, im äußersten Fall sogar einmal das Opfer seines Lebens verlangen kann! Philosophie ist mit dem Appell an die Vernunft rasch Ende wo ethische Selbstverpflichtung existentiell `weh tut`. Wie kann man das ausgerechnet von mir verlangen?" Küng, Seite. 65

Selbst Sigmund Freud muss für Küngs These von der Unmöglichkeit innerweltlicher Begründungen der Absolutheit ethischer Normen herhalten. Sogar der habe, obwohl "für seine Ethik auf Vernunft schwörend", keine Antwort auf die Frage gewusst. "Wenn ich mich frage, warum ich immer gestrebt habe, ehrlich, für den Anderen schonungsbereit und womöglich gütig zu sein, und warum ich es nicht aufgegeben, als ich merkte, dass man dadurch zu Schaden kommt, zum Amboss wird, weil die Anderen brutal und unzuverlässlich sind, dann weiß ich allerdings keine Antwort." Küng, Site 66

Ein vernichtendes Urteil bezüglich des hier behandelten Problems fällt Küng auch über das moderne naturwissenschaftliche und technologische Denken. Dieses habe sich "von Anfang an als unfähig erwiesen, universale Werte, Menschenrechte, ethische Maßstäbe zu begründen". Habe sich "die Naturwissenschaft doch inzwischen....selber relativiert: durch Einsteins Relativitätstheorie, Heisenbergs Unschärferelation, Gödels Unvollständigkeitssatz". Und auch die gewaltigen ökonomisch-technologischen Probleme unserer Zeit stellen uns nach Küng vor derart schwere politisch-moralische Situationen, dass Psychologie und Soziobiologe dabei völlig überfordert seien. Küng a.a.O. 64,66

Küng sollte aber verstehen lernen, das eben gerade die Naturwissenschaft den Gott der Religionen jedenfalls ÜBERFLÜSSIG macht. Denn der kann nichts.

Wir wir sehen, ist Küngs Zielsetzung klar. Er möchte alle endlichen Gewissheiten zertrümmern, alle Instanzen einschließlich der menschlichen Vernunft als unfähig erweisen, die Unbedingtheit und Universalität ethischer Normen zu begründen, um dann triumphal zu proklamieren: seht her, dies Unbedingtheit kann eben nur durch ein unbedingtes Absolutes, also Gott, erklärt und garantiert werden. Aber dieser Beweis ex negativo beweist nichts. Beweist jedenfalls nicht, was er beweisen soll, weil auch Gott, in den Worten Küngs "Urgrund, Urhalt, Urziel" des Menschen, in der Welt NUR ETWAS RELATIVES ist. Er kann als Absoluter zwar geglaubt, aber nicht als solcher gewusst werden.

Es kann doch von niemanden ernstlich geleugnet werden, dass wir ziemlich fest und dicht in unsere Raum-Zeit, die wir Welt nennen, eingeschlossen sind, dass wir biologisch die Spezies sind, die die (soweit wir es meinen zu wissen) stärkste Dynamik zur Grenzüberschreitung des Vorfindlichen und der eigenen Befindlichkeiten aufweist: das wir aber die Welt nur mit Hilfe von Träumen, Wünschen Vermutungen und Projektionen eines unendlich von allen Fragwürdigkeiten, Abhängigkeiten und Relativitäten befreiten Lebens zu überschreiten versuchen. Ob wir mit diesen "psychologischen" Grenzüberschreitungen tatsächlich über diese Raum-Zeit hinauskommen, ob wir dabei etwas ontologisch oder gar metaphysisch Gültiges erhaschen und sozusagen das "sein alles Seienden", den Grund aller Dinge berühren, das können wir nicht wissen, schon gar nicht überprüfen. Doch ist es in sich kein logischer Widerspruch, es für möglich zu halten und insofern zu glauben. Dennoch sollte der Rationalist und Skeptiker, der in jedem reflex Denkenden steckt, nie vergessen, dass alle über die Raum-Zeit hinausgehenden, insofern metaphysischen Urteile nur Hypothesen sind. Der Agnostiker, der dafür eintritt, dass wir bei allem, was "letzte Wirklichkeit" und endgültige Antworten auf die Frage nach dem Sinn der Welt und des Menschen betrifft, nichts mit absoluter Gewissheit wissen, nichts mit absoluter Bestimmtheit sagen können, ist der wohl intellektuell Redlichste, verantwortlichste, Wahrhaftigste. Unser Gehirn könnte also in dieser unserer Welt selbst einen mit einer göttlichen Offenbarung daherkommenden Geist nur als etwas relatives wahrnehmen.

Wenn man sich diese nicht wegzuleugnende conditio humana, unsere Verwiesenheit auf diese Welt, unsere erkenntnistheorethische Bedingtheit und Begrenztheit klar macht, kann man nicht mehr mit Küng konform gehen und apodiktisch wie er verkünden: "Religion vermag unzweideutig zu begründen, warum MORAL, ethische Werte und Normen UNBEDINGT (und nicht nur, wo es für mich bequem ist) und so ALLGEMEIN (für alle Schichten, Klassen, Rassen) verpflichtend sein müssen. Das Humanum wird gerade so gerettet, indem es als im Divinum begründet angesehen wird. Es hat sich gezeugt: Nur das Unbedingte selbst vermag unbedingt zu verpflichten, nur das Absolute zu binden". Küng Seite 116

Küng tritt hier als anti-empirischer, anti-historischer DOGMATIKER auf. Denn zwar hätte er rein abstrakt-deduktiv mit dem letztem Satz seines Ausspruchs recht: Wenn es ein Unbedingtes gäbe und wir dieses Unbedingte, Absolute zweifelsfrei erkennen könnten, dann freilich könnten, ja müssten wir uns unbedingt verpflichtet, absolut gebunden fühlen. Aber den Beweis, dass es dieses Unbedingte, Absolute gibt, hat ja Küng in allen seinen meist voluminösen Büchern (und es sind ihrer mehr als hundert) nie erbracht.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Stattdessen hören wir von ihm immer nur, wenn es genau um diesen Punkt geht, monologisch-refrainartig die Versicherung, dass wir ein "vernünftiges Vertrauen auf Gott als die allumfassende, alles durchdringende letzte-erste Wirklichkeit" haben sollen und dürfen. Aber ein Sinn-Glaube, wie ihn Küng uns einreden möchte, hilft hier nicht weiter, wie er uns doch die Unbedingtheit unserer ethischen Verpflichtung gerade durch ein über allen Zweifeln erhabenes Unbedingtes, Absolutes beweisen möchte.

Schon die Sophisten im alten Griechenland wussten: selbst wenn ein Absolutes existierte, könnten wir es mit unserem von so vielen Bedingtheiten abhängigen Erkenntnisapparat nicht erkennen. Und selbst die Scholastik des Mittelalters predigte ständig gegen die gnostischen. Gott total erkennen wollenden, sich ihrer substantiellen Teilhaftigkeit an ihm hochmütig rühmenden Sektierer an, indem sie betonte, Gott könne alleine durch Gott erkannt werden. Alles andere sei Hybris des sich nicht in seine kontigente und relative Rolle einfügen wollenden, erbsündigen Menschen.

Küng hängt also mit seiner apodiktisch vorgetragenen These unseres absoluten Verpflichten seins durch ein Absolutes völlig in der Luft, weil der Mensch ein Absolutes, Unbedingtes nicht zweifelsfrei erkennen kann, somit auch gar nicht weiß, ob es ein solches überhaupt gibt. Er kann sich immer nur relativ verpflichtet fühlen: gegenüber Menschen, Natur, Tieren, Pflanzen, Landschaften etc. Selbst Gott kann er nur als etwas relatives sowohl in bezug auf dessen Existenz wie Essenz erkennen. Haben wir doch immer nur, wie wir spätestens seit Ludwig Feuerbach exakt wissen, Bilder, Begriffe, Projektionen Gottes, nicht diesen selbst, wenn es ihn denn geben sollte.

Die Naturwissenschaft macht den Gott der Religionen überflüssig.


Das unheilige Buch
Das unheilige Buch
von Erich von Däniken
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wirklich sehr Schade, denn gerade betreffend dieser Thematik wäre allzu viel mehr möglich gewesen, 6. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Das unheilige Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich mag Erich von Däniken sehr gerne, konnte Ihn überdies auch schon persönlich kennenlernen und bewundere Ihn zugleich auch ein Stück- weit, denn jenes welches er geschafft hat, muss Ihm erst einmal jemand nachmachen. Er ist auch privat von dieser seiner Theorie, Idee und vielem mehr, was da mit hinein- fließt, regelrecht überzeugt und lebt es aus. Doch umso verwunderter und enttäuschter bin ich so doch über seine hier bei Amazon vorliegende 5-teilige Buch-Reihe, von welcher es übrigens noch drei DVD`s mit viel Material drauf gibt. Die anderen vier Bücher waren schon - und dies war in der Tat äußerst überraschend - sehr lieblos zusammen gestoppelt, und vom Inhalt her ergab sich doch nichts neues, also sprich: enttäuschend. Es sind nur Auffrischungen vom alten her. Ich denke, das man dies als solchen -Tatbestand - definieren kann. Zugleich ist der Buchtitel unsinnig, denn was bitte ist schon unheilig? Hierzu müsste man erst einmal klarmachen, was das Wort heilig impliziert!...

Das die zu aller erst einmal auf dem kleinen Planeten Erde (den wir nur bewohnen) monotheistischen Religionen, in der Tat: nicht stimmig und überhaupt kaum ernst zunehmen sind, müsste jedem überdeutlich sein. Außer es sei, das Er oder Sie immer noch einer unfassbaren Indoktrinierung unterliegen; denn mit vergleichender Religionswissenschaft oder dem sich daraus herableitenden Synkretismus, haben sich die wehrten Gläubigen nie vollständig beschäftigt, und selbst wenn so doch, dann freilich sicherlich nur unvollständig. Darin wird sowieso selektiert, das es einem wie fremdschämen vorkommen muss.

Warum macht der Verlag das, oder weswegen nimmt EVD keine Stellung hierzu ein? Letzlich kommt dabei die legitime Fragestellung mit auf, welche Beweggründe dahinter stecken. Zumal dies alles für mich als - Fan von ihm -, eine kleine Enttäuschung darstellt. Denn und so sei gefragt, ja wieso gibt es z.B. keine - wirkliche und inhaltliche Auseinandersetzung, konkret also eine Tatsachen-begründung, die ja als solches definitiv auch möglich erscheint (!), gerade und vor allem aufgrund dieser wichtigen Thematik, die vorgibt besprochen und erklärt zu werden. - Das hier hat doch alles einen Grund.

Zumal Er in diversen Interviews zugab, die - zumindest - letzten Bücher, nicht mehr selbst geschrieben zu haben; schon bei seinem seinem (angeblichen) großen Vermächtnis gab es inhaltliche Enttäuschungen, wie ich (subjektiv) leider feststellen musste; aber andersherum muss hierbei die zusätzlich weitere angeschlossene Fragestellung erlaubt sein, ob der Prä-Astronautik (Paläo-Seti-Theorie) die Ideen ausgehen? Nein, dies wahrlich nicht; denn das können am besten all jene einschätzen (sowie eingehend bewerten) welche sich akribisch mit der hier zu besprechenden Thematik (die weitreichende Implikationen mit sich bringt) beschäftigten

Aber das Marketing hat sich bei ihm (so meine Empfindung) verändert, und letztgültig geht dies - so schade es ist - doch gesamt betrachtet auf Kosten der meinigen Zufriedenheit (jedenfalls), also der des Wohlgefallens, und stößt dagegen auf Unverständnis sowie auf Kosten des allgemeinen Interesses. Frage: braucht der gute Erich von Däniken Geld? Ich finde diese Buchreihe UNSERIÖS. Versteht mich nicht Falsch, ich bin keine Feindin der Paläo-SETI-Theorie, denn so empfinde Ich jene Thematik rund um die Außerirdischen, spannend, wie es überdies Spaß bereitet sich damit immer wieder auseinanderzusetzen, doch das alles hier dient lediglich dazu - um Geld zu scheffeln. Genau wie die Ancient Aliens Serie, denn einem jedem Religionswissenschaftler/in sträuben sich die Nagenhaare, was mancherlei Mutmaßung anbetrifft.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20