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Die beste Buchhandlung der Welt: Wo Schriftsteller ihre Bücher kaufen - 50 Lobpreisungen
Die beste Buchhandlung der Welt: Wo Schriftsteller ihre Bücher kaufen - 50 Lobpreisungen
von Holger Heimann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein kleiner Schatz, 3. Januar 2013
“Ich kaufe die Bücher nicht, weil ich sie alle benötige, sondern weil ich mir ausmale, wie herrlich es sein wird, sie demnächst – sagen wir: eines Tages, zu lesen.” (Durs Grünbein)

Jeder von uns hat sie sicher, “seine” Buchhandlung, in die er immer wieder gerne geht, in der er sich gut beraten und aufgehoben fühlt. Für manche ist das die kleine Bücherstube um die Ecke, wo man vielleicht schon als Kind eingekauft hat, für andere kann es der riesen Laden einer großen Kette sein. Vorlieben sind verschieden. Manche mögen den persönlichen Kontakt, andere wollen lieber anonym und in Ruhe in einer großen Auswahl stöbern. Vereinen tut sie alle das Verlangen nach Büchern, nach Lesestoff für ihre Sucht. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich fühle mich in guten Buchhandlungen immer ein wenig wie ein kleines Kind zu Weihnachten. Gerade, wenn ich das Geschäft vorher noch nicht kenne, beschleicht mich immer eine angenehme Aufgeregtheit, wenn ich durch die Türen gehe und an den Regalen entlang schlendere.

Dieses Gefühl bringen auch die 50 Autoren, die hier im Buch zu Wort kommen, zum Ausdruck. Sie alle erzählen von ihrer Lieblingsbuchhandlung. Warum es gerade dieser Laden ist und nicht ein anderer, was ihnen beim Bücherkauf wichtig ist und welche persönlichen Geschichten sie mit diesem speziellen Stückchen Buchhimmel verbinden. Sie machen das auf ernste, lustige, ironische, offene Art und Weise und ihre Begründungen sind ganz unterschiedlich.

Urs Widmer liebt die Buchhandlung am Hottingerplatz in Zürich, weil er da auch mal schnell in Pantoffeln hinschlurfen kann, Adolf Muschg baut zum Besitzer des Ladens eine ganz spezielle Beziehung auf und besucht daher besonders gern die Regensburger Buchhandlung Atlantis, wieder anderen geht es vor allem um gute Buchempfehlungen, um die Erinnerung an Tante Helli oder um den Geruch nach “Papier, Staub und zwischen Buchdeckeln konservierter Zeit.”

Es gibt auch durchaus Autoren, die den Mut haben, dazu zu stehen, hauptsächlich in großen Ketten einzukaufen – Thalia Hamburg wird z.B. einmal genannt oder auch Orell & Füssli in der Schweiz. Einzig der Online Buchhandel bleibt außen vor.

Den Anfang der Reihe macht Andreas Maier, ein Autor, den ich letztes Jahr erst entdeckt habe und sehr schätze. Zugegeben, dass er sich ausgerechnet die Buchhandlung ausgesucht hat, in der ich selbst als Jugendliche oft war – die “Bindernagelschen Buchhandlung” in Friedberg – hat ihm und dem ganzen Buch einen dicken Pluspunkt bei mir eingebracht.

Jedem Autor stehen zwei bis drei Seiten zur Verfügung und in jedem Kapitel gibt es zur Auflockerung eine große schwarz/weiß Fotografie der genannten Buchhandlung, des Autors oder des Inhabers des Ladens.

Der Titel ist vielleicht nicht ganz so glücklich gewählt.
“Die besten Buchhandlungen Deutschlands” hätte ich passender gefunden, dann eigentlich erwartet man bei dem Titel, Buchhandlungen aus der ganzen Welt kennenzulernen. Das ist hier aber nicht der Fall. Trotzdem ist das Buch ein kleines Schatzkästchen, in dem ich sehr gern gestöbert habe. Sicherlich werde ich bei meinen Reisen auch mal in den einen oder anderen Land reinschauen.

Am Ende des Buches findet sich eine Liste mit allen genannten Buchhandlungen und eine Liste aller Autoren, die in diesem Werk zu Wort kommen. Das erspart einem das Einkleben von Merkzettelchen, eine Tatsache, die ich sehr schätze.

Meine Lieblingsbuchhandlung findet sich übrigens dort, wo sie kaum einer vermuten mag – in der Dubai Mall: “Book World” by Kinokuniya. Ein wunderbarer Laden, der zwar sehr groß ist, aber trotzdem seine ganz eigene Atmosphäre hat. Ich liebe es, neben Arabern, Deutschen, Amerikanern, Franzosen nach guten Büchern zu suchen. Die Liebe zu den Büchern führt hier fast die ganze Welt friedlich zusammen.

“Die Türen sind offen – für alle, die hindurchgehen wollen.” (Holger Heimann)

In diesem Sinne gebe ich dem Buch fünf Sterne und freue mich selbst auf den nächsten Besuch in der Buchhandlung!


Herr Eichhorn und der erste Schnee
Herr Eichhorn und der erste Schnee
von Sebastian Meschenmoser
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zauberhaft!, 26. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
„Der Winter”, erzählt der Bock, “ist wunderschön. Es fallen Schneeflocken aus dem Himmel und alles wird weiß!”

Wie toll das klingt!
Doch Herr Eichhorn hat den Winter nie erlebt, er hat ihn bisher immer verschlafen. Noch nie hat er den weißen, weichen, kalten Schnee gesehen. Und so fasst er einen Plan: dieses Jahr bleibt er wach! So lange, bis die erste Flocke fällt und der Winter beginnt! Doch ganz so einfach wird es nicht, denn der Schlaf ist mächtig. Zum Glück findet er zwei Freunde, die mit ihm warten, denn durch Herr Eichhorns laute Aktivitäten kommen sie eh nicht zum Winterschlaf.

Und so vertreiben sie sich die Zeit. Sie singen fröhlich vor sich hin und denken laut nach, wie denn der Schnee überhaupt aussehen könnte. Und plötzlich werden sie unruhig: was, wenn die erste Schneeflocke schon gefallen ist, ohne dass sie sie bemerkt haben? Wenn sie irgendwo herum liegt und es schon längst Winter ist? Und so machen sie sich ganz schnell auf die Suche. Da sie jedoch nicht wissen, wie Schnee aussieht, finden sie die abenteuerlichsten Sachen…

Autor und Illustrator Sebastian Meschenmoser hat hier einen kleinen Schatz geschaffen.
In wunderschönen Zeichnungen und mit viel Humor erzählt er von dem Abenteuer Schneeflocke. Die Bilder haben mich oft schmunzeln lassen, viel Text ist eigentlich gar nicht nötig, denn die Geschichte wird auch so auf wunderbare Art und Weise erzählt. Leseanfänger werden an diesem Buch ihre helle Freude haben und auch die Vorleser werden von den Bildern und Texten begeistert sein. Ein Buch mit viel Herz, das einen wunderbar auf die Winterzeit einstimmt.

Mit seinen zauberhaften Zeichnungen hat sich dieses Werk in mein Herz geschlichen und daher bekommen Herr Eichhorn und seine Freunde auch fünf Sterne von mir!


Gone Missing (Kate Burkholder Novels)
Gone Missing (Kate Burkholder Novels)
von Linda Castillo
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,59

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Castillo kann es einfach, 4. Dezember 2012
Und weiter geht es mit Polizeichefin Kate Burkholder.
“Gone Missing” reiht sich nahtlos in Castillos spannende Reihe rund um die Amish Gemeinde in Ohio ein.

Es beginnt mit einem Selbstmord. Jahre danach verschwinden jugendliche Amish spurlos, meistens während ihrer “Rumspringa” – Zeit, der Zeit, in der sie sich als Teenager austoben dürfen, um zu entscheiden, ob sie in der Amish Gemeinde bleiben oder ob sie lieber ins “normale” US Leben wechseln wollen. Als wieder ein Mädchen auf dem Heimweg verschwindet, bittet John Tomasetti Kate Burkholder um Hilfe. Zum ersten Mal verlässt Kate ihren Bezirk in Painters Mill, um ihrem Freund und Partner bei seinen Ermittlungen vor Ort zu helfen. Tomasetti hofft, dass Kate es schafft, zu den Amish durchzudringen, denn die sind den “English” gegenüber eher ablehnend eingestellt und versuchen ihre Probleme allein zu lösen. Doch die Zeit arbeitet gegen sie. Als plötzlich auch Kates Familie in die Ereignisse verwickelt wird, muss Kate alles dran setzen, um die Täter zu finden. Was haben all diese verschiedenen Fälle miteinander zu tun? Und vor allem: leben die Kinder noch?

Ein weiterer toller Thriller aus der Feder Linda Castillos, voller Spannung und unerwarteter Wendungen. Hier geht es nicht so sehr um Blut und Gewalt, dieses Buch lebt von der psychologischen Komponente. Was treibt Menschen zu gewissen Taten? Ist das Böse tatsächlich immer nur das reine Böse? Wieviel Grau ist im Schwarz?

Es ist spannend, Tomasetti und Kate dabei zu beobachten, wie sie Puzzleteil um Puzzleteil zusammenlegen und so einem Verbrechen auf die Spur kommen, das Jahre in die Vergangenheit reicht.
Besonders gut hat mir jedoch vor allem die Charakterentwicklung der Hauptpersonen gefallen. Wir begleiten sie ja nun schon bei der Aufklärung ihres vierten Falls und ein wenig ist es so, als würde man alte Freunde wiedertreffen, als wäre man selbst Teil des Teams. Man lernt mehr und mehr Eigenheiten der Anderen kennen, man merkt, wie sich ihre persönliche Beziehung zueinander ändert. Kate denkt viel öfter über Tomasetti nach als in den ersten Bänden – ob die beiden tatsächliche eine Chance haben, was sie zurückhält, so dass sie nicht einfach aus freiem Herzen “ja” sagen kann zu der Art Beziehung, die ihrem Kollegen so vorschwebt. Diese widersprüchlichen Gefühle waren schon immer vorhanden, aber Castillo räumt ihnen in “Gone Missing” viel mehr Platz ein – jedoch nicht so viel, dass sie vom eigentlichen, spannenden Thema ablenken.

Wie immer überrascht die Auflösung des Falles, wie immer, ist es anders als man denkt. Castillo schafft es, den Leser auf falsche Spuren zu locken, nur um ihm dann ein “Ätsch, so ist es nicht” um die Ohren zu hauen, so dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte.

Ich bin auf die Fortsetzung dieser Reihe sehr gespannt, denn das Ende lässt vermuten, dass da noch etwas nachkommt. Und sicher werde ich auch bei Band 5 nicht so lange warten können, bis das Buch auf Deutsch erscheint. Das ist immer ein Hinweis darauf, wie gut ich die Bücher tatsächlich finde.

Einen kleinen Stern ziehe ich trotzdem ab – es waren mir etwas zu viele Wiederholungen im Buch. Für Leser, die die ersten Teile der Geschichte nicht kennen, sind diese sicherlich hilfreich, für Fans von Kate Burkholder sind sie jedoch eher lästig.

Also gibt es vier Sterne für die Verbrechen in Amish County – Castillo ist immer lesenswert!

Korrekte Reihenfolge der Serie (mit den deutschen Titeln):

Sworn to Silence / Die Zahlen der Toten
Pray for Silence /Blutige Stille
Breaking Silence / Wenn die Nacht verstummt
Gone missing / Tödliche Wut


The One and Only Ivan
The One and Only Ivan
von Katherine Applegate
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,47

5.0 von 5 Sternen Dieses Buch hat eine Seele, 27. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The One and Only Ivan (Taschenbuch)
Was für eine wunderschöne Geschichte!
Ein Buch, das Erwachsene genauso gern lesen werden wie Jugendliche und Kinder. Leider ist es bisher nur auf Englisch erschienen.

“I am Ivan. I am a gorilla.
It’s not as easy as it looks.”

Der Gorilla Ivan lebt in einem kleinen Käfig an der Ausfahrt 8 in der “Big Top Mall”. Er ist das Leben dort gewöhnt, schaut Fernsehen, beobachtet die Menschen und unterhält sich mit Bob, einem Streuner und mit Stella, seiner Nachbarin, einer älteren Elefantendame, die regelmäßig in der Mall auftritt. Den Dschungel vermisst er nicht wirklich. Ja er kann sich kaum noch an sein früheres Leben erinnern, denn Ivan ist als Baby nach Amerika gekommen. Und so wartet er einfach in seinem Käfig darauf, dass die Zeit vergeht, schläft, isst und malt Bilder mit den bunten Stiften, die ihm die Tochter des Hausmeisters ab und zu zusteckt.

“I have been in my domain for nine thousand eight hundred and fifty-five days.
Alone.
For a while, when I was young and foolish, I thought I was the last gorilla on earth.
I tried not to dwell on it. Still, it’s hard stay upbeat when you think there are no more of you.”

Ivan, ist einsam, doch er merkt es nicht, so ist das Leben halt.
Als eines Tages jedoch das Elefantenbaby Ruby in die Mall einzieht, weil sich der Besitzer so mehr Einnahmen erhofft, ändert sich sein Leben auf einen Schlag. Ruby zwingt ihn, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, nachzudenken, Geschichten zu erzählen. Und plötzlich ist da jemand, den er beschützen muss, für den es sich zu kämpfen lohnt und Ivan erinnert sich….

“You’re the one and only Ivan” he calls.
“Mighty Silverback “, I whisper.

Dieses Buch hat eine Seele.
Es ist wunderschön geschrieben, intelligent und trifft genau ins Herz. Dabei ist es keine typisch kitschige oder melodramatische Tiergeschichte, auch keine Geschichte in der es nur schwarz oder weiß, gut oder böse gibt. Es geht um Mitgefühl, um Verantwortung und vor allem um das Miteinander.

Ich habe mich von Anfang an in Ivan verliebt, in die Art, wie er von sich und seinem Leben erzählt.
Er ist alles andere als der dummer Affe für den ihn die Kinder halten, die vor seinem Käfig Grimassen schneiden und sich wild auf die Brust schlagen. In vielerlei Hinsicht ist er menschlicher als viele Menschen vor den Käfiggittern. Und es ist wunderbar zu beobachten, wie sich der große Silberrücken plötzlich verändert als die kleine Ruby in sein Leben tritt, wie ihm bewusst wird, dass er Verantwortung übernehmen muss, wie er plötzlich weiß, dass all das falsch ist, was passiert und sich bemüht, eine Lösung zu finden – wie er kämpft, und zwar nicht für sich, sondern für das zarte Elefantenmädchen mit dem kleinen Rüssel.

Applegates Erzählweise verleiht den Tieren echte Menschlichkeit. Man fühlt sich mit ihnen einsam und hilflos, man lacht und trauert mit ihnen, man hofft und kämpft an Ivans Seite. Und wenn man es nicht schon vorher getan hat, spätestens nach der Lektüre dieses Buches sieht man Tiere mit ganz anderen Augen.

“The One and Only Ivan” sollte in jeder Schulbibliothek stehen, alle Eltern sollten es ihren Kindern vorlesen und alle Erwachsene sollten es selber lesen. Es ist eine Geschichte voller Hoffnung, eine Geschichte, die zum Klassiker werden könnte.

Fünf Sterne für den großen Ivan, der mich zu Tränen gerührt hat.


Dein Ende wird dunkel sein
Dein Ende wird dunkel sein
von Michelle Paver
  Broschiert
Preis: EUR 13,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Buch, das man im Dunkeln lesen sollte….., 19. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Dein Ende wird dunkel sein (Broschiert)
Wir schreiben das Jahr 1937. Der vom Leben benachteiligte Jack schließt sich einer Forschungsexpedition in die Arktis an. Eigentlich sind ihm die reichen und gebildeten Schnösel, die die Expedition begleiten ein Greul, doch er ist arm, kann sich kaum noch das Essen leisten, er braucht diesen Job. Und was ist in seiner Lage besser als einfach mal rauszukommen, raus aus dem Trott, weg von der Arbeit, der Einsamkeit, dem Hunger…

Doch die Expedition scheint von Anfang an verdammt zu sein. Bevor es überhaupt losgeht, fällt schon der erste Teilnehmer aus. Die Schiffsmannschaft und ihr Captain weigern sich zunächst, die jungen Männer nach Gruhuken, einem gottverlassenen Nest weit nördlich zu bringen – es sei verflucht, so munkelt man. Auch die Einheimischen meiden den Ort. Doch die Gruppe kann die Crew schließlich überzeugen und so erreichen sie nach langer Reise ihr Ziel. Das Schiff wird entladen, eine Hütte gebaut, die Huskys versorgt und schon legt der Captain wieder ab. Niemand will in Gruhuken sein, wenn die Polarnacht anbricht…

Die jungen Männer richten ihre Forschungsstation ein und beginnen ihr neues Leben. Ein Jahr wollen sie vor Ort bleiben und das Wetter beobachten. Doch der arktische Sommer ist kurz, Stürme ziehen auf und eines Tages sieht Jack etwas an einer Felswand hochklettern, etwas, das ihm die Haare im Nacken zu Berg stehen lässt, etwas nicht menschliches und es starrt ihn an… Als dann auch noch ein Mitglied der Crew krank wird und die Insel verlassen muss, nimmt der Horror endgültig seinen Lauf.

Kein Buch, das man im Dunkeln lesen sollte…..

“Dark Matter” hat mich überrascht.
Ich habe früher gern und viel Horrorgeschichten gelesen, doch irgendwann fand ich kaum noch Bücher, bei denen mir wirklich Angst und Bange wurde und so vernachlässigte ich das Genre in den letzten Jahren. Als ich auf Goodreads eine Rezension zu diesem Buch las, war meine Neugier geweckt. Die Arktis schien ein wunderbarer Ort für eine Gruselgeschichte zu sein – die Polarnacht, 6 Monate Dunkelheit am Stück, Kälte, Einsamkeit, Sturm… was lauert da draußen? Was wartet, beobachtet, starrt einen an?

Jack war mir von Anfang an sympathisch. Er ist so ehrlich und so sehr bemüht, etwas aus seinem Leben zu machen. Gleichzeitig ist er ein guter Beobachter und jemand, der zu seinem Wort steht.

Die Handlung braucht einige Seiten, bis sie Fahrt aufnimmt, doch irgendwann kriecht das Grauen heran. Man ist sich plötzlich unsicher, ob Jack tatsächlich etwas beobachtet, ob ihn wirklich etwas bedroht oder ob es nur seine Psyche ist, die ihm einen Streich spielt. Führt die menschenfeindliche Umgebung zu einer Paranoia oder ist die Gestalt mit dem großen, runden Kopf und der hochgezogenen Schulter Realität? Mit jedem neuen Sturm, mit der Dunkelheit und den ungewohnten Geräuschen glaubt man Jack mehr, schließlich reagieren auch die Hunde auf die Gefahr, jaulen, flüchten, verstecken sich – oder ist auch das nur Einbildung und in Wirklichkeit starrt niemand durchs dunkle Fenster in die Hütte.

“Dark Matter” ist ein Buch, das einen wirklich das Fürchten lehren kann, vor allem, wenn man es nur mit einem kleinen Leselicht mitten in der Nacht liest. Irgendwann hatte ich selbst das Gefühl, beobachtet zu werden.
Bewegt sich der Schatten in der Ecke des Zimmers? Und wieso ist es plötzlich so kalt? Vielleicht sollte ich den Fuß doch besser unter die Bettdecke ziehen, nicht, dass plötzlich jemand danach greift….

Wer sich gern gruselt, wird an diesem Buch seine Freude haben. Es ist ein Buch für die dunkle und kalte Jahreszeit, ein Buch, das einem Schauer über den Rücken laufen lässt und dazu führt, dass man sich im Dunkeln nicht mehr ganz so wohl fühlt…

4 Sterne für Pavers gut geschriebenen Spuk, der mich nicht enttäuscht, aber ordentlich erschreckt hat. Einen Stern Abzug für die zu lange Einleitung – Fazit: lesenswert.


Dark Matter
Dark Matter
von Michelle Paver
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,08

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Buch, das man im Dunkeln lesen sollte….., 19. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Dark Matter (Taschenbuch)
Wir schreiben das Jahr 1937. Der vom Leben benachteiligte Jack schließt sich einer Forschungsexpedition in die Arktis an. Eigentlich sind ihm die reichen und gebildeten Schnösel, die die Expedition begleiten ein Greul, doch er ist arm, kann sich kaum noch das Essen leisten, er braucht diesen Job. Und was ist in seiner Lage besser als einfach mal rauszukommen, raus aus dem Trott, weg von der Arbeit, der Einsamkeit, dem Hunger…

Doch die Expedition scheint von Anfang an verdammt zu sein. Bevor es überhaupt losgeht, fällt schon der erste Teilnehmer aus. Die Schiffsmannschaft und ihr Captain weigern sich zunächst, die jungen Männer nach Gruhuken, einem gottverlassenen Nest weit nördlich zu bringen – es sei verflucht, so munkelt man. Auch die Einheimischen meiden den Ort. Doch die Gruppe kann die Crew schließlich überzeugen und so erreichen sie nach langer Reise ihr Ziel. Das Schiff wird entladen, eine Hütte gebaut, die Huskys versorgt und schon legt der Captain wieder ab. Niemand will in Gruhuken sein, wenn die Polarnacht anbricht…

Die jungen Männer richten ihre Forschungsstation ein und beginnen ihr neues Leben. Ein Jahr wollen sie vor Ort bleiben und das Wetter beobachten. Doch der arktische Sommer ist kurz, Stürme ziehen auf und eines Tages sieht Jack etwas an einer Felswand hochklettern, etwas, das ihm die Haare im Nacken zu Berg stehen lässt, etwas nicht menschliches und es starrt ihn an… Als dann auch noch ein Mitglied der Crew krank wird und die Insel verlassen muss, nimmt der Horror endgültig seinen Lauf.

“Dark Matter” hat mich überrascht.
Ich habe früher gern und viel Horrorgeschichten gelesen, doch irgendwann fand ich kaum noch Bücher, bei denen mir wirklich Angst und Bange wurde und so vernachlässigte ich das Genre in den letzten Jahren. Als ich auf Goodreads eine Rezension zu diesem Buch las, war meine Neugier geweckt. Die Arktis schien ein wunderbarer Ort für eine Gruselgeschichte zu sein – die Polarnacht, 6 Monate Dunkelheit am Stück, Kälte, Einsamkeit, Sturm… was lauert da draußen? Was wartet, beobachtet, starrt einen an?

Jack war mir von Anfang an sympathisch. Er ist so ehrlich und so sehr bemüht, etwas aus seinem Leben zu machen. Gleichzeitig ist er ein guter Beobachter und jemand, der zu seinem Wort steht.

Die Handlung braucht einige Seiten, bis sie Fahrt aufnimmt, doch irgendwann kriecht das Grauen heran. Man ist sich plötzlich unsicher, ob Jack tatsächlich etwas beobachtet, ob ihn wirklich etwas bedroht oder ob es nur seine Psyche ist, die ihm einen Streich spielt. Führt die menschenfeindliche Umgebung zu einer Paranoia oder ist die Gestalt mit dem großen, runden Kopf und der hochgezogenen Schulter Realität? Mit jedem neuen Sturm, mit der Dunkelheit und den ungewohnten Geräuschen glaubt man Jack mehr, schließlich reagieren auch die Hunde auf die Gefahr, jaulen, flüchten, verstecken sich – oder ist auch das nur Einbildung und in Wirklichkeit starrt niemand durchs dunkle Fenster in die Hütte.

“Dark Matter” ist ein Buch, das einen wirklich das Fürchten lehren kann, vor allem, wenn man es nur mit einem kleinen Leselicht mitten in der Nacht liest. Irgendwann hatte ich selbst das Gefühl, beobachtet zu werden.
Bewegt sich der Schatten in der Ecke des Zimmers? Und wieso ist es plötzlich so kalt? Vielleicht sollte ich den Fuß doch besser unter die Bettdecke ziehen, nicht, dass plötzlich jemand danach greift….

Wer sich gern gruselt, wird an diesem Buch seine Freude haben. Es ist ein Buch für die dunkle und kalte Jahreszeit, ein Buch, das einem Schauer über den Rücken laufen lässt und dazu führt, dass man sich im Dunkeln nicht mehr ganz so wohl fühlt…

4 Sterne für Pavers gut geschriebenen Spuk, der mich nicht enttäuscht, aber ordentlich erschreckt hat. Einen Stern Abzug für die zu lange Einleitung – Fazit: lesenswert.


Der Anschlag
Der Anschlag
von Stephen King
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend, mitreißend - einfach gut!, 14. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Anschlag (Gebundene Ausgabe)
Bevor ich irgendetwas anderes sage, auf den Inhalt, die Charaktere, die Handlung eingehe, muss ich erst etwas loswerden:

OMG!
Was für ein Buch!
Was für ein grandioses Buch!

So, nachdem das raus ist, kann ich zur richtigen Rezension übergehen *g*

Es gab eine Zeit, da habe ich Stephen King gerne gelesen,”Sie”, “Es”, “Friedhof der Kuscheltiere”, “Shining”, “Carrie”, “Cujo”, „Frühling, Sommer, Herbst und Tod” und wie sie alle hießen. Doch irgendwann hat er mich als Leser verloren, ich fand seine Werke nicht mehr ganz so toll und entdeckte neue Autoren für mich. Über “11.22.63″ habe ich aber so viel Gutes gehört, dass ich dann doch neugierig wurde. Außerdem interessierte mich das Thema – Zeitreise, Kennedy Attentat, die Möglichkeit, die Vergangenheit zu verändern… also kaufte ich mir das Buch.
Was für ein Glücksgriff!

Inhalt:

Jacob “Jake” Epping, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, ist Lehrer in Lisbon Falls, Maine und Stammgast im Diner seines Freundes Al Templeton. Eines Morgens besucht er Al zu Hause und stellt erschreckt fest, dass dieser um Jahre gealtert scheint und plötzlich todkrank ist. Wie kann das sein? Er hat sich doch erst gestern von seinem Freund verabschiedet und da war noch alles völlig in Ordnung…. Al gesteht ihm, dass er tatsächlich bald sterben wird, aber er möchte nicht gehen, bevor er Jake nicht in sein Geheimnis eingeweiht hat: im Vorratsschrank seines Diners gibt es ein Zeitportal, geht man hindurch landet man jedes Mal im Jahr 1958, genauer gesagt am 9. September 1958 um 11:58 Uhr.
Jake kann es nicht glauben und so schickt ihn Al eine Stunde in die Vergangenheit und tatsächlich, Jake steigt die Treppen hinunter und steht plötzlich mit beiden Beinen im Jahr 1958. Als er wieder zurückkehrt, erklärt ihm Al, dass egal wie lange er in der Vergangenheit bleibt, in seiner “realen” Zeit immer nur zwei Minuten vergehen. Geht man danach wieder zurück, landet man wieder zur exakt der gleichen Zeit am gleichen Ort – es ist ein komplettes “Reset”. Man kann zwar Sachen aus der Zukunft mitnehmen, doch was man vor Ort lässt, ist weg, sobald man die Treppen wieder hochsteigt. Jake versucht immer noch zu verstehen, was da mit ihm passiert ist als Al ihm seinen ganzen, unglaublichen Plan erläutert. Er hat festgestellt, dass man die Zukunft verändern kann, wenn man in der Vergangenheit Dinge beeinflusst. Doch durch seine Krankheit bleibt Al nicht mehr genug Zeit, seinen großen Plan selbst in die Tat umzusetzen: er möchte das Kennedy Attentat verhindern. Jake soll nun für ihn an jenem verhängnisvollen 22. November 1963 dafür sorgen, dass der beliebte US Präsident überlebt. Alle wichtigen Informationen zu Kennedy, Lee Harvey Oswald und die Zeit, in der sie lebten, hat Al in einem Notizbuch gesammelt.
Jake könne mit dieser Tat die gesamte Zukunft zum Besseren verändern, den Vietnamkrieg verhindern, tausende junge Männer vor dem sicheren Tod bewahren… er müsse nur “ja” sagen. Jake willigt schließlich ein und beginnt das Abenteuer seines Lebens, denn die Zeit wehrt sich, sie will sich nicht so einfach verändern lassen, die Vergangenheit fordert ihren Preis für das gefährliche Spiel….

“11.22.63″ ist kein typischer “King”.
Es ist kein Horrorbuch, obwohl es durchaus paranormale Elemente enthält, es ist ein wenig Sciene Fiction, sehr viel historischer Roman, eine wunderbare Liebesgeschichte und vor allem ganz große Erzählkunst. Es ist ein Buch, das man kaum aus der Hand legen möchte, ein Buch, das den Leser fesselt, mitreißt und mitfiebern lässt, aber auch eine wundervolle Geschichte zweier Menschen, die sich eigentlich nie treffen sollten.

Das Kennedy Attentat ist wohl für die Menschen von 1963 das, was für uns der 11. September ist. Jeder kann sich daran erinnern, wo er war, als “es” passierte, es ist ein Trauma, das sich tief in das Bewusstsein der Menschen eingegraben hat. Was wäre nun, wenn man selbst die Gelegenheit hätte, dieses zu verhindern? Würde man es tun? Was wären die Konsequenzen?

Jake entscheidet sich dafür.
Zunächst testet er jedoch an einem anderen Fall, ob sich die Vergangenheit tatsächlich ändern lässt. Allein schon dieser Fall ist so spannend geschrieben, dass man es kaum noch erwarten kann, bis er sich Oswald zuwendet. Doch das ist nicht so einfach. Er kann Oswald nicht einfach umbringen, denn noch ist nicht klar, ob er tatsächlich alleine gehandelt hat. In den USA kursieren die merkwürdigsten Verschwörungstheorien zum Kennedy Mord und jeder glaubt Beweise zu haben, die gerade seine Annahmen unterstützen. King greift diese Tatsache geschickt auf. Jake ist dazu verdammt, Oswald so lange zu beobachten, bis eindeutig feststeht, dass niemand anders involviert ist – sonst bestünde das Risiko, dass er zwar Oswald ausschaltet, Kennedy aber trotzdem stirbt. Die Zeit bis Oswald aus Russland zurück nach Amerika kommt, verbringt Jack in Jodie, Texas. Er arbeitet unter dem Alias “George Amberson” als Englisch Lehrer an der Denholm Consolidated High School und dort will es der Zufall, dass er eines Tages Sadie kennen- und lieben lernt.

King erschafft mit Jake und Sadie ein Paar, das sich zur Unzeit kennenlernt, alle Schicksalsschläge gemeinsam meistert und gegen die Vergangenheit kämpft. Zum Schluss stellt die Zeit selbst die Liebe Jakes auf die härteste Probe…
King sagte einmal, er könne keine Liebesgeschichten schreiben, Herr King, ich wage zu widersprechen – mit diesem Buch haben Sie das absolute Gegenteil bewiesen.

Doch “11.22.63″ ist nicht nur eine spannende Geschichte rund um das Attentat oder eine Liebesgeschichte, es ist vor allem auch eine Geschichte über die Lebensumstände in den späten 50er, frühen 60er Jahren. Der Autor lässt das Leben in dieser Zeit wieder auferstehen. Manchen mag die ausladende Erzählweise vielleicht etwas langweilig vorkommen, ich habe sie genossen. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich würde einen Film sehen, so gut konnte ich mir all das vorstellen, was King beschreibt. Durch diese hervorragende und intelligente Erzählung schafft er es auch, diese ganze fantastische Zeitreisegeschichte absolut plausibel klingen zu lassen. Man kommt gar nicht auf den Gedanken, dass das Ganze eigentlich völlig absurd ist. Und obwohl King lange erzählt, hatte ich das Gefühl, dass die Sätze nur so dahinfliegen.

Ein weiterer Pluspunkt des Buches sind die Charaktere, die ich alle faszinierend fand und denen man anmerkt, wieviel Liebe der Autor selbst in ihre Entwicklung gesteckt hat. Jake Epping – eine bessere Hauptfigur kann man sich kaum wünschen. Er ist liebenswert, entschlossen, mutig und doch macht er sich Gedanken über das, was er da tut – ist das alles so richtig und vertretbar? Ohne sich viel verbiegen zu müssen, kann sich der Leser völlig mit Jake identifizieren.
Sadie macht im Laufe der Erzählung eine wunderbare Wandlung durch, vom schüchternen Mädchen zur treibenden Kraft. Lee Harvey Oswald ist genauso wie man ihn sich vorstellt, mit seiner Frau hat man einfach nur Mitleid und all die anderen Nebencharaktere, vor allem Jakes Kollegen und Freunde, wachsen einem sofort ans Herz. Auch Al fand ich – bei aller Besessenheit – sympathisch. Man kann verstehen, warum er so handelt, wie er handelt, auch wenn er die ethischen Punkte völlig unberücksichtigt lässt.

Je näher der Tag des Attentats rückt, desto nervöser wird man als Leser. Man hat Oswald jetzt lange genug durch Jakes Augen beobachtet, jetzt will man wissen, woran man ist. Und obwohl es nur ein Roman ist, habe ich mich dabei ertappt, wie mir die Erzählung plötzlich völlig real vorkam – absurd die Vorstellung, dass es auch ganz anders gewesen sein kann. Allein das beweist das Talent Kings. Nachdem ich das Buch beendet hatte, durchforstete ich das Internet zu den Fakten zum Kennedy Mord und bestellte mir gleich zwei weitere Bücher zum Thema – diesmal Sachbücher, denn King hat mich neugierig gemacht.

“11.22.63″ ist ein gewaltiges Werk, das mich völlig gefesselt und eigentlich auch jetzt noch nicht losgelassen hat – über eine Woche nach Beenden des Buches.
Kennt ihr das? Man ist eigentlich noch gar nicht fähig, ein neues Buch anzufangen, weil das “alte” noch immer das Gedächtnis blockiert.

Wie würde man selbst handeln, wenn man die Chance hätte, mit einem Mord die Geschichte zu verändern? Würde man es tun? Die berühmte Frage, ob man Baby Hitler umbringen würde, wenn man die Chance hätte, tut sich wieder auf. Und was sind die Konsequenzen, wenn man die Vergangenheit verändert? Was sagt einem, dass danach alles besser und nicht schlechter wird? Unterschätzt man den Schmetterlingseffekt nicht zu sehr, wenn man glaubt, man kann alles ins Positive wenden? Sind Jake und Al nicht einfach nur schrecklich naiv oder hat King die Zeit zu negativ dargestellt? All das sind Fragen, auf die wohl jeder selbst seine persönliche Antwort finden muss, wenn es sie überhaupt gibt und ich finde es faszinierend in welchen Rahmen King diese gepackt hat.

Ich würde mehr als fünf Sterne geben, wenn ich könnte, denn ich bin hellauf begeistert und kann nur hoffen, dass Stephen King noch weitere solcher Romane schreibt. Kaufen, ausleihen, lesen, hören – Hauptsache dieses Buch nicht verpassen!

Fun fact: Wer “ES” gelesen hat, der wird ein Wiedersehen mit Derry, Maine und dem Clown feiern können.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 26, 2013 4:13 PM MEST


Klein, still & weiß: Roman
Klein, still & weiß: Roman
von Erika Veld
  Gebundene Ausgabe

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer ist man überhaupt, wenn die Erinnerung schwindet, 14. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Demenz. Das war ein Schlag. Ich musste es laut vor mich hinsagen, Ma, um es zulassen zu können. Es ist so ein Wort, auf das man eindreschen möchte, das man anspucken und zertreten möchte, mit aller Wucht. Es ist ein Wort, das die Tränen löst."

Sandra und ihre Schwester Evelien wollen es zunächst nicht wahrhaben und müssen sich dann doch der traurigen Tatsache stellen: beide Elternteile leiden an Demenz. Die Ehe der beiden ist bereits vor 40 Jahren gescheitert, was vor allem daran lag, dass der Vater nicht treu seien konnte. Seit dem lebten sie getrennt, zum Vater bestand schon immer wenig Kontakt - er wurde schon früh “merkwürdig”. Jetzt lebt er in mitten von Teddybären in einem verdreckten Haus und füttert die Tiere der Umgebung.

Die Mutter scheint zunächst noch fitter zu sein. Auch sie lebt in ihrem eigenen Haus, dort ist scheinbar noch alles in Ordnung. Ab und zu vergisst sie zwar Sachen, aber wer tut das nicht?

Während die zwei Schwestern wieder einmal das zu Hause ihres Vaters aufräumen, wird ihnen klar, wie weit die Demenz des Vaters schon fortgeschritten ist. "Hab ich dir das Geld schon gegeben?" "Ja Papa, hast du." "Prima. Aber hab ich dir das Geld schon gegeben?" "Ja, hast du vorhin, weißt du nicht mehr?" "Ach ja doch." ....
"Hab ich dir das Geld denn schon gegeben?" diese Fragen ziehen sich über die gesamte Dauer des Buches hinweg. Geduldig beantwortet Sandra all seine Fragen, passt auf, dass sie beim Saubermachen keine Spinnen tötet – ihr Vater liebt sie - sammelt Zigarettenstummel und Klumpen von Tierfutter auf und wundert sich, wie man bloß so leben kann. Doch noch scheint der Vater für sich selbst sorgen zu können. Nur die verwahrloste Wohnung mahnt an, dass hier etwas nicht mehr stimmt.

Als der Vater eines Tages stürzt, gibt es keinen Ausweg mehr, er wird langsam zur Gefahr für sich selbst und muss betreut werden. Seine Töchter finden einen Platz in einem Heim, das Zimmer ist 4×4 m groß. Wie soll hier ein ganzes Leben reinpassen?

Mit schlechtem Gewissen räumen sie sein Haus aus, suchen die Sachen zusammen, die er mitnehmen kann, sortieren die anderen Sachen, nehmen geliebte Stücke mit nach Hause, verschenken oder entsorgen den Rest. So schnell löst sich ein Leben auf.
Als der Vater vom Krankenhaus ins Heim zieht, protestiert er nicht mehr, er fügt sich, wird teilnahmslos, auch seine geliebten Enten und Tauben kann er hier nicht mehr füttern. Die Terrassentür wird abgeschlossen. Ein Gefängnis - 4×4 m groß, in dem er bald im Rollstuhl sitzt und die Wände anstarrt. "Hab ich dir das Geld schon gegeben?"

"Wer ist man überhaupt, wenn die Erinnerung schwindet? Wenn man nicht mehr weiß, welchen Herausforderungen man sich gestellt hat, welche Grenzen durchbrochen und wie man über sich selbst hinausgewachsen ist? Das tut man nicht für andere, das tut man für sich. Aber wenn man alles vergisst?"

Auch die Situation der Mutter wird immer problematischer. Einmal erwischen sie die Nachbarn nur mit dem Schlafhemd bekleidet auf der Straße, dann vergisst sie, dass sie ein Taxi gerufen hat und weiß auch nicht mehr wohin sie fahren wollte. Eines Tages kann sie die Tür nicht mehr öffnen, sie ist abgeschlossen, doch die Mutter weiß nicht mehr, dass sie einfach nur den Schlüssel drehen muss. Doch das Schlimmste sind die Halluzinationen, die Mutter hört Stimmen, glaubt das Haus voller Leute, weiß plötzlich nicht mehr, dass es ihr Haus ist, sieht Gesichter, die die Treppe hochkommen. Panisch greift sie dann zum Telefonhörer und ruft ihre Töchter an. Diese schaffen es immer wieder, die Mutter zu beruhigen, ab und zu fährt auch der Enkel mit dem Fahrrad vorbei, um nach ihr zu sehen. Doch alle wissen, auf Dauer kann auch die geliebte Mutter nicht mehr allein bleiben.

Sandra leidet unter der Situation, es fällt ihr schwer, scheibchenweise Abschied zu nehmen. Denn obwohl Ma noch da ist, entfernt sie sich immer weiter von der Person, die sie einst war. Sie erinnert sich nicht mehr an ihr Leben, an Ereignisse, geliebte Erinnerungen verblassen.

Dennoch gibt es ab und zu auch noch schöne Momente, an denen sich die Töchter festklammern. Eines Tages entdeckt Sandra ein altes Spiel, dass sie immer mit ihrer Mutter gespielt hat, sie nimmt es mit und die beiden spielen und lachen den ganzen Nachmittag - fast so wie früher. Doch schon am Abend danach ruft die Mutter an und fragt sie, was denn die ganzen Leute in ihrem Haus wollen, sie kenne doch niemanden hier.

Als die Mutter wieder einmal orientierungslos herumläuft und den Herd anstellt, obwohl die Töchter den Haupthahn zugedreht haben, wird es gefährlich. Die Mutter kann nicht mehr auf sich aufpassen, braucht Hilfe, Betreuung – noch mehr sogar als der Vater. Die Töchter können sie nicht aufnehmen, denn für eine 24 Stunden Pflege haben sie beide keine Zeit. Der Gedanke, die geliebte Mutter ins Heim zu geben, ist ihnen beiden unerträglich. Doch was bleibt ihnen für eine Wahl? In die Hilflosigkeit mischt sich die Wut, wieso haben die Eltern sich nicht schon vorher darüber Gedanken gemacht, was in so einem Fall mit ihnen passieren soll? Wieso haben sie diese Verantwortung an die Kinder weitergegeben?

Doch Sandra plagen noch andere Gedanken. Ihre Schwester hat Kinder, sie werden sich im Alter um sie kümmern, doch Sandra hat niemanden. Was passiert, wenn sie einmal so weit ist? Wer hilft ihr? Wer sucht das Heim aus? Will sie das überhaupt? Die Situation der Eltern zwingt sie, über ihr eigenes Leben nachzudenken. Auch ich habe mich beim Lesen dabei ertappt, dass ich mir selbst Gedanken gemacht habe, was denn aus mir wird. Auch ich habe keine Kinder, die für mich Entscheidungen treffen können. Soll ich das Fremden überlassen? Und wie ist es, wenn meine Eltern einmal in diese Lage kommen sollten, was dann? Erika Veld weckt mit ihrem Buch Fragen, vor deren Antworten man sich fürchtet und sie deshalb gern verdrängt und doch sind sie so wichtig, dass man sich ihnen stellen muss.

Auch die Frage nach dem Heim traf bei mir ins Schwarze. Ich kann mir nicht vorstellen, meine Eltern einmal ins Heim zu geben und noch viel weniger kann ich mir mal vorstellen, in 4×4 m zu sitzen und die Wände anzustarren. Was also tun? Diese Frage muss wohl jeder für sich selbst beantworten und ich bin der Autorin dankbar, dass sie mich schon früh darauf gebracht hat.

Auch die zwei Schwestern müssen sich entscheiden… der Bruder kümmert sich nicht um die Familie, es besteht kaum Kontakt. Doch eines Tages ruft er dann doch an und Sandra muss ihm sagen, wie sie sich entschieden haben…

"Ich rufe. Ich schreie. Ich flüstere. "Mama kommt nicht mehr zurück.""

Ein Buch, das berührt, das nachdenklich macht, das aber auch hilft, dem Unvermeidlichen ins Auge zu blicken, es zu akzeptieren und vielleicht auch, ein klein wenig vorbereiteter zu sein.
Erika Veld erzählt tragisch, offen, direkt, aber auch mit einer Prise Humor von einer heimtückischen Krankheit, vom Abschied nehmen und loslassen können, von Hilflosigkeit und absurden Momenten. Sie tut das mit ganz wunderbaren Worten, Worten, die berühren, die innehalten lassen, die nachklingen und einen nicht mehr loslassen. Ihre Erzählweise ermöglicht es dem Leser, selbst in die Rolle des Kindes zu schlüpfen und mitzufühlen, was es heisst, wenn beide Eltern an Demenz erkranken.
Es ist ein stilles Buch und doch so wortgewaltig, dass es sich einen Platz ganz oben in meiner "Bücher des Jahres" Liste erobert hat.

Klare fünf Sterne und ein Lesetipp für alle, die die leisen und nachdenklichen Töne mögen.

"Über die Lesebrille hinweg schaue ich lange aus dem Fenster. Ich mag Nebel. Er macht die Welt so klein. Und still. Und weiß. Ist das nun Demenz, Ma? Sieht es in deinem Kopf auch so aus: klein, still und weiß?"


Ein Jahr in San Francisco (HERDER spektrum)
Ein Jahr in San Francisco (HERDER spektrum)
von Hanni Bayers
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Reise in die Golden City, 1. November 2012
"Beinahe fühlt sich die Stadt so an wie eine geheimnisvolle bunte Schatztruhe, in die ich nur meine Hand zu stecken brauche, um die unterschiedlichsten Kostbarkeiten ans Licht zu befördern."

Hanni Bayers erhält von ihrer Firma das Angebot, ein Jahr in San Francisco zu arbeiten, um den amerikanischen Markt mit aufzubauen. Da ihre Beziehung zu Hause gerade in die Brüche gegangen ist, nimmt sie das Angebot gern an, steigt in den Flieger Richtung Westen und beginnt ihr Leben in der "Golden City".

Ich liebe die "Ein Jahr in..." Reihe!
Jedesmal, wenn man eines dieser Bücher aufschlägt und darin versinkt, ist es wie ein kleiner Kurzurlaub. Das Buch von Hanni Bayers bildet da keine Ausnahme. Gemeinsam mit ihr erkunden wir “The City by the Bay”, lernen neue - spannende - Menschen kennen, tauchen ein in den Alltag, der sich doch so sehr von unserem unterscheidet, erahnen den Hauch von Flower Power, der noch immer in der Stadt zu spüren ist und geniessen mit Hanni den Californian Way Of Life. Wir bewundern mit ihr den großen Drachen während des Neujahrsfestes in Chinatown, wir lachen über die merkwürdigen Gestalten beim Bay to Breakers, einem Lauf an dem 75.000 Menschen teilnehmen - alle in den merkwürdigsten Kostümen, wir wundern uns mit ihr über die Nackten der Stadt, denn Nudistentum ist in San Fransico durchaus erlaubt und wir bangen mit ihr, wenn es um ihr kleines Startup Projekt geht.

Hanni Bayers schafft es, ihre Begeisterung für die Stadt und die Menschen darin in jede einzelne Zeile des Buches zu packen.
Wer schon einmal das Glück hatte, in San Francisco Urlaub zu machen, wird viel wiedererkennen und sich zurückversetzt fühlen in eine ganz besondere Stadt. Wer noch nicht da war, hat die Gelegenheit vom Sofa aus dorthin zu reisen. Und diese Reise lohnt sich. Wie Hanni war auch ich begeistert von der Lockerheit der Menschen, wie einfach es ist, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und Freundschaften zu schliessen. Es ist wunderbar zu sehen, wie dort ganz unterschiedliche Kulturen ihr zu Hause finden. Frühstücken in Amerika, Mittagessen in China und Abendessen in Italien - in SF gar kein Problem. In vielen Städten in den USA gibt es diese verschiedenen Länderviertel, doch in keiner herrscht diese Leichtigkeit, diese Entspanntheit. Eine Tatsache, die sicher auf die Geschichte Friscos zurückzuführen ist und die mit dazu führt, dass sich die Autorin so sehr in ihre neue Heimat verliebt.

Sie erkundet die Stadt und die Umgebung mit den neu gewonnen Freunden. Sie besucht Parks, fährt die Küste entlang, entdeckt die besten Restaurants, fährt mit der Cable Car und macht einen Abstecher ins “DotCom Land” – dem Silicon Valley. Sie ist begeistert mit welchem Optimismus und Enthusiasmus die Menschen hier Ideen entwickeln und umsetzen – alles ist möglich, wenn man nur will. Es ist ok, Fehler zu machen, nur durch sie wird man wirklich erfolgreich. Dieser Unternehmergeist, und die "Atmosphäre des "you can do it" Glaubens" ist ansteckend und so willigt Hanni ein, mit ihrem Kollegen Vijay selbst an einem Startup Projekt zu arbeiten.

Neben den Erzählungen über ihr Leben und ihren Alltag in der Stadt gibt Hanni Bayers dem Leser auch viele Tipps für die eigene Reise. Nach jedem Kapitel erzählt sie in der Rubrik “Streifzug” von besonders schönen Stellen in der Stadt, von Festen, die man besucht haben muss und von Ausflugszielen, die auf keiner Reiseroute fehlen sollten. Aber sie berichtet auch über die Geschichte der Stadt und der Coast of Dreams und wie sich diese noch heute positiv auf das Leben vor Ort auswirkt.

Gegen Ende der Lektüre möchte eigentlich nur noch seinen Koffer packen und losfliegen und ein größeres Kompliment für ein Buch wie dieses, gibt es doch kaum.

5 Sterne !

"Und sie wählt nur die abschüssigsten Straßen San Franciscos, so dass der Motor ihres alten Autos bei jedem Hügel ein bisschen lauter aufjault. Die Musik wirbelt uns um die Ohren, und Vijay und Alex singen mit. Alle Fenster sind heruntergekurbelt. Der Wind der Bucht und die goldene Abendflut der Sonne Kaliforniens streichen uns um die Gesichter und verwuscheln unsere Haare."


Die wunderbare Welt von Fräulein Klein: Backzauber und Dekolust
Die wunderbare Welt von Fräulein Klein: Backzauber und Dekolust
von Yvonne Bauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Süße Versuchung, 29. Oktober 2012
In "Die wunderbare Welt der Fräulein Klein" habe ich mich auf Anhieb verliebt! Das Buch ist wunderschön aufgemacht - es dauert keine Minute und dann hat man sich zwischen den Seiten verloren.

In der Einleitung erzählt die Autorin über ihre Leidenschaft für das Backen und für Kreatives, wie sie die Blogger Szene entdeckte und ein Jahr später ihre eigene Nische im World Wide Web einrichtete. Auf ihrem Blog zeigte sie nun ihre Ideen und die Resultate ihrer Backleidenschaft, auch Dekoideen fanden ihren Platz und die Fangemeinde wuchs. Eines Tages kam dann die Anfrage, ob sie ihre Welt nicht auch in ein Buch verpacken wollte und sie wollte. Das Resultat kann sich sehen lassen.

Das Buch ist in die vier Jahreszeiten unterteilt. Passend dazu gibt es Backrezepte und Dekorationsideen. Kuchen, Torten, Cupcakes, Gugels, Tartes - alles ist vertreten und alles ist so wunderbar dekoriert und beschrieben, dass man am liebsten sofort mit dem Backen loslegen möchte. Es gibt Earl-Grey-Cupcakes, Pink Apple Pie, Upside-down Pflaumenküchlein, es gibt Ombre Torte und Erdbeer-Zitronengras Marmelade - manchmal sogar mit dem passenden, selbstgemachten Getränk kombiniert. Einfach lecker!

Dazu gibt es Dekotipps, denn das Auge isst schliesslich mit. Doch diese Tipps beschränken sich nicht nur auf die süßen Versuchungen, sondern beziehen auch das Zuhause mit ein und passen natürlich zur jeweiligen Jahreszeit. Für jede Deko Idee gibt es eine Materialliste und eine genaue Anleitung, so dass nichts schief gehen kann. Auch die Rezepte klingen wirklich einfach, aber trotzdem raffiniert. Die Zutaten sind schnell überall besorgt, es gibt keine exotischen Sachen, von denen man nicht weiss, woher man sie beziehen soll.

Besonders schön finde ich die Fotos in diesem Buch. Es ist kein einfaches Backbuch, sondern schon fast eher ein kleiner Bildband. Mit viel Liebe zum Detail wurden hier die süßen Schätze in Szene gesetzt. Oft gibt es mehrere Fotos zu einem Rezept und man sieht nicht nur das fertige Produkt, sondern auch ein wenig Tischdeko oder den Entstehungsprozess. Es ist tatsächlich ein zu Buch gewordener Blog und wer gerne auf solchen Blogs unterwegs ist, wird dieses Buch lieben!

Ich kann es kaum erwarten, ganz viel Zeit in meiner Küche zu verbringen und all diese Leckereien nachzumachen. Für nächsten Sonntag steht schon der Zimtrollenkuchen auf dem Programm!

Bei so viel Begeisterung ist es klar: 5 süße Sterne für dieses zauberhafte Buch.


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