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Rezensionen verfasst von
Caliban (Süddeutschland)
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   

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Die Cantos: Zweisprachige Erstausgabe: Zweisprachige Ausgabe
Die Cantos: Zweisprachige Erstausgabe: Zweisprachige Ausgabe
von Ezra Pound
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 128,00

20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geglückte Ausgabe eines schwierigen Dichters, 22. Oktober 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Für mich stellte die Begegnung mit den Cantos eine Liebe auf den zweiten Blick dar. Als ich in der zunächst erworbenen, rein englischen Ausgabe die chinesischen Schriftzeichen und die Zitate in aquatinischem Französisch sah (beides verstehe ich nicht), winkte ich zunächst lächelnd ab. Die Begegnung mit den beeindruckenden Personae-Gedichten, die einen konservativeren Geschmack bedienen, ließ mich im Lauf der Zeit umdenken. Mit dem unbedingt empfehlenswerten Werk von William Cookson Guide to the Cantos of Ezra Pound, das keine Werkausgabe, sondern nur einen Kommentar darstellt, konnte man sich die schwierigen Texte bislang erschließen. Dies ist mit dieser Ausgabe nun anders und besser geworden.

Zur Edition: Das Werk beeindruckt zunächst durch seine bibliophile Ausstattung. Das Buch ist in dunkelblauen Stoff gebunden und wird zum Schutz in einem soliden Kartonschuber geliefert. Die Schrifttype ist großartig auf schönem Papier (kein Bibelpapier) gesetzt. Neben der Übersetzung von Eva Hesse sind für mich die Anmerkungen von Heinz Ickstadt und Manfred Pfister (nicht zu verwechseln mit dem HIrnforscher) mindestens genauso wichtig. Sie nehmen die Seiten 1191-1427 ein. Diese Kommentierung des Originals ist unaufdringlich, in der Sache präzise und erfasst nach meinem ersten Eindruck alle schwierigen Stellen. Hinzu tritt für den im Englischen nicht ganz ungeübten Leser nun die vollständige Übersetzung von Eva Hesse, die eine wichtige Orientierung bei der Interpretation des Originals darstellt. Denn entgegen gelegentlich geäußerter Kritik überzeugt mich die Übersetzung nicht nur durch Sprachschönheit, sondern auch durch eine große Loyalität gegenüber dem Original. Mir haben schon die Ausgaben Pisaner Cantos LXXIV-LXXXIV und Personae: Sämtliche Gedichte 1908-1921 beim Verständnis der Texte weitergeholfen. Leider fehlt diesen jedoch ein brauchbarer Kommentarteil.

Nun aber: Warum Ezra Pound? Dieser Dichter bietet so viele Angriffsflächen, das man es manchmal müde ist, ihn zu verteidigen: Das faschistische und leider auch antisemitische Gedankengut stellen die eine Seite der Hypothek dar, der offensichtliche Eklektizismus die andere: Zu leicht ließen sich die Cantos auf folgendes Rezept zurückführen: Man nehme ein Wörterbuch mit chinesischen Schriftzeichen, eine Originalausgabe der Troubadourlyrik und ein Kompendium zur fernöstlichen Mystik, vermische die Komponenten aus diesen drei Quellen mit einigen Zweizeilern und entziehe sich damit dem Verständnis ebenso wie der Kritik. Dies war auch mein erster Eindruck; aber er trog. Setzt man sich mit diesen Werken ernsthaft auseinander, beeindrucken sie durch eine dunkle Leidenschaft und den unbeugsamen Willen, die Welt jenseits von oberflächlicher Inszenierung und insbesondere auch den Verheißungen des Kapitalismus zu sehen. Dag Hammarskjöld, der, wie gerade letztens zu erfahren war, an der Freilassung Pounds aus der amerikanischen Nervenheilanstalt maßgeblich beteiligt war, verwies die Kritiker auf das, was allein in der ersten Zeile des Canto LXXIV an Nachdenkenswertem steckt: "The enormous tragedy of the dream in the peasant's bent shoulders", hier übersetzt:"DIe enorme Tragik des Traums im Krummen Rücken des Bauers" (ich habe den HInweis auf das Zitat von Hammarskjöld übrigens von Cookson). Wenn man den Text dieses Cantos weiter liest und nun - dank der Anmerkungen zu dieser Ausgabe - nicht mehr an den altgriechischen Zitaten aus der Odyssee oder den Einschüben aus dem provencalischen Französisch scheitert, kann man diese Werke genießen, wie einen gut gereiften Whisky. Und dies gilt nicht nur für die bekannten Pisaner Cantos, sondern auch für die früheren und frühesten Werke. Gerade die ersten Cantos, die ganz dem Seefahrermythos verhaftet sind, erscheinen dem Leser vielleicht zugänglicher als vieles Spätere (die schlicht gehaltenen späten Cantos vielleicht ausgenommen).

Wer es ganz ernsthaft mit Pound versuchen möchte, dem würde ich vielleicht zunächst zu der oben bereits genannten zweisprachigen Ausgabe der Personae-Gedichte raten. Leider ist sie ohne Kommentarteil, was die Edition stark entwertet. Die Erklärung zu vielen kritischen Stellen findet man aber auch im Internet (dort existieren Teilkommentierungen). Weil diese Gedichte ein herkömmliches Vorverständnis von Lyrik leichter bedienen als die Cantos, kann sich der Leser einen zugänglicheren Eindruck von der Sprach- und Bildwelt von Pound verschaffen und ist deshalb eher bereit für den schweren Weg durch die Cantos. Das vorliegende Werk leistet zur Reise durch die Cantos jedenfalls einen hervorragenden Beitrag: Durch die Kommentierung und die Übersetzung verschafft es einem deutschen Leser mit Englischkenntnissen einen leichteren Zugang zum Originalwerk als den meisten englischen Muttersprachlern, für die es eine vergleichbare Ausgabe aus Text und Kommentar mit Verständnishilfe nicht gibt! Ich kann es daher dem Interessierten nur empfehlen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 14, 2012 7:01 PM CET


Feldherren, Krieger und Strategen: Krieg in der Antike von Achill bis Attila
Feldherren, Krieger und Strategen: Krieg in der Antike von Achill bis Attila
Preis: EUR 25,99

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Interessante Kulturgeschichte des Krieges in der Antike, 8. Oktober 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Laut Vorwort stellt das Werk die wechselseitigen Beziehungen von Kriegs- und Gesellschaftsgeschichte im Anschluss an die angelsächsische Literatur in den Mittelpunkt der Überlegungen. Sofort kommt dem interessierten Leser das Werk von Keegan Die Kultur des Krieges in den Sinn. Gegenüber diesem liefert der Verf. eine erfreulich eigenständige Darstellung für den Zeitraum vom Griechenland Homers bis praktisch zum Untergang des römischen Reichs. Sofort springt ins Auge, dass sich das Werk auf dem neuesten Forschungsstand befindet. Dies zeigen etwa die gegenüber Keegan wesentlich differenzierteren Überlegungen zur Entstehung der Hopliten-Phalanx. Während sich bei dem Engländer noch die Vorstellung findet, dass die Griechen regelmäßig eine rasche Entscheidungsschlacht erzwingen wollten, um als Bürger wieder zu Ackerbau und sonstigen Verrichtungen zurückkehren zu können, verdeutlich Schulz hier den ganz grundsätzlich viel kriegerischen Charakter der griechischen Kultur. Vor allem im Rahmen der Abhandlung des attisch-delischen Seebundes wird beeindruckend deutlich, dass die Blütezeit Athens unter Perikles durch ständige Beutezüge der großen Flotte finanziert wurde. Weiß man das, leuchtet auch viel eher ein, warum Athen im Konflikt zwischen Korinth und Kerkyra nicht nachgeben konnte, sondern die Auseinandersetzung mit Sparta riskieren musste: Man hätte sonst die Dominanz in einem wesentlichen Teil des für Beutezüge bestimmten Meeresabschnitts zur Disposition gestellt und die eigene Lebensgrundlage gefährdet. Vor allem die Geschichte der Phalanx von ihren eher einfachen Anfangsbedingungen (die Helden Homers gruppieren sich nur beim Rückzug, nicht beim Angriff) zur wissenschaftlich ausgeklügelten Technik der makedonischen Heere weiß den Leser zu fesseln. Für mich stellten vor allem auch die Kapitel über die Heerstechnik der Diadochenheere eine Bereicherung dar. Man versteht erst auf dieser Grundlage die Vorgehensweise Hannibals richtig. Denn er bediente sich - bei aller eigenen Genialität - vor allem der griechischen Militärtechnik (Pyrrhus galt Hannibal als großes Vorbild, wie ich ebenfalls aus dem vorliegenden Werk weiß).

Den Erfolg der eher schlichten Manipel-Technik der römischen Legionen erklärt der Verf. hingegen - für mich ebenfalls überzeugend - aus den großen personellen Reserven der Römer. Gerade die Kriege gegen Pyrrhus zeigen, dass die Römer Niederlagen in ihren Folgen leichter tragen konnten, als die an Mannschaftsstärke regelmäßig knappen Heere der Griechen. Die vglw. einfache Technik der römischen Legionen erlaubte es geradezu, Anfänger schneller einzugliedern. Dies war im Rahmen der spätgriechischen Phalanx wegen der zugrundeliegenden Militärtechnik hingegen nicht möglich.

Ein weiterer Schwerpunkt des Buches liegt in der anschaulichen Darstellung der Techniken der Seekriegsführung. Der Verf. zeigt, dass die Griechen zum Zeitpunkt der Schlacht von Salamis technisch gegenüber den Persern weit zurücklagen. In der Zeit des attisch-delischen Seebundes führten sie indes die Technik des "diekplous" zu seltener Meisterschaft. Deutlich wird auch, dass eine Alternative im Flottenbau aber immer auch darin bestand, auf die Massivität der Schiffskörper zu setzen und diese mit Geschützen, Türmen und Enterbrücken zu bestücken. Dann konnte der zu wendigen Manövern fähige Gegner oft auf sehr brachiale Weise vorher gestoppt werden. Ich habe den ersten karthagischen Krieg erst verstanden, nachdem mir klar wurde, dass die Römer - wen wundert es - auf die brachiale Methode setzen, während die Karthager Meister der klassischen Manövriertechnik waren. Angenehm räumt Schulz hier auch mit den alten, auf Polybios zurückgehenden Mythen von der raschen Errichtung einer römischen Flotte auf der Grundlage einer gestandeten karthagischen Trireme auf.

Vielleicht darf ich abschließend nur eine Warnung aussprechen: Das Buch liefert keine detaillierten Schlachtenbeschreibungen. Selbst zentrale Ereignisse wie Cannae werden nicht im Detail beschrieben (Empfehlung: The Ghosts of Cannae: Hannibal and the Darkest Hour of the Roman Republic, sondern nur im Ergebnis gedeutet und in den Gesamtzusammenhang gestellt. Gerade die "Schlachten" Caesars, die wohl mehr ein Völkermorden waren, werden nur knapp und als solche angesprochen. Dafür werden beeindruckend die Einflüsse der Militärtechnik auf Gesellschaftsstrukturen gezeigt: Die Ruderbesatzung spiegelt dabei den Aufstieg der vermögenslosen Freien (Theten) ebenso wie die Legion des Marius das Erstarken des römischen Bürgers. Zu Recht wird deshalb Marius und Sulla größeres Augenmerk geschenkt, als Caesar und Octavian. Letztere zogen nur die Konsequenz aus den Fakten, die die ersteren geschaffen hatten.

Sie merken vielleicht: Die Fülle der Eindrücke, die dieses Buch vermittelt, ist wirklich groß. Insgesamt handelt es sich um sehr anregendes und leicht verständlich geschriebenes Buch. Ich kann es nur empfehlen!


BE
BE
Preis: EUR 9,99

20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Biographisches Kleinod!, 12. September 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: BE (Kindle Edition)
Im vorliegenden Werk habe ich zunächst eher mäßig interessiert bei einem Bekannten geblättert, bis ich an die Stelle mit "Prinz Eisenherz" kam. Die Autorin konnte BE wohl die größte Freude dadurch bereiten, dass sie ihm die drei ersten Bände der Bocola-Ausgabe über die Abenteuer des Prinzien schenkte. Eichinger verschlang diese regelrecht und machte den Herausgebern beim Verlag mit einer E-Mail gehörig Dampf, nicht so lange mit der Veröffentlichung der Folgebände zu zögern, weil sie sonst wie alle ihre Vorgänger scheitern könnten. Dies aber wollte er als Fan nicht erleben. Ich hoffe - selbst ein Eisenherz-Fan -, dass Eichinger den Abschluss der Hal Foster-Jahre noch erlebt hat. In dieser kleinen Szene liegt eine zentrale Stärke des vorliegenden Werks: An sehr bildhaften, mit viel Liebe erzählten Szenen verdeutlicht es den Menschen hinter dem in der Öffentlichkeit kolportierten Bild des Machers, Frauenhelden usw. Die Autorin macht sich dabei als Ehefrau das größte Kompliment selbst, indem sie sich erkennbar wirklich für Eichinger als Menschen interessiert hat. Dafür sprechen die detaillierten Szenen aus der teils idyllischen, dann aber im Internat wohl eher traumatischen Kindheit. Aber auch die zahlreichen Affairen mit den attraktivsten Schauspielerinnen werden unverkrampft und nie effektheischend oder geschmacklos angesprochen Als Leser kann man gerade wegen der Detailtreue und der Empathie bei der Darstellung dem in der Öffentlichkeit oft schroff und kühl wirkenden Portraitierten hier in ganz eigener Weise näher kommen. Dies aber lohnt sich aus folgenden Gründen:

Ich empfand es bei der weiteren Lektüre immer wieder sehr interessant, bekannte Filme (nicht nur eigene Werke) aus dem Blickwinkel Eichingers mit sehen zu können. Wenn die Autorin etwa von den gemeinsamen Eindrücken über "Vertigo" von Alfred Hitchcock berichtet und das Besondere an diesem Film, den ja jeder anders sieht, in der Inszenierung und Kostümierung der weiblichen Hauptdarstellering versteht oder wenn Eichinger R.W. Fassbnders "Katzelmacher" als abgefilmtes Theaterstück kritisiert, spürt man ein scharfes Auge und einen durchdringenden Verstand, für den man sich mehr und mehr zu interessieren beginnt. Das gilt zunehmend auch für den Menschen Eichinger. Vorliegend findet vor allem keine Verklärung statt, wohl aber eine liebevoll zugetanes Portrait eines besonders interessanten Menschen, der stets "sein Ding" machte: In den hippie-dominierten 70ern trug er Anzug und Kurzhaarfrisur, nur um in den achtziger Jahren entgegen dem Trend in die lässige Ecke zu wechseln. Dass die Gattin über Eichingers lebenslangen Zug zum Rotlichtmilieu mit leichter Hand berichten kann, nimmt für beide ein. Hinzu treten - wen wundert es bei einem solchen Leben - interessante Erlebnisse mit zahlreichen Zeitgenossen, Weggefährten und Antipoden. Mich hat jedenfalls keine Prominentenbiographie seit der von Andrew Agassi so gut unterhalten wie diese!


Ravel - The Complete Edition
Ravel - The Complete Edition
Preis: EUR 59,99

32 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit viel Liebe zur Musik ausgewählt!, 10. September 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ravel - The Complete Edition (Audio CD)
Nicht wenige Leser dieser Zeilen werden bereits eine Ravel-Sammlung besitzen. Mir ging es vor dem Kauf nicht anders. Doch hatte ich weder die Lieder noch die CD mit den drei Rom-Kantaten. Gemessen am ursprünglich hier geforderten Preis, der mittlerweile wohl noch etwas gestiegen ist, war die Sammlung allein schon aus dieser vordergründigen Sicht einladend. Insgesamt besticht sie durch ein sehr hohes Niveau und gibt zumindest das mir bekannte Werk Ravels lückenlos wieder:

CD 1: Die frühen Klavierwerke und der Tombeau de Couperin mit Thibaudet. Thibaudet ist für mich d e r moderne Ravelpianist, was sich auch vorliegend bei der Interpretation der Jeux d*'Eau oder bei der Sonatine von 1905 bewahrheitet. Ich hätte gerne auch das gesamte Klavierwerk in seiner Interpretation genommen. Aber zum Charakter der vorliegenden Werkauswahl zählt wohl, dass verschiedene Künstler mit klassischen Aufnahmen zum Zug kommen.

CD 2: Die Valses nobles mit Argerich, die Miroirs mit Pierre-Laurenz Aimard und der Gaspard de la nuit mit Pogorelich. Gerade den überaus virtuosen Gaspard de la Nuit gibt es ironischerweise auch in einer schönen Aufnahme mit Argerich und einer in Frankreich sehr beliebten mit Aimard. Dass hier Pogorelich ausgesucht wurde, hat dennoch seinen Sinn, weil er eine der virtuos brillantesten, klanglich schönsten und in den beiden letzten Bildern auch dämonischsten Interpretationen vorlegt. Die Valses sind bei Argerich ebenfalls sehr gut aufgehoben; die teilweise massiven Akkorde geht sie mit großem Schwung und nie grob an. Aimard kommt mit den Miroirs fast ein wenig zu kurz. In der Alborado del gracioso kann er jedoch seine außergewöhnliche Anschlagskultur demonstrieren.

CD 3: Hier finden sich Werke für 4 Hände und für 2 Klaviere, ua. Ma Mère l'Oye (Pascal & Dénise Rogé) und Rapsodie Espagnole (Vladimir und Vovka Ashkenazy). Auch ein Arrangement der Nocturne von Debussy für zwei Klaviere, das ich nicht kannte, aber interessant die Stimmen des Originals herausarbeitet findet sich hier.

CD 4: Werke für Violine und Klavier wie etwa die Violinsonate und die Tzigane mit Chantal Juillet und Pascal Rogé sowie die Cello-Sonate mit Truls Mori und Rogé

CD 5: Das Streichquartett von 1903 in der Interpretation des Melos-Quartetts ist ein echter Höhepunkt der gesamten Edition. Hören Sie nur in den ersten Satz hinein und Sie werden wissen, was ich meine. Das Werk verkörpert bereits den vollen Ravel-Stil der mittleren Zeit und wird hier in seltener Wärme und viel Sinn für den zurückgenommenen, sanft musikalischen Tonfall gegeben. Dies gilt auch für das ebenso berückende Klaviertrio mit dem Beaus Arts Trio.

CD 6: Hier beginnt das Liedwerk. Für mich persönlich stellen diese Werke den Höhepunkt dieser Edition dar. Denn sie decken den ganze Ravelstil ab. Die 3 poèmes de Malarmés gibt es hier mit einer kammermusikalischen Begleitung (Nash-Ensemble); auf einer späteren CD folgt die Orchesterfassung. Die Werke sind einer sehr sensitiven Fin-de-Siècle-Stimmung gehalten und insoweit von berückender Schönheit. Die Interpretation von Felicity Palmer ist schlicht umwerfend. Dann aber folgen Lieder im kindliche naiven und volksliedhaften Ton (Histoire Naturelles, 5 mélodies populaires grecques usw.) ebenfalls mit Felicity Palmer. Schließlich ist auch Cecilia Bartoli mit den Mélodies hebraiques und den chants populaires zu hören (begleitet von Myung Wun Chung).

CD 7 bringt viele Einzellieder mit Klavierbegleitung. Es handelt sich um ältere Aufnahmen mit Souzay, aber auch neuere Interpretationen.

CD 8 beinhaltet Orchesterlieder wie die Shehrazade (mit Ouvertüre). Hier kommen die 3 poèmes de Mallarmé wieder, diesmal mit Suzanne Danco (ebenfalls klasse). Und eine prächtige Zugabe stellen die Trois Chansons mit dem Monteverdi Choir unter Gardiner dar.

CD 9: Daphnis et Chloé mit Dutoit, sicher eine der schönsten Aufnahmen des Werks

CD 10: Das Klavierkonzert in G-Dur mit Argerich (aber hier gibt es natürlich auch Michelangeli) und das Klavier für die linke Hand mit Beroff. Den Tombeau de Couperin und die Valses nobles et sentimantels mit Abbado (sehr schön).

CD 11: Orchsterwerke mit Dutoit: Bolero, Alborado, Ma Mère l'Oye, Barque und Rapsodie espagnole. Dutoit und das Symphonieorchester Montréal haben hier Maßstäbe gesetzt.

CD 12/13: Die beiden Opern L'enfant et les sortilèges und L'heure espagnole mit Maazel. Beide Einspielungen, der nicht sofort zugänglichen, aber absolut lohnenswerten Werke gelten als klassische Referenz. Eine gelungene Alternative stellen die beiden Einspielungen mit Previn - hier L'enfant Ma mere l'oye / L'Enfant et les Sortileges - dar. Besonders lobenswert: Die Texte befinden sich im Booklet!

CD 14: Das Schmankerl für mich persönlich: die drei Rom-Kantaten von Ravel. Diese Platte hatte ich bei ihrem Erscheinen verpasst; sie wurde mittlerweile für Liebhaberpreise über dem Gesamtpreis der vorliegenden Edition gehandelt. Die Werke sind in einem an Wagner erinnernden Stil gehalten und verblüffen durch einen opernhaften, teilweise an Puccini gemahnenden Stil. Alle drei Werke sind hörenswert und auch hier finden sich die Librettotexte im Booklet.

Insgesamt eine hervorragende Auswahl.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 7, 2012 6:16 PM CET


Antonio Vivaldi (Musique)
Antonio Vivaldi (Musique)
Preis: EUR 27,99

5.0 von 5 Sternen Endlich eine seriöse Großbiographie!, 10. September 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Antonio Vivaldi (Musique) (Kindle Edition)
Die Musikwissenschaftlerin Mamy legt hier die erste moderne und seriöse Großbiographie zu Antonio Vivaldi vor. Einschlägige Versuche gibt es seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts als die großen Manuskriptsammlungen entdeckt wurden. Nur waren die ersten Werke fast allein auf den Solokonzertkomponisten Vivaldi zugeschnitten. Das kirchenmusikalische Werk und die Opern sind aber erst in letzter Zeit ins Bewusstsein gedrungen. Da Vivaldi jedoch nach eigenem Verständnis vor allem Vokalkomponist war, bedeutet die ältere Sicht notgedrungen eine Verzerrung. Diese Lücke schließt das vorliegende Werk. Es orientiert sich konsequent am neueren Forschungsstand wie etwa dem zweibändigen Werk von Reinhard Strohm zu den Vivaldi-Opern: The Operas of Antonio Vivaldi. Die zeitliche und auch künstlerische Einordnung der Opern nimmt entsprechend deutlichen Raum ein. Zugleich erweist sich die Verf. als beeindruckende Kennerin der venezianischen Geschichte, deren Verlauf für die Einordnung des Werks von Vivaldi so bedeutsam sind. Auch wird dem Leser das Lokalkolorit der zahlreichen Orte vermittelt, an denen Vivaldi wirkte und die bis heute unverändertn sind. Der Eingangstext, der hier als Leseprobe geboten wird, wirkt leider etwas sehr blumig, steht aber nicht für den lebendigen und konkret werdenden Stil des Werks insgesamt. Wer also im Anschluss an die Neuveröffentlichungen der Musikwerke Vivaldis nach weiteren Informationen sucht, wird hier begeistert zugreifen. Man würde sich wünschen, dass das Werk ins Deutsche übersetzt werden könnte. Leider aber fehlt in Deutschland ein Verlag wie Fayard, der sich auf Biographien von höchstem Niveau speziallisiert hat (vgl. nur die bei Fayard erschienene Voltaire-Biographie von Pommeau). Eine unbedingte Empfehlung für denjenigen, der die französische Sprache einigermaßen beherrscht!


Literatur!: Eine Reise durch die Welt der Bücher (cadeau)
Literatur!: Eine Reise durch die Welt der Bücher (cadeau)
von Katharina Mahrenholtz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sollte man mit einem Augenzwinkern lesen, 10. September 2012
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Das Buch präsentiert sich als Literaturführer für Nichtleser und will auf etwas über 180 Seiten den Zeitraum von Dantes Göttlicher Komödie bis zu Jennifer Egan, A Visit from the Goon Squad, abdecken. Schon der Umfang zeigt, dass es hier vor allem um Infotainement und vielleicht auch gelegentlich um eine nicht allzu boshafte Provokation geht.

Der bewusst flapsig gehaltene Text dürfte nämlich manchen ernsten Leser deutlich vor den Kopf stoßen: Bei Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, gibt es auf S. 78 nach einer kurzen Inhaltsangabe den Einsteigertipp, nur bis zur Madeleine-Episode auf Seite 60 zu lesen und dann auf den Band von Alain de Botten, Wie Proust Ihr Leben verändern kann, umzusteigen. Dazu wird wie zu jedem größeren Werk auch hier eine Smalltalk-Info nachgereicht: Man solle sich den Monty Python-Sketch zur All England-Summarize-Proust-Competition nicht entgehen lassen. Nicht immer sind die Informationen allerdings so vordergründig. Die Smalltalk-Info zu den Buddenbrooks enthält den Hinweise, dass der Name der Stadt Lübeck im Werk selbst nicht vorkommt, dass aber dennoch im Zeitpunkt seines Erscheinens eine Liste kursierte, in der Romanfiguren mit echten Lübecker Bürgern gleichgesetzt wurden.

Nun könnte man als Proust-Fan mit hochrotem Kopf anlaufen und gegen derlei Oberflächlichkeiten wettern. Aber in einem solchen Fall gehört man schlicht nicht zur Zielgruppe. Wesentlich geistreicher und nicht minder ironisch hat bereits Rolf Vollmann in seinem legendären Romanführer Die wunderbaren Falschmünzer: 2 Teile in einem Band das Thema behandelt. Das Werk von Vollmann würde ich daher allen literarisch Interessierten empfehlen, die nach neuen Anregungen oder ironischen Reminiszenzen suchen. Wer jedoch als absoluter Anfänger in die Materie einsteigt und bisher nie Zeit für dieses Sujet hatte, kann hier vielleicht einen wenig angestrengten und unernsten Einstieg finden.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 2, 2012 6:19 PM CET


Streichquartette 13-15 d 804,810,887
Streichquartette 13-15 d 804,810,887
Preis: EUR 9,25

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wirklich etwas Besonderes!, 30. August 2012
Auf diese Aufnahme wurde ich, wie wahrscheinlich viele andere, durch die Auszeichnung seitens der Deutschen Schallplattenkritik aufmerksam. Regelmäßig ist man allerdings etwas skeptisch, ob in den oft undurchsichtigen Entscheidungsprozessen wirklich Preiswürdiges ausgezeichnet wird. Hier aber waren diese kleinlichen Besorgnisse nicht begründet. Diese beiden Aufnahmen stellen wirklich etwas Besonderes dar.

Dem Hörer fällt zunächst die außerordentliche Transparenz und Durchhörbarkeit des Spiels auf. Im letzten Satz des D-Moll-Quartetts werden Portamenti und Vibrati fast völlig zugunsten eines sehr dynamischen präzise artikulierten Spiels vermieden. Beim Zuhörer entsteht der Eindruck eines geheimnisvollen Flüsterns, das sich nach und nach zu einer gespenstischen Jagd steigert. Auffällig ist ferner das dynamisch äußerst raffinierte Spiel der ersten Violinisten (Natalia Prischepenko). Im schönen ersten Satz des Rosamunde-Quartetts drängt sie sich nicht in den Vordergrund, sondern beginnt verhalten, wobei die punktierte, rhythmisierte Begleitung von Viola und Cello besonders fieberhaft und packend wirkt. Mir hat sich der Satz seit ewigen Zeiten in der Interpretation des Melos-Quartetts eingeprägt, das die sanfte Schwermut unvergleichlich in den Vordergrund rückt. Hier aber erscheint mir das emotionale Spektrum noch differenzierter, weil die Bedrohung des Idylls stärker im Vordergrund steht. Auch auf den interpretatorisch (wohl nicht technisch) schwierigen letzten Satz des Rosamunde-Quartetts hat das Artemis Quartett eine Antwort. Der einfache, musikalische zurückgenommene Satz wird mit großem Gefühl, aber ohne falsche Drücker und künstlichen Biedersinn gegeben. Hinzuweisen wäre vielleicht auch auf den Beginn des D-Moll-Quartetts der nach meinem Eindruck oft verunglückt, weil der erste Einsatz zu scharf und daher oft auch zu äußerlich wirkt. Hier zeigen die vier Musiker außerordentlichen Geschmack und die Selbstsicherheit, die Tragik dieses Satzes sich erst nach und nach entfalten zu lassen.

Hinzu tritt eine für meine Ohren (ich bin kein Audiophiler) ausgesprochen gute Aufnahmequalität, die die musikalischen Stärken - Transparenz und Raffinement - hervorhebt. Mir hat die Aufnahme besser gefallen als etwa die klassische mit dem Alban Berg-Quartett, weil sie extreme Schärfen und Kontraste meidet und eher auf subtile Übergänge, sozusagen vom Idyll und zur gespenstischer Bedrohung, setzt. Mir scheint die Aufnahme wirklich als etwas ganz Besonderes. Man sollte sie deshalb einmal gehört haben, auch wenn sich die klassischen Einspielungen dieser Werke bereits im CD-Schrank stapeln.


Operette: Porträt und Handbuch einer unerhörten Kunst
Operette: Porträt und Handbuch einer unerhörten Kunst
von Volker Klotz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seriöse Darstellung, auch für den Klassikliebhaber geeignet, 29. August 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Ich selbst bin kein klassischer Operettenliebhaber, sondern eher ein Klassikfan. Um offen zu sein, bewirkt der Auftritt des "Bärbeli" im Schwarzwaldmädel für mich ungefähr dasselbe wie der Biss in eine Zitrone. Dennoch weiß ich wie viele andere um die zahlreichen Perlen des Operettenrepertoires. Die Einspielungen mit Ackermann als Dirigent bei EMI etwa, aber auch die Werke Lehars, der von der kompositorischen Statur her oft Puccini-Niveau erreicht, und die Werke von Johann Strauß II machen immer wieder neugierig. Wer daher, so wie ich, aus der etwas weniger heiteren Ecke kommt, ist mit diesem Werk bestens bedient. Es besteht aus einem allgemeinen Teil zur Operette als Kunstwerk und einem besonderen mit Portraits der einzelnen Komponisten. Dabei verfolgt der Autor einen eigenwilligen in der Sache aber überzeugenden Kurs. Konsequent setzt er auf die internationale Dimension des Themas. Gilbert & Sullivan, die Zarzuela und die Werke Offenbachs kommen genauso vor wie die Wiener Operette, die man in erster Linie mit dem Thema in Verbindung bringt. Einige Komponisten, darunter Jessel, den Schöpfer des besagten Schwarzwaldmädels, und Raymund (Maske in Blau) kommen garnicht in eigenen Werkportraits vor. Alle großen Operettenkomponisten (Fall, Suppé, Künnecke, Oscar Straus usw.) sind aber prominent vertreten. Die Werke selbst werden auf ihren musikalischen Stil , aber auch im Hinblick auf ihre künstlerische Aussage hin durchleuchtet. Dem Autor liegt dabei die kritisch-freche Operette à la "Vie parisienne" eindeutig mehr alsdie Czardasfürstin mit ihrer Verherrlichung des Adels der Vorkriegsjahre. Allerdings würdigt der Verf. etwa Emmerichs Bajadere als fortschrittliches Werk. Überzeugend wird mit Notenbeispielen gearbeitet, so dass auch die musikalische Analyse nicht hintansteht. Ausweislich des Vorwortes will das Werk auf eine Erweiterung und Umschichtung im Repertoire der Theater hinwirken. Dies scheint nicht utopisch; denn Werke wie das vorliegende entfalten häufig eine Langzeitwirkung. Der Interessierte findet hier jedoch eine Fülle von Anregungen, gut begründete und vor allem eigenständige Einschätzungen der Qualität der Werke. Wer es deshalb mit der Operette versuchen will, kann sich hier hervorragend vorbereiten.


Das Phantom des Alexander Wolf: Roman
Das Phantom des Alexander Wolf: Roman
von Gaito Gasdanow
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

39 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend dichte Novelle, 29. August 2012
Bei Gasdanow handelt es sich um einen russischen Schriftsteller ossetischer Herkunft. In jungen Jahren schloss er sich der weißrussischen Armee an und musste deshalb später über Umwege nach Paris fliehen. Dort verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit Hilfstätigkeiten und auch als Taxifahrer. Später schrieb er für die große Exilgemeinde der in Paris lebenden Russen. Anders als Nabokov blieb er der russischen Sprache dabei ein Leben lang treu.

Beim vorliegenden Werk handelt es sich - gemessen an den üblichen Kriterien - um eine Novelle. Packend und dicht erzählt, spielt sie im Jahre 1936 in Paris. Der Erzähler beginnt damit, das kein Ereignis sein Leben so sehr geprägt habe, wie ein Vorfall, anlässlich dessen er einen Menschen getötet habe. Es folgt die Schilderung eines Zwischenfalls während des russischen Bürgerkriegs. Der Erzähler tötet dabei einen Gegner, der ihm zuvor das Pferd unter dem Leib weggeschossen hat, durch einen gezielten Schuss und ergreift danach rasch die Flucht. Jahre später wird der Erzähler allerdings in Paris auf einen Band mit in englischer Sprache verfassten Kurzgeschichten aufmerksam. In einer der Erzählungen wird der Vorfall aus der Sicht des vermeintlich Getöteten erzählt. Darauf macht sich der Erzähler auf die Suche nach dem Autor und früheren Todfeind, dem "Phantom des Alexander Wolf" eben. Die Suche führt ihn an verschiedene Orte und zu unterschiedlichen Bekanntschaften. Eine dicht erzählte Liebesgeschichte bestimmt den Mittelteil und eine (vielleicht nicht ganz so überraschende) Pointe den Schluss.

Die Stärke des Werks liegt in der Fähigkeit des Verf., das Lebensgefühl der unter den Nachwehen des Ersten Weltkriegs und des Bürgerkriegs leidenden Zwischengeneration präzise auf den Punkt zu bringen. Vergleichbar etwa mit Puschkin macht Gasdanow regelmäßig nicht viele Worte, sondern bringt die erzählten Situationen wie mit dem Gravurstift in einigen wenigen präzisen Wendungen auf den Punkt. Im Mittelpunkt der Erzählung steht das für den mitteleuropäischen Leser zunächst nicht sofort nachvollziehbare verwundete Lebensgefühl der Kriegsgeschädigten. Denn der jederzeit mögliche Verlust des Lebens lässt sämtliche Gewissheiten entfallen und alle Freuden schal erscheinen. Nur im Akt des Tötens selbst verschaffen sich die unmoralischeren Zeitgenossen das Scheingefühl, genau die Macht zu besitzen, deren Opfer sie ansonsten sind. Der Autor selbst kämpft gegen derlei Gefühle vor allem mit seiner Geliebten tapfer an. Bei anderen Zeitgenossen führt diese Verstörtheit jedoch zu dämonischen Auswüchsen.

Das Werk wirkt trotz dieses Themas insgesamt nicht düster und deprimierend, sondern liest sich aufgrund der präzisen Menschenzeichnung überaus spannend. Aufgrund des geringen Umfangs fordert es den geübten Leser ungefähr 3 Stunden. Ein Nachwort der Übersetzerin Rosemarie Tietze, der übrigens eines sehr ansprechende sprachliche Gestaltung gelungen ist, verweist auf weitere Werke des Autors. Vor allem "Der Abend bei Claire" macht dabei sehr neugierig. Hoffentlich besteht die Chance auf Nachschub! Ich kann das vorliegende Werk dem Interessierten ohne Einschränkungen empfehlen.


Total Recall
Total Recall
DVD ~ Colin Farrell
Preis: EUR 4,99

21 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schnörkelloser Actionthriller - rundum empfehlenswert!, 27. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Total Recall (DVD)
Ich bin ein großer Fan des Originals mit Schwarzenegger und war daher zunächst ziemlich gegen das vorliegende Filmprojekt voreingenommen. Der spannende Trailer, aber auch eine typisch blasierte Kinorezension in einer überregionalen Tageszeitung, die vor den armseligen erkenntnistheoretischen Grundannahmen des Films warnte, ließen mich ahnen, dass ich hier richtig sein könnte. Die Erwartung hat nicht getrogen. Der Film kommt dankenswerterweise ohne Botschaft aus, unterhält dafür aber bestens. Dazu tragen neben einem rundum überzeugenden Colin Farrell vor allem die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen bei. Kate Beckinsale wirkt durch eine furchterregende, beinahe dämonische Präsenz. Sie trägt allein durch ihr Mienenspiel erheblich zur bedrohlichen Gesamtatmosphäre des Films bei. Die ständige Flucht der beiden anderen Helden überzeugt nämlich nur, weil ihnen eine solche Furie im Nacken sitzt. Man bemerkt als Zuschauer, welches Potenzial in Beckinsale steckt und würde sich wünschen, dass dieses künftig nicht für Underworld 5 verschwendet wird, sondern sinnvoller zum Einsatz kommt. Ebenso überzeugend agiert allerdings auch Jessica Biel, gerade weil sie aus einer großen inneren Ruhe heraus spielt und sich niemals vordergründig in Szene setzt.

Die Welt von Total Recall erinnert an die von Blade Runner: Hässliche, verregnete Straßenschluchten, in denen flackernde Neonwerbung (meist asiatische Schriftzeichen) prangt, hinterlassen auf stimmungsvolle Weise den Eindruck einer lebensfeindlichen, bedrohlichen Welt. Was dem Film gegenüber dem Original fehlt, ist das raffinierte Spiel zwischen Wirklichkeit und Traum des Haupthelden. Darauf hat der Regisseur weniger Wert gelegt als Verhoeven in dem Film mit Schwarzenegger. Wenn sich dort der Agent in der letzten Szene nach der Rettung eines ganzen Planeten die bange Frage stellt, ob er jetzt wohl gleich aufwacht und wieder an die Alltagsarbeit muss, überläuft es den Zuschauer kalt. Denn dieselben Befürchtungen hat er nach diesem Film ja auch!

Dies fehlt hier, und deswegen erscheint gerade die Schlussszene in der neueren Version vergleichsweise schwach. Aber insgesamt verlässt man den Film nicht mit dem eigentümlich leeren Gefühl, Zeit und Geld verschwendet zu haben, sondern fühlt sich - wie gesagt - bestens unterhalten.
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