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Caliban (Süddeutschland)
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Das Unheimliche
Das Unheimliche
Preis: EUR 0,00

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kleinere, gut lesbare Schrift!, 22. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Unheimliche (Kindle Edition)
Von dieser Schrift wusste ich als lebenslanger E.T.A.-Hoffmann-Fan schon Jahre; sie war jedoch bisher nur stets mit anderen Werken Freuds gemeinsam zu nicht unansehnlichen Preisen zu beziehen. Nun kann sie auf dem Kindle kostenlos heruntergeladen werden. Erkennbar handelt es sich um ein kleineres, weniger stringent argumentierendes Werk von Freud. Mit der Traumdeutung und der Abhandlungen zur Hysterie ist es nicht zu vergleichen. In einfacher, leicht verständlicher Sprache gefasst, hat es der geübte Leser in einer Stunde bewältigt. Ein erster Teil setzt sich dem "Sandmann" von E.T.A. Hoffmann auseinander. Die Passage endet mit der Behauptung, der Augendiebstahl - zentraler Gegenstand dieser Erzählung - versinnbildliche die Kastrationsangst. Eine tiefere Begründung liefert Freud dabei nicht. Im zweiten Teil geht es allgemeiner um das Unheimliche, wobei die Elixiere des Teufels als Vorbild dienen. Hier entwickelt Freud die bekannter gewordene These, dass die Furcht vor dem Unheimlichen eine verdeckte Furcht vor dem eigenen Tod zum Ausdruck bringe. Bedenkenswert ist dies allemal und trifft sicherlich einen Teilaspekt. Mir als Laie fällt aber mindestens noch das menschliche Instinktprogramm im Zwischenhirn ein: Die Gänsehaut, die sich beim einsamen Aufenthalt im dunklen Wald einstellt, hat wohl ebenso wie die Gänsehaut bei der Lektüre des "Exorzisten" ihre Ursache in den Instinkten des Fluchttiers.

Wie immer man dies auch sehen mag: Für 0 Euro kann jeder das Wagnis eingehen, aus diesem Text vielleicht doch noch etwas mehr zu entnehmen, als mir dies gelungen ist. Wegen der im Text zum Ausdruck kommenden Begeisterung für Hoffmann gebe ich - hier völlig voreingenommen - doch noch vier Punkte.


Hymnen an die Nacht
Hymnen an die Nacht
Preis: EUR 0,00

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Richtigstellung!, 22. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hymnen an die Nacht (Kindle Edition)
Auf die "Hymnen an die Nacht" in der Kindle-Version gehe ich hier aus zwei Gründen ein: wegen des selten unkundigen Verrisses von Herrn Seeger auf dieser Seite, der niemand entmutigen sollte, und wegen eben dieser Kindle-Ausgabe.

Zunächst zum Novalis-Verriss: Jedem Rezensenten ist selbstverständlich sein eigener lyrischer Geschmack konzediert; nicht aber Ahnungslosigkeit in der Sache beim Verfassen einer Rezension. Die "Hymnen an die Nacht" sind entgegen einem hartnäckigen Vorurteil gerade keine unmittelbare Reaktion auf den tragischen Tod der Verlobten von Novalis, Sophie von Kühn. Wer sie deshalb als Erlebnislyrik liest, wählt schon im Ansatz den falschen Weg zum Verständnis. Zwar stimmen einige kürzere Passagen in autobiographischen Skizzen von Novalis, die unmittelbar im Anschluss an das tragische Ereignis entstanden sind und Selbsttötungsabsichten bekunden, mit wenigen Zeilen des späteren Werks überein. Dieses ist jedoch Jahre nach dem Tod der Sophie von Kühn zu einer Zeit entstanden, in der Novalis bereits wieder mit einer anderen Frau verlobt war und deshalb keinen irgendwie gearteten Grabgesang anstimmen musste. Nachlesen kann dies der Interessierte etwa in der beindruckend kommentierten Werkausgabe Werke. Ist dieses Missverständnis einmal ausgeräumt, sollte man als Leser tief durchatmen und den unnachahmlich intensiven hohen Ton sowie die selten verdichtete Inspiriertheit dieser Werke in sich einsaugen. Sie stehen in einer Reihe mit den besten Werken Hölderlins und des Duineser Elegien. Begehen Sie vielleicht nicht den Fehler, alle Hymnen in einem Durchgang lesen zu wollen, sondern starten Sie bei der zweiten und lesen Sie diese mehrmals intensiv oder - ich wage es kaum zu sagen - lernen Sie sie vielleicht auswendig. Spätestens dann bedürfen Sie keiner dürftigen Kommentierung durch mich und wissen auch den Verriss einzuordnen.

Die Kindle-Ausgabe schließt an die spätere Athenäums-Ausgabe an, in der rhythmisierte Prosatexte und Gedichteinschübe einander abwechseln. In der älteren Version war die rhythmisierte Prosa ganz in Gedichtzeilen gesetzt, was dem Texteindruck jedoch aus Sicht von Novalis schadete (vgl. auch dazu Schulz). Was ist zu dieser Ausgabe sonst noch zu bemerken: zunächst einmal einen herzlichen Dank, dass sie für 0, 0 Euro herunterzuladen ist. Sie ist auf meinem Gerät mittlerweile neben den ebenfalls kostenlosen Gedichten Goethes und Hölderlins abgespeichert und wie diese jederzeit zur Hand und überall dabei! Gibt es eine bessere Kaufempfehlung für ein elektronisches Lesegerät, wenn man bedenkt, wie viele sonstige Klassiker zum Nulltarif zu haben sind?
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 20, 2012 12:17 AM CET


Novalis: Biographie
Novalis: Biographie
von Wolfgang Hädecke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klare Empfehlung!, 22. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Novalis: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Ich beurteile das Buch hier aus der Warte eines privaten Liebhabers und darf kurz meine Ausgangssituation schildern. Begeistert von der kommentierten Werkzusammenstellung von Gerhard Schulz Werke wollte ich eigentlich auf die Biographie desselben Autors warten, die für Herbst angekündigt ist Novalis: Das Leben Friedrich von Hardenbergs. Eine abermalige Begegnung mit den Hymnen an die Nacht (nach langer Zeit) ließ jedoch die Neugier obsiegen, so dass das vorliegende Werk bestellte. Es war eine gute Wahl!
Der Autor ist ein Philologe, der - laut Wikipedia - lange Zeit in Weißenfels gelebt hat, also genau dort, wo Novalis auch den größten Teil seiner Kindheit und Jugend verbracht hat. Mir wurde dadurch erst rückblickend klar, warum das Buch vor allem das Lokalkolorit der Landschaft so brillant auffängt. Erfreulich empfand ich schon den Anfang des Werkes: Anders, als bei den meisten von den amerikanischen Writing Schools geprägten Büchern eröffnet das Werk nicht mit einer schockierenden oder skurrilen Szene, die den Leser auf künstliche Weise fesseln soll. Stattdessen beginnt der Autor mit einer Analyse des einzigen authentischen Portraits von Novalis, das auch auf dem Buchrücken abgebildet ist und leitet darauf zu einem Überblick über das nur 29 Jahre währende Leben dieses Dichters über. Der kurze Abriss, der bereits deutliche Bewertungen und Schwerpunktsetzungen vornimmt, überrascht, weil man Ähnliches als Leser ja erst auf den folgenden Seiten erwartet. Das Leben des von Hardenberg wird aber nicht nur als Dichter präsentiert, sondern auch als Mensch seiner Zeit, der nach einem lieblos betriebenen Jura-Studium in Rekordzeit die Bergakademie in Freiberg durchlaufen hat, um später - dem Vorbild des Vaters folgend - im Bergwerksdirektorat erfolgreich tätig zu sein. Gerade, wenn man die Hymnen an die Nacht vor Augen hat, tut es gut zu erfahren, wie pragmatisch und erfolgreich Novalis (von Hardenberg) sich im täglichen Leben in schwerer Zeit bewährt hat. Es wird das Leben einer Persönlichkeit gezeichnet, die sich nur in einem vergleichsweise engen räumlichen Kreis von Harz, Thüringen und Sachsen zu seltener geistiger Größe heranbildet. Es ist eine vermeintlich zurückgebliebene Welt, die keine Metropolen im heutigen Sinne kennt und die schon durch die regelmäßig im Herbst durch Regen verschlammten Straßen kaum zu größeren Exkursionen ermutigt. Das Buch schildert in angenehm lesbarer Sprache das kurze Leben des Protagonisten mit den dem Leser meist schon in Umrissen bekannten Ereignissen (Verlobung mit der 13jährigen Sophie von Kühn und deren qualvollem Tod, Begegnung mit Schiller, Romantikertreffen in Jena usw.). Dies bedarf hier keiner weiteren Erwähnung, sondern versteht sich bei einem Werk dieser Art.

Was herausragt, sind drei Dinge:

(1) Mit der Liebe des Lokalpatrioten wird die Affinität Novalis zum Bergbau und sein Studium in der berühmten Akademie Freiberg geschildert, was besonders berührt.

(2) Eindrucksvoller empfand ich als Leser jedoch die individuelle Auseinandersetzung mit dem Werk. Eigene Kapitel sind den "Lehrlingen zu Sais", dem "Heinrich von Ofterdingen" oder dem Werk "Die Christenheit oder Europa" gewidmet. Ausschnitte aus den Werken durchziehen den Text und werden vom Autor gewürdigt. Mich hat dies vor allem im Hinblick auf die Jugendlyrik begeistert, um die man als Leser - verwöhnt von einer Fülle außergewöhnlicher Lyrik aus Jahrhunderten - normalerweise schon aus Zeitgründen einen großen Bogen schlagen würde. Der Autor präsentiert dem Leser hier aber anregende Ausschnitte auch aus diesem Werk, die durch die erkennbar hohe Qualität die Lust auf mehr wecken. Ähnliche sind die "Geistlichen Lieder" oder die "Hymnen an die Nacht" immer auch durch Kostproben im Text gegenwärtig und werden dabei wertend eingeordnet und kommentiert. So kann man die vorliegende Arbeit auch als Werkführer lesen, was dem Interessierten natürlich sehr entgegenkommt.

(3) Die philosophische Welt Fichtes, aber auch die des Friedrich Schlegels, in der sich Novalis vor allem bewegte, wird dem Leser hier verständlich gemacht und als Schlüssel zur Werkerklärung präsentiert. Dem Interessierten würde ich ergänzend immer auch das Werk von Safranski Romantik: Eine deutsche Affäre empfehlen. Allerdings ist dies - begleitend zum vorliegenden Werk - nicht erforderlich, weil die wesentlichen Strukturen des frühen Idealismus auch hier auf packende Weise deutlich werden.

Ein Wermutstropfen bleibt; und hier geht die Kritik an den Verlag. Das Werk enthält keinen Bildteil, was deshalb schmerzlich ist, weil der Autor ständig auf ikonographische Zeugnisse in seinem Text verweist (das Bild des nicht unproblematischen Vaters, Skizzen des jugendlichen Novalis usw.). Gerade wegen dieser Art der Argumentation hätte man als Leser die in Bezug genommenen Abbildungen dringend erwartet. Dass dies - wohl aus Kostengründen - unterblieben ist, stellt dem Verlag kein gutes Zeugnis aus.

Ich ziehe dafür aber keinen Punkt ab! Dafür ist das Werk schlicht zu engagiert und für den Leser bereichernd. Es zeigt an einem Beispiel eindrucksvoll, wie in einem Deutschland ohne äußeren Glanz sich eine ganze Generation von Dichtern und Philosophen zu innerer geistiger Größe mit Weltgeltung erhoben hat. Vergleicht man diese Zeit mit den heutigen Verhältnissen, wo Preisverleihungen, Messen und Events einander abwechseln, aber erkennbar kaum jemals auch nur ein annähernder Grad an Inspiriertheit erreicht wird wie in der zweiten Hymne an die Nacht, beschleicht den Leser eine leichte Wehmut. Es tut gut, im vorliegenden Werk nachzulesen, worum es im geistigen Leben wirklich ankommt!


An Introduction to Persian
An Introduction to Persian
von Wheeler M. Thackston
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 37,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auch aus deutscher Sicht die Nr. 1!, 20. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe persisch vor Jahren mit Hilfe der beiden Lehrbücher von Sobhani Persisches Lehr- und Lesebuch für die Umgangssprache. (Persisch 2.) (Lernmaterialien) und Lorenz/Alavi Lehrbuch der persischen Sprache, nachgedruckt als Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Persisch iim Rahmen eines Studiums der Oirentalistik gelernt. Den Sobhani kann man schwer ernst nehmen; Der Lorenz/Alavi hat ein ganz anderes Gewicht, aber auch erhebliche Eigenarten: Die Vokabellast in den späteren Lektionen ist immens. Das Buch zwingt zum Erlernen von Spezialvokabeln für den Einsatz an der Baustelle (sic!) ebenso wie zur Beschreibung der U-Bahnstationen und verlangt selbst dem Geduldigsten einiges ab, denn diese Wörter werden in den nachfolgenden Lektionen stets vorausgesetzt und können nicht in einem Stichwortverzeichnis am Ende des Werks nachgeschlagen werden. Da meine Beweggründe für das Erlernen der Sprache in Richtung persische Dichtung gingen, war dies überaus belastend.
Jahre später - aus einem Spleen heraus - ist das Interesse an Hafez, Rumi, Saadi und Nizami erneut erwacht. Deshalb nahm ich mir den Lorenz/Alavi noch einmal vor, schaffte es im zweiten Durchgang aber nur bis Lektion 22. Danach stieg ich auf das vorliegende Werk um, weil ich Thackstons bilinguale Ausgabe des Golestan The Gulistan (Rose Garden) of Sa'di: Bilingual English and Persian Edition with Vocabulary und sein Lehrbuch zur persischen Lyrik A Millennium of Classical Persian Poetry: A Guide to the Reading & Understanding of Persian Poetry from the Tenth to the Twentieth Century: A Guide to ... from the Tenth to the Twentieth Century überaus schätze. Die Entscheidung war richtig.

Das vorliegende Buch bereitet sowohl auf die moderne Sprache als auch auf die klassische Dichtung vor. Im Hinblick auf den modernen Alltagswortschatz geht Thackston einen vernünftigen Weg. Er bringt am Ende einzelner Lektionen spezielle Wortfelder, die im weiteren Verlauf des Buches nicht mehr vorausgesetzt werden, macht den Leser ansonsten aber mit den Vokabeln vertraut, die für das Erlesen moderner und klassischer Texte vor allem wichtig sind. Ein klarer Vorteil gegenüber dem Lorenz/Alavi besteht darin, dass von der ersten Lektion an Wert auf das Erlernen der Nastaliq-Schrift gelegt wird. Obwohl mit dem Arabischen gut vertraut, hatte ich mit dieser Schrifttype immer meine Schwierigkeiten. Diese Lücke konnte ich systematisch mit Hilfe dieses Buchs schließen. Ansonsten zeigt Thackston einen überragenden Wissensstand hinsichtlich semantischer und syntaktiver Feinheiten der Sprache, der mich oft verblüffte. Dass bspw. "tschaharomin" nicht einfach "der vierte", sondern der Vierte ab einem spontan festgelegten Punkt aus einer bereits angefangenen Reihe bedeutet, erfährt man nur hier. Das Werk erklärt die Zusammenhänge gründlich, entschlackt aber auch die ohnehin nicht komplizierte Grammatik um Unnötiges. Das Futur, das bei Lorenz/Alavi noch ein ganzes Kapitel ausmachte, wird hier nebenbei behandelt, da es in der Praxis kaum eine Rolle spiel. Dafür wird zum Glück sehr viel mehr Wert auf die komplizierte Syntax des Persischen gelegt. Wer sich nur ein wenig auskennt, weiß, dass diese Sprache einer der einfachsten Grundgrammatiken überhaupt hat, aber syntaktisch äußerste Anforderungen stellen kann. In Anhängen zum Buch leitet der Autor den Leser einmal zur modernen Aussprache des Teheraner Dialekt, zur modernen Literatur und auch zur klassischen Literatur. Aufs engste verdichtet erfährt der Leser, was in den klassischen Texten besonders zu beachten ist. Einige Lesebeispiele, etwa aus dem Golestan, runden das ganze ab. Sämtliche Vokabeln werden am Ende mit Bedeutung und Verweis auf die Lektion aufgeführt.

Das Buch erscheint also fast perfekt; dennoch würde ich gerade für den Anfänger eine Warnung aussprechen. Wer sich noch nie mit der arabischen Schrift befasst hat, wird hier wirklich ins kalte Wasser geworfen. Die Einleitung ist äußerst knapp und dicht. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Leser ohne jede Vorbildung hier rasch resigniert. Ihm würde ich eine kurze Einführung in die arabische Schrift (vielleicht anhand eines der vielen anderen, weniger gehaltvollen Einfühungen in das Persische) empfehlen, bevor er hier weiter macht.

Nach Lektüre dieses Werkes kann es allerdings nicht sofort mit Nizami weitergehen; dies kann man aber auch ernsthaft nicht erwarten. Hier empfiehlt sich vor allem die Arbeit mit Thackstons Lehrbuch zur persischen Dichtung (s.oben). Ansonsten ist das Werk erste Wahl!


Holy War: How Vasco da Gama's Epic Voyages Turned the Tide in a Centuries-Old Clash of Civilizations
Holy War: How Vasco da Gama's Epic Voyages Turned the Tide in a Centuries-Old Clash of Civilizations
von Nigel Cliff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,80

5.0 von 5 Sternen Spannende Ereignisgeschichte und seriöse Aufarbeitung der historischen Strukturen!, 20. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In einem Reiseführer zu den Malediven las ich in einem kurzen geschichtlichen Abriss von der Schreckensherrschaft der Portugiesen im Indischen Ozean, was mich seitdem nicht mehr los ließ. Auf der Suche nach einem Werk über die Geschichte der portugiesischen Besiedelung von Westindien traf ich auf dieses Werk. Es füllt die Wissenslücken des Lesers zum Thema Heinrich dem Seefahrer und Vasco da Gama in spannender und zugleich seriöser Weise. Die kurze Einleitung schildert die Landung da Gamas in Indien in einer Momentaufnahme und blendet dann überraschend zurück bis zur Entstehung des Islam. In einem Kurzabriss erfährt der Leser von den Entstehungsgründen dieser Religion in Mekka, ihrer Ausbreitung auf der iberischen Halbinsel, aber auch der Reconquista. Das Buch schildert, wie aus den z.T. wirren Ereignissen sich die Umrisse des portugiesischen Staatsgebildes entwickeln. Die recht zwielichtige Figur Prinz Heinrichs, der trotz seines Beinamens wohl nie ein hochseetüchtiges Schiff bestiegen hat, gibt dabei die Maßstäbe vor. Recht rasch wird deutlich, dass ich an der westafrikanischen Küste nur mit dem Sklavenhandel Geld verdienen lässt. Dies aber nutzt der Prinzip in gnadenloser Weise aus. Als er 1460 stirbt, steht die maritime Strategie des portugiesischen Königshauses unverrückbar fest. Spannend ist auch das Portrait da Gamas, der keineswegs ein selbstverständlicher Kandidat für die große Reise war, sondern sich mit großem Ehrgeiz, Hunger nach Ruhm und vor allem auch in Rivalität zu dem Phantasten Kolumbus seinen Weg bahnte. Er war ein Mann von pragmatischer Härte und Durchhaltevermögen, der letztlich nach der Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung so ziemlich alles auf eine Karte setzte und den indischen Kontinent mit Hilfe arabischer Navigatoren, aber doch unter großen Unsicherheiten ansteuerte. Interessant sind vor allem die Motive dieser Expedition: Als moderner Leser vermutet man stets den Wunsch nach den Reichtümern Indiens als zentrales Motiv. Auf seiner zweiten Indienreise zeigt er Abgründe von Grausamkeit: Denn die Portugiesen unter ihrem König Manuel dem Glücklichen verstanden die Erschließung des Seewegs nach Indien vor allem als einen Kreuzzug. Wenn da Gama arabische Schiffe auf offener See aufbringen und die wehrlosen Passagiere töten lässt, erscheint er zumindest aus heutiger Sicht eher wie ein Pirat und Mörder. Auf seiner dritten Indienfahrt befiehlt er übrigens dann die Besetzung der Malediven, weil sich dort arabische Piraten eingenistet haben. Die Portugiesen aber ziehen aber an der Malabar-Küste eine Spur der Verwüstung nach sich, bis gegen 1570 ihre Dominanz bereits dem Ende entgegengeht. Der Autor schildert auch die verkommene Spätzeit, in der Korruption und Unfähigkeit der Provinzstadt Goa, die teilweise mehr Einwohner hatte als Lissabon, ein Ende bereitete.

Das Buch wirkt gründlich recherchiert und stellt - typisch für die angloamerikanische Geschichtsschreibung - immer wieder packend die Alltagsszenen und die Charaktere der Akteure in den Vordergrund.

Eine klare Empfehlung!


Selected Poems from the Divan-E Shams-E Tabriz: With the Original Persian on the Facing Page (Classics of Persian Literature)
Selected Poems from the Divan-E Shams-E Tabriz: With the Original Persian on the Facing Page (Classics of Persian Literature)
von Jalalu'l-Din Rumi
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Klare Empfehlung!, 20. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Diwan-e Shams-e Tabrizi umfasst im persischen Original zwei Bände. Hier findet sich vielleicht ein Zehntel des Originalinhalts, dafür aber mit von den schönsten Eingebungen Rumis. Das Besondere am Werk liegt jedoch in der editorischen Betreuung durch den Rumi-Experten Reynold Nicholson. Dessen Dissertation ging über den Divan und war wohl der Anlass für seine spätere Gesamtübersetzung des Mathnavi, die ich an dieser Stelle ebenfalls unbedingt empfehle. Über Amazon-Marketplace gelangt man günstig an indische Nachdrucke dieses Werks.

Vorliegend führt er den Leser gekonnt in verdichteter Weise in das Werk ein. Dem persischen Text ist jeweils die englische Übersetzung gegenüber gestellt. Diese ist in einem kritischen Anhang kommentiert. Der persische Text selbst ist durch vorsichtige diakritische Zeichen für den Nicht-Muttersprachler besonders gut lesbar. Das Werk ist schließlich handlich klein (Quarto-Format) und ein idealer Wegbegleiter für den Freund persischer Dichtung. Besser geht es nicht!


Gol-o-bolbol (Rosen und die Nachtigall). Ausgewählte Gedichte aus zwölf Jahrhunderten, übertragen aus dem Persischen von Purandocht Pirayech.
Gol-o-bolbol (Rosen und die Nachtigall). Ausgewählte Gedichte aus zwölf Jahrhunderten, übertragen aus dem Persischen von Purandocht Pirayech.
von Purandocht Pirayech
  Unbekannter Einband

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingte Empfehlung!, 20. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das vorliegende Werk verdient unbedingt eine Empfehlung. Auf der vorliegenden Seite ist zunächst nicht zu erkennen, dass es sich um eine bilinguale Ausgabe persischer Gedichte handelt. Das Werk ist bibliophil mit einigen persischen Miniaturen gestaltet. Deutscher und persischer Text stehen einander gegenüber. Bei der Auswahl fehlen natürlich Saadi, Hafez und Rumi nicht, aber hier findet sich etwa auch eine Übersetzung der atemberaubenden Kaside aiwan mada'in von Khagani so wie Kostproben von ca. 20 anderen Dichtern. Die deutschen Übersetzungen sind gereimt, folgen dem ursprünglichen Wortsinn jedoch sehr deutlich. Der Autor dichtet dabei mit großer Sensibilität und verfällt nie in grobe Schemata. Wer sich für persische Lyrik - gerade im Original - interessiert, ist hier an der richtigen Adresse.


DuMont Kunst Reiseführer Seidenstraße
DuMont Kunst Reiseführer Seidenstraße
von Anke Kausch
  Taschenbuch
Preis: EUR 25,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr informativ und anregend, aber ohne Usbekistan!!, 20. September 2011
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Ein Kunstreiseführer zur Seidenstraße steht vor einem zentralen Problem. "Die" Seidenstraße hat es zu keiner Zeit gegeben; vielmehr handelte es sich um ein ganzes Netz von Verbindungen, die sich ab Dunhuang um eine nördliche und eine südliche Hauptverbindung reihten. Deshalb muss man den Untertitel des vorliegenden Werkes genau lesen. Beschrieben wird hier der Weg von China über die Wüsten Gobi und Taklamakan über den Karakorum Highway nach Pakistan. Denn ich will gleich auf die in der Überschrift erwähnten Lücken zu sprechen kommen: die großen Städte Usbekistans, Samarkand, Buchara usw., die ich persönlich mit der Seidenstraße verbinde, kommen hier nicht vor. Leider wird auch die Wüste Gobi und die sie umgebende Landschaft (Tian Shan) nur am Rande erwähnt.

Dennoch überzeugt das Werk ansonsten auf ganzer Linie. In einem etwa 100 Seiten umfassenden allgemeinen Teil geht die Autorin, eine deutsche Sinologin, die an der Universität Ottawa als Dozentin lehrt, auf die chinesische und mongolische Geschichte ein, beschreibt die verschiedenen längs der Seidenstraße vorkommenden Religionen (Zoroastrismus, Manichäismus usw.) und erklärt die zentralen Kunstbegriffe und -stile des Buddhismus. Kleine Kapitel zu Jade, Seide und Teppichen reihen sich hier ein.
Die eigentliche Reisebeschreibung beginnt bei Peking, das über 50 Seiten beschrieben wird und setzt bei Xi'an einen weiteren Schwerpunkt. Bei der Beschreibung der dort ausgestellten Terrakottaarmee zeigen sich die Stärken eines solchen Führers, weil er die wichtigsten Erkenntnisse verdichtet zusammenfasst und dem Besucher andere Horizonte eröffnet als die herkömmlichen Fremdenführer. Dies kommt später auch bei den Höhlen von Dunhuang in der Taklamakan, dem zweiten großen Höhepunkt, zum tragen. Auf 18 Seiten werden die bekannten Mogoa-Grotten nach Zeitperioden und Stilen unterschieden. Hier kann man sich mit einem solchen Führer (bedingt) selbst auf den Weg machen.
Ansonsten steht der sog. Hex-Korridor und die Wüste Taklamakan (Turfan-Oase, Urumqi, Kashgar,) und der Karakorum-Highway im Vordergrund. Entgegen der Ankündigung im Titel kommt die Landschaft um die Wüste Gobi (Tian Shan) leider nur ganz am Rande vor.

Dennoch handelt es sich um ein anregendes und informatives Werk, das ich hier gerne weiterempfehle.


DuMont Kunst Reiseführer Iran
DuMont Kunst Reiseführer Iran
von Mahmoud Rashad
  Taschenbuch
Preis: EUR 25,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtiger Begleiter, allerdings auch mit Lücken!, 9. September 2011
Rezension bezieht sich auf: DuMont Kunst Reiseführer Iran (Taschenbuch)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Wie alle Führer dieser Reihe, wendet sich das vorliegende Werk weniger an den Rucksacktouristen, der eine möglichst günstige Jugendherberge in Shiraz sucht, obwohl sich in der neuesten Auflage 2011 durchaus auch praktische Tipps finden. Die Stärken des Buches zeigen sich jedoch andererseits gerade auch für diesen Reisenden, wenn er die Ruinen von Persepolis besichtigen will. Über mehr als 10 Seiten werden sämtliche Sehenswürdigkeiten, ihre kunsthistorische Bedeutung und besonders beachtsame Stellen dargestellt. Mit einem Führer dieser Art kann man sich also gegenüber halbgebildeten Führern selbständig machen und den Iran wirklich selbst erleben. Durch eine klare Hervorhebung der Sehenswürdigkeiten in jeder Stadt und jedem Landesteil, aber auch präzisen Beschreibungen, wie man mit dem Fahrzeug zu den Assassinenburgen gelangt und welche von diesen besonders sehenswert ist (Alamut wurde ja praktisch zerstört), hat der Autor den Leser ganz auf seiner Seite. Schließlich wird das Werk durch einen umfangreichen allgemeinen Teil eingeleitet, der die Geschichte Persiens bzw. des Iran von der Steinzeit an, über das Achämeniden-, Parther- und Sassanidenreich bis in die islamtische Zeit im Zusammenhang darstellt.

Welche im Rezensionstitel erwähnten Lücken bleiben da? Mir fielen zwei ins Auge:

1. Der persische Autor hält sich sehr bei der Darstellung des Islam und der jetzigen politischen Verhältnisse sehr zurück. Zwar wird der Ursprung des Islam kurz beleuchtet; was jedoch fehlt, ist eine ausführliche Darstellung der Lehre der Neunershia, wie sie das religiöse Leben im Iran seit der Safawidenzeit prägt. Ich kann die Vorsicht des Autors persönlich verstehen; dem einschlägig nicht unterrichteten Leser fehlt aber das Verständnis für Heiligtümer wie das in Ghom, wenn er die Bedeutung der Imame nicht richtig einschätzen kann. Jedem Interessierten empfehle ich daher ergänzend das Taschenbuch von Heinz Halm Die Schiiten, das ohne die üblichen Verzerrungen die Hintergründe sachlich beleuchtet. Ohne die Lektüre dieses Werkes würde dem Reisenden sicher etwas fehlen.

2. Als Deutscher (ohne iranische Vorfahren) vermisse ich leider auch eine Darstellung der iranischen Kunst; ich meine damit vor allem die überwältigende lyrische Dichtung und mindestes die atemberaubende Miniaturmalerei. Zwar stellt der Autor in einem Kurzportrait von Hafiz vor und präsentiert auch sein Grab in Shiraz. Für den Leser entsteht jedoch der Eindruck, beim Grab handele es sich in erster Linie um einen durch historisches Brauchtum etablierten Ort für Liebespaare. Da ich selbst die persische Dichtung über alles liebe und weiß, wieviel von ihr in Deutschland nicht einmal dem Namen nach bekannt ist, hätte ich mir gewünscht, dass wenigstens die bekannten Persönlcihkeiten (Ferdowsi, Rumi, Saadi, Nizami, Hafiz) mit kleineren Kostproben oder Kurzdarstellungen ihres Werkes präsentiert worden wären. Denn aus meiner Sicht lohnt sich vor allem wegen ihnen die Begegnung mit ihrer Heimat. Ich empfehle hier den kostenlosen Download für den Kindle oder PC mit Kindlesoftware Divan der persischen Poesie. Das Werk ist zwar schon etwas älter; die Übersetzungen sind auch nicht über alle philologischen Zweifel erhaben, zeigen aber mit "Herzblut", was hinter der persischen Dichtung steht. Bei einer Investition von 0,- Euro also auf jeden Fall ein Tipp.

Wegen dieser beiden Monita möchte ich hier jedoch keinen Punkt abziehen. Dagegen spricht die seriöse Anlage des ganzen Buchprojekts, das sich bemüht, dem deutschen Besucher dieses außergewöhnliche Land zu präsentieren, dessen jahrtausendealte Kultur im Augenblick zu Unrecht hinter dem zwiespältigen politischen Eindruck des herrschenden Regimes zurücktritt.


The Divan of Hafez: A Bilingual Text Persian-English
The Divan of Hafez: A Bilingual Text Persian-English
von Kh%ja Shamsuddin Mohammad H%fez
  Taschenbuch
Preis: EUR 47,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für den Liebhaber des Originals erste Wahl!, 31. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die vorliegende Ausgabe füllt für den Liebhaber eine wichtige Lücke. Der Liebhaber des Originals weiß ja, wie schwierig die Hafiz-Texte im Original für den Nicht-Muttersprachler sind. Dies hängt mit dem großen Wortschatz des Dichters, der lakonischen Verdichtung, aber vor allem auch mit dem Doppelsinn seiner Verse zusammen. Viele Wendungen kann man vordergründig ironisch verstehen, aber auch lebensphilosophisch und manchmal mythisch. Der Übersetzer kann stets nur einen Weg einschlagen, um dann in Fußnoten zu erklären, dass es auch eine zweite Bedeutung gibt. Hier liegen die Stärken der vorliegenden zweisprachigen Ausgabe. Sie orientiert sich an der mittlerweile (neben Qaszwini) als Standard akzeptierten persiischen Ausgabe des Diwan von Khanlari. Im Text ist die persische Langzeile rechtsbündig direkt vor die englische Übersetzung gerückt. Die Übersetzung selbst folgt dabei nach meiner Einschätzung einem guten Mittelweg. Einerseits bleibt sie nicht allein jeweils der banal-gegenständlichen Bedeutung verhaftet, macht aber aus Hafez auch nicht einen zweiten Rumi. Was aber am wichtigsten ist: Als Deutscher hilft mir diese Herangehensweise ideal beim Verständnis des Textes. Denn die ungereimte Übersetzung bleibt so dicht am Text, dass man die Bedeutung einer eher dunklen Wendung mit Hilfe des Steingass leicht findet.

Leider fehlt es bis heute an einer bilingualen Übersetzung in die deutsche Sprache. Die klassische Ausgabe von Rosenzweig-Schwannau aus dem 19. Jahrhundert ist leider wenig präzise, und man hat oft den Eindruck, dass der Übersetzer den Textsinn nicht präzise erfasst. Das Werk ist im Übrigen nur noch für horrende Preise antiquarisch zu beziehen. Die zweisprachige Ausgabe der Rücketrübersetzungen aber erscheint viel zu eigenwillig, um mit ihr ernsthaft arbeiten zu können (Ghaselen aus dem Diwan: Persische Gedichte aus dem 14.Jahrhundert.

Die vorliegende handliche Ausgabe (sie kommt als Taschenbuch) habe ich jedenfalls immer bei mir. Für den Liebhaber eine echte Kaufempfehlung!


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