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M. H. Scheerer "Röhrenfreak" (Pforzheim)
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Drei Fälle für Lord Peter (Box) - Der Zank um den Knochen/Die geheimnisvolle Entführung/Der Mann ohne Gesicht
Drei Fälle für Lord Peter (Box) - Der Zank um den Knochen/Die geheimnisvolle Entführung/Der Mann ohne Gesicht
von Dorothy L. Sayers
  Audio CD

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Krimisommer mit Lord Peter - ein Reinfall!, 26. Juni 2012
Zu diesen drei Hörspielen gibt es einiges zu erklären:

Es sind drei von insgesamt acht (fünf fehlen also) einer Hörspielserie, die erstmals im SWR an den Sonntagen im Juli und August 2002 unter dem Oberbegriff "Krimisommer mit Lord Peter" gesendet wurden. Im einzelnen bestand die Serie aus den Folgen:

1. Der Mann ohne Gesicht
2. Der Zank um den Knochen
3. Die Weinprobe
4. Die geheimnisvolle Entführung
5. Das Bild im Spiegel
6. In Ali Babas Höhle
7. Das Spukhaus in Merriman's End
8. Der Pfirsichdieb

Die Serie ist eine Gemeinschaftsproduktion von MDR, SWR und SFB-ORB.

Die SWR-Hörspielbroschüre für das zweite Halbjahr 2002 versprach "... acht Geschichten, vom harmlosen Pfirsichdiebstahl bis zum ausgeklügelten Mord ... () ... ein unterhaltsames und spannendes Hörvergnügen - besonders für die Liebhaber des 'very british suspense'".

Meine Vorfreude war groß und meine Hoffnung auf eine gute Serie aus dreierlei Gründen ebenfalls: erstens bin ich doch ein Riesenfan des klassischen britischen Krimis (egal, ob als Hörspiel, Buch oder Film), zweitens fand ich Peter Fricke in der Rolle des Lord Peter Wimsey eine hervorragende Besetzung und drittens kannte ich MDR-Regisseur Klaus Zippel von zahlreichen anderen Produktionen, die teilweise noch in die DDR-Zeit zurückreichten, als einen alten und routinierten Regiehasen, dem so etwas bestimmt locker von der Hand geht. Doch schon fünf Minuten nach dem Beginn des ersten Stücks, "Der Mann ohne Gesicht" wurde es Gewissheit: Diese Serie gehört zum vergeigtesten, was man beim Radio nach einer so guten literarischen Vorlage bislang produziert hat. Aus irgendeinem Grund hält man es in der ganzen Serie nicht für notwendig, mit Hintergrundgeräuschen oder simplen Stimmenhall-Effekten zu arbeiten. Die Sprecher stehen nur vor dem Mikrofon, reden, und ihre Stimmen kommen aus dem luftleeren Raum; kein Hall, kein Wind, kein Regen - nichts. Atmosphäre Fehlanzeige. Was soll das? Aber was dem Ding dann endgültig den Rest gibt, ist die völlig unpassende großmütterliche Reibeisenstimme der Erzählerin Dagmar von Thomas. Wer um Himmels Willen besetzt so jemanden? Diese Stimme stellt selbst Fans der Stimme von Verona Feldbusch-Pooth auf eine harte Probe.

Meine Hoffnung, dass die ARD diese Serie in der untersten Schublade des hintersten Archivraums vergräbt, hat sich durch diese CD-Edition leider nicht erfüllt. Eine Kaufempfehlung kann ich hier unmöglich aussprechen, denn der Markt bietet für den Fan klassischer britischer Hörspielkrimis wahrlich viel besseres, wie z. B. die Damen-Serie von Lester Powell (Saarländischer Rundfunk 1956 bis 1971; einige davon, leider nicht alle, gibt es auf CD) oder natürlich die Paul-Temple-Krimis des WDR von Francis Durbridge.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 17, 2013 8:47 PM MEST


Dracula. 5 CDs
Dracula. 5 CDs
von Bram Stoker
  Audio CD
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Dracula endlich so, wie er sein soll, 25. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Dracula. 5 CDs (Audio CD)
Ende des 19. Jahrhunderts tritt der junge Londoner Rechtsanwalt Jonathan Harker eine lange und beschwerliche Reise an, die ihn ins unwirtliche Transylvanien führt. Dort lebt auf einem Schloss Graf Dracula, der in England Grund und Boden kaufen möchte. Harker kommt es merkwürdig vor, dass sein Gastgeber tagsüber stets abwesend ist. Harkers Bewegungsfreiheit im Schloss ist stark eingeschränkt; die Tore nach draußen sind stets verschlossen. Bald wird Harker klar, dass er ein Gefangener ist. Er beobachtet, wie der Graf nachts durch undurchdringliche Ritzen das Schloss in Form einer Fledermaus verlässt. Dracula scheint die Naturgewalten zu beherrschen. Als Harkers Ende kurz bevorsteht, gelingt ihm gerade noch die Flucht. Doch Dracula hat sich im Sarg bereits nach London verschiffen lassen. Sicher untergebracht, sucht sich der Graf weitere Opfer, und zwar in Harkers Bekanntenkreis. Schließlich zieht man den holländischen Wissenschaftler Professor Abraham van Helsing zu Hilfe. Die Jagd auf Graf Dracula beginnt. Sie endet dort, wo die Geschichte begann: in Transylvanien.

Mit Bram Stokers "Dracula" verhält es sich ähnlich wie mit Herman Melvilles "Moby Dick" oder Mary W. Shelleys "Frankenstein": der literarischen Vorlage wurde keiner der Filme (unabhängig von der jeweiligen filmischen Bedeutung der Werke) gerecht. Dabei hatten sich die Filmemacher kräftig ins Zeug gelegt. Wir zählen einige mehr oder wenige bekannte Filme, die direkt auf Bram Stoker basieren, oder dies zumindest vorgeben: 1930 (Regie: Tod Browning, Darsteller: Bela Lugosi als Dracula; 1958 (R: Terence Fisher, D: Peter Cushing als van Helsing, Christopher Lee als Dracula (dieser Film legte die Regeln des Horror-Genres auf Jahrzehnte neu fest), 1974 (R: Dan Curtis, D: Jack Palance als Dracula, Nigel Davenport als van Helsing, 1978 "Nosferatu", (R: Werner Herzog, D: Klaus Kinski als Dracula, Bruno Ganz als Jonathan Harker, Walter Ladengast als van Helsing), 1979 (R: John Badham, D: Frank Langella als Dracula, Laurence Olivier als van Helsing und 1992 (R: Francis Ford Coppola, D: Gary Oldman als Dracula und Anthony Hop-kins als van Helsing (diese Fassung ist die werktreueste). Dann gab es da noch 1969 die obskure Produktion "Nachts, wenn Dracula erwacht", in der ebenfalls Christopher Lee die Titelrolle spielte - ein grausam schlechter Film des Spaniers Jess Franco, einer Art europäischer Edward D. Wood, jr., dessen Filme alleine ausreichten, ein ganzes Lexikon mieser Zelluloid-Verbrechen zu füllen.

Man kann dem Schauspieler Christopher Lee, dem bekanntesten aller Dracula-Darsteller, nur recht geben, wenn er sagt, dass er den Grafen nie so darstellen konnte, wie ihn Bram Stoker beschrieben hat. Wenn man nämlich davon ausgeht, dass diese Hörspieladaption eine getreue Umsetzung des Stoker-Romanes ist, so muss man sich nicht wundern, wenn das Kino an der äußerlich einfachen, aber im Detail komplexen Geschichte gescheitert ist. Die monumentale Story, die uns zweimal ins rumänische Hinterland führt, liest sich teilweise wie ein Reisebericht durch unwirtliche Gegenden, ähnlich wie "Herr der Ringe". Und es scheint, dass nur ein Spielfilm dieses Ausmaßes für die richtige Umsetzung in Frage käme.

Oliver Coors' Adaption ist bemerkenswert. Sie arbeitet größtenteils mit Monologen aus der Sicht der Hauptfiguren. Soundeffekte werden sparsam aber sehr gezielt eingesetzt. Die sehr gut zusam-mengestellte Hintergrundmusik stammt aus dem Klassik-Haus Deutsche Grammophon, die das Hörspiel auf CD vertreibt; in Teil 5 dominiert Musik vom ersten Satz aus der von Herbert von Karajan dirigierten 1981er-Aufnahme von Gustav Holsts "The Planets". Überwiegend unbekannte Hörspielsprecher wie (der mir bis dato nicht bekannte) Robin Brosch als Jonathan Harker und Kristina von Weltzien bringen brillante Leistungen. Den starken Stoker-Text übernahm Oliver Coors direkt aus der Erstübersetzung aus dem Jahr 1907. In sechs Stunden und 10 Minuten wird es nicht einmal langweilig.

"Dracula" ist absolute Spitzenklasse und von den zahlreichen Bearbeitungen, die es bislang gab, die mit Abstand beste.


Moby Dick - Die Jagd nach dem weißen Wal (Hörspiel)
Moby Dick - Die Jagd nach dem weißen Wal (Hörspiel)
von Herman Melville
  Hörkassette

4.0 von 5 Sternen Trash - Aber vom allerfeinsten, 25. April 2012
Es ist fast drei Jahrzehnte her, dass mein Sandkasten-Kumpel Stefan und ich uns als Kinder dieses Ding reingezogen haben. Jetzt finde ich es als überraschend gut erhaltene Kassette in der hiesigen Kinderbücherei.

Ich muss schon herzhaft lachen (später kommt einem freilich eher das Heulen), als ich auf dem Cover lese, dass kein geringerer als "Hui Buh"- und "Hexe Schrumpeldei"-Autor Eberhard Alexan-der-Burgh die Adaption übernahm und auch ansonsten alle Europa-"Stars" ihrer Zeit (wir reden ca. von 1977) mit von der Partie sind: Regisseurin Dagmar von Kurmin, Sprecher wie Joachim Rake (der als Kapitän Ahab die Klappe praktisch nicht zukriegt), Rudolf H. Herget als Quiqueg (das müssen Sie gehört haben!), Bernd "Ich bin einfach immer fehlbesetzt" Kreibich und natürlich Stammkomponist Bert Brac, der eindrucksvoll beweist, dass es auch musikalische Verbrechen außerhalb der volkstümlichen Musik gibt. Man wundert sich lediglich über die Abwesenheit von Europa-Stammsprecher Hans Paetsch. Aber: immerhin ist mit James-Stewart-Synchronsprecher Siegmar Schneider als Ismael doch ein sehr prominenter Sprecher mit von der Partie.

"Die stark gekürzten Buch-, Hörspiel- und Filmversionen, die auf der Grundhandlung aufbauen, sind kaum zu zählen", schrieb das Hörspielmagazin des Bayerischen Rundfunks anläßlich der Ursendung von Klaus Buhlerts Monumentalproduktion "Moby Dick oder der Wal". Dies ist eine davon. Schon allein deswegen ein wertvolles Zeitdokument, das der Nachwelt hoffentlich erhalten bleibt. Ach übrigens: trotz aller Zeitknappheit, die herrscht, wenn man ein 1000 Seiten dickes Buch auf 34 Minuten Spieldauer reduziert, reichte die Zeit dennoch für eine von Alexander-Burgh frei erdachte Begegnung mit einem Piratenschiff. Außerdem heißt Ahabs Schiff nicht "Pequod", sondern "Albatros".

Für erwachsene Hörspielkenner ist diese Kinderproduktion ein ähnliches Vergnügen wie der Film "Plan 9 aus dem Weltall" für Kinofreaks. Wäre Herman Melville nicht bereits tot - nach diesem Hörspiel wäre er es sicher.

Warum ich trotzdem vier Sterne für diesen Käse gebe? Na, weil das Ding ist so herrlich trashig, dass es schon wieder Spaß macht!


Mittsommermord: Hörspiel
Mittsommermord: Hörspiel
von Henning Mankell
  Audio CD

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Fingernägel abkauen, 25. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Mittsommermord: Hörspiel (Audio CD)
Nach dem Mittsommerfest am 21. Juni verschwinden drei Jugendliche: zwei Jungen, ein Mädchen. Ein Fall, dem die Polizei im südschwedischen Ystad zunächst nicht viel Bedeutung beimisst, obwohl die Mutter des Mädchens trotz einer erhaltenen Urlaubskarte lauthals Alarm schlägt. Dann wird Kurt Wallanders Kollege Svedberg in seiner Wohnung erschossen aufgefunden. Man findet dort ein Foto der verschwundenen Teenager. Offenbar hatte sich Svedberg während seines langen Urlaubs außer-dienstlich mit ihnen beschäftigt. Die einzige Spur, die Wallander verfolgen kann, führt zu Isa Edengren, die der verschwundenen Clique angehörte, jedoch wegen einer Krankheit bei diesem Mittsommerfest fehlte. Was passierte wirklich an jenem Tag?

"Mittsommermord" ist die schwedische Version vom "Schweigen der Lämmer" und eines der spannendsten Kriminalhörspiele, die ich kenne (und ich kenne sehr viele). Henning Mankells Krimis um Kommissar Kurt Wallander sind Meisterwerke der modernen Kriminalliteratur - und die bislang vorliegenden Hörspiele, egal ob vom Rundfunk oder vom Hörverlag selbst produziert, werden Mankell bislang voll gerecht; mit Außnahme der Hörspielgurke "Die falsche Fährte" vom SFB. Regisseur Thomas Leutzbach, der sich mit dem Lisa-Schlesinger-Hörspiel "Das Echo der Frösche" (WDR 2001; gibt es nicht auf CD) als impressionistischer Meisterregisseur präsentierte, inszenierte mit "Mittsommermord" ein 117 Minuten langes Stück, das einen von der ersten bis zur letzten Minute fesselt. Besser kann man ein Kriminalhörspiel fast nicht mehr machen.


Wildwest-Abenteuer, Folge 14: Der geheime Schwur
Wildwest-Abenteuer, Folge 14: Der geheime Schwur
Wird angeboten von ASAPH24
Preis: EUR 7,99

0 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Sektengefahr, 25. April 2012
"Der geheime Schwur" ist nur eine Produktion unter mindestens 40 weiteren, die der Autor bei Gerth Music in den dort erschienenen Serien "Abenteuerhörspiele" und "Weltraumabenteuer" verbrochen hat.

"Herzlichen Dank dafür, dass Sie diese Produktion gekauft haben! Sie unterstützen damit die Arbeit der beteiligten Künstler. Ausserdem ermöglichen Sie dadurch, dass auch in Zukunft hochwertige Hörspielproduktionen hergestellt werden können".

Insbesondere den letzten Satz dieses Textes, der dem Inlay der Hörspiel-CD entnommen wurde, lassen wir nach dem Anhören von "Der geheimde Schwur" doch glatt als Drohung durchgehen. Bezugnehmend auf den Rest der Aussage stellen wir fest, dass die Musik fürchterlich ist und die Sprachaufnahmen klingen wie eine auf 32 kb/s komprimierte MP3-Datei. Möglicherweise haben die Macher aber von "hochwertiger Produktion" auch andere Vorstellungen als ich. Desweiteren erfahren wir in einem Selbstzitat zu Beginn - Dauer: geschlagene 7 Minuten! -, dass wir die tollen Hörspiele von Onkel Hanno nicht kopieren, sondern nur kaufen oder uns zu Weihnachten bzw. zum Geburtstag wünschen dürfen, damit der gute Hanno für seinen Mist, den er in die Welt exportiert, sich schön einen Ferrari leisten kann, während der treudoofe Hörer (Zielgruppe angeblich ab 8, aber doch höchstens bis 8 Jahre) einen popeligen Bobby-Car fahren muss; Pädagogik mit der Brechstange. Die untalentierten Jungsprecher sind wahrscheinlich Opfer von Casting-Drückerkolonnen. Die meisten von denen werden wir dann vermutlich in ein paar Jahren in "GZSZ - The next Generation" oder ähnlichen Soap- und Telenovela-Formaten bewundern dürfen.


Danni Lowinski - Staffel 1 [3 DVDs]
Danni Lowinski - Staffel 1 [3 DVDs]
DVD ~ Annette Frier
Preis: EUR 11,99

24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herausragendes Comedydrama zwischen Juristenbällen und sozialer Tristesse, 22. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Danni Lowinski - Staffel 1 [3 DVDs] (DVD)
Daniela "Danni" Lowinski (Annette Frier) lebt mit ihrem an den Rollstuhl gefesselten Vater Kurt (Axel Siefer) am Stadtrand von Köln in einem jener überfüllten Hochhäuser, die man gemeinhin als sozialen Brennpunkt bezeichnet. Die gelernte Friseurin ist jedoch eine echte Kämpfernatur und hat in den vergangenen fünf Jahren auf der Abendschule ihr juristisches Staatsexamen hingelegt. Jetzt sucht sie einen Job als Rechtsanwältin. Als sie bei zahlreichen Kanzleien mangels Berufserfahrung abblitzt, kommt ihr doch noch die rettende Idee: in der Passage eines Einkaufszentrums mietet sie sich ein paar Quadratmeter auf dem Flur. Ihr Büro besteht aus einem aufklappbaren Tisch und ein paar Gartenstühlen. Für ein Honorar von einem Euro pro Minute bietet sie den Leuten Beratung an. Zur Hand gehen ihr ihre Freundin Bea (Nadja Becker) vom Coffee-Shop, Rasoul (Elyas M'Barek) vom Schuhreparatur- und Schlüsseldienst und Nils (Oliver Fleischer), der nicht nur einen einfachen Massagesalon sondern auch zwei tolle Ledersitze hat, auf denen man sich entspannen und durchschütteln lassen kann. Als unerschütterliche Kämpferin für die kleinen Leute, die sich eigentlich keinen Anwalt leisten können, heizt Danni Lowinski mit ihrer frechen Klappe unter anderem den finanzschweren Firmen mit ihren geleckten Armani-Rechtsanwälten ordentlich ein.

Schwer zu glauben, aber wahr: wir haben hier tatsächlich eine deutsche TV-Serie, die in jeder Hinsicht internationale Qualitäten aufweist: sehr gute Darsteller, toller Erzählrhythmus, witziger Vorspann, erstklassiger Original-Soundtrack, der sich gut mit den Songs ergänzt, gute Kameraarbeit etc. Dabei haben sich die Macher auf das schwierigste aller Terrains begeben, ein Terrain, das die Amis aus dem FF beherrschen, nämlich das der Screwball-Comedy und des Dramas. Unter der Federführung von Marc Terjung, der auch schon bei "Edel und Starck" bewiesen hat, dass er pfiffige Dialoge schreiben kann, entstand ein sehr unterhaltsames Format, von dem zu hoffen ist, dass es bald in eine zweite Staffel geht, denn Danni Lowinski hat noch längst nicht allen Bleistiftanspitzern und Geldsäcken die nötige verbale und juristische Abreibung verpasst, die sie verdient haben.

Weiter so!


Ein Münchner im Himmel
Ein Münchner im Himmel
Wird angeboten von PWT Medien
Preis: EUR 4,90

0 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Darbietungen aus der deutschen humoristischen Steinzeit, 24. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Ein Münchner im Himmel (Audio CD)
Die Erwachsenen der Generation der Vor-Heinz-Erhardt-Ära müssen wirklich arme Schweine gewesen sein, wenn diese CD die humoristischen Glanzleistungen ihrer Zeit darbietet und dies das einzige war, worüber sie lachen durften. Die Witze sind verknöchert, bemüht unpolitisch (was nicht verwundert), schulmeisterisch (selbst in den harmlosesten Sketchen wird noch Bezug auf heimische Dichter und Denker genommen) und tun absolut niemandem weh. Fast glaubt man sehen zu können, wie die Sittenwächter mit geladener 08-er-Luger vor den Humoristen standen und zusätzlich noch mit der schon vorgestempelten Abschiebeanweisung ins nächste Konzentrationslager vor deren Nase herumwedelten. Ist das die Zerstreuung, der sich der durchschnittliche Deutsche in den 1930er und 1940er Jahren nach vollbrachtem Tagewerk hingab? Einsame Höhepunkte der CD sind Weiß Ferld's "Wagen von der Linie 8", die beiden Stücke von Karl Valentin und der Titelsketch von Adolf Gondrell und Ludwig Thoma. Und der berühmte Rennbahn-Sketch mit Wilhelm Bendow und Franz-Otto Krüger ist nach dem tausendsten Mal auch nicht mehr wirklich lustig.

Wenn Grethe Weiser zu singen anfängt und die deutsche Filmtonspur aus der Nazi-Zeit munter vor sich hinkrächzt, hat man Mühe, (Vorsicht: Ironie) seinen rechten Arm unter Kontrolle zu halten.

Aus einem Grund sind die beiden Silberlinge mit Aufnahmen aus der humoristischen Steinzeit Großdeutschlands aber doch irgendwie wertvoll, denn plötzlich wird einem klar, warum die Deutschen in aller Welt als humorloses Volk gelten oder zumindest lange galten.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 2, 2012 5:24 PM CET


Mean Guns
Mean Guns
DVD ~ Christopher Lambert
Wird angeboten von Eliware
Preis: EUR 14,47

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Dieser Mist befriedigt nicht mal die Einschussloch-Fetischisten, 26. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Mean Guns (DVD)
Der Boss eines Gangstersyndikats bestellt an die hundert für ihn arbeitenden Profikiller, die die Organisation betrogen haben, in ein frisch erbautes aber noch leerstehendes Gefängnis. Sein Racheplan ist, dass sich (fast) alle innerhalb von sechs Stunden gegenseitig umbringen, während den letzten drei Überlebenden 10 Millionen Dollar "Preisgeld" winken. Den gefangenen Killern werden Waffen und Munition im Überfluss vor die Füße geschmissen. Dann beginnt das Gemetzel ...

Hirnloser Ballerfilm mit nervtötendem Soundtrack, schlechter Kameraführung und einem Christopher Lambert, der sich einfach für keinen Mist mehr zu schade ist. Der Film ist allerhöchstens für Waffenfetischisten noch interessant. Das Schlimmste ist aber, dass trotz aller Gewalt, die die Story an sich schon beinhaltet, Regisseur Albert Pyun (hat der überhaupt schon mal 'nen guten Film gemacht?) in der Gewaltdarstellung selbst oft unentschlossen zurückschreckt und die Details nicht zeigt. Allerdings könnte hier unsere "geliebte" FSK mal wieder an den entscheidenden Stellen die Schere angesetzt haben. So bescheuert sich die Geschichte zwar anhört, aber aus der Idee, dass sich eine Horde von professionellen Mördern auf einem begrenzten Areal einen Kampf auf Leben und Tod liefert, hätte sich schon etwas machen lassen. Aber dazu hat B-Film-Spezi Pyun einfach nicht genug auf dem Kasten.


Nur 48 Stunden
Nur 48 Stunden
DVD ~ Nick Nolte

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfekte Mischung aus Humor und Gewalt, 23. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Nur 48 Stunden (DVD)
Der Verbrecher Ganz (James Remar) bricht mit Hilfe seines Komplizen Billy Bear aus einem Arbeitslager aus und erschießt auf der Flucht und auch später mehrere Polizisten. Der Bulle Jack Cates (Nick Nolte) glaubt, dass Ganz, der eigentlich keine allzu lange Strafe mehr abzusitzen hatte, einen bestimmten Plan verfolgt. Der Gelackmeierte bei Ganz' Unternehmungen ist Reggie Hammond (Eddie Murphy), der immer noch brav im Knast sitzt. Ganz und Hammond hatten vor Jahren einem Hehler eine halbe Million Dollar gestohlen. Ganz will sich das Geld unter den Nagel reißen, bevor Hammond freikommt. Cates holt illegal Hammond für 48 Stunden aus dem Knast, damit er ihn zu Ganz führt. Hammond will wiederum verhindern, dass Ganz mit "seinem" Geld abhaut. Cates und Hammond, die sich nicht ausstehen können, arrangieren sich, um Ganz zu schnappen. Dabei geht es San Francisco hoch her.

Walter Hills Action-Klassiker arbeitet mit der zwar schon 1982 nicht ganz neuen Idee, mit witzigen Dialogen und gegensätzlichen Charakteren (hier: weißer Bulle und schwarzer Gauner) Humor in eine ernste Geschichte zu bringen. Was sich dabei Nick Nolte und Eddie Murphy wortgewandt an den Kopf werfen, ist bis heute fast unerreicht. Der Film war Vorbild für eine ganze Reihe ähnlich aufgebauter Filme und Auslöser für eine Welle von sogenannten Buddie-Filmen. Von der stattlichen Anzahl der Nachzügler schafften es nur sehr wenige, die Klasse von "Nur 48 Stunden" zu erreichen - höchstens die Filme der "Lethal-Weapon"-Reihe.

Bei aller Unterhaltung hat der Film aber große künstlerische Werte, die ihn aus dem üblichen Rauf- und Schießfilm-Genre herausheben. Er zeichnet sich durch die realistische Schilderung des "Großstadtdschungels" aus. Kameramann Ric Waite schaffte dies unter anderem dadurch, dass er mit äußerst lichtempfindlichem Filmmaterial arbeitete und dadurch weitestgehend auf künstliche Beleuchtung verzichten konnte. Desweiteren schuf er eine stimmige Atmosphäre durch ungewöhnliche aber exzellente Kameraeinstellungen, in denen sich die sanierungsbedürftigen Straßenzüge von San Francisco, die vollen Clubs, Restaurants und das hektische Großstadtleben wie in den U-Bahnhöfen ungebrochen wiederspiegeln.

Im übrigen sollte man unbedingt auf diese FSK-18-DVD zurückgreifen, wenn man den Film ungekürzt sehen will. Im Fernsehen lief der wegen der rüden Dialoge noch nie ohne Schnitte. Dort wird immer nur die gekürzte FSK-16-Fassung gezeigt, die an vielen Stellen auch durch Synchronzensur entschäft wurde.

Tipp an alle, die diesen Klassiker noch nicht kennen: zugreifen.


Die wilden Siebziger! - Die komplette 1. Staffel (4 DVDs - Digipack)
Die wilden Siebziger! - Die komplette 1. Staffel (4 DVDs - Digipack)
DVD ~ Mila Kunis

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn einem schon der Wasserturm den Stinkefinger zeigt und Bowlingkugeln im Fernseher landen ..., 12. Februar 2010
November 1976 in dem US-Provinzkaff Point Place in Wisconsin: für die Teenager Eric Foreman, seine Nachbarin und Freundin Donna Pinziotti, seine drei Kumpels, den gewitzten aber am Rande der Asozialität stehenden Steven Hyde, den gutaussehenden aber nicht mit viel Hirnschmalz ausgestatteten Michael Kelso, den lateinamerikanischen Austauschschüler Fez und die zickige Jackie Burkhart verläuft das Leben relativ langweilig. Es gibt noch keine Handys, keine PCs, keine bezahlbaren Videorekorder und Kabelfernsehen kostet auch Geld, das keiner hat. Also sitzt man bei Eric im schäbigen aber dennoch gemütlichen Keller, denkt sich irgendwelchen Blödsinn aus, raucht regelmäßig Gras und ist oft damit beschäftigt, sich illegal Bier zu organisieren. Sehr zum Leidwesen von Erics Eltern, dem erzkonservativen, permanent genervten, schlecht gelaunten und strengen Vater Red und dessen Frau Kitty, eine herzensgute aber viel zu gluckenhafte Krankenschwester, die gern mal einen zuviel trinkt. Weitere Figuren sind Erics Schwester Laurie, ein hinterhältiges Miststück, die reihenweise Männer ins Bett zerrt, sowie das Nachbarsehepaar Bob und Midge Pinziotti (Donnas Eltern), die sich gerne 20 Jahre jünger machen und sexuellen Experimenten gegenüber sehr aufgeschlossen sind.

Als an einem Samstagnachmittag vor etwa 9 Jahren diese Serie gut versteckt auf RTL lief, sah ich zufällig rein und war sofort ein Fan. Mir war aber auch gleich klar, dass der spezielle Humor, der auf eine Zeit anspielt, als das RTL-Zielpublikum teilweise noch gar nicht geboren war, die große Masse nicht ansprechen würde. So dümpelte die Serie quotenmäßig vor sich hin und es war ein Wunder, dass immerhin häppchenweise die ersten fünf Staffeln gesendet wurden (inzwischen gibts ja ein Happy-End, doch dazu an anderer Stelle).

Diese Sitcom aus der Schmiede von Bonnie und Terry Turner ("Hinterm Mond gleich links") ist ein echter Knaller, dessen beste Folgen einem wirklich Bauchweh vor Lachen bescheren. Mit unglaublich viel Liebe zum Detail kreierte man die Mode, die Frisuren und die Möbel aus jener Zeit. Der Witz liegt darin, dass der Zuschauer - zumindest zum Zeitpunkt der Handlung bis zur Entstehung der ersten Staffel - gegenüber den Protagonisten geistig 22 Jahre voraus ist, was manche Gags dann noch absurder erscheinen lässt. Allein schon die Idee, eine klassische Sitcom über 20 Jahre in der Vergangenheit spielen zu lassen, verdient Respekt. Den Vogel schießt jedoch Red-Forman-Darsteller Kurtwood Smith ab. Smith, seit Jahrzehnten abonniert auf Bösewichte (er war der Killer Clarence Boddicker in "Robocop"), Unsympathische (er trieb in "Der Club der toten Dichter" seinen Film-Sohn in den Selbstmord) und Zwielichtige (als FBI-Agent in "Rambo III"), liefert eine dermaßen komische Vorstellung, dass man schon lachen muss, wenn er nur ins Bild kommt. Ihm gehören mit die besten Dialoge der Serie.

"Die wilden Siebziger" ist einfach nur spitze: bissiger Humor mit Hirn, gute Darsteller, präzises Dialog-Timing und ein paar ausgezeichnete Slapstick-Nummern. Die Serie ist bzw. war neben "Frasier", "Becker" und "Seinfeld" die beste Sitcom ihrer Zeit. Wer gerne viel lacht, muss diese DVD-Box einfach haben.


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