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Rezensionen verfasst von
Bernd Giehl
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Die Libelle
Die Libelle
von John le Carré
  Broschiert

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Den letzten Leser verschrecken, 20. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Libelle (Broschiert)
Manchmal sollte man wohl besser nicht nachsehen, was die Vorredner geschrieben haben. Das könnte einem selbst die klare Sicht verstellen. Oder es könnte einen verführen, ein paar Sterne mehr zu geben, als man sonst zu eben bereit wäre.
War das nun ein Eingeständnis? Ja, das war es. Ich habe nachgesehen. Ich habe mich davon überzeugt, dass dieses Buch im Schnitt unglaubliche 4 Sterne bekommen hat. Das kann nicht sein, sage ich mir. Das muss daran liegen, dass du mindestens ein Glas Demestica zu viel getrunken hast.
Aber es bleibt dabei. Auch noch beim zweiten Hinsehen. Vier Sterne im Durchschnitt. Immerhin fünf mal fünf Sterne vergeben. Aber jetzt bleibe auch ich dabei. Die Libelle" war das langweiligste Buch, das ich seit Jahren gelesen habe. Dabei handelt es von einem durchaus interessanten Thema. Es handelt von der (gewaltsamen) Indoktrinierung einer jungen linksliberalen Schauspielerin durch den israelischen Geheimdienst. Nach dreihundert Seiten (der Hälfte des Buches) ist der Führungsoffizier von Charmian (Charlie genannt), immer noch dabei, ihr eine neue (doppelte) Identität zu verleihen und sie damit zur (angeblich) arabischen Terroristin zu machen, die irgendwo in einem westlichen Land ein Sprengstoffattentat verüben wird. Ob sie es tun wird? Keine Ahnung. Vermutlich werde ich es nie erfahren. Wenn ich jemals einen Thesenroman gelesen habe, dann war es die Libelle". Israel ist gut, die arabischen Nationen (und vor allem die um einen eigenen Staat kämpfenden Palästinenser) die Israel bedrohen, sind abgrundtief schlecht. Ein palästinensischer Anschlag ist schlecht, ein israelischer ist gut.
Was, so frage ich mich, ist nur in Le Carré gefahren, dass er so billig argumentiert. Will er wirklich noch den letzten Leser verschrecken?
Aber wie ich sehe, gelingt es ihm nicht einmal mit einem derart plumpen Buch. Wenn ich könnte, würde ich dafür null Sterne geben.
Bernd Giehl
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 10, 2014 8:16 PM CET


Twelve
Twelve
Preis: EUR 7,49

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich kann sie stundenlang hören, 15. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Twelve (Audio CD)
Ich kann nicht behaupten, ein großer Musikkenner zu sein. Zumindest nicht, was den Rock/Pop Bereich anbelangt. Im Bereich der Klassischen Musik ist es etwas Anderes, aber von dem reden wir hier nicht. Ich weiß nicht einmal, ob Patti Smith nun eher Rockmusikerin ist oder Bluessängerin oder in welchen Bereich man sie einordnen kann. (Aber womöglich erfahre ich es ja durch eure Kommentare. Und überhaupt: man kann ja noch dazulernen. Sogar noch im gesetzten Alter von 57 Jahren.)
Ein Freund spielte mir die CD vor, und danach wusste ich: Die muss ich haben.
Es sind ganz unterschiedliche Songs, die Patti da aufgenommen hat. Und wie ich mittlerweile auch weiß, stammen sie von ganz unterschiedlichen Interpreten. Sie sind mal melancholisch und zart ("Helpless", "Pastime Paradise" "Within You, Without You") mal eher mit rauer und vielleicht sogar aggressiver Stimme vorgetragen. ("Gimme Shelter") Mal sind die Lieder sehr melodisch, mal eher monoton. Auf jeden Fall decken sie ein ganz unterschiedliches Spektrum menschlicher Gefühle ab.
Womöglich ist es ja gerade diese Mischung, die mich anspricht. Aber wie auch immer: Im Augenblick kann ich von dieser Musik nicht genug bekommen.


25. Jahrbuch der Lyrik: Die schönsten Gedichte aus 25 Jahren
25. Jahrbuch der Lyrik: Die schönsten Gedichte aus 25 Jahren
von Christoph Buchwald
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gelungener Überblick, 7. September 2010
Was erwartet man von einem Jubiläumsjahrbuch der Lyrik? Bescheiden, wie sie nun einmal sind, haben Herausgeber Christoph Buchwald und der S. Fischer Verlag den 25. Band des Jahrbuchs nicht Jubiläumsjahrbuch" genannt. Sie haben dem Buch nicht einmal eine Bauchbinde verpasst, die marktschreierisch darauf hinweist, dass hier ... Sie haben einfach nur die Zählung fortgesetzt.
Und doch ist dieses Jahrbuch anders als die vorangegangenen. Die älteren Ausgaben, die in meinem Bücherschrank stehen, haben noch einen Pappeinband. Wann es angefangen hat mit den Ausgaben in Leinen, weiß ich gar nicht. Nur, dass sie spätestens ab 2007, dem Jahr in dem dieses Jahrbuch erschien, alle einen Leineneinband tragen. Womöglich traut man der Lyrik ja mittlerweile eine etwas längere Haltbarkeit als zehn Jahre zu.
Aber das allein ist natürlich noch kein richtiges Kriterium für eine Rezension. Auch Wegwerfware kann man zwischen zwei Leinendeckel pressen.
Nun würde ich dem Buch ganz bestimmt keine fünf Sterne geben, wenn ich den Inhalt für Einwegprodukte halten würde. Das sind sie nicht. Im Gegenteil. Der Untertitel Die schönsten Gedichte aus 25 Jahren" ist sicher äußerst subjektiv, aber wenn ich so durch das Buch mit seinen etwas mehr als 400 Seiten blättere, dann denke ich: Besser hätten die Beteiligten nicht auswählen können. Aus jedem Jahrbuch" zwischen 1979 und 2006 sind zwischen drei und zehn Gedichte ausgewählt worden. 1982, '83 und `91 gab es offensichtlich keins; so kommt die Zahl 25 zustande. (Sonst wäre es geschummelt.)
Natürlich kann man um die 250 Gedichte nicht in einer Woche lesen. Insofern kann diese Rezension nur unvollständig sein. Aber die meisten Gedichte, die ich in diesem Band gelesen habe, haben mich angesprochen. Manche habe mir ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Viele der hier versammelten Lyriker kenne ich namentlich, von manchen stehen Gedichtbände in meinem Schrank. Andere habe ich neu entdeckt: Gerrit Bekker zum Beispiel, dessen Gedichte mich verzaubert haben. Andere, von denen ich gehört hatte, sie seien völlig unverständlich oder kreisten in ihrem eigenen Orbit (Thomas Kling) konnte ich durchaus mit einigem Genuss lesen. Wieder andere Autoren, die ich bisher nur als Erzähler kannte (Herta Müller, Matthias Politycki) habe ich als Lyriker wiederentdeckt. Dass man Gedichte auch zeichnen kann, ist mir hier zum ersten Mal begegnet. (Josef Anton Riedl, Valeri Scherstjanoi). Selbst Lyriker wie Oskar Pastior, die ich bisher nicht mochte, sind mir von diesem Band näher gebracht worden.
Natürlich gibt es auch Autoren, die einem fremd bleiben, aber auch das gehört dazu. Lyrik ist eben doch immer noch eine subjektive Sache, und womöglich auch gut so.
Alles in allem ein wunderbarer Band, in den ich immer wieder mit Vergnügen lese.


Du bist ich. Die Geschichte einer Täuschung. SZ-Bibliothek Band 67
Du bist ich. Die Geschichte einer Täuschung. SZ-Bibliothek Band 67
von Joan Aiken
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Selbst schuld, 20. Juli 2010
So auf Seite 50 angelangt, als Alvey, die Amerikanerin aus Neu England, die sich als Louisa ausgibt und auf das Gut der Winships gereist ist, um dort als Louisa" zu leben, während die richtige Louisa unterwegs mit dem Schiff nach Indien ist, als also die falsche Louisa, die jetzt Emmy genannt werden will, so nach und nach ihre jüngeren Geschwister kennenlernt, die Meg und Trish, Tot und Parthe heißen, dazu ihre "Eltern", Lord und Lady Winship, weiterhin unzählige Dienstboten, von denen man sich eigentlich nur Annie Herdman merken kann, weil deren kleiner Sohn im Löwenteich ertrinkt, wenn man also auf Seite 50 angelangt ist, und immer noch nicht weiß, warum man dieses Buch nicht längst schreiend in den Kamin geworfen hat, wo ein lustiges Feuer prasselt - kurzum, wenn man auf Seite 50 angekommen ist, und noch nicht vor Langeweile gestorben ist, dann denkt man, jetzt könnte eigentlich Emma" aus Jane Austens "Pride and Prejudice" auftreten. Und ihre Schöpferin gleich noch dazu. Die anwesenden Damen könnten die Herren ins Rauchzimmer schicken und dann über Brusttücher und Volants, über Rüschen und Schleppen parlieren, bis es dunkel wird. Und man selbst würde sich mit den anwesenden Herren ins Jagdzimmer begeben, dort ein paar große Gläser Single Malt Whisky trinken und den Gesprächen lauschen, die sich um Grundbesitz und Skandale, um die bevorstehende Jagdsaison und die Frage, wer demnächst die meisten Sauen zur Strecke bringt, drehen. Und wenn man dann genug Whisky intus hat, kann man ja überlegen, ob man sich schnurstracks ins Bett begeben oder noch einen weiblichen Dienstboten dazu holen und ihr die Röcke heben soll.
Das nämlich wäre bestimmt viel angenehmer, als weiterhin Joan Ankens Buch "Du bist Ich" zu lesen.
Wer aber jetzt, trotz eindringlicher Warnung von Seiten des Rezensenten, immer noch wissen will, ob es Alvey gelingt, als Emmy bei den Winships zu leben und als Louisa durchzugehen, dem ist wirklich nicht zu helfen. Aber möglicherweise ist das ja der Initiationsritus für wirklich schwere Kost. Für Hanns Henny Jahnns "Fluss ohne Ufer" oder für Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften". Wobei ich natürlich im Voraus alle Jahnn- und Musil-Verehrer um Verzeihung bitte. Verglichen mit "Du bist ich" ist "Fluss ohne Ufer" der reinste Thriller.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 10, 2011 12:05 PM CET


Der Nazi & der Friseur. Roman
Der Nazi & der Friseur. Roman
von Edgar Hilsenrath
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine einzige Enttäuschung, 3. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Nazi & der Friseur. Roman (Taschenbuch)
Nein, ich mag dieses Buch nicht. Auch wenn es von von vielen Rezensenten gelobt wird. Vielleicht bin ich ja im Irrtum. Aber solang mich niemand eines Besseren belehrt, behaupte ich: Dieses Buch ist schlecht geschrieben. Und es verfehlt das Thema.
Natürlich kann man darüber streiten, ob man über den Holocaust, den Mord an sechs Millionen Juden, überhaupt schreiben kann. Über etwas, was so unvorstellbar ist. Natürlich gab es immer wieder Versuche, das Unbeschreibliche doch irgendwie einzufangen. Aber so, wie Hilsenrath es hier tut, hat es wohl keiner vor oder nach ihm gewagt. Den Massenmord aus der Sicht eines Täters zu beschreiben, der sich schließlich in ein Opfer verwandelt.
Was mich an dem Buch vor allem stört, ist aber nicht die Frage, ob man so etwas darf. Da Edgar Hilsenrath selbst Jude ist, und die Vernichtungslager am eigenen Leib erfahren hat, hat er auch das Recht, die Perspektive so zu wählen, wie er es tut. Aber für mich bleibt die Hauptperson, der Friseur und Massenmörder Max Schulz, der sich nach dem Krieg in den Juden Itzig Finkelstein verwandelt, völlig leblos. Er ist nichts als die These seines Autors, dass jeder Mensch dazu fähig wäre, solche Gräuel zu begehen. Max Schulz hat keinerlei Gefühle. Schlimmer noch: Er hat nicht einmal eine Persönlichkeit. Er kann genausogt SS-Mann wie Jude sein. Ja, gegen Ende des Buches träumt er sogar von Groß-Israel. Warum sollte er sich nicht auch noch in einen Palästinenser verwandeln, dem man sein Land raubt?
Das Merkwürdige ist: Hilsenrath kann auch anders. Sein Buch "Das Märchen vom letzten Gedanke" über den Massenmord der Türken an den Armeniern gehört für mich zu den besten und ergreifendsten Büchern, die ich je gelesen habe. Weil ich den "Letzten Gedanken" kannte, las ich schließlich auch seinen älteren Roman "Der Nazi und der Friseur". Hätte ich es doch bleiben gelassen. Dieses Buch war eine einzige Enttäuschung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 31, 2010 12:33 PM MEST


Mimikry: Roman
Mimikry: Roman
von Astrid Paprotta
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wer nicht hören kann, muss fühlen, 29. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Mimikry: Roman (Gebundene Ausgabe)
Irgendwie ist Ina Henkel der Instinkt abhanden gekommen, den jeder Kriminalist und jede Kriminalkommissarin braucht, um zu überleben. Der Mörder (oder muss ich hier ebenfalls politisch korrekt sein?) von Martin Fried und Julia Bischof tänzelt ständig vor ihrer Nase herum, aber sie übersieht ihn konsequent und sucht ständig in der falschen Richtung. Vielleicht war es ja doch der schwule Nachbar der Bischof, der diese auffälligen Lederklamotten trägt. Beide Opfer waren Gäste in einer jener unsäglichen Vormittagstalkshows, wo im Halbstundentakt alles Leid dieser Welt durchgehechelt wird. Gabriel Mosbach heißt der Talkmaster und in einem früheren Leben hat er einmal Theologie studiert. Ein Theologe als Todesengel, der Menschen von ihrem Leid erlöst; wenn das mal keine heiße Spur ist ... Aber der Mörder will gefunden werden, und je länger es dauert, desto wütender wird er. Oder - nein, es muss jetzt endlich raus: der Mörder ist eine Mörderin. Ja, Freunde, das Leben ist hart und es hat Geduld mit uns, aber nicht ewig; denn irgendwann ist es zu spät. Und die Mörderin, von der wir schon lange wissen, dass sie es ist, tut doch wirklich alles, um von der Kommissarin gefunden und schließlich aus ihrem grauen und unscheinbaren Leben erlöst zu werden. Sie kauft sich die gleichen Kleider, die Ina Henkel trägt, sie besorgt sich das Parfum, das die Kommissarin auflegt, aber unscheinbare Menschen übersieht man selbst dann, wenn sie direkt vor einem stehen. Am Ende hat man das Gefühl, dass Astrid Paprotta jenen schlimmen Satz, der so vielen von uns in ihrer Kindheit eingebläut wurde: "Wer nicht hören kann, muss fühlen" ihrer Kommissarin Ina Henkel förmlich auf den Leib schreibt und zwar auf die gleiche furchtbare Weise, wie das in Kafkas Erzählung In der Strafkolonie" passiert. Nicht die Kommissarin lockt die Täterin in die Falle, sondern es passiert umgekehrt, und dann dauert es furchtbare dreißig Seiten lang, bis der ungleiche Kampf endlich entschieden ist. Und es sind genau diese letzten dreißig Seiten, die den Höhepunkt dieses Buches bilden. Bis dahin war eigentlich fast alles voraussehbar, aber dann weiß man nicht, ob Ina Henkel mit dem Leben davonkommt oder nicht. Man weiß es nicht und will es doch wissen und deshalb liest man immer weiter, obwohl die Handlung selbst für einen abgebrühten Leser nur schwer erträglich ist.
Das Buch hat Längen und manchmal ist es schwer erträglich, weil es die Leere im Zentrum, die man von sich selbst kennt, so mimikrymäßig gut beschreibt, aber die Art wie der Knoten geschürzt und schließlich durchtrennt wird, ist so gut, dass man Astrid Paprotta auch die Längen und sogar das Eindringen in unser Leben verzeiht, das wir ihr keinesfalls erlaubt haben.


Der Doppelgänger
Der Doppelgänger
von José Saramago
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine Chance, den Kasper zu warnen, 8. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Doppelgänger (Taschenbuch)
Es dauert eine Weile, bis man sich an den Stil dieses Buches gewöhnt hat. José Samarago ist keiner dieser Autoren, der einfach nur eine Geschichte erzählt. Von vorn bis hinten oder von hinten nach vorn, das spielt eigentlich keine große Rolle. Nein, Samarago ist ein Autor, der reflektiert, was er da gerade erzählt, und der den Leser großzügig an diesen Reflexionen teilhaben lässt. Dazu bedient er sich eines ziemlich schrulligen und meist auch furchtbar umständlichen Erzählers, der dem Leser noch einmal ausführlich mitteilt, was dieser sich ohnehin schon gedacht hat. Und als ob das nicht genug wäre, lässt Samarago seiner Hauptfigur, dem Geschichtslehrer Tertuliano Maximo Alfonso, auch noch sein Alter Ego, den gesunden Menschenverstand" begegnen, der Tertuliano vor dem warnt, was er als nächstes tun wird. Was ungefähr ebenso viel bewirkt, als wenn Eltern ihre pubertierenden Kinder davor warnen, Alkohol auf der nächsten Party zu trinken.
Ich gebe zu, dass ich mich manchmal über diesen pedantischen Erzähler geärgert habe. Kaum hat man sich in die tatsächlich spannende Handlung eingelesen, tritt er schon wieder aus dem Hintergrund hervor und überlegt, welche schlimmen Folgen es haben könnte, wenn unser Held Tertuliano, nun dieses oder jenes tut. Irgendwie schien er ausgestorben. Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts zu Grabe getragen, Oder spätestens mit Serenus Zeitblom, dem ebenfalls ziemlich pedantischen Erzähler aus Thomas Manns "Dr. Faustus" das Zeitliche gesegnet zu haben. Wie man sich doch täuschen kann. Nun gut, ich gebe zu, ich habe ihn auch einmal in ähnlicher Form benutzt, in dem wahrscheinlich längst verschollenen Roman "Leonie - oder was geschah wirklich. Roman in zweieinhalb Fassungen" (1998), der ja sicher zu Recht verschollen ist, (siehe oben), aber von Jugendsünden, wie überhaupt von Dingen, die so lange zurückliegen, wollen wir hier nun wirklich nicht reden.
Aber zurück zur Handlung. Über die ich ja bisher noch beinah kein Wort verloren habe. Dabei ist es eine wirklich bemerkenswerte Handlung, die sich aus einem einzigen Gedanken heraus entwickelt. Dem Gedanken nämlich, was wäre, wenn es einen Menschen gäbe, der mir absolut gleich ist. Nicht nur eine zufällige Ähnlichkeit in Gesicht und Statur; nein eine völlige Gleichheit bis in Stimme und Schrift und bis in die Narben hinein, die man sich im Lauf eines Lebens mehr oder weniger zufällig erworben hat.
Das gibt es nicht, sagen Sie? Völlig ausgeschlossen? Ganz so ausgeschlossen kann es nicht sein; schließlich gibt es ja das Phänomen der eineiigen Zwillinge. Nun sind Tertuliano Maximo Alfonso und Antonio Claro, der Doppelgänger des Geschichtslehrers, aber aller Wahrscheinlichkeit nach keine eineiigen Zwillinge, es sei denn, Tertulianos Mutter, die im Roman auch ein paar kleine Auftritte hat, ist noch dämonischer als der Autor. Jedenfalls sagt sie nichts von einem Zwilling. Andererseits ist Antonio Claro nicht nur am selben Tag und (fast) zu derselben Stunde geboren wie Tertuliano Maximo Alfonso, sondern beide sehen auch völlig gleich aus.
Was also, so scheint der Autor zu fragen, was also passiert, wenn zwei Menschen, die völlig gleich sind, einander durch Zufall begegnen und dabei erfahren, dass sie eben nicht einzigartig sind, sondern einer des anderen Kopie? Wie wirkt sich diese Erkenntnis dann auf das Leben dieser Menschen aus?
Nun könnte man eine solche Begegnung natürlich ganz leicht arrangieren. Der Autor müsste die beiden nur zur selben Zeit in einen Park schicken oder in ein Kaufhaus. Aber Samarago macht es geschickter. Und natürlich auch komplizierter. Er lässt den Geschichtslehrer Tertuliano Maximo Alfonso mit seinem Kollegen von der Mathematik zusammentreffen und dem Kinoverächter einen Film empfehlen, der ihn angeblich aufheitern solle. Tertuliano holt sich den Film auch tatsächlich aus einer Videothek und dann entdeckt er in einem Hotelportier, der nur ein paar Sekunden lang auftritt, einen Menschen, der ihm aufs Haar gleicht. Dieser Zufallsfund beschert dem Lehrer nicht nur eine schlaflose Nacht, sondern er bringt ihn auch dazu, sich auf die Spur dieses Komparsen zu setzen und nicht zu ruhen, bis er ihn gefunden hat. Selbstverständlich gestaltet sich die Suche nicht gerade einfach. Und wenn man will, kann man spätestens an dieser Stelle ein paar dünne Stellen im Gewebe der Erzählung feststellen, denn die Idee, auf die der Lehrer kommt, um sein Alter Ego zu finden, ist so verwegen, dass man sich fragt, ob es wirklich funktioniert. Er leiht also in der Videothek sämtliche Filme der Firma aus, die den Film produziert hat, den Tertuliano gesehen hat. Unnütz zu fragen, ob irgendeine Videothek auf der Welt in der Lage wäre, eine Suche nach solchen Kriterien zu starten. Vor allem in einer Zeit, in der der PC noch nicht so verbreitet war wie heute. Und ebenfalls unnütz zu fragen, ob Filmproduktionen wirklich immer mit denselben Komparsen arbeiten, die einmal einen Portier und ein anderes Mal einen Feuerwehrmann oder einen Detektiv spielen. Aber selbst wenn auch das gegeben ist, ist es doch sehr zweifelhaft, ob der Name jedes einzelnen Komparsen im Abspann genannt wird. Aber natürlich kann man sagen, was man will; es ist der Autor, der einen Roman gestaltet und entscheidet, ob seine Figur nach rechts geht oder nach links; ob sie Erfolg hat oder scheitert. Während der Autor wiederum ganz unschuldig tut, indem er seinen Erzähler in Marsch setzt, der wiederum uns - die Leser - darüber informiert, dass Tertuliano auf einem gefährlichen Weg ist und nicht weiß, was er mit seinen Handlungen auslöst. Aber wir sind ja nicht im Kasperletheater und können den Kasper infolgedessen nicht vor der Hexe oder dem Krokodil warnen. Aber der Autor hat ja noch den "gesunden Menschenverstand", der den Lehrer an irgendeiner Ecke abpasst und ihn warnt, weiter auf seinem verhängnisvollen Weg zu gehen. Ja, um der Wahrheit die Ehre zu geben, lässt der Autor sogar Tertulianos Mutter vom "Trojanischen Pferd" reden, das ihr Sohn gerade in die Stadt ziehen will, und der wiederum nennt seine Mutter eine "Kassandra". Also kurz und gut: es hilft alles nichts und der Lehrer rennt (mehr oder weniger) sehenden Auges in sein Unglück. Dazu bedarf es wiederum der Mithilfe des Autors, der es nicht nur arrangiert hat, dass Tertuliano schließlich den Namen seines Doppelgängers herausfindet, sondern dass dieser Doppelgänger zufällig - zufällig? - auch noch in der gleichen Stadt wohnt. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf, angeschoben durch Tertuliano und zum Höhepunkt gebracht durch seinen Doppelgänger. Manchmal könnte man schon glauben, die Götter der griechischen Tragödie führten hier Regie; so konsequent laufen da zwei in den eigenen Untergang und ziehen auch andere mit.
Nun gut. Man muss den Menschen nicht so pessimistisch sehen. Aber wenn man sich darauf einlässt, ist es alles in allem ein lesenswertes und spannendes Buch. Selbst wenn ich mir an der einen oder anderen Stelle ja tatsächlich gewünscht hätte, der Erzähler möge sich ein wenig kürzer fassen.


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4.0 von 5 Sternen Macht das Spiel nicht schlechter, als es ist, 22. Oktober 2009
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Also ich weiß nicht - so schlecht wie es hier teilweise gemacht wird, ist das Spiel doch gar nicht. Gut, das mit der Steuerung ist wirklich gewöhnungsbedürftig, weil die Figuren sich ja tatsächlich immer um 90 Grad drehen und man manchmal auch andere Drehungen bräuchte. Auch die ellenlangen Vorbereitungen bis man endlich mal spielen kann, sind nicht gerade das, was man sich wünscht. Aber zumindest für mich als Gelegenheitsspieler ist das Spiel ganz schön herausfordernd und ich werde wohl noch einige Zeit brauchen, bis ich durch bin. Und die Grafik ist wirklich schön.
Fazit: Ich mag dieses Spiel.


Die im Dunkeln sieht man doch. SZ Krimibibliothek Band 34
Die im Dunkeln sieht man doch. SZ Krimibibliothek Band 34
von Barbara Vine
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein fast schon geniales Buch, 21. August 2009
Eigentlich ist die Konstruktion genial. Eigentlich. Allein schon der Anfang: Die Hauptperson, um die es geht, ist schon lange tot. Aber das ist es nicht, was diese Konstruktion so genial macht. Alle wissen im Voraus an welchem Tag und zu welcher Minute sie sterben würde. "Mit den Füßen voran durch den Boden, in einen leeren Raum." Man muss schon ein paar Augenblicke nachdenken, bis der Schock einsetzt: Die, von der hier die Rede ist, Vera Hillyard, ist gehängt worden. Wegen Mordes gehängt, aber ist nicht die Todesstrafe selbst staatlich sanktionierter Mord?
Aber das ist es noch nicht allein. Wie das Buch enden wird, weiß man schon im ersten Kapitel. Aber wen Vera Hillyard, die Tante der Erzählerin Faith ermordet hat, das wird erst sehr spät klar. Irgendwann ahnt man es, aber auch auf die Bestätigung der Ahnung muss man lange warten. Und erst recht wartet man auf die Enthüllung des Mordmotivs. Es geht um ein Kind und eine Schwangerschaft und bis zuletzt überlegt man, ob es wirklich so sein kann, aber dann ruft man sich die Umstände der Zeit, in der die eigentliche Handlung spielt, ins Gedächtnis und denkt: Ja es wäre möglich.
Allerdings ist das auch Barbara Vines erstes Buch. Ruth Rendell hat den Roman Mitte der achtziger Jahre als ersten unter dem Pseudonym "Barbara Vine" geschrieben. So hat dieser Roman neben seinen großen Stärken auch deutliche Schwächen. Die schlimmste ist, dass es ungeheuer viele Nebenfiguren - und Nebenhandlungen - gibt. Viele von ihnen werden im letzten Drittel wichtig, aber bis dahin fragt man sich, wer Chad Hamner oder selbst Jamie, der später eine der Hauptrollen spielen wird, denn nun eigentlich sei. Das ist der Preis dafür, dass die Autorin die Geschichte von ihrem Ende her erzählt. Diese Technik hat sie zumindest in ihrem ersten Buch von Barbara Vine noch nicht beherrscht. Ob sie es später noch einmal besser hinbekommen hat, weiß ich allerdings nicht.


The Rottweiler
The Rottweiler
von Ruth Rendell
  Audio CD
Preis: EUR 16,55

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Man weiß es schon früh, 21. August 2009
Rezension bezieht sich auf: The Rottweiler (Audio CD)
Wenn einer nun nicht genau läse, wenn er - sagen wir - die letzten hundert Seiten einfach überspringen würde - und erst wieder das letzte Kapitel läse, nicht wahr, dann könnte er doch auf die Idee kommen, dies sei eine Komödie und alles gehe mehr oder weniger gut aus? Inez, die Besitzerin des Antiquitätenladens, in deren Haus sich ein Großteil der Handlung abspielt, findet doch noch einen Mann, was sie sich nie hat vorstellen können, weil sie doch so sehr um ihren verstorbenen Mann, einen Filmschauspieler trauert; Becky, die so sehr von Schuldgefühlen geplagt ist, weil sie auch noch ein Leben haben will, in dem sie nicht permanent an ihren geistig zurückgebliebenen Neffen Will denken will, nimmt diesen nun endlich bei sich auf und erfüllt ihm damit seinen sehnlichsten Herzenswunsch, Zeinab, alias Suzanne, die nicht nur einen sondern gleich drei Liebhaber hat, darunter einen, mit dem sie zwei Kinder gezeugt hat, heiratet nun endlich ihre große Liebe und kann das Geld, das sie von den anderen beiden bekommen hat, behalten. Freddy findet endlich seinen Arbeitsplatz in Inez' Laden und wird seine Einkünfte natürlich nicht beim Sozialamt angeben, von dem er auch weiterhin Unterstützung beziehen wird. Und selbst für Jeremy Quick, alias Alexander Gibbons, alias "The Rottweiler", der drei junge Frauen erwürgt hat, gibt es noch so etwas wie ein Happy End, weil er nämlich nicht lebenslang in den Knast muss, sondern von einem Polizeibeamten erschossen wird, wie er es vorausgeplant hat.
Eigentlich ist also alles in bester Ordnung. War da sonst noch was? Ach ja, die Morde an den drei jungen Frauen, die alle vom "Rottweiler" erdrosselt wurden. Mit diesem Namen tut Jeremy Quick, auch er ein Mieter in Inez' Haus, sich schwer. Angeblich hat er sein erstes Opfer gebissen. Ruth Rendell führt den Leser schon sehr früh auf Jeremys Spur. Er nimmt teil an den quälenden Versuchen Jeremys, hinter das Motiv zu kommen, das ihn dazu gebracht hat, drei junge Frauen zu erdrosseln, die er nicht kannte. Und er ist auch beteiligt, als der Einbruch in Inez' Haus von Anwar, einem Bekannten von Freddy und dessen Freunden geplant wird. Nur dadurch kommt die eigentliche Handlung, Jeremys Erpressung und alles, was daraus folgt, ja überhaupt erst in Gang. Nur weil Jeremy Gegenstände der ermordeten Frauen in seinem Tresor aufbewahrt hat, kommen Anwar und seine Kumpane überhaupt auf seine Spur. Was schließlich dazu führt, dass sich die Schlinge um Jeremy immer mehr zuzieht.
Ein ungewöhnlicher Krimi. Bis zuletzt weiß man nicht, was der Autorin nun wichtiger ist: Das Motiv für die Morde oder das seltsame Zusammenleben all dieser so unterschiedlichen Personen und ihre manchmal quälenden Verflechtungen, aus denen sie sich nicht befreien können und es manchmal auch gar nicht wollen.
Es ist dieses Nebeneinander von kleinen Konflikten, kleinem Glück und ziemlicher Normalität auf der einen Seite und dem Zwang zu töten auf der anderen Seite, was dieses Buch ausmacht. Gewiss hat Ruth Rendell auch andere Krimis geschrieben, in denen das Verhängnis so unnachsichtig seinen Lauf nimmt, dass der Leser schon fast nicht mehr zu atmen wagt. Hier ist es anders. Zwischendurch kann man auch wieder an das ganz normale Leben glauben und sich in ihm wiederfinden. Ist das eine nun besser als das Andere? Ich glaube nicht. Ruth Rendell zeigt in diesem Buch eigentlich nur, wie vielschichtig sie als Autorin sein kann.
Ein Buch also, das gut und gern vier Sterne verdient hat.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 29, 2011 10:42 PM CET


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