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Beiträge von Martin Ostermann
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Rezensionen verfasst von
Martin Ostermann "ostermannm"
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Mustang
Mustang
DVD ~ Günes Nezihe Sensoy
Preis: EUR 15,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The virgin liberation, 12. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Mustang (DVD)
Am Anfang steht die pure Lebensfreude: ein sonnendurchfluteter, letzter Schultag und ausgelassenes Toben im (schwarzen) Meer. Die fünf Schwestern, die seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrer Großmutter und ihrem Onkel aufwachsen, genießen zusammen mit einigen Jungs aus ihrer Klasse den Beginn der Sommerferien, indem sie gemeinsam im Meer Spiele veranstalten. Einzig die Jüngste, Lale, hatte zuvor den schmerzhaften Abschied von ihrer geliebten Lehrerin zu verkraften, allerdings nicht ohne ihre Adresse im 1000 km entfernten Istanbul zu erhalten. Noch immer lachend erreichen die Mädchen das in den Hängen des Dorfes gelegene Haus der Großmutter, welche sie sofort wütend zur Rede stellt: Sie brächten Schande über die Familie, indem sie sich an den Jungen "gerieben" hätten. Die älteren Schwestern werden daraufhin einzeln von der Großmutter verhört. Abends fährt der aufgebrachte Onkel mit den Mädchen ins nahe gelegene Krankenhaus, wo die beiden Älteren auf die intakte Jungfräulichkeit untersucht werden. "Von nun an änderte sich alles" berichtet Lale als Erzählerin: "Das Haus verwandelte sich zum Gefängnis und zur Fabrik für zukünftige Ehefrauen". Die Gitter und Schlösser vor Fenstern und Türen korrespondieren mit dem Einzwängen in Kochunterricht, dem Verbot, schwimmen zu gehen, und der Pflicht, sich beständig züchtig anzuziehen, d.h. in unförmige, farblose Kleider zu schlüpfen. Telefon, Computer und Schminke geraten ebenso unter Verschluss wie die Mädchen selbst. Als dann nach und nach die Eheverhandlungen für die Mädchen beginnen und Hochzeiten arrangiert werden, ohne dass die Schwestern mitsprechen dürfen, wird klar, dass es aus diesem Gefängnis nur den Ausweg in die Zwänge einer arrangierten Ehe geben wird. Die fünf Schwestern reagieren sehr unterschiedlich auf diese Perspektive, aber die gemeinsame Unbeschwertheit des letzten Schultages wird es für alle gemeinsam nie wieder geben.

Der in Cannes uraufgeführte und dort auch ausgezeichnete Film "Mustang" ist trotz der gezeigten Geschichte um verlorene Freiheit, Unterdrückung von Frauen und traditionellen Zwängen kein düsterer oder pessimistischer Film. Vielmehr wird immer wieder der besonderen Beziehung der fünf Schwestern und ihrer Lebensfreude nachgespürt. So gehört die gemeinsame heimliche Flucht zu einen großen Fußballspiel sicher zu den emotionalen Höhepunkten des Films. Auch die Frauen (z.B. die Großmutter), die durch ihre traditionelle Denk- und Handlungsweise die patriarchale Macht der Männer stützen, werden auch als solidarisch und fürsorgend dargestellt. Vor allem die ruhigen Szenen, die das Miteinander der Mädchen einfach beobachten, erinnern immer wieder an Sofia Coppolas The Virgin Suicides. Insgesamt ist Regisseurin Deniz Gamze Ergüven ein bewegendes und fesselndes Coming-of-Age-Drama gelungen, das nicht einfach verurteilen will, sondern die Konflikte aus Tradition und Moderne, jugendlicher Lebensfreude und vorgezeichneten Lebenswegen, Macht und Ohnmacht in faszinierende und den Betrachter über die gesamte Laufzeit des Films fesselnde Bilder einfängt. Wenngleich Bedrohung, Gewalt und sogar Tod durchaus Teil der Geschichte sind, so haben doch Freiheit und der Drang nach Selbstbestimmung die Oberhand: Es geht nicht um "Virgin Suicides" sondern um "Virgin Liberation".

"Mustang" ist ein brillant fotografiertes und inszeniertes Coming-of-Age-Drama über fünf Schwestern in einem kleinen Dorf an der türkischen Schwarzmeerküste, deren Lebensfreude unter der Last von Tradition und patriarchaler Herrschaft zu ersticken droht. So wird der durchweg auch mit schönen Bildern durchsetzte Film zu einer Emanzipationsgeschichte. Der Lohn waren neben der Auszeichnung in Cannes eine Oscar- und Golden-Globe-Nominierung und der Europäische Filmpreis 2015 für die "Europäische Entdeckung des Jahres". Sehr sehenswert!


Coconut Hero
Coconut Hero
DVD ~ Alex Ozerov
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nur Sterben ist schöner, 27. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Coconut Hero (DVD)
... könnte sich auch Mike Tyson (nein, nicht der Boxer, er heißt nur gleich) gedacht haben, als er sich das Jagdgewehr seines Vaters, den er nie kennen gelernt hat, an den Kopf setzt. Er hält aber inne, bevor er den Abzug zieht, und gibt telefonisch noch seine eigene Todesanzeige auf. In seinem Abschiedsbrief bittet er seine Mutter lediglich, das Füttern der Fische nicht zu vergessen. Nach dieser Eröffnung des Films weiß der Betrachter, das die Geschichte schräg, schwarzhumorig und irgendwie anders ist. Gleichzeitig sind aber die handelnden Figuren sehr liebenswert und warm gezeichnet, so dass einem der Fortgang der Geschichte nicht gleichgültig ist. Irgendwie möchte man wissen, warum dieser eigentlich ganz nette und normal erscheinende Sechzehnjährige unbedingt sterben will. Nach seinem missglückten Selbstmordversucht begegnet Mike mehreren verständnisvollen Menschen: Einem Priester, der ihm rät, seinen eigenen Weg beharrlich zu verfolgen, dann könne er auch Jesus finden; einem zuvorkommenden Bestatter, den es freut, dass sich endlich mal jemand schon vor dem Todesfall für Beerdigungen interessiert; einer Tanzlehrerin, die einen Kurs zur Gewinnung von Lebensfreude leitet und schließlich begegnet Mike auch seinem leiblichen Vater, der durch die Todesanzeige seines eigenen Sohnes alarmiert plötzlich vor der Tür steht und den Kontakt sucht. All diese mehr oder minder skurrilen Begegnungen kreisen im Kern um die Frage, was das Leben lebenswert macht und welche Überraschungen das eigentlich immer vom Tod bedrohte Leben für einen bereit hält. Nicht zuletzt deutet sich mit der hübschen Tanzlehrerin, die mehr oder weniger aus dem Nichts auftaucht, eine zarte Liebesgeschichte an, deren Höhepunkt unter anderem das gemeinsame Lied für ein totes Reh ist.

Regisseur und Drehbuchautorin haben bereits im Film Das Lied in mir zusammen gearbeitet. In dem ernsten Drama vor dem Hintergrund der argentinischen Militärdiktatur ging es auch um die Frage nach Identität und Lebenssinn. "Coconut Hero" ist da eher eine mit leisem (schwarzem) Humor durchzogene Geschichte, die auch Traumszenen wie das "Fahrradballett" bietet. Mike Tyson ist ein von pubertärer Melancholie geprägter Teenager, der einfach noch nicht seinen Platz im Leben gefunden hat und nach Freundschaft und Unterstützung sucht. Gleichzeitig geht er recht unbeirrbar seinen Weg. Da die sehr langweilige Kleinstadt im kanadischen Nirgendwo als Kulisse rein gar keine Aufregung bietet, plätschert die Handlung eher so vor sich hin und der Zuschauer stolpert mit dem jugendlichen Helden durch die schräge Ansammlung von Alltäglichkeiten, bis es doch noch eine tiefgreifende Wendung gibt.

"Coconut Hero" ist ein ruhiges, schwarzhumorig-skuriles Coming-of-Age-Drama, das mit Kleinigkeiten unterhält und seine unspektakuläre Geschichte zwar konventionell, aber mit viel Wärme und Zuneigung erzählt. Für Freunde kleiner aber origineller Geschichten sehenswert.


Suffragette - Taten statt Worte
Suffragette - Taten statt Worte
DVD ~ Carey Mulligan
Preis: EUR 14,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Hört niemals auf zu kämpfen!" und: "Vergiss nicht, wer deine Mutter ist!", 13. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Suffragette - Taten statt Worte (DVD)
Beide Sätze werden von starken Frauen im Kampf für ihre Gleichberechtigung im Jahre 1912 in England gesprochen. "Hört niemals auf zu kämpfen" ruft Emmeline Pankhurst (Meryl Streep), die Gründerin der Suffragetten, den versammelten Frauen in London zu und fordert sie auf, für den Kampf um Wahlrecht und Gleichberechtigung mit den Männern auch vor Gewalt nicht zurückzuschrecken, allerdings sollten niemals Menschen verletzt werden. Nach kurzer emotionaler Rede verschwindet sie wieder über einen Hinterausgang im Untergrund, da sie von der Polizei gesucht wird. Bevor ihr Auto abfährt, trifft sie noch auf Maud Watts (Carey Mulligan), die eigentliche Hauptfigur der Geschichte. Diese Maud, die schon seit ihrer Kindheit in einer Großwäscherei für geringe Bezahlung schuftet und mehr durch Zufall in der Befragung vor einem Parlamentsausschuss zu den Lebensumständen von Frauen und deren Wunsch nach Wahlrecht aussagen durfte, entwickelt sich im Laufe der Erzählung zu einer mutigen Kämpferin für das eigene Recht. Allerdings ist der Preis für den Kampf um Gleichberechtigung sehr hoch: Sie muss ins Gefängnis, wird von der Polizei beschattet, verliert ihre Arbeit und schließlich auch Ehemann (Ben Whishaw) und Sohn. Hier fällt auch der zweite Satz: Als Maud ihren vielleicht sechsjährigen Sohn noch einmal trifft, schärft sie ihm ein: "Vergiss nicht, wer deine Mutter ist!" In dem Satz schwingt mehr als nur Mutterliebe mit, sondern Maud hat nun auch das Selbstbewusstsein entwickelt, dass sie nicht nur ein Rädchen im Getriebe ist und dass ihr individuelles Leben Bedeutung hat. Vor dem Parlamentsausschuss sagt sie noch verzagt auf die Frage, was das Frauenwahlrecht ihr bedeuten würde, dass sie noch nie darüber nachgedacht habe, da sie ohnehin nicht an die Gewährung glaube. Aber vielleicht, so fährt Maud fort, vielleicht gibt es ja doch eine bessere Zukunft für die Frauen und Mädchen von heute.

Abi Morgan hat bereits die Drehbücher zu The Invisible Woman und Die Eiserne Lady verfasst und mit der Regisseurin Sarah Gavron bei Brick Lane [UK Import] zusammengearbeitet. Immer handeln diese Filme von Frauen, die sich gegen Widerstände in ihrem Umfeld durchsetzen müssen und versuchen, eine eigene Position gegen gesellschaftliche Normierungen und Konventionen zu verteidigen. Auch "Suffragette" ist eine Emanzipationsgeschichte, die beispielhaft an wenigen Frauen, seien es Arbeiterinnen oder bürgerliche Ehefrauen (wie z.B. die von Helena Bonham Carter verkörperte Apothekerin, die aktiver und ideologischer Mittelpunkt der kleinen Gruppe ist) innerhalb nur eines Jahres, in der der Film spielt, in Szene gesetzt wird. Zwar ist der dramaturgische Spannungsbogen sehr klassisch (einschließlich eines Spannungsfinales), aber die vorwiegend verwendete Handkamera und die Konzentration auf die (fiktionale) Hauptfigur Maud lassen den Zuschauer am eigenen Leib Zurücksetzung, Ohnmacht und Belastung spüren. Die Vor- und Nachgeschichte der Suffragettenbewegung (von engl. suffrage = Wahl- oder Stimmrecht) kann woanders nachgelesen werden (»Wir fordern die Hälfte der Welt!«: Der Kampf der Suffragetten um das Frauenstimmrecht (Figuren des Wissens/Bibliothek)) und wird im Abspann des Films kurz angedeutet: Erst 1928 erhielten Frauen in England das allgemeine landesweite Wahlrecht, in der Schweiz sogar erst 1971 und in Saudi Arabien durften Frauen 2015 zum ersten Mal, allerdings nur kommunal wählen.

"Suffragette" ist ein als 'period piece' kurz vor dem ersten Weltkrieg spielendes Drama über den Kampf von Frauen für (politische) Gleichberechtigung spannend inszeniert und hervorragend gespielt (auch von den männlichen Darstellern, wie z.B. Brendan Gelesen als Polizeiinspektor). Weniger historische Exaktheit der Ereignisse als emotionale Beteiligung am Schicksal der Frauen stehen im Vordergrund. So ist die Konzentration auf wenige Hauptfiguren auch offen für Aktualisierungen im Kampf um Gleichberechtigung und dem Respekt für jeden Menschen, gleich welchen Alters, Geschlechts oder Orientierung.


Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten
Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten
DVD ~ Saoirse Ronan
Preis: EUR 16,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ich habe mir ein anderes Leben für mich vorgestellt", 9. Februar 2016
... sagt einmal die Hauptfigur Eilis, da ist sie bereits wieder aus Amerika zurück in Irland - nur zu Besuch, um ihrer alleinstehenden Mutter zu helfen. Der Besuch droht aber zu einer endgültigen Rückkehr zu werden, da plötzlich die Möglichkeiten, die ihr früher in Irland versagt waren - ein guter Job, eine gute Ehe -, offen stehen. Wäre da nicht noch die alte Enge der heimischen Kleinstadt, wo jeder jeden kennt und Konventionen das Leben in sehr strikte Bahnen lenken. Eilis musste zuvor direkt nach ihrer Auswanderung lernen, dass auch die USA und im speziellen New York Konventionen kennen: Sie lebt nach ihrer Ankunft in einer Pension für alleinstehende Frauen, wo Mrs. Kehoe als Herbergsmutter über Anständigkeit und moralische Reinheit wacht, allerdings nicht ohne angenehmen Witz dabei zu verströmen. Auch Father Flood, der für die nötigen Papiere zur Einreise, die Unterbringung und den Job im Kaufhaus gesorgt hat und Eilis in die irische Community in der Neuen Welt einführt, ist als Beichtvater und bei Problemen stets hilfreich zur Stelle. Eilis kommt aber erst wirklich in Amerika an, als sie den italienischstämmigen Tony kennen und lieben lernt. Er eröffnet ihr die Möglichkeit, in Brooklyn ein neues Zuhause zu sehen. Die Rückfahrt von Amerika nach Irland wegen eines Todesfalls und das (erneute) Leben in der alten Heimat lassen Eilis dann noch einmal fragen, wo sie denn zuhause ist und was sie sich für ihr Leben wünscht. Eine Entscheidung, die letztlich nur sie selbst treffen kann ...

Der Film "Brooklyn" beruht auf dem gleichnamigen Roman von Colm Toibin (Brooklyn: Roman (dtv Literatur)), der als Drehbuch von Nick Hornby adaptiert wurde, der für so großartige Geschichten wie About a Boy, oder: Der Tag der toten Ente, High Fidelity oder An Education verantwortlich zeichnet. Ähnlich wie diese anderen Filme ist auch "Brooklyn" eine Emanzipationsgeschichte. Eine junge Frau findet, dadurch dass sie ihre Heimat und ihren gewohnten Kreis verlässt, zu sich selbst und zu selbstverantwortetem Leben. Dieser Prozess ist durchaus schmerzhaft und insbesondere die Darstellung von Saoirse Ronan (Grand Budapest Hotel, Wer ist Hanna?) als Eilis lässt es nachempfinden, dass die Schritte in ein neues Leben Wunden hinterlassen. Gleichzeitig wird auch deutlich, dass Heimat immer Heimat bleibt, egal wie weit man sich von diesem Ort entfernt. Aber es ist möglich ein neues Zuhause zu finden - und das macht Mut.

"Brooklyn" ist großes, dramatisches Gefühlskino, das, hervorragend ausgestattet und gespielt, zwar eine Auswanderer-Geschichte aus den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts erzählt, allerdings sind die im Film angesprochenen Gefühle und Grundhaltungen sehr wohl auf heute übertragbar. Ein Film zum Eintauchen und Mitreisen. Sehenswert!


Gott ist nicht tot
Gott ist nicht tot
DVD ~ Shane Harper
Preis: EUR 9,99

9 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Gott ist gut, denn nach einem Gebet läuft der stockende Motor wieder und Atheisten werden sterbend gläubig, 22. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gott ist nicht tot (DVD)
Der auf Nietzsche zurückgeführte Satz "Gott ist tot" wird im Titel dieses missionarisch-evangelikalen Films mit einem "nicht" versehen. Die Titel-Metapher geht auf eine, im Buch Die fröhliche Wissenschaft (Reclams Universal-Bibliothek) erwähnte Dialogsequenz zurück: "Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. "Wohin ist Gott?" rief er, "ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet - ihr und ich!" (Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft, München 1959, 166). Es handelt sich also um Religionskritik, die vor allem eine bestimmte Tradition der Glaubens- und Religionsausübung im Blick hat. In der Schlussfolgerung bedeutet "wir haben ihn (= Gott) getötet", dass ein solcher Gott, wie er von einem Christentum verkündet wird, wie Nietzsche es beschreibt, vom aufgeklärten Menschen weder benötigt wird noch als lebendig bzw. lebensfördernd anzusehen ist. Um wieder den Bogen zum Film zu schlagen: Nietzsche würde sich erneut die Haare raufen, angesichts der Darstellung des Gottesglaubens im Film "Gott ist nicht tot". Eigentlich wird er durch diese Darstellung wieder mal getötet. Grund hierfür ist vor allem das oberflächliche und dramaturgisch schlechte Drehbuch: Alle Personen wirken wie aus der Retorte (das liegt auch an den durchweg mittelmäßigen Darstellerleistungen), die Konflikte sind derart konstruiert, dass es schwer fällt, dabei zu bleiben und alle Handlungsstränge dienen nur dazu, dass wieder einmal gezeigt wird: Gott und der (christliche) Glaube an Jesus sind gut.
Da ist vor allem der Erstsemester-Student Josh Weathon, der als einziger von ca. 80 Studierenden einem offen atheistisch eingstellten Philosophieprofessor widerspricht und das ausgeteilte Papier mit dem Satz "Gott ist tot" zu unterschreiben nicht bereit ist. In den folgenden Seminarstunden erhält er Gelegenheit, für die Existenz Gottes zu argumentieren. Er tut dies mit den klassischen (aber sehr schlecht ausgearbeiteten und kreationistisch geprägten) Argumenten des Schöpfungs- und Moralbeweises. Obwohl Prof. Radisson in der ersten Stunde die Namen zahlreicher großer Denker der Philosophiegeschichte an die Tafel geschrieben hat, hat er für seine Gegenargumente nur einen Physiker (Hawking) und einen Evolutionsbiologen (Dawkins) parat, leider aber keinen (klassischen) Philosophen. Zudem ist er ein fürchterlich arroganter und selbstgerechter Mann, der zudem noch biographisch verbittert ist. Ergo: Am Ende scheint der Student Recht zu haben, da er dem Professoer beweist, dass dieser Gott aus persönlicher Abneigung heraus ablehnt. Hier liegt die eklatanteste Drehbuchschwäche: Alle christlich Glaubenden sind gute und hilfsbereite Menschen, alle atheistisch oder andersgläubig (z.B. muslimisch) eingestellten Menschen sind hartherzig und unmoralisch.
Die Nebenstränge (eine an Krebs erkrankende nicht-religiöse Bloggerin, eine demenzkranke alte Frau mit guter Tochter und schlechtem Sohn, ein muslimischer Vater, der seine christlich konvertierte Tochter verstößt, und ein evangelikaler Pastor mit einem Freund) sind so gut wie nicht ausgearbeitet (d.h. die Personen bleiben nur oberflächliche Klischees) und dienen nur dazu den Gegensatz aus christlicher Glaube = gut und anderer Glaube/Atheismus = schlecht zu untermauern. Zum Abschluss gibt es ein Konzert einer christlichen Pop-Band mit Mainstream-Musik zu missionarischem Liedgut.
Insbesondere der evangelikale Pastor muss immer wieder einige Plattitüden zur Lebensberatung oder neutestamnentliche Bibelzitate beisteuern. Eigentlich will er in Urlaub fahren, aber regelmäßig springen sowohl das eigene Auto als auch diverse Mietwagen nicht an. Erst als sein angereister Freund inbrünstig betet, läuft der Motor wieder, so dass beide rechtzeitig zu einem tödlich verlaufenden Unfall fahren können und den Sterbenden noch schnell zum Glauben an Jesus führen. Noch Fragen?

"Gott ist nicht tot" ist ein sowohl dramaturgisch wie schauspielerisch dritt- bis viertklassiger Film, der aus einer im Prinzip guten Ausgangsidee -Student und Professor streiten über den christlichen Glauben an Gott - einen missionarisch-evangelikalen Werbeclip werden lässt. Frei nach der Devise, dass auch schlechte Filme gute Beispiele seien können, kann das Thema "Gott ist (nicht) tot" vielleicht auf andere Art und Weise anregend bearbeitet werden. Ich empfehle stattdessen Filme wie Broken Circle oder Ways to live forever - Die Seele stirbt nie (DVD)


Kirschblüten und rote Bohnen
Kirschblüten und rote Bohnen
DVD ~ Kirin Kiki
Preis: EUR 16,99

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles hat seine Zeit: Bohnen, Blüten und auch Menschen, 10. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Kirschblüten und rote Bohnen (DVD)
Wer die langsam fließende Zeit und die Entschleunigung mag, der wird den Film "Kirschblüten und rote Bohnen" lieben, der auf dem gleichnamigen Roman beruht. Sowohl die Bilder der Natur als auch die Verrichtungen der Menschen sind mit detaillierter Gewissenhaftigkeit und angenehmer Ruhe inszeniert. Wir lernen zu Beginn Herrn Sentaro kennen, der einen kleinen Imbissstand betreut, wo es ausschließlich Dorayaki zu kaufen gibt. Dies sind kleine Pfannkuchen, gefüllt mit süßer Bohnenpaste, japanisch "An" genannt (so lautet auch der Originaltitel des Films). Vor allem Schülerinnen kommen täglich vorbei, um sich schwatzend einige Dorayaki einzuverleiben. Herr Sentaro bleibt trotz Gelächter und guter Stimmung immer ein wenig mürrisch und schweigsam. Eine stille, ebenso schweigsame Schülerin mit Namen Wakana hat seine Sympathie, ihr schenkt er die beim Backen misslungenen Pfannkuchen. Der kleine Imbiss steht mitten in einer Allee aus Kirschbäumen und zur Kirschblütenzeit kommt eine alte Frau vorbei, die gern als Aushilfe im Imbiss arbeiten möchte. Zuerst lehnt Herr Sentaro wegen ihres zu hohen Alters ab, dann aber kostet er das selbstgemachte An von Frau Tokue und gibt zu, dass er so etwas "noch nie zuvor gegessen" habe. Sie führt ihn schließlich in die Kunst der An-Herstellung ein, für die man vor allem eines braucht: viel Zeit. Frau Tokue hat missgestaltete Hände und will auch nicht so recht sagen, wo sie lebt bzw. was sie bisher gemacht hat. Auch Herr Sentaro hat eine (Vor-)Geschichte, die ihn dorthin geführt hat. Es braucht viel Zeit und eine Menge Dorayakis, bevor beide sich einander öffnen und auch der Zuschauer mehr über die beiden Personen erfährt. Auch Wakanas Leben wird sich durch die Begegnung mit beiden verändern.

Die Regisseurin Naomi Kawase hat bereits in ihrem Vorgängerfilm Still the Water (OmU) von einer behutsamen Annäherung zweier Menschen erzählt, die Verletzungen davon getragen haben und Zeit brauchen, um ins Leben zurückzufinden. Dieses Thema prägt auch "Kirschblüten und rote Bohnen". Es wird aber noch einmal geweitet: Was prägt das Leben eines Menschen? Was lässt neu aufbrechen, was lässt einen Menschen sich verschließen? Nicht zuletzt wird die Frage gestellt, wie eine Gesellschaft (in diesem Fall die japanische, aber die Aussagen sind übertragbar) mit Alter und Krankheit umgeht. Vor allem plädiert die auf Details Wert legende Inszenierung für den Respekt vor den kleinen Dingen, der Natur und dem ganz alltäglichen Leben, insbesondere dem Essen. Selten wurde im Kino mit so viel Hingabe und Geduld die Zubereitung von Essen gezeigt, so dass der erste Biss der Darsteller fast auf der Zunge spürbar ist. Ähnlich wie im nahezu zeitgleich erschienenen Unsere kleine Schwester oder im schon älteren Film Eat drink man woman. Zweitausendeins Edition Film 155 wird das Essen und dessen Zubereitung zum wichtigen Element, um über Respekt und Wertschätzung den alltäglichen Dingen im Leben gegenüber zu plädieren.

"Kirschblüten und rote Bohnen" ist eine extrem ruhige und poetische Betrachtung über den das Leben prägenden Alltag, sei es das Essen oder die Bewunderung der blühenden Kirschbäume. Die fast meditative Erzählweise weitet sich im Laufe der Geschichte zu einer Reflexion über die Frage, was ein Leben prägt und - gegen alle Widrigkeiten - gelingen lässt. Für Liebhaber stiller Dramen sehr sehenswert.


Die Maisinsel
Die Maisinsel
DVD ~ Ilyas Salman
Preis: EUR 17,49

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Fluss, die Insel, der Großvater, das Mädchen ... und die Soldaten ..., 6. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Maisinsel (DVD)
Jedes Jahr schwemmt der aus dem Gebirge kommende Fluss fruchtbares Land in den See, wo sich kleine Inseln bilden. Auf diesen Inseln lässt sich Getreide anbauen. Der alte Mann, der mit dem Boot zur noch kargen kleinen Insel gekommen ist, prüft den Boden indem er ein Loch gräbt. Er findet gute Erde aber auch die Hinterlassenschaft von Menschen: Ein Zigarettenfilter. Er verstaut diesen in seiner Hemdtasche und wird ihn im Laufe der nächsten Zeit immer wieder einmal hervorholen und schweigend betrachten. Überhaupt geschieht das Meiste schweigend und in ausgeglichener Ruhe. Der alte Mann baut auf der Insel ein Haus und beginnt die Erde umzugraben. Irgendwann kommt ein Mädchen im Boot mit, die sich als seine Enkelin herausstellt. Immer noch wird nur das Nötigste gesprochen, Kommunikation geschieht durch Blicke und Gesten. Hin und wieder passiert ein Motorboot mit Soldaten die Insel, denn im See stoßen die Grenzen verschiedener Länder aufeinander: Georgier, Russen und Kasachen kontrollieren und belauern sich gegenseitig. Irgendwann, mittlerweile sprießen schon die ersten Maispflanzen, fallen Schüsse am Ufer. Der Sturm peitscht über den See. Das Mädchen wäscht sich am Ufer der Insel, vom anderen Strand feixen Soldaten herüber. Immer mehr kreuzen sich die Geschehnisse auf der "Maisinsel" und am anderen Ufer - bis es schließlich zur Konfrontation kommt.

Der Regisseur George Ovashvili erzählt nicht wirklich eine Geschichte, sondern verwendet die Bilder von Mensch und Natur als Gleichnis für den Kreislauf des Lebens, für Werden und Vergehen, aber auch für Alltag, Sehnsucht, Liebe, Hass, Sorge und Freude. Der Betrachter muss sich ganz auf den Fluss der ästhetisch schönen und ruhigen Bilder einlassen und bekommt dadurch einen Eindruck von den Wechselfällen des Lebens bis hin zur menschlichen Existenz, die immer wieder dazu neigt, sich selbst zu zerstören oder die Natur nicht ausreichend zu respektieren. Ein gewisser Fatalismus bleibt trotz der ausgesucht schönen Bildsprache als Eindruck zurück, wenngleich der Kreis der Geschichte am Ende aufs neue beginnen kann.
Bereits in seinem Vorgängerfilm The Other Bank - Am anderen Ufer (OmU) hat sich George Ovashvili auf eine Geschichte in der Region und die Suche nach Heimat und Identität konzentriert. In der "Maisinsel" scheint das Thema dem Tagesgeschehen und der Historie entzogen zu sein und wird ins Allgemeingültige hin gesteigert.

"Die Maisinsel" ist anspruchsvolle Filmkost für Cineasten. Ausgesucht schöne Bilder und eine ins Mythische übersteigerte Erzählung vom Werden und Vergehen und den Wechselfällen der menschlichen Existenz verlangen nach geduldiger Betrachtung.
Es lohnt sich, den Film in den Originalsprachen mit deutschen Untertiteln zu sehen. Als Extras enthält die DVD nur den Trailer des Films und einige andere Trailer.


Unsere kleine Schwester
Unsere kleine Schwester
DVD ~ Haruka Ayase
Preis: EUR 15,99

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleine Wunder im alltäglichen Leben, 26. Dezember 2015
Rezension bezieht sich auf: Unsere kleine Schwester (DVD)
Alles beginnt mit der Reise zweier von drei Schwestern zur Beerdigung des eigenen Vaters, der schon eineinhalb Jahrzehnte zuvor die Familie für immer verließ. Am Ende des Films führt wiederum eine Beerdigung die wichtigsten Personen der Geschichte zusammen, dieses Mal treffen sich sogar vier Schwestern. Denn durch den Tod des Vaters erfahren die drei erwachsenen Töchter, dass dieser mit der Frau, mit der er zuletzt zusammen lebte, noch eine Tochter hatte. Diese kleine Schwester wird im Laufe der Filmgeschichte Teil des Lebens im großen alten Haus der Familie in der etwas verträumten Küstenstadt werden. Viel mehr ist über die äußeren Ereignisse nicht zu berichten, denn der Schwerpunkt des Films liegt auf Alltagsbeobachtungen, Entwicklungen von Menschen und Beziehungen, die sich über Monate und Jahre vollziehen. Im Kern handelt der Film von der Sehnsucht nach einem Ort und einer Zeit, wo man sich angenommen und geschätzt fühlt, wo man Glück erleben kann und Unglück aufgefangen wird. Es ist der ganz normale Alltag, der im Mittelpunkt steht. Ganz wichtig: Gemeinsam kochen, essen, reden und Zeit miteinander verbringen.

Der Regisseur Hirokazu Kore-eda bleibt seinen Themen aus den Vorgängerfilmen treu: Wie in Still Walking steht das Familienleben mit unterschiedlichen Generationen und unterschiedlichen Wert- und Lebensvorstellungen im Mittelpunkt. Die Gemeinsamkeit ist der Ort, an dem alle immer wieder zusammen kommen und vor allem das gemeinsame Kochen und Essen. Während in Like Father, Like Son ein existenzieller Konflikt im Mittelpunkt stand - aber auch die Frage nach familiären Beziehungen - wird in "Unsere kleine Schwester" von kleinen Glücksmomenten und alltäglichen Wünschen und Sehnsüchten berichtet, ohne dass es dramatischer Zuspitzungen bedürfte. Während im Vorgängerfilm dem Titel entsprechend die Väter stark im Fokus standen, sind es nun die vier Töchter bzw. jungen Frauen, an deren Leben der Betrachter eine Weile teilnimmt. Die sehr ruhige, aber ausgesucht schöne Bildsprache, eine sehr zurückgenommene Filmmusik und der ohne Höhepunkte auskommende Fluss der Begebenheiten machen die Erzählung zu einem fast meditativen Filmerlebnis.

"Unsere kleine Schwester" ist ein sehr ruhiger, in vielen Bildern und Szenen auch poetischer Film (z.B. das Einfangen der japanischen Kirschblütenzeit), der vom Zusammenwachsen und alltäglichen Leben einer durchschnittlichen Familie erzählt. Im Mittelpunkt stehen die vier Schwestern, deren Freunde, Verwandte und Bekannte, deren Träume, (unterdrückte) Wünsche, aber auch deren Gemeinsamkeit und enge Beziehung den Betrachter gefangen nehmen, so dass man die Familie nach mehr als zwei Stunden nur ungern zurücklässt. Mancher Ort und manches Gesicht aus früheren Filmen des Regisseurs tauchen wieder auf und lassen so etwas wie Heimat- und Familiengefühle aufkommen. Für Filmliebhaber und geduldige Betrachter ruhiger Geschichten unbedingt sehenswert!


Bridge of Spies - Der Unterhändler
Bridge of Spies - Der Unterhändler
DVD ~ Tom Hanks
Preis: EUR 14,99

31 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Machen Sie sich niemals Sorgen?" - "Würde das helfen?", 4. Dezember 2015
Rezension bezieht sich auf: Bridge of Spies - Der Unterhändler (DVD)
Dieser Wortwechsel ist dreimal im Film "Bridge of Spies" zu hören. Immer ist es der Anwalt James B. Donovan, der seinen Klienten, den russischen Spion Rudolf Abel, fragt und dieser antwortet stets äußerlich völlig ruhig mit der Gegenfrage. So wird aus den Sorgen, die eigentlich nicht helfen, so etwas wie das Leitmotiv dieses spannenden und hervorragend erzählten Films, der sich auf historische Tatsachen stützt. So verteidigt der New Yorker Anwalt Donovan 1957 den als sowjetischen Spion beschuldigten Rudolf Abel mit allen ihm zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln. Wird er von Abel und in sozialistischen Ländern für seine Standhaftigkeit bewundert, so trägt ihm (und seiner Familie) sein Einsatz für einen "Staatsfeind" in den USA offene Feindseligkeiten ein. Zum Helden avanciert Donovan jedoch durch den Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke in Potsdam, Anfang des Jahres 1962, also nur ein halbes Jahr nach dem Berliner Mauerbau. Gegeneinander ausgetauscht werden sollen Rudolf Abel und der über der Sowjetunion abgeschossene Spionageflieger Gary Powers.
Während der erste Teil des Films sich mit der Verhaftung und dem Prozess gegen Rudolf Abel beschäftigt, steht im zweiten Teil die Vorbereitung des Austausches im Mittelpunkt. Die dem Film den Namen gebende "Brücke der Spione" verbindet dann beide Teile und lässt die zentralen Personen dort Im Winter aufeinandertreffen. Thema des Films ist aber weniger die Spionage- oder Anwaltsgeschichte selbst, sondern mehr das Thema Freiheit und der Glaube an Menschlichkeit. Für diese Werte steht im Film die Figur des James B. Donovan.

Steven Spielberg und Tom Hanks haben schon mehrfach sehr erfolgreich zusammengearbeitet (Der Soldat James Ryan [Blu-ray], Catch Me If You Can [Blu-ray] und Terminal [Blu-ray]). Während Spielberg in "Bridge of Spies" wiederum eine äußerst präzise Auseinandersetzung mit den Freiheitswerten gelingt, so wie er es zuletzt schon in Lincoln [Blu-ray] oder auch in Amistad [Blu-ray] gezeigt hat, kann Tom Hanks in der Rolle als James B. Donovan erneut als aufrechter Amerikaner glänzen, wenngleich seine Rolle wesentlich differenzierter angelegt ist, als noch in The Green Mile oder in Apollo 13 [Blu-ray].
Auch "Bridge of Spies" vereinfacht manche Tatsachen und Schauplätze, so wirkt Ost-Berlin wie der düstere Gegensatz zum lichtdurchfluteten New York und manche Szenen sind nah an der Karikatur, aber niemals wird die Geschichte aus dem Auge verloren: Donovan macht sich Sorgen, dass der einzelne Mensch im Spiel der Großmächte verloren geht und damit auch das Recht auf Freiheit und Würde. So verteidigt er Rudolf Abel mit der Motivation, dass dieser im Dienste seines Landes auch nicht anders handelte als es ein Amerikaner im Spionagedienst der USA täte.

Spielberg hat wieder einen großen Film inszeniert, der durch ein hervorragendes, internationales Darstellerensemble (auf deutscher Seite sind Sebastian Koch, Burkhard Klaußner und Max Mauff mit dabei) getragen wird. Januzs Kaminski liefert erneut eindrückliche Kamerabilder für eine Mischung aus Justizdrama, Agentenfilm und Melodram, welches den historischen Tatsachen nicht nur gerecht wird, sondern aktualisierend fragt, ob wir uns heute erneut Sorgen machen müssen über die Rolle von Freiheit und Menschenrechten im Spiel der politischen Mächte. Sehenswert!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 24, 2016 6:33 AM CET


Beyond Punishment
Beyond Punishment
DVD ~ Anne Fabini
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Begegnung als Perspektivwechsel, 15. November 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beyond Punishment (DVD)
Was geschieht, wenn Täter und Opfer bzw. im Fall von Mord oder Totschlag die Täter und die Hinterbliebenen der Opfer sich begegnen könnten? Wäre die Begegnung eine Chance zum Verstehen, zum Aufarbeiten der Vergangenheit und eine Chance zum Neuanfang? Geleitet von diesen Fragen berichtet der Dokumentarfilm "Beyond Punishment" von drei Geschichten in drei verschiedenen Ländern: In den USA treffen wir im Projekt „Restorative Justice“ in einem Hochsicherheitsgefängnis in Wisconsin Leola und Lisa, Mutter und Tochter, die von mehr als zehn Jahren ihren Sohn bzw. Bruder Daryl durch Mord verloren haben. Das Projekt „Restorative Justice“ bringt Gewalttäter und Opfer/Hinterbliebene in einem Gesprächskreis zusammen, um einander zuzuhören und aus den jeweiligen Erfahrungen voneinander zu lernen. Es wird jedoch darauf geachtet, dass sich nicht die realen Täter und Opfer begegnen. Dies hätte im Fall von Leola und Lisa auch keinen Sinn, da der für die Tat verurteilte Mann bis heute abstreitet, die Tat begangen zu haben. Ein zweiter Fall in Norwegen erzählt hingegen von den tatsächlich beteiligten Seiten: Interviewt wird Stian, er erschoss seine damalige Freundin, deren Vater erzählt wiederum im Gespräch aus seiner Perspektive. Beide werden danach befragt, ob sie eine Gelegenheit zur Begegnung nutzen würden. In Deutschland begegnet der Betrachter schließlich dem Sohn Gero von Braunmühls, dessen Vater von der RAF am 10. Oktober 1986 vor seinem Haus ermordet wurde. Auch er will verstehen, warum gerade sein Vater sterben musste.
Drei Geschichten in drei Ländern und dreimal eine Konstellation aus Hinterbliebenen von Opfern und deren Tätern. Jedoch gibt es keine schnellen Lösungen, keine einfachen Rezepte, dies zeigen die spannenden, sehr emotionalen Gespräche.

Der Dokumantarfilmer Hubertus Siegert, der ansonsten für seine Geschichten rund um Berlin bekannt ist (z.B. Klassenleben oder Berlin Babylon) hat sich dieses Mal nicht nur auf internationales Terrain, sondern auch in einen emotional und moralisch schwierigen Bereich vorgewagt. Er beobachtet und dokumentiert den Versuch, dass neben der Strafe, die vor allem darauf bedacht ist Täter und Opfer streng voneinander zu trennen, auch eine Begegnung beider Seiten zur Verarbeitung des Geschehenen beitragen kann. Es bedarf auf beiden Seiten eines Perspektivwechsels, um eine andere, neue Zukunft zu gestalten. Einer der Straftäter in dem, von einer ehemaligen Richterin geleiteten „Restorative Justice“-Projekt in Wisconsin erzählt, dass sein Vater ihn mal gefragt habe, wie er denn hoffe, dass sich etwas ändert, obwohl er immer das Gleiche tue. So treibt auch "Beyond Punishment" die Frage an, ob es neben der Strafe nicht noch andere Wege geben muss, um Gewalt und Verbrechen einzudämmen und vor allem den Betroffenen beim Neuanfang zu helfen. Da es sich bei dieser Frage um ein Langzeitprojekt handelt, kann der Film vieles nur ansprechen oder gar anreißen, für Lösungen ist es wohl zu früh. Aber die direkte Konfrontation mit Tätern und Opfern dürfte niemanden unberührt lassen.
In den Extras der DVD sind unveröffentlichte Szenen und einige Trailer enthalten.


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