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Rezensionen verfasst von
Tom Sawyer (Freiburg)

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Maß und Zeit: Entdecken Sie die neue Kraft der klösterlichen Werte und Rituale
Maß und Zeit: Entdecken Sie die neue Kraft der klösterlichen Werte und Rituale
von Wilhelm Schmid-Bode
  Gebundene Ausgabe

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wegweiser zur (Rück-)Besinnung auf das Wesentliche, 7. Dezember 2008
In der Tat gibt es viel zu entdecken in diesem Buch, und das geht weit über das Kloster hinaus. Eigentlich geht es sogar viel weniger um Klöster, als der Titel vermuten läßt. Es geht vielmehr darum, Werte, die in eigentlich allen großen Religionen verankert sind, neu zu entdecken und Wege zu finden, sie in der heutigen Zeit zu leben. Das ist gut gemacht und interessant geschrieben. Es werden nicht nur die Weltreligionen bemüht, auch die Naturwissenschaften, die Philosophie und die Psychologie. Es ist durchaus interessant, z.B. von wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber zu erfahren, welche Auswirkungen Meditation auf die Funktionsweise unseres Gehirns haben kann.

Ein Buch mit sehr viel Praxisbezug. Interessant und hilfreich, wenngleich nicht durchgängig gelungen, sind die praktischen Übungen zu Demut, Askese, Maßhalten, Bedürfnislosigkeit, Stille und Schweigen, Wachsamkeit, Arbeit, Gehorsam, Gemeinschaft, Ritualen, Gebet und Entscheidungsfähigkeit. Hier offenbart sich aber auch ein wesentlicher Mangel: Werte sind nicht ausschließlich individuelle Werte - und können somit nicht ausschließlich individuell eingeübt und noch viel weniger rein individuell ausgeübt werden. Nicht zuletzt bezieht sich der Autor ja auf in einer Gemeinschaft (Kloster) gelebte Werte. Insofern sind nicht alle praktischen Übungen wirklich überzeugend. Die Diskussion über die gesellschaftliche Einbettung von Werten fehlt eben - ist aber auch einfach nicht Thema des Buches.

Dennoch handelt es sich keinesfalls nur um eine Ansammlung von guten Ratschlägen oder gar Lebensberatung. Es ist wohl mehr eine Anregung zum Nachdenken und Überdenken. Es will helfen bei der Suche, nicht vorgefertigte Antworten geben oder bekehren.


Lächle deinem eigenen Herzen zu: Wege zu einem achtsamen Leben
Lächle deinem eigenen Herzen zu: Wege zu einem achtsamen Leben
von Judith Bossert
  Taschenbuch

17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erfülltes Leben heißt achtsam sein, 9. November 2008
Hier ist mal ein Buch, das von einem Buddhisten für Nicht-Buddhisten geschrieben wurde. Es führt uns an die Grundlage buddhistischen Denkens heran. Richtiges, bewußtes Atmen. Achtsamkeit in allem, was wir tun. Vorurteilsfreies Denken, Mitgefühl, Leere. Ein Buch, das uns abwendet von Hektik und Getriebensein und hinwendet zu den wesentlichen Dingen. Ziel ist es dabei nicht, die Leser den Buddhismus verstehen zu lassen, sondern ihnen eine andere Sicht der Welt und dessen, was in dieser Welt wichtig ist, zu vermitteln. Es macht neugierig, mehr zu erfahren über den Buddhismus. Vor allem aber macht es Lust, auszuprobieren, was hier empfohlen wird. Man fängt quasi bereits während der Lektüre an, langsamer und bewußter zu atmen, ruhiger zu werden. Und wird ganz unmittelbar aufnahmefähiger für die Inhalte dieses Buches. Faszinierend.


Karaoke Capitalism: Managing for Mankind (Financial Times Series)
Karaoke Capitalism: Managing for Mankind (Financial Times Series)
von Jonas Ridderstrale
  Broschiert
Preis: EUR 24,43

5.0 von 5 Sternen Business auf den Punkt gebracht, 19. Oktober 2008
Ridderstrale and Nordström sind klar und deutlich, witzig, laut und provokant: Wer nur mitsingt, wird kein Superstar. Das gilt für Individuen, Firmen und Nationen. Ausgehend von einer Analyse der heutigen Welt - Globalisierung, Individualisierung, Entmonopolisierung von Information, immer stärkere Spezialisierung und somit immer höherer Stellenwert von Wissen - zeichnen sie ihr Bild von den Gewinnern von morgen.
Das ist nicht nur logisch, es hat auch Charme und ist wortgewaltig vorgetragen. In einer Welt, in der Informationen und Waren im Prinzip allen zugänglich sind, hat der die Macht, der diese Informationen zu nutzen weiß. Der Konsument, der Preisvergleiche im Internet anstellt, wie das Unternehmen, das Talente, Wissen und Kompetenz dort zu nutzen weiß, wo es sie findet. Wer in einer globalisierten Welt gewinnen will, muß global mitspielen. Verteilte Strukturen und Kompetenzen, Entbürokratisierung und Dezentralisierung sind angesagt. Individuelle Kompetenz, individuelle Motivation und Begeisterung zählen.
In einer Welt, in der Informationen im Prinzip allen zugänglich sind, sind Fakten zwar noch Begleiterscheinungen bei der Entscheidung für ein Unternehmen (egal ob als Arbeitnehmer oder Kunde) oder ein Produkt. Was jedoch zählt, den entscheidenden Unterschied macht, sind die Emotionen. Werte. Führungspersönlichkeit.
Dieses Buch hat nicht den one-size-fits-all approach, der jedem hilft. Es ist nicht das klassische Business Buch. Eher ein Reiseführer voller flotter Sprüche, der uns erklärt, wie die Welt funktioniert und uns zeigt, wo die spannendsten Sehenswürdigkeiten, die schönsten Orte sind. Es macht Schluß mit Benchmarking und Best Practices. Nicht im Mittelmaß, sondern in den Extremen liegt die Lösung. Im High End wird das Geld verdient, oder im Low End. Aber nicht dazwischen. Und ohne Emotionen, ohne Werte, ohne Kultur - geht gar nichts.


Der Weg zum sinnvollen Leben: Das Buch vom Leben und Sterben (HERDER spektrum)
Der Weg zum sinnvollen Leben: Das Buch vom Leben und Sterben (HERDER spektrum)
von Jeffrey Hopkins
  Taschenbuch

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Etikettenschwindel, 18. Oktober 2008
Der Herausgeber weiß sehr wohl, daß der Dalai Lama heute nicht nur Buddhisten anspricht - und insofern wird hier ganz bewußt über den eigentlichen Inhalt des Buches hinweggetäuscht. Hier ist ausschließlich vom Sterben die Rede, nicht vom Leben. Gut, Leben und Sterben gehören zusammen. Aber das Buch deshalb "Der Weg zum sinnvollen Leben" zu nennen, geht dann vielleicht doch ein wenig zu weit. Eine Anleitung für ein sinnvolles Leben im Hier und Jetzt habe ich jedenfalls nicht zu finden vermocht.
Man möge mich nicht falsch verstehen: Für Buddhisten mag dieses Buch wichtig und gut sein. Als Nicht-Buddhist kann ich das kaum beurteilen.
Jedoch scheint der Herausgeber hier auf billige Art und Weise zu versuchen, seinen Leserkreis zu erweitern. Billig auch in dem Sinn, daß die Übersetzung insgesamt wenig vorteilhaft und an manchen Stellen äußerst holprig erscheint.
Insgesamt enttäuschend.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 4, 2012 6:18 PM CET


Globalisierung: Politische, ökonomische und kulturelle Herausforderungen
Globalisierung: Politische, ökonomische und kulturelle Herausforderungen
von Helmut Schmidt
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seiner Zeit noch immer voraus, 12. Oktober 2008
Es ist vermutlich alles bereits gesagt über Helmut Schmidt. Über welch beeindruckende Weitsicht und Einsicht er verfügt, wird besonders heute offenbar, fast 10 Jahre nach Erscheinen dieses Buches. Die Gefahren und Herausforderungen der Globalisierung sind nicht nur zutreffend und prägnant beschrieben, es sind auch die Folgen vorgezeichnet - mit anderen Worten: vieles von dem, was wir heute erleben: Finanzkrise, Terror und mangelnde Toleranz, vom globalisierten Fernsehen abgestumpfte Massen, Reformierungsbedarf der sozialen Sicherungssysteme, Reformierungsbedarf der Universitäten, notwendige Rückbesinnung auf die Balance von Rechten und Pflichten. Man konnte es bereits vor 10 Jahren hier lesen! Die besondere Leistung dieses Buches liegt - aus heutiger Sicht - nicht in seinem Inhalt, sondern in dem Zeitpunkt, zu dem dieser Inhalt veröffentlicht wurde. Vor wenigen Wochen noch glaubten viele an das freie Spiel der Kräfte, während hier schon vom Raubtierkapitalismus zu lesen ist! Unglaublich, beeindruckend einerseits - peinlich, blamabel, beschämend sowohl für die gesamte politische Klasse als auch die aufgeklärten Bürger andererseits.


Japan-Knigge für Manager
Japan-Knigge für Manager
von Diana Rowland
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das rechte Maß, 21. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Japan-Knigge für Manager (Taschenbuch)
Das Buch bietet einen guten Einstieg für alle, die zum ersten Mal mit einem japanischen Unternehmen zu tun haben. Es ist fundiert, gut geschrieben, informativ, gibt sowohl Ratschläge für konkrete Situationen als auch einen vernünftigen Hintergrund. Für die sehr Gewissenhaften gibt es genügend Details zur Vorbereitung, ebenso aber gibt es genügend allgemeine Hinweise, die zunächst ein grundlegendes Verständnis für die Unterschiede schaffen. Die Details muß man vermutlich eher beherrschen, wenn es um komplett neue Geschäftsanbahnungen geht, weniger, wenn es um die Pflege bestehender Beziehungen geht. Aber natürlich kann man mit Detailkenntnissen immer punkten.

Viele Japaner, mit denen ich zu tun habe, haben schon im Ausland gelebt und sind daher durchaus etwas lockerer, auch wenn man das gewiss nicht überschätzen darf. So fand ich das Buch vornehmlich hilfreich, um mich auf das Land einzustimmen, weniger, um in bestimmten Situationen zurechtzukommen.

Alles in allem hat die Autorin m.E. genau das rechte Maß gefunden. Nicht zu lang, nicht zu detailliert, immer am Nutzen orientiert, und doch nicht oberflächlich, sondern kenntnisreich und überzeugend.


Mein Jahr als Mörder
Mein Jahr als Mörder
von Friedrich Christian Delius
  Taschenbuch

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Früher war eben doch nicht alles besser, 13. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Mein Jahr als Mörder (Taschenbuch)
Es ist schon erstaunlich, wieviel Erschreckendes und Beschämendes aus drei verschiedenen Zeitabschnitten im letzten Jahrhundert deutscher Geschichte hier zutage tritt: Das Grauen der Nazizeit, personifiziert in der Person des im Nachkriegsdeutschland rehabilitierten Nazirichters, aber auch das Leiden der "Anständigen" und ihr Widerstand; die maßlose Ignoranz, Arroganz und Intoleranz der Nachkriegszeit und schließlich der Gesinnungskrieg der 68er.
Natürlich erklärt sich das eine mit dem anderen. Aber all dem gemeinsam ist deutsche Prinzipientreue ohne Augenmaß und Toleranz, Obrigkeitshörigkeit und Angst vor dem Fremden, egal ob in Form anders Denkender, anders Frisierter oder anders Handelnder.
Vor allem aber belegt das Buch dann doch, welche ungeheuren Fortschritte in Liberalität und Demokratie diese Republik im Grunde erst seit der Amtszeit Willi Brandts gemacht hat. Das steht nirgendwo explizit, ist aber doch eine Botschaft, die sich mir jedenfalls aufgedrängt hat.
Wie all diese Botschaften in die Geschichte eines 68er Studenten verwoben werden, ohne künstlich, konstruiert, abgehoben oder akademisch zu sein, sondern authentisch, interessant und teilweise spannend, ist die wirkliche Leistung dieses Buches.
Empfehlenswert für jeden, der mehr wissen möchte über die jüngere deutsche Geschichte. Empfehlenswert vor allem für jene "Wertkonservativen", bei denen sich heute die Erkenntnis einschleicht, die 68er seien schuld an so vielen Übeln der heutigen deutschen Gesellschaft. Ich jedenfalls bin froh, erst danach erwachsen geworden zu sein.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 29, 2012 1:19 AM MEST


The Soul of a Butterfly: Reflections on Life's Journey
The Soul of a Butterfly: Reflections on Life's Journey
von Muhammad Ali
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zuviel Allah, zu wenig Ali., 13. Juli 2008
Na ja. Ali mag der Greatest of All Times sein, der größte Schriftsteller ist er nicht. Der größte Selbstbeweihräucherer vermutlich. Wir erfahren von Ali persönlich, wie gut und selbstlos, fromm und wohltätig, liebevoll und warmherzig er ist. Nicht daß einige Einsichten und Äußerungen nicht gut, richtig oder gar weise wären. Aber sind sie von ihm?

Ali ist unzweifelhaft ein großer Sportler. Seinen Mut, seinen Willen und sein Charisma kann, muss man bewundern. Auch die Art und Weise, wie er mit seiner Krankheit umgeht. Unzweifelhaft ist er ein gläubiger Mensch. Und vermutlich kann - könnte - seine Geschichte vielen Menschen Kraft geben, aber bei allem Respekt, da hätte er doch besser einen ordentlichen Ghostwriter genommen. Das ist einfach zu platt, literarisch zu uninspiriert, zu wenig Geschichte, zuviel Predigt. Zuviel Allah, zu wenig Ali.


Istanbul: Erinnerungen an eine Stadt
Istanbul: Erinnerungen an eine Stadt
von Orhan Pamuk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mit Liebe geschrieben, 13. Juli 2008
418 Seiten über eine Stadt? Geht nicht, oder? Interessant für Geographen oder Historiker, aber Literatur? Keine Handlung, kein Spannungsbogen, keine Geschichte?
Wer hier was Leichtes für den Urlaub erwartet, am besten noch den ultimativen Stadtführer, der liegt falsch.

Ich muß sagen, mir fällt es selber schwer zu erklären, warum ich dieses Buch gut finde. Tatsache ist, ich habe es einfach richtig gern gelesen.

Das Buch bringt einem nicht nur Istanbul nahe, sondern die Türkei, die Türken. Was es wirklich bedeutet, zwischen Orient und Okzident zu leben, jenseits des Klischees. Es macht den Widerspruch liebenswert, den Verfall und die Melancholie, ohne es aber ins Reich des Exotischen zu verfrachten, wie es so viele Schriftsteller vor Pamuk getan haben. Verfall ist Verfall, und nicht die Rückkehr zu den Ursprüngen oder was immer man Exotisches, Romantisches da hineininterpretieren mag. Er versteht es einfach meisterhaft, Schwächen vorbehaltlos zu entlarven und dennoch nicht herumzumäkeln. Egal, ob es sich um die eigene Stadt, die eigene Familie oder die eigene Jugend handelt - Liebe ist, wenn man auch die Schwächen liebt. Keine atemberaubende Sprachakrobatik, keine bemühten Metaphern, kein Bildungsexhibitionismus. Ein meisterhafter Erzähler, der mit Liebe schreibt. Ich glaube, das ist es, was das Buch ausmacht. Ich meine, kann man wirklich darüber schreiben, daß eine Stadt schwarz-weiß ist? Ist langweilig, oder? Jedoch die Wärme, mit der Pamuk dieses Schwarz-weiß schildert, gibt ein wohliges Gefühl. Läßt uns die Stadt erleben und erfühlen.

(Be-)schreiben, ohne zu urteilen. Vielleicht kann das wirklich nur ein Istanbuler. Europäer tragen ihr Päckchen antiker Dialektik mit sich herum, versuchen immer, zu urteilen, zwischen richtig und falsch abzuwägen. Schließlich sind wir hier an der Schnittstelle zwischen West und Ost - und vielleicht geht es eben gar nicht um richtig oder falsch, um schön oder häßlich, um schwarz oder weiß. Es geht einfach nur um Istanbul. Es geht um Menschen. Gefangen in ihrer Geschichte, der eigenen und der ihrer Nation, hin- und hergerissen zwischen zwei Welten, zwischen Scham und Stolz, individuellem Streben und kollektiven Zwängen.

So beschrieben, daß man es gerne liest. Was will man mehr?


Tender Bar. Roman
Tender Bar. Roman
von J.R. Moehringer
  Gebundene Ausgabe

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Literatur oder Wirklichkeit?, 22. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Tender Bar. Roman (Gebundene Ausgabe)
Was mich am meisten irritiert ist, daß alle von einem Debütroman schreiben. Klar, denn es ist der erste Roman. Allerdings verspricht "Debüt" auch eine Folge, und ich habe ehrlich gesagt Mühe, mir vorzustellen, wovon weitere Romane dieses Autors handeln sollen. Schließlich erzählt er hier ganz offenbar seine eigene Geschichte. Gut erzählt, zweifellos. Aber wenn gute Literatur bedeutet, Phantasie so zu Papier zu bringen, daß sie im Kopf des Lesers Wirklichkeit wird, handelt es sich dann hier um gute Literatur, also Kunst? Denn er beschreibt doch seine eigene Wirklichkeit? Oder einfach um gutes Handwerk?
Am besten gefallen mir die Passagen über seine Jugend. Grandios, wie es ihm gelingt, die Perspektive des Kindes einzunehmen, ohne dabei sprachlich abzurutschen. Später zieht's sich dann manchmal. Jedenfalls war ich genervt, wie er es so gar nicht auf die Reihe kriegt. Die Bar wird verklärt als das bessere Zuhause, nur weil dort niemand etwas von ihm erwartet und er sich gegenüber niemandem rechtfertigen muß. Andererseits hat es natürlich auch etwas Exotisches. Da wird uns etwas geschildert, das wir so nicht kennen. Da werden skurrile Einzelgänger, Randfiguren, Alkoholiker, zu echten Typen.
Das ist es auch irgendwie, was das Buch ausmacht: Die Liebe und Hingabe, mit der die Protagonisten beschrieben werden, mit der erzählt wird. Da wird nichts vordergründig aufgearbeitet, nichts verurteilt und verarbeitet. Es wird erzählt. Wirklich gut gemacht finde ich, wie sich der Alkoholismus anschleicht. Man kann es erspüren, vermuten, aber Alkohol ist einfach nur eine Erscheinung, die zur Bar dazugehört - nie aber ein Problem. Erst ganz zum Schluß wird es manifest, eben in dem Moment, wo es ihm selbst auch klar wird.
Das ist das eigentlich Faszinierende: Da schafft es jemand, uns an dem teilhaben zu lassen, was sich in seinem Kopf abgespielt hat - in jeder Phase seines Lebens. Egal ob als Jugendlicher, Heranwachsender oder Erwachsener. Als säßen wir mittendrin. Auch wenn manchmal nervt, was sich da abspielt, so bleibt es eben doch verdammt gut geschrieben.
Vielleicht also nicht so wichtig, ob nun gute Literatur oder einfach eine sehr gut erzählte autobiographische Geschichte. Habe schon schlechtere Autobiographien gelesen. Und immerhin wäre es ja denkbar, daß das alles doch nur zu Papier gebrachte Phantasie ist ... Dann jedenfalls könnten wir uns doch auf weitere Romane freuen ...


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