|
|
Beiträge von Olaf von der Heydt
Top-Rezensenten Rang: 4.281
Hilfreiche Bewertungen: 372
|
|
Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".
|
Rezensionen verfasst von Olaf von der Heydt "hoerspieltipps.net" (Lollschied)
|
|
|
|
|
|
|
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein sehr ordentlicher Einstand!, 26. April 2010
Die ehemaligen "Mindcrusher" Falk T. Puschmann und Dennis Schuster haben sich zusammengetan und das Label "Innovative Fiction" gegründet. Mit "Experiment Zero" debütieren sie auch bei pop.de, die damit die Liste der kleineren Label, die sie unter ihre Fittiche nehmen, um einen weiteren Eintrag erhöhen. Erzählt wird eine Geschichte, die dem Labelnamen durchaus gerecht wird. Auch wenn einzelne Elemente dem Hörer doch schon hier und da mal begegnet sind und insofern das Rad sicherlich nicht neu erfunden wird, sorgt die Geschichte, insbesondere weil ihre Motive lange im Hintergrund bleiben, für anhaltende Spannung. Diese wird mit stets neuen ausweglosen Situationen, in die man den Protagonisten schickt, nochmals deutlich gefüttert. Auch wenn sich die Herausforderungen wiederholen, in der Art, dass man sich hier wie in einem Computerspiel von Level zu Level hangelt, gelingt es doch immer wieder, diese Sequenzen originell aufzubrechen. Dazu dienen natürlich die diversen Schwierigkeiten die sich dem Probanden 77 in den Weg stellen, aber auch vor allem die allseits gegenwärtige "Aurora", die auch immer mit unterschiedlichen Psychospielchen für Abwechslung sorgt. Sehr gelungen ist auch das stimmige Paket, mit dem man diese Produktion begleitet. Die Mühe, die man sich mit Trailern und insbesondere den Podcastfolgen, die man im Vorfeld lancierte und die schon ein wenig hinter die Motive blicken lassen, gemacht hat, sind aller Ehren wert. Auch die schöne Idee, den Abspann in die Geschichte einzubinden, ist sehr gelungen. Als kleine Unschönheit empfand ich nur einige der coolen Sprüche, die zwar an sich recht witzig sind, aber den Spannungsbogen der Handlung jedoch ein wenig torpedieren, da sie dem extremen Bedrohungsszenario etwas zuwiderlaufen. Die Inszenierung ist sehr gelungen. Die Geschichte wird mit Musik und Sounds sehr dicht und stimmig bepackt. Diese Hintergründe unterstützen die Handlung großartig, sorgen für eine stets präsente und der Handlung angepasste Atmosphäre. Getragen wird die Geschichte in der Hauptsache von Karin Schulze-Vobach, die als fieses, aber doch auch glaubhaft steril agierendes Softwareprogramm Aurora überzeugt, und Torsten Diakow, der als Dave Thompson eine gute Leistung abliefert, die allerdings mit den oben genannten genannten Schwierigkeiten bei den Sprüchen und den damit verbundenen Lücken in der Glaubwürdigkeit versehen ist. Insgesamt ist "Experiment Zero" aber ein sehr, sehr ordentlicher Einstand. Eine richtig gute und spannende Geschichte, die zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lässt. Davon darf es gerne mehr geben!
|
|
|
|
|
|
|
|
|
7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Spannend und bewegend, 26. April 2010
Eine spannende und bewegende Geschichte erzählt Sandi Toksvig hier. Sie beschreibt eine besondere Sicht auf die Zeit des Nationalsozialismus, so wie sie sich im besetzten Dänemark darstellte. Die Motive sind zwar bekannt, die Schilderung ist jedoch nicht nur aufgrund ihres wahren Hintergrundes mehr als hörenswert. Die gute Erzählstruktur, die aus Sicht des Großvaters, der seiner Enkelin berichtet, den Rückblick vornimmt, sorgt dafür, dass man schnell in die Geschichte hineinfindet und notwendige Erklärungen gleich vorgenommen werden können. So bleibt diese Geschichte auch für jüngere Hörer verständlich. Die Produktion wartet mit einem tollen Ensemble auf. Allen voran überzeugt hier Hans-Peter Hallwachs, der diesen gelungenen Erzählerpart wunderbar vorträgt. Musikalisch darf man sich wieder an wunderbar stimmigen Kompositionen von Henrik Albrecht erfreuen, der hier dem Hörspiel ein ganz eigenes Gesicht verleihen kann. Insgesamt eine sehr gelungene Bearbeitung und Inszenierung von Margrit Kreß, die für junge, aber auch ältere Ohren, viel Hörenswertes bietet.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
3.0 von 5 Sternen
Etwas zu sprunghaft im Skript, 26. April 2010
Mit "Die Päpstin" hat der mdr sich einer sehr erfolgreichen Vorlage angenommen. Diese erzählt das komplette Leben der Johanna von Ingelheim, die es schafft, sich als Mann auszugeben und bis in das Amt des Papstes zu gelangen. Dafür gönnt man sich gerade mal gut 150 Minuten Spielzeit - was nicht nur auf den ersten Blick wenig erscheint. Denn tatsächlich ist das kaum ausreichend, um alle Aspekte des Buches angemessen zu berücksichtigen. Man löst dies, in dem man ganze Passagen nur mit wenigen Erzählersätzen zusammenfasst. Das wäre kein großer Beinbruch, würde nicht hier und da die Hinführung zum Spannungselement erhoben werden. Als Beispiel sei hier die Bedrohung des Kaisers gegenüber dem Papst genannt, die sehr spannend geschildert wird - die Lösung des Konfliktes wird dann aber nur kurz durch den Erzähler erwähnt. Damit gelingt es, zwar viel in das Skript hineinzupacken, es wirkt dadurch aber hier und da etwas oberflächlich. Inhaltlich kann diese Produktion an so glänzende Umsetzungen historischer Themen wie "Die Säulen der Erde" oder "Der Name der Rose" nicht konkurrieren, auch wenn die Geschichte an sich sicherlich interessant und tiefgründig genug ist, um hier mithalten zu können. Die technische Seite der Umsetzung überzeugt jedoch in allen Belangen. Ein exzellentes Sprecherensemble schafft es, den Figuren Leben einzuhauchen und mit durchweg guten Leistungen zu überzeugen. Das gilt insbesondere für Angelica Domröse, auch wenn sie von der Stimmfarbe eigentlich nicht zu dieser "Hosenrolle" passt. Die Kulissen leben von den guten und stimmigen Kompositionen Steffen Schleiermachers. Sie hauchen dem Hörspiel die nötige historische Atmosphäre ein. Eine gute Vorlage, eine gute technische Produktion - einzig die Hörspielumsetzung als Skript hängt ein wenig der Qualität hinterher. Dennoch reicht es für ein "noch" gutes Hörspiel, da auch viele positive Aspekte vorhanden sind.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
3.0 von 5 Sternen
Eine unterhaltsame Episode, 26. April 2010
Preston Aberdeen ist zurück. Der neue Auftrag bietet wieder viel Ungewöhnliches und Spektakuläres, wenngleich Aberdeen selbst, hier nur zu einer Nebenfigur wird. Die eigentlichen Heldentaten werden von Terry und Major Middleton vollbracht. Zu den farbenfrohen Charakteren gesellt sich Bartholomew Buckley, ein versnobter Konkurrent von Aberdeen, der letztlich auch nicht zum Helden taugt, aber ähnlich wie Aberdeen selbst, viel zum Unterhaltungswert der Geschichte beiträgt. Der Plot hat gute Ansätze und erzählt eine unterhaltsame Geschichte, die man allerdings in den Motiven nicht zu sehr hinterfragen sollte. Sie bietet dennoch dem Hörer einiges an Spannung und Witz, so dass sich bei der Spielzeit von mehr als 70 Minuten keine Langeweile einstellt. Es gelingt, die turbulente Geschichte auch in ein entsprechendes Kleid zu stecken. Das recht große Ensemble ist mit vielen Stimmen besetzt, die man aus anderen Produktionen des Labels kennt. Bei vielen reicht es zwar nur für Kurzauftritte, die sind jedoch recht gelungen. Auch bei den größeren Rollen sind die Leistungen recht ansprechend. Die Leichtigkeit der Geschichte und die klischeehaften, aber damit auch prägnanten Figuren, lassen ordentlich Spielfreude hörbar werden. Auch die Musik- und Geräuschkulisse ist für die Geschichte durchaus ausreichend. Die Produktion darf ruhig ein wenig antiquiert klingen und etwas hinter den heutigen Standards zurückbleiben. Mehr würde weder zum Inhalt noch zum Flair der Reihe passen. Eine unterhaltsame Folge, mit der man wieder an die Qualität der ersten Auftritte anknüpft.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Eine der besten Episoden der Reihe, 26. April 2010
Fast schon hatte ich die Befürchtung, dass dieser Reihe langsam aber sicher die Luft ausginge. Da hatten sich doch in letzter Zeit einige durchschnittliche Folgen eingeschlichen, die auch nicht immer ganz frei von Macken waren. "Viel Wirbel um Schorschi!" klingt zwar nicht sonderlich vielversprechend, die Geschichte überzeugt aber durchaus. Man gönnt dem titelgebenden Plot noch einen zusätzlichen Handlungsstrang um den Schüler- bzw. Spieleraustausch mit der Partnerstadt in England. Die Verknüpfung beider gelingt und wirkt nicht konstruiert. Natürlich sind die Hintergründe um den geheimnisvollen Schorschi schon sehr vorhersehbar. Man baut hier vielleicht denen einen oder anderen Hinweis zuviel ein, die eigentliche Zielgruppe dürfte das wohl aber weniger stören. Dafür hält man sich im Finale etwas zurück und stellt noch ein wenig vom Happy End für die nächste Folge zurück. Eine nette - und vor allem gelungene - Idee ist die Einbindung der englischen Sprache. Das gelingt recht glaubwürdig und bleibt vor allem auch für die Hörer, die der Sprache noch nicht mächtig sind, durchaus nachvollziehbar. Die Darstellung ist gewohnt solide. Die Sprecher, ob jung oder alt, stellen die Figuren sehr gut dar. Angenehm klischeefrei ist die Besetzung von Gerd Hintze und Lennardt Krüger, die trotzdem ihre Rollen glaubhaft und vorstellbar ausfüllen. Mein liebstes Meckerthema - die übertriebene Stadionkulisse mitsamt Reporter - ist hier von allen bisherigen Folgen noch am passendsten. Blau-Gelb macht hier ja eine kleine Wandlung durch, in dem man den Verein als - zumindest ehemalige - Größe darstellt. Hinzukommt, dass man hier ja im Rahmen der Städtepartnerschaft und des Jubiläum spielt, was eine etwas größere (wenn auch nicht so große) Kulisse durchaus mitbringt. "Viel Wirbel um Schorschi!" ist eine der besten Folgen der Reihe und zeigt, dass man trotz des engen Themenkreises um den Fußball, noch in der Lage ist, noch originelle und hörenswerte Geschichten zu erzählen.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Eine tolle Geschichte in einer guten Umsetzung, 26. April 2010
Cornelia Funke dürfte den meisten aufgrund der Tintenherz-Trilogie bekannt sein. Daneben hat sie aber noch viele andere Bücher geschrieben u. a. die Reihe um die "wilden Hühner" oder eben die "Gespensterjäger". Der NDR hat sich letzterer nun erstmals angenommen und den ersten Teil der vier Bände, Gespensterjäger auf eisiger Spur, in ein Hörspiel umgesetzt. Die zweiteilige Radiofassung ist - aus technischen Gründen minimal gekürzt - auf CD bei Jumbo erschienen. Die Geschichte ist einfach, wie genial. Tom hat Angst vor einem Gespenst, das sich aber auch wiederum vor einem anderen fürchtet - aber schließlich überwinden beide sich und ihre Ängste. Diesen Plot erzählt Funke mit viel Liebe zum Detail und unter Hereinnahme einiger origineller Ideen. Alleine, wie sie die unterschiedlichen Klassen der Gespenster, dem MUG (dem mittelmäßig unheimlichen Gespenst) oder dem UEG (das unheimlich eklige Gespenst) darstellt, sorgt schon für viele Schmunzler. Überhaupt spielt der Humor und die Leichtigkeit eine große Rolle, dazu gibt es aber auch ein unterhaltsames Abenteuer. Die Inszenierung fällt sehr passend aus. Man gönnt der Umsetzung einen sehr schönen Musikscore aus der Feder von Bernd Keul, der sich ja schon um die Vertonung der "Miesel"-Hörspiele verdient gemacht hat. Bei den Sprechern hat man mit Leon Alexander Rathje eine tolle Stimme für die Hauptrolle gefunden. Er führt die Liste eines gut agierenden Ensembles aus alten Hasen und jungen Stimmen an. Wichtig sind natürlich die beiden Gespenster, die man auch besonders besetzt: Ernst H. Hilbich und Monty Arnold gruseln hier schaurig schön. Ein Hörspiel, das ich jungen und jung gebliebenen Hörern nur ans Herz legen kann! Eine tolle Geschichte in einer guten Umsetzung, die verdientermaßen in 2010 auch fortgesetzt werden wird...
|
|
|
|
|
|
|
|
|
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein packender Roman in erstklassiger Umsetzung, 26. April 2010
Per Olov Enquists "Der Besuch des Leibarzt" dürfte wohl die bekannteste literarische Darstellung des Lebens Struensees sein. Der Plot orientiert sich weitestgehend an den tatsächlichen Gegebenheiten, soweit sie heute bekannt sind; lediglich in Details weicht Enquist ein wenig ab. Die Vita Struensees ist der beste Beweis dafür, dass das Leben noch die besten Geschichten schreibt - gerade dann, wenn es diese tragischen Schicksale betrifft. Der Plot hat insofern alles, was einen packenden Roman ausmacht - und letztlich auch als i-Tüpfelchen, den realen Hintergrund. Das Hörspiel wurde von Valerie Stiegele bearbeitet. Mit gut zweieinhalb Stunden Spielzeit hat die Geschichte recht viel Raum, um viel von der Vorlage einfließen zu lassen. Dabei schleichen sich kaum Längen ein, da man die Zeit gut nutzt, um Geschichte und Charaktere deutlich zu zeichnen. Die Inszenierung von Walter Adler ist angenehm gradlinig. Man schafft eine gute Kulisse der Handlungszeit und überlässt die dramatischen Aspekte den Akteuren. Hans Peter Hallwachs ist hier der gewohnt gute Erzähler, desssen besondere und wiedererkennbare Stimmfarbe, diese vom Cast losgelöste und auch sehr oft eingesetzte Funktion gut unterstützt. Ein besonderes Lob geht an Ulrich Matthes, der mich in anderen Hörspielen schon mal etwas enttäuscht hat. Er gibt der Figur des Struensees eine solch gelungene naiv-geniale Färbung, dass der Charakter richtig gut greifbar wird. Ebenfalls sehr gut: Alexander Pietschmann als Christian VII. und Felix von Manteuffel als fieser Widersacher Guldberg. Ein sehr interessantes und spannendes Hörspiel, das ich wirklich nur empfehlen kann. Gerade der reale Hintergrund und die glaubwürdige Darstellung sorgen für ein besonderes Hörerlebnis.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
rundum gelungen und empfehlenswert, 24. April 2010
Gustave Flaubert erzählte vom Leben der Emma Bovary und betrat damit moralisches und stilistisches Neuland. Er macht seine, für die damalige Zeit unglaublich lasterhafte, Protagonistin nicht zur strahlenden Heldin, sondern berichtet aus einer gewissen Distanz heraus, recht nüchtern von ihrem Schicksal. Emma hat eine romantische Vorstellung vom Leben, die mit der Wirklichkeit in der französichen Provinz nicht viel zu tun hat. Sie versucht aus dieser Tristesse auszubrechen und hat damit allerdings kaum Erfolg, so dass es schließlich zu einem fatalen Finale kommt. Der Plot ist aus heutiger Sicht natürlich weniger aufsehenerregend, aber Flauberts packende Erzählweise, die besondere Dramatik, die dieser Geschichte innewohnt, schafft es auch in dieser Hörspielumsetzung, zu fesseln. Obwohl diese Produktion mit mehr als vier Stunden Spieldauer recht umfangreich ist, vergeht die Zeit wie im Fluge. Es gelingt hier sehr gut, den Hörer für das Schicksal Emma Bovarys zu begeistern. Diesbezüglich ist zunächst Valerie Stiegeles Bearbeitung zu loben. Ihr gelingt ein Skript, das mit großer Erzählerlastigkeit die Vorlage sehr gut transportieren kann. Diese fast szenische Lesung rafft die Handlung recht gut, da damit nur wenig Informationen in die Dialoge gepackt werden muss und diese daher recht glaubwürdig klingen. Mit Friedhelm Ptok hat man dazu auch einen erstklassigen Sprecher für diese Rolle gefunden. Aber auch die handelnden Figuren wurden sehr gut besetzt. Mit Chris Pichler hat man auch für die Titelrolle eine sehr erfahrene Sprecherin verpflichten können, die die Emma Bovary in ihren Facetten gut darzustellen vermag. Ein Highlight dieser Produktion ist die musikalische Untermalung, die sehr stimmig auf die Handlungspassagen und die Gefühlswelt der Emma Bovary komponiert und arrangiert wurde. "Madame Bovary" ist ein Hörspiel, das mich durchaus überrascht hat. Wer hier einen staubigen Klassiker erwartet, wird eines Besseren belehrt, die Geschichte packt den Hörer recht schnell und lässt ihn bis zum Ende nicht wieder los. Auch die Inszenierung überzeugt, so dass man hier von einer rundum gelungenen und damit empfehlenswerten Produktion sprechen kann.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Eine adäquate Hörfassung, 24. April 2010
"Moby Dick" ist nicht nur ein Klassiker der Weltliteratur, sondern vor allem auch eine Geschichte, die nahezu jeder schon in der einen oder anderen Form und Fassung kennen dürfte. Die wenigsten jedoch dürften tatsächlich die umfangreiche Vorlage gelesen, sondern sich eher eingängigeren Formaten gewidmet haben. Klaus Buhlert hat den Versuch unternommen, das Werk Melvilles sehr originalgetreu in ein Hörspiel umzusetzen. Dabei transportiert er nicht nur den den reinen Plot, sondern nimmt auch die Einschübe mit auf. Er nutzt zwei Erzähler - zum einen Rufus Beck, der als Protagonist Ismael die Geschichte erzählt, zum anderen installiert der den Autor selbst (gesprochen von Felix von Manteuffel) als zweite Instanz. Dies ist zwar eine gute Lösung im Hinblick auf die Werktreue, sorgt aber dafür, dass diese Hörfassung alles andere als leichte Kost ist. Die beiden Erzähler tragen große Teile des Stückes, was fast schon den Charakter einer szenischen Lesung mit sich bringt. Der Eindruck wird auch dadurch verstärkt, dass man den Text deutlich in den Fokus rückt. Musik- und Geräuschkulisse fallen aber nicht unter den Tisch, sondern werden sehr stimmig, aber eben auch sehr behutsam eingesetzt. Es gelingt trotzdem - gerade in den Spielsequenzen - eine adäquate maritime Kulisse zu zaubern. Rufus Beck überzeugt als Ismael, er meistert die Kluft zwischen erzählender und erlebender Figur und gibt beiden die nötige Glaubwürdigkeit. Einen guten Kontrast zu ihm bietet Felix von Manteuffel, der hier die gewisse Distanz, die er in der Rolle des Autors zur Geschichte hat, gut verkörpert. Die ausdrucksstarke Rolle des Käpitän Ahab übernimmt Manfred Zapatka, der auf den ersten Blick etwas zu "nett" für diese Rolle zu sein scheint. Er belehrt den Hörer aber sofort eines Besseren. Seine Leistungen bringt die sich in extremen Emotionen manifestierende Besessenheit Ahabs perfekt zur Geltung. Aber auch in den Nebenrollen gibt es keinen Grund zur Klage, sowohl die Besetzung, als auch die Leistung stimmen und sorgen dafür, dass auch die kleinsten Auftritte homogen ins Gesamtbild passen. Dichter als mit dieser Hörspielfassung kann man sich dem großen Werk Melvilles wohl nur durch das Lesen des Originals nähern. Klaus Buhlert hat hier eine sehr adäquate Hörspielfassung geschaffen, da er Inhalt und Format der Vorlage sehr gut transportiert hat. Natürlich erschlägt diese neunstündige Fassung den Hörer zunächst, die Zeit darf man sich aber gerne nehmen, um diese Geschichte zu hören, die deutlich mehr zu bieten hat, als das, was die gängigen, verkürzten Umsetzungen mitbringen.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Sehr kurzweilig und originell, 24. April 2010
Man kennt das ja: Da haben Hörspielmacher eine gute Idee und planieren diese in einer Radiostunde vollkommen platt. Dass es auch anders geht, beweisen Serotonin mit "Scheitern für Fortgeschrittene", bei dem die Ausgangslage ähnlich ist. Auch hier gibt es zunächst einen cleveren Gedanken: Wenn jemand ständig scheitert, entwickelt er eine Profession und kann andere damit, aufgrund seiner Erfahrungen bei deren Scheitern unterstützen. Daraus entwickeln Serotonin eine sehr humorvolle und hintergründige Geschichte, die den Protagonisten Fenner von der Erkenntnis, über die Verwirklichung bis zum Scheitern begleitet. Serotonin stellen diese Geschichte in einer Art Doku-Soap-Format dar. Als Fenner spricht der großartige Stefan Kaminski, seine Kollegen stehen ihm in der Leistung aber kaum nach. Serotonin gestalten das Hörspiel sehr unterhaltsam mit vielen kurzen Szenen, guten Musikeinspielungen und viel Tempo in der Darstellung. Das Einschalten von "Scheitern für Fortgeschrittene" kann man daher auch durchaus Anfängern empfehlen.
|
|
|