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Rezensionen verfasst von
Caliban (Süddeutschland)
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   

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Krieg und Frieden (mp3-Ausgabe, ungekürzte Lesung): 6 mp3-CDs
Krieg und Frieden (mp3-Ausgabe, ungekürzte Lesung): 6 mp3-CDs
von Leo N. Tolstoi
  MP3 CD
Preis: EUR 69,00

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckende Lesung; man hätte sich eine andere Übersetzung gewünscht, 3. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wie man schon auf der vorliegenden Seite erkennen kann, erscheint die Edition in 6 mp3-CD. Die Gesamtlaufzeit beträgt 3978 Minuten. Diese Ausgabe ersetzt die ältere, sehr viel teurere und schwerer handhabbare Ausgabe Krieg und Frieden. Die Ausstattung ist karg (es fehlt ein Booklet; die Angaben zur verwendeten Übersetzung sind dürftig usw.). Aber als Liebhaber des Originals erscheint dies bei dem vorliegenden Preis entbehrlich.
ich habe Krieg und Frieden in der Übersetzung von Bergengrüns einmal an einem Stück als Schüler in den Sommerferien verschlungen: Alle meine Freunde waren in Ferien verreist; ich allein blieb ziemlich traurig zurück. Damals hatte ich mit dem Werk bereits begonnen und war gerade bis zur Schlacht von Schöngraben gekommen. Richtig Feuer hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefangen. Aus Mangel an anderen Gelegenheiten, ging ich das Werk noch einmal an und unternahm dann - anders als meine Freunde - die Reise meines Lebens. Das Werk bereitet dem Leser wegen seiner Menschlichkeit und Vielgestaltigkeit einen unvergleichlichen Eindruck. Ich freue mich, dass ich es nun auf langen Autofahren noch einmal erleben kann. Denn das Problem ist: Als Erwachsener, eingespannt in alle möglichen Verpflichtungen, bringt man nicht die Zeit auf, dieses Kunstwerk am Stück zu lesen.

Ich habe jetzt ca. 3 Stunden in die erste CD hineingehört und bin von der Präsentation von Ulrich Noethen sehr beeindruckt. Hier wird die Übersetzung von Hermann Röhl verwendet. Diese ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden und wurde immer wieder einmal bearbeitet und dem Zeitgeschmack angepasst. Klar ist, dass auch vorliegend eine Bearbeitung Verwendung findet. Im Booklet wird auf die Ausgabe im Insel-Verlag verwiesen. Es versteht sich, dass ich im Hinblick auf die Version von Bergengrüns etwas voreingenommen bin. Auch hätte man sich vielleicht die Übersetzung von Barbara Conrad gewünscht, die sich noch stärker am Original orientiert, dafür aber den Leser auch mit einigen Schroffheiten schockiert. Der Lesung von Anna Karenina durch Noethen liegt jetzt diese neuere Übersetzung zugrund. Doch sei's drum!

Auch bleibt eine zentrale Schwierigkeit. Im Original finden sich weite Passagen in französicher Sprache. Gerade die ersten Sätze ganz am Anfang geben dafür ein gutes Beispiel ab. In Wortwohl und Syntax wahrt Tolstoj hier einen hohen Standard, der das Schulwissen rasch übersteigt. Bei von Bergengrün waren deshalb sämtliche Passagen in Fußnoten übersetzt. Ich war damals dankbar dafür. Diesen Effekt kann man aber in einem Hörbuch schwer erwarten; er fällt hier notgedrungen ganz unter den Tisch. So entgeht dem Leser natürlich die Ironie einer Adelsgesellschaft im Kampf gegen das französische Kaiserreich, dessen Kultur sie gleichzeitig sklavisch imitiert. Meisterhaft zeigt Tolstoj, dass diese Gesellschaft damit gerade auch die Grundlagen ihrer eigenen Existenz bekämpft. Trotzdem bleibt genug für eine neue Reise nach Austerlitz und Borodino und vor allem eine Begegnung mit der Traumfrau Natasha Romanowa, mit Pierre Besuchow und Andrej Bolkonskij! Was will man mehr?
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 18, 2014 10:57 AM MEST


Dymo LabelWriter 450 Turbo
Dymo LabelWriter 450 Turbo
Preis: EUR 124,87

5.0 von 5 Sternen Gutes Gerät mit kleineren Problemen beim Umzug vom Labelwriter 400, 14. August 2013
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Den Labelwriter 400 benutze ich schon einige Jahre. Es handelt sich um ein professionelles, absolut wartungsfreies Gerät, mit dem ich noch nie wirkliche Probleme hatte.

Gegenüber dem Modell 400 bringt das vorliegende Geräte einige Verbesserungen. Über die hohe Geschwindigkeit wurde auf dieser Seite schon berichtet. Ich habe sie an einem Adressbuch mit 20 Einträgen ausprobiert und war begeistert. Gegenüber dem Vorläufermodell besser gelungen ist auch das Einlegen der Etiketten. Beim Modell 400 war dies regelmäßig eine knifflige Angelegenheit, die mich mindestens drei sinnlos verdruckte Etiketten kostete, bis der Ausdruck wieder stimmte. Hier kann man bereits beim Einlegen eigentlich keinen Fehler mehr machen (sinnvolle Beschriftung der Einlegerolle). Vor allem ist aber der automatische Etiketteneinzug deutlich präziser. Auch die Bedienungssoftware hat sich verbessert; sie eröffnet jetzt mehr und leichter verständliche Formatierungsmöglichkeiten.

Lediglich der Umzug vom Modell Nr. 400 auf das vorliegende bereitete kleine, aber zu meisternde Schwierigkeiten. Zunächst erkennt die Software die Vorinstalltion und (das fand ich großartig) überschreibt diese nicht, sondern greift auf Wunsch des Benutzers nur auf die bereits vorhandenen Dateien zu. Allerdings kann die neue Software die von der alten erstellten Etikettdateien nicht selbst laden. Diese müssen deshalb mit ein Adressbuch kopiert werden (ich selbst war bis dato dazu zu träge, musste das jetzt aber nachholen). Ein weiterer kleiner Fallstrick liegt darin, dass es nicht genügt, im großen Pop-Up-Fenster die so hergestellte Adressdatei voreinzustellen. Nein man muss sie auch im Menü (Rubrik Adressbuch) eigens importieren. Hat man dies geschafft, geht es weiter wie bisher.

Wer einen hohen Etikettenumsatz hat (bei mir mittlerweile der Fall) ist daher mit diesem Gerät gut bedient.


Apple ME406FD/A iPad Retina 4G 24,6 cm (9,7 Zoll) Tablet-PC (Apple A6X, Touchscreen, 1,4GHz, 1GB RAM, 128GB Flash-Speicher, Apple iOS) schwarz
Apple ME406FD/A iPad Retina 4G 24,6 cm (9,7 Zoll) Tablet-PC (Apple A6X, Touchscreen, 1,4GHz, 1GB RAM, 128GB Flash-Speicher, Apple iOS) schwarz
Wird angeboten von Telcoland GmbH
Preis: EUR 759,00

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Guter Eindruck!, 23. Mai 2013
Bisher benutzte ich das iPad2 (16 GB) zum Lesen der elektronischen Version einer Tageszeitung, als E-Book, zum Surfen, vor allem aber auch als Speicherplattform für Filme und Serien, die ich mir etwa während längerer Flüge ansehe. Der Speicherplatz meines iPads wurde dabei natürlich sehr knapp. Ursprünglich wollte ich die für den Sommer angekündigte Produktpräsentation von Apple abwarten, um mir ein LTE-fähiges aktuelles Modell zu kaufen. Nachdem sich das ganze jetzt in den Herbst verschoben hat, habe ich hier zugeschlagen und einen Vertrag mit einem bekannten Verbindungsnetzbetreiber über einen LTE-Tarif geschlossen.

Beim ersten Eindruck erschrickt man fast: Das vorliegende Gerät ähnelt dem iPad 2 zunächst wie „ein Ei dem anderen“. Nur bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass der Bildschirm hier etwas größer, der weiße Rand dafür schmäler ist. Weil das Design bei Apple-Produkten eine große Rolle spielt, war ich zunächst einmal milde enttäuscht. Die Leistungsmerkmale des Gerätes lassen diesen oberflächlichen Eindruck jedoch rasch vergessen.

1. Das Gerät ist um einiges schwerer als mein iPad 2, was aber mit Blick auf die große Festplatte kaum verwundert. Die Geschwindigkeit, mit der Dateien von der Festplatte hochgeladen werden (Zugriffsgeschwindigkeit) ist gegenüber dem iPad 2 jedoch trotz der Plattengröße deutlich verbessert worden. In einer PDF-Datei mit 100 MB lässt sich jetzt problemlos blättern. Anders als beim iPad2 braucht das Gerät bei ganz raschem Blättern nur Sekunden für den Bildschirmaufbau (beim iPad2 fielen hier schon einmal 20 bis 30 Sekunden an). Dies lernt man gerade beim Lesen einer elektronischen Zeitung sehr zu schätzen. Ein nervenaufreibender Bildschirmaufbau auf den letzten Seiten entfällt praktisch.

2. Ich verrate sicher keine Neuigkeit, wenn ich darauf hinweise, dass das Retina-Display bei der Darstellung von Abbildungen (bei mir in Zeitungen) eine deutliche Verbesserung bringt. Beim Lesen von E-Books ist der Effekt allerdings mariginal und nur bei Skalierung auf die höchste Vergrößerung überhaupt zu erkennen.

3. Deutlich verbessert wurde die rückseitige Kamera, mit der man beim iPad2 nur sehr verrauschte Bilder schießen konnte. Das Niveau ist jetzt akzeptabel; da ich das Gerät nicht als Ersatz für eine Fotokamera benutze, genügt es mir.

4. Das Gerät ist – für mich am wichtigsten – voll LTE-fähig. Als Nutzer erkennt man sofort, wenn der Provider von 3 G auf LTE umstellt. Anstelle des trichterförmigen Sendesignals erscheint bei meinem Provider die Anzeige „LTE“. Wie fühlt sich eine solche Verbindung an? Ich bin kein Techniker, kann aber den Effekt so beschreiben: Beim Herunterladen einer Zeitungsdatei mit 30 MB, braucht das Gerät bei einer schnellen 3G-Verbindung 15 bis 30 Sekunden. Bei LTE – jedenfalls in meinem Abstrahlbereich – tritt zunächst eine kleine Verzögerung ein bis der Ladevorgang beginnt (ca. 2 Sekunden). Dieser selbst ist dann in weiteren 1 bis 2 Sekunden abgeschlossen. Für mich ist dies sensationell und zugleich gefährlich, weil man jede Hemmung verliert, Bilddateien und Filme über das Gerät anzusehen und das eigene Datenkontingent wahrscheinlich recht rasch voll ist.

5. Im Hinblick auf die Kompatibilität hatte ich beim Umzug vom alten iPad auf das neue keine Probleme. Hier zeigen sich einfach die Stärken von OSX: Alles ist durchdacht und aufeinander abgestimmt. Das ein oder andere Passwort muss uU. neu eingegeben, aber das war’s.

Im Gesamteindruck hinterlässt das Gerät bei mir einen erstklassigen Eindruck: Äußerlich nicht spektakulär beeindruckt es doch durch eine deutliche Leistungssteigerung in allen für mich wichtigen Belangen. Aus Sicht des Herstellers gehört sicher Mut dazu, am äußeren Design des Gerätes, das für den oberflächlichen Betrachter (also zunächst auch für mich) so wichtig ist, nichts zu ändern und darauf zu vertrauen, dass der Nutzer die inneren Werte erkennt. Der springende Punkt ist jedoch: Diese inneren Werte sind erkennbar vorhanden!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 5, 2013 8:36 AM MEST


Wagner at the Met: Legendary Performances
Wagner at the Met: Legendary Performances
Preis: EUR 57,04

30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für mich D I E Veröffentlichung des Wagner-Jahres!, 26. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die vorliegende Einspielung vereinigt 9 Opereinspielungen aus den dreißiger bis fünfziger Jahren aus den Archiven der Metropolitan Opera (es fehlt Parsifal). Dem lebenslangen Wagnerliebhaber sind einzelne Aufnahmen sicher ein Begriff. Das Besondere aber: Die Einspielungen sind mit einer Ausnahme auf selten beeindruckende Weise restauriert und erlauben einen ungetrübten Genuss von großen Stimmen, dramatischer Spannung und Spitzendirigaten.

Für mich stehen zwei Aufnahmen mit Fritz Reiner ganz vorne auf meiner Lieblingsliste:

1. Der Fliegende Holländer (1950) mit Hans Hotter als Steuermann (muss man gehört haben) und - noch besser - Astrid Varnay als Senta. Den Erik gibt Set Svanholm. Die Monoaufnahme ist frei von Rauschen und Knacken und - was für den Kenner wichtig ist - nimmt der Platte nicht jeden räumlichen Eindruck.

2. Die Meistersinger von Nürnberg 1953 mit Paul Schöffler als Hans Sachs und Victoria de los Angeles als Eva (nicht zu verwechseln mit
Die Meistersinger Von Nürnberg). Den Stolzing gibt Hans Hopf und den Beckmesser Gerhard Pechner. Ich will nicht behaupten, dies sei die beste aller Meistersinger-Einspielungen. Aber sie bereitet dem Hörer doch immer wieder seltene Glückserlebnisse. Allein Die Orchesterführung von Reiner, der ein ganz besonderes Ohr für musikalische Spannungsbögen hatte und einen oft verborgenen musikalischen Sinn herausarbeitet. ist hörenswert. Die wunderschöne, reine Stimme von de los Angeles entlockt auch dem sonst immer ungestümen Hans Hopf differenziertere Töne.

3. Dann findet sich hier die bekannte Einspielung von Tristan und Isolde unter Artur Bodnanzky, die durch Raubmitschnitte bekannt war. Das Paar Flagstadt/Melchior ist hier auf der Höhe seines Könnens und der Marke von Emanuel List ist eine Klasse für sich. Hier liegt die Aufnahme in einer knack- und rauschfreien Version vor, wobei allerdings der räumliche Eindruck hinter den Aufnahme aus den 50ern deutlich zurücksteht. Die Platte ist daher etwas für den Liebhaber! Der springende Punkt ist nur: Man muss als Hörer gegenüber den Vorgängerversionen nicht zu viel leiden. Und dies erlaubt es, ganz, die außergewöhnlichen Stimmen zu genießen

4. Tief beeindruckt war ich auch von Lohengrin unter Erich Leinsdorf mit Melchior und Varnay aus dem Jahr 1943. Wieder bleibt die Räumlichkeit etwas zurück, aber was für Stimmen und welche Emotion!

5. Der Tannhäuser aus dem Jahre 1954 unter George Szell kann mit einer weiteren Traumbesetzung aufwarten: Tannhäuser - Ramón Vinay (ungewöhnlich, aber hörenswert), Venus - Astrid Varnay; Wolfram - George London(!), Elisabeth - Margaret Harshaw, die mich in der ganzen Edition am meisten positiv überrascht hat (dazu im Anschluss).

6. Das Rheingold unter Fritz Stiedry mit Hotter als Wotan, Svanholm als Loge und wiederum Margaret Harshaw als Fricka aus dem Jahre 1951: Margaret Harshaw kannte ich nur aus der Sängerliteratur. Es handelt sich um eine idiomatisch singende Fricka mit klar fokussierter und klar artikulierender Stimme. Die Stimme mag nicht so riesig sein wie bei Flagstadt; eine Dramatikerin von hoher Musikalität ist auch sie.

7. Die Walküre unter Leinsdorf mit Melchior als Siegmund, Majorie Lawrence als Sieglinde, Emanuel List als Hunding und - mir bis jetzt nur dem Namen nach bekannt . Julius Huehn als Wotan. Huehn hat eine Stimme mit dem richtigen Timbre für einen Wotan und zeigt bis zum Ende des dritten Aktes eine schlicht umwerfende Leistung. Dies gilt auch für Flagstadt als Walküre. Die Leistung von Majorie Lawrence, die als Sieglinde einen warmherzige Töne wie wenige anzuschlagen versteht, ist hier eine weitere Überraschung. Allerdings ist dies Aufnahme nur etwas für den Liebhaber großer Stimmen: Der Klang ist topfig und eng; zu Beginn des dritten Aktes etwa ist der von Walküren und Brünnhilde gesungene Text nicht zu verstehen. Die Stelle "War es so schmählich" aber entschädigt dafür umso mehr. Und wenn Huehn mit seiner männlichen Stimme das "Schlaf wohl" anstimmt, ist man mit allen Unzulänglichkeiten versöhnt.

8. Siegfried unter Bodanzky (1937). Auch hier bemerkt man das Alter, vergisst es aber sogleich beim Wotan von Friedrich Schorr und dem Siegfried von Melchior. Brünnhilde auch hier Kirsten Flagstadt. Ich finde die technischen Mängel hier erträglicher.

9. Die akustisch schlechteste Platte mit erheblichem Rauschen, topfigem Klang und teilweise untergehenden Stimmen ist die Götterdämmerung unter Bodanzky von 1936. Dabei handelt es sich aber gerade um eine Spitzenleistung von Majorie Lawrence als Brünnhilde und von Lauritz Melchior als Siegfried (die einzige von ihm erhaltene Götterdämmerung überhaupt). Leider muss der Hörer hier kämpfen. Denn anders als bei den übrigen Aufnahmen bleiben oft nur Klangruinen, durch die die gewaltigen Stimmen blitzen.

Die Edition wird von einem gut gemachten Booklet begleitet, das auf sämtliche Aufführungen und deren Qualitäten kurz eingeht und die Handlung zusammenfasst. Es hinterlässt einen liebevollen Eindruck. Kurz geht Grace Row auf die Restaurierungsarbeiten ein: Einige Aufnahmen waren nur noch auf zugstaubten Schellackplatten zu finden. Die Knackgeräusche wurden von Hand entfernt und das oft problematische Ausgangsmaterial (Tonhöhenprobleme) für heutige Verhältnisse optimal restauriert. Der Klang erinnert zT. an die knack- und rauschfreie Caruso-Platte, die damals für Aufsehen gesorgt hatte. Die CD selbst werden leider in recht unhandlichen Papptaschen geliefert und sind so fest eingeklemmt, dass man sie man mit den Fingern auf die Oberfläche greifen muss, um sie herauszubekommen. Aber dafür ziehe ich keinen Punkt ab.

Denn auf eines kommt es vor allem an: Keine mir bekannte Wagner-Einspielung der letzten 10 Jahre (auf CD und DVD) reicht auch nur im entferntesten an das heran, was hier geboten wird!
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 19, 2013 6:10 PM MEST


Mein Nachrichtendienst: Briefe an Katia Mann 1933-1941
Mein Nachrichtendienst: Briefe an Katia Mann 1933-1941
von Hedwig Pringsheim-Dohm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 89,00

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Inhaltlich und editorisch gelungen!, 26. April 2013
Ich bin über das Feuilleton einer Tageszeitung auf diese Briefausgabe aufmerksam geworden. Mehr als viele Details sagt vielleicht aus, dass im ersten Band von 836 Seiten 324 den Brieftext, der Rest den Kommentarteil ausmachen (im zweiten Band: Briefe von S. 9 bis 308, Kommentarteil bis 796). Daran zeigt sich zunächst die sehr beeindruckende editorische Sorgfalt des Herausgebers Dirk Heißerer, der jeden einzelnen Brief im Detail kommentiert und dabei aus den Tagebüchern Thomas Manns, den Memoiren Golo Manns und der Thomas-Mann-Forschung zitiert. So wird der zeitliche und sachliche Kontext jedes Briefes hergestellt und wichtige Zusammenhänge erklärt. Denn - dies kommt im Seitenverhältnis auch zum Ausdruck - die Briefe sind zumindest im ersten Band keine leichte Kost. Sie setzen 1933 unmittelbar nach der Abreise Thomas Manns aus Deutschland ein und stecken voller geheimer Andeutungen, nur im Familienkreis bekannter Kürzel. Alle häufiger auftretenden Personen erscheinen unter einem Kosenamen (Beispiel: Alfred Pringsheim wird Fay genannt. Thomas Mann hat eine Reihe von "Decknamen": Reh, Zauberer usw.). Im Klartext sind jedenfalls die Briefe aus den frühen dreißiger Jahren praktisch nicht ohne den Kommentarteil zu verstehen. Hier aber leistet Heißerer ganze Arbeit, und der schön gestaltete Band hilft dem Leser mit zwei Lesebändchen.

Der Band eröffnet - verlegerisch geschickt - mit einem besonders beeindruckenden Brief aus dem Jahre 1932 an Thomas Mann, in dem die Autorin sehr offen und humorvoll mit ihrem Alter und dem damit unvermeidlich verbundenen Verzicht umgeht. Man ist als Leser sofort gefangen. Dann folgen allerdings zunächst "die Mühen der Ebene". Denn die Briefe aus den frühen dreißiger Jahre muss man im Grunde stets zweimal lesen. Einmal, um die Bezüge im Kommentarteil verstehen zu können, dann nach der Lektüre des Kommentarteils ein zweites Mal, um den Brief nun insgesamt zu verstehen. Darf ich offen sein? Ich wollte nach Brief 8 eigentlich schon abbrechen, habe aber durchgehalten. Denn unabhängig vom Eigentlichen - der beeindruckenden Persönlichkeit der Autorin - lichten sich die Schleier nach und nach und man versteht die Briefe besser.Nicht nur nach der Übersiedelung nach Zürich, sondern auch zuvor schreibt Hedwig Pringsheim immer mehr Klartext.

Inhaltlich überzeugen die Briefe einerseits durch ihren menschlich liebevollen Ton, andererseits durch die bisweilen feinsinnige, dann sarkastische, immer aber moralisch denkende Autorin. Der Leser erfährt viel über den Alltag in der Arcis-Straße und später an anderen Orten. Von gemeinsamen Bekannten, persönlichen Eindrücken über Menschen, das Wetter usw. Die NS-Herrschaft ist zunächst nur wie ein Hintergrundrauschen zu vernehmen. Der Eindruck verstärkt sich aber kurz vor der dramatischen Ausreise in die Schweiz immer stärker. In der Schweiz stellt sich zunächst der heitere Ton wieder ein. Nach dem Tod des Ehegatten aber ist der Autorin erkennbar jede Lebenskraft genommen. Der humorvolle Ton ist verschwunden. Der letzte Brief datiert ungefähr 10 Monate vor dem eigenen Tod und erscheint wieder milde heiter. Beharrlich verweigert die alte Dame während des gesamten Zeitraums die Ausreise in die USA; lieber will sie in Deutschland elend sterben als in der Ödnis von Kalifornien zugrunde gehen. Dies beeindruckt zutiefst. Ich habe selbst das Anwesen in Pacific Palisades und die Gegend um Santa Monica gesehen. Ich muss die alte Dame für ihren Weitblick bewundern: Die Sonne scheint dort hell; aber geistig lebt man in einer Wüste, wie Brecht, Feuchtwanger, Heinrich Mann usw. bitter erleben mussten.

Mich erinnern die Briefe also nicht an ein Zeitzeugnis, wie man es von den Memoiren von Victor Klemperer kennt, sondern eher an die Briefe der Madame Sevigné Briefe (insel taschenbuch), von denen jeder Proust-Leser einmal gehört hat und die es in einer ebenfalls umwerfenden dreibändigen Pléiade-Ausgabe gibt. Es ist nicht sosehr der Gegenstand der Briefe, wie die weise Weltsicht, die humorvolle Annahme eines zT. harten Schicksals (man lebt von der "Wand in den Mund" als man im Hause Pringsheim die Gemälde verschleudern muss, um an Geld zu kommen, doch zeigt sich die Autorin sarkastisch dankbar für die Fürsorge des Regimes, weil Besitz nur belaste usw.).

Im Ergebnis würde ich daher sagen, dass diese Briefe nicht für den Leser geeignet sind, der sich für zeitgeschichtliche Dokumente interessiert. Sie bereiten jedoch dem für eine weise Weltsicht Empfänglichen großes Vergnügen. Nach der Lektüre bin ich schon sehr gespannt auf die Memoiren des Ehegatten Alfred Pringsheim über seinen Aufenthalt bei den ersten Bayreuther Festspielen, die im Sommer dieses Jahres erscheinen werden.


Oblivion
Oblivion
DVD ~ Tom Cruise
Preis: EUR 5,55

18 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verfahren!, 12. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Oblivion (DVD)
Nach meinem Eindruck gibt es drei Arten von erfolgreichen Sci-Fi-Filmen:

1. Filme mit einer Botschaft, ohne eine auf Unterhaltung zielende Spannungskurve (Solaris, 2001)
2. Filme mit einer eher schlichten Handlung, die auf Action, Technik und Unterhaltung setzen und dabei prima funktionieren (Das 5. Element)
3. Wenige Exemplare, die sowohl eine Botschaft haben, wie auch blendend unterhalten (Bladerunner, Alien, Matrix).

Der vorliegende Filme versucht sich in der dritten Kategorie und scheitert dabei nach meinem Eindruck leider deutlich. Eigentlich hatte der Regisseur alle Mittel, ein großes Werk zu schaffen, bis auf eines: eine gute Story! Seine Handlung, die offensichtlich auf eine Graphik Novel zurückgeht, hat drei Schwächen:

1. Sie besteht zunächst vor allem aus bekannten Versatzstücken: Im Film selbst werden ständig andere Meisterwerke zitiert, vor allem Matrix. Dies gilt etwa für das erste Gespräch Neo-Morpheus (im vorliegenden Film sogar mit den Original-Sonnenbrille), die Waben, in denen Menschen heranwachsen, die bedrohlichen Drohnen usw. Aber auch Star Wars, Episode IV, schimmert überall durch: Raumschiffe landen im Wüstensand, die "Plünderer" erinnern an die Bewohner von Tatooine usw. Der Clou der Handlung (ich verrate hier nichts) selbst ist wieder eine Mischung aus Matrix aber auch Total Recall (Schwarzenegger-Version): Wie in Total Recall gibt es auch zwei ganz unterschiedliche Frauentypen, die um den Helden kämpfen. Man könnte hier endlos fortfahren. Entscheidend ist nur: Fast alles hat man schon einmal und vor allem besser gesehen. Deshalb kommt einfach keine Spannung auf.

2. Die Story hätte deutlich gestrafft werden müssen: Ist der Anfang bis zur "Rettungsaktion durch Jack (ich will nicht mehr verraten) noch spannend und nachvollziehbar, flacht die Spannungskurve durch eine Folge wenig inspirierter Episoden ins Belanglose ab.

3. Die Acitonsequenzen sind trotz optisch großartiger Landschaften nicht innovativ. So hängt die im Film vermittelte Stimmung sehr stark von der Bedrohlichkeit der Drohnen ab. Diese reichen aber nicht im mindesten an die elektronischen Kampfeinheiten in Matrix heran.

Am stärksten ist die erste halbe Stunde des Films: Hier zeigt Tom Cruise noch einmal seine Stärken als Schauspieler und dass er einen Film ganz allein tragen kann. Auch optisch hat der Film einiges zu bieten. Gerade das Ende aber erinnert an ein anderes bekanntes "Filmende mit Schrecken", nämlich "Krieg der Welten" von Steven Spielberg: Dort wirken zwei Minuten Filmende wie eine kalte Dusche nach einem ansonsten furiosen Meisterwerk. Hier empfindet man das ganz ähnlich gestrickte Ende nicht als kalte Dusche, weil man zuvor noch nicht mit dem Film warm geworden ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 16, 2013 4:31 PM MEST


Hart of Dixie - Season 1 [DVD] [UK Import]
Hart of Dixie - Season 1 [DVD] [UK Import]
DVD ~ Rachel Bilson
Wird angeboten von importspiele
Preis: EUR 16,59

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überragende Rachel Bilson!, 9. April 2013
Der Titel "Hart of Dixie" (statt Heart of Dixie) ist ein Wortspiel, das sich auf den Nachnamen der Heldin, Zoe Hart, bezieht. die ein Jahr in "Dixieland" zwangspausieren muss, um ein Chirurgiestipendium zu erlangen. Als New Yorkerin trifft sie auf die typische Südstaatenmenatilität in dem kleinen Nest Bluebell/Alabama.

Als männlicher Zuschauer ziele ich wohl nicht zur unmittelbaren Zielgruppe und habe die Serie eher mitverfolgt. Der Gesamteindruck ist aber sehr positiv.

Zunächst baut die Serie eine sehr dichte Atmosphäre im kleinen Ort auf. Dessen liebenswürdige Einwohner mit ihren Marotten erinnern stark an die bei Gilmore Girls erzeugte Grundstimmung. Selbst die "Schurken" haben eine liebenswerte oder verständliche Seite. Auch wird nicht an Klischees gespart, wenn die "Southern Bells" auf den New Yorker Sarkasmus treffen. Die einzelnen Folgen sind aber sehr humorvoll und abwechselungsreich gestaltet, so dass nicht der Eindruck aufkommt, alles schon einmal gesehen zu haben.

Die Serie wird jedoch - obwohl die Nebenrollen hervorragend besetzt sind (klasse: Wade Kinsella, Lemon Breeland) - vor allem durch ihre Hauptdarstellerin Rachel Bilson getragen. Man kennt sie aus O.C. California als "Summer", wo sie bereits das Kunststück fertig brachte, neben Mischa Barton zu bestehen - für mich keine kleine Leistung. Sie trägt die Serie nicht nur durch gutes Aussehen, sondern vor allem durch Selbstironie, Common Sense und die Bereitschaft, in der einzelnen Episode auch einmal als deutliche Verliererin dazustehen. Diese Uneitelkeit im schauspielerischen Auftreten verbindet sich mit einer schlicht umwerfenden Präsenz in allen Szenen und verleiht der Heldin auch echte Tiefe.

Drittens verfolgt die Serie - was man nach den ersten Episoden nicht vermuten würde - einen einheitlichen Spannungsbogen, der gegen Ende hin kulminiert. Natürlich geht es dabei um diverse Herz-Schmerz-Geschichten. Diese wirken aber psychologisch so glaubwürdig, dass sich eine stetig steigernde Spannung aufbaut.

Als deutscher Zuschauer staunt man, wie es den Verantwortlichen gelingt, auf der Grundlage bekannter Rezepte doch ein ganz unverwechselbares und dabei komisches wie berührendes Erlebnis zu schaffen.


Madness, Rack, and Honey: Collected Lectures
Madness, Rack, and Honey: Collected Lectures
von Mary Ruefle
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,93

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eigentlich ein Prosagedicht!, 7. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auf das Buch wurde ich durch eine enthusiastische Besprechung in der New York Times Book Review aufmerksam. Es handelt sich um die schriftliche Fassung von Universitätsvorlesungen der Autorin Ruefle zur Rezeption von Lyrik. Zwei Besonderheiten prägen das Werk: Ersten bekennt sich die Verf. zu einem konsequent lyrischen Ästhetik und verwirft Nützlichkeitserwägungen oder rationale Analysen. Ferner ist ihr Werk selbst in einem selten poetischen Stil voller tiefer Einsichten verfasst. Dies macht die zentrale Besonderheit des Werkes aus. Jedem Interessierten empfehle ich ganz dringend die Leseprobe auf dieser Seite. Dann braucht er kein nacheilendes Lob aus meiner Feder: Ruefle liebt tiefe poetische Bilder und die dabei mitschwingenden komplexen Assoziationen. Ihre Sprache ist dabei ganz schlicht; nichts versperrt dem Leser den Zugang. Sie lässt aber Metaphern, Reflexionen oder ästhetische Eindrucke vor dem Leser aufgehen wie guten Wein auf der Zunge. Nicht alles stammt von ihr selbst, wie man schon in der Leseprobe erfahren kann. Aber als Liebhaberin moderner Lyrik hat sie viele Trüffel auf dem Weg gesammelt und eröffnet nicht zuletzt auch einen genießerischen Blick auf die moderne Lyrik. Im Anschluss an die Lektüre habe ich mich sofort nach der Lyrik der Autorin selbst erkundigt (vgl. das Beispiel mit Leseprobe: A Little White Shadow) und war über deren enigmatischen, schwer zugänglichen Charakter weniger erbaut als über das vorliegende Werk. Mir erscheint es als ein wesentlich gelungeneres Prosagedicht, dessen Kapitel man wie einzelne Stücke aus einer Sammlung immer wieder lesen kann.


The Secret Life of Sharks: A Leading Marine Biologist Reveals the Mysteries o
The Secret Life of Sharks: A Leading Marine Biologist Reveals the Mysteries o
Preis: EUR 11,27

5.0 von 5 Sternen Ein Leben mit Haien, 7. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Klimley kennt man als Autor vor allem über sein Buch zum Weißen Hai (Great White Sharks: The Biology of Carcharodon Carcharias). Hier liegt eine Art Autobiographie vor, die sich spannend liest. Sie beginnt mit den frühesten meeresbiologischen Forschungen Klimleys in Florida, die ihn später nach Kalifornien führen. In der Baja California untersucht er im Rahmen seiner Doktorarbeit als erster die Hammerhaie und kommt dem Geheimnis auf die Spur, warum diese sich tagsüber zu großen Schulen in Spiralform fügen. Der Mut Klimley, der mit den Riesenflossen eines Apneutauchers ohne Flasche in beachtliche Tiefe taucht, beeindruckt. Auch das Leben an Bord eines kleinen Bootes mit spartanischer Ausstattung zeigt den Enthusiasmus des Autors.
Später widmet Klimley seine Forschungen dem Weißen Hai. Interessant ist zu erfahren, dass er das Modell der Haibeobachtung auf den Farallon-Inseln erdacht hat. Aus dem packenden Buch der nich unproblematischen Forscherin Casey (The Devil's Teeth: A True Story of Obsession and Survival Among America's Great White Sharks) kennt man die Akteure bereits gut, die auch bei Klimley vorkommen. Klimley war zur Zeit Caseys allerdings nicht vor Ort. Sonst hätte die Selbstinszenierung von Casey so nie stattgefunden; denn überall im Buch wird die Strenge und gelegentlich auch der Fanatismus Klimleys für die Sache erkennbar. Ihn zieht es in dieser Zeit jedoch bereits zu winzigen Inseln vor der kalifornischen Küste, Sandbänken gleich, von denen aus er Haie markiert und so ihre Bewegungen am Computer verfolgen kann. Viel Interessantes ist dabei über den Weißen Hai zu erfahren.
Das Buch ist also eine Mischung zwischen einem Erlebnisbericht und einem Sachbuch. Mich hat es im Urlaub blendend unterhalten.


Jours de pouvoir (blanche)
Jours de pouvoir (blanche)

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hinter den Kulissen!, 7. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Jours de pouvoir (blanche) (Kindle Edition)
Ich wurde auf das Buch durch eine Rezension in einer großen Tageszeitung aufmerksam und habe es auf meinem Kindle gelesen. Le Maire, Landwirtschaftsminister während der Zeit der Präsidentschaft von Sarkozy und der Regierung Fillon, gewährt hier Einblicke in die Mechanismen der politischen Macht. Zwei Dinge fallen dabei auf: Erstens ist das Werk in einem überaus sprachschönen Französisch geschrieben. Le Maires Formulierungen sind elegant, kommen verdichtet auf den Punkt und beeindrucken durch trocken lakonische Wendungen. Zweitens versucht er als Autor möglichst Distanz zu dem oft banalen Alltagsgeschehen zu halten und nimmt eine ironisch-kritische Perspektive ein, mit der man sich als Leser identifizieren kann. Auffallend ist das Interesse des Autors an deutscher Literatur. Er liest Günter Grass und Ernst Jünger. Offensichtlich spricht er auch ein gutes Englisch. Aber auch Sarkozy hat „Hammerstein“ von Enzensberger gelesen, was verblüfft.

Es versteht sich, dass ein solcher Beobachter, wenn er sich Jahre in der Nähe von Sarkzoy aufhalten durfte, einiges zu berichten hat. Dabei ist gerade die Darstellung Sarkozys nicht herablassend oder karikierend. Immer wieder lobt er das Engagement, wenn Sarkozy in Indien anderthalb Stunden vor dem Ministerpräsidenten Sing für französische Produkte wirbt und dieser darauf nur entgegnet, dass es ein sehr schöner Frühling sei und man jetzt aufbrechen solle. Auch der undankbare Kampf Le Maires für die französischen Bauern – das Wetteifern zwischen Getreidebauern und Viehzüchtern, die Subventionen während des Schweinefleischskandals Anfang 2011 – wird erfahrbar: Nie wird genug geleistet und alle vergangenen Wohltagen sind sofort vergessen. Wenn Sarkozy wütend auf die erbrachten Leistungen hinweist, zeigt er nur sein vermeintliches Unverständnis.

Zwei Dinge sorgen dafür, dass man das Buch nicht so schnell vergisst: Erstens stellt der Autor das Gezerre und Gefeilsche oft pompös-dummer Personen in Kontrast zu ganz elementaren menschlichen Erlebnissen: Sein kleiner Sohn jagt mit dem Mund Schneeflocken, der Landwehrkanal in Berlin erinnert ihn an den Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, in den Erinnerungen Ernst Jüngers wird ein Hase auf besonders grausame Weise geschlachtet usw. Zweitens kommt man den bekannten politischen Akteuren bisweilen etwas näher als sonst: Sarkozy vertraut Merkel, die er liebevoll-ironisch im Kreis der französischen Minister „Mamie“ nennt, an, dass er Schnitzel à la Milanese mit Spargeln liebt. Von nun an gibt es dieses Essen bei jedem Treffen. Einmal eröffnet Merkel ein Gespräch so: „Nicholas, ich habe eine Überraschung für Dich!“ Sarkozy: „Lass mich raten. Schnitzel à la Milanaise mit Spargeln.“ Merkel: „Wie bist Du nur darauf gekommen!“ Beeindruckend ist vor allem das Portrait Sarkozys. Seine auch in der Öffentlichkeit erkennbare manische Art kommt schon dadurch zum Ausdruck, dass er sich ständig in hektischer Weise wiederholt, etwa „Wir brauchen Stimmrechte beim G20. Stimmrechte! Da gehe ich nicht von ab, wir brauchen unbedingt Stimmrechte...“ (aus meiner Erinnerung, keine wörtliche Übersetzung). Le Maire erscheint er aber auch als Verzweifelter, der es ehrlich meint und kämpft, in der Öffentlichkeit aber so abstoßend wirkt, dass seine Wiederwahl bereits 2010 gefährdet scheint. Jedes Gespräch Le Maires in den zahlreichen ländlichen Wahlkreisen lässt die Vorbehalte der einfachen Leute erkennen. Le Maire wendet übrigens eine Technik an, die er erkennbar Proust abgesehen hat: Er lässt Sarkozy sprechen, teilt aber nicht mit, was er selber sagt; auch fehlt jeder Kommentar. So wirken die Sprachfetzen, Ausbrüche und Entgleistungen in ihrer Isoliertheit noch dramatischer, banaler bzw. manischer.

Man sollte allerdings bei der Lektüre vorsichtig sein: Le Maire rechtfertigt erkennbar das Scheitern Sarkozys als eine Entwicklung, die bereits 2010 einsetzt und an der er keinen bzw. nur geringen Anteil hat (einmal beantwortet er im Radio die Frage falsch, wieviel Quadratmeter ein Hektar hat und lobt die alte Regierung in Tunis von Ben Ali zu stark). Die Tagebucheinträge des Buchs, die bestimmte Daten tragen, sind erkennbar rückblickend aus Sicht der Wahlniederlage geglättet und bearbeitet, geben also keine authentische Erlebnisse unmittelbar wieder. Erkennbar ist überall auch das Rechtfertigungsbedürfnis des Autors, der immer wieder die zahlreichen kleinen und rasch vergessenen Erfolge in nächtelangen Sitzungen in Brüssel, Berlin usw. herausstellt.

Für den Leser bleibt ein nüchternes Fazit: Er hätte mit Le Maire nicht tauschen mögen!


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