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Rezensionen verfasst von
Karolina

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Frühlingsluft: Roman
Frühlingsluft: Roman
von Georgette Heyer
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Heyer nach Schema F, 16. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Frühlingsluft: Roman (Taschenbuch)
Nicht das beste Buch von Georgette Heyer. Das Buch ist etwas nach Schema F aufgebaut - ein nicht mehr ganz junger, zutiefst sympathischer und kluger Gentleman, eine unscheinbare, an der Schwelle zur alten Jungfer stehende Frau mit Hausverstand, ein lebhaftes junges Mädchen, das gegen alle Konventionen verstößt und ein junger Bursche, der sich dem Mädchen gegenüber wie ein Bruder verhält. Dazu verschiedene mehr oder weniger unsympathische Familienmitglieder, einige romantische Verwicklungen und am Ende die wahre Liebe.
Heyer setzt das wie immer sehr schön in Szene. Die Dialoge sind wirklich witzig, aber die Story ist vorhersehbar. Und die beiden weiblichen Figuren sind nicht ganz rund: Hester wirkt etwas zimperlich und ehrlich gesagt ein bißchen doof und Amandas phantastische Geschichten sind eher blöd, als geistreich. Daneben gibt es aber nette Karikaturen in Nebenfiguren, die viel Spaß machen. Insgesamt ein wie immer nett zu lesendes Buch, aber bestimmt nicht eines der besten von Heyer!


Eine treue Frau: Roman
Eine treue Frau: Roman
von Jane Gardam
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

3.0 von 5 Sternen Ein konventionelles Leben, 16. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Eine treue Frau: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der zweite Teil der Romantrilogie von Gardam über das Ende der Kolonialzeit dreht sich um Betty Feathers. Er ist nicht ganz so mitreißend wie der erste Teil, ergänzt das Gesamtbild aber sehr schön.
Der Roman setzt mit der Verlobung von Betty und Edward ein und führt wie der erste Teil bis zum Tod von Edward. Er schildert, wie aus der lebenslustigen, unkonventionellen jungen Frau die ziemlich konventionelle Gattin eines hohen Juristen in Hongkong wird. Eine Frau bei der man immer das Gefühl hat, dass sie eigentlich etwas anderes will. Im Laufe der Zeit lässt sie aber alle Gelegenheiten, das Leben etwas mehr in Richtung ihrer Vorstellung zu entwickeln, vorbei gehen. Und scheint zu einem Anhängsel ihres Mannes zu werden.
Gardam ist eine hervorragende Schriftstellerin, die ihren Stil hervorragend der Geschichte und den Figuren anpassen kann. Während sie im "Untadeligen Gentleman" die Geschichte in Zeitsprüngen und sehr unterschiedlich langen Episoden erzählt ist diese Buch völlig chronologisch, in kurzen, übersichtlichen Kapiteln aufgebaut. Genauso wie Edward seine Erinnerung in Brocken wieder findet, während Betty einfach ihr Leben in überschaubaren Episoden, in einem ruhigen Fluss verbringt. In der Gesamtschau ist das sehr eindrucksvoll, aber das Buch selber wird dadurch eben auch sehr ruhig. Und die Hauptfigur Betty nervt ein wenig. Entweder ist sie zu inaktiv, um ihre Wünsche umzusetzen oder ihre vermutlich vorhandenen Sehnsüchte sind eben doch nicht so intensiv.


Von Geist und Geistern: Autobiografie
Von Geist und Geistern: Autobiografie
von Hilary Mantel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Das Werden einer Persönlichkeit, 3. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Hilary Mantel erzählt in diesem autobiographischen Buch ihre Kindheit und Jugend und ihre Krankengeschichte. Die drei Teile des Lebens, die sie offenbar zu der Persönlichkeit gemacht haben, die man jetzt als hervorragende Schriftstellerin kennt. Die Autorin nutzt auch hier ihr wunderbares Talent für Sprache und Rhythmus, um ihr Leben literarisch in den Griff zu bekommen. Es ist keine echte Autobiographie, denn sie schildert nicht wirklich ihr Leben und ihren Werdegang. Mantel beschränkt sich auf die Teile, die formend für sie als Person waren.
Das ist die Kindheit, die von kleinbürgerlichen, finanziell engen Verhältnissen geprägt ist und der Tatsache, dass ihre Mutter gegen alle damaligen Moralvorstellungen verstößt, indem sie sich von ihrem Ehemann trennt und mit einem anderen Mann zusammenlebt. Das ist die Jugend, in der schon früh Krankheit, aber auch die Liebe zu Büchern Einzug halten. Und das ist natürlich ihre Krankheitsgeschichte, die sich immer wieder in ihr Leben drängt, es bedroht und sie in Richtungen zwingt, die sich nicht selber wählen würde, die sie aber annimmt. Hinzu kommen die Verbindung und die Begegnungen mit Geistern, die für die Autorin sehr selbstverständlich zum Leben gehören.
Hilary Mantel erzählt das alles sehr eindrucksvoll, lebendig und reflektiert. Vor allem die Kindheit schildert sie sehr lebendig und eindrucksvoll, aber auch selbst reflektiert und kommentiert. Die merkwürdig versponnene Atmosphäre, die Kindheit oft umgibt, wird erlebbar. Auch die Hilflosigkeit und die Unklarheit, die Kinder empfinden, weil sie nicht alles verstehen, was um sie herum passiert, wird sehr deutlich. Das langsame Einbrechen der Krankheit ist auch deutlich erlebbar. Die Teile über die Krankheit fallen nach meinem Empfinden dagegen etwas ab. Zwar sind die Schilderungen eindrucksvoll, aber es fehlt ein wenig die Reflexionsebene, die die Kindheit und Jugend so deutlich von einer reinen Schilderung abhebt. Mein Eindruck ist, dass Hilary Mantel in ihrer Selbstreflexion mit der Kindheit sozusagen abgeschlossen hat. Sie ist mit dem Kind, das sie war, im reinen, sie hat als Erwachsene mit ihrem jüngeren Ich zwar Verbindung, aber sie steht diesem Ich gegenüber mit einer klaren Einschätzung und Einstellung dazu. Mit der Erwachsenen, die soviel Leid ertragen musste, ist das noch nicht der Fall. Hier gibt es noch Reflexionsbedarf und es gibt noch keine klare Einordnung in die Biographie. Deshalb hat dieser Teil manchmal Anflüge von Bekenntnisliteratur, in der Krankheitsopfer ihr "Ich habe überlebt"-Geschichte ausschlachten, z.B. wenn sie sich über die Änderungen ihrer Figur auslässt. Das ist nicht oft der Fall und auch literarisch gut gemacht, aber es hat mich etwas gestört.
Trotzdem sehr empfehlenswert! Für Fans von Mantel natürlich schon deshalb, weil man mehr über die Schriftstellerin erfährt. Aber auch für alle anderen, da man eine faszinierende Frau kennen lernt.


Ungläubiges Staunen: Über das Christentum
Ungläubiges Staunen: Über das Christentum
von Navid Kermani
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Erbauungsliteratur der nichtssagenden Art, 22. Juni 2016
Warum dieses Buch so gelobt wird, ist mir nicht klar. Natürlich stehen momentan aller Bücher, die Harmonie zwischen Islam und Christentum darstellen, hoch im Kurs. Und ein Muslim, der christliche Kunst lobt, ist ein Traum für weltoffene, spirituell interessierte Bildungsbürger. Aber dieses Buch ist nicht gut, es ist ein Erbauungsbuch der schlimmeren Sorte - ohne echten Tiefgang und echtes Fundament, weder theologisch noch kunsthistorisch.
Kermani nimmt sich eine Reihe christlicher Kunstwerke aus verschiedenen Epochen vor, willkürlich ausgewählt, was erstmal kein Problem ist. Aber er macht nicht wirklich was daraus. Seine Betrachtungen sind weder an einer theologischen oder religionsgeschichtlichen Auseinandersetzung interessiert, obwohl viele Kunstwerke dazu einladen, z.B. die Frage, warum im Kölner Dom es seit kurzer Zeit ein Fenster gibt, das eher dem Bilderverbot des Islam zu entstammen scheint, als der lebendigen Bildwelt der katholischen Kirche. Noch geht er in eine auf kunstwissenschaftlicher Basis aufbauende Analyse. Nein, es sind Schwärmereien, die der Autor beschreibt und mit hübschen Bildungshäppchen garniert. Wenn man diese Bildungsgarnitur wegnimmt, bleibt etwas in der Art von "Hach, ist das nicht wahnsinnig spirituell berührend!"
Leider interessieren mich solche Schwärmereien nicht, sondern nerven mich nur. Und ich finde es ist eine Verschwendung von Geisteskraft, sich damit zu beschäftigen. Am meisten ärgere ich mich aber darüber, dass solche Bücher dem Missverständnis Vorschub leisten, Religion sei ein hübsche Empfindung für ein angenehmes Leben, die aber natürlich jederzeit auch anders gesehen werden kann. Das ist sie nicht - Glaube bedeutet jederzeit eine klare Entscheidung, die umgesetzt werden muss, manchmal auch gegen die große Mehrheit.


Terror: Ein Theaterstück und eine Rede
Terror: Ein Theaterstück und eine Rede
von Ferdinand von Schirach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,00

4.0 von 5 Sternen Lehrstück im besten Sinn, 22. Juni 2016
Das Buch ist ein schöner Beitrag zur Debatte um die Terrorbekämpfung, der den Leser in eine aktive Rolle und zu einer Entscheidung zwingt. Ein Buch, dass schon deshalb empfehlenswert ist, weil damit das eigene Gehirn und die eigenen Werte klar werden.
Schirach wählt eine Gerichtsverhandlung als Ausganspunkt für eine einfache Versuchsanordnung. Verhandelt wird die Frage, ob man ein Flugzeug mit 160 oder 170 Leuten abschießen darf, um dadurch eine großen Anschlag, der u.U. mehreren 1000 Menschen das Leben kosten würde, abschießen darf. Die Argumente dafür und dagegen werden vorgetragen und am Ende wird der Leser (oder im Theater der Zuschauer) zum Urteil aufgefordert.
Der Fall ist natürlich etwas konstruiert, so dass das Stück eben nicht zu einem wirklichen Theaterstück wird, sondern ein Lehrstück bleibt. Aber das ist hervorragend konstruiert und führt den Leser zu großer Erkenntnis., sowohl was die eigene Einstellung betrifft aber auch das Verständnis für die andere Seite. Für mich war die Entscheidung für die Verurteilung aufgrund der Rechtslage sehr klar, aber mir ist klar, dass man das auch anders sehen kann.
Schirach schließt eine Rede zu einer Preisverleihung für Charlie Hebedo an, die gut zu dem Thema passt und ebenso fundiert wie interessant zu lesen ist.


Die Jungfrau von Orleans von Schiller Friedrich (1973) Broschiert
Die Jungfrau von Orleans von Schiller Friedrich (1973) Broschiert

4.0 von 5 Sternen Klassischer Pathos, 22. Juni 2016
Schillers Stück ist gut zu lesen und interessant, allerdings durchaus etwas aus der Zeit gefallen.
Schiller bringt die Geschichte der Johanna von Orleans als pathetisches Stück auf die Bühne. Er weicht dabei von der tatsächlichen Geschichte deutlich ab, vor allem am Ende: Er läßt die Jungfrau im Kampf sterben, rein gewaschen von den Hexereivorwürfen. Das Ende braucht Schiller, da er diese Frau als nur vom Auftrag Gottes bzw. der Gottesmutter getriebene Figur darstellt. Sie hat weder persönliches noch wirklich nationales Interesse am König von Frankreich, sie ist nicht politisch oder auf Ruhm aus. Aber sie hat einen Auftrag und den zieht sie ohne rechts und links sehen. Das Glück verlässt sie, als persönliche Gefühle, die Liebe zu einem feindlichen Offizier, ihr in die Quere kommen - und es kommt wieder, als sie sich wieder auf ihren wahren Auftrag besinnt.
Die Geschichte erzählt Schiller durchaus lebendig und mitreißend. Sie wird aber getragen von den Monologen der Jungfrau, die die Handlung immer wieder kurz anhalten und die Tiefe der Empfindung die Hauptfigur darstellen. Diese absolute Haltung ist nur schwer nachvollziehbar. Sie ist vermutlich zu einem Gutteil der Zeit der Entstehung geschuldet. Im Gegensatz zu anderen Schiller-Stücken, z.B. Mario Stuart, gibt es hier keine Verhandlung eines grundsätzlichen Problems oder eines Gewissenskonflikts. Damit fehlt auch die Möglichkeit der Verankerung in der Gegenwart.


Ein untadeliger Mann: Roman
Ein untadeliger Mann: Roman
von Jane Gardam
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

5.0 von 5 Sternen Eine Geschichte aus einem unbekannte Kapitel der Kolonialgeschichte, 18. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Roman von Jane Gardam stellt ein zumindest in Deutschland eher unbekanntes Kapitel des englischen Kolonialismus meisterhaft vor, nämlich die sogenannten Raj-Waisen.
Der Roman stellt Old Filth, eigentlich Sir Edward Feathers in den Mittelpunkt und erzählt in Rückblenden dessen Kindheit und Jugend. Dabei wird ein Stück der englischen Geschichte der Zwischenkriegszeit und der Kriegs- und Nachkriegsjahre eindrucksvoll dargestellt. Edward ist wie seine Cousinen eine Raj-Waise. So wurden die Kinder der englischen Kolonialbeamten in Asien genannt, die im Vorschulalter, mit vier oder fünf Jahren in die Heimat geschickt wurden, wo sie zunächst bei Pflegeeltern lebten, um später dann in Internaten die Schulzeit und das Studium zu absolvieren. Die lange Reisezeit auf Schiffen war der Grund, dass diese Kinder über Jahre und manchmal Jahrzehnte hinweg ihre Eltern nicht sahen und den Pflegeeltern und Schulleitern schutzlos ausgeliefert waren. Gardam schildert her einen besonders grausamen Fall, den die Pflegemutter Edwards und der beiden Mädchen ist schlicht sadistisch und die Familie, auch die in England lebende kümmert sich praktisch nicht um die Kinder. Der Roman setzt nach dem Tod von Edwards Ehefrau ein und stellt ihn als älteren, sehr korrekten und etwas spröden Herrn vor. Der Tod von Betty aber schneidet alte Narben auf und daraus quellen die Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an Quälereien, Enttäuschungen und Krankheit, aber auch an Freundschaft und Erfolg. Die Tragödien dieser Kinder verbinden sich mit den rasanten Entwicklungen der Geschichte, die aus dem noch im viktorianischen Empire festhängenden Land die Nation machen, die wir heute kennen.
Gardam schreibt diese sehr persönliche Geschichte in den verschieden langen Bruchstücken der Erinnerung Old Filth. Er scheint selbst verwundert zu sein, welche Geschichte in ihm ist und wie sie ihn beeinflußt hat und auch im hohen Alter noch immer treibt. Ein unaufgeregter Stil, dem stoischen Wesen des Helden angemessen, der ganz subjektiv dieses Leben beschreibt und manchmal analysiert zeichnet die Autorin aus. Ihr großes Können zeigt sich auch daran, dass diese verschachtelte Darstellung mit vielen Sprüngen nicht gekünstelt wirkt. Und dass die geschichtliche Lektion, die auch im Buch verborgen ist, ganz nebenbei und ohne Zwang dem Leser nahe gebracht wird. Ein gutes Buch für alle Leser, die sich für Menschen und britische Geschichte interessieren.


Tess of the D'Urbervilles (Penguin Classics)
Tess of the D'Urbervilles (Penguin Classics)
von Tim Dolin
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,49

4.0 von 5 Sternen Passive Heldin in Zeiten des Umbruchs, 11. Juni 2016
Hardys Buch im Original zu lesen, ist anstrengend, wenn man nicht exzellent Englisch beherrscht. Aber die Story und vor allem die atmosphärischen Schilderungen entschädigen für diese Anstrengung.
Die Geschichte verfolgt Tess Durbeyfield von ihrer Jugend bis zu ihrer Hinrichtung. Tess wird durch unglückliche Umstände zu einem "gefallenen Mädchen", sie bekommt ein uneheliches Kind, das allerdings noch als Baby stirbt. Als sie sich einige Zeit später in einen moralischen Mann, der gesellschaftlich über ihr steht, verliebt, wagt sie nicht, ihrem Bräutigam die Wahrheit zu gestehen. Als sie es nach der Hochzeit beichtet, verurteilt er sie und verlässt sie. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich nach langem Zögern wieder dem Vater des Kindes zu. Die Dreiecksgeschichte endet tragisch, als ihr Ehemann zu ihr zurückkehrt und sie deshalb ihren Liebhaber ermordet. Nach einigen glücklichen Tagen auf der Flucht wird sie gefangen genommen und hingerichtet.
Die Geschichte ist anrührend und mitreißend. Aber die Heldin ist auf merkwürdige Weise passiv. Die Geschichte spielt Ende des 19. Jhd. Und der Heldin merkt man diese Zeitenwende an. Sie ist bereits nicht mehr in der alten Vorstellung gefangen, dass Leben vom Schicksal oder Gott bestimmt ist und Glück und Unglück nicht vom eigenen Willen und dem eigenen Verhalten abhängig sind. Dass ein Art Recht auf persönliches Glück besteht und dem nicht merkwürdige Moralvorstellung im Weg stehen sollten, erkennt sie - und sie erkennt, dass sie das Unglück , das sie trifft, nicht verdient hat. Aber sie kann dieses Wissen (noch) nicht in ein aktives Tun umsetzen. Vielmehr überlässt sie sich der Entscheidung anderer oder nimmt hin, was kommt. Weder setzt sie sich gegenüber Alec d'Ubervilles, ihrem libertären LIebhaber, aktiv für sich oder ihr Kind ein noch erzählt sie von sich aus ihrem geliebten Angel Clare von ihrer Vergangenheit, so dass die Chance bestünde, das Verhängnis abzuwenden. Sie kämpft nicht energisch für ihre Ehe und gegen die scheinheilige Verurteilung durch ihren Mann, nicht einmal als er im Traum seine wahre Liebe offenbart. Auch die Rückkehr zu Alec ist keine echte Entscheidung, sondern eher ein Dulden nach langer Verzweiflung. Sie wird nur zweimal wirklich aktiv: als sie darauf besteht, dass ihr Kind ein Grab im Friedhof der Kirchgemeinde bekommt und als sie Alec umbringt. Es braucht die absolute Verzweiflung, um sie zu einer echten Aktivität zu bringen. In dieser merkwürdigen Passivität steht sie noch auf der Seite der alten Zeit. Leider weiß sie aber, dass es eigentlich anders sein könnte. Damit wird sie zur tragischen Heldin.
Die Heldin hat mir manchmal das Buch verleidet, weil man denkt: Nun mach doch was! Aber Hardy schildert die Psychologie Tess sehr feinfühlig und genau. Und vor allem setzt er sie meisterhaft mit der südenglischen Landschaft in Beziehung. Der jahreszeitliche Kreislauf der Landwirtschaft mit all den Mühen für die Bevölkerung wird sehr anschaulich dargestellt. Er ist nicht nur Hintergrund für die Geschichte, sondern ist ein Teil von ihr, der Tess Geschichte immer wieder beeinflußt. Daneben stellt Hardy auch die gesellschaftlichen Entwicklungen sehr anschaulich und durchaus kritisch dar. Die Doppelmoral der höheren Gesellschaft, personifiziert in den Brüdern Clare und die wirtschaftlichen Umstände, die die ländliche Gesellschaft (aus Sicht Hardys) negativ beeinflussen spannen den Rahmen für die Geschichte auf. Hardy schildert das wortgewaltig, mit viel Tiefgang und Liebe zum Detail. Er verwendet keine Alltagssprache, sondern durchdachte und bewußt eingesetzte Formulierungen.
Deshalb ist mir die Lektüre auch manchmal schwer gefallen, da Wortschatz und Grammatik nicht unbedingt geläufig sind und das Buch häufig die Handlung nicht aktiv nach vorn treibt. Trotzdem ein interessantes, fesselndes Buch, das sowohl literarisch als auch geschichtlich sehr empfehlenswert ist.


Das Nibelungenlied (Reclams Universal-Bibliothek)
Das Nibelungenlied (Reclams Universal-Bibliothek)
von Bernhard Sowinski
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

4.0 von 5 Sternen Game of thrones am Rhein und an der Donau, 26. Mai 2016
Dieses Buch ist für alle empfehlenswert, die einerseits Mittelalter-Fantasy-Epen liegen, aber trotzdem Bildung und Kultur nachweisen müssen.
Die Story ist ja in groben Zügen allgemein bekannt. Der junge Held Siegfried, die große Liebe zwischen ihm und Kriemhild, der Verrat Hagens und der gewalttätige Rachefeldzug Kriemhilds, den am Ende niemand der direkten Beteiligten überlebt. So einfach die Geschichte auch eigentlich ist, so lebendig stellt sie die absichtlichen Intrigen und unabsichtlichen Verstrickungen und die brodelnden Gefühle dar. Die Erzählung packt den Leser und man fiebert mit den Helden mit, auch wenn man das Ende kennt. Vor allem der letzte Teil, als die Burgunden an Etzels Hof angegriffen und in ihrer Unterkunft belagert werden, hat filmische Qualitäten. Die wiederholten Angriffe, die vergeblichen Versuche dazwischen doch noch Frieden zu stiften, die verzweifelte Ruhe zwischen den Kämpfen und die stärker werdende Gewissheit, dass hier keiner raus kommt, aber die Männer wenigstens soviel Feinde wie möglich mitnehmen wollen - das führt mit den brutalen Kampfszenen zu Bildern wie aus Game of thrones oder Herr der Ringe. Und es macht Spaß, es zu lesen, auch wenn die Story manchmal Löcher hat oder die Figuren etwas eindimensional geraten.
Ein bißchen Wasser in den Wein gießt die Sprache. Man merkt, dass die ursprüngliche Form dieses Epos eine mündliche Überlieferung war. Die manchmal kruden Reime (die vermutlich teilweise auch der Übersetzung geschuldet sind) und die wiederkehrenden Formulierungen z.B. bei der Beschreibung von Kleidern oder Festlichkeiten schränken das Vergnügen ein bißchen ein. Sie sind sicher Überreste der mündlichen Weitergabe, da Reime oder Wiederholungen das Auswendiglernen erleichtern.
Trotzdem ist dieser Klassiker der deutschen Literatur gut zu lesen - und man hat den Vorteil damit angegeben zu können.


Palermo Connection: Serena Vitale ermittelt
Palermo Connection: Serena Vitale ermittelt
von Petra Reski
  Broschiert
Preis: EUR 10,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine Kette von Klischees als Krimi verkleidet, 21. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein schlechter Krimi, der vor allem Klischees bestätigt, aber nur wenig Spannung aufbaut.
Petra Reski verspricht einen Mafia-Krimi mit einer sizilianischen Staatsanwältin als Ermittlerin und einem deutschen Journalisten. Klingt gaz spannend! Leider gibt es wenig Krimihandlung, die praktisch keine Spannung hat. Die Figuren sind aus Klischees zusammengesetzt: Elegante Italienerin im furchtlosen Kampf gegen Mafia und Institutionen mit leichten sexuellen Extremen, windiger Midlifecrisis-Mann als Journalist auf der Jagd nach Sensationen, schmieriger Fotograf mit Amigos bei Mafia und Polizei, dazu korrupte Politiker und Ermittler, Mafiabosse und -aussteiger wie aus der Vorratskammer für Mafiakrimis. Zudem bestätigt Frau Reski alle Vorurteile gegen die Presse und gegen Italien, die man sich vorstellen kann, ohne sie auch nur einmal in Frage zu stellen. Die Figuren werden nie lebendig, weil die Autorin ihnen keinen echten Charakter gönnt, sondern nur Abziehbilder. Geschrieben ist das Buch in einer unauffälligen, fast langweiligen Sprache, die jedenfalls keinerlei Interesse erweckt. Dazu sind Szenen und auch einige Figuren ohne Zusammenhang aneinander geklebt. Und das ganze wird weder durch Humor noch durch spannende Wendungen aufgepeppt.
Deshalb ist das Buch meiner Meinung aus keiner Perspektive empfehlenswert - keine Spannung, keine Charaktere und keine interessante Sprache!


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