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Rezensionen verfasst von
Aurelian "Hakmarrje" (Wiener Neustadt)

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Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft
Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft
von Pierre Bourdieu
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,00

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen La Distinction., 25. November 2011
Hammerwerk. In allen sichtlichen Aspekten einfach nur ein Meisterstück. Anfangend von einer soziologischen Studie über Ästhetik in Frankreich bis hin zur Formulierung von Gesetzmäßigkeiten, was wer, wann, vor allem wie schön findet.
Eine Studie über Ästhetik, was Essenskultur, Kunst im Sinne von Malerei, Sportwahl der Schichten, gerade im Land der Gourmets, ist an sich schon ein getroffenes Thema. Etwas Augenscheinliches im zweiten Blick zu definieren, in die Tiefe zu gehen, zeugt erstens von einem großen soziologischen Verständnis, sowie von einem Talent Dinge dort sehen zu wollen, wo sie am Scheinbarsten eben nur "erscheinen".

Vor allem über dieses Thema nicht nur philosophische Mutmaßungen aufzustellen, sondern empirisch, detailliert ausgearbeitete, sowie dargestellte Phänomene anhand ihrer Vorkommen, sowie ihrer Ursachen aufzuklären, in dieser Art und Weise, zeugt von der Bedeutung und Fähigkeit dieses Soziologen. Das aber kann man natürlich nicht nur ihm zuschreiben, sondern der Soziologie als Wissenschaft an sich, die in der Populärkultur keinen großen Einklang und Anklang gefunden hat.

Das Buch ist inhaltlich klar formuliert, jedoch ist die Sprache, die Bourdieu dabei verwendet, kein einfacher Stoff. Teilweise entgleitet alles in eine so hohe Ausformulierung, dass man es nicht einfach nebenbei zu lesen hat, um es sich verständlich zu machen. Bourdieu will, so vermag es einem zu erscheinen, ein wenig Aufmerksamkeit und Zeitinvestition im Austausch für sein dargebotenes Arsenal von Erklärungen, im eigentlichen Sinne von Aufklärung.

Eine Art mit dem Thema umzugehen, wie es Nietzsche in seiner Götzendämmerung tut, wenn er sagt, er philosophiere mit dem Hammer, so soziologisiert eben Bourdieu, um am Ende des Buches dort anzugelangen, wo man auf den ersten Blick nicht hinkommt, nämlich den Selektionsprinzipien der Kunst, sowie deren Distinktionsmöglichkeiten. Kunst wird künstlich geschaffen, es gibt keine Kunst an sich, sondern alles, was als Kunst postuliert wird, entsteht aus einem gewissen Grund, am meisten aus dem heraus, sich abzugrenzen von jenen, die eben Kunst anders definieren als man selber. Kunst als Spiegel dessen, wo sich jemand abgrenzt, gleichzeitig als was sich jemand definiert.

Was ich störend finde, dafür kann aber Bourdieu nichts, ist der Titel des Buches. Im Französischen heißt es "La Distinction", was den kritischen Inhalt und die Aussage vorwegnimmt, im Deutschen jedoch impliziert der Titel "Die feinen Unterschiede" eine kritiklose Haltung, die alles sagen könnte, aber nichts wirklich sagen möchte, sagen würde. Vielleicht hätte man sich mit "Die Distinktion" einen Gefallen getan, aber ganz gleich, wie es nun zu heißen vermag, an seiner Wirkungs- und Aufklärungskraft verliert dieses Buch dennoch nichts.

Bevor man stirbt, sollte man es gelesen haben, um nicht in die Versuchung zu gelangen, zu glauben, dass Unterschiede in den Schichten naturgegebene Phänomene sind, sondern menschlich konstruiert, um sich abgrenzen zu können, um sich seiner Herrlichkeit bewusst zu werden, sie erst zu situieren, gleichzeitig aber, darin liegt das Hauptaugenmerk, andere, die dem nicht entsprechen, auszugrenzen und als minderwertig darzustellen. Das ist der Sinn des Buches, dies klarzumachen.


Götzendämmerung: Die Geldreligion frisst ihre Kinder
Götzendämmerung: Die Geldreligion frisst ihre Kinder
von Gertrud Höhler
  Gebundene Ausgabe

14 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mantra der Einfallslosigkeit, 31. Juli 2011
Also ich weiß ja nicht, was sich Frau Höhler bei diesem Buch gedacht hat, aber ich glaube es sollte einfach ein fast-esoterisches Gefasel sein, vielleicht sogar so etwas wie eine Bibel, ein spirituelles Geleitbuch für eine Kaste.
Alles in Allem fängt das Buch sehr schmackhaft an. Es wird erzählt, dass jede politische oder wirtschaftliche Entscheidung, die das Volk mittragen soll, von einer "Story" dazu bewogen wird. Dieser Teil des Buches ist wirklich eindrucksvoll, hier steigt man in den - anfangs noch interessanten - Schreibstil ein. Danach kommt das Vorzeigen der Eliten, die uns den Financrash eingebrockt haben, nämlich nicht jetzt geschwafelt, sondern wahrhaft jene, die, im wahrsten Sinne des Wortes, ihre Hände im Spiel hatten, die Trader. Das heißt jene, die täglich Unsummen von Beträgen in Spekulationspapiere stecken. Bis dahin alles noch einwandfrei, wohlgemerkt bis dahin.
Anschließend kommt eines, und das immer und immer wieder, nämlich immer wieder dasselbe. Mantraartig wird einem vorpalavert wie die Politik mit der Finanzwelt verbunden sei, wie sehr die Gier der Menschen all das erst zustande gebracht habe, wie komplex die Papiere nicht gestaltet wurden, welche auf keinster Weise näher erklärt werden, etc. Geld wird zur Droge, niemand kann sich dem entziehen. Die Politik würde die Finanzwelt nur attackieren, weil sie sich selbst reinwaschen wolle. Gegen diese Argumente ist ja nichts einzubringen, würden sie einem nicht andauernd vor der Nase herumspatzieren. Man bekommt den Eindruck, dass uns die Autorin nicht über Gegebenheiten aufklärt, sondern konspirative Theorien aufschwappt, die sich um so schneller in die Gehirne andocken, umso öfter man sie wiederholt. Irgendwie hat das Buch so einen schwammigen Eindruck auf den Leser, dass er sich andauernd in einem versuchten, literarischen Meisterwerk wähnt, was es aber nie sein kann, alleine weil es zu viel gewollt ist.
Ein weiteres Thema sind wie schon angesprochen die Trader. Auch hier bedarf man keines Feng-Shui-Meisters um die stupide, angeblich von Experten so mitgeteilte Welt ebenjener zu verstehen. Im Laufe des Buches kommt einem das Geschwafel so vor, als würde sie einem das Leben als Trader aufzwingen. Sie ist noch dazu so intelligent, dass sie all ihre Anfangsthesen später durch Zitate berühmter Player abdeckt. Es wimmelt ausserdem nur so vor Anglizismen, die zwar kursiv geschrieben sind, nirgends aber irgendwo erklärt werden.
Am Schluß scheint die Lösung gefunden, die Ethik. Das was bis jetzt nicht geklappt hat, klappt dann, weil es Höhler so palavert, vielleicht sollte man den Herren von Goldman Sachs, JP Morgan, den Ratingagenturen und den Banken einfach ein Exemplar schicken. Meiner Meinung nach sollte sich der Preis des Buches an den Preisen für griechische Staatsanleihen anknüpfen, nämlich gen null.
Fazit ist, dass wenn man als Laie rangeht, das bedeutet, dass man nicht weiß, was CDO's, Hedge-Fonds, Derivate und dergleichen sind, sollte man schleunigst die Finger davon lassen. Es soll mir auch eine Lehre sein, die Finger von so einem Esoterik-Kram zu lassen.
Am meisten schmerzt es mich, dass sie den Titel "Götzendämmerung" gewählt hat. Sich den Titel eines philosophischen Großmeisters, Friedrich Nietzsche, so dreist abzukupfern, am Ende gar nicht zu wissen, in welchem Zusammenhang der Titel mit dem Inhalt steht, ist eine Frage, die nur sie uns beantworten kann. Ein zutiefst lückenhaftes, unsättigendes Buch, welches mehr Fragen aufwirft, als es stellt oder beantwortet. Lieber ein Globalisierungbuch kaufen, oder sich einen fähigen Ökonomen aussuchen, wohlmöglich einem Nobelpreisträger, und sich mit Fachwissen und pointierten Argumenten in die Materie einfühlen, oder weiterführen lassen. Ethisches Geschwafel in Form von irgendwelchen Sagern über die achso berauschten Trader, die sie nie beim Namen nennt, sondern immer sagt, das sind Eliten, die man nicht sieht. Dann frage ich mich, warum sie soviel über sie weiß.
Nonsene in Mantramanier, wie Sie es noch nie gelesen haben.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 2, 2014 4:04 PM MEST


Das neue Schwarzbuch Markenfirmen: Die Machenschaften der Weltkonzerne
Das neue Schwarzbuch Markenfirmen: Die Machenschaften der Weltkonzerne
von Klaus Werner
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erster Schritt, 26. Juli 2011
Angesichts der im Buch erwähnten Konzernausbeuten, Medikamentenmissbräuche an der wehrlosen Bevölkerung von Afrika bis zu den Vereinigten Staaten oder einfach die Gegebenheiten in etlichen Ländern der Welt im Bezug auf Erdöl usw, darf man keine Zeit verlieren Rezensionen zu lesen, sondern sollte sich diese Seiten genüsslich antun. Alles andere wird einem die Galle hochtreiben, man wird vor Wut erblassen.


Der zerrissene April
Der zerrissene April
von Ismail Kadare
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hakmarrje, 17. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Der zerrissene April (Taschenbuch)
Dass Kadare von vielen nicht gelesen, dass Albanien von vielen nicht gekannt wird, das ist nicht verwunderlich. Die Geschichte hat ihr Eigenes dabei getan, Kadare hat sein Ganzes dabei getan, doch die Gedankenkonstrukte der Allgemeinheit können nicht gesprengt werden. Sprengung kann nur das Beschäftigen erwirken, nie aber die Ignoranz, nie das Wegsehen, nie das Annehmen, weil es etwas anderes ist, etwas Fernes.

Kadare ist Sprengwerk für diese Gedanken, Kadare zeigt, wer in dieser Welt in Phantasmen lebt, wer geregelte Welten hat, und wie sehr diese Welten miteinander zu tun haben, wie sehr sie dasselbe füreinander und voneinander sind. "Prilli i thyer" ist eine Demonstration der Kraft einer Nation, die durchgehend von Großmächten, oder solchen, die es von sich dachten, übernommen wurden. Dieses Buch kann nicht nur Antworten auf die Fragen des Seins und Handelns der Albaner auf der ganzen Welt geben, sondern zeigt auch auf, warum ein eigentlich starkes und hartes Volk sich so oft hat die Möglichkeit nehmen lassen über sich selbst zu bestimmen im westlichen Stil, da die Selbstbestimmung das höchste Gut war, nie vergangen und nie vermisst war.
Der Kodex und das Rechtssystem in den Bergen kann heute noch an die "modernen" Rechtssysteme ankommen, kann sogar Inhalt geben, vor allem etwas, dass der Welt abhanden gekommen ist, nachdem es sich artifiziell Werte geschaffen hat, die nur Überbrücker des Nichts waren, nämlich Sinn.
Nach Durchstöbern des Buches und der Vorahnung, dass man hier von einem primitiven, kleinen Volk etwas erfahren wird, ist man dann am Schluss davon überzeugt, wie groß dieses Volk ist und war, wie sehr es sich gehalten hat, wie stark es war die "faktischen" Unterdrückungen zu überstehen, sogar sich daraus etwas Albanisches entwickelt, dass zutiefst und rein albanisch ist, nichts Gelehntes, Genommenes, sondern eine Tiefe, für die man ehrt und schätzt, als als nieder anzusehen.
Selbst, wenn der Inhalt nicht dem entspricht, was man als "gut" oder "ethisch und moralisch vertretbar" hält, zumindest liest man hier Stoff, der wahrlich groß geschrieben ist, einzig die Erzählkunst lässt staunen.
Das Buch zur Basis des am meisten vergessenen Volkes, mit der größten Schöpfung ihrer Möglichkeiten, alleine Kadare ist da Beweis genug, nicht zu vergessen die historischen Körper, die dieses Geschlecht hervorgebracht hat.
Zum Ende muss einmal mehr hervorgebracht werden, dass in der Zeit, wo alle anderen Völker sich nach außen vor Außerem gewährt haben, sich die Albaner, vor allem die, die am wenigsten von dem Äußeren betroffen waren, am meisten etwas erschafften, dass sie in dem Inneren stärkten. Ein einzigartiges Volk, mit großem Aufkommensradius in der ganzen Welt, unverstanden, ungesehen, weil nicht hingeschaut. Kadare öffnet ein Fenster. Es soll frische Luft bringen. Unfrische Gedanken zumindest erfrischen.

Populli shqiptare.


Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
DVD ~ Omar Sharif
Wird angeboten von Medienvertrieb & Verlag
Preis: EUR 44,99

32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Träume träumen, Leben leben!, 12. März 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieser Film ist einfach ein Prachtwerk! Jeder, der diesen Film als utopisch nimmt, hat den Inhalt nicht verstanden.
Momo ist ein Junge, der nicht mehr sein will, als er ist, nämlich ein Junge. Sein Vater ist Anwalt und Jude. Momo wird immer rüber zum Araber geschickt und muss immer wieder den Kühlschrank auffrischen, damit er seinen Vater am Ende des Tages satt kriegt.
Nach der Zeit findet Momo immer mehr gefallen am weiblichen Geschlecht. Er lebt auch im richtigen Bezirk in Paris dafür. Überall stehen die Prostituierten und warten auf einen Freier.
Sein Vater verlangt von Momo, dass er alles aufschreibt, was er ausgibt. Das kommt ihm nicht gerade gut, denn durch seine Besuche bei jenen Frauen in seiner Straße hat er wenig Geld, muss aber viel einkaufen.
Er beschließt zu klauen, beim Araber, MONSIEUR IBRAHIM, aber dem scheint das nichts zu machen, und so entwickelt sich dann diese enge Freundschaft zwischen einem kleinen Juden und einem erfahrenen, lebensfrohen Muslimen.
Dieser Film ist einfach herzzerreisend, und er zeigt, dass es auch anders geht. Man muss nicht immer irgendwelche Stuntszenen in einen Film einbauen oder einfach irgendwelche langweiligen, immer wiederkehrenden Themen nehmen, sondern einmal das essenzielle beschreiben, nämlich das Leben.
Es ist für jeden was dabei, vom Gelehrten, der den Sinn des Lebens schon sieht bis hin zum Durchschnittsbürger, der nicht verstehen kann, wie es solch Begegnungen noch gibt.
Ich finde es schade, dass es nicht viel mehr solcher Filme gibt, es sollten sich ein paar große Regisseure ein Beispiel daran nehmen, wie einfach es sein kann mit Menschlichkeit das Mensch-Sein zu erleichtern.


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