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Perfect Escape: Roman
Perfect Escape: Roman
von Jennifer Brown
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschwisterbande, 20. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Perfect Escape: Roman (Taschenbuch)
">>Glimmer hat glatte Bruchkanten. Wenn man so einen Stein zerbricht und die beiden Teile aneinanderhält, dann passen sie perfekt zusammen.<<
>>So ähnlich wie wir<<, flüsterte ich, ohne richtig zu merken, dass ich den Gedanken laut aussprach. Meine Schulter berührte die von meinem Bruder.
>>Zerbrochen und ziemlich kaputt, aber nicht zerstört.<<"

["Perfect Escape" | Jennifer Brown | S. 359]

******************************************************
Spätestens als ich damals die letzte Seite von "Bitter Love" (REZENSION) zuschlug und sowohl atem- als auch fassungslos und mit einem Gefühlswirrwarr im Herzen da saß, war klar: Auch der nächste Jennifer Brown würde wieder in meinem Buchregal landen müssen! Denn was Jennifer Brown mit Sprache, Bildern und Charakteren anstellte, wühlt auf, beeindruckt zutiefst und bleibt lange Zeit im Gedächtnis hängen, so viel stand damals bereits fest. Insofern war es nicht weiter verwunderlich und lediglich eine Frage der Zeit, bis ich mich mit der wohl schönsten Freude überhaupt - der Vorfreude - an ihr neustes Werk "Perfect Escape" wagen würde.

Das Erste, was auffällt: Jennifer Browns Schreibstil ist so geblieben, wie er mir von "Bitter Love" in Erinnerung gewesen ist. Schlicht, ungekünstelt, natürlich. Einfache Sätze, die zur jugendlichen Protagonistin und Ich-Erzählerin Kendra passen und dennoch ab und zu den Vorschlaghammer herausholen und einmal kräftig und mitten auf das Leserherz schlagen. Ohnehin durfte ich wieder einmal feststellen, dass in Jennifer Browns Werken stets eine Brise Melancholie in der Luft liegt - eine, die zwar nicht auf die Tränendrüse drückt, mich jedoch schwer aufseufzen lässt. Diese beschwerliche Grundstimmung, zu der sicherlich auch die Zwangsneurose von Kendras Bruder Grayson seinen Teil beiträgt, ist gespickt von unheimlich vielen aufbrausenden, hellen Momenten der Freude, die Kendra und Grayson auf ihrem Roadtrip erleben und die Gefühlswelt des Lesers in eine chaosgleiche Achterbahnfahrt versetzen.

Es scheint ganz so, als würde sich Jennifer Browns Stimme über die Seiten hinweg an ihre Leser richten und sagen: "Das ist ein kleiner Splitter und Bruchteil dessen, wie sich die Probleme auf unserer Welt auf jeden Einzelnen von uns auswirken können. Das ist das Leben - voller Ungerechtigkeit, Sorgen und Ängste, vor denen zu fliehen kein Roadtrip der Welt - und wenn er noch so lange sein mag - möglich machen kann. Flucht ist kein Ventil für Angst und das Leben wird ungerecht und schwierig bleiben, auch wenn du es durch die Frontscheibe deines Autos erlebst und in den entferntesten Bundeststaat reist. Aber, hey - es ist okay! Auch in schwierigen Situationen, unter schwierigen Umständen und Verhältnissen finden sich kostbare Lichtmomente."

Was ich an der Art und Weise, wie Jennifer Brown eben genannte Botschaft transportiert, in besonderem Maße interessant fand, war, dass über die Seiten von "Perfect Escape" hinweg klar wird, dass nicht nur Kendras Bruder Grayson derjenige mit den Problemen ist. Auch Kendras Charakter birgt seine Schattenseiten, auch sie hat Makel, die sich zwar nicht physisch dank einer Zwangsneurose wie bei ihrem Bruder äußern, sondern anderweitig zu Tage treten. Zwar verspürt sie nicht bei dem leisesten Anflug von Angstzuständen oder unangenehmen Situationen das Bedürfnis, bis in die Unendlichkeit vor sich hin zu zählen, loszuschreien oder Steine in Steinbrüchen zu studieren (wie das bei Grayson der Fall ist), jedoch muss auch sie mit ihren ganz eigenen, persönlichen Ängsten und Schwächen kämpfen. Und wahrscheinlich war und ist es ganu das, was Kendra zu dem machte, was ihr Bruder Grayson von Anfang an in meinen Augen war: Authentisch, menschlich und - ja! - manches Mal armselig, beschämend und vielleicht mitleiderregend, aber dadurch umso glaubhafter und ebenso fehlerhaft wie auch wir es sind.

Dabei rückt die gesamte Zeit über entgegen meiner Erwartung - und trotz der Tatsache, dass dies im Klappentext angedeutet wird - weder das Thema Liebe noch Freundschaft in den Vordergrund. Im Gegenteil, Kendras ehemals beste Freundin, die vor Jahren in den entfernten Bundesstaat Kalifornien wegzog, spielt eine sehr geringfügige Rolle. Im Nachhinein erscheint es mir fast so, als wäre es Jennifer Brown gekonnt gelungen, mich bis zum letzten Drittel des Buches gekonnt an der Nase herumzuführen, denn ich hatte eine völlig andere Richtung erwartet, als diejenige, die das Buch letztendlich einschlägt. Zugegeben, mit spannungsgeladenen Ereignissen, die sich geradezu überschlagen und einem den Atem rauben, kann "Perfect Escape" nicht punkten. Vielmehr schlägt es ruhige, zarte Töne an, beherbergt einige Längen und hat nichts Spektakuläres zu bieten - aber erwärmt ab und an das Herz, bedrückt, lässt auflächeln und schenkt den Glauben daran, dass jene Bande zwischen Geschwistern zu den wertvollsten und stärksten überhaupt zählen können.
***************************************************************
"Manchmal muss man gar nicht laut aussprechen, dass man jemanden lieb hat.
Manchmal genügt es, im Schatten dieses Menschen zu stehen und nichts dabei zu finden."

["Perfect Escape | Jennifer Brown | S. 360]

FAZIT:
Eine ruhige Geschichte, die in leisen Tönen von einer Reise erzählt, bei der nicht das Ziel entscheidend ist, sondern der Weg selbst sich als wertvoll und lehrreich erweist. Wer sich die Schilderung eines spektakulären und spannenden Roadtrips erhofft, ist hier wohl an der falschen Adresse. Alle anderen können sich auf eine zarte Geschichte mit einigen wenigen Längen freuen, die von Identität, Ängsten und Zweifeln erzählt, vor allem aber eine Hommage an die kostbaren Banden zwischen Geschwistern zu sein scheint.


Die Luna-Chroniken, Band 1: Wie Monde so silbern - E-Book inklusive
Die Luna-Chroniken, Band 1: Wie Monde so silbern - E-Book inklusive
von Marissa Meyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Viel mehr als ein bloßer Märchen-Abklatsch!, 1. Januar 2014
">>Aber es gibt ungefähr zweihunderttausend Mädchen in dieser Stadt, die sich ein Bein ausreißen würden, dich zu begleiten.<<
[...] Sie sah ihn an. Als sie die Verletzlichkeit in seinen braunen Augen bemerkte, brach ihre Verteidigungsmauer zusammen.[...]
>>Zweihunderttausend Mädchen<<, sagte er. >>Und was ist mit dir?<< "

["Wie Monde so silbern | Marissa Meyer | Seite 221f.]

**********************

Mein Märchenherz schlug höher, als ich "Wie Monde so silbern" endlich in Händen halten konnte. Auch wenn es nichts gänzlich Ungewöhnliches ist, wenn Autoren zu den Stoffen alter Sagen und Märchen greifen, um eine eigene Geschichte zu erzählen, hatte ich dennoch die - zwar von leichter Skepsis durchtränkte - Hoffnung und Ahnung, es hier mit viel mehr als einer bloßen Rezeption des Cinderella-Märchens zu tun zu bekommen. Glücklicherweise behielt ich damit recht.

Ohne Rücksicht auf mögliche Verständnis- oder Eingewöhnungsschwierigkeiten schmeißt Marissa Meyer ihre Leser regelrecht in Ort und Zeit des Geschehens hinein. Obwohl es nicht lange dauerte, bis ich mitbekam, dass diese in unbekannter Zukunft spielende Welt, in der im Übrigen sogar von einem vergangenem vierten Weltkrieg gesprochen wird, sich wohl maßgeblich von der unserer entscheidet, hingen zugegebenermaßen dennoch zu Anfang kleine, imaginäre Fragezeichen über meinem Kopf. Begriffe wie "Cyborg", "Netscreen", "Portscreen", "Androiden" und viele mehr sind Standardbegriffe, mit denen der Leser von der ersten Seite an konfrontiert wird. Doch wider Erwartens wurde ich nicht gezwungen, die ersten und darauffolgenden Seiten mit einem verständnislosen Stirnrunzeln lesen zu müssen: Raffiniert und äußerst geschickt fühlt man sich dieser Welt, die einem zu Beginn noch völlig fremd erschien, in Windeseile vertraut. Die Bedeutung hinter Begriffe, die noch zu Anfang den Lesefluss störten, werden bald immer klarer und schließlich gewöhnlich.

Begleiter in dieses neue Zeitalter ist ein durchweg angenehmer, einem Jugendbuch gerechten Schreibstil, der sowohl emotionalere, als auch sachliche Töne anschlägt. Dennoch ist Marissa Meyers Schreibstil eher als "schlicht" zu bewerten - nicht ihre Wortwahl, sondern der Inhalt, die kleinen, meist erschreckenden Schlusspointen eines jeden Kapitels veranlassten mich, mitzufiebern.
Wo wir auch schon das richtige Stichwort hätten: "Mitfiebern". Obwohl die Grundzüge der Geschichte - vor allem zu Anfang - leicht bekannt sind und immer wieder offensichtliche, gewollte Parallelen zum Aschenputtel-Märchen auftauchen, verpasst Marissa Meyer mit ihrer neuzeitlichen, Cinderella-ähnlichen Geschichte diesem uralten Märchen die Tiefe, die vielen Märchen oftmals fehlt. Zwar entlockten Stiefschwester Pearl und Stiefmutter Adri mir ab und an dieselben Hassgefühle, die auch Cinder ihnen die meiste Zeit entgegenbringt, jedoch steckt hinter den Rollen dieser beiden viel mehr, als nur die üblichen Märchen-Bösewichte. Pearl und Adri sind und bleiben zwar hauptsächlich die bösen Gegenspieler, jedoch lässt Marissa Meyer versteckt und andeutungsweise Charakterzüge in ihnen aufblitzen, die von gewisser Menschlichkeit zeugen und Stiefschwester und -mutter somit ebenfalls realistische Konturen verleihen, die sich nicht nur auf die übliche Schwarzweißmalerei beschränken.

Die zu erwartende Liebesgeschichte ist überraschend zurückhaltend, keinesfalls märchenhaft-kitschig oder übereilt. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Cinder und Kais Ängste und Hoffnungen, die dem Leser mithilfe abwechselnder personaler Erzähler näher gebracht werden. Dennoch überwiegen die Kapitel, in denen man als imaginärer Begleiter Cinder als Hauptprotagonistin auf ihren Erlebnissen begleitet.
Cinder, die im einen Moment unheimlich feinfühlig, im anderen bereits wieder mutig, stark und standhaft erscheint, die sich nicht in die Reihe der liebestrunkenen, eitlen Mädchen, die auf einen kurzen Blick des Prinzes hoffen, einreiht, ist eine durchweg sympathische Protagonistin, deren Handlungen und Gefühlsregungen für mich stets nachvollziehbar waren. Auch mit ihr hat Marissa Meyer bewiesen, dass hinter den meist flachen, eintönigen Märchenprinzessinnen mehr stecken kann: Cinder ist nicht nur das fleißige, von der Stiefmutter verschmähte Aschenputtel, das von einem Tanz mit dem Prinzen träumt, sondern eine willensstarke, mutige und bewundernswerte Protagonisten, die ihre Macken aufweist und dennoch das Herz am richtigen Fleck trägt.

Während "Wie Monde so silbern" demnach bereits mit seinen Charakteren das allseits bekannte Märchen übertrifft, ist es die Handlung, mit der es sich ähnlich verhält: Vor allem gegen Ende hin überschlagen sich die Ereignisse, die mich teilweise unvorbereitet, teilweise meine Ahnung bestätigend trafen und die diese Geschichte zu mehr als einer bloßen Rezeption werden lassen. "Wie Monde so silbern" schlägt gegen Ende hin eine völlig fremde Richtung ein und ließ mich mit gespanntem Fingerkribbeln, das sofort nach dem nächsten Band lechzte, nach einem Ende zurück, das sich maßgeblich vom üblichen Aschenputtel-Friede-Freude-Eierkuchen-Ende unterscheidet.

FAZIT:
"Wie Monde so silbern" ist so viel mehr als eine bloße Rezeption eines aus Kindertagen bekannten, uralten Märchens: Charaktere, die mehr Tiefe und Menschlichkeit aufweisen, ein Setting, das Realitätsnähe erzeugt, eine Handlung, die das Märchen an Spannungsgeladenheit übertrifft und eine Liebesgeschichte, die glaubwürdiger erscheint und - zumindest im ersten Band - nicht mit einem langweiligen "Und wenn sie nicht gestorben sind..." endet - all das macht dieses Buch zu einem mitreißenden, emotional strapazierenden Erlebnis, das ich unbedingt auf der Stelle mit dem zweiten Band "Wie Blut so rot" wiederholen möchte!


Vergiss den Sommer nicht
Vergiss den Sommer nicht
von Morgan Matson
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Wer das erste Mal an diesem Buch vorbei ging, sollte "eine zweite Chance" auf jeden Fall nutzen!, 6. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Vergiss den Sommer nicht (Taschenbuch)
Aber im Grunde meines Herzens wusste ich, dass es gut so war - dass ich nach so vielen Jahren, in denen ich vor allem weggelaufen war, jetzt endlich auf etwas zuging."
["Vergiss den Sommer nicht"|Morgan Matson|S.469]
*****

"Amy on the summer road" zu lesen war ein phänomenales Erlebnis, das ich auf keinen Fall missen möchte. Schließlich gehört Amy und Rogers Geschichte rund um ihren Roadtrip quer durch die USA zu meinen ganz persönlichen Herzensbüchern und mit ihr wurde unwillkürlich vor einiger Zeit auch Morgan Matson kurzerhand zu meiner unangefochtenen Lieblingsautorin gekürt. Sie schaffte etwas, was mir nicht oft passiert: Um Worte ringend, stammelnd, aber mit leuchtenden Augen von einer Geschichte zu erzählen, die mich umhauen konnte, bei der mich tragischerweise jedoch das Gefühl nicht loswird, dass ich keine Worte finden werde, um meinem wunderbaren Leseerlebnis gerecht zu werden. Wieder einmal sitze ich nun sprachlos hier und starte den mühevollen Versuch, passende Worte zu Morgan Matsons unzähligen Worten zu finden, die mich berührt zurücklassen konnten.

Morgan Matsons Schreibstil bewirkte sofort, dass ich mich pudelwohl und in die wundervolle Lesezeit von "Amy on the summer road" zurückversetzt fühlte. Da war sie wieder, diese ungezwungene Leichtigkeit, diese spezielle Morgan-Matson-Note, die während des Lesens "in der Luft liegt" und die einem zu sagen scheint, nun wirklich aufmerksam lauschen zu müssen, da wir es hier mit jemandem zu tun haben, der eine Geschichte zu erzählen hat, die interessant werden könnte. Miss Matson scheint dabei immer die richtigen Worte zu treffen, die - wie zuvor auch schon in "Amy on the summer road" - perfekt zum Alter und Typ der Ich-Erzählerin und Protagonistin Taylor passen. Leicht umgangssprachliche Elemente stören hier kein bisschen, sondern verleihen der gesamten Erzählweise noch mehr Authentizität, die einem von jeder Seite ohnehin schon entgegen springt.

An dieser Stelle sollte ich wohl Folgendes festhalten: Wer wirklich auf der Suche nach einer authentischen Geschichte ist, deren Charaktere so lebensecht dargestellt werden, dass man schon beinahe befürchtet, bei einer Reise nach Amerika ihnen auf der Straße begegnen zu können, wer von Schicksalen lesen möchten, wie sie schon morgen dich, mich oder den Nachbarn betreffen könnten, wer von Liebe lesen möchten, die sich nicht nur in einer Partnerschaft abspielt, sondern endlich gerechterweise in all ihren wunderbar vielseitigen Facetten dargestellt wird und wer nicht davor zurückschreckt, Tränen um imaginäre Personen namens Charaktere zu vergießen - der sollte schleunigst zu Morgan Matson greifen. All die genannten Punkte, die ich auch schon bei Morgan Matsons Erstlingswerk abhaken konnte, kann ich nun auch bei "Vergiss den Sommer nicht" getrost und ohne schlechtes Gewissen unterschreiben.

Vor allem was die Charaktere betrifft, stehen die unzähligen Figuren aus "Vergiss den Sommer nicht" denen aus "Amy on the summer road" in nichts nach. Auch hier habe ich das Gefühl, mich wiederholen zu müssen, aber ich hatte ebenso wie zuvor bei Amy und Rogers Geschichte den Eindruck, dass hinter jeder noch so unbedeutenden Nebenfigur eine eigene, persönliche, noch unerzählte Geschichte steckt und sich Miss Matson spontan Taylors ausgesucht hat - die spezielle, unheimlich sympathische Taylor, die allen unangenehmen Situationen sofort aus dem Weg geht. Die Taylor, die ebenso wie alle anderen Charaktere ihre Fehler aufweisen kann, uns auch ihre egoistische Seite zeigt, ihre Schwächen zunächst verleugnet, jedoch ähnlich wie bereits Amy in Morgan Matsons besagtem anderen Werk während des Buches einen berührenden Charakter-Wandel durchläuft, ihre Schwächen erkennt und versucht diese zu besiegen.

Überraschenderweise war es nicht die Liebesgeschichte - welche man allein des Covers wegen erahnt und erwartet - , die mich so sehr für sich gewinnen konnte. Wie bereits erwähnt, stellt Morgan Matson das so große, undefinierbare Wort Liebe, dem sich bereits unendlich viele Autoren in ihren Werken verschrieben haben, in unterschiedlichsten Facetten dar und scheint als eine der wenigen Schriftstellern diesem auch gerecht zu werden. In "Vergiss dein Sommer nicht" greift Morgan Matson nicht nur zu dem schwierigen Thema Trauer, sondern ermöglicht es ihren Lesern dabei auch noch, eine Familie während der wohl schwersten Zeit ihres Lebens durch den Alltag zu begleiten.

Dabei lernte ich so viele Macken, Ecken und Kanten der Mitglieder aus Taylors Familie kennen, dass es einfach unmöglich war, sie nicht ins Herz zu schließen, ihre Trauer nicht zu teilen und mich ebenfalls so zu fühlen, als wäre ich gerade drauf und dran, viel zu frühen Abschied von einem geliebten Menschen nehmen zu müssen. Auch wenn dieser Alltag, der in dem Ferienort Lake Phoenix abspielt und durch der Leser Taylor und ihre Familie begleitet, seine Längen besitzt und die Handlung als ruhig und dahingleitend bezeichnet werden kann, ist es genau das, was das Adjektiv "authentisch" auf diese Geschichte wieder einmal wie maßgeschneidert wirken lässt: Wer Action, weit hergeholte schicksalhaften Liebe-auf-den-ersten-Blick-Begegnungen oder Friede-Freude-Eierkuchen-Trauerbewältigung in "Vergiss den Sommer nicht" erwartet, liegt falsch. Auch im echten Leben widerfährt uns doch selten Actionreiches oder Spannungsgeladenes, weshalb die Geschichte in "Vergiss den Sommer nicht" mit seinem berührenden Ende, das harmonisch den Rahmen schließt, wie aus dem Leben gegriffen scheint. - Und wahrscheinlich ist es genau das, was dieses Buch so schön und traurig zugleich macht.

FAZIT:
Morgan Matson vollbrachte, was sie bereits mit "Amy on the summer road" vollbracht hatte: Es ist mir unmöglich, ein einzelnes Kapitel zu nennen, das besonders toll, gelungen oder berührend war, eine Stelle zu benennen, die mich besonders umgehauen hat oder ein Zitat anzuführen, das den Nagel auf den Kopf getroffen hat - vielmehr fügen sich diese unzähligen kleinen Szenen, diese vielen Alltagsmomente, die man mit Taylor und ihrer Familie während ihres Sommers in Lake Phoenix verbringt, zu einem harmonischen Ganzem, das mich dann letztendlich begeistert und berührt.
In "Vergiss den Sommer nicht" ist mit anderen Worten der Weg das Ziel: Nämlich die Zeit, die man mit diesen wunderbaren Charakteren verbringen darf, ihre Macken, die sie dem Leser immer mal wieder offenbaren und die Erkenntnis, sie immer mehr ins Herz zu schließen. Morgan Matson gibt einem das Gefühl, dass es dort draußen viele Taylors geben könnte, deren Geschichten uns Mut, Hoffnung und ein Lächeln abringen kann.


Beautiful Disaster: Roman
Beautiful Disaster: Roman
von Jamie McGuire
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Dieses Buch stürzt seinen Leser in ein absolutes Gefühls-Disaster, 3. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Beautiful Disaster: Roman (Taschenbuch)
"Seit wir uns begegnet waren, hatte sich in jedem von uns etwas verändert. Und was immer das sein mochte, es bewirkte, dass wir einander brauchten. Aus mir unbekannten Gründen war ich seine Ausnahme, und sosehr ich auch gegen meine Gefühle angekämpft hatte, er war meine."
["Beautiful Disaster"|Jamie McGuire|S.230]
*****

Wie sehr ich mich doch davor gefürchtet hatte, meine schlimmsten Befürchtungen bezüglich dieses Romans könnten sich bewahrheiten: Auch wenn ich es nicht direkt erwartete, als ich die erste Seite aufschlug, fürchtete ich mich doch vor über 400 Seiten Oberflächlichkeiten und nichtssagendes Liebesgeplänkel.

Jamie McGuires Schreibstil war für diese unheilvollen Befürchtungen geradezu ein gefundenes Fressen. Tatsächlich trug ihr für meinen Geschmack etwas abgehackter, liebloser und geradezu spartanischer Schreibstil nicht gerade dazu bei, diese Erwartungen über Bord zu werfen. An so manchen Stellen hätte ich mir detailliertere Be- und Umschreibungen der Situationen, Mimiken, Gestiken und Reaktionen der Charaktere gewünscht, die ihren Sätzen ein wenig Leben einhauchen hätten können. Leider führten die stellenweise lückenhaften und mangelnden Beschreibungen dazu, dass kein reibungsloser Film vor meinem inneren Auge ablaufen konnte. Vor allem zu Anfang hatte ich große Mühe, mich mit diesem eher schmucklosem Schreibstil anzufreunden. Glücklicherweise gewöhnte ich mich nach den ersten 100 Seiten an diese spartanische Erzählweise und von da an war es um mich geschehen und die Seiten flogen nur so dahin.

Denn Eines kann man "Beautiful Disaster" garantiert nicht nachsagen: Kein Pageturner-Dasein zu genießen. Denn ein Pageturner ist dieser Roman definitiv. Kein Wunder, schließlich kann man auf der Liste der Pageturner-Voraussetzungen einen entscheidenden Punkt zu Gunsten von "Beautiful Disaster" abhaken - Unvorhersehbarkeit.
Ich wurde geradezu durch die Handlung geschmissen, geschubst und gerüttelt. Eine wahre Berg- und Talfahrt, die einer Achterbahnfahrt ähnelt, durchlebt der Leser mit den dahinfliegenden Seiten, denn auf keiner darauffolgenden Seite trifft man auf das, was man erwartet. Im Gegenteil: An jeder Ecke lauert eine neue Überraschung, die den Leser in ein wahres Gefühls-Desaster zu stürzen vermag, denn Ich-Erzählerin und Protagonistin Abby Abernathy versteht es, ihre Gefühle und Stimmungen ins Herz und die Magengegend des Leser zu implantieren. Raffiniert schaffte sie es, dass ich auch mein Herz an diesen mysteriösen und dunklen Travis Maddox verlor, ihn ebenso aus seinem bisherigen Vergangenheitschaos und seinem bisherigen Lebenswandel retten wollte, ihn hätte schütteln und ohrfeigen können - nur, um ihm auf der darauffolgenden Seite erneut um den Hals fallen zu wollen. Fest steht jedenfalls: Travis Maddox becircte nicht nur Protagonistin Abby, sondern wickelte irgendwann zwischen Seite 100 und 200 auch mich um den Finger.

Zugegebenermaßen konnte ich mich auf den ersten 100 Seiten mit Mr. Maddox nicht wirklich anfreunden. Die ganze Zeit über erschien er mir wie eine blasse, sehr viel schlechter umgesetzte Version des alleseits geliebten Elyas Schwarz aus Carina Bartschs "Kirschroter Sommer", mit dem Unterschied, es hier mit einer oberflächlichen Variante zu tun zu haben. Doch glücklicherweise gewährt uns Jamie McGuire auf den anderen über 300 Seiten nicht nur tiefere Blicke in sein Inneres, sondern zeigt uns noch andere Seiten des klischeehaften Bad Boys, die einfach zum Schmachten zwingen.
Andere Charaktere hingegen erschienen mir vom ersten Moment an wie aus dem Leben gegriffen, denn jede noch so nebenbei auftauchende Nebenfigur wirkt authentisch und lebensnah. Besonders Abbys Freundin America erwies sich als eine herzallerliebste Figur, die ich sofort in mein Herz schloss. Merke: Die Welt braucht eindeutig mehr beste Freundinnen der America-Sorte.

Auch "Beautiful Disaster" stellte mal wieder unter Beweis, dass es keiner Fantasy- oder Dystopiewelten bedarf, um den Leser mit Spannungsgeladenheit durchgehend zu fesseln, denn Langeweile kam bei mir zu keinem Zeitpunkt auf. Rasant schubst Ich-Erzählerin Abby den Leser von einer Gefühlskatastrophe in die nächste, bis man schließlich erschöpft, atemlos und aufgewühlt am Ende ankommt und nach noch mehr Adrenalin und Gefühlsachterbahn giert.

FAZIT:
Mit "Beautiful Disaster" verhält es sich ein wenig wie mit Achterbahnen: Sie verschütteln, rütteln und stoßen dich durch die Gegend, entlocken dir Schreie und Lachen, Hochgefühl, Kribbeln in der Magengegend und Angst vor dem nächsten Absturz - Kurzum: Sie machen einen unheimlichen Spaß, auch wenn man nicht wirklich festmachen kann, warum eigentlich genau.
Auch "Beautiful Disaster" stürzt den Leser in ein wahres Gefühls-Desaster und hält über 400 Seiten bereit, die man entweder gierig umblättern möchte oder aber einen zum Zögern veranlassen, weil sie eine nächste zerstörerische Katastrophe für die bis dahin friedliche Situation bereithalten könnten. Amüsante Dialoge, Herschmerz und -klopfen garantiert, eines jedoch sicher nicht: Langeweile! Versprochen.


Incarceron: Fliehen heißt sterben - Roman
Incarceron: Fliehen heißt sterben - Roman
von Catherine Fisher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Incarceron" vermochte es nicht, mich "gefangen zu nehmen", 28. August 2013
">>Incarceron hat mit en Schultern gezuckt<<, hatte Gildas grimmig bemerkt. Das war das erste Mal, dass Finn das Gefängnis hatte lachen hören. [...] Die Haare auf Finns Haut hatten sich vor Entsetzen aufgestellt. Das Gefängnis war am Leben.

Es war grausam und gleichgültig, und er selbst war in seinem Innern."

("Incarceron- Fliehen heißt sterben"| Catherine Fisher | S. 36)

*******

Unheimlich neugierig, relativ unvoreingenommen und dennoch mit großen Hoffnungen auf eine überwältigende und spannende Geschichte à la James Dashners Labyrinth-/Maze Runner- Reihe schlug ich die erste Seite von "Incarceron- Fliehen heißt sterben" auf. Nachdem ich relativ schnell registriert hatte, dass der Leser bei "Incarceron" mit einem personalen Erzähler zu tun hat, der hauptsächlich aus der Gedankenwelt der beiden Protagonisten Finn und Claudia erzählt, folgte ziemlich schnell die große Verwirrung: Sowohl im Gefängnis Incarceron, in welchem der Leser Seite an Seite mit Finn den Grausamkeiten dieses besonderen Gefängnisses ins Auge blickt, als auch im Außerhalb, wo es mit Claudia Bekanntschaft zu schließen gilt, wird mit Begriffen um sich geworfen, die bei mir immer wieder große Fragezeichen aufriefen: Comitatus? Sapient? Maestra? Käfer, Das Protokoll, Havaarna? Bitte?

Das sind nur ein paar wenige Beispiele der zahlreichen Begriffe, die von den Charakteren mit leichtfertiger Selbstverständlichkeit benutzt werden. Doch wer nun glaubt, dass der große mit Fragezeichen bestickte Schleier der Unverständlichkeit, der über diesen Begriffen hängt, im Laufe der Geschichte gelüftet wurde, liegt leider falsch - Erklärungen darf man bei "Incarceron" in der Tat nicht erwarten. Stattdessen war ich mit wachsender Seitenzahl dazu gezwungen, mir einen Reim auf die mysteriösen und suspekten Dinge, die anscheinend von relativ großer Bedeutung waren, zu machen. Während mir das bei den meisten von ihnen gelang, blieben bis zur letzten Seite so manche erwähnten Dinge nach wie vor ein rätselhaftes Mysterium in einer wohl dystopischen Welt, die ich leider nicht ganz durchblicken konnte.

Dementsprechend groß war meine Frustration. Zu gerne hätte ich die zukünftige Welt, in der Claudia und auch Finn leben, mit etwas klarerer Sicht betrachtet. Geheimnisvolles und Ungewisses mag ja schön und gut, ja manchmal sogar spannend sein, aber dermaßen viele Fragezeichen, die sich zu beinahe keinem Zeitpunkt auf den knapp 470 Seiten zu Aha-Effekten auflösen, waren nach einer gewissen Zeit einfach nur nervig.

Mit dadurch gedämpfter Lesestimmung wurde ich leider auch mit den Charakteren nicht richtig warm. Vor allem Finn erschien mir einfach zu flach, zumal man als Leser aus seinen Gedanken und Handlungen wenig auf seinen Charakter schließen kann. So kam es, dass ich mich die meiste Zeit eher auf die Textpassagen freute, die sich in Claudias Welt abspielen. Im Gegensatz zu Finn besitzt sie ihre Ecken und Kanten, die sie mir sympathisch und in meinen Augen greifbarer werden ließen.
Eine Einschätzung der anderen Charaktere stellte sich als ziemlich schwierig heraus - bei manchen habe ich noch immer das Gefühl, dass sie sich in Band 2 als Bösewichte herausstellen könnten- Und ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, ob dieser Punkt bezüglich der Undurchschaubarkeit für oder gegen diese Geschichte spricht...

Was mich in dieser Einöde der Enttäuschung ein wenig aufmunterte, war Catherine Fishers Schreibstil, welcher es versteht, Atmosphären, Gedanken- und Gefühlsregungen treffend und malerisch zu beschreiben. Doch das konnte über den größten Punkt der Enttäuschung nicht hinwegtrösten: Incarceron, das Gefängnis. Dabei war es doch eigentlich genau das, was mich am meisten zum Lesen dieses Buches veranlasste. Ein lebendes Gefängnis, das im Laufe der Jahre eigene Intelligenz entwickelt hatte, seine Insassen beobachtet und ein grausames Spiel mit ihnen treibt? Perfekt, unheimlich spannend und nervenaufreibed - dachte ich. Aber leider waren Finns Erfahrungen im Gefängnis alles andere als spannend, was - wie bereits erwähnt - dazu führte, dass ich mir des Öfteren die Passagen herbeiwünschte, die von Außerhalb und Claudias Erfahrungen berichten. Außerdem gab es leider für meinen Geschmack viel zu wenig über dieses Gefängnis, was man in Erfahrung bringen durfte. Erst im letzten Drittel des Buches wurden kleine Details gelüftet, die mich allerdings allesamt nicht "vom Hocker reißen" konnten, zumal leider auch was Incarceron selbst betrifft, so einige Fragezeichen bei mir offen blieben.

FAZIT:
Hatte ich bei "Incarceron" eine große Portion Schaudern, Nervenaufreiben und von Spannung bedingtes, polterndes Herzklopfen erwartet, wurde ich leider enttäuscht. Weder die teilweise flachen, teilweise undurchschaubaren Charaktere noch der Komplex um Incarceron, das mysteriöse lebende Gefängnis selbst, konnten mich in ihren Bann ziehen. Schuld daran waren höchstwahrscheinlich vor allem mangelnde Erklärungen und nicht vorhandene Aha-Effekte - oder aber ich bin, auch wenn mir bisher zu diesem Roman nicht viel zu Ohren gekommen ist, mit schlicht und einfach zu hohen Erwartungen an diese Geschichte herangegangen.

Wie auch immer: Auch das zufriedenstellende Ende, das zugegebenermaßen ein wenig neugierig auf Band 2 macht, schafft es wohl eher nicht, mich zum Lesen besagten Nachfolgers zu bewegen.


Silit 2224173511 Kochschüssel mit D 24 cm polar white
Silit 2224173511 Kochschüssel mit D 24 cm polar white

5.0 von 5 Sternen Nicht nur ein schöner Topf, 23. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese Kochschüssel von Silit ist nicht nur ein Hingucker auf dem Herd, sondern es passt wirklich eine Menge rein.
Ob Kartoffelsuppe oder Gemüse darin wird alles schön weich.


rost eine größe 36-42 Princess Frauen Plain Farbiger Cape Vorder-und Rückseite, Krawatte und Schlitz hinten Damen Maxi Kleid
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Wird angeboten von GraciousGirl
Preis: EUR 15,99

5.0 von 5 Sternen Sieht klasse aus, 23. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Kleid macht eine gute Figur. Sieht klasse aus und ist wirklich preiswert.
Dieses Kleid ist absolut zu empfehlen und ein Hingucker.


Max Factor Lipfinity 115 Confident, 1er Pack (1 x 2 ml)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hält was er verspricht, 23. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich liebe diesen Lippenstift. Benütze ihn seit Jahren. Er ist der Einzige, der hält was er verspricht.
Er hält von all meinen Lippenstiten am längsten.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 27, 2013 6:17 PM MEST


Sioux LORENA 53690, Damen Mokassins, Schwarz (schwarz), EU 40.5 (UK 7)
Sioux LORENA 53690, Damen Mokassins, Schwarz (schwarz), EU 40.5 (UK 7)

5.0 von 5 Sternen Ein toller Schuh, 23. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sioux LORENA 53690 Damen Mokassins (Schuhe)
Diesesr Sioux Schuh sieht nicht nur elegant aus, er ist auch unwahrscheinlich bequem und weich.
Die Swarovski Steinchen reißen es voll raus. Optisch ist der Schuh ein Hingucker. Er ist auf jedenfall
seinen Preis wert.


Fluch des Tigers - Eine unsterbliche Liebe: Kuss des Tigers 3: Roman (Heyne fliegt)
Fluch des Tigers - Eine unsterbliche Liebe: Kuss des Tigers 3: Roman (Heyne fliegt)
von Colleen Houck
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Einen Mini-Tick schwächer als die Vorgänger und trotzdem märchenhaft-schön, 18. August 2013
! ACHTUNG - Band 3 einer Reihe, Spoiler enthalten !

" Dann nahm er meine Hand und verschränkte seine Finger mit meinen. >>Du vergisst etwas, Iadala. Liebe ist keine Entscheidung. Liebe kann man sich nicht aussuchen. Liebe ist ein unstillbarer Durst - ein Verlangen, so lebensnotwendig für die Seele wie Wasser für den Körper. [...]

Beraube mich dieses Schlucks Liebe, und ich werde zu Staub zerfallen."

("Fluch des Tigers"| Colleen Houck | Seite 440f.)

***************

Ich kann gar nicht ausdrücken, mit welcher Sehnsucht ich diesen Band erwartet und mit welcher Freude ich mich, als endlich Zeit dazu war, auf ihn gestürzt habe. Sowohl Band 1 als auch Band 2 konnten mich vollends überzeugen und auf eine herzergreifende Reise in den Orient mitnehmen, was unweigerlich dazu führte, dass ich mit enorm hohen Erwartungen meine dritte "Reise" begann.

Das Schöne an dieser Reihe: Man findet sich in das Geschehen sofort wieder ein, zumindest ergeht es mir jedes Mal (Nun gut, nun das 2. Mal) aufs Neue so. Kleine Gedächtnislücken bezüglich bestimmter Geschehnisse aus den vorherigen Bänden sind nicht weiter tragisch, da jeder Band eine neue Herausforderung bzw. Prüfung beinhaltet, die Kelsey und ihre zwei Tiger auf ihrem Weg, den Bann zu brechen, bestehen müssen. Lediglich die Namen und der Nutzen der in den vorherigen Bänden erstandenen Gaben, wie die Chakram oder die Gada beispielsweise, musste ich mir erneut erschließen und zurück ins Gedächtnis rufen.

Was den Schreibstil anbelangt, konnte ich nur erneut feststellen, was bereits in den Vorgängerbänden der Fall war - schlicht, einfach und dennoch ab und an bildhaft genug, um mein kleines Metaphern-Herz höher schlagen lassen zu können. Mrs. Houck versteht es auch in diesem Band, fabelhaft mit ihrer klaren und einfachen Erzählweise zu spielen und mir die - zugegebenermaßen ab und an nervige - Ich-Erzählerin Kelsey dennoch sympathisch und authentisch erscheinen zu lassen.
Ich fühlte mich daher ein drittes Mal an Kelseys Seite pudelwohl und schloss die altbekannten, geliebten Gesichter sofort in meine imaginären Arme... Das heißt: Das hatte ich zumindest vor.

Bei fast allen von ihnen gelang mir dies, doch bei einer ganz bestimmten Person zu meinem absoluten Leidwesen nicht: Ren. Der Ren, der ja bereits am Ende von Band 2 sein Gedächtnis verloren zu haben schien und den ich dennoch gerne weiterhin gemocht hätte. Aber Fehlanzeige, denn stattdessen blieb mir der "vergessliche" Ren durchweg unsympathisch und völlig fremd.
Die meiste Zeit über empfand ich ihn sogar als ein wenig kindisch, naiv und egoistisch - Kurzum könnte man sagen, er hatte überhaupt nichts mit dem Ren gemein, an den ich zusammen mit Kelsey in den beiden Bänden zuvor mein Herz verschenkt hatte. Gott sei Dank konnte er sich - nach einem ganz bestimmten Ereignis, das aus Spoilergründen wohl eher nicht genannt werden sollte - auf meiner persönlichen Sympathie-Leiter schon bald wieder weit nach oben angeln und sich vielleicht sogar bis zur obersten Sprosse durchkämpfen. Die Betonung liegt jedoch auf "vielleicht", denn wie bereits in Band zwei schaffte es die wohlbekannte Dreiecksbeziehung dieser Saga erneut, nicht nur Kelseys, sondern auch meine Sympathien und Lesergefühle in Verwirrung zu bringen - was ich als absoluten Pluspunkt anerkennen muss.

Auch wenn Kishan in diesem Band leider ein klein wenig seinen beschwingten Humor und seine amüsante Arroganz aus dem vorangegangenem Band verloren zu haben scheint, muss ich erfreulicherweise erneut eingestehen, dass er Gott sei Dank kein billiger Abklatsch des eigentlichen männlichen Gegenparts zu Kelsey (Ren) darstellt, sondern vielmehr durch seine ruhige, unschuldige und bescheidenere Art Pluspunkte sammelt. Obwohl ich, wie bereits erwähnt, diese Dreiecksbeziehung in dieser Serie sehr gelungen und alles andere als nervend empfinde, störte es mich doch ein klein wenig, dass wohl ständig unter Beweis gestellt werden muss, wie stark Kelsey von allen Seiten begehrt zu werden scheint. Ich meine - Reicht es nicht, dass bereits zwei absolut tolle Tigerbrüder ihr zu Füßen liegen? Musste nach den ganzen Kerlen aus Band 2 jetzt noch ein dritter folgen? Dennoch war ich froh, dass genannter Dritter wie bereits in Band 2 wenig Bedeutung fand und lediglich am Rande auftauchte. So trübte dieses Minuspünktchen nur minimal mein ansonsten durchweg positives Bild dieses Bandes.

Schließlich gibt es an der Handlung für mich wirklich ein gar nichts auszusetzen. Mal wieder war es aufregend und schön zugleich, als stiller Begleiter die Drei bei ihren Prüfungen zu beobachten, in dieser Welt voller indischer Mythologie und orientalischer Schönheit abzutauchen und dabei niemals von Langweile erfasst zu werden. Colleen Houck trifft auch in diesem Band die perfekte Mischung aus ruhiger Romantik, emotionalem Chaos und nervenaufreibenden Spannungswellen, die am Ende in einem aufregendem Strudel enden und den Leser - wie wir das ja bereits aus den beiden anderen Bänden kennen - mit schockiertem Herzpochen und unbändiger Neugierde zurücklassen.

FAZIT:
Auch Band 3 dieser wunderbaren Saga entführt in eine märchenhafte Welt voller indischer Mythologie, Herzensverwirrungen und fabelhafter Unterhaltung dank toller Charaktere. Auch wenn mir zugegebenermaßen die Vorgängerbände einen kleinen Tick besser gefallen haben, war es auch für den dritten Band der Tiger-Sage lediglich ein Katzensprung - oder eher "Tigersprung" - zu meinem Herzen.


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