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Tammy1982 "tinab682"

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Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg
Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg
von Sheryl Sandberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein aufrüttelndes Buch, das stark zum Nachdenken anregt, 20. Juli 2013
Sheryl Sandberg ist COO von Facebook, war vorher in der Führungsmannschaft von Google und hat nebenbei einen Mann und zwei Kinder. Nachdem ihr aufgefallen ist, dass sie je höher sie als Frau steigt, desto weniger Frauen in Besprechungen und Meetings trifft und ihr klar wurde, dass sie als Vorbild für viele andere Frauen dient, beschloss sie dieses Buch zu schreiben.

Der Titel hat mich, ganz ehrlich, erst mal abgeschreckt, aber neugierig genug gemacht, dass ich in der Buchhandlung angefangen habe in dem Buch zu schmökern. Aus dem "Schmökern" sind schnell die ersten 60 Seiten geworden und ich habe das Buch mitgenommen und innerhalb weniger Tage ausgelesen.

Anders als der Titel vermuten lässt, geht es Sheryl Sandberg nicht darum, dass jetzt jede Frau gefälligst auch COO werden muss oder unbedingt in den Vorstand kommen sollte. Nein, ihr geht es darum, dass sich Frauen anfangen erstens so eine Karriere zuzutrauen und zweitens sie nicht vor die Wahl Kinder oder Spaß im Beruf gestellt werden, sondern sie beides machen können. Dabei liegt der Fokus auch nicht so sehr auf "Karriere", sonder vor allem auf dem Thema, dass Frauen nicht komplett aus dem Beruf ausscheiden oder nur noch Teilzeit arbeiten, sobald Kinder da sind. Es geht darum, dass Frauen Erfüllung und Spaß auch noch an ihrem Beruf haben und auch Kinder und Familie haben können. Wichtig ist, dass es jeder Frau selber überlassen sein sollte, was sie wie machen möchte. Das wird zwar derzeit allen Frauen suggeriert, die Wahrheit ist aber, dass ihnen eigentlich erklärt wird, dass sie doch Kinder nicht "sich selbst überlassen" können und Kinder, die nicht rund um die Uhr von ihren Müttern - wichtig ist dabei die Betonung auf "Mütter" - betreut werden, quasi auf der Straße landen.

Sheryl Sandberg führt auf sehr wissenschaftlichen Niveau mit vielen Quellenangaben (von knapp 312 Seiten sind über 50 Seiten nur Quellenangaben) an, dass diese Suggestion ein Kultur- und Erziehungsthema ist und den Frauen und auch Männern zwar tief in die Köpfe gepflanzt wird, dabei aber auf keiner wissenschaftlichen Basis fundiert. Ganz im Gegenteil: Es gibt viele Studien, die zeigen, dass Kinder in Ehen, die gleichberechtigt geführt werden, wo beide arbeiten und [u]beide[/u] ihren Teil zum Haushalt beitragen, glücklicher und zufriedener sind, als andere Kinder. Es gibt sogar viele Studien, die klar belegen, dass eine enge Bindung der Väter zu ihrem Kinder deren Potenziale viel mehr beeinflussen und positiv fördern.

Dabei greift sie in ihrem Buch viele weibliche Verhaltensformen auf, zeigt an ihrem eigenen Beispiel, wie sie selber oft genug in die Falle getappt ist und gibt gute Tipps und auch Motivationsstrategien, wie man diesen Fallen, die wir oft von kleinauf eingetrichtert bekommen, zumindest ausweichen kann. Das schlechte Gewissen, das einem gemacht wird, wenn man als Mutter sich erdreistet voll zu arbeiten und auch mal dem Mann Aufgaben überträgt, spricht sie dabei offen an und sagt auch, dass sie damit jeden Tag lebt.

Mit vielen Themen hat sie mir dabei aus dem Herzen gesprochen: Warum wird Frauen bis heute suggeriert - auch gerade über Film und Fernsehen - dass sie auf ihren Ritter auf dem weißen Schimmel warten sollten und das Höchste für eine Frau ist zu heiraten? Warum lernen nicht auch schon Mädchen, dass es wichtig ist, sich durchsetzen zu können, anstatt "lieb zu sein"? Und wieso ist es bis heute für Mädchen eine Auszeichnung, wenn sie hübsch sind? Aber klug gehört nicht dazu? Und warum werden so viele Frauen hoch ausgebildet, damit sie dann erst mal im Beruf aussetzen und schließlich nur noch Teilzeit arbeiten?
Dabei hat sie ein für mich auch wichtiges Argument ins Feld geführt, über das ich mir bisher selber noch keine Gedanken gemacht habe: Wir kämpfen heute schon mit einer starken Altersarmut gerade bei Frauen. Die neuen Gesetze, die verabschiedet worden sind, werden das Problem noch verschärfen und lassen Frauen auch bei Scheidungen mittlerweile richtig schlecht dastehen. Kosten für die Kinderbetreuung sollte man daher nicht so sehr aus dem Aspekt der Kosten betrachten, sondern als Investition: Erstens sind die Gehaltseinbußen damit bei den Frauen nicht so hoch, zweitens stehen sie in 10 Jahren gehaltich an einer Stelle, die sie sonst nicht mehr erreichen könnten und drittens sichern sie sich so auch noch ihre Rente. Natürlich können Gegner hier anführen - wie man ja derzeit auch oft lesen kann - dass das alles Argumente von der Wirtschaft sind und es nur darum geht, dass der Kapitalismus erhalten bleibt. Kann natürlich sein. Nichts desto weniger ist es wichtig, dass auch Frauen glücklich in ihrem Beruf sein dürfen und trotzdem auch eine Familie haben können.

Alles in allem hat mich und auch meinen Mann dieses Buch sehr stark zum Nachdenken angeregt und mir auch viele meiner eigenen Gedankenfallen aufgezeigt. Da ich gerade auch im Freundeskreis genau das derzeit erlebe, dass die Frauen aus ihrem Job aussteigen, ihnen die Decke dann zu Hause auf den Kopf fällt, sie sich aber nicht einmal trauen, das dann zuzugeben, sehe ich insgesamt viele Dinge kritischer und wünsche mir auch, das hier ein Umdenken stattfindet. Dabei geht es nicht darum, dass Frauen nur noch in den Vorständen sitzen, aber das sie es können, wenn sie wollen, ohne eine Wahl zwischen Beruf und Familie treffen zu müssen.

Sehr gut gefällt mir dabei auch, dass sie gängige Vorurteile aufgreift und klar aufzeigt, dass wir alle - meistens unbewusst - Frauen und Männer mit anderen Maßstäben messen, was dazu führt, dass Frauen viele Dinge nicht zugetraut werden bzw. Eigenschaften, die bei einem Mann lobend erwähnt werden (zielstrebig, ehrgeizig etc.), bei Frauen eher abwertend verwendet werden. Hier muss insgesamt ein Umdenken bei uns allen und ein stetiges Hinterfragen einsetzen, bis sich da wirklich etwas ändern kann. Viele dieser kleinen Details belegt sie dabei mit praktischen Beispielen, bei denen ich immer nur zustimmend nicken konnte.

Ein Buch, das aufrüttelt und mir auch wieder gezeigt hat, wie stark auch gerade die Presse unser Bild von Leuten formt und gerade auch weibliche Führungskräfte oft viel bösartiger behandelt, als die Männer. Ein Buch, das ich wirklich mittlerweile allen Frauen und auch Männern nur empfehlen kann es auch zu lesen!

Für mich ein absoluter Buchtipp und bekommt volle fünf Sterne.


Die Schatten eines Sommers
Die Schatten eines Sommers
von Lia Norden
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein etwas anderer, gut umgesetzter, spannender Krimi / Thriller, 18. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Schatten eines Sommers (Taschenbuch)
25 Jahre sind vergangen, seitdem die vier Mädchen Dorit, Hanna, Fabienne und Marie einen Sommer lang unzertrennlich waren und Schreckliches passiert ist, was sie alle bis heute nicht verarbeitet haben. Freundinnen sind sie seit damals nicht mehr, jedoch treffen Hanna, Fabienne und Marie unfreiwillig auf der Beerdigung von Dorit wieder aufeinander. Diese ist gestorben, kurz nachdem Hanna in einem Roman die Erlebnisse des damaligen Sommers verarbeitet hat. War es Selbstmord oder wurde Dorit ermordet? Und was hat das alles mit den Geschehnissen von vor 25 Jahren zu tun?

Das Buch wurde von drei Autorinnen - Katja Reider, Sylvia Heinlein und Cornelia Franz - gemeinsam geschrieben und jede von ihnen erzählt jeweils aus der Ich-Perspektive der drei Hauptfiguren die Geschichte. Dadurch entsteht eine wechselnde Perspektive, die für zusätzliche Spannung sorgt und mir jede der drei Frauen sehr nahe gebracht hat. Ich finde die Idee ein Buch so umzusetzen sehr gut und auch das Ergebnis selber finde ich sehr gut gelungen.

Die drei Figuren konnte ich mir gut vorstellen und auch gut mit ihnen mitfühlen. Besonders spannend fand ich dabei, wie man als Leser zum einen das Innenleben der einen Figur sieht und zum anderen dann auch die Außensicht durch die Augen der anderen beiden Protagonisten vorgestellt bekommt. Dieser Wechsel erzeugt eine ganz eigene Dynamik und zeigt viele verschiedene Facetten der gleichen Figur, was ich sehr spannend fand.

Lange musste ich rätseln, was denn in diesem Sommer vorgefallen ist und die Auflösung hat mich überrascht und auch sehr entsetzt. Meine gängigen Vermutungen haben alle nicht gestimmt, aber die Wahrheit ist noch viel grausamer, als ich es mir überlegt hatte. Die Auflösungen sowohl des Geheimnisses von vor 25 Jahren, als auch ob Dorit sich nun selber umgebracht hat oder nicht waren nicht ohne und ohne zu viel zu verraten, kann ich sagen, dass dieser Krimi keine Auflösung im klassischen Sinne bietet. Ob man mit dem Ende glücklich ist oder nicht, bleibt wohl jedem selber überlassen, mich hat die Auflösung auf jeden Fall ganz schön nach Luft schnappen lassen. Und morbider Weise kann ich das Ende sogar sehr gut nachvollziehen, auch wenn es keine leichte Kost ist.

Alles in allem ein sehr gut gemachter Krimi / Thriller, der mich gut unterhalten hat und für einige Überraschungen gesorgt hat. Für einen absoluten Buchtipp, fehlen mir aber irgendwie noch Dinge, die ich nicht genau spezifizieren kann. Alles in allem gibt es dafür vier Sterne.


Im Reich der Löwin: Roman
Im Reich der Löwin: Roman
von Silvia Stolzenburg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

4.0 von 5 Sternen Gelungener Abschluss des Zweiteilers um Richard Löwenherz, 7. Juli 2013
Nachdem Richard Löwenherz am Ende des ersten Teils "Schwerter und Rosen", vom Deutschen Kaiser in Geiselhaft genommen wurde, beginnt dieser Teil mit seiner Rückkehr nach England. Kaum hat er die in seiner Abwesenheit stattfindenden Intrigen niedergeschlagen, begibt er sich jedoch sofort wieder auf Feldzug nach Frankreich, um sich für die nächsten Jahre erstmal ein Scharmützel nach dem anderen mit Philipp II von Frankreich zu liefern. Mitten drinnen in den Kriegswirren steht zum anderen Roland als Knappe von Richard und sein Halbbruder. Von ähnlichem Temperament wie Richard selbst, schlägt er sich tapfer an der Seite des jähzornigen Königs. Zum anderen ist da die junge französische Adelige Jeanne, die es schafft einer ungewollten Ehe zu entfliehen, nur um schließlich zum Spielball der politischen Interessen von Richard und seiner Mutter Aliénor zu werden.

Wie schon im ersten Teil "Schwerter und Rosen" gibt es wechselnde Perspektiven und der Leser darf sowohl Richard, als auch Philipp über die Schulter schauen. Aber auch Roland und Jeanne verfolgen. Im Gegensatz zum vorhergehenden Buch ist die Wechselgeschwindigkeit jedoch deutlich geringer und ich hatte als Leser mehr Zeit, um die einzelnen Charakter und Handlungen nachvollziehen und auch besser kennenlernen zu können. Weiterhin trägt dieser Perspektivenwechsel trotz allem dazu bei, dass das Buch schnell Fahrt auf nimmt und ich als Leser immer wissen wollte, wie es denn jetzt weiter geht.

Im Fokus stehen diesmal v. a. Jeanne und Roland, aber natürlich auch wieder Richard, sein intriganter Bruder John, Philipp und noch einige mehr. Auch einige der liebgewonnenen Figuren aus "Schwerter und Rosen" tauchen wieder auf, auch wenn sie diesmal nicht so im Mittelpunkt stehen. Dafür kann man hier schön die Entwicklung gerade von Roland vom Jüngling zum Mann beobachten und auch Zeuge einiger historisch belegter Tatsachen werden.

Die Darstellung von Richard ist weiterhin kritisch und nicht so verklärt, wie man sie sonst kennt und ich habe das Gefühl, dass ich eine ziemlich gute Vorstellung dieses tapferen, aber auch jähzornigen und unbelehrbaren Mannes bekommen habe.

Gut gefällt mir auch hier wieder das ausführliche Nachwort, in dem genau erklärt wird, was Tatsachen entspricht und was angepasst wurde. So habe ich als Leser ein gutes Bild erhalten und fühle mich zum einen gut unterhalten, zum anderen habe ich auch wieder einige interessante historische Hintergründe dazu gelernt.

Alles in allem ein wunderbarer historischer Schmöker, der gemeinsam mit dem ersten Teil eine gute Vorstellung von Richard Löwenherz und der damaligen Zeit vermittelt.


Der Tod und die Diebin: Bündnis der Sieben 01
Der Tod und die Diebin: Bündnis der Sieben 01
von Swantje Berndt
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender Fantasyroman voll knisternder Erotik, 7. Juli 2013
Lucy Sorokin ist eine leidenschaftliche Diebin und sehr gut in ihrem "Beruf". Sie klaut alles, was nicht niet- und nagelfest ist und macht auch vor mächtigen Persönlichkeiten nicht halt. Als sie jedoch den schwerreichen Russen Kolja Grigorjew um ein wertvolles Schmuckstück bringt, ist ihr Leben keinen Pfifferling mehr wert. Dieser hat dunkle Verbindungen und setzt die Bruderschaft der anonymen Meister auf sie an, sie zu töten. Daniel Levant soll diesen Job übernehmen, jedoch ist dieser bald sehr fasziniert von der skrupellosen Lucy.

Die Geschichte übte von der ersten Seite einen ungeheuren Sog auf mich auf und ich musste mich oft bremsen das Buch nicht in einem Rutsch zu verschlingen. Beginnt alles noch quasi harmlos damit, dass Lucy Kolja bestiehlt, entwickelt sich die Geschichte bald zu einem rasanten Wettlauf gegen die Zeit, wobei Lucy lange gar nicht ahnt, wie nahe sie dem Tod ist.

Gleichzeitig prickelt das Buch nur so von Erotik, da die Anziehungskraft zwischen Daniel und Lucy durch die Buchseiten hindurch zum Greifen nah ist und sich immer weiter steigert. Dabei quälen sich die beiden genussvoll bis zur endlichen Erlösung, aber es hat mir einfach unglaublichen Spaß gemacht ihren Spielen und "Quälereien" durch das Buch zu folgen. Obwohl ihre gegenseitige Sympathie ganz stark auf der Anziehungskraft beruht, war trotzdem auch für mich schon bald spürbar, dass da mehr als nur Erotik im Spiel ist.

Lucy und auch Daniel sind sehr gelungene Charaktere, denen ich gerne gefolgt bin und mit denen ich so richtig mitgefiebert habe. Auch die weiteren auftretenden Personen wurden detailliert und gut vorstellbar beschrieben und ich habe sie immer schnell vor meinem geistigen Auge gesehen und konnte gut ihre Handlungen nachvollziehen.

Der fantastische Anteil gefällt mir sehr gut. Die Idee mit Wiedergeborenen, Geheimbünden und noch anderen Fraktionen hat mir sehr zugesagt und sehr gut fand ich die Verbindung von tatsächlichen historischen Begebenheiten mit fantastischen Erklärungen. Diese Zusammenhänge waren so logisch erklärt, dass ich mir als Leser gut vorstellen konnte, dass sich das sogar genauso abgespielt haben könnte.

Das Ende bietet noch mal einen richtigen Showdown und mein Kopfkino lief auf Hochtouren.

Alles in allem ein sehr gelungener Auftaktband, der trotzdem für sich alleine stehen kann. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.


Ich und die anderen: Roman
Ich und die anderen: Roman
von Matt Ruff
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Eine etwas andere "Hausgemeinschaft" - multiple Persönlichkeitsspaltung gut aufbereitet, 7. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Ich und die anderen: Roman (Taschenbuch)
Andrew Gage führt quasi ein normales Leben mit einer Hausgemeinschaft. Jeder hat andere Vorlieben zum Frühstück oder auch beim Duschen. Jedoch ist diese "Hausgemeinschaft" nicht so wie man denkt: Sie befindet sich ausschließlich im Kopf von Andy Gage und nur wenn er es zulässt dürfen die anderen Bewohner entsprechend den Körper, den sie sich alle teilen, übernehmen. Auch wenn sich das etwas komisch anhört, führt Andy ansonsten ein normales Leben. Nachdem seine Kindheit eher ein nicht vorzustellender Alptraum war, hat er es geschafft über die "Hausgemeinschaft" sein Leben in den Griff zu bekommen, hat einen Job und scheinbar ist alles geregelt. Bis zu dem Tag, an dem Penny auftaucht. Penny, deren Körper auch mehrere Seelen bewohnen, die das aber noch gar nicht weiß... Und ganz schnell befindet sich Andy in einem kompletten Chaos, dass seine bis dahin geregelte Welt gehörig auf den Kopf stellt.

Dieses Buch ist definitiv ganz anders, als alles, was ich bis dato gelesen habe. Matt Ruff beschreibt sehr anschaulich und sehr gut das Innenleben von multiplen Persönlichkeiten und schafft es nur durch anders gedruckten Text bzw. durch andere Wortwahl darzustellen, welcher Charakter gerade den Körper übernommen hat. Auch wenn ich mir das nicht vorstellen kann, wie es sein muss, wenn mehrere Seelen den gleichen Körper bewohnen, konnte ich es gut nachvollziehen und fand, dass auch die Herausforderungen und Probleme gut dargestellt worden sind.

Schlucken musste ich immer wieder, wenn auch nur grob angerissen wurde, was Andrew bzw. Penny in ihrer Kindheit alles erdulden mussten. Bei solchen Geschichten wundert es mich nicht, dass sie Zuflucht in anderen Seelen gesucht haben, um irgendwie dieses Grauen überleben zu können. Hatte ich zuerst gedacht, dass die Vergangenheit von Penny schon wirklich schrecklich ist, hat mich Andrew's wahre Geschichte eines Besseren belehrt. Dabei möchte ich gar nicht darüber nachdenken, wie viele Gestörte es tatsächlich gibt, die ihren Kindern die Hölle auf Erden bereiten.

Obwohl es ungewohnt ist, sich für jeden Charakter immer den gleichen Körper vorzustellen, wurde jeder Charakter doch so eigen beschrieben, dass ich mir trotzdem sehr gut vorstellen konnte, wie er auf einmal sich anders bewegt, sich anders hinsetzt und v. a. auch anders spricht, den Kopf hält etc. Jede Seele war dadurch einzigartig und auf ihre Art und Weise habe ich sie irgendwie alle gern gehabt.

Alles in allem ein Buch, dass mich sehr stark berührt hat und mich oft hat stark schlucken lassen. Dabei eine sehr spannende und interessante Reise in den Kopf von multiplen Persönlichkeiten und hat mir dabei wieder viel interessantes Wissen vermittelt. Starkes Buch, dass man aber gut verdauen können muss.


Die Schwestern von Sherwood: Roman
Die Schwestern von Sherwood: Roman
von Claire Winter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbarer Schmöker - ganz neue Einblicke zum Thema Taubheit, 7. Juli 2013
1948 Berlin: Melinda eine junge Journalistin, versucht im zerstörten Nachkriegsberlin als Journalistin über die Runden zu kommen. Während sie versucht Fuß zu fassen, erhält sie eines Tages ein merkwürdiges Päckchen mit vermeintlichen Liebesbriefen, deren Absender und Empfänger aber anonym bleiben. Neugierig geworden begibt sich Melinda auf Spurensuche und landet dabei mit ihrer Recherche im 19. Jahrhundert bei zwei ungleichen Schwestern.

Das Buch wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen ist da Melinda im Nachkriegsberlin, die nach und nach den Spuren ihres geheimnisvollen Päckchens folgt. Zum anderen sind da die beiden Schwestern Amalia und Cathleen, die eng miteinander verbunden sind, denen das Schicksal aber einige schwere Prüfungen auferlegt. Diese Wechsel zwischen den beiden Erzählsträngen haben für mich noch zusätzliche Spannung erzeugt und oft hing ich gebannt über den Seiten und konnte gar nicht schnell genug umblättern. Dabei ist die Sprache wunderbar gestaltet, so dass ich alles genau vor meinem geistigen Auge sehen konnte: das zerstörte Berlin, der herrschaftliche Sitz Sherwood etc.

Die Figuren sind sehr liebevoll ausgearbeitet und ich konnte sie mir alle recht schnell vorstellen und mit ihnen mitfiebern. Gerade Melinda, Amalia und Cathleen sind wahre Sympathieträger und ich habe mit ihnen mitgelitten und mich mit ihnen gefreut.

Besonders gut wurde das Thema Taubheit ausgearbeitet und ich habe dabei viele, meist erschreckende Dinge, erfahren, die ich vorher noch gar nicht wusste. Gerade der Umgang mit tauben Menschen im 19., aber auch noch im 20. Jahrhundert war teilweise einfach furchtbar und zusammen mit der Figur der Amalia erlebte ich als Leser einige dieser Schrecken und furchtbaren Umgangsarten mit. Gleichzeitig wird aber die Taubheit von Amalia so wunderbar beschrieben, dass ich mich sehr gut hinein fühlen konnte und nachvollziehen konnte, wie die anderen Sinne von Amalia dafür umso stärker zum Leben erwachen. Die ganze Erzählung hat mich so neugierig gemacht, dass ich schon versucht bin, auch die taubstummen Sprache zu erlernen, um da ein noch besseres Gefühl zu bekommen.

Alles in allem ein wunderbarer Schmöker, den ich einmal in die Hand genommen, kaum noch weg legen konnte und der mich trotz einiger Tragik mit einem Lächeln zurück gelassen hat. Ein richtiges Wohlfühlbuch, das mir einige schöne Lesestunden beschert hat.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 22, 2013 4:57 PM MEST


Corvidæ
Corvidæ
von Simone Keil
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Surreale Geschichte mit zu wenig Erklärungen, 7. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Corvidæ (Taschenbuch)
Die Schwestern Cat und Lizzie treffen sich nach dem Tod ihrer Großmutter in deren Haus wieder, um das Vermächtnis ihrer Großmutter zu regeln. Als bei einem Waldspaziergang ein Unwetter aufzieht, verirren sich die beiden Schwestern in ein Dorf. In diesem Dorf ist jedoch nicht alles so wie es scheint und relativ schnell verlieren sich die Schwestern in dem Dorf, in der Zeit und in ihrer eigenen Geschichte.

Dieses Buch lässt sich wohl mit einem Wort, nämlich surreal, ganz gut überschreiben. Fängt es noch "gewöhnlich" an, entwickelt es sich sehr schnell zu einer surrealen Reise durch die Zeit und der Leser springt mit Cat von einer Surrealität zur anderen. Dabei wurde für mich zu wenig erklärt und so habe ich mich sehr schwer getan dem Verlauf der Geschichte zu folgen. Einiges klärt sich im Laufe des Buches, viele Fragen, die sich mir gestellt haben, blieben aber unbeantwortet und zu vielen Begebenheiten, Zeitreisen etc. haben mir einfach zu viele Hintergründe gefehlt.

Die Erzählperspektive ist dabei aus der 3. Person verfasst, springt aber teilweise im Fokus von Cat zu Lizzie. Dies war einerseits für mich ganz spannend, da so auch Lizzie nie komplett von der Bildfläche verschwunden ist, andererseits hat mich auch ihre Geschichte oft sehr verwirrt und auch jetzt habe ich vieles an ihrem Handlungsstrang noch nicht ganz verstanden.
Gleichzeitig fließen Erinnerungen an die Erzählungen von der Großmutter in die Handlung mit ein, was ich als Idee sehr gut fand. Jedoch waren auch diese Erzählungen oft nur bruchstückhaft, vieles blieb offen und so musste ich auch hier sehr viel rätseln, was das jetzt alles zu bedeuten haben könnte.

Cat und Lizzie blieben dabei relativ blass und für mich und in ihren Handlungen oft nicht mehr nachvollziehbar. Einige der Nebencharaktere waren sehr interessant und haben die Geschichte gut ergänzt, blieben mir aber oft auch viel zu blass und ihre Beweggründe nicht immer offensichtlich dargestellt.

Die Idee dieses surrealen Romans, gefällt mir sehr gut und ich brauche auch nicht immer zwanghaft eine ausführliche Erklärung. In diesem Buch gab es aber für meinen Geschmack zu wenig Erklärungen und so blieb für mich vieles einfach ein großes Rätsel und auch nach beenden des Buches waren noch viele Fragezeichen offen.

Alles in allem konnte mich dieses Buch leider nicht ganz überzeugen. Daher von mir nur 2 Sterne.


Das Vermächtnis der Montignacs: Roman
Das Vermächtnis der Montignacs: Roman
von John Boyne
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Überraschend und vielschichtig bis zum Schluss, 26. Mai 2013
Owen Montignac wurde als kleines Kind von seinem Onkel aufgenommen, nachdem seine Eltern im 1. Weltkrieg ums Leben gekommen sind. Er wächst behütet gemeinsam mit seiner Cousine Stella und seinem Cousin Andrew auf, bis der tragische Unfalltod von Andrew die heile Familie erschüttert. Als sein Onkel stirbt macht sich Owen Hoffnungen auf das Erbe, wird aber bitter enttäuscht. Um seine Spielschulden trotzdem bezahlen zu können, lässt sich Owen zu gefährlichen Dingen überreden, die bald viele Menschen mitreißen.
Gleichzeitig schreiben wir das Jahr 1936 und England hat ein Hauptthema: Den König und sein unstandesgemäßes Verhältnis zu einer Amerikanerin. Während die Öffentlichkeit die romantische Liebesbeziehung im Vordergrund sieht, werden im Hintergrund ganz andere Strippen gezogen.

Als ich mit dem Buch zu lesen begann, hatte ich keine Vorstellung darüber, was mich erwarten würde. Schnell zog mich das Buch in seinen Bann und ich konnte es bald nicht mehr aus der Hand legen. Als allwissender Erzähler führt der Autor den Leser durch die Geschichte und stellt einem zum einen Owen und seine Cousine Stella vor. Zum anderen lernt der Leser aber auch den durch und durch integeren Richter Roderick Bentley kennen, der sich zu Gute hält, dass er immer dem Gesetz folgt und niemandem eine Sonderbehandlung zu kommen lässt. Die Verbindung dieser Personen war mir zu Beginn überhaupt gar nicht klar. Erst nach und nach zeichnet sich ab, welche Verbindungen entstehen und welches Unheil sich aus diesen ergibt.

Durch die allwissende Erzählweise lernt der Leser die Hauptfiguren sehr gut kennen und ich konnte ihre Beweggründe jederzeit gut nachvollziehen. Auch wenn ich mit dem Handeln einer Person nicht einverstanden war, konnte ich trotzdem ihre Motivation verstehen und begriff zumindest warum sie genauso handeln muss.
Einen kleinen Gastauftritt haben der englische König Eduard VIII und seine Geliebte Wallis Simpson in dem Buch, was mir sehr gut gefallen hat.

Das Buch ist eigentlich fast ein spannender Thriller, auch wenn man den Täter schon oft kennt. Jedoch war ich mir bei einigen Begebenheiten trotz allem nicht immer sicher, wie es sich jetzt tatsächlich verhalten hat. Die Auflösung am Ende des Buches kann man wohl kaum als Happy End bezeichnen und mir hat dieses Ende, gerade wegen seiner teilweise Bösartigkeit, sehr gut gefallen.

Dies ist nach "Das Haus zur besonderen Verwendung" mein zweites Buch von John Boyne und für mich ist er in die Riege meiner Lieblingsautoren damit aufgestiegen. Dieses Buch hat spannende Unterhaltung von Anfang bis Ende geboten und dabei gleichzeitig einen kleinen geschichtlichen Abriss des Jahres 1936 vorgenommen. Ich fand es sehr spannend zu lesen, welche Gründe eventuell tatsächlich zur Abdankung von Eduard VIII geführt haben könnten und die Sichtweise des eigentlich "Bösen" vermittelt zu bekommen, fand ich sehr faszinierend.

Ein sehr gelungenes Buch und für mich ein absoluter Buchtipp!


Tanz mit dem Schafsmann
Tanz mit dem Schafsmann
von Haruki Murakami
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles ist verbunden, 20. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Tanz mit dem Schafsmann (Taschenbuch)
Aus der Ich-Perspektive begleitet der Leser einen Mann Anfang 30, der nach einer gescheiterten Ehe und einer weiteren gescheiterten Beziehung beschließt sich in das Hotel Delfin in Sapporo zu begeben, in dem er vor Jahren mit einer Frau war, die dann plötzlich verschwand. Irgendwie hat er das Gefühl, dass damit alles begann und fängt an seine alten Spuren zu verfolgen. Groß ist die Überraschung, dass es zwar das Hotel noch gibt, es aber mit der Absteige von früher außer dem Namen nichts mehr gemein hat. Wo vor Jahren ein heruntergekommenes Hotel stand, steht jetzt ein Luxusbunker. Trotzdem mietet er sich ein, begegnet von diesem Moment an lauter Menschen, die irgendwie mit seinem Leben zusammenhängen und sucht dabei die ganze Zeit nach der Frau, die vor Jahren einfach verschwunden ist. Dabei agiert im Hintergrund der Schafsmann, der auch mit der Hauptfigur zusammenhängt, was sich aber erst nach und nach richtig erschließt.

So wie sich meine Zusammenfassung des Buches anhört, ist auch irgendwie das gesamte Buch. Auch jetzt noch, Tage nach dem ich das Buch ausgelesen habe, weiß ich immer noch nicht genau, was ich davon halten soll. Haruki Murakami nimmt den Leser wieder mit auf eine abenteuerliche ins surreale abdriftende Reise, die eigentlich total unspektakulär beginnt und nach und nach immer seltsamere Formen annimmt. Dieses Seltsame spiegelt sich auch in dem Ich-Erzähler wieder, den ich zu Beginn noch bemitleidenswert fand, über den ich mich irgendwann richtig amüsieren konnte und dessen Humor ich schließlich geteilt habe. Irgendwann habe ich mich dabei ertappt, dass ich bei seinen teilweise echt lahmen Witzen, fast laut lachen musste.

Auch die anderen auftretenden Figuren sind oft seltsam, manchmal wunderlich, trotz allem habe ich sie ziemlich gut kennengelernt und war neugierig, wie es mit ihnen weitergeht. Die Kriminalgeschichte, die sich schließlich auch noch in dem Buch findet, hat noch zusätzlich für Spannung gesorgt und auch wenn ich immer noch nicht so genau weiß, was der Autor mir mit seinem Buch mitteilen wollte, konnte ich es irgendwann kaum noch aus der Hand legen.

Dieses Buch zu bewerten, ist mir irgendwie gar nicht möglich. Wenn ich nüchtern darüber nachdenke, ergibt die Handlung zum Teil gar keinen Sinn, aber auf einer nicht zu erklärenden Ebene hat mich das Buch trotzdem gepackt. Dazu trägt auch die Sprache von Haruki Murakami bei. Er schafft es mich als Leser irgendwie in das Buch hinein zu ziehen und mir das Gefühl beim Lesen zu geben, ich würde quasi neben der Hauptfigur sitzen. Daher habe ich gebannt jeden Schritt verfolgt und habe die Erleichterung der Hauptfigur am Ende geteilt.

Zusammenfassend ein Buch auf das man sich einlassen muss. Es driftet ins Surreale ab, gibt dem Leser aber trotzdem immer das Gefühl, die Handlung könnte genau so hier stattfinden. Ein Buch das mich noch lange beschäftigen wird und das mich immer mehr begeistert, je mehr ich darüber nachdenke.


Lebenslauf
Lebenslauf
von Alice Schwarzer
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Biografie und geschichtliches Zeitzeugnis in einem, 12. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Lebenslauf (Taschenbuch)
Ich gestehe gleich vorne weg: Bis zu diesem Buch bzw. dem Interview mit Alice Schwarzer im Radio, das ich vorab gehört hatte, war Alice Schwarzer für mich auch jemand über die ich gepflegte Vorurteile hegte und pflegte. Als Alice Schwarzer bezeichnet zu werden, kam einer Beleidigung gleich und nie und nimmer hätte ich mich selber als Feministin bezeichnet. Nach Lektüre dieses Buch habe ich eine komplett andere Meinung von Alice Schwarzer und auch von dem Begriff Feminismus und muss sagen, dass ich mich richtig dafür schäme, dass ich mich von der Presse so habe beeinflussen lassen.

In ihrem "Lebenslauf" beschreibt Alice Schwarzer zum einen ihre Kindheit im Nachkriegsdeutschland, ihre Großeltern, die sie aufgezogen haben und auch ihre ersten Jahre als Journalistin in einem Land, dass damals wohl wirklich eher noch der Steinzeit in Sachen Frauenrechte gleich kam. So ist das Buch andererseits auch ein Ausflug in die Geschichte der Frauenrechte und ich bin immer noch entsetzt, wenn mir klar wird, dass in den 60er Jahren die Frauen quasi keine Rechte hatten. Arbeiten durften sie nur mit der Erlaubnis ihres Mannes und wenn der angab, dass sie bedingt durch die Arbeit ihren Hausfrauenpflichten nicht gerecht wird, war das ein klarer Kündigungsgrund. Unvorstellbar!

Alice Schwarzer beschreibt, wie sie zuerst in Frankreich das erste Mal wirklich in Berührung kommt mit einer Frauenbewegung und dann eher aus dem Hintergrund versucht auch in Deutschland den Erfolg der Französinnen zu wiederholen. Dabei zeigt sich auch, dass sie sich nie mit Absicht in den Vordergrund gedrängt hat - wie ja auch gerne behauptet wird - sondern dort gelandet ist, da sie den Mund aufgemacht hat und dann immer alleine dastand. Im Hintergrund gab es zwar viele Frauen, die sie unterstützt haben, aber an vorderster Front stand und steht sie noch immer quasi alleine da. Wird dafür oft angefeindet und verleumdet und es ist erschreckend gerade auch in dem Buch zu lesen, dass die meisten Anfeindungen gar nicht von den Männern, sondern ganz im Gegenteil von Frauen kommen.

Auch dabei musste ich mich selber an die Nase fassen, da ich auch lange genug selber durchs Leben gerannt bin und erklärt habe, dass Alice Schwarzer ja schön und gut ist, aber es doch nicht so übertreiben sollte. Nach der Lektüre ihres Lebenslaufs musste ich feststellen, dass sie es nie übertrieben hat und alles was ich als Übertreibung abgetan habe von den Medien so dargestellt wurde. Sie hat nie propagiert, dass Männer böse Geschöpfe seien und auch nie erklärt, dass alle Knigge-Regeln über den Zaun geschmissen gehören, da die emanzipierte Frau von heute sich die Türe selber aufmachen kann. Ganz im Gegenteil. Das Einzige was sie propagiert hat, ist das Recht jeder Frau ein selbstbestimmtes Leben zu führen und selber darüber entscheiden zu dürfen, was mit ihr und ihrem Körper geschieht. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.

"Lebenslauf" ist zum einen eine Biografie über Alice Schwarzer und hat mir ihre Person sehr viel näher gebracht. Zum anderen ist es aber auch ein politisches Zeitzeugnis und hat mir viele Dinge vor Augen geführt, die mir und wie ich feststellen musste, auch vielen in meinem Umfeld überhaupt gar nicht bewusst waren.

Insgesamt bin ich von dem Buch sehr begeistert und das Einzige, was mich gestört hat, dass es nur bis zur Gründung der Zeitschrift EMMA reicht und die nähere Zukunft nicht mehr beleuchtet. Da hoffe ich auf einen nächsten Teil, da auch in den 80er und 90er Jahren und bis heute noch wichtige Umbrüche stattfinden, die gar nicht oft genug erwähnt werden können.

Für mich ein absoluter Buchtipp!


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