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Chilischote

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Superman Returns
Superman Returns
DVD ~ Brandon Routh
Preis: EUR 4,97

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Why the world needS Superman... and his films!, 31. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Superman Returns (DVD)
Es war Brandon Routh, der vom Plakat auf mich herablächelte und so gar nicht dem Bild entsprach, das ich mir von dem Mann aus Stahl machte. Fürchterlich das, so dass der vorher fraglos anvisierte Kinobesuch flugs gestrichen wurde. Es war auch gut so. Fünf Minuten habe ich nunmehr durchgehalten, bis mich diese ätzend langweilige und dröge Bilderfolge samt Atmosphäre gen Vorspultaste trieb. Stimmt ja, der Regisseur soll sich ja an dan alten Superman-Schinken mit Christopher Reeve orientiert haben. Orientiert ist gut, eins zu eins übernommen trifft's besser. Superman war fünf Jahre unterwegs auf der Suche nach Krypton und kehrt nun in eine Welt zurück, die ihm fremd ist. Wie auch dem Zuschauer. Man hat das Gefühl, dass der Film sowohl visuell als auch storytechnisch nahtlos an einer vorherigen Geschichte ansetzt, anstatt denn einzuführen und die Charaktere vorzustellen. Ich kenne die Superman-Welt von vor 30 Jahre nicht - und ich kenne diese irreale Uralt-Welt nicht, die mir der Superman 2005 so unprätentiös prätentiös auf's Auge drückte. Auch wenn ich Singers kompromisslose Konsequenz widerwillig bewundere, der Hommage fehlt leider jegliche Eigenleistung, jeglicher Charakter, jegliche Vision. Ein Superheld, der eine 30jährige Geschichte mitschleppt, und zu keinem Zeitpunkt vom Erdboden abheben darf.

Und doch, nach dem ersten Supermanauftritt wusste ich, zu welchen Szenen ich zielsicher vorspulte. Trotz des albernen Kostüms ist Brandon Routh (Mea culpa.) ein formidabler Superman, dessen kometenhafte Auftritte das Superhelden-Fangeek-Herz aufblühen ließen. Woah, welcher Superheld vermag es, eine Boing aus der Luft abzufangen, mit Schallgeschwindigkeit durch die Lüfte zu brettern und mit seinem Röntgenblick in jede Mädchenumkleidekabine zu schielen? Yes, it's Superman. Ich habe jeden einzelnen Auftritt genossen.

Über den Rest breite ich den Mantel des Schweigens. Story: nonexistent. Spannung: nonexistent. Finale: nonexistent. Lex Luthor: Luftnummer und da ist's mir wurscht, ob Kevin Spacey die Billiardkugel verkörperte. Clark Kent: Ein Trottel. Lois Lane: Hm. Kate Bosworth war nicht halb so nervig wie erwartet, aber sie ist halt ein Püppchen und keine Frau. Andere Protagonisten: überflüssig. Ein seltener Pluspunkt: Superman fällt bei der Kontamination mit Krytonit nicht gleich wie eine gefällte Eiche um à la diese Smallville-Pfeife.

Fazit:

Ohne Frage! Es wurde allerallerallerallerallerallerallerallerallerallerallerallerallerallerallerallerrhöchste Zeit, dass der mächtigste aller Superhelden auf die große Leinwand zurückkehrt. Und sei es auch nur, um Hoffnung auf gelungenere Fortsetzungen zu geben. Deswegen weigere ich mich auch im Angesichte eines derart gnadenlos vergurkten Auftrittes schlichtweg, diesem Film weniger als drei Sterne zu geben, hat er doch bewiesen, dass die Welt (und Superhelden-Geeks wie meinem seiner ;-) Superman braucht. Welcome back, boyscout!
Kommentar Kommentare (19) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 7, 2010 4:24 PM CET


Salt (Deluxe Extended Edition) [Deluxe Edition]
Salt (Deluxe Extended Edition) [Deluxe Edition]
DVD ~ Angelina Jolie
Wird angeboten von filmrolle
Preis: EUR 4,69

6 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen The Awakening of the black widow, 30. Oktober 2010
Nope. Ich war nie ein großer Fan der Jolie. Aber Hölle nochmal, es gibt nur wenige Schauspielerinnen, die mich mit ihrem Talent so gnadenlos überzeugen konnten, ob ich's nun wollte oder nicht. Sicher, es gibt Zeiten, da denke ich mir ein "Mädel, warum verschwendest nur Du Dein Talent mit dergestalt unterfordernden Actionpompöse?" Und dann gibt's wieder Actionpompöse wie diesen, bei denen ich dankend mit Tränen in den Augen auf die Knie sinke, dass die jute Angelina sich genau für diese Art von Film herablässt. Danke Angie!

Je öfter ich heutzutage die Worte "Hirn ausschalten" lese, die allzeit als dumpfes Totschlagargument für die Verteidigung strunzdummen Actionpopcorns herhalten sollen, desto stärker wird mir bewusst, wie unglaublich viel harte Arbeit und professionellen Handwerks in gutem "Actionpopcorn" steckt. Vor diesem Hintergrund muss ich grundsätzlich hart ins Gericht gehen mit diversen meiner hiesigen Kollegen, die sich über den Mangel einer S-t-o-r-y respektive T-i-e-g-r-ü-n-d-i-g-k-e-i-t echauffieren. Mei o mei. Wie unendlich viele gnadenlos dümmliche Actionfilme krankten in den letzten Jahren daran, dass man eine halbgare Geschichte mit stumpfsinnigen Dialogen hinzuknüppelte, um Ambitionen vorzutäuschen und die jedes einzelne verflixte Mal sowohl Spannung als auch Action aber auch so was von den Garaus machten. Zugegeben, ich bin da wohl deutlich bescheidener: Was ich möchte sind charismatische Darsteller, rasante Action, ein durchgehender Spannungsbogen und knallig coole Dialoge. An Story möchte ich einen roten Faden, der das Geschehen einrahmt, aber niemals nie behindert. sic!

"Salt" ist das weibliche Gegenstück zu Liam Neesons Meisterstück 96 Hours. Die brave und engelhaft verklärte CIA-Blondine Eveline Salt wird mit dem Worten "There is secret Russian spy. His name is Salt..." eines russischen Überläufers konfrontiert, die den Auftakt einer rasanten Verfolgungsjagd einläuten, die bis zum bitteren Ende jedes Tempolimit überschreitet und sich mit einer Konsequenz durch den Film fightet, dass ich hell am Aufjauzen war. Und vielleicht verrrate ich mit einem Blick auf das DVD-Cover nicht zuviel, wenn ich meinen Titel so und nicht anders nenne. Eine simple Grundidee, gelungen und feurig schwarz durchchoreographiert. Was scheren mich da irgendwelche physikalischen Gesetze?

Sicher, schauspielerisch anfordernd ist diese Art von Film nie; es erfordert jedoch eine andere Art an Kunst: aus minimaler Möglichkeit, den maximalen Ertrag herauszupressen. Genau aus diesem Grund begrüße ich charismatische Mimen wie Angelina Jolie und ihre beiden Verfolger, die hochtalentierten Liev Schreiber X-Men Origins: Wolverine (Extended Version) und Chiwetel EjioforSerenity - Flucht in neue Welten (Einzel-DVD), die allein durch ihre pure Präsenz dem Filmchen den Funken Charakter und Feuer einhauchen, ohne den es letztendlich nicht geht. Danke Leutz. Ein Stern sei letzlich dafür abgezogen, weil der Film einen klitzekleinen Tick zu vorhersehbar ist und in der Mitte leicht an Tempo verlor.

Nevertheless:

4 meinerseits hochgeschätzte Sterne und eine tagtägliche Verbeugung vor meinem Salzstreuer!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 18, 2010 5:12 PM CET


Der Kautions-Cop
Der Kautions-Cop
DVD ~ Jennifer Aniston
Preis: EUR 4,99

10 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Pfui Deibel!, 30. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Kautions-Cop (DVD)
Mmh. Auch wenn mich der magere Sternedurchschnitt doch sehr freut und nicht zuletzt beweist, dass der Mainstreamzuschauer wohl doch nicht jeden Mist frisst, ist die Gelegenheit viel zu gut, um nicht noch selbst einmal gegen dieses lausige Filmchen nachzutreten.

Da ist der ursympathische Gerard Butler, der genuch Charisma aufweist, um selbst als schwuler französischer Friseur sympathisch zu wirken: er ist ein Kautions-Cop.

Und dann ist da noch seine (Film-)Ex Jennifer Aniston, die nach einer genialen Dauerrolle nichts auf die Reihe bekam, aber sich als Ex von Brad Pitt immer noch gut genug verkauft.

Die Idee ist so einfach wie genial. Der Kautionscop jagt seine Ex.

Unter dem Stichwort "wohlige Schadenfreude" schlichtweg ein Selbstläufer.

Prinzipiell ein Genuss, Freund Butler zu erleben, wie er sich so unverschämt diebisch freut, seine dusselige Ex zu verknacken. Herrliche Szene, wo er sie während der Verfolgung im Sprung umwrestelt.

Leider krankt das Filmchen an einem Fehler: Es hält uns alle für obergalaktische Megavolltrottel.

Ich meine: Nun wirklich jedem Volldeppen ist klar, dass beide Protagonisten sich innerlich noch sehr zugetan sind und nach einigen Wirrungen und Irrungen garantiert und ohne jeden Zweifel zum verschmusten Happy-End zusammen finden.

Muss Freund Butler deswegen von Anfang an mit wehmütigem Blicke durch die Gegend sabbern, dass er nicht über seine Ex hinwegkommt? Wäre es zuviel verlangt (und zumal viel witziger) wenn er auf fette Hose, coole Sprüche respektive schlicht und einfach Mann macht? Wehleidiger Jammerlappen!

Und muss die Aniston mit einem Ich-vermisse-meinen-Ex-Schild durch die Gegend rennen? Selbst ihre dumpfe Mutter meint zum Kautionscop: "Sie ist innerlich ein kleines Mädchen, die Deine starke Schulter braucht." OMG

Klar, auch das Offensichtlich muss in Worte gefasst werden, damit's auch wirklich der letzte Mohikaner kapiert.

Mei o mei. Bei einer Romantikkomödie ist mir das erstere wurscht, dafür das zweitere essentiell. Nach 30 Minuten kläglicher Scharade und noch klägerlicherem Witz ergriff ich die Flucht. Pfui Deibel, nochmal!
Kommentar Kommentare (14) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 22, 2010 9:50 AM CET


Das A-Team - Der Film (Extended Cut)
Das A-Team - Der Film (Extended Cut)
DVD ~ Liam Neeson
Wird angeboten von Eliware
Preis: EUR 7,60

13 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hoch lebe das neue A-Team - an Euch lag's nicht, Jungs!, 24. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Das A-Team - Der Film (Extended Cut) (DVD)
Die hier allüberall anzutreffende Frage nach der Sinnhaftigkeit von Remakes ist meiner überaus bescheidenen Meinung nach ebenso überflüssig wie einfach zu beantworten:

Taugt das Remake was, lautet die Antwort: Ja!
Taugt das Remake nichts, lautet die Antwort: Nein!

Um zu der Entscheidungsmöglichkeit aber überhaupt erst einmal kommen zu können, lautet die Antwort zwangsläufig: Ja!

Macht 2:1 bzw. 1:0 = Remakes sind prinzipiell sinnvoll.

Auf den vorliegenden Fall angewendet: Dieses Remake war zwar grundsätzlich sinnvoll, ist aber so mickrig, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, meine obige Predigt zu konterkarieren.

Irgendwie bestätigt das Filmchen meine Anschauerfahrung des bisherigen Kinosommers 2010:

Anfang: Yiiipiieh - yah - yey!
Mitte: Oh s*it, bitte nicht!
Ende: *röchel* *schnarch* *gähn*

Jupp, auch ich habe das alte A-Team geliebt und vergöttert und mich mordsmäßig auf das Remake gefreut. Ausgesprochen gelungen nahm ich die neue Besetzung sowie deren Verkörperung wahr. Das war ganz sicher nicht das A-Team der 80er - damit hätten sie auch nur floppen können - sondern das A-Team 2010, dass die Grundtugenden des A-Teams "Ich habe einen Plan!", charmanter Schnösel mit Stahl im Rückgrat, Muskeln & Goldkettchen sowie verrückt aber fähig auf den Punkt brachten. Mission Fun heißt die Devise. Die Neudarsteller haben ganz offensichtlich ein Riesengaudi, nehme ihre Rollen nicht bierernst, neigen zum Overacting und treffen paradoxerweise genau damit den Grundton des (neuen) A-Teams.

Anfang hochgelungen. Team A wird vorgestellt und schafft es, jedem einzelnen Charakter seine eigene persönliche A-Note zu geben. Es kracht, es knallt, es reißt mit. Ehrlich, die Panzerszene im Trailer liess mich Grausiges befürchten - aber wie diese hoffnungslos überdrehte Actionsequenz so gnadenlos konsequent durchgezogen wurde, hat mir persönlichen enormen Respekt abgerungen und mich zutiefst aufjauchzen lassen. That's what fun is!

Bis Jessica Biel auftauchte. Drei Anschauerfahrungen mit dieser Dame haben mich gelehrt, dass diese Königin des plüschigen Billig-Mainstreams nur dort eingesetzt wird, wo sich das Filmskript ihrem non-existenten Talent gerecht zeigt. Jetzt kenne ich vier Filme. Au Backe, hat die Olle doch ein schmalziges früheres Techtelmechtel mit Faceman, der ihr mit wehleidigem Hundeblick hintersabbert anstatt the one and only Faceman zu sein. Nein aber auch. Geht's noch dumpfer? O doch: ausgerechnet Jessica Biel ist die neue J-ä-g-e-r-i-n des A-Teams. Oh s*it, bitte nicht. Mir hat's die Schuhe vor Schreck ausgezogen. Mit dem guten alten Cornel Dekker vor Augen wird einem diese eingefrorene Billig-Mieze präsentiert, die neben ernsthaften Schauspielern nichts zu suchen hat und - Gott und alle Kampffeministinnen seien mir gnädig - eigentlich nur im Bikini oder Unterwäsche oder gar nichts am Leib etwas taugt.

Ohne einen fähigen Jäger, keine gute Jagd.

Die Story taumelte genau in diese Bresche hinein. Simpel, billig, undurchdacht und - was am schlimmsten ist - zunehmend spannungs- und actionarm sowie mit schlagartig unkreativen und gequält lustig sein wollenden Dialogen. Ausgerechnet die hohle Nuss an B.A.-Wrestling-Darsteller, der nur optisch in seine Rolle passt, soll einen, d.h. DEN Funken an Charakterentwicklung "Ich habe der Gewalt abgeschworen." hereinbringen: Das sagt wohl alles... Das explosive mit billigsten CGI aufgemotze und letztlich gähnend langweilige Knall-Bumm-Legoburg-Zerschiess-Ende war der letzte Streich einer Verschwörung von Regisseur/Drehbuchautor/Produzenten, die ein fähiges A-Team auf eine Z-Mission schickten.

War mir trotzdem eine Ehre, Jungs! *salutier*
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 16, 2010 10:39 PM CET


Harry Brown
Harry Brown
DVD ~ Sir Michael Caine
Preis: EUR 4,99

20 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Volle Deckung: Opa ist sauer, 9. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Harry Brown (DVD)
Eine Plattenbausiedlung im Herzen einer britischen Großstadt. Hier lebt der alternde Witwer Harry Brown (Michael Caine) ein ruhiges Dasein. Doch die Ruhe trügt: Jugendbanden, Waffen, Drogen... und ihre Opfer. Harrys alter Schachpartner wird von gewalttätigen Jugendlichen schikaniert und eines Tages blutig zusammengeschlagen und tot in einer Unterführung aufgefunden. Harry selbst wird Opfer eines Raubüberfalls, dem er mit einer Reflexhandlung aus alten Marine-Zeiten drastisch zu begegnen weiß. Es macht "Klick" in Harrys Kopf...

Der Anfang ist stark, sehr stark. Atmosphärisch dicht und mit der Kamera stets nah am Geschehen wird ebenso in den müden bedächtig dahinkriechenden Alltag von Harry Brown wie in das depressiv trostlose und gottverlassene Milieu des sozialen Abstiegs und einer sich zunehmend ausweitenden Jugendkriminalität eingeführt. Jugendliche Gewalttäter ohne jede Empathie, eine sprunghaft eskalierende Verbrechensrate, eine hilflose nur auf gute Schlagzeilen bedachte Politik und noch hilflosere Polizisten, die all das entweder an sich abperlen lassen oder innerlich daran zerbrechen - und auf allen Seiten scheinbar keinerlei Perspektiven.

So weit, so gut. Das Fundament ist gelegt, der Film kann beginnen. Sollte es. Nur weiß das Drehbuch anscheinend selbst nicht so wirklich, wohin der Weg führen soll. Charakterkopf Caine liefert eine exzellente Leistung - umso lobenswerter, weil seine Rolle filmisch versandet und versanden muss, denn seine Wandlung zum erbarmungslosen und auch vor Folter nicht zurückschreckenden Vigilanten - Psychopath trifft es m.E. allerdings wesentlich besser - bleibt ohne Charakter und lebt einzig von der Präsenz seines Darstellers. Auch wenn Caine mit gewohnter Finesse zu bestechen weiß, sein Protagonist bleibt blass, die Wandlung schreitet zu schnell und unnötiges Porzellan zerbrechend voran und selbst der gelebten Sinnlosigkeit fehlt jeglicher Sinn: Zu einem zweiten "Ein Mann sieht rot" besitzt der schiesswütige Rentner noch zuviel Verstand, einer Charakterstudie fehlt es an Glaubwürdigkeit, einer Milieustudie ermangelt es an Tiefe und einer Studie über Selbstjustiz oder Jugendkriminalität gebricht es an jeglicher echter Auseinandersetzung. "Harry Brown", naja Regiedebüt, ist ein nur ambitioniert sein wollender *hust* alter Hut à la "Dämonisiere die "Bösen" und der "Gute" hat Narrenfreiheit." Unfug. Was letztendlich übrig bleibt, ist eine gar zu schnell in banale Effekthascherei und unnötig brutale Szenen abgleitende verkorkste Handlung, die erstaunlich ideenlos konstruiert ist, überall nur an der Oberfläche kratzt, sich zunehmend allein in leeren Phrasen und Klischees erschöpft und eine dergestalt lächerliche und dreiste Schlusseinstellung kredenzt, dass mir glatt die Luft wegblieb. Viel gewollt, nichts gekonnt.
Kommentar Kommentare (15) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2011 2:11 AM CET


Kick-Ass
Kick-Ass
DVD ~ Aaron Taylor-Johnson
Preis: EUR 4,99

7 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wooooohooooo! Kick asses, my friend!, 25. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Kick-Ass (DVD)
Ein jugendlicher Trottel, der ganz und gar im Superheldengenre versackt ist? Ein Superheld namens Kick-Ass? Na wenn das mal nicht ganz genau mein Ding ist! ;-)

Dave ist ein stinknormaler Looser mit einer Leidenschaft: Comic-Helden. Hochinspiriert kauft er sich ein schräges Kostüm, geht auf "Patrouille" und testet sein neuerworbenes Heldentum an zwei abgewrackten Autodieben. Fünf Minuten und gefühlte 500 Schläge später landet halbtot er auf der Intensivstation. Aber ein wackerer Super-Helden-Aspirant lässt sich von einer billigen Nahtoderfahrung nicht abbringen: Rettungsmission, die zweite: Check! Gefühlte 500 Schläge später steht Dave ... dank nagelneuer Stahlimplantate und kaputter Nervenenden als wohlige Andenken der ersten Rettungsmission... immer noch auf den Beinen und vollzieht durch ein Zufallsvideo auf Youtube einen kometenhaften Aufstieg : "Kick-Ass!", Star des Internet, Held der Armen und Entrechteten, Inspiration von Millionen.

Mei, bis zu dieser Stelle schmunzelte ich noch in mich rein und dachte an eine ebenso arglose wie oberflächliche Teenie-Superhelden-Parodie. Bis ein kleines Mädchen im Superheldenkostüm wie aus dem Nichts auftaucht und eine Reihe böse Buben mit teuflischem Grinsen in Stücke zersägt und sie grausam abschlachtet. Boah! Vor meinen ungläubigen Augen wechselte das Filmchen völlig überraschend von einem hochsympathisch vertrottelten "guten Helden" zu einem bluttriefenden Rachefeldzug mordender Rächer im Superheldenkostüm. Wer hätte das gedacht? Mit fast spielerischer Einfachheit wird allein durch die Kraft der Bilder dem romantisierten idealistischen Superhelden die dunkle Seite der Macht in Form von Selbstjustiz, Brutalität und Menschenverachtung gegenübergestellt - und die oberflächliche Teenie-Klamotte moralische Fragen von einem erstaunlich schweren Kaliber aufwirft. Verflixt clever für ein anfangs nur auf simple Unterhaltung getrimmtes Filmchen.

Kick-Ass tritt insbesondere in der visuellen Umsetzung zu wie ein Pferd. Ob Batman, Matrix oder Kill Bill... es wurde so gekonnt geklaut und zitiert, dass mich insbesondere die exzellente Qualität der Cheorographien platt in den Sessel zurücksinken ließen. Irre gut! Wooohoooo!

Trotzdem müssen - wenn auch nur aus Prinzip - mindestens zwei Sterne fallen. Das liegt noch nicht einmal an der letztlich nur oberflächlichen Geschichte, dieser Dumpfnase an "Red Dust" und dem Mangel an echten Charaktermomenten, - sondern an einem extrem heiklen wenn nicht gar se-e-e-e-ehr bedenklichen Ende und einer bewunderswert kompletten Versemmelung der innovativen Grundidee: Total naiver Fanggeek trifft auf sein pervertiertes Ebenbild à la Luke Skywalker meets Darth Vader. Und was machen die Macher draus: Richtig, im Grunde gar nichts. Maaann, da wird doch tatsächlich der idealistische nette Trottel vom Anfang, der seine Knochen für einen Wildfremden hinhält, zu einem simplen ballerfreudigen Hirni, der mit sardonischen Grinsen und ohne einen sichtbaren Hauch schlechten Gewissens reuelos Leute über den Haufen schießt. Und das Beste: dafür werden er und seine minderjährige Killerbraut auch noch als Helden gefeiert - völlig ohne jede Ironie mit einem B-i-e-r-e-r-n-s-t. Dieser Mangel an Selbstironie oder einem dezenten Zwinkern ist mir dann doch am Ende echt sauer aufgestoßen. Letztlich ist Kick-Ass einen ganz gewaltigen Tick zu scheinheilig und zynisch, was aber durch eine achtiontechnisch genial visuelle Umsetzung fast durchgehend clever überdeckt wird. Weiß der Geier, wer sich diesen Film anschaut, kann mit Narrheiten wie "Menschen in Stücke hacken ist ok., solange es die bösen Buben nur verdient haben!" gleich viel mehr anfangen. Nun ist mein Vertrauen in den mündigen und reflektierten Zuschauer geradezu unendlich (Hehehe) - aber wenn ich mir nun vorstelle, wie ein kleiner Bub oder pubertärer Halbstarker am Bildschirm sitzt, und die Pervertierung eines kleinen Kindes samt eines einst "guten Helden" dank irrwitzig guter Actionszenen noch applaudierend begleitet, dann komme ich gaaaanz leicht ins Schlucken.

Persönlich sehe den Film als stellenweise wuchtigst mitreißendes Action-Popcorn und bin daher fraglos geneigt, das ebenso moralisch verwerfliche und bestenfalls stumpfsinnige Ende als reine Unterhaltung zu werten, insofern milde drüber zu schauen und mich allein an dem Actionpopcorn zu laben. Der Sterneabzug ist daher - wie xsagt - nur aus Prinzip. ;o)
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 9, 2010 3:19 PM MEST


Transformers - Die Rache
Transformers - Die Rache
DVD ~ Shia LaBeouf
Preis: EUR 5,55

5 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen G.I. Blechdose auf Mission "Wogender Busen", 11. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Transformers - Die Rache (DVD)
Hehehe, wusst' ich doch, dass der Titel Leser anlockt wie nix Gutes, Ihr Ferkel, die Ihr noch wisst, was jut für die Augen ist. ;-) Jap, es ist schon eine Schau, wenn bei der durch Bombenhagel, Schrapnellkugeln und Explosionen modelnden Megan Fox in dehnender Zeitpulpen- und Zoomoptik so alles an den richtigen Stellen wackelt, dass das Herz nur so wummert und lacht und sich letztlich nur noch eine Frage aufdrängt: Würde die im Mini nicht noch wesentlich besser aussehen??? Wenn mein Blick nicht gar zu fixiert war, fiel mir dann doch auf, dass das Mädel in den Hosen eigentlich gar nicht mal so doll aussah. Und überhaupt: Hatte die im ersten Teil auch so aufgepumpte Lippen?

Frachen über Frachen, die eh bloß mich interessieren. Also zum Film: Über'm Strich: eine Schau. Unter'm Strich: Vorspultaste, meine Heldin. *schmatz* Mei, wirklich wahr, wenn ich an den ersten Teil denke, dann fallen mir nicht primär Worte wie "dumm, dämlich, vertrottelt, peinlich oder stumpfsinnig" ein, sondern "gähn, öde, langweilig und stupide". Und wat soll ich sagen: So ist auch der zweite Teil, wenn man sich diesen Mist durchweg anguckt und sich die halbe Zeit fragt: KÖNNEN DIE NICHT MAL DIE KLAPPE HALTEN?? Verflixt nochmal, ich will sich verprügelnde Roboter sehen u keine metalisch aufgebretzelte Teenie-Schnulze mit Peinlichkeitsfaktor 10! Dieses dumme Gesabbel *stöhn* das ist direkt wieder eine schicksalsträchtige Kunst. Aber ok., ich habe mich schief beispielsweise gelacht, als Ober-Mittel-Motz Megatron in seiner Zentrale eintrudelt und ein "STARSCREAM - ICH BIN WIEDER ZU HAUSE!" herausquiekt. Jaja, Papa ist da. Meeensch, noch schwachsinnigere Dialoge konnten den Schreiberlingen wohl nicht einfallen. Fast so irrsinnig, wie wenn man diesen Rotz als "Popcornkino" adelt. Bei disem Streifen schaltet sich das Hirn nicht ab, es rennt, es schreit, es flieht, es kommt nie wieder zurück. Der Anfang *stöhn* herrlich! Da wird im pathetischen Tone herunterschwadroniert, dass ein heldenhaftes Team aus Autobots und US-Soldaten die letzten Decepticons zur Strecke bringen. Feige Bande, denke ich, viele gegen einen und dann noch stolz vom großen Sieg quatschen. Und was passiert: Man sieht einen Haufen von kleinen US-Soldaten mit Ihren Streichholzgewehrchen und wundert sich, was diese Deppen eigentlich dort wollen. Ich mein: TURMhohe Roboter... Ende vom Lied: Die vertrottelten Holzköpfe kommen direkt über einem Decepticon zu stehen, der das Volk natürlich zerlegt, bis Optimus Prime seinen Megan äh Menschen-Gut-Spruch ablässt und den Rechen schwingt.

M-a-a-a-a-nn, echt nur ein geistiger Tiefflieger wie Bay kann es schaffen, aus einer gigantischen Schlacht von unschlagbar coolen Robotern eine Melange aus selten dämlichen Geseiere und mega-peinlichen Dauertheater zu kreieren. Bei dem Filmchen lernt man wahrlich u wahrhaftig das Niveau von American Pie & Co kennen und schätzen. Tatsache, auch für derartigen pubertären Rotz braucht es Finesse und Grütze im Kopf - was Bay aber auch so was von abgeht, naja nicht nur das und der vor dem filmischen Hintergrund ganz offensichtlich diverse andere Aphrodisiaka bevorzugt. Ich sach nur: Gott segne Amerika, Sir. *salutierhechel* Man denke nur an Sam's grenzenlos peinlich unlustige Eltern... Eugene Levy, wo bist Du, wenn ein Film Dich braucht? Höhepunkt war die Szene, als sich der superheiße Ofen an Blond-Transformer lasziv über Sammy hermacht... und echt nur ein Bay im sinnlich berückendsten Augenblick unter dem Röckchen von Miss Transformer einen S-c-h-w-a-n-z hervorzucken lassen kann. Naja wer Glocken unter einem Transformers ertönen lässt und korpulierende Hunde witzig findet, muss als Kind wohl in Schwesterchens Kleidchen herummarschiert worden sein. Brrr.

Die Schlachten taugen was, klar, bzw. würden was taugen, wenn nicht gut 90 % Zeit herumgelabert werden würde, das mir die Hirnzellen armeenweise desertierten. Wenn's wenigstens kerniges Spruchwerk wäre. Aber nein, diese veroveracteten Nieten müssen immer das kommentieren, was gerade auf dem Bildschirm passiert: Es explodiert: "Oh Gott, sie schießen auf uns." Sie fliehen: "Wir müssen fliehen!" oder die Sonne geht auf: "Guck mal, die Sonne geht auf!" So viel stumpfsinniger Blödsinn muss einem erstmal einfallen. Allein die "taktischen" Kommandos der Soldaten, zum Abrollen: Die hellsten landen wahrlich nicht in der Army.

Nujoh, mit der Vorspultaste durchaus erträglich. Ohne das gute Stück, ich wär' eingeschlafen oder hirntechnisch implodiert. Aber mit - hat was. Unschlagbar war jedenfalls die Erfahrung, wie man man sich selbst so treffend bei der Suche überbieten kann, ob die neuste gerade erspähte hirnzerweichende Schwachsinnigkeit wohl noch zu toppen ist. Ist sie. O h n e j e d e n Z w e i f e l.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 24, 2012 8:42 PM CET


Fantastic Four - Rise of the Silver Surfer (Einzel-DVD)
Fantastic Four - Rise of the Silver Surfer (Einzel-DVD)
DVD ~ Ioan Gruffudd
Preis: EUR 6,49

4 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Saftnasenalarm: Vier Gründe, sich die Kante zu geben!, 4. September 2010
Nope. Heute gönne ich mir einmal die Freiheit, dieser peinlichen Kinderei an Film ausnahmsweise keine chillig ausufernde Negativwürdigung zu verleihen. Die Kurzfassung "peinlich dummer Pennäler-Mist" tut's schließlich auch. Ioan Gruffud verunsterblicht sich als tölpelhafter Gummibaum mit Streberphysiognomie, Jessica Alba ist blond, "the thing" (Nein, ich übersetze DAS nicht!) fühlt sich witzig, die pubertär gelungene Sunnyboyfackel muss irgendwann mal den Schalter zum Pflicht-, Vaterland- und Babysmachen-Geschwafel umlegen und der Rest dieses armseligen Haufens ist so erbärmlich, dass er g-e-n-a-u diese Art an Jammergestalten und hingekleckertem Kindergartendrehbuch und -dialogen verdient hat. Brrrrr... allein dieser suizidanheimelnde "Humor" - so was betont Unlustiges in Kombination mit strunzpeinlichen Teeniegedöns ist mir trotz illustrer Konkurrenz lange nicht mehr vorgekommen. Genau genommen das letzte Mal im F4 Part One. Immerhin taugt Freund Silberlöffer zusammen mit Katzenjammer-Ich-bin-eine-tragische-Figur-Tönen was. Ging mir auch so, Bruder. Mmh. Gut is, bevor sich mein weichgeklopftes Hirn noch gänzlich entmaterialisiert. Gut' Nacht und ab die Post! *schnarch*

Nachtrag: Entschuldigt den lahmen Titel. Beim ersten Reinstellen dieser Rez hat Amazon sie offensichtlich nicht akzeptiert und als ich das mitgeschnitten hatte, hatte ich die - garantiert unerträglich geniale - Überschrift leider komplett vergessen. ;o)


Die Artus-Chroniken. Der Schattenfürst
Die Artus-Chroniken. Der Schattenfürst
von Gisela Stege
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen King Arthus ficht wider die Anderthalbdimensionalität, 4. September 2010
Wahrlich, wahrlich, schreiben kann der Master Cornwell wie ein Teufel und die mittelalterliche Welt von Arthus Pendragon, die er so detailiert und präzise schildert, ist so wunderbar geerdet, dreckig und realistisch, dass man sich ob der Ironie immer wieder an die eigene Nase fasst: strahlende Ritter, marmorne Schlösser, unemanzipierte Ladys... ach wat: da wird stattdessen die Inthronisierug der Tafelrunde als eine eisige Gruppenumarmung egozentrischer Kleinkönige mit anschließendem Besäufnis gestaltet, Lancelot als Spiegelsammler vorgestellt, der sich als A-Promi prophetisch genial zu verkaufen weiß, obwohl er nie das ungehobelte Ding namens Schwert geschwungen hat, und der olle Merlin ist ein alter verfilzter Druide, der mit der schurkischen List zweier, ach was von zehn Gebrauchtwagenhändlern gesegnet ist. Gab es jemals größere Lügner als Barden?

Warum doch nur bzw. eher stark angeknackste drei Sterne?

Das große Lob, was man Cornwell zu Recht zukommen lässt, ist sein freier Umgang mit der Arthussage und die exzellente Einbettung der Geschichte in ein realistisches mittelalterliches Flair. Und doch frage ich mich, ob man mit dem allerorten vernommenen überschäumenden Lob nicht gewaltig übertreibt. Sicher, die halbe Zeit wird über richtig u falsch sentimentalisiert, Vertrauen missbraucht, werden Schwüre gebrochen... und sind Cornwells Recken beängstigend eindimensional. Der Erzähler, ein alter Mönch und früherer erster Recke an Arthurs Seite, versinnbildlicht die typische Bin-treu-bis-in-Tod-Nummer, die man sattsam kennt. Sympathisch aber langweilig. Arthus, der mächtige Arthus, ist ein stur sympathischer Holzkopf, der nichts von den Unarten seiner Frau mitkriegt, die ganze Zeit nur Gutes stiftet und am liebsten zu Haus und Garten emeritieren möchte. Gähn. Lancelot? Eine falsche Schlange. Arthus' Recken - ganz treu oder ganz falsch. Ma-a-a-a-an! Mittendrin stand ich kurz davor, dass Buch gegen die nächste Wand zu pfeffern, weil Arthurs Freunde sich s-c-h-o-n w-i-e-d-e-r darüber echauffierten, dass die ehrenhaft stolze Dumpfbirne nichts aber auch gar mitgeschnitten bekommt. (Und komme mir niemand mit der Scharade um Arthus' angeblichen und gar so schlimmen Verrat an Tristan, bäh, war das aufgesetzt.)

Wo sind die inneren Konflikte, die Ambivalenz, die echte Charaktere auszeichnen? Typisches und endlos wiederholtes Schemata beider Werke ist der freiwillige Zwang der Helden, ihre heiligen Eide, koste es was es wolle, zu halten - wobei auch mal flott ein unfähiger sadistischer Kampfzwerg auf den Thron gesetzt wird, um den eigenen Schwur zu wahren. Obwohl an sich das perfekte Futter für ausgefuchste Loyalitätskonflikte und Charakterentwicklung erschöpfen sich dabei die Reaktionen der "Charaktere" in schicksalsergebenem Seufzern, fehlender Auseinandersetzung und letztlich stupider Einfalt.

Es ist wie im ersten Teil, nur fiel's mir hier noch extremer auf: Cornwell schafft es um's Verrecken nicht, Leidenschaft zu entwickeln. Irgendwann war ich der ewig gleichen Floskeln leid, als dass ich noch mit den sympathischen Figuren mitleiden konnte oder auch nur wollte. Der alte Schuft und hochsympatische Lumpenhund Merlin blieb eine der ganz ganz wenigen Charakterfiguren, die mich über reine Sympathie hinaus anerkennend begeisterten. Stellt sich die Frage: Inkompetenz oder Absicht? Mmh. Es gibt in der Tat hier und da interessante Ansätze und Entwicklungen zu betrachten und insbesondere zum Schluss zeigt Cornwell ein charakterlichen Einfühlungsvermögen, dass mich enorm positiv überrascht hat. Er kann's also, macht's aber nicht, so dass es mir ausgesprochen übel aufstösst, wie er die altbekannt eindimensionalen Tugend-Bolzen in seiner wesentlich vielschichtigeren und graueren Welt aufmarschieren lässt. Wenn dann bitte richtig!


Enemy of God: A Novel of Arthur (A Novel of Arthur: The Warlord Chronicles)
Enemy of God: A Novel of Arthur (A Novel of Arthur: The Warlord Chronicles)
von Bernard Cornwell
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Arthus ficht wider die Anderthalbdimensionalität, 1. September 2010
Wahrlich, wahrlich, schreiben kann der Master Cornwell wie ein Teufel und die mittelalterliche Welt von Arthus Pendragon, die er so detailiert und präzise schildert, ist so wunderbar geerdet, dreckig und realistisch, dass man sich ob der Ironie immer wieder an die eigene Nase fasst: strahlende Ritter, marmorne Schlösser, unemanzipierte Ladys... ach wat: da wird stattdessen die Inthronisierug der Tafelrunde als eine eisige Gruppenumarmung egozentrischer Kleinkönige mit anschließendem Besäufnis gestaltet, Lancelot als Spiegelsammler vorgestellt, der sich als A-Promi prophetisch genial zu verkaufen weiß, obwohl er nie das ungehobelte Ding namens Schwert geschwungen hat, und der olle Merlin ist ein alter verfilzter Druide, der mit der schurkischen List zweier, ach was von zehn Gebrauchtwagenhändlern gesegnet ist. Gab es jemals größere Lügner als Barden?

Warum doch nur bzw. eher stark angeknackste drei Sterne?

Das große Lob, was man Cornwell zu Recht zukommen lässt, ist sein freier Umgang mit der Arthussage und die exzellente Einbettung der Geschichte in ein realistisches mittelalterliches Flair. Und doch frage ich mich, ob man mit dem allerorten vernommenen überschäumenden Lob nicht gewaltig übertreibt. Sicher, die halbe Zeit wird über richtig u falsch sentimentalisiert, Vertrauen missbraucht, werden Schwüre gebrochen... und sind Cornwells Recken beängstigend eindimensional. Der Erzähler, ein alter Mönch und früherer erster Recke an Arthurs Seite, versinnbildlicht die typische Bin-treu-bis-in-Tod-Nummer, die man sattsam kennt. Sympathisch aber langweilig. Arthus, der mächtige Arthus, ist ein stur sympathischer Holzkopf, der nichts von den Unarten seiner Frau mitkriegt, die ganze Zeit nur Gutes stiftet und am liebsten zu Haus und Garten emeritieren möchte. Gähn. Lancelot? Eine falsche Schlange. Arthus' Recken - ganz treu oder ganz falsch. Ma-a-a-a-an! Mittendrin stand ich kurz davor, dass Buch gegen die nächste Wand zu pfeffern, weil Arthurs Freunde sich s-c-h-o-n w-i-e-d-e-r darüber echauffierten, dass die ehrenhaft stolze Dumpfbirne nichts aber auch gar mitgeschnitten bekommt. (Und komme mir niemand mit der Scharade um Arthus' angeblichen und gar so schlimmen Verrat an Tristan, bäh, war das aufgesetzt.)

Wo sind die inneren Konflikte, die Ambivalenz, die echte Charaktere auszeichnen? Typisches und endlos wiederholtes Schemata beider Werke ist der freiwillige Zwang der Helden, ihre heiligen Eide, koste es was es wolle, zu halten - wobei auch mal flott ein unfähiger sadistischer Kampfzwerg auf den Thron gesetzt wird, um den eigenen Schwur zu wahren. Obwohl an sich das perfekte Futter für ausgefuchste Loyalitätskonflikte und Charakterentwicklung erschöpfen sich dabei die Reaktionen der "Charaktere" in schicksalsergebenem Seufzern, fehlender Auseinandersetzung und letztlich stupider Einfalt.

Es ist wie im ersten Teil, nur fiel's mir hier noch extremer auf: Cornwell schafft es um's Verrecken nicht, Leidenschaft zu entwickeln. Irgendwann war ich der ewig gleichen Floskeln leid, als dass ich noch mit den sympathischen Figuren mitleiden konnte oder auch nur wollte. Der alte Schuft und hochsympatische Lumpenhund Merlin blieb eine der ganz ganz wenigen Charakterfiguren, die mich über reine Sympathie hinaus anerkennend begeisterten. Stellt sich die Frage: Inkompetenz oder Absicht? Mmh. Es gibt in der Tat hier und da interessante Ansätze und Entwicklungen zu betrachten und insbesondere zum Schluss zeigt Cornwell ein charakterlichen Einfühlungsvermögen, dass mich enorm positiv überrascht hat. Er kann's also, macht's aber nicht, so dass es mir ausgesprochen übel aufstösst, wie er die altbekannt eindimensionalen Tugend-Bolzen in seiner wesentlich vielschichtigeren und graueren Welt aufmarschieren lässt. Wenn dann bitte richtig!


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