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Chilischote

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Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
DVD ~ Barbara Sukowa
Preis: EUR 8,99

22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Vorhang auf für Hildegard von Trottingen - "ICH BIN STARK weil ICH BIN FRAU!", 14. August 2010
Ach, ich gebe zu, dass ich mich mit der historischen Person der Hildegard von Bingen recht schwer tue, seitdem meine verehrte Frau Mutter meinen armen Herrn Vater mit allerlei auf Frau v. Bingen zurückgehende Gebräuexperimenten, gemeinhin auch Tee genannt, das Leben schwer macht und eines gar schrecklichen Tages sogar die Frechheit besaß, mich damit zu behelligen. (Nun gut, auch ein Weg, seine Kinder in die Welt hinauszutreiben. ;-) Margarete von Trotta, so vermute ich, scherte sich ebenso wenig um das Teegebräu wie ich, denn ihre oft zitierten Worte "Ich möchte das Leben einer starken Frau zeigen." (im heutigen Sinne) charakterisieren den vorliegenden Film erstaunlich aufrichtig, ehrlich und detailiert.

Wenn sich ein Film dem Leben einer faszinierenden historischen Person nähert, ist (für mich) die wichtigste Frage: Wie wurde aus einem jungen unbedarften Mädel oder Bub die Figur, die noch heute ob ihrer Weitsicht, Verdienste und Inspiration so bekannt und geachtet ist? Ergo: Ich will eine glaubwürdige Charakterinterpretation sehen.

Schade, dass Frau von Trotta mir wohl nicht zustimmen würde. Vielmehr beschränkt sie sich anfangs auf ein junges Mädchen, dass in ein sowohl von Mönchen als auch Nonnen beherbergtes Ärger-Vorprogrammiert-Kloster verbracht wird - und gefühlte zehn Sekunden später als erwachsene reife Frau zur Äbtissin geweiht wird. Jaja, so schnell kann das gehen: eine starke Frau wird schließlich schon stark geboren.

Inhaltlich legt sich der Film im Wesentlichen auf Kräuter, nochmal Kräuter, natürlich Kräuter, ein bißchen Vision und anti-historische(Pseudo-)Emanzipation fest. Hildegard flaniert durch ihren Kräutergarten und unterhält sich mit dem ihr zugetanen Bruder Irgendwas (hochsympathisch: Heino Ferch), leitet gemütlich ihre Klosterhälfte und hat von Zeit zu Zeit eine Vision, die ihr die Zweifel der Kirchenobrigkeit einbringen. Nicht das in diesem versofteten Gute-Laune-Filmchen allzu viel passieren würde, denn mehr außer einen echauffierten Abt und einige verdrießliche, der meinen i.Ü. verflixt ähnlichen, Mienen der Kirchenobrigkeit bekommt man nicht zusehen. Kurioserweise finden Hildes Visionen flitzeflink höchste Anerkennung - warum auch immer - so wird es zumindest pauschal u ohne weitere Erklärung mitgeteilt. Muss wohl der Hl. Geist seine Finger im Spiel gehabt haben. Ansonsten streitet sich die wilde Hilde mit dem hartherzigen Abt, sorgt sich um eine sie verehrende Jungnonne, hat eine nonnenhaft unstatthafte Schwangerschaft (nein, keine eigene) an der Backe und streitet mit mildem Blicke für ihre Freiheit. Ah ja, Freiheit, diesen gar wichtigsten Fixpunkt zerschießt die Regisseuse sogar im Alleingang - ein Schelm, wer dabei auf den Filmtitel schielt. ;o) Kurioserweise ist der Film im wortwörtlicher Sinne höchst unfrei, findet die Handlung doch weitestgehend hinter Klostermauern statt und geben der Handlung treffendst ein ebenso sinngemäß wie plastisch beengtes Dasein. Hildegards geistige Verdienste um Religion, Mystik, Ethik, etc., ihr Austausch mit Gelehrten aus aller Welt, ihr intellektuell vielschichtiger Geist werden nur in Randkommentaren und demonstrativen Ist-so-Bildern (Besuch beim Kaiser) aufgeworfen. Echte Größe findet nur der, der sie sehen will. Zurück bleibt ein nettes Mädel, das nur das Beste will und sich gegen die ignorante Männerwelt mit Gottes Hilfe auch ohne jede Dramatik oder Spannung durchzusetzen weiß.

Dass sich der Film ob der Eindimensionalität seiner Figuren & Geschichte nicht ganz und gar zu Tode verehrt, liegt letztlich darin begründet, dass er die (aktuell damit verbundenen) Vorzüge des Klosterlebens - Harmonie, Ruhe und innere Einkehr - mit besinnlichen Tönen, sorgsam arrangierten Nahaufnahmen und harmonischer Atmosphäre exzellent einzufangen weiß. Barbara Sukowa ist ein Traum an Äbtissin: asketisches Angesicht, weise Mutter, sorgenvolle Heiligkeit und selbstlose Liebe. Insgesamt eine Kombination, die mich - abgesehen von einem grummelnden und vermutlich auf Teerenitenz zurückzuführenden Dauernagen in der Magengegend - angenehm zurücklehnen und entspannen ließ.

Nujoh...

Sucht man die Annäherung an die historische Person oder echte Auseinadersetzung oder auch nur ein ambitioniert innovatives und fesselndes Filmwerk, so wird sich der verehrte Leser entweder bestenfalls unfreiwillig amüsieren oder sich schlimmstenfalls ob einer so lachhaft aufgehübschten und in sich limitierten "ICH BIN STARK weil ICH BIN FRAU!"-Vorstellung hinter den nächsten Zug werfen.

Wird dagegen Wert auf schöne Bilde, entspannende Töne, sympathische Darsteller und eine angenehm unterfordernde Handlung gelegt, so kann getrost zugegriffen werden.

Fazit:

Auf Kosten einer "starken" Frau wurde ein schwacher Film kreiert. Eigentlich schade.

Wenn ich mir rückblickend die Fixierung auf die Kräuter so anschaue, wage ich mir dann doch, die Frage zu stellen, ob da nicht ein vielleicht sogar ein ursächlicher Zusammenhang zur "Vision" bestehen könnte? Mmh... ;-)

Nachtrag: Und NEIN, ich mache ich mich nicht über die historische Person der Hildegard von Bingen lustig - die würde da eh drüber stehen - sondern über dieses wenn auch sympathische Schmalspurgewächs an Filmfigur, bei der doch tatsächlich Anspruch auf Anspruch erhoben wird. Tztztz. ;o)
Kommentar Kommentare (15) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 23, 2011 6:42 PM MEST


Jane Austen's Pride & Prejudice (15th Anniversary Edition) [6 DVDs] [Collector's Edition]
Jane Austen's Pride & Prejudice (15th Anniversary Edition) [6 DVDs] [Collector's Edition]
DVD ~ Allison Steadman

13 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Männer - Finger weg von Miss Austen" © by Woodstock, Lady, 13. August 2010
"IT is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good brain should not watch a Period-Drama." Jane Austen

Schauderhafte Sache, dass Väter immer recht haben müssen. "Junge, heirate eine, die reich und hübsch ist." heisst es schon seit Urzeiten seitens meines alten Herrn. Ein Ratschlag, den ich bisher nicht wirklich ernst nahm, hatte der schlaue Schurke doch selbst das erstere zugunsten des letzteren schamlos ignoriert. Das änderte sich allerdings, als ich mit der charmanten Familie Bennett bekannt gemacht wurde, die man, mit Verlaub, samt und sonders in Kartoffelsäcke verpacken und an der tiefsten Stelle des Meeres versenken sollte.

Dass man auf solche Gedanken aber stets erst dann kommt, wenn es schon zu spät ist, sollte Mr. Bennett, ein Kleinadeliger im England des 19. Jahrhunderts leidvoll ergründen. Einst in Leidenschaft für eine zwar hübsche aber vermögenslose Frau entbrannt, die obendrein noch einen allzu hohlen Kopf spazieren trägt, setzte sich der dumme Kerl in die Nesseln und heiratete. Jahre später entsprangen dieser unheilvollen Beziehung fünf Töchter, jawohl ganze F-Ü-N-F T-Ö-C-H-T-E-R, die man nur verheiraten oder ertränken kann. Für das Eine fehlt dem guten Mann allerdings der Mut, und für das Andere das Geld, so dass die Tragödie wie gehabt ihren holperigen Lauf nimmt und sich in wahrhaft griechischen Ausmaßen entlädt. Im doppelten Sinne. *schauder*

Zurück zum Film, und der hatte es in sich. Subjektiv empfand ich den Streifen als dermaßen gewöhnungsbedürftig, dass selbst meine Leber erstmals an ihre Grenzen stieß. Objektiv wurde es auch nicht besser. Sämtliche gruselige Gestalten aus dem Aust'schen Heiratsratgeber erwachten samt zugehöriger Schlüsselszenen dergestalt plastisch denn plastischer zum Leben, dass man nur noch "Prost!" und "Gut Nacht!" sagen konnte: Ein Weiberhaushalt, den sich der Teufel nicht diabolischer hätte ausdenken können. Mrs. Bennett in ihrer ganzen Pracht, sagenhaft dämlich, ignorant und schrillstmöglicht bestimmt, jugendliche Töchter, die ihre Mutter noch zu übertreffen versuchten, ein formvollendeter Mr. Collins, der eine meterdicke Schleimschicht hinter sich herzog, etc., etc. ... waren ebenso wie die an Kartoffelsäcke erinnernden Kleider samt Häubchen nicht sonderlich apart. Mit einem bzw. mehreren Worten: P&P 1995 ist eine geradezu furchterregend authentische Literaturverfilmung, die in Sachen Umsetzung à la Geistlosigkeit an der Oberfläche, hintergründig ironischen Humor unter der Fassade und detailfreudiger Charakterisierung uneinholbare Maßstäbe setzt - und die Botschaft erstaunlicherweise nicht der Romantik opfert. Erst jetzt fiel mir auf, wie hoffnungslos aufgesetzt und geradezu stümperhaft die 2005er Version von P&P dagegen wirkt - sogar bzw. insbesondere was Charaktere wie Mr. Bennett u. Drachenmama de Bourgh angeht. Weniger ist eben doch manchmal mehr.

Kritisieren könnte man allemal, dass sich für die Intensität der Farben offensichtlich ein Schotte verantwortlich zeigte, die damaligen Ansprüche an eine regionale Schönheitskönigin erschreckend gering waren, und nicht zuletzt die Darstellerin der holden Lizzy an sich viel viiiiel zu alt ist, besitzt sie doch von Anfang an die Reife, die es erst zu erringen gilt. Spielt aber weniger als gar keine Rolle, denn Jennifer Ehle ist buchstäblich die Seele des Films und prägt ihren Charakter mit warmen klugen Augen, rosig glühenden Pausbacken und nahezu unvergleichlicher Liebenswürdigkeit - ergo: meine Rettung in einem Meer an "Gib Ihnen Hirn, Herr, bütte!" Auch Colin Firth, dessen Dauerparade des britischen Gentleman mir in letzter Zeit gehörig auf die Nerven geht, spielt als nassbehemdeter Pemberleydackel nicht nur wesentlich besser als in seinen anderen Filmen, sondern auch die Rolle seines Lebens. Darauf ein geknurrtes Chapeau!

Fazit:

Frauen werden bei diesem Film zweifellos dahinschmelzen, während für Männer ebenso zweifellos das obige Titel-Mantra gilt, das zwar nicht ganz so universell wie die Twain'sche Austenverehrung daherkommt, aber nicht weniger wahr ist. Nevertheless ist der BBC mit P&P 95 trotz der Einstufung als Period-Drama und damit per Definition nicht weiter zu empfehlenden Film - rein objektiv - ein gar nicht mal so übler Film gelungen. Truly unforgettable. Und nicht zuletzt eine Mahnung an alle Adamssöhne, entweder auf Ihre weisen Väter zu hören (Ich weiß, ich weiß.) oder sich zumindest so teuer wie nur möglich zu verkaufen. (Lauft um Euer Leben!) Cheers! ;o)
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 10, 2011 7:39 PM CET


Iron Man 2
Iron Man 2
DVD ~ Robert Downey Jr.
Preis: EUR 7,79

36 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eisen oder Blech?, 26. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Iron Man 2 (DVD)
Ich bin selbst Schuld. Ohne Frage. Hundertprozentig. Viel zu hohe Erwartungen! Schließlich war der gute Iron-Man nach einer Reihe von Kinoenttäuschungen meine persönliche Fackel in der schier allmächtigen Düsternis cineastischer Einfallslosigkeit. Was kann da schon schief gehen? Natürlich nichts! Nur einige Punke verdienen, finde ich, ein besonderes Augenmerk, um der Genialität dieses Streifens (er war schließlich extrem teuer) auch hinreichend Tribut zu zollen.

Als sich Tony Stark ganz zu Beginn gewohnt rotzig mit dem Kongress anlegt, pfeift er nonchalant auf deren Forderungen, seine Rüstung herzugeben und knallt ihnen einen schicksalsträchtigen Satz an die Köpfe: "Ich habe den Weltfrieden privatisiert!" Ach, was für ein schöner, was für ein treffender Satz, so typisch für Tony Stark und was für ein zum Wegrollen witziger Auftritt. Herrlich! Erst später fiel mir auf, dass Tony Stark diesen Satz erstaunlich ernst gemeint hat und mir dieser mit steigender Minutenzahl doch leicht bitter aufstieß. Das mag möglicherweise an einem selbstredend ungerechten Vergleich zum ersten Teil liegen, der es wie kein anderer vermocht hat, einen chaotischen Protagonisten zu präsentieren, der unter einer Spaß-Spaß-Spaß-Fassade sowohl Verantwortung als auch echten Charakter entwickelte. Teil II geht insofern neue Weg, denn obwohl Iron-Man sich mit seiner Erfindung und der diesbezüglichen Bedeutung für den Weltfrieden kolossal viel Verantwortung aufbürdet, geht der Spaß verloren. Wo also ist der Spaß? Keine Ahnung? Alles wirkt gehetzter, planloser und erschöpft sich ganz ganz schnell - ich traue es mich kaum, es auszusprechen - in hemmungsloser Zickerei. Iron-Man und Zickerei? Geht das denn? Na und ob!

Tony Starck zickt, weil er ein kleines gesundheitliches Problemchen hat und die halbe Verantwortung der Welt auf seinen Schultern ablädt. Böser Anzug! Als gäb's nicht genug anderweitige Spielzeuge, um einen privatisierten Weltfrieden gar flott wieder zu entprivatisieren. Wie wurde dadurch nur der Stark aus Teil I ausgebremst, der dazumal noch wie der letzte Chaot die Sau rauslassen konnte und trotzdem noch für Charakterentwicklung und Spaß stand. Stattdessen ergibt sich Stark der Depression, dem Selbstmitleid, der Verantwortung... ohne Spaß... und als Zuschauer habe ich mich dann doch verstohlen gefragt, wieso der unbeirrte Narzisst aus Teil I unter identischen Bedingungen nun zur Spaßbremse mutiert. Mmh. Verantwortung? Ohne Spaß? Da geht selbst ein Downey Junior baden.

Die süße (leicht abgemagerte) Pepper Potts zickt, weil sie erstens ein Mädchen ist, sie zweitens Tony's Job erledigen muss, und damit drittens ihren eigenen Berg an Verantwortung (DAS böse Wort schon wieder.) trägt. Könnte aber auch daran liegen, dass sie noch nicht zwischen Starks Laken gelandet ist, was die teeniemäßig verhunzten Szenen erklären würde. Meine allzu kritische Sicht beruht möglicherweise darauf, dass im Trailer eine Szene gezeigt wurde, die aus dem Film später herausgeschnitten wurde - und mir diese Szene nicht mehr aus dem Kopf ging. Man erinnere sich: Stark springt am Anfang aus dem Flugzeug - "Gib mir einen Schmatzer als Glücksbringer, vielleicht komme ich nicht zurück!" - Pepper drückt auf ihre unverschämt pfiffig-süße Art einen Kuss auf den Helm... und wirft diesen aus dem Flugzeug: "Zeig's ihnen, Boss!" - Sprung "Du vervollständigst mich!" Ende. Ohne Worte. Kein Wunder, dass die Szene geschnitten wurde, denn exakt diese Mischung aus frech kokettierender Spritzigkeit und eines umwerfend lakonischen Humors findet man nicht wieder. *schnief*

Rhodie Rhodes: Undankbare Rolle, aus der Mr. Don "EinGesichtsausdruck" Cheadle noch weniger herausholt, als es möglich schien. Allerdings ist das durchaus zu verschmerzen, schließlich ist er seinem Vorgänger Terrence "Heulgesicht" Howard immer noch um Längen voraus( was streng genommen keine Kunst ist.) Schwadronieren über Freundschaft und Patriotismus, das kann er wie kein Zweiter. Nunja, viel "Freund" ist an ihm nicht wirklich dran - worüber ich sanften Herzens hinwegesehe, schließlich steht der zweite Teil mit den Worten "Charakter" und "Charakterentwicklung" eklatant auf dem Kriegsfuss u diesbezüglich Kritik ist nichts weniger als müßig - dafür aber ein vorbildlicher Fanboy des Pentagons. Insbesondere fand ich seine ständige jammernd zickige Anbiederei bei Stark, die Rüstung doch an das v e r a n t w o r t u n g s v o l l e US-Militär abzugeben, hochgelungen. Schließlich entspricht es heute dem guten Ton, als Mann auf die Tränendrüse zu drücken und sich so richtig schön als Heulboje gehen zu lassen.

Black Widow alias Scarlett Johannson war von mir anfangs äußerst argwöhnisch betrachtet worden, da ich, ehrlich xsagt, als Assassinin eine feurig heiße Verführerin in Latexrüstung glasklar bevorzugt hätte - und nicht die glatte Antithese in blond. Ironie des Schicksals: es funktioniert trotzdem bzw. gerade aufgrund dieses an sich unvereinbaren und doch faszinierenden Gegensatzes. Schade nur, dass die hochbegabte Johanson nur lieblos von Zeit zu Zeit auf den Bildschirm gezerrt wird, um an ihre Anwesenheit zu erinnern. Platz für Charakter oder persönliche Entfaltung ist eben rar - und somit wird sie vollkommen logisch auf reines Beiwerk reduziert. Das macht sie allerdings ganz ausgezeichnet. Apropos Anwesenheit: Wann wurde eigentlich mit der guten alten Tradition gebrochen, einen Superhelden bei seinem ersten Auftritt in Uniform einen knackig krachenden Empfang zu gewähren? Das soll beileibe keine Kritik sein, ich wunderte mich nur, warum "Black Widows" erster Auftritt als Kellnerin u Krankenschwester in einem D-i-n-e-r so unspektakulär wie nix Gutes daherkommt. Mei, da hätte ich mir doch einen heißen Ofen gewünscht, der wenigstens in Punkto "scharfer Auftritt" und Ästhetik Eindruck schindet. Vielleicht kommt sie auch nur nach ihrem Chef, der nur noch auf dem Papier cool ist - und ich habe die Ironie übersehen.

Die Gegner... oh ihr Götter. Vom Feinsten. Da wäre zum Einen Mickey Rourke als russischer Hüne an Ober-Nerd mit Muskeln wie Baumstämme, der so kompromisslos wie rachedürstig den guten Stark mit seiner Energiepeitsche in Scheibchen zu schneiden gedenkt. Krachender Auftritt. Obwohl seine Rolle ein Musterbeispiel an Eindimensionalität und Flachheit darstellt, trotz der Teufelskerl seiner Rolle mit wenigen Worte einen Hauch von Tragik und Tiefe ab und walzt gleichzeitig mit der animalischen Gewalt eines Urviechs alles in Grund und Boden, was so unvernünftig ist, ihm vor die Pranken zu kommen. Kurz: Er ist der Einzige, der nicht herumzickt. Teuflisch gut!

Was macht man nun, wenn man einen formidablen Gegner hat? Richtig! Man schiebt ihn ins knallhart ins Abseits und holt sich den nächstbesten vom Fließband wegrekrutierten Volltrottel herbei. Gestatten: Justin Hammer (Sam Rockwell), seines Zeichens zickender Waffenproduzent, Hauptkonkurrent von Tony Stark und absolute Luftnummer. Es heißt, dass nur starke Feinde starke Helden zu erschaffen vermögen. Lege man dies zugrunde, so müsste man den zweiten Teil fürwahr "Blech-Mann" nennen. Auweia, mir sind derartige Dummschwätzer mit großer Klappe und noch weniger Witz aus Teeniefilmen und verhunzten Actionkrachern bekannt genug - aber hier? Da zuckt nicht nur meine rechte Augenbraue. Aber gut, es macht Sinn. Ich meine, da hat man die Reinkarnation eines begnadeten Dummschwätzers in Form von Tony Stark... da ist es doch nur recht und billig, das glatte Gegenteil zu präsentieren, damit wir auch erkennen, was wir an ihm haben. Es geht eben nichts über einen Obergegner, dessen Amoralität vielleicht noch irgendwie hätte beeindrucken können, wenn er denn nur einen winzig kleinen Hauch an Intelligenz, Gerissenheit oder Diabolik entfalten könnte... So aber bleibt nur ein peinlich unlustiges Muttersöhnchen übrig, dem - absolut nachvollziehbar, versteht sich - monumental viel Screentime zur Verfügung gestellt wird, damit nicht nur Stark, sondern auch ich leiden muss. Und zwar r-i-c-h-t-i-g. Ein Königreich für einen Funken Originalität...

....und so geht die ganze Handlung zum Teufel. Sagte ich Handlung? Ich persönlich sehe das nicht ganz so eng, schließlich war Teil I auch eine sehr straighte und vorhersehbare Sache. Außerdem war allein die Geschichte mit dem Väterlein & dem Herzen so tränentreibend schön, dass ich beim ständigen Griff nach dem Taschentuch gern ignorierte, wie jämmerlich kitschig, bemüht und konstruiert diese Chose doch wirkte. Auch mein persönlicher Hochmoment bei dem Kurzdialog: "Was würden Sie tun, wenn es Ihr letzter Geburtstag wäre? - Alles, Sir...." - bei dem ich mir in seliger Vorfreude auf ein knalliger "ALLES" begeistert die Hände rieb - verflog gar schnell, da man Stark lieber erschreckend banal und aufgesetzt in Selbstmitleid und Depression zerlaufen ließ. Einer musste halt Rhodeys Tränen trocknen und wenn sich der Held die Hände nicht schmutzig macht, wer dann? So sieht also Tiefsinn aus.

Ach je, wäre ich zynisch veranlagt, ich würde doch glatt behaupten wollen, dass sich der zweite verflixt noch mal reichlich langweilige und spannungsarme Teil auf den verdienten Lorbeeren des ersten Teils ausruht und nicht einzigen Funken an Kreativität, Charakter oder Story beizusteuern verstand. Sicher, sicher, ein Ausrutscher darf durchaus mal passieren und bei schlappen Produktionskosten von 200 Millionen € schaue ich mit verzeihendem Blicke drüber. Außerdem verbleiben mir genug witzige Szenen in Erinnerung, ok, ur wenige zwar, aber gut, Iron Man II macht bescheiden, eine Eigenschaft, die ich dann doch sehr erstrebenswert finde, nicht? Und nicht zu vergessen, das Ende. Jajaja, ich gebe es höchst widerstrebend zu, dass man nach einem gar nicht mal so üblen Kawumm-Vorspiel auch etwa mehr Zeit in die finale Konfrontation hätte investieren können. Knappe zehn Sekunden sind schon arg knickrig. Aber ich möchte nicht kleingeistig herumkritisieren und freute mich stattdessen, dass der Film exakt so ausging, wie ich es noch in der ersten Hälfte vorhersagte. Gut, das war keine Kunst, doch wusste ich immerhin, WIE der böse Bube scheitern muss. (Wie bitte? Das war auch keine Kunst? Mmh, stimmt auch wieder. Mist!)

Fazit:

Insgesamt ein hochspannender, empfehlenswerter und hypergenialer Film, an den ich immer wieder gern zurückdenke, wenn ich Probleme mit dem Einschlafen habe. Klappt immer.

PS: Liebe Leute, es ist in der Tat eine Vorab-Rezension - das habt Ihr messerscharf erkannt - und glaubt mir, ich schäme mich ganz entsetzlich, dass ich noch keine technischen Informationen für diejenigen unter Euch habe, die danach zu einem Zeitpunkt Ausschau halten, an dem es den Silberling noch gar nicht gibt. Da ich dies nun schon weiß und mich auch dafür schäme, ist ein kindisch quengelnder Kommentar unter diese Rezension reine Zeitverschwendung, nicht? Ich würde stattdessen wärmstens empfehlen, Euch deswegen direkt an den Am*zon und seinen Kundenservice zu wenden, die die Vorab-Rezensierei nicht nur gnädig erlauben, sondern auch möglich gemacht haben. Die Guten.
Kommentar Kommentare (20) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2010 11:31 PM MEST


Harry Brown [UK Import]
Harry Brown [UK Import]
DVD ~ Ben Drew
Wird angeboten von DaaVeeDee-DEU
Preis: EUR 26,99

11 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Sinnlos. Erstaunlich sinnlos. Dabei ist Sinnlosigkeit das Thema des Films., 18. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Harry Brown [UK Import] (DVD)
Eine Plattenbausiedlung im Herzen einer britischen Großstadt. Hier lebt der alternde Witwer Harry Brown (Michael Caine) ein ruhiges Dasein. Doch die Ruhe trügt: Jugendbanden, Waffen, Drogen... und ihre Opfer. Harrys alter Schachpartner wird von gewalttätigen Jugendlichen schikaniert und eines Tages blutig zusammengeschlagen und tot in einer Unterführung aufgefunden. Harry selbst wird Opfer eines Raubüberfalls, dem er mit einer Reflexhandlung aus alten Marine-Zeiten drastisch zu begegnen weiß. Es macht "Klick" in Harrys Kopf...

Der Anfang ist stark, sehr stark. Atmosphärisch dicht und mit der Kamera stets nah am Geschehen wird ebenso in den müden bedächtig dahinkriechenden Alltag von Harry Brown wie in das depressiv trostlose und gottverlassene Milieu des sozialen Abstiegs und einer sich zunehmend ausweitenden Jugendkriminalität eingeführt. Jugendliche Gewalttäter ohne jede Empathie, eine sprunghaft eskalierende Verbrechensrate, eine hilflose nur auf gute Schlagzeilen bedachte Politik und noch hilflosere Polizisten, die all das entweder an sich abperlen lassen oder innerlich daran zerbrechen - und auf allen Seiten scheinbar keinerlei Perspektiven.

So weit, so gut. Das Fundament ist gelegt, der Film kann beginnen. Sollte es. Nur weiß das Drehbuch anscheinend selbst nicht so wirklich, wohin der Weg führen soll. Charakterkopf Caine liefert eine exzellente Leistung - umso lobenswerter, weil seine Rolle filmisch versandet und versanden muss, denn seine Wandlung zum erbarmungslosen und auch vor Folter nicht zurückschreckenden Vigilanten - Psychopath trifft es m.E. allerdings wesentlich besser - bleibt ohne Charakter und lebt einzig von der Präsenz seines Darstellers. Auch wenn Caine mit gewohnter Finesse zu bestechen weiß, sein Protagonist bleibt blass, die Wandlung schreitet zu schnell und unnötiges Porzellan zerbrechend voran und selbst der gelebten Sinnlosigkeit fehlt jeglicher Sinn: Zu einem zweiten "Ein Mann sieht rot" besitzt der schiesswütige Rentner noch zuviel Verstand, einer Charakterstudie fehlt es an Glaubwürdigkeit, einer Milieustudie ermangelt es an Tiefe und einer Studie über Selbstjustiz oder Jugendkriminalität gebricht es an jeglicher echter Auseinandersetzung. "Harry Brown", naja Regiedebüt, ist ein nur ambitioniert sein wollender *hust* alter Hut à la "Dämonisiere die "Bösen" und der "Gute" hat Narrenfreiheit." Unfug. Was letztendlich übrig bleibt, ist eine gar zu schnell in banale Effekthascherei und unnötig brutale Szenen abgleitende verkorkste Handlung, die erstaunlich ideenlos konstruiert ist, überall nur an der Oberfläche kratzt, sich zunehmend allein in leeren Phrasen und Klischees erschöpft und eine dergestalt lächerliche und dreiste Schlusseinstellung kredenzt, dass mir glatt die Luft wegblieb. Viel gewollt, nichts gekonnt.
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 26, 2010 4:59 PM MEST


Cranford (Penguin Classics)
Cranford (Penguin Classics)
von Patricia Ingham
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,78

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Männermordende Amazonen, Kaffeeklatsch und ein sozialistisches Experiment, 1. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Cranford (Penguin Classics) (Taschenbuch)
Kann sich noch jemand an die Zeiten erinnern als Frauen noch echte Kerle, kurz Amazonen waren? Ja genau, Amazonen, diese kriegerischen Weibsen, die sogar in den Krieg zogen, um der Hausarbeit zu entgehen, sich teilsentbrüstet in unterbelichtete Achäer verknallten und es mit dieser wenig ladyliken Lebensweise schandbarerweise vermochten, einen Schatten bis ins 19. Jahrhundert zu werfen. Genau zu diesem Zeitpunkt entdeckte eine ausgesprochen fähige Schriftstellerin namens Elizabeth Gaskell, dass die geschätzten Brachialsitten obig erwähnter Kampfweibsen nicht nur allgemein bekannt sind, sondern in ihrer Essenz auch noch in dieser ihrer Zeit bestehen und dem Zeitpunkte harren, erneut im Lichte von Sagen und Geschichten erhellt zu werden.

Dies führt uns Mitte des 19.Jh. nach Cranford, einer kleinen ländlichen Stadt im schönen England, die von einer Meute älterer Vett...äh.. Damen regiert wird, die entweder nie geheiratet oder in echt antiker Manier ihre Männer vorher unter die Erde gebracht haben. Inmitten des dazumal herrschenden viktorianischen Zeitalters herrscht selbstredend ein fest zementierter Standesdünkel, womit ich schon bei dem ebenso beherrschenden wie totgeschwiegenen Problem der werten Damen ankomme: Stolz ist ja da, en masse sogar, nur mit dem blauen Blut und dem güldenen Gelde hapert es. Doch das ficht echte Matronen nicht an, die sich als provinzieller Landadel eigener Art begreifen. Mittels eines engmaschigen Netzes stählerner Konventionen und eiserner Benimmregeln dirigieren sie das städtische Geschehen, untereinander sind sie im besten sozialistischen Geiste gleich bis gleicher, Männer sind sowieso überflüssig bis unerwünscht und all das was den kollektiven Seelenfrieden stört, wird als vulgär oder unziemlich unter den Teppich gekehrt. Schließlich beginnt das Buch nicht umsonst mit der erlesenen Zeile: "In first Cranford is in the possession of the amazons...". Noch Fragen?

In 15 nur lose zusammenhängenden Kurzgeschichten erzählt Elizabeth Gaskell die alltäglichen "Abenteuer" der Cranforder Flintenweiber. Als Ausgangspunkt nutzt sie Perspektive des erzählenden "Ich's" in Form einer jungen Dame, die regelmäßig Cranford besucht und ihre sehr eigenen Beobachtungen und Ansichten zum Geschehen hat. Dabei wandelt sie stets an der Seite der beiden zentralen Hauptpersonen dieses Opus amazonica, den Töchtern des verstorbenen Schulrektors, Miss Deborah und Miss Matty. Während es sich bei Ersters um Cranford's Oberdrachen handelt, der sämtliche Statuten noch ausgebaut und einbetoniert hat, handelt es sich bei der Anderen um das glatte Gegenteil, einen leicht beeinflussbaren aber überaus herzensguten Engel.

Interessanterweise gibt der knorrige Drachen zwar schon kurz nach Beginn den Silberlöffel ab, bleibt aber doch über das gesamte Buch hinweg präsent, da ihr liebes Schwesterchen nunmehr von heut auf morgen ihren eigenen Weg gehen muss und sich dabei einzig und allein dem Geiste ihrer vorbildlichen Schwester verpflichtet fühlt. Obwohl sich das alte Mädchen dabei redlich abmüht, siegt ihr gutes Herz allzuoft gegen überlebte Sitten und starre Konventionen. Dass sich dabei nicht nur sie, sondern auch der Rest ihres Damenrudels schleichend wandelt, ist fraglos von tragischer Natur, denn aus Cranford, der einst hermetisch verklemmten Amazonen-Diktatur wird fast unmerklich und nuanciert eine erstaunlich tolerante Gesellschaft, in der der Bruch mit gesellschaftlichen Schranken wie die Aufnahme standesniederer Neumitglieder oder die Tolerierung des Liebeslebens getreuer Diener, usw. usf. nicht von vornherein der tugendhaften Reglementierungs-Guillotine zum Opfer fällt.

Selbstredend muss natürlich (vor allem der männliche) Leser gewarnt werden, dass Cranford zu 90 % aus Kaffeeklatsch samt dazugehöriger Konversation besteht - und doch extrem empfehlenswert ist, denn der Schreibstil der Autorin ist schlichtweg großes Kino. Cranford und seine Geschöpfe sind in ihrer überzeichnet schrulligen Art knallige Karikaturen - aber auch echte Charaktere, die von der Autorin mit einer bestechend ausgefeilten Ironie liebevoll und mehrdimensional gezeichnet werden. Gaskell mag zwar scheinbar sture überzeichnete Charaktere in Szene setzen, zeigt sie aber mit gleicher Intensivität von ihrer guten bisweilen fast heilig zu nennenden Seite und läutet damit eine unterschwellig feine Charakterentwicklung ein. Es ist eine Kunst, wie sie es in jeder einzelnen Zeile schafft, auf den Punkt genau die ebenso spießigen wie liebenswerten Macken ihrer Leutchen anzusprechen, um einen Schritt später aus dieser Macke charmant eine Tugend zu kreieren bzw. mal ist die Macke eine Tugend, wenn nicht gerade die Tugend eine Macke ist oder die Macke eine Macke ist....äh... jedenfalls ist's ein Riesenspaß und meinen lachfreudigen Mundwinkeln waren keine Ruhezeiten vergönnt.

Gaskells feine Ironie ist bis zur letzten Faser liebensgewürzig und übersprudeln von Herzensgüte - oder wie ein geschätzter Rezensentenkollege aus dem Orient zu sagen pflegte: "Sie kann gefühlvoll schreiben, ohne sentimental zu werden." - und driftet nicht ein einziges Mal in bissige, kritisierende oder ähnliche die gute Laune bescheidenden Untiefen ab. Selbst vereinzelte tragische Erlebnisse werden gar liebenswürdig dargelegt, jedes Kapitel beschließt mit einem gustomachenden Happy-End und sogar die wenigen sich verwegen an die frische Ludt wagenden Adamssöhne werden ausnahmslos von ihrer besten Seite als Gentlemen, Beschützer, Freunde und Helfer in der Not eingeführt. Dabei ist es erstaunlich, wie scharfsinnig und zeitlos Gaskell schreibt. Als ungedienter Jungviktorianer habe ich nun nicht die Spur an Wissen über diese Epoche, und doch stelle ich neben gewisser historisch bedingten Charakteristika, Sitten und Konventionen eine erhebliche Schnittmenge zur heutigen, sprich meinigen Denkweise in ganzer Bandbreite fest, bei der ich mich mehr als einmal ertappt fühlte. Insbesondere das jegliche Fehlen eines moralischen Zeigefingers fällt ausgesprochen angenehm auf und angesichts der lockig-flockigen Lektüre kann man leicht übersehen, wie viel Lebensweisheit die jute Mrs. Gaskell dabei einstreut und sich "Cranford" mithin als Wiederholungslektüre empfiehlt.

Als lose zusammenhängende Sammlung an Kurzgeschichten ohne einen übergreifenden Handlungsstrang ist "Cranford" nur häppchenweise zu empfehlen, hat durchaus einzelne Längen - aber wer einmal die bestechende Sprache Gaskells gekostet hat, kann sich daran kaum satt lesen (und dezent übersehen, dass es sich um ältere Damen samt Kaffeeklatsch handelt). Nicht zuletzt der bis zum cranfordliken Ende geheim gehaltene äußerst extravagante Name der Ich-Erzählerin ist das Sahnehäubchen und Motivation schlechthin - und letztendlich verbirgt sich unter Cranfords scheinbar unwirtlich spießiger Oberfläche ein Reservoir an wohlbehüteter Liebenswürdigkeit, eine utopisch anmutende Form von Gemeinschaft mit viel Herz und Sinn für Humor.

Fazit:

Hatte ich unmittelbar vor "Cranford" noch durch einen düster spannenden Cop-Thriller gejagt, ging ich schon deswegen davon aus, dass ich "Cranford" nur mit mehr Kaffee als Blut in den Adern durchstehen würde... nuja, so kann man(n) sich irren. Sicher nicht zum letzten Mal. ;-)
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 4, 2011 11:40 PM MEST


Valentinstag
Valentinstag
DVD ~ Jessica Alba
Preis: EUR 5,00

11 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen O Vater Zeus, wirf diese läppischen Jünger der Aphrodite mit Deinem Blitz darnieder!, 8. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Valentinstag (DVD)
Einst nach seinem Lieblingszitat gefragt, antwortete einer meiner Lieblingsautoren im gewohnt trockenen Tonfall: "Wenn ein Besucher die ganze Zeit von Ehre spricht, dann gehe Deine Silberlöffel nachzählen."

Es sollte mich nun wundern, wenn die patriotischeren Amerikaner und NRA-Clowns angesichts der hiesigen Vorstellung nicht bleich wie Geishas geworden sind, wie beeindruckend militaristisch doch der verehrte Zuschauer mit einem nicht in Worte zu fassenden kolossalem Bombardement an "Liebessymbolen", Rosen, Herzen, rosa T-Shirts, Rüschen, Bändern und käseschmelzenden Lovesongs in die wert(h)e Sturm- und Drang-Zeit zurückkatapultiert wird. Selbst die ausgabefreudigen Griechen müssen vor Ehrfurcht erblasst worden sein, wie inflationär und grenzenlos freigiebig mit Liebesschwüren und Liebesbekundungen um sich geworfen wird. Und ich - nun "erbleichen" war meine geringste Sorge, den frei nach Rambo stand Überleben an vorderster Stelle, als ich mich dem unerwartet tödlichen Kreuzfeuer von Liebe (jedes 2. Wort) und Romantik (jedes 3. Wort) aussetzt.

Es ist "Valentinstag". *uhooo*

"Valentinstag" (kurz VT) erzählt die Geschichte zahlloser Paare, deren gemeinsame (?) Schicksale sich am "Tag der Liebe" entscheiden sollen, deren Wege sich untereinander kreuzen und bei der es natürlich von Anfang bis Ende um die liebe Liebe geht...

Sicher, ich höre schon den Gedanken durch vereinzelte Synapsen schießen: "Hey ,ja genau, das Ding heißt "Valentinstag" - da ist Kitsch doch vorprogrammiert! Wer erwartet das schon großen Anspruch, es geht um Unterhaltung!!!" "In der Tat" antworte ich mit totengräberähnlicher Stimme, "aber wo war denn der gutgemachte Kitsch, die emotionale ansprechende Unterhaltung oder auch nur die schnöde Romantik? Woooo....deeeeeenn...?"

Unmittelbar zu Beginn wird ein höchst widerstrebender Sportreporter von seiner Chefin dazu abkommandiert, eine Valentinstag-Reportage durchzuführen. Dabei fielen ihre wegweisenden Worte "Ich brauche GLÜCK, Ich brauche ROMANTIK, Ich brauche LIEBE..." - eine doch sehr erlesene Auswahl, bei der mir, truth to tell, höchst unromantisch, weil männlichen Geschlechts, eine eiskalte Brise über die Haut fuhr und sich die Haare in Habachtstellung kräuselten. Kurioserweise stand mir in Folge exactement jene verflixte Passage wieder und wieder vor dem geistigen Auge, weil gruseligerweise diese dabei so heilbringend gepredigten Worte aber auch so was von fehlten... Glück, Liebe und Romantik ... und mein Hirn im Laufe dieser Chose so weit aufgeweicht wurde, dass ich, um ausnahmsweise ehrlich zu sein, ihr Erscheinen mangels erträglicherer Alternativen doch tatsächlich glatt begrüßt hätte, denn die einzige Originalität des Films bestand darin, dass die Hoffnung in diesem erbärmlich lieblosen "Liebesfilm" nicht erst am Schluss starb, sondern schon vorher denkbar langsam und qualvoll niedergemetzelt wurde - und sich die liebliche Valentinstag-Botschaft ironischer- wenn nicht gar zynischerweise direkt ins Gegenteil verkehrte. Und das noch ungewollt... o ihr Götter.

Originellerweise bildet den zentralen Punkt der wichtigsten "Handlung"sfäden ausgerechnet ein überlasteter Blumenladen, bei dessen endlos konsumfreudigen Kundenschlangen und dem steten Plakatieren diverser Liebessymbole mir stets auf's Neue allzu plastisch vor Augen geführt wurde, wie eifrig hier doch versucht wurde, Romantik zu kaufen - und - zu verkaufen.

Kaufen? Kaufen! Besser kann ich diese seelenlose Phrasendrescherei plattgeschlagener Einfältlinge nicht auf den Punkt bringen. Fraglos ein interessantes Konzept, dass in einem Übermaß an ebenso ungewollten wie geradezu monumental peinlichen Momenten, Dialogen, Szenen, ... - kurz: Film - mündeten. Mei, wie da mit einer Vehemenz der romantische Moment herbeigeprügelt werden wollte, das lässt selbst den fanatischsten Hardcore-Sektierer vor Scham und Neid erröten. Peinlich, noch peinlicher, schamlos peinlich, langatmig peinlich, läppisch peinlich, lieblos peinlich, usw. usf. - von einer derart grotesken Art, die ich anfangs noch mit meinem ureigenen Sinn für Humor ob ihrer betonten Unfreiwilligkeit noch direkt unterhaltsam wahrnahm, bis diese Königin unter den Banalitätsgrotestica derartige Untiefen ansteuerte, bei denen ich mir irgendwann nur noch wünschte, dass mein fließender Wechsel von panisch hellem Auflachen und inbrünstigem Aufstöhnen einige sich hoffentlich ausreichend gestört fühlende Zuschauer dazu animieren würde, mich in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Ein frommer Wunsch, da ich mir den Film nicht im Kino anschaute.

Zugegeben, ich muss bewundernd anerkennen, dass noch nicht einmal ich mir vorstellen kann, mir alkoholtechnisch so die Kante zu geben, um eine derartige Monumentalplattitüde an Drehbuch zu kreieren. No chance. Ich möchte an der Stelle auch gar keinen Vergleich zum seeehr ähnlich konstruierten und teilweise jämmerlich abkopierten "Tatsächlich Liebe" eröffnen, denn da liegen nicht nur Welten, sondern Galaxien, Lichtjahre und zig Schwarze Löcher dazwischen - und die Hinzufügung einer weiteren Geschmacklosigkeit hat das insofern damit schon reich gesegnete "VT" wahrlich nicht nötig. "VT" ist nämlich weder anspruchslos noch kitschig, nein, das trifft es nicht einmal ansatzweise, denn "VT" ist von Anfang an so oberflächlichst geschmacklos, dass sich jeder Liebesschwur als hohle Worthülse denkbar plakativ und masochistisch selbst ins Knie schießt. Peng!

Genug der Jammerei. Wenn ich nun - abgesehen vom durchgehend unfreiwilligen Humor - über etwaige Stärken nachdenke, fällt mir eigentlich nur die überraschend blondierte Jessica Alba und ihr mithin verkörperter Mut zur Selbstironie ein. Auch die herrlich neurotische Techno-Cheerleaderin Taylor Swift mitsamt ihrer unschlagbar drolligen Liaison mit einem höchst feminin wirkenden Ex-Werwolf wusste zu überzeugen, dessen plüschig bäriges VT-Geschenk mehr Männlichkeit als sein Schenker aufwies. Tragisch. Apropos darstellerische Leistung: Wenn sich zahllose Hollywoodgrößen die Ehre geben, kann das aus diesbezüglich enggeschnalltem Gehaltsgürtel nur zweierlei bedeuten: entweder das Filmprojekt ist ihnen eine Herzenssache und sie spielen sich schier die Seele aus dem Leib - oder sie tun keinen Deut mehr, als ihnen der mickrige Lohn wert ist und lächeln betont blendend weiß in die Kamera... mei, was muss da an Zahnpasta und Zahnseide verbraucht worden sein. Bisher saß ich ja der Naivität auf, dass echte Mimen auch im Banne eines strunzdummen Drehbuchs noch Authentizität herausholen können... oder bei dem Versuch erhobenen Hauptes auf der Strecke bleiben. Mein Fehler: Charaktere werden g-n-a-d-e-n-l-o-s leeren Phrasen geopfert, so etwas wie "Chemie" habe ich trotz v-e-r-z-w-e-i-f-e-l-t-s-t-e-r Suche bei nicht einem einzigen lausigen Paar finden können und die lieblos heruntergeleierten Handlungsfäden ersticken jede möglicherweise noch halbwegs glaubhaft sein wollende Wendung. Allenfalls hat es mir noch Respekt abgerungen, wie sich die von mir bis dato wenig geschätzten Ashton Kutscher, Jennifer Garner und Anne Hathaway in ihren zutiefst stumpfsinnigen Rollen mühseligst abstrampelten und es immerhin vermochten, in mir tiefes Mitgefühl und Sympathie für ihre undankbaren Rollen abzugewinnen, während der Rest vom Schützenfest so verlockend wie eine von Nacktschnecken überrannte Süßigkeit herüberkam. Letztendlich brach es mir das Herz, dabei zuzusehen, wie der allen Schmus zum Trotz hochsympathisch gebliebene Hector Elizondo, der die einzigen zwei romantischen Sätze des gesamten Films (ironischerweise 2x das Gleiche) äußern durfte, in der größten Peinlichkeit seit Erfindung des Metrosexuellen verheizt wurde.

Fazit:

Mit schwungvoller Verbeugung gen Norden: Ein kollegial zustimmendes "Brrrrrrrr."

Übrigens wird am Ende des Films eine "I-Hate-Valentins-Day"-Party veranstaltet:

Mich deucht, ich habe gerade den perfekten Film dazu gesehen.

Und jetzt walte Deines Amtes, Vater Zeus...!!! Lass sie brennen! Langsam und qualvoll bitte.
Kommentar Kommentare (58) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2011 11:48 PM CET


Stealth - Unter dem Radar
Stealth - Unter dem Radar
DVD ~ Josh Lucas
Wird angeboten von brandsseller
Preis: EUR 6,69

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Monumentum an unfreiwillig köstlicher Selbstironie, 17. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Stealth - Unter dem Radar (DVD)
Ein Wort und nicht ganz ernst gemeinte Warnung voraus: "Stealth" ist dumm, dümmer, noch dümmer, ja und nochmal dümmer... und ich mochte es. Sogar sehr. Das mag einerseits vielleicht am dabei genossenem Gerstensaft gelegen haben, andererseits hat Michael Bay mit seinem "Transformers" meine Toleranzschwelle bzgl. hirntoter US-Propaganda und plattem Unterhaltungskino rapide ausgedehnt Deswegen war ich vornherein aber auch so was von bereit, folgende unvermeidbaren Eventualitäten hinzunehmen...

1. Ungeschlichene Schleichwerbung für das US-Militär
2. Tränentreibende Proganda für's Pentagon
3. Werbespot für den US-Bürger, seine patriotische Pflicht zu erfüllen (Welche Sorte Rekrut wohl damit angelockt werden soll?)
4. Sie sind Soldat! (d.h.: Es klingt doof, es ist doof, aber ich bin ihr Vorgesetzter!)
5. Yes, Sir! (d.h: Ich hab keinen Plan und genau das werde ich auch tun.)
6. Schwülstige Dialoge (Nehmt den O-Ton, ich habe da auch nur die Hälfte verstanden.)
7. Trottelig sympathische US-Soldaten (Hehehe, die sind guuuut.)
8. Schwülstige Liebesgeschichte. (Bikiniszenen!)
9. ...

... und mich rein auf den Unterhaltungswert zu konzentrieren. Und der ist gewaltig:

Wenn man sich die ersten Minuten von "Stealth" angeschaut hat, weiß man, warum der Irak-Feldzug so lange dauerte und dauert:

Ein General, den Rücken gutpatriotisch durchgestreckt, blickt auf hektisch blinkende Bildschirme. Ein Anruf von der allwissenden C.I.A. macht ihn darauf aufmerksam, dass eines der grünen Bäumchen auf einem seiner Bildschirme feindliche Terroristen versinnbildlichen. Der General ruft seine besten drei Piloten - weißer Mann, schwarzer Mann, weibliches Wesen mutmaßlich indianischer Abkunft - die sich auf ihre Kavalleriegeschosse setzen, mittels Warp-5 gen hoffentlich korrekten Bildschirmpunkt jagen und die bösen Jungs in einer gewaltigen Explosion in die ewigen Jagdgründe befördern. Selbstredend wird vorher sicher gegangen, dass auch kein Zivilist anwesend ist.

Der Spaß vertieft sich. Macht Euch bereit für E.D.I. (= Eddie), ein neues Spielzeug des Pentagons, um die Welt vor den Mächten des Bösen zu retten. Eddie ist ein Kampfjet mit angemessen viel künstlicher Intelligenz. Nunja, mit der Intelligenz bin ich mir nicht ganz sicher, aber gegenüber seinen Kollegen macht er zweifellos Tauglichkeitspunkte. Anyway, jeder weiß seit Terminator-Zeiten, was passiert, wenn das vernunftbegabte Menschlein sich eine künstliche selbständig denkende Intelligenz zu Diensten macht: Ja, genau: Alles geht schief.

Soweit kein Problem, zwar taugt ein vertrottelter Flying-Terminator nicht als emotionsgeladener Gegner, aber immerhin würden allein die höllisch coolen Jets an sich ausreichen um eine spannende Hetzjagd über nicht mehr als maximal knappe 90 Minuten zu initiieren. Nutzt der Regisseur diese Chance? Nein! Warum nicht? Keine Ahnung! Wahrscheinlich weil es den Zuschauer nach z.w.e.i. Stunden von diesem Unfug gelüstet?! Wie überbrückt er die Zeit nun konkret? Wie alle dumpfen Regisseure von inkompetenten Actionkino: Handlung statt Action, sprich ein Meer an Gefasel und Wertediskussion, hirnrissigen Miniplots und Knallbumm, Verschwörung und persönlichen Einzelschicksalen, die leider zu selten tödlich enden, und...und....und.... Mehr und mehr fühlte ich mich bei dieser zitternd zusammengehäkelten Handlung an einen sturzbetrunkenen Tarzan, der sich genüsslich bruchlandend von Bäumchen zu Bäumchen schwingt.

Nebenher (man erinnere sich: laaaange zwei Stunden) wird moralisiert, was der Teufel hält:

"General, der Krieg ist kein Computerspiel und Menschen sollten ihn führen...!!!"

Sagt ein Pilot, der an einem Steuerknüppel inmitten eines übertechnisierten Cockpits sitzt, in dem Lämpchen blitzen, Bildschirme flackern und tanzende Symbole DEN Feind (oder Bäume) verdeutlichen. Erinnert das jemand rrrrein zufällig an eine Spielkonsole? Naaatürlich nicht! Der stete Kameraschwenk auf die Kommandozentrale des Generals, in denen noch viel mehr dieser stromfressenden Blinkmaschinen standen, gaben mir den letzten Rest. Ha, ich liebe Selbstironie!

Auch die Dramatik kommt nicht zu kurz: Schreierei im Cockpit, todernste Mienen in der Kommandozentrale, breites Feixen auf der Zuschauerseite. Jau, so sieht Äktschn aus.

Apropos Äktschn, die ist gar nicht mal soooo übel gelungen, fand ich doch die schnittig rasanten Luftfahrten geradezu galaktisch. Unrealistisch wie nix Gutes - aber geschenkt! Schließlich zählt der Unterhaltungswert und der kommt dabei wahrlich nicht zu kurz: Phänomenale Ansichten, gewaltige Explosionen, wummernder Soundtrack, und Speed, Speed, Speed... und letztendlich zu wenig Sprit, um das Tempo durchzuhalten.

Die drei Hauptprotagonisten Josh Lucas, Jessica Biel und Jamie Foxx retten, was niemand gerettet sehen will.

Lucas und Foxx verkörpern die von mir erwarteten US-Dumpfbirnen-Machos, was nach angenehm chauvistischen Sprüchen, dekolletéfreudig tiefen Blicken und lüsternen Grabschattacken auch erfreulich schnell feststand und bis zum Ende konsequent durchgehalten wurde.

Lucas ist der Held und bringt mit einer gewohnt stabilen Portion seines diabolischen Charmes noch einen bitter vermissten Schnupfer Charisma in den Film.

Foxx ist der hiesige Ehrenträger des trekkigen roten Shirts. Live long and prosper!

Jessica Biel, ihre schauspielerische Inkompetenz einmal dezent übersehen, hat noch den schwersten Part auszufüllen, denn ihr bleibt es verboten, wie die Männer auf die obercoole Pauke hauen. Eindimensional fad, statt eindimensional cool, Typ "künftige Soldatenmutter" nach dem Motto: "Mädel, Du bist jetzt groß. Fliegen darfst Du zwar mit den Jungs - sittsam brav hast Du aber trotzdem zu bleiben. Das ist EIN Befehl!" Bedauerlicherweise verbleiben ihr letztendlich zu wenige Bikiniszenen, um schauspielerisch überzeugen zu können.

Fazit

Zwei Stunden Speed, Kopfschütteln, Bier öffnen, Langeweile, Speed, Bier nachschütten und ein so herrlich tränentreibend patriotisches Ende, dass mir die Tränen vor Lachen herunterliefen: Do you love the U, S and A? - Sir! Yes, Sir!
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 12, 2015 2:01 PM CET


Castle - Die komplette erste Staffel [3 DVDs]
Castle - Die komplette erste Staffel [3 DVDs]
DVD ~ Nathan Fillion
Preis: EUR 9,99

33 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "... he is like a nine year old on a sugar rush...!", 3. Mai 2010
Kennen Sie Nathan Fillion? Nein? Na dann wird es allerhöchste Zeit! Denn dieser kongeniale Charaktermime, der wie wenige andere Seriendarsteller seinen Charakteren Tiefe, Charme und Humor zugleich verleihen kann, ist bisher nur einer kleinen Fangemeinde aus der kultig genialen aber auch bedauerlich kurzlebigen Serie Firefly - Der Aufbruch der Serenity bekannt.

Richard Castle (Nathan Fillion) ist ein weltberühmter Bestsellerautor, der den bisherigen Helden seiner Bücher an einer schnöden Bleivergiftung hat zugrunde gehen lassen. Im Sog einer Schreibblockade gefangen, lernt er die toughe Mordermittlerin Det. Kate Beckett (Stana Katic) kennen und darf ihr sogar bei einem Fall "assisstieren". Von dieser Erfahrung beflügelt, nutzt Castle seine Kontakte zum Bürgermeister, um sich an die Seite seiner Muse und neuen Romanheldin versetzen zu lassen. Dreimal dürft Ihr raten, um wen es sich dabei handelt?

Castle. Der Name ist Programm und Nathan Fillion verkörpert eine herrlich originelle Figur, die der Fernsehlandschaft bisher schmerzhaft gefehlt hat: Ein verspielter Kindskopf und schabernackfreudiger Badboy, der nie um einen zum Wegrollen lustigen Spruch verlegen ist, mit seinem Mienenspiel sagenhaft variieren kann und dessen ausgeprägte Phantasie die perfekte Ergänzung zu den Fähigkeiten einer zielstrebigen Mordermittlerin bildet. Oder um ihn mit den Worten der geplagten Det. Beckett treffendst zu charakterisieren: "... he is like a nine year old on a sugar rush, totally incapable of taking anything seriously!"

Trotz meiner großen Freude und Begeisterung für Nathan Fillions hochverdiente und göttlich gespielte Hauptrolle ist die erste Staffel ausgesprochen mittelmäßig gelungen. Die Fälle sind betont simpel, glatt, übermäßig konstruiert und mit Ausnahme zweier Episoden ausgesprochen langatmig und spannungsarm geraten. Aus der Beziehung zwischen Beckett und Castle wird trotz vorhandener Chemie einfach zu wenig herausgeholt. Sämtliche Nebenfiguren auf dem Polizeirevier dienen allein als simple Stichwortgeber ohne nähere Ausformung. Die als Gegenpart zum Mordszenario warmherzig inszenierten Szenen mit Castles Familie, einer erzbraven Teenie-Tochter und exzentrischen Großmutter, fand ich ironischerweise ungleich besser gelungen, als die zentralen Fälle selbst. Die Synchronisierung der insgesamt zehn Episoden ist leider fürchterlich missraten und ohne jede Sorgfalt oder Nuancierung lieblos heruntergeleiert worden. Eine Schande, denn gerade Fillions erquicklicher Humor bleibt damit ganz überwiegend auf der Strecke.

Fazit:

Der Charakter Rick Castle ist ein echtes Highlight. Ansonsten trifft "Castle" der Fluch der ersten Staffel: unausgereifte Plots, Nebenfiguren und Beziehungen. Da ich aber viel Potential und damit einer zweiten Staffel ausgesprochen optimistisch entgegen sehe: noch drei Sterne.
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 8, 2010 2:34 PM MEST


Smallville - Die komplette achte Staffel (6 DVDs)
Smallville - Die komplette achte Staffel (6 DVDs)
DVD ~ Tom Welling

22 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Clark lernt fliegen: Stürmischer Aufstieg, krachend(st)er Absturz, 3. Mai 2010
****WARNING**WARNING**** DIESE REZENSION ENTHÄLT S.P.O.I.L.E.R!***WARNING**WARNING****

Ganze sich schier endlos hinziehende zehn Sekunden war ich nun am Überlegen, ob ich mich mit einer Rezension zum hiesigen Produkt für alle Zeiten als Smallville-Konsument oute. Ja, ich weiß, diese Frage ist geradezu absurd, um nicht zu sagen lächerlich - was habe ich schließlich nach einer g a n z e n S t a f f e l "Smallville" noch an Selbstachtung zu verlieren?

Die ganze Geschichte begann damit, dass ich mich mit meinem überragenden Sinn für Timing zur richtigen Zeit am richtigen Ort einfand und mir dortig die Worte "Klappe halten und mitgucken - oder RAUS!!" entgegenschallten. Gut, das mit dem Klappehalten war in dem Augenblick Geschichte, als ich erfuhr, dass es sich um eine Episode von "Smallville" handelt - eine Serie, der ich ausgesprochen zwiespältig und niemals nie ohne spöttisches Lächeln gegenüber stehe. Als ausgesprochener Fan-Geek des ganzen Superhelden & Co - Kladderadatsches hatte ich vor Jahren selbstredend den Auftakt dieser Serie mitgenommen... und m-i-t-g-e-n-o-m-m-e-n haben mich die damals konsumierten und vereinzelte spätere Episoden im wahrsten Sinne des Wortes: Eine unsäglich schwülstige Teenieschmonzette mit einem "Helden", der jede Woche gegen einen schauspielerisch ebenso unbegabten Möchtegern-Bösewicht kämpft, im Angesicht von grün leuchtendem Kryptonit sofort wie eine gefällte Eiche umfällt (wobei scheinbar das ganze Dorf mit den Steinchen gepflastert ist) und last but not least den ganzen Liebeskummer in Sachen Teenager &Co durchmacht. Brrrr. Drama sieht anders aus.

Die Pilotfolge von "Smallville Staffel 8" (Es gibt schon ACHT Staffeln davon?) hat mich nun doch ausgesprochen positiv überrascht:

Während die Schergen von Luthor-Corp unter der Leitung von Tess "Mercy" Mercer (Kate Cassidy) im arktischen Eis nach dem verschollenen Lex Luthor suchen, schuftet sich der seinen Kräfte beraubte Clark Kent in einem russischen Gefangenenlager die Heldenseele aus dem Leib. Auf die Frage wie Clark zum Gefangenenlager kommt - ist da nicht eine Eisfestung auf ihn gefallen? - wird nun nicht weiter eingegangen, auch seinen dumpfen Fluchtversuch ignoriere ich, schließlich muss der Bub sich als Mann beweisen... ah ja, das ist doch genau das Smallville, das ich Gänsehaut verursachend kennengelernt habe. Es erscheinen Helden-Teenies in trashigen Klamotten, die sich Justice-League nennen, ich begegne einer unsäglich schlagfertigen Lois Lane (nachdem ich ihren ersten w.i.r.k.l.i.c.h peinlichen Auftritt als French-Maid fremdschämend komplett ignoriert habe) ... und sehe in den letzten Sekunden Clark Kent seine Arbeit im Daily-Planet aufnehmen - am Schreibtisch direkt gegenüber von Lois Lane.

Diese letzten fünf Minuten trafen meinen Guilty-Pleasures-Spot ins Mark: Ein den schweren Heldenmantel in Metropolis endlich aufnehmender Jung-Superman, der schurkisches Kroppzeug aufmischt (dazu braucht man glücklicherweise nicht schauspielern können) und sich im Rahmen seiner privaten Tarnidentität knackige Wortgefechte mit seiner Kollegin Lois Lane liefert. (Die den Laden schon schmeißen wird.) Ich schaute weiter...

... und gab nur höchst ungern zu, dass ich die erste Hälfte der Staffel gar nicht mal soo übel fand, was in erster Hinsicht an einem zumindest existenten Geflecht von miteinander verknüpften Handlungsfäden lag:

- "Doomsday", der ultimative kryptonische Zerstörer, der im Sanitäter David Bloom (Sam Witwer) ein geheimes Dasein fristet und stetig mit diesem um die Kontrolle kämpft.
- Clark Kent, dem als "The Red Blue Blur" und Metropolis neuer Attraktion Charakterentwicklung in kleinen Schritten verordnet wurde, und damit Anti-Schauspieler Tom Welling tatsächlich einige Leistung abverlangt
- Tess Mercer, die verzweifelt nach ihrem Mentor Lex Luthor sucht

Den Vogel schlechthin schießt aber Erica Durance als Lois Lane ab. FANTASTISCHE LEISTUNG. Eine Lois Lane de luxe - unglaublich sarkastisch, selbstbewusst, schlagfertig und sympathisch - die es sogar vermochte, mir mit den knackigsten und zum Hinlegen humorvollen Dialogen die Treuer-Hundeblick-Tändelei mit Clark Kent schmackhaft zu machen.

Sicher, die Herkunft als tendenziell harmlose Teenieschmonzette bleibt stets durchweg erkennbar, ich denke nur an die eher naiv aufgebauten Plots, die gruseligen Dialoge, das ständige Trust-me-Gefasel, nochmal die gruseligen Dialoge oder auch die fatale Angewohnheit, Bösewichte oder Superhelden beständig mit untalentierten Zehnklässlern zu besetzen. Allerdings ist die Ambition der Serie, durch Wandlung und Charakter ein klein wenig erwachsener zu werden, ebensowenig zu übersehen. Nicht zuletzt holen eine zumindest anfänglich aufspielende Erica Durance, fähige Gastdarsteller und talentierte Neuprotagonisten wie Cassidy Freeman und Sam Witwer mehr aus der Geschichte heraus, als diese an sich bietet. (Was nicht wirklich viel ist.)

Ein Gastauftritt von Kristin Kreuk alias Lana Lang, der Jugendliebe Clark Kents, im Mittelteil war wenig überraschend mit einem Abflachen des Handlungsbogens verbunden, den bei Smallville gilt eben first things first, d.h. Herzensangelegenheiten müssen teenieesk ausgewalzt werden. Kein Wunder, dass ich hier auf den gruseligen Terminus "Shipping" stieß... (NEIN, wer den Begriff jetzt nicht kennt, sollte sich seines Unwissens erfreuen. Definitiv.) Anyway, zwar entpuppte sich die vollmundig angekündigte "Legion of Superheroes" als eine Bande smallvilletypischer Kleinkinder mit Superkräften, dafür legte Kristin Kreuk als knallhart zuschlagende Kampfelfe eine überraschend begeisternde Sohle hin.

Die Folge im Anschluss an Kreuks Gastauftritt schloss mit einem herrlich sarkastischen "Drop it, Smallville, you are not saving the world!" gelungen an die vorherige Handlung wieder an und lieferte nicht zuletzt die vielleicht cleversten Dialoge seit Staffelbeginn.

Bis zu dieser Stelle - Folge 16 - hatte ich mich zu meiner nie endenden Überraschung mit "Smallville" erstaunlich gut arrangiert und war tatsächlich versucht, es auf mindestens drei volle Sterne einzuschätzen. Doch diese hehre Serie sollte mich noch mit einer großen Überraschung erfreuen....

... denn was hat die Produzenten und Drehbuchschreiber eigentlich geritten, die für bescheidene Smallvilleverhältnisse geradezu hochambitionierte Story und Charakterentwicklung ab Episode 16 so desaströs gegen die Wand fahren zu lassen. Es kam mir so vor, als hätten die Produzenten erst an dieser Stelle gemerkt, dass das Drehbuch nur noch leere Seiten aufweist. Auf Ehre, ich habe schon einige verhauene Staffelfinale oder Handlungsfäden gesehen, aber ein so komplettes Versagen ist mir noch nicht untergekommen. Mir war schlecht bis zum Anschlag ob eines derartigen Nonsens! Die Geschichte versandet, indem bisherige Plots entweder liegen gelassen oder in Sekundenentscheidungen zu Ende gebracht werden. Auf einmal herrscht gähnende Langeweile und die bisher dominierende Handlung wird in mehreren tödlichen Streichen ein einziges banales Flickengeflecht. Über die Abschlussfolge lege ich den Mantel des Schweigens, eine derartig schwülstig flache und nicht zuletzt dümmliche Peinlichkeit ist mir lange nicht mehr begegnet und selbst die erhoffte Actionkomponente beschränkte sich auf einen vereinzelten Pyrocracker. Die bisher so solide vorangetriebenen Charaktere legen ausnahmslos erbärmliche Bruchlandungen hin und werden mit einem Masochismus sondersgleichen verfeuert Selbst die knallharte Lois Lane wird zu einem selbstmitleidigem und jammernden Püppchen degradiert, die es aus Selbstzweifel nötig hat, sich ihre eigene Story zu ERFINDEN. Und Clark Kent, der ambitionierte Superman-Anwärter, wird wieder zu dem selbstmitleidigen und selbstgerecht moralisierenden Bauerntrottel, als den ich ihn kennen und verachten gelernt habe. Herrgott nochmal, der Hauptdarsteller ist über 30, die gesamte Crew ist wenig älter und doch haben die Entwickler nichts Besseres zu tun, als eine so ambitioniert aufgezogene Geschichte in den finalen Folgen wieder im eindimensional pubertären Teenie-Orkus zu verfeuern.

Fazit:

So versucht ich bin, 1,5 Sterne zu geben - für diesen katastrophal peinlichen Absturz ist selbst der eine Stern zuviel!

Ich werde jedenfalls weiter verfolgen, ob Tom Welling noch mit 40 und Staffel 15 die Freude haben wird, einen Teenie-Superhelden spielen zu müssen. Nach diesem Ende sollte es mich jedenfalls nicht wundern, wenn er seine sich e w i g hinziehende Pubertät noch ausgiebigst weiter genießt.
Kommentar Kommentare (35) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 3, 2013 12:33 PM MEST


Up in the Air
Up in the Air
DVD ~ George Clooney
Wird angeboten von RAPIDisc
Preis: EUR 9,70

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bitte Fallschirm vor dem Abflug überprüfen, 28. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Up in the Air (DVD)
Ryan Bingham (George Clooney) feuert Leute zum Leben. Als Angestellter einer sehr speziellen Firma reist er den ganz überwiegenden Teil des Jahres ununterbrochen kreuz und quer durch die Staaten, um hasenfüßigen Personalchefs die allzu schmutzige Arbeit eines Kündigungsgespräches abzunehmen. Seine Reiseprocedere hat er zeitsparend bis hin zum meisterlich gepackten Koffer dermaßen perfektioniert, dass er sogar Seminare dazu gibt. Seinem großen Ziel, die 10-Millionen-Meilen-Grenze zu durchbrechen, ist er inzwischen näher denn je. Da erscheint es nicht weiter schlimm, dass er seine Schwester und den Rest der Familie nur noch über das Telefon kennt und seine sozialen Kontakte auf abendliche One-Night-Stands im Hotel beschränkt bleiben, wobei ihn ein angenehm loser Kontakt mit der gleichgesinnten Vielfliegerin Alex (Vera Famiga) verbindet. Sein minutiös durchorganisiertes Leben soll ins Wanken geraten, als die noch jugendliche Natalie (Anna Kendrick) an seinen Chef herantritt und vorschlägt, den Kündigungsprozess zwecks Kostensparung über einen Live-Chat durchzuführen. Ryan Bingham ist geschockt, versieht er doch seine von ihm geliebte Arbeit mit einer gewissen ureigenen Würde, die dem neuen Modell selbstredend abgehen würde. Zeit, die junge Streberin unter die Fittiche des echten Profis zu nehmen und ihr aus erster Hand zu zeigen, woraus seine Arbeit und damit sein Leben wirklich besteht. Up in the Air...

Ryan Bingham ist eine Erfindung Marke Eigenbau, mit scharfem Blick aus einem Block Marmor gemeißelt, ohne erkennbare Ecken und Kanten. Er ist ein zutiefst bindungsscheuer Einzelgänger ohne Sinn für Werte wie Ehe, Familie oder Gemeinschaft, ein sich selbst isolierender Zyniker ohne Idealismus, ein sich seine einsame Welt aalglatt zurechtredender Zungenakrobat - und das Beste ist: Er ist glücklich! Dank sei George Clooney, der seinen Charakter so unvergleichlich charmant und sympathisch spielt, dass man ihm dieses sein Glück auch tatsächlich abkauft. Dabei ist es irrelevant, dass mir Ryan Binghams gewinnender Charakter selbst nicht die Spur zusagt: Denn er ist echt, authentisch und das finde ich geradezu sagenhaft erfrischend. Keiner dieser politisch korrekten Strahlemänner, die die sog. guten alten Werte mit der Muttermilch in sich aufgesogen haben; kein Falschgeld, denen man auf den ersten Blick ansieht, dass sie unter ihrer Fassade nur bedauernswert und unglücklich sind. Stattdessen eine - im wahrsten Sinne des Wortes - zum Charakter gewordene Fassade, die formidabel funktioniert und bei der das selbstauferlegte Alleinsein (scheinbar) keinen Beinbruch darstellt. Fürwahr, echtes dauerhaftes Glück ist hart, schwer und selten ohne Blessuren zu erringen - und dieser charmante Teufelskerl eines Ryan Bingham hat sogar die Frechheit, es fern der üblichen Wege wie Partnerschaft, Familie, Freundschaft, Liebe oder Gemeinschaft zu finden - und trotzdem glücklich zu sein. Man muss nun diese seine zweifelhafte Auffassung mitnichten teilen, aber zumindest respektieren - ebenso wie die Art der Inszenierung, die sich mit wunderbar inszenierter Leichtigkeit, hochmotivierten Darstellern und einem funkensprühenden Dialoghagel an Charme, Romantik und Witz an einen so wunderbar politisch inkorrekten Charakter wagt. Die daneben bisweilen vollmundig als sog. "Sozialkritik" verkaufte Thematik des hiesig zelebrierten schicksalsschweren Kündigungsprozesses kann mit der bleiernen Schwere dieser Wortkombination nicht die Spur mithalten und erfüllt allein als Mäntelchen zur näheren Charakterisierung Binghams und zur Aufwertung von Familie&Co als Rettungsanker seine Funktion. Nevertheless eine faszinierende Diskussionsgrundlage für die abendliche Grillrunde.

Da "Up in the air" allerorten als Tragikkomödie angepriesen wird, verrate ich wohl nicht zuviel, wenn ich sage, dass Ryan Bingham letztendlich mit seiner Lebensweise scheitern muss und scheitern wird. Prinzipiell ist das Scheitern selbst nicht das Problem, wussten doch schon die alten Griechen, wie man mit einer zünftigen Tragödie den Dingen ein Stückchen Wahrheit entreißen kann. Schwer enttäuscht hat mich nur die geradezu grotesk politisch korrekte Art, wie man den bis dato herrlich authentischen Charakter eines Ryan Bingham erschreckend banal auflaufen lässt - als hätte der Regisseur Angst ob seiner eigenen Courage bekommen oder, schlimmer (und viel wahrscheinlicher) noch, seinen Helden nur so hoch steigen lassen, um den Aufprall entsprechend desaströs werden zu lassen - um ihn last but not least back to the roots zu holen: den selbstredend einzig wahren (amerikanischen) Werten. Ein letztlich trivialer und tendenziell heuchlerischer Absturz, dem es an vorheriger Finesse fehlt - wobei es die Sache wenig besser macht, dass sich das Ende extrem frühzeitig abzeichnet und ausgesprochen unoriginell daherkommt und der anfangs noch scheinbar ambitionierte Film ins oberflächliche Light-Niveau zurückrutscht. Schade, schade, denn Ryan Bingham hätte ein würdigeres Ende verdient und selbst ein tragischer Flugzeugabsturz hätte mehr Stil besessen - als denn hilflos dabei zuzuschauen, wie ihn der wuchtig herabsausende moralische Zeigefinger aus den dekadenten Wolken auf die ach so bodenständige Erde holt.

Fazit:

George Clooney, wie ich ihn selten besser, um nicht zu sagen, noch nie besser erlebt habe, wie er aus einem zutiefst oberflächlichen Film alles herausholt, was nur geht. Ein Grund mehr, sich an den O-Ton zu wagen. Auf in die Wolken!
Kommentar Kommentare (23) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 5, 2010 11:59 PM MEST


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