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aufgangoderuntergang "aufgangoderuntergang"

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Bag of Bones
Bag of Bones
Wird angeboten von Film_&_Music
Preis: EUR 6,00

14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts für müde Knochen!, 11. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Bag of Bones (Audio CD)
Bei meiner Rezension zu Last Look at Eden merkte ich schon an, dass man gespannt sein dürfe, in welche musikalischen Gefilde sich die Band mit dem nächsten Album bewegen würde. Fanden sich bei Last Look at Eden schon einige deutliche Reminiszenzen an die glorreichen 70er Jahre der Rockmusik haben die fünf Schweden diesen Stilwechsel auf Bag of Bones zur Perfektion getrieben!
Es rumpelt und stampft die Rhythm-Section, es dröhnt die Hammond-Orgel, die Gitarren-Riffs und -Soli sind vom Feinsten und Joey Tempest zeigt wieder einmal die unglaubliche Bandbreite seiner ausgereiften Stimme. Da wird nicht mehr in den höchsten Lagen strahlend intoniert, sondern die Bluenotes zelebriert, auch mal bewusst das Reibeisen eingesetzt und schon fast gospelgleich gelitten. Fantastisch!
Allein das Intro zu Riches to Rags sagt schon alles: Percussion, bluesiges Riff, funkige Rhythm-Section, alles garniert mit kraftvollem Gesang und einer Hammond-Orgel, die das Riff kopiert und verstärkt. Die Power-Nummer erinnert entfernt an Aerosmith. Beim ersten Hören hatte ich Sorge, dass die Band den Song nach Norums abhebendem Solo nicht wieder zusammenkriegt, aber die Jungs haben die Fäden immer in der Hand. Wer da nicht wenigstens auf dem Stuhl rumrutscht, muss schon im Altersheim sein!
Not Supposed to Sing the Blues: Die erste Single des Albums und der wahrscheinlich eingängigste Song des ganzen Albums. Hier finden sich jede Menge textliche Referenzen an die großen Vorbilder des Rock; Led Zeppelin, AC/DC & Co. lassen grüßen. Man beachte die orientalisch angehauchte Streicherphrase und das sphärische Percussion-unterlegte Zwischenspiel '- das macht diesen Song einmalig und haucht ihm Seele ein. Sehr zu bedauern, dass dieser Part im Radio Edit fehlt; das hat den Song meines Erachtens in die Beliebigkeit getrieben, aber wie gut dass wir hier das Album vor uns haben!
Bei Firebox handelt es sich wieder um einen großen Europe-typischen Song: starke Melodie, epischer Sound durch den Background-Gesang und auch der gute alte Keyboard-Chor taucht wieder auf, der sich hier aber prima einfügt und gar nicht anachronistisch wirkt. Vor allem bei diesem Song bemerkt man die grandiose Produktion des Albums, denn die klangliche Tiefe ist atemberaubend. Außerdem werden wir '- Überraschung! '- mit einem Sithar-Solo verwöhnt. Noch ein bisschen Percussion dazu und schwups sind wir im Orient! No Stone Unturned vom letzten Album findet in Firebox seine Fortsetzung.
Mit Bag of Bones folgt ein 2-in-1-Song, wie ihn wahrscheinlich nur Europe bringen können. Da die ganze Welt eh nur einen Song von ihnen kennt, können sie sich kompositorisch alles erlauben. Joey zupft die 12-Saitige (klingt ein bisschen wie Silent Lucidity von Queensryche) und singt dazu eine wehmütig melancholische Strophe nur um den Song in einen kraftvollen Chorus zu treiben, dessen Verse '"and my city lies in ruins, in the stone-cold light of day'" allein durch ihre Metrik sofort hängen bleiben. Der Song entwickelt sich zu einem wahren Road-Movie und ich möchte mich jedes Mal auf eine fette Chopper schwingen und die Straße runterbrausen.
Das schwermütige Requiem soll angeblich eine Improvisation von Mic Michaeli gewesen sein, die Produzent Kevin Shirley zufällig aufgenommen hat -' und dafür müssen wir ihm danken! Denn es ist ein perfektes Vorspiel zur Hammerballade My Woman, My Friend. Dumpfe Akkorde, Glockengeläut (Hells Bells?!) und ein Riff auf dem Piano, das später von Gitarre und Bass übernommen wird, während Michaeli auf die Hammond umschwenkt. Tempests stimmlicher Ausdruck ist in diesem Song überragend: er leidet, er klagt und fleht, er erfreut sich seines Glücks. Dazu kommt ein Gospel-Background-Gesang zum Niederknien! Wenn es überhaupt jemanden gibt, der diesen Song so inbrünstig singen könnte, wäre es wohl Joe Cocker ... aber: Pech gehabt Joe!
Demon Head ist ein knackiger Rocksong, der auch mal wieder zum Haareschütteln einlädt. Man fragt sich, was zuerst da war: der Text oder die Musik, denn wieder wurde hier ein schönes Stück Sprachmusik getextet und vertont. Ach ja: Man beachte die Kuhglocke sowie die Schlagzeug- und Hammondattacken. Einfach ein akustischer Tritt in den Hintern! Ich freue mich schon darauf zu sehen, wie Tempest live zu diesem Song abgeht und uns sein '"my, my, my demon head'" um die Ohren haut.
Drink and a Smile ist eine Akustiknummer, bei der Tempests Stimme leicht verzerrt wird, wodurch er wirklich klingt, als hätte er einen zu viel gehabt. Der Song kommt mit viel Augenzwinkern daher und könnte gut nach einem berauschenden Kneipenabend entstanden sein. Ach ja: abgespecktes Schlagzeug, Händeklatschen und Mandoline (gespielt vom Keyboarder) -' auch mal was anderes!
Doghouse kennt der geneigte Fan schon von der Balls n'' Banners Tour, aber natürlich ist der Song noch weiter ausgefeilt worden und hat einen richtigen Country-Rock-Groove gekriegt, bei dem aber auch wirklich niemand sitzen bleiben dürfte. Die meisten Rezensenten vergleichen ja gerne mit Bands aus den 70ern, aber Doghouse würde auch einem Kid Rock gut zu Gesicht stehen.
Mercy You, Mercy Me ist wieder so eine fett groovende, heavy Attacke auf unsere Magengrube. Das Riff könnte auch von Start from the Dark sein, aber zu einem solchen Knaller-Rhythmus wären die Jungs damals nie fähig gewesen. Ein bisschen denke ich bei diesem Song immer an die Le Baron Boys Demos, die unter Fans kursieren. Ich habe den Eindruck, dass die Band endlich da angekommen ist, wo sie Anfang der 90er eigentlich hingewollt hat.
Mit Bring it all Home schließt das Album mit einer Ballade, die ein Dankeschön an die Fans ist, in der aber auch ein Hauch von Abschiedsschmerz liegt. Ein bisschen schade finde ich, dass hier vom letzten Album kopiert wird. Der Piano-Part von New Love in Town wurde hier auf der Gitarre recycelt. Das hätte nicht sein müssen. Da dieser Song, laut Aussage von Joey Tempest, aber eh der allerletzte Song sein soll, den Europe einmal spielen werden, bin ich guter Dinge, dass ich den noch lange nicht werde hören müssen. Denn bei einem solchen Album kann man nicht ans Ende denken.
Kommentar Kommentare (14) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 18, 2012 8:52 AM MEST


EUROPE - Live: Look At Eden (earBOOK)
EUROPE - Live: Look At Eden (earBOOK)
von Denis O'Regan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

4.0 von 5 Sternen Phänomenale Dokumentation einer fantastischen Live-Band!, 10. August 2011
Zuerst dachte ich: Was zum Henker ist ein EarBook? Als mir dann klar wurde, dass es sich um die Kombination aus einem Bildband mit CD/DVD handelt, war ich Feuer und Flamme! Schließlich wurde mir ein EarBook einer meiner Lieblingsbands angekündigt.

Wie mein Vorgänger schon angemerkt hat, gibt es haufenweise klasse Fotos, die im Umfeld mehrerer Europe-Konzerte geschossen wurden. Sie zeigen die Band auf Reisen, vor den Konzerten, während den Konzerten und danach im Backstage-Bereich. Im großen und ganzen kriegt man also den Tagesablauf eines Konzerttages präsentiert. Text gibt es sehr wenig, vielleicht sogar an mancher Stelle etwas zu wenig. Denn da, wo die Band die Fotos kommentiert, wird das Buch eigentlich noch persönlicher ' und vor allem lustiger!

Für Fans ist diese erweiterte Fotosammlung sicher ein absolutes Muss, für nur am Rande an der Band interessierte Leser gibt der Inhalt wahrscheinlich leider nicht so viel her, was ich schon als kleines Manko empfinde. Da hätte ein stringenteres inhaltliches Konzept mit etwas mehr Text und einer klaren Botschaft gut getan.

Außerdem finde ich es etwas merkwürdig, dass in der großen Ausgabe noch einmal das letzte Studioalbum Last Look at Eden enthalten ist, denn Fans haben das ohnehin schon. Vielleicht hätte es besser in die Mini-Ausgabe gepasst, die vom Preis her für eine erweiterte Leserschaft, die der Band nicht so nahe steht, attraktiv sein könnte. Denn ansonsten verstehe ich auch nicht, weshalb es dasselbe Buch in zwei unterschiedlichen Formaten gibt: das große für die großen Fans, das kleine für einen weiteren Personenkreis, der nicht bereit ist 40 Euro zu zahlen. Oder? Schön wäre es daher gewesen, wenn die große Ausgabe ein paar Besonderheiten gehabt hätte, zum Beispiel Seiten zum Ausklappen für die Panoramafotos oder ein beigelegtes Poster oder eben anderes Bonusmaterial anstelle des Studioalbums.

Denn das Audio- und Videomaterial hat es absolut in sich! Wer die Band schon mal live gesehen hat, weiß, was ihm blüht. Selbst auf CD und DVD kommen die Live-Aufnahmen so gut, dass man durch sein Wohnzimmer rockt als wäre man dabei! (An dieser Stelle sei auch die bald erscheinende Live-DVD/BluRay vom Konzert in Shepherd's Bush wärmstens empfohlen!) Die Videos vom iTunes-Festival haben eine super Ton- und Bildqualität, die Audio-Aufnahmen sind auch eine Klasse für sich. Vor allem die tobende Menge vom Sonisphere Festival jagt einem Schauer über den Rücken! - Da ist man als Fan der ersten Stunde einfach stolz wie Bolle!

Live Look at Eden ist ein fantastisches Produkt, das ich eigentlich sofort mit fünf Sternen bewerten würde. Die Kombination aus Audio, Video und Print gibt einen phänomenalen Rundum-Eindruck einer überaus sympathischen Band, die hart an ihrem Erfolg arbeitet und es endlich schafft, sich von den ihr lange vorgeworfenen 80er-Jahre-Klischees zu lösen.
Da man das Buch aber prima dazu hätte nutzen können, einem breiteren Leserkreis zu präsentieren, was die 'neuen' Europe an- und umtreibt und wie sich die Band in den letzten 10 bis 12 Jahren entwickelt hat, bleibt es doch leider ein bisschen hinter seinen Möglichkeiten zurück. (Klar kann es sein, dass man nie die Absicht hatte, sich an einen weiteren Personenkreis zu richten, aber was soll dann die Mini-Ausgabe?) Aus diesem Grund und wegen der mangelnden Differenzierung zwischen der großen und der kleinen Ausgabe gibt es leider ein Sternchen Abzug.


Last Look At Eden (Ltd. Edition)
Last Look At Eden (Ltd. Edition)
Preis: EUR 11,99

19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Band für Schubladendenker, 19. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Last Look At Eden (Ltd. Edition) (Audio CD)
Seit der Reunion der Band ist nun mit Last Look at Eden das dritte Studioalbum erschienen. Wenn man die Almost-Unplugged-Scheibe dazurechnet, ist es sogar der vierte Longplayer innerhalb von fünf Jahren.

Europe sind aber nicht nur erstaunlich produktiv, sondern verblüffen seit Start from the Dark mit Alben die vom Charakter her unterschiedlicher kaum sein könnten. Man gewinnt zunehmend den Eindruck, dass sie sich sämtliche "Altlasten" (Haarspray-Rock und was dergleichen Stempel mehr sind) von der Seele spielen und nur noch machen, was ihnen selbst am meisten Spaß macht: Unglaublich gute Rockmusik mit einer enormen stilistischen Bandbreite!

Wer die Cover-Versionen von Almost Unplugged einmal gehört hat (z. B. den Led-Zeppelin-Klassiker Since I've Been Loving You oder U.F.O's Love to Love), der konnte ahnen, dass es auf dem neuen Album mächtig 70er-Jahre orientiert zugehen würde. Die Rhythm-Section grooved, Gitarrist John Norum lebt den Blues wie außer ihm nur Gary Moore und Sänger Joey Tempest bietet die volle Bandbreite seiner bekannt eindrucksvollen Stimme: Rockröhre, teasender Blues, einfühlsame Ballade.

Der Title Track Last Look at Eden schiebt das Album in feinster Bombast-Rock-Manier an. Der geschickte Einsatz des tschechischen Landessymphonieorchesters lässt an Led Zeppelin und Aerosmith denken, der Chorus ist eingängig und geht so schnell nicht wieder aus dem Ohr. Kein Wunder, dass es die erste Single-Auskopplung ist!

Mit den Midtempo-Nummern Gonna Get Ready und Catch That Plane geht es dann etwas langsamer weiter, bevor mit New Love in Town die erste Ballade des Albums ertönt. Klare Melodie, tolle Harmonien und ein wunderbar unkitschiger Text: Eine Ballade für Erwachsene, bei der ein Jon Bon Jovi wahrscheinlich vor Neid in die Tischplatte beißen würde!

Mit The Beast folgt der härteste Song des Albums. Hier sind Europe so nah am Metal wie nur möglich. Seit Scream of Anger vom 84er Album Wings of Tomorrow hat man die Band nicht mehr so loshämmern hören! Der Song entwickelt einen unglaublichen Drive, sodass man froh über den ruhigeren Mittelpart ist, weil man mal verschnaufen muss und sich im Kopf eh schon alles vom Headbangen dreht. Oder um es mit dem Song selbst zu sagen: It's a ride worthwhile, my friend, Go!

Mojito Girl ist Blues-Rock par excellence. Musik und Text passen perfekt zusammen (Mic Michaelis Hammond-Sounds, John Norums Solo) und ergeben einen Cocktail, der sexier (ja ja) und schwofiger kaum sein könnte.

Bei No Stone Unturned fiel mir doch glatt die Kinnlade runter: Sphärisches Intro, orientalisch angehauchte Rhythmen und Riffs, starke Melodie und wieder das Symphonieorchester, das sich perfekt in den Soudteppich einwebt ohne aufdringlich zu sein. Das Solo leitet ein Keyboard-Lauf ein, der in seinem Sound ziemlich an Jean Michel Jarre erinnert. Dieser Song ist wie ein fliegender Teppich, zumal einer von der handwerklich anspruchsvollen Sorte!

Bei Only Young Twice kann man dann wieder durchatmen, es sei denn man versucht Joey Tempest beim Mitsingen des Chorus zu übertrumpfen: Der Mann hat so viel Power in der Stimme, dass einem selbige bloß wegbleiben kann.

U Devil U war schon auf der Vorab-EP zu hören und wirkte neben Last Look at Eden etwas fehl am Platz. Im Gesamtzusammenhang des Albums gewinnt der Song aber definitiv dazu. Wenn er auch zu den musikalisch vielleicht unauffälligeren Songs des Albums gehört, glänzt er jedoch durch einen ironisch-humorvollen Text. Also genau zuhören und denken, was Ihr Euch vielleicht nicht zu denken traut ohne Rot zu werden! ;-)

Auf das kräftig daherrumpelnde Run with the Angels - auch hier wieder eine erstaunliche Gesangsleistung und ein ungewöhnliches Solo - folgt mit In my Time wohl eine der größten Blues-Balladen, die es gibt. John Norum spielt einfach nur göttlich, Tempest singt wunderbar gefühlvoll, der Text ist unendlich traurig und es ist wohl nicht zu weit hergeholt hier einen Zusammenhang mit dem viel zu frühen Tod von Norums Ehefrau Michelle Meldrum zu vermuten. Chapeau, John!

Last Look at Eden ist ein außerordentlich reifes Rock-Album, wie man es heutzutage kaum für möglich gehalten hätte. Man hat den Eindruck die Schweden hätten bereits in den 70ern erfolgreich Musik gemacht, die 80er und 90er übersprungen und einfach im 21. Jahrhundert weitergemacht.

Wer geglaubt hat, er würde eine Fortsetzung von Start from the Dark oder Secret Society bekommen, der hat sich getäuscht. Drin stecken zwar immer unverkennbar Europe, aber mit jedem Album seit der Reunion haben sie ein neues musikalisches Kapitel aufgeschlagen. Man darf gespannt sein, in welche musikalischen Gefilde uns diese kreative und spielfreudige Band noch führen wird!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 15, 2009 10:56 AM CET


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