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Rezensionen verfasst von
Jolly

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Nefartaris Vermächtnis: Aus dem Leben im alten Ägypten
Nefartaris Vermächtnis: Aus dem Leben im alten Ägypten
von Horst Hustert
  Broschiert
Preis: EUR 13,80

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen modern erzählte Geschichte aus dem alten Ägypten, 15. Juni 2014
Horst Hustert siedelt diesen Roman eine Generation später an als sein Erstlingswerk "Der Rivale des Pharaos". Dort war der junge Sen die Hauptfigur – hier haben wir es nun mit seinem Sohn Suti zu tun. Und der verliebt sich hier in Nefertari, welche die Tochter der Prinzessin Merit ist, in die sein Vater verliebt war. Das klingt alles sehr konstruiert und auch ein wenig danach, als sei dies eine Fortsetzung. Das ist es allerdings nicht! Wir haben es hier mit einer eigenständigen Geschichte zu tun, für die man Husterts zweibändigen ersten Roman nicht gelesen haben muss.

Auch mit diesem Buch beweist Horst Hustert wieder, dass er seine Geschichten sehr ideenreich und flüssig erzählen kann. Der Roman wird nie langweilig oder schwer zu lesen. Dazu trägt auch sein moderner Sprachstil bei, der den Leser dort belässt, wo er ist: im Hier und Jetzt. Das kommt – wie man ja in anderen Bewertungen lesen kann – sicher nicht bei allen Lesern gut an, denn manche wollen auch durch eine zeitgemäße Sprache ins Alte Ägypten entführt werden. Andere werden sich dagegen freuen, nicht ständig mit Originalausdrücken oder Ortsnamen konfrontiert zu werden, die sie erst hinten im Glossar nachschlagen müssen. Das ist also Geschmackssache, finde ich, und kein Kriterium, ob wir einen guten oder schlechten Roman vor uns haben. Die Qualität eines Romans steht und fällt m.E. mit der Geschichte. DIE muss mich interessieren, im besten Fall sogar fesseln und berühren. Die Sprache, der Erzählstil, kann das Ganze dann noch auf- oder abrunden, kann aber aus einer langweiligen Geschichte keinen guten Roman (oder umgekehrt) mehr machen!

In dieser Geschichte geht es u.a. um Grabräuber und um Verschwörer, die den Pharao stürzen wollen, und deren Mitglieder bei ihren Treffen Anubis-Masken tragen, damit keiner den anderen erkennt. Unser Held Suti soll diese Verschwörer ausspionieren und gerät dabei natürlich in manch gefährliche Situation. Die Handlung ist diesmal also deutlich spannender als in Husterts erstem Roman, der mehr auf Abenteuer setzte. Dafür verzichtet der Autor hier auf eine sich durch den ganzen Roman ziehende Liebesgeschichte. Sobald der Leser gemerkt hat, dass Nefertari die große Liebe des Helden Suti ist, schwant ihm auch, dass der Titel des Buches für diese Liebe nichts Gutes verheißt. Und nach dem Ende dieser Liebe fehlt dem Buch dann leider auch das Anrührende und die Herzenswärme, die insbesondere den zweiten Band, "Der Rivale des Pharaos: Band 2", auszeichnete. Dafür punktet sie dann mit einem Helden, der an seinem gebrochenen Herzen fast zugrunde geht, und mit der zunehmenden Spannung der Verschwörungsstory. Beides reichte mir persönlich allerdings nicht, um mich so zu begeistern, wie es der Vorgänger konnte.

Wer von einem Ägyptenroman auch eine authentische altägyptische Atmosphäre erwartet, sollte sich lieber bei anderen Autoren, wie bspw. Judith Mathes oder Hilary Wilson, umsehen. Wem aber eine modern erzählte und leicht zu lesende Geschichte aus dem Alten Ägypten reicht, und wer sich nicht mit den Originalnamen von Pharaonen oder ägyptischen Jahreszeiten herumschlagen will, der ist bei Horst Hustert durchaus richtig. Fans von Spannung und Krimis können dann gerne zu diesem Buch greifen, wer dagegen Abenteuer und Romantik bevorzugt, liest lieber den oben erwähnten zweiteiligen Vorgänger.


Verborgener Tod: Hori und Nachtmin Band 1
Verborgener Tod: Hori und Nachtmin Band 1
von Kathrin Brückmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,42

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen vielversprechender Auftakt einer Detektiv-Reihe aus dem alten Ägypten, 23. März 2014
Wenn es an Kathrin Brückmanns erstem Roman »Sinuhe, Sohn der Sykomore« überhaupt etwas zu kritisieren gab, dann vielleicht die manchmal fehlende Spannung. Dies kann man dem zweiten Roman der Autorin nun wahrlich nicht vorwerfen, denn hier schickt sie zwei angehende Ärzte mitten in die Aufklärung einer Mordserie. Hori, vom Pharao lebenslang zu den Einbalsamierern verbannt, entdeckt an zwei Frauenleichen Spuren eines Attentats. Da er selbst nicht in die Welt der Lebenden zurückkehren darf, teilt er seinem Freund Nachtmin die Entdeckung mit und bittet ihn, den Mörder zu suchen. Dass das nicht ganz ungefährlich ist, merken beide schnell, denn die Spur führt in die höchsten Kreise am Hofe.

Die Mumifizierung der Verstorbenen nimmt in diesem Roman einen breiten Raum ein, denn ein Teil der Geschichte spielt ja in der Weryt, der Stätte der Einbalsamierer. Außer Rosa Naumanns Jugendbuch »Der Gehilfe des Mumienmachers« fällt mir spontan kein anderer Roman ein, der dieses Thema so ausführlich behandelt. Und dank Brückmanns guter Recherche kann der Leser tatsächlich einiges darüber lernen, wie die alten Ägypter ihre Verstorbenen mumifizierten. Auch die Epoche, in der die Geschichte angesiedelt ist — das Mittlere Reich zur Zeit Sesostris III. — ist selten Gegenstand von Altägyptenromanen, die doch meist im Neuen Reich oder eventuell bei den Pyramidenbauern spielen. Wir haben es also mit einem ungewöhnlichen Buch zu tun, bei dem sich das Bemühen um historische Genauigkeit schon auf dem sehr gelungenen Cover widerspiegelt.

Kathrin Brückmann hat diesmal alles zusammengebracht, was ein guter historischer Roman braucht: eine spannende Story, sympathische Hauptfiguren, eine Liebesgeschichte, eine Prise Humor und viele gut recherchierte Details aus der Epoche, in der die Handlung spielt. Viel besser kann man es nicht machen. Ihre Ankündigung, weitere Abenteuer der beiden jungen Ärzte folgen zu lassen, ist daher nicht als Drohung sondern eher als Teaser zu verstehen. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Band dieser altägyptischen Detektiv-Reihe.


Im Bann der Götter: Historischer Roman
Im Bann der Götter: Historischer Roman
von Inge Nickel-Ritzkat
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anfang & Ende eines Lebensglücks, einer Ehe und einer ganzen Epoche, 22. Oktober 2012
Mit ihrem dritten historischen Roman kehrt Inge Nickel-Ritzkat zu Nofretete zurück, der sie 2010 schon ihr erstes Buch »Die Schattenkönigin« gewidmet hatte. Darin erzählte sie von Nofretetes späten Jahren, nach dem Tode ihres Ehemannes Echnaton. In ihrem aktuellen Roman beschäftigt sie sich nun damit, wie alles begann: Wie Nofretete als designierte Braut des alten Pharao Amenophis III. nach Ägypten kommt und nach dessen Tod dann mit seinem Sohn Echnaton verheiratet wird. Die Ehe beginnt mit großer Zuneigung und Zuversicht, rutscht aber peu à peu immer tiefer in die Krise, bis Echnaton sich schließlich ganz von Nofretete abwendet.
Daneben will die Autorin aber auch erklären, warum Echnaton mit seinem revolutionären Plan von einer neuen Staatsreligion scheitern musste, und warum er mit seiner träumerischen Art das ganze Land in Gefahr brachte.

Hauptfigur des Romans ist diesmal allerdings nicht Nofretete sondern eine Prinzessin namens Neferit, eine Tochter Amenophis’ III., die uns in einer Art Rückschau ihr Leben erzählt. Dies ist das erzählerische Mittel, das Inge Nickel-Ritzkat einsetzt, um uns die historischen Ereignisse und die ganze Epoche Echnatons nahe zu bringen. Dass Neferits Glück durch schlimme Ereignisse völlig zerstört wird, das erfährt der Leser gleich zu Beginn des Buches. Wie es aber dazu kommt, und welche Ereignisse zu der Katastrophe führen, das entfaltet sich danach erst langsam, wenn Neferit beginnt, uns ihr Leben zu erzählen.
Da sie am Hofe lebt und mit Nofretete befreundet ist, verbringen die beiden Frauen viel Zeit miteinander. Der Leser bekommt also hautnah alles mit. Man erkennt die ersten Spannungen zwischen Echnaton und Nofretete, liest, wie sich der Pharao immer weniger um die Außenpolitik kümmert und wie er schwerwiegende innenpolitische Fehler macht. Die am Horizont der Geschichte aufziehenden dunklen Wolken sind nicht zu übersehen und werfen ihre Schatten langsam auch auf das zunächst glückliche Leben der Prinzessin Neferit. Und spätestens jetzt beginnt der Leser zu ahnen, auf welche Katastrophe die Leben der Beteiligten zusteuern.

Von Inge Nickel-Ritzkats bisherigen drei Büchern ist dies für mich das beste. Die drei Handlungspfeiler, nämlich Neferits Lebensgeschichte, die Ehe von Echnaton und Nofretete sowie der unaufhaltsame Zerfall des ägyptischen Reiches, werden gut aufgebaut und tragen den Roman. Die aufkeimende Ahnung über das bevorstehende Schicksal befördert eine gewisse Spannung und lässt den Leser das Buch nicht so schnell aus der Hand legen. Ein wenig nervig und überflüssig fand ich die vielen Andeutungen auf zukünftige Geschehnisse, die aber zu dem Zeitpunkt dann doch nicht erzählt werden. Da diese Andeutungen nicht dem Spannungsaufbau dienen, erfüllen sie einfach keinen Zweck. Sie reiben dem Leser nur immer wieder unter die Nase, dass die Geschichte nicht "live" ist, sondern das Ende längst feststeht. Das erfährt man ja aber schon zu Beginn des Buches – warum also immer wieder daran erinnern?
Am Ende des Romans habe ich dann etwas vermisst: das Schicksal Nofretetes. Der Leser erfährt zwar den Anfang und die Mitte, also woher Nofretete kam und wie ihr Leben mit Echnaton aussah, aber er erfährt nicht das Ende ihrer Geschichte. Was passierte nach Echnatons Tod mit ihr? Nachdem über weite Strecken des Romans beide Leben erzählt werden, das von Neferit und das von Nofretete, fand ich es schade, dass am Ende eines von beiden völlig unter den Tisch fällt. Es wäre interessant gewesen, wenn die beiden befreundeten Frauen, die beide inzwischen alles verloren haben, sich am Ende noch einmal getroffen hätten, um sich entweder gegenseitig Halt zu geben oder sich für immer zu trennen.

Ein Pluspunkt gegenüber ihrem Erstlingsroman ist, dass die Autorin mit zwei Anhängen ihre fiktive Geschichte in die historische Faktenlage einordnet. Erstens gibt es ein Personenregister, in dem man nachschlagen kann, welche Figuren historisch belegt und welche erfunden sind, und zweitens erläutert sie in einem kurzen Nachwort, was man heute über Nofretete weiß, und wo sich die Handlung auf Vermutungen stützt. Dieses Nachwort ist mit einer einzigen Seite allerdings allzu kurz geraten. Über die gesamte so genannte Amarnazeit gibt es nur wenige Fakten und noch viele offene Fragen. Inge Nickel-Ritzkat hat also manche unbewiesene Vermutung verwendet, z.B. dass der Mitregent Semenchkare gleichzeitig auch der Liebhaber Echnatons war, und sie hat auch manche andere Wissenslücke mit ihrer schriftstellerischen Fantasie füllen müssen. Es wäre schön gewesen, sie hätte auch darüber im Anhang Auskunft gegeben.

Trotzdem kann jeder, der sich für das alte Ägypten interessiert, gerne zu diesem Buch greifen. Man liest nicht nur die interessante und zum Ende hin auch sehr emotionale Lebensgeschichte der Hauptfigur Neferit, sondern erfährt auch noch einige historische Zusammenhänge, z.B. warum Echnatons Traum scheitern musste und wie fundamental die Krise war, in die er Ägypten stürzte.


Skagen Herrenarmbanduhr Automatik Leder 759LSLC
Skagen Herrenarmbanduhr Automatik Leder 759LSLC

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen schicke Uhr, aber mit kleinen "Besonderheiten", 17. Oktober 2012
Da die Bewertungen hier ja sehr unterschiedlich sind, schildere ich meine Eindrücke mal recht ausführlich. Vielleicht hilfts dem Einen oder Anderen...
Wegen mehrerer schlechter Bewertungen war ich etwas unsicher, ob ich mich für diese Uhr entscheiden sollte. Ich habe daher erst dann gekauft, als die Uhr zu einem guten Preis (Hälfte des Normalpreises) und von einem Händler angeboten wurde, der den Versand von Amazon abwickeln lässt. Dadurch hätte ich bei einer Rücksendung dann Amazons kulante Rücknahmebedingungen in Anspruch nehmen können. Aber um es vorweg zu nehmen: Ich habe die Uhr nicht zurückgeschickt! Mir gefällt das klare Design, und mit den Nachteilen – oder sagen wir lieber "Besonderheiten" – der Uhr kann ich leben. Und die wären:

• ziemlich kleines Datumsfeld
• glatte Krone
• lautes Schwungrad
• keine exakte Ganggenauigkeit
• nur 1/4 der Minutenstriche
• Leuchtzeiger
• Armband breit, gebogen und steif

Mein erster Gedanke nach dem Auspacken war: was für eine hübsche Uhr! Gleich danach fiel mir dann auf, dass man das Datum in dem kleinen Feld nur schwer lesen kann. Das gilt besonders, wenn das Licht von vorn kommt und die Ziffern dadurch halb im Schatten liegen. Das Datumsfeld hätte wirklich etwas größer ausfallen können! Mal eben mit einem kurzen Seitenblick das Datum erkennen, geht nicht, man muss schon etwas genauer hinschauen. Vielleicht brauche ich aber auch einfach nur eine Brille?

Beim Einstellen der richtigen Zeit merkte ich dann, dass die Krone ganz glatt ist. Das sieht zwar schick aus, macht das Drehen aber nicht leichter. Als zweites stutzte ich, als ich die genaue Minute nicht einstellen konnte, weil die Minutenstriche zwischen 3 und 12 fehlen. Das kann man zwar eigentlich auf dem Artikelbild auch sehen, aufgefallen war es mir vorher aber nicht. OK, musste ich halt ein paar Minuten warten mit dem Einstellen, bis ich den Minutenzeiger auf einen dicken Strich stellen konnte.
Leider lässt sich zum Zeit-Einstellen der Sekundenzeiger nicht stoppen. Der läuft unbeeindruckt weiter. Sekundengenaues Einstellen ist also nicht möglich. Das hätte allerdings auch gar keinen Sinn (wie ich einige Tage später merkte), weil die Uhr täglich einige Sekunden gewinnt oder verliert. Meine gewinnt durchschnittlich 10-15 Sekunden pro Tag. Ich muss sie daher etwa einmal pro Woche um 1 bis 2 Minuten zurückstellen. Das nervt ein bisschen.

Häufig wurde hier die Lautstärke angesprochen. Dabei geht es nicht um das normale Ticken im ruhigen Zustand, denn das ist kaum hörbar. Aber wenn bei Armbewegungen das Schwungrad im Automatiklaufwerk so richtig "in Schwung" kommt, dann hört man das schon deutlich. Wenn die Uhr danach wieder ruhig gehalten wird, ist das Geräusch aber auch schnell wieder weg. Mich stört das überhaupt nicht – aber es soll ja geräuschempfindlichere Menschen als mich geben.
Ausreichend ist auch die Gangreserve des Uhrwerks. Es macht überhaupt nichts, wenn die Uhr mal 24 Std. nicht getragen wird. Ein ganzes Wochenende, also 2 Tage Ruhezeit, schafft sie allerdings nicht.

Nirgendwo erwähnt wurde bisher, dass die Uhr Leuchtzeiger hat. Man kann also auch nachts die Zeit ablesen. Zumindest theoretisch. Die Leuchtstreifen auf den Stundenstrichen sind allerdings so fein, dass ich sie im Dunkeln nur erahnen kann (oder liegt auch das an meiner fehlenden Brille?). Aber die Zeiger sind gut zu erkennen und das reicht ja eigentlich. Eigentlich! Nämlich nur dann, wenn man bedenkt, dass die Uhr auf der Seite liegt (die 12 somit nicht oben ist). Denn die Uhr steht partout nicht aufrecht! Und damit...

...kommen wir zu meiner letzten "Besonderheit": dem Armband. Das ist ganz schön steif. Auch das hatte ich schon in anderen Bewertungen gelesen. Nicht aber, dass es zusätzlich auch noch gebogen ist. Und dort, wo es am Gehäuse ansetzt, ist auch irgendetwas Festes (Metall? Plastik?) ins Armband eingearbeitet, so dass die Rundung nicht wegzukriegen ist. Am Arm macht das überhaupt nichts. Aber manchmal legt man eine Uhr ja auch ab. Und dann kann man sie z.B. nicht der Länge nach auf den Tisch legen, und auch nicht die Armbandteile zusammenlegen und sie flach in die Hosentasche stecken. Nimmt man die Uhr ab, bleibt sie gebogen wie ein Ring, und man kann sie nur in die "stabile Seitenlage" bringen. Somit gelang es mir bisher auch nicht, sie nachts am Bett so aufzustellen, dass ich die Zeit ablesen könnte. Stets rollt der "Ring" vorwärts, bis das Glas unten ist. Aber wer will schon nachts die Zeit wissen...?
Die Steifheit führt auch dazu, dass man nach dem Schließen des Armbands das Ende anfangs sehr schlecht durch die Schlaufe stecken kann. Es wäre etwas einfacher, wenn die Schlaufe ein wenig weiter entfernt wäre, aber die sitzt mit 1 cm wirklich sehr dicht am Verschluss. Notfalls kann man aber diese erste Schlaufe auslassen, denn es gibt noch eine zweite, bewegliche Schlaufe. Und nach und nach wird das Armband ja auch biegsamer.
Das Armband ist außerdem ungewöhnlich breit (zumindest im Vergleich zu meinen bisherigen Uhren). Es beginnt am Gehäuse mit 2,8 cm und ist selbst am dünnsten Ende noch 2,3 cm breit. Aber daran habe ich mich schnell gewöhnt. Die Uhr wirkt dadurch "wie aus einem Guss", weil Armband und Gehäuse beinahe ansatzlos ineinander übergehen.

Fazit: Ich wollte eine Uhr mit Automatikantrieb und klarem, minimalistischen Design. Eine Uhr, die mir gefällt. Und genau das habe ich bekommen! Mit all den genannten "Besonderheiten" kann ich gut leben, auch wenn ich ein paar Verbesserungsvorschläge für die Fa. Skagen hätte, wenn man mich fragen würde. Aber mich fragt ja keiner...
Für das kleine Datumsfeld und die Gangungenauigkeit muss ich einen Stern abziehen. Ansonsten ist das eine tolle Uhr, auf deren stylisches Design ich schon mehrfach angesprochen worden bin. Mit dem Kauf habe ich alles richtig gemacht! 5 - 1 = 4 Sterne!


Der verschwundene Papyrus: Ein Mitratekrimi aus dem Alten Ägypten
Der verschwundene Papyrus: Ein Mitratekrimi aus dem Alten Ägypten
von Christa Holtei
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen spannender und historisch informativer Mitratekrimi für Kinder ab 7 Jahren, 17. September 2012
Die Zwillingsschwestern Henti und Sherit wollen den Diebstahl einer wertvollen Papyrusrolle ihres verstorbenen Großvaters aufklären, damit dieser im Jenseits seine Ruhe finden kann. Zusammen mit zwei befreundeten, gleichaltrigen Jungen suchen sie nach Hinweisen auf den Dieb – und finden auch welche! Leider deuten diese Hinweise auf den Ehemann ihrer großen Schwester hin. Ein Dieb in der eigenen Familie? Kann das sein? Die Zwillinge ermitteln weiter.

Das Buch wird nicht umsonst "Mitratekrimi" genannt: Immer wieder wird der Leser aufgefordert, mitzudenken. Entweder muss er in einem Bild einen versteckten Hinweis finden oder er kann aus der Summe der bekannten Informationen eine neue Schlussfolgerung ziehen. Man muss also ganz schön aufpassen, damit einem nichts entgeht. Dafür stellt sich aber natürlich auch ein Erfolgserlebnis ein, wenn man den Hinweis selbst gefunden hat, bevor die Zwillinge ihn erkennen und erklären.

Sehr positiv finde ich, dass die Autorin ihre Erzählung mit vielen Details und Informationen über das Leben im alten Ägypten ausgestattet hat und ihre jungen Leser sogar an das Lesen der Hieroglyphen heranführt. Da Henti und Sherit selbst gerade die Hieroglyphenschrift lernen, ist eine Übersicht über die Einkonsonantenzeichen (die einfachsten Hieroglyphen) am Anfang der Geschichte abgedruckt. Mit Hilfe dieser Liste kann der Leser dann im Laufe der Geschichte sogar eine geheime Botschaft entschlüsseln. Hierbei wäre es schön gewesen, wenn Christa Holtei eine Botschaft genommen hätte, in der kein "E" vorkommt. Für diesen Buchstaben gibt es nämlich gar keine Hieroglyphe. So muss sie ein bisschen "schummeln", um ihre Botschaft in Hieroglyphen zu schreiben.

Das ist jedoch auch schon der einzige historische Fehler, den ich entdecken konnte. Ansonsten sind die Lebensumstände der alten Ägypter sehr informativ und kindgerecht dargestellt. Man kann durchaus darauf hoffen, dass sich ein Kind nach der Lektüre dieses Buches dann weiter für das alte Ägypten interessiert und noch ein Buch aus dieser Zeit lesen will.
"Daumen hoch" für diese schöne Idee, den Leser zum Miträtseln zu bringen, ihm nebenbei auch noch etwas beizubringen und sogar ein wenig Geschichte zu vermitteln!


Die Pharaonen
Die Pharaonen
von Christian Jacq
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen kindgerechter, toll bebilderter Überblick über 3000 Jahre Geschichte, 8. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Pharaonen (Taschenbuch)
Nach dem Besuch einer Schule, wo er Schülern etwas über das Alte Ägypten erzählte, entstand bei Christian Jacq die Idee, aus all den Fragen, die ihm die Schüler gestellt hatten, ein Buch speziell für Kinder und Jugendliche zu machen. "Die Pharaonen" ist das Ergebnis. Auf ca. 150 Seiten stellt Jacq das Ägypten der Pharaonen vor.

Er beginnt mit zwei allgemeinen Kapiteln über das Land Ägypten und über die Aufgaben und die Macht eines Pharaos. Dabei erläutert er auch die Einteilung der Geschichte des Landes in die verschiedenen Epochen und Dynastien. Die weiteren Kapitel folgen dann dieser Einteilung, das heißt er beginnt beim Alten Reich und arbeitet sich bis zum Untergang in der römischen Zeit vor. Aus jeder Epoche stellt er die wichtigsten Ereignisse und Pharaonen vor.

Als formalen Rahmen hat er eine Reise durch Ägypten gewählt, die er mit zwei Kindern unternimmt. Diese Kinder stellen ihm immer wieder Fragen zu den Orten, an denen sie gerade sind. Und Jacq versucht diese Fragen so zu beantworten, dass ein Kind es auch verstehen würde. Dabei scheut er sich auch nicht, Märchen und Fabeln einzustreuen, bspw. über den Zauberer am Hofe des Cheops, der geköpften Tieren den Kopf wieder aufsetzen konnte. Aber schließlich ist uns diese Geschichte schriftlich überliefert – Christian Jacq hat sie sich nicht ausgedacht! Und sicher ist sie für Kinder interessanter, als trockene Jahreszahlen und Grenzverschiebungen.

Natürlich können die einzelnen Epochen und ihre Inhalte nur kurz angerissen werden und vieles bleibt gänzlich unerwähnt. Wie will man 3000 Jahre Geschichte auch sonst auf 150 Seiten unterbringen? Detaillierte und historisch korrekte Erzählungen einzelner Sachverhalte darf man hier nicht erwarten. Es geht um einen groben, aber durchaus kurzweiligen Überblick.

Obwohl einem erwachsenen Leser manche Fragen der Kinder etwas an den Haaren herbeigezogen erscheinen – als habe sich Christian Jacq die Frage passend zur Antwort, die er gerne geben wollte, erst ausgedacht – so sind die Antworten doch kindgerecht und vermitteln einen guten Überblick über das Alte Ägypten.

Besonders hervorheben muss ich die vielen schönen Bilder, die fast jede Seite zieren. Auch dies ist durchaus kindgerecht, denn ein Text liest sich eben viel leichter, wenn ein hübsches Bild dabei ist. Insbesondere die Idee, Szenen aus Reliefs so freizustellen, dass nur noch das Wesentliche übrig bleibt, ist – wie beim Nilgott Hapi auf S.14 – ganz hervorragend erdacht und umgesetzt.

Eine tabellarische Epochenübersicht, ein Glossar, die wichtigsten Götter, ein Stichwortregister und ein nach Seiten geordneter Bildnachweis runden den informativen Anhang ab. Was dort allerdings fehlt, ist eine Liste mit weiterführender Literatur, die man speziell jungen Lesern empfehlen könnte, die sich nach der Lektüre dieses Buches dann hoffentlich weiter mit dem Alten Ägypten beschäftigen wollen. Aber das ist auch schon meine ganze Kritik an diesem Buch.

Das Buch "Die Pharaonen" ist trotz der manchmal etwas unnatürlich erscheinenden Fragen ein hervorragender Einstieg in das Thema des Alten Ägyptens. Es bietet natürlich nur einen groben Überblick über 3000 Jahre Geschichte, kann aber interessierten Kindern dennoch viel Wissen vermitteln. Dazu hat es tolle Bilder, welche das Gelesene sehr hübsch veranschaulichen und das Durchblättern auch für Erwachsene interessant machen.
Geschichtsunterricht à la Christian Jacq – so geht man gern zur Schule!


Dem Pharao versprochen
Dem Pharao versprochen
von Marliese Arold
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen romantische Mädchenlektüre vor historischem Hintergrund, 20. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Dem Pharao versprochen (Gebundene Ausgabe)
Dieser Jugendroman handelt von Prinzessin Anchesenamun, die bereits im Kindesalter mit ihrem Halbbruder Tutanchamun verheiratet wurde und seit dieser Zeit offiziell die Königin Ägyptens ist. Die nun 14-jährige Anchesenamun erlebt auf einmal ihre erste große Liebe. Leider ist es nicht ihr Ehemann - sie verliebt sich in Duamutef, den Bruder ihrer besten Freundin Selket. Natürlich darf diese Liebe nicht sein, aber welcher Jugendliche hätte sich je von Verboten abhalten lassen!?!

Es ist eine sehr romantische Geschichte geworden, die uns Marliese Arold hier erzählt. Anchesenamun ist hin- und hergerissen zwischen Liebe und Pflicht, zwischen innerer Aufruhr und äußerem Gleichmut. Als sie mit Duamutef bei einem heimlichen Treffen im Palastgarten beobachtet wird, muss Duamutef vor dem Zorn des Pharaos aus der Stadt fliehen und Anchesenamun stürzt noch tiefer in das Chaos der Gefühle. Die Geschichte gewinnt durch diese Wendung eine gewisse Spannung. Allerdings wird sie zu keiner Zeit so spannend, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen könnte.

Sehr schön ist der Einfall der Autorin, jedes Kapitel mit einem von Anchesenamun selbst verfassten Text zu beginnen. In diesen tagebuchähnlichen Passagen erfahren wir von ihren Sorgen und Ängsten, aber auch von ihrer großen Liebe und dem bedingungslosen Vertrauen zu ihrer besten Freundin Selket. Hier kann sich die Autorin hervorragend in die Gedankenwelt eines 14-jährigen Mädchens versetzen. Durch diese in der Ich-Perspektive geschriebenen Gedanken schafft sie es, dass sich nicht nur jugendliche Mädchen sondern wohl alle Leser, die sich an ihre Pubertät zurückerinnern, mit der jungen Heldin identifizieren können. Und diese Identifikation ist es ja, die einen Leser an ein Buch zu fesseln vermag.

Zwei Kritikpunkte dürfen nicht unerwähnt bleiben. Man erfährt leider nicht viel über die Epoche, in der die Geschichte spielt. Dabei handelt es sich um eine der interessantesten Zeitabschnitte des Alten Ägypten, denn Anchesenamuns Eltern, Pharao Echnaton und Königin Nofretete, gehörten zu den schillerndsten Persönlichkeiten im pharaonischen Ägypten. Es wäre interessant gewesen zu erfahren, wie Tochter oder Sohn die revolutionären Veränderungen ihrer Eltern - und auch ihren anschließenden Untergang - miterlebt haben. Die Autorin hat hier die Möglichkeit vergeben, ihren jungen Lesern zumindest ein paar Fakten über dieses gänzlich ungewöhnliche Königspaar zu vermitteln.
Auch andere historische Details, wie Kleidung, Bräuche, Feste oder die vielschichtige ägyptische Götterwelt, kommen in dem Roman kaum vor. Nun ist Marliese Arold keine Ägyptologin, aber von einem historischen Roman erhoffe ich mir doch auch immer, etwas über die Zeit zu erfahren, in der die Geschichte spielt.

Mein zweiter Kritikpunkt ist, dass die Geschichte fast nur von Anchesenamuns Gefühlswelt handelt. Es gibt keine wirkliche Spannung in der Handlung - von der Frage, wie diese unmögliche Liebe wohl enden soll, einmal abgesehen. Es passieren auch keine Abenteuer, es gibt keine lebensgefährlichen Situationen, welche die Helden durchzustehen hätten. Alles rankt sich um die Gefühle eines pubertierenden Mädchens. Es ist daher in meinen Augen ein reines Mädchenbuch. Ich hätte nichts dagegen, dass mein Sohn es liest. Wenn er davon aber anschließend begeistert wäre, würde ich stutzig werden.

Ich vergebe trotzdem 4 Sterne. Wenn man es als das nimmt, was es ist, nämlich ein romantisches Buch für Mädchen (und Erwachsene, die sich in ein Mädchen hineindenken können), dann ist es ein sehr fantasievolles und wirklich gut geschriebenes Jugendbuch, denn Marliese Arold versteht ihr Handwerk. Den einen Stern Abzug aber gibt es, weil ich eben kein Mädchen bin, und auch ein wenig enttäuscht, dass so wenig von der einmaligen Hochkultur der alten Ägypter in diesem Roman zu finden ist.


Ewig fließen die Wasser des Nil : Roman.
Ewig fließen die Wasser des Nil : Roman.
von Susanne Scheibler
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen bewegendes Portrait einer lebenslangen Frauenfreundschaft, 11. Juni 2011
Über die Amarnazeit, die Regierungszeit des sogenannten "Ketzerkönigs" Echnaton, gibt es auch heute noch mehr offene als beantwortete Fragen. Woher stammte Nofretete? Warum verschwindet sie in den bekannten Quellen plötzlich spurlos? Hat Semenchkare wirklich als Pharao regiert? Wer schrieb den Brief, in dem eine ägyptische Herrscherin den König der feindlichen Hethiter bittet, ihr einen seiner Söhne als Gemahl zu schicken? Wer war Tutanchamuns Mutter?
Wie viele andere, so entwirft auch dieser Roman eine mögliche Version dieser Periode. Aber die Stärke dieses Buchs ist nicht die Aneinanderreihung der geschichtlichen Ereignisse, nicht die gewählte Deutung der heute bekannten Fakten. Was mich fasziniert hat, ist vielmehr die Geschichte der beiden Frauen Mirjah und Nofretete, die von ihrer Geburt bis zu ihrem Tod untrennbar miteinander verbunden sind. Verbunden durch ein Band, das alle Erschütterungen des Lebens übersteht, das stärker ist als Treue und Verrat, stärker als Liebe und Hass.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht Mirjahs, deren Zwillingsschwester direkt nach der Geburt getötet wird, damit ihre Mutter als Amme der Prinzessin Taduchepa fungieren kann. Mirjah hätte also von Beginn an allen Grund, diese Pinzessin zu hassen. Aber zwischen den beiden entwickelt sich dennoch eine tiefe Freundschaft. So folgt Mirjah der Prinzessin, als diese zur Heirat mit dem alten Pharao Amenophis nach Ägypten geschickt wird. Da Nofretete ("die Schöne ist gekommen"), wie die Prinzessin von den Ägyptern genannt wird, sich aber in den jungen Thronfolger verliebt, tut sie alles, um ihre Unschuld zu bewahren. Dieses Ziel stellt sie auch über ihre Freundschaft zu Mirjah, die daraufhin Dinge erleben muss, die zu einem ersten Bruch in der Freundschaft der beiden Frauen führt.

Nach dem Tod des alten Pharao wird Nofretete tatsächlich die Gemahlin des jungen Echnaton und unterstützt diesen fortan bei seinem umwälzenden Plan, die alten Götter durch einen einzigen zu ersetzen. Mirjah verliebt sich dagegen in Sethos und heiratet diesen auch, obwohl sie bereits vor der Hochzeit merkt, dass er insgeheim Nofretete begehrt. Trotz vieler glücklicher Jahre mit Sethos hat Mirjah dennoch immer Angst, dass Sethos seinen Gefühlen für Nofrete nachgeben könnte. Und als sie sich erneut mit Nofretete entzweit, rächt sich diese dafür bitter an ihr.
Obwohl also Nofretete im Verlauf der Geschichte Mirjah einige schreckliche Dinge antut, die deren Liebe zweitweise sogar in Hass umschlagen lassen, so wird die besondere Beziehung dieser beiden Frauen dennoch nie verschwinden. Das erfährt der Leser bereits in der Einleitung des Buches, wenn Mirjah, am Sterbebett ihrer Freundin Nofretete sitzend, sagt: »Es war mir bestimmt, mit ihr zu leben, und selbst in der Zeit, da ich sie hasste, habe ich sie doch immer noch geliebt, so wie man auch sich selbst lieben und hassen kann, um der Dinge die man tut«. Trotz aller Leiden und Schicksalsschläge bleiben die Lebenswege der beiden Frauen also miteinander verbunden - und nur der Tod vermag dies zu ändern.

Der Autorin gelingt es dabei meisterhaft, die völlig gegensätzlichen Gefühle zwischen Mirjah und Nofretete, später aber auch zwischen Mirjah und ihrem Ehemann Sethos, wirklich plausibel und lebensecht aufeinander folgen zu lassen. Die Personen in diesem Buch werden mit all ihren Gegensätzen so gekonnt beschrieben, dass keine Figur künstlich wirkt. Mit blutendem Herzen und ein wenig ungläubig verfolgt man die wechselvollen Beziehungen der Hauptfiguren und muss doch zugeben, dass nichts davon unmöglich ist, denn wir alle wissen, dass selbst tiefe Wunden irgendwann verheilen und auch die aufgewühltesten Empfindungen sich mit der Zeit beruhigen.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass gegen Ende des Buches die Ereignisse nach dem Tod Echnatons in einem viel höheren Tempo erzählt werden und hier auch kaum noch Charakterstudien erfolgen. Als sei die wirklich interessante Geschichte mit dem Tode des Pharaos zuende erzählt und die Autorin würde nun schnell noch das Ende der Epoche nachreichen. Das Wie und Warum der finalen Annäherung Mirjahs an Nofretete nach jahrelanger Ablehnung kommt dadurch ein bisschen zu kurz, finde ich. Aber dies soll die insgesamt fabelhafte Leistung Susanne Scheiblers wirklich nicht schmälern.

Mein Fazit: Ein interessanter Entwurf der möglichen Ereignisse jener Zeit, mit glaubwürdigen Figuren und einer sehr reellen Geschichte, die nie gekünstelt wirkt. Ein wirklich empfehlenswertes Buch für Leser, die gute Charaktere und glaubhafte zwischenmenschliche Beziehungen in einem Roman zu schätzen wissen.


Deshret Rote Erde: Historischer Roman
Deshret Rote Erde: Historischer Roman
von Katharina Remy
  Broschiert
Preis: EUR 16,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Cheops als schwuler und drogenabhängiger Pharao, 11. Juni 2011
Der angehende Baumeister Chenu wird von seinem Elternhaus verstoßen, als er im Tempel die Leiche einer Prinzessin findet. Auf sich allein gestellt, geht er in die Hauptstadt und findet Unterschlupf im Haus der alten und wunderlichen Ärzte Teos und Teti. Sie bilden ihn zum Arzt aus und ermöglichen ihm auch seinen Abschluss als Baumeister. Pharao Chufu (bei uns eher als Cheops bekannt), dessen Frau die ermordete Prinzessin war, lädt Chenu und dessen Schwester Karoma zum Dank in den Palast ein. Im Verlauf eines im wahrsten Sinne des Wortes berauschenden Festes werden sowohl Chenu als auch Karoma von Chufu und dessen Vetter Hemon vergewaltigt. Chenu wird den beiden diese Erniedrigung sein Leben lang nicht verzeihen. Als Karoma schwanger wird, heiratet Chufu sie, und erkennt damit das Kind seines Vetters als sein eigenes an. Genau aus diesem Grund war die "Verführung" auch geplant worden, denn da der Pharao Männer liebt, kann er die Thronfolge nur mit Hilfe seines Vetters sichern.

Zum Dank, und auch, weil er sich in Chenu verliebt hat, macht Pharao Chufu seinen neuen Schwager zu seinem Leibarzt und zum obersten Baumeister. In seinem Auftrag baut Chenu einen Tempel für die ermordete Prinzessin: ein großes Abbild des Pharaos als Löwen mit Chufus Kopf (die Sphinx). Als er danach beauftragt wird, ein Bauwerk zu erschaffen, mit dem die Sterne des Osiris auf die Erde geholt werden können, steht Chenu vor seinem größten Projekt. Er plant die Errichtung von drei riesigen Pyramiden, die wie die Gürtelsterne im Sternbild des Osiris angeordnet werden sollen.
Aber als eine weitere Ehefrau Chufus ermordet wird und seine große königliche Gemahlin nur knapp einem Anschlag entgeht, muss Chenu seine Baupläne zunächst aufschieben, denn Chufu beauftragt ihn, den Mörder zu suchen.

Chufu (Cheops) als schwuler und drogenabhängiger Herrscher, der seine Thronfolge nur sichern kann, wenn sein Vetter Hemon für ihn die Frauen schwängert, wofür die beiden auch vor Vergewaltigung nicht zurückschrecken. Leibarzt und Baumeister Chenu, der Protagonist, begehrt den Körper seiner eigenen Schwester. Seine Ehefrau ist ihm gleichgültig - er hat ihr in der Hochzeitsnacht Gewalt angetan und zu allem Überfluss dabei auch noch den Namen seiner Schwester ausgerufen. Und die geliebte Schwester Karoma belügt ihren Bruder, um ihn für ihre Zwecke einzuspannen. Dass trotz all dieser Unappetitlichkeiten das Buch dennoch lesenswert ist, liegt einzig und allein an den tollen Charakterzeichnungen.

Alle Hauptfiguren sind innerlich zerrissen: Chenu verzehrt sich nach seiner Schwester und kann daher keine andere Frau lieben. Chufu liebt Chenu, der diese Liebe aber angewidert abweist. Karoma muss Chufus Frau werden, obwohl der für ihre Vergewaltigung verantwortlich ist. Hemon und seine Schwester, Chufus Gemahlin Meritites, sind wunderschön, aber innerlich kalt und berechnend. Und die Ärzte Teos und Teti leben in Armut, haben aber den Keller voll Gold, das sie nie anrühren und dessen düsteres Geheimnis sie nicht preisgeben wollen.

Die Autorin schafft es durch pointierte Charakterzeichnungen tatsächlich, dass die Beziehungen zwischen den Figuren wichtiger und interessanter werden, als die eigentliche Geschichte, die farblos bleibt und fast nur nebenbei erzählt wird. Doch trotz der gut herausgearbeiteten Figuren und den psychologischen Einblicken in die Seelen der Figuren konnte mich das Buch nicht wirklich begeistern. Das liegt zum einen daran, dass die Geschichte eben nur als Kulisse für die Entwicklung der Figuren dient. Nicht einmal die Mordfälle bringen Spannung hinein. Nicht ein einziges mal beschreibt Katharina Remy die drohende Gefahr, bspw. wie der Mörder sich anschleicht oder wie das Opfer etwas ahnt und Angst bekommt. Es wird einfach nebenbei erwähnt, dass schon wieder eine Frau umgebracht wurde. Lediglich der Showdown in der Wüste ganz am Ende des Romans wird ausführlich und intensiv beschrieben.
Zum anderen fehlen mir in dieser Geschichte die guten und aufrechten Gefühle. Obwohl die Beziehungen der Figuren untereinander im Vordergrund des Romans stehen, bleibt wahre Liebe nur eine Randerscheinung. Es wird begehrt, verführt und vergewaltigt, aber es wird nicht geliebt. Nur die Dienerin der beiden alten Ärzte, das Mädchen Selkis - das Chenu mehr aus einer Laune heraus geheiratet hat - liebt den jungen Chenu anfangs wirklich. Aber sein Verhalten in der Hochzeitsnacht zerstört diese Liebe so nachhaltig, dass Selkis ihr gemeinsames Kind lebenslang vor ihm verheimlicht. Dabei schildert uns die Autorin im weiteren Verlauf, dass Selkis und Chenu es in ihrem späteren Leben schaffen, ein respektvolles Verhältnis zueinander aufzubauen. Warum hat sie hier nicht die Chance genutzt, die Geschichte mit ein wenig Liebe anzureichern und ihr dadurch Wärme zu geben? Es war ihr anscheinend wichtiger, die innere Zerrissenheit aller Personen zu schildern sowie ihre lebenslange Unfähigkeit, wirklich zu lieben.

Erst kurz vor seinem Tod bedauert Chenu, dass er sowohl Chufus als auch Selkis' Liebe mit Füßen getreten hat. Aber da ist es zu spät - beide sind bereits tot. Er begreift, dass zwar seine Bauwerke - die Sphinx und die große Pyramide - die Zeit überdauern werden, er ansonsten aber in seinem Leben nichts bewirkt und anderen nur Leid zugefügt hat. Und so endet das Buch für mich, wie es begann: mit unschönen Szenen und einem unguten Gefühl beim Leser.


Pharao und Sport (Zaberns Bildbaende Zur Archaeologie)
Pharao und Sport (Zaberns Bildbaende Zur Archaeologie)
von Wolfgang Decker
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen tolle Fotos, anspruchsvoller Text. Ein Fachbuch für den Ägyptomanen., 15. Mai 2011
Wolfgang Decker, Professor für Sportgeschichte, teilt sein Buch in zwei Hälften. In der ersten Hälfte zeigt er auf, welche sportlichen Betätigungen manche Pharaonen selbst ausübten. Dabei ist der Begriff "Sport" recht weit gefasst, denn ob man ein Brettspiel oder die Jagd nach Vögeln mit dem Wurfholz als Sport ansehen kann, sei dahingestellt. Andere Bewegungsformen, wie das Schlagen eines Balles mit einem Stock oder der Lauf des Pharaos zum Jubiläumsfest hatten eher kultische denn sportliche Bedeutung. Das Bogenschießen und das Fahren des Streitwagens erforderten dagegen sicher athletische Fertigkeiten. Allerdings wurden auch sie niemals aus sportlichen Motiven betrieben sondern waren der militärischen Ausbildung geschuldet, die der Pharao als oberster Feldherr einfach beherrschen musste. Der Autor sagt selbst sehr deutlich, dass ein Pharao niemals tatsächlich an einem sportlichen Wettkampf teilgenommen hätte, weil er als lebender Gott ohnehin unbesiegbar, und das Gegenteil völlig undenkbar war. Pharao und Sport? Die erste Hälfte des Buches legitimiert diesen Titel noch nicht.
Im zweiten Teil wird der Sport vorgestellt, der nicht vom, sondern für den Pharao veranstaltet wurde. Hier geht es dann tatsächlich um richtigen Sport, wie wir ihn auch heute verstehen. In Wettbewerben oder Zweikämpfen wurde zur Erbauung eines Pharaos z.B. gegeneinander gerudert, gerungen, gelaufen oder gefochten. Es wurden sogar Texte gefunden, die ein systematisches sportliches Training belegen.

Das Buch ist in der Reihe »Zaberns Bildbände zur Archäologie« erschienen und beeindruckt durch die vielen Abbildungen (94 Fotos und 17 Zeichnungen), unter denen die ganzseitigen Fotos besonders hervorstechen. Allerdings haben wir es hier nicht mit einem hübschen und leicht verständlichen Bilderbuch zu tun. Man merkt den Texten an, dass sie von einem Professor verfasst wurden, der gewohnt ist, vor einem wissenschaftlich interessierten Publikum zu sprechen. Die Texte stehen auf einem hohen sprachlichen Niveau und enthalten eine Reihe lateinischer Ausdrücke und Fachbegriffe, die nicht immer erläutert werden. Wer kein kleines Latinum oder zumindest eine sehr gute Allgemeinbildung besitzt, sollte ein Fremdwörterlexikon bereithalten, wenn er alles verstehen will.
Andererseits muss man ja auch nicht alles im Detail verstehen. Die generellen Aussagen der Texte sind auch für den wissenschaftlichen Laien verständlich und die vielen Bilder tragen natürlich auch zur Anschaulichkeit der Themen bei. Die einzelnen Kapitel sind in sich abgeschlossen und können daher in beliebiger Reihenfolge gelesen werden.

Einen Bewertungsstern muss ich abziehen, weil der Autor ein paar Fremdworte und Fachbegriffe zu viel verwendet, dafür ein paar Erklärungen zu wenig gibt (was bedeuten die hochgestellten Zahlen, was die eckigen bzw. die runden Klammern in Übersetzungen) und es dem normalen Leser dadurch unnötig schwer macht. Aber für die hohe Druckqualität, die teilweise tollen Fotos, die im Großformat des Buches besonders gut zur Geltung kommen, und die Tatsache, dass der textliche Inhalt selbst wissenschaftlich ambitionierte Leser befriedigen dürfte, sind die restlichen vier Sterne hochverdient.


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