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Rezensionen verfasst von
lancelot

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Mozart: Cosi Fan Tutte
Mozart: Cosi Fan Tutte
Preis: EUR 10,89

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Guter Durchschnitt, 11. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Mozart: Cosi Fan Tutte (MP3-Download)
Nein, man muss diese Aufnahme nicht kennen. Aber es ist doch schön, dass sie (wieder) verfügbar ist. Zu den Spitzenproduktionen des Werkes hat sie nie gezählt, da wären Karajan, Böhm ('62) und auch Solti ('94) zu nennen. Leontyne Price als Fiordiligi ist sicherlich keine schlechte Wahl. Aber ich finde sie als Mozartinterpretin nicht unbedingt eindrucksvoll. Sicher hat sie vokal kaum Probleme, ihre Höhe ist glänzend und sie bewältigt die dramatischen Anforderungen der Partie insgesamt gut. Aber es fehlt die Durchdringung der Rolle, des Charakters der Partie. Hier sind ihr Schwarzkopf und Fleming haushoch überlegen.
Die übrige Besetzung (Troyanos, Milnes, Raskin, Flagello) und auch das Dirigat Leinsdorfs sind eher durchschnittlich. Wundervoll finde ich einzig das Duett Fiordiligi-Ferrando im zweiten Akt. Die Stimmfarben von Price und George Shirley ergänzen sich optimal, allein dafür lohnt die Anschaffung der Aufnahme.


Carmen, Doppel-CD
Carmen, Doppel-CD
Wird angeboten von wws-hamburg Inh. Gustav Kaiser
Preis: EUR 27,25

2.0 von 5 Sternen Keine überzeugende Aufnahme, 11. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Carmen, Doppel-CD (Audio CD)
Im Unterschied zu den vorherigen Rezensenten überzeugt mich diese "Carmen" überhaupt nicht. Zwar dirigiert Schippers spritzig und detailgenau, hat aber eine unzureichende Sängerbesetzung zur Verfügung.

Regina Resnik wirkt auf mich eher ältlich und viel zu reif für Carmen. Da ist nichts von der sinnlichen Verlockung einer Leontyne Price, nichts vom jugendlichen Charme einer Victoria de los Angeles oder Teresa Berganza. Resnik klingt mir zu sehr nach der männermordenden Klytämnestra als nach der männerverschlingenden Zigarettendreherin Carmen.

Auch Mario del Monaco kann wieder einmal nicht überzeugen. Ähnlich Franco Corelli (unter Karajan) oder James McCracken (unter Bernstein) macht er aus dem eleganten französischen Offizier, den nur Nicolai Gedda mit unvergleichlicher Noblesse und idiomatischer Aussprache zu singen verstand, einen melodramatischen Bajazzo, der in einer opéra comique, die "Carmen" nun mal ist, nichts verloren hat.

Auch Tom Krause singt unter Form, wirkt seltsam unbeteiligt und ist meilenweit entfernt von der Form, in der er die Partie später unter Solti gesungen hat.

Joan Sutherland höre ich lieber in verzierter Musik, als Donna Anna, Alcina und in den Belcanto-Opern Bellinis und Donizetti ist sie einzigartig. Für die spätromantische Musik Bizets fehlt ihr die Dramatik, so sicher sie sich vokal auch präsentiert.

In toto eine enttäuschende "Carmen", die mit den Referenzaufnahmen unter Beecham und Abbado nicht mithalten kann.


Wagner: Lohengrin (Gesamtaufnahme) (Aufnahme Berlin 1975/1976/1981)
Wagner: Lohengrin (Gesamtaufnahme) (Aufnahme Berlin 1975/1976/1981)

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Karajans schwächste Wagner-Aufnahme, 2. März 2014
Seltsam, dass diese Einspielung immer noch hohe und höchste Bewertungen erhält. Handelt es sich doch eindeutig um Karajans am wenigsten gelungene Wagner-Aufnahme.
Schon die Umstände dieser Produktion waren chaotisch: Da Karajan 1975 schwer an der Bandscheibe erkrankte und sich mehreren Operationen unterziehen musste, konnte die Aufnahme nicht wie sonst üblich vor der Salzburger Aufführung fertiggestellt werden, sondern fand parallel statt. Während der szenischen Proben gerieten Karajan und sein Lohengrin René Kollo derart aneinander, dass der Sänger abreiste (abreisen musste?) und auf der Bühne durch Karl-Walter Böhm ersetzt wurde. Die Aufnahmesitzungen wurden unterbrochen und die halbfertige Produktion blieb sechs Jahre liegen, bis sich 1981 Karajan und Kollo ausgesöhnt hatten und den Lohengrin fertigstellen konnten.
Glücklicherweise hört man das Stückwerk nicht - technisch ist an der Einspielung nichts auszusetzen. Und doch: Glücklich wird man hier nicht. Das liegt vor allem an der Sängerbesetzung: Kollo singt den Lohengrin viel weniger frei, elastisch und emphatisch als seinen Tannhäuser, Parsifal oder Stolzing. Die Stimme klingt angestrengt, fahl, oftmals rauh, wenig lyrisch und niemals geschmeidig. Wie sehr jedoch der Lohengrin eine Belcanto-Partie ist, kann man in der Leinsdorf-Einspielung mit dem phänomenalen Sandor Konya hören. Auch Domingo hat die Partie (unter Solti) schöner und sauberer gesungen als Kollo, auch wenn jener mit dem deutschen Text mehr als nur Probleme hat.
Auch Anna Tomowa-Sintow weiss nicht zu überzeugen. Mir klingt sie zu reif, zu matronenhaft, zu wenig naiv und unschuldig. Janowitz und vor allem Grümmer sind da viel idiomatischer.
Auch Sigmund Nimsgern und Dunja Vejzovic als finsteres Paar Telramund/Ortrud sind nicht mehr als Mittelmaß. Man sehnt sich so sehr nach den genialen Paarungen Fischer-Dieskau/Ludwig (bei Kempe) oder gar Vinay/Varnay (Sawallisch). Bedrohlich wirkt hier nicht die sängerische Gestaltung, sondern eher die vokalen Schwierigkeiten, die für Nimsgern und Vejzovic geradezu unüberwindlich scheinen.
Am Traurigsten aber stimmt mich Karl Ridderbusch. Unter Kubelik hat der Sänger einen hinreißenden König gesungen, voll, warm, rund, eindringlich. Hier ist er nur noch ein Schatten seiner selbst - welch ein Niedergang der Stimme!

Oftmals werden in Karajans späteren Operneinspielungen die unzulänglichen Sängerleistungen geradezu nebensächlich, da der Dirigent das Orchester zur einzigen Hauptfigur stilisiert. Leider ist dies hier nicht der Fall: Brutal und auffahrend dröhnen die Berliner Philharmoniker in Maximallautstärke durch das Werk und zerreißen damit die Lyrismen dieser Oper völlig. Nichts gegen einen vollen, satten Orchesterklang - aber hier werden die Stimmen nicht, wie in Karajans Tosca oder Turandot aufgesogen, sondern schlicht weggedonnert. So darf man diese Musik nicht spielen!
Fazit: Wer einen herausragenden Lohengrin hören will, sollte nach Aufnahmen mit Konya (Studio: Leinsdorf; Live: Matacic) suchen, wer die insgesamt beste Besetzung sucht, greift zu Kempe (Thomas/Grümmer/Fischer-Dieskau/Ludwig/Frick/Wiener PO), und wer vokale und orchestrale Genüsse mit einem Starensemble ohne viel Tiefgang bevorzugt, der schaut bei Solti vorbei (Domingo/Norman/Nimsgern/Randova/Sotin/Fischer Dieskau als Heerrufer).


Puccini: Tosca (Gesamtaufnahme(ital.))
Puccini: Tosca (Gesamtaufnahme(ital.))
Preis: EUR 23,99

3.0 von 5 Sternen Tosca mit Breitwandsound, 27. Februar 2014
Als Herbert von Karajan 1979 diese Studio-Produktion in Angriff nahm, stellte diese ausnahmsweise keine Blaupause für eine Aufführung bei den Salzburger Osterfestspielen dar. Was folgte, war lediglich eine konzertante Aufführung in der Berliner Philharmonie mit der identischen Besetzung, die den Kritiker und Karajan-Apologeten Klaus Geitel in einer Rezension zu der Bemerkung hinriss, alle vorherigen Aufführungen (auch die legendäre de Sabata-Produktion mit Maria Callas von 1953) in den Schatten zu stellen. Was für eine Messlatte!
Hört man dann in diese Aufnahme herein, so kann man angesichts dieser Äußerungen nur verwundert den Kopf schütteln. Typisch für die späten Karajan-Aufnahmen ist der auch hier anzutreffende, gelegentlich so genannte 'Breitwandsound'. Das Orchesterspiel ist gegenüber den Sängern erheblich in den Vordergrund gemischt und überwältigt mit einer atemberaubenden musikalischen Kulisse. Wuchtig und mächtig, ja fast gewalttätig spielen die (exzellenten) Berliner Philharmoniker auf und erzeugen einen orgiastischen, luxuriösen Klang, der die Stimmen der Sänger geradezu aufsaugt. Das ist überwältigend und großartig - aber ist es einer Opernaufnahme angemessen?
Die Crux der ganzen Sache liegt bei den Sängern: Keiner der drei Protagonisten vermag restlos zu überzeugen. Und man muss nicht einmal zur de Sabata-Einspielung mit ihrem unübertroffenen Trio Callas, di Stefano, Gobbi greifen, um ein besseres Ensemble zu finden. Ruggiero Raimondi ist als Scarpia keineswegs schlecht, aber mir mißfällt sein dumpfer, dröhnender Stimmklang sehr. Die Gefährlichkeit der Figur vermag er, anders als Gobbi oder auch Giuseppe Taddei in Karajans erster (Wiener) Tosca-Einspielung von 1962 nicht mit nuancenreichem, gestischem Singen zu vermitteln. Raimondis Scarpia ist ein Schurke wie aus einem B-Movie: Grob, fies, laut, brutal.
José Carreras war eigentlich ein hervorragender Sänger des Cavaradossi, wie seine Einspielung unter Colin Davis neben Montserrat Caballé beweist. Aber was ist hier mit ihm geschehen? Der Tenor wirkt matt, angestrengt, muss sich gegen die Orchesterkulisse hörbar stemmen und wirkt alsbald heiser und verausgabt. Schade. Noch schlimmer allerdings ist das, was die Titelheldin hier abliefert. Gewiss, Katia Ricciarellis Stimme ist wunderschön und zu dem Zeitpunkt der Aufnahme noch völlig intakt. Aber man kann hier quasi dabei zuhören, wie sie ihr Material ruiniert. Sie ist mit den riesigen Anforderungen der Partie einfach überfordert, sie kann die großen Bögen kaum gestalten und verliert hoffnungslos jeden forte-Kampf gegen Karajans Riesenorchester. Nicht umsonst besaßen die großen Tosca-Darstellerinnen der letzten 60 Jahre allesamt große, voluminöse, tragfähige und strapazierbare Stimmen (Callas, Tebaldi, Milanov, Nilsson, L. Price, Caballé).
Was bleibt? Die Erkenntnis, dass die Berliner Philharmoniker auch Puccini glorios spielen können (wusste man eigentlich schon seit Karajans fabelhafter Bohème-Aufnahme) und das die Musik der Tosca als Breitwand-Reißer durchaus überzeugt (oder besser: überwältigt). Nur braucht man dazu auch entsprechende Stimmen und die waren schon 1979 rar gesät.

P.S.: Wer es noch absurder mag, der sei auf Karajans Turandot-Aufnahme hingewiesen, in der Ricciarelli an der noch mörderischeren Partie der eisumgürteten Prinzessin scheitern darf. Immerhin rettet da ein tartarischer Prinz namens Domingo das Ganze.


Cosi Fan Tutte
Cosi Fan Tutte
Preis: EUR 17,99

4.0 von 5 Sternen Klemperers Così - ein Dokument, 3. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Cosi Fan Tutte (Audio CD)
Klemperers Così erschien kurz nach seiner umstrittenen Aufnahme von "Nozze di Figaro". Und Dirigent und Produzent scheinen sich die Kritik an den langsamen Tempi zu Herzen genommen haben. Das meint man zumindest, wenn man die durchaus zügig dirigierte Ouvertüre hört. Schnell jedoch verblasst die Hoffnung: Auch hier dehnt der Altmeister die Musik sehr in die Breite. Zwar hört man so (dem hervorragenden Orchester sei Dank) Details und Nuancen, die in anderen, rascher dirigierten Aufnahmen untergehen, aber alles in allem scheint mir diese Herangehensweise dem Werk nicht gerecht zu werden.

Die Sänger jedoch sind im Großen und Ganzen sehr lobenswert: Margaret Price singt hier meines Erachtens ihre beste Mozart-Aufnahme. Ihre wundervolle Stimme leuchtet und strahlt gerade auch in den Ensembles so wunderschön hervor, wie man das selten gehört hat. Zwar fehlt ihr die gestalterische Tiefe einer Elisabeth Schwarzkopf, doch von dieser Kollegin abgesehen ziehe ich Price allen übrigen Rollenvertreterinnen (darunter della Casa, Seefried, Janowitz, Caballé, Te Kanawa, Mattila ect.) entschieden vor. Zusammen mit ihrer unvergleichlichen Isolde unter Carlos Kleiber dürfte dies ihre beste Operneinspielung sein.
Auch Yvonne Minton macht ihre Sache hervorragend, sie ist eine lebendige, leidenschaftliche und jugendliche Dorabella. Eine Sternstunde auch die Despina von Lucia Popp. So schön gesungen habe ich Despina noch nie gehört. Der Ton glitzert und leuchtet, das Spiel ist nuanciert und gestaltreich.
Leider können die Herren dieses Niveau nicht ganz halten. Luigi Alva ist hörbar über seinen Zenit hinaus (wie wunderbar jung und frisch klingt er im Scala-Mitschnitt unter Guido Cantelli 1956!). Die Stimme wackelt hörbar, ist leicht rauh und den Feinheiten der Partie nicht mehr ganz gewachsen. Geraint Evans zählte noch nie zu meinen Lieblingssängern. Sein Guglielmo ist grob gesungen und gespielt - wie sehr vermisst man einen Berry, Taddei, Prey oder auch Ganzarolli!
Don Alfonso schließlich wird von Hans Sotin gegeben. Der deutsche Bass singt zwar wie immer wundervoll strömend und lyrisch, ist aber ein wenig langweilig. Das haben Bruscantini (unter Karajan) oder Panerai (unter Böhm) besser gemacht. Immerhin: Dem Klischee des alten, misogynen und mißgelaunten Philosophen entgeht Sotin glücklicherweise.

Leider sind die Rezitative in dieser Produktion stark gekürzt. So beginnt der 2. Akt seltsamerweise völlig unvermittelt mit Despinas zweiter Arie. Diese Amputationen stören zwar ein wenig, tun dem Werk jedoch keine allzu große Gewalt an.
Alles in allem eine hörenswerte Aufnahme, die jedoch an die prachtvollen und maßstabsetzenden Einspielungen unter Karajan, Böhm (vor allem 1955 und 1962) oder auch Muti nicht ganz heranreicht.


Verdi, G.: Rigoletto (Del Monaco, Gueden, Protti, Erede) (1954)
Verdi, G.: Rigoletto (Del Monaco, Gueden, Protti, Erede) (1954)
Preis: EUR 15,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schlechteste Gesamtaufnahme, 9. September 2013
Die wohl schlechteste Gesamtaufnahme des Rigoletto, die merkwürdigerweise neu aufgelegt wurde. Del Monaco gröhlt sich unerträglich laut und spröde durch seine Partie, die eines eleganten Tenors vom Schlage eines Bergonzi (unter Kubelik) oder Alfredo Kraus (unter Solti) oder zumindest Domingo (unter Giulini) bedarf. Protti ist nicht besser in der Titelrolle, grob, laut, unintelligent. Man vergleiche ihn mit einem Sänger wie Merrill oder einem Darsteller wie Gobbi. Hilde Güdens Gilda ist unidiomatisch, ein süßes Wiener Mädel, kein dramatisch geformter Charakter, der Hoffnungen, Begehren, Verzweiflung, Scham, Aufopferung, Liebe empfindet. Neben Maria Callas oder auch Joan Sutherland wirkt Güden unsicher und blaß. Das Orchesterspiel unter Erede ist stumpf und glanzlos. Einziger Lichtblick: Giulietta Simionato und Cesare Siepi als Banditenpaar (dafür einen Punkt).
Wer eine gute Aufnahme hören will, sollte zur alten, aber konkurrenzlosen Serafin-Aufnahme greifen mit Callas, Gobbi, di Stefano (der allerdings die Stretta im 2. Akt auslässt) oder zur Solti-Einspielung (mit Moffo, Merrill, Kraus). Mit Abstrichen sind auch die Aufnahmen unter Sanzogno (MacNeill, Sutherland, Cioni), Kubelik (Fischer-Dieskau, Scotto, Bergonzi) und Bonynge (Sutherland, Pavarotti, Milnes) oder Giulini (Cotrubas, Cappuccilli, Domingo) zu empfehlen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 12, 2013 10:37 PM MEST


Otello
Otello
Preis: EUR 5,89

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Karajans erster Otello - legendär, aber nicht makellos, 8. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Otello (Audio CD)
Eine zu Recht berühmte Aufnahme, die jedoch der beinahe gleichzeitig entstandenen Serafin-Aufnahme mit Jon Vickers, Leonie Rysanek und Tito Gobbi nicht ganz das Wasser reichen kann.

Die Wiener Philharmoniker spielen die schwierige Musik unfassbar gut und vor allem präziser als Serafins Römisches Opernorchester. Karajan gibt der Partitur einen wesentlich schärferen, dramatischeren Zuschnitt als sein italienischer Kollege. Auch ist die Aufnahmetechnik der Decca der Konkurrenfirma (RCA) überlegen. Die Musik wirkt stereophoner, klarer, die Höhen und Tiefen besser ausbalanciert und das Remastering hat das Grundrauschen auf ein Minimum reduziert.
Trotzdem scheint mir nach mehrmaligem Hintereinanderhören und Vergleichen der beiden Produktionen Serafin den insgesamt doch überzeugenderen Ansatz zu wählen, indem er seine Spannung nicht durch Dynamisierung aufbaut wie Karajan, sondern durch langsames Aufbauen großer Bögen und konzentrierter Spannungsentladung. Insgesamt scheint mir Serafin die Partitur auch differenzierter zu durchleuchten (etwa im Duett Otello-Iago "Sì, per ciel").

Zu den Sängern: Karajan hat den großen Otello der Fünfziger und Sechziger Jahre für seine Produktion zur Verfügung: Mario del Monaco. Dessen stimmliche Wucht ist zwar nicht mehr ganz so überrumpelnd und animalisch wie in der Erede-Produktion einige Jahre zuvor, dafür weiß der Sänger hier erstaunlich zu differenzieren. Das Liebesduett mit Desdemona am Ende des 1. Aktes klingt wirklich zart, was insofern überrascht, als man lyrische Töne von del Monaco sonst nicht gewohnt ist. Neben der Tosca unter Molinari-Pradelli ist dies meines Erachtens del Monacos beste Aufnahme. Trotzdem überzeugt mich Vickers in seiner Gebrochenheit und depressiven Verzweiflung viel mehr. Sein Otello ist ein wahrhaft shakespearscher Held voller Widersprüche und echter Emotionen, während del Monacos Leid eher äußerlich und aufgesetzt wirkt.
Renata Tebaldi singt die Desdemona unvergleichlich zart, lyrisch, zerbrechlich und doch außerordentlich stimmsicher. Dass Leonie Rysanek oder auch Renata Scotto und später Renée Fleming die Partie charaktervoller und akzentuierter präsentieren, kann man Tebaldi nicht vorwerfen, sie war eben keine dramatische Sopranistin.
Das große Manko der Aufnahme ist jedoch der Sänger des Iago, Aldo Protti. Schon unter Erede vergröberte der Sänger den intriganten Fähnrich zu einer Karikatur. Unter Karajan singt er zwar ein wenig nuancierter, bleibt jedoch weit hinter dem unglaublich intelligent agierenden Tito Gobbi meilenweit zurück. Karajan selbst soll mit Protti außerordentlich unglücklich gewesen sein, hatte er doch ursprünglich Ettore Bastianini engagiert, der jedoch an der Rolle scheiterte und kurzfristig ersetzt werden musste.

Insgesamt eine lohnende Aufnahme, die jedoch nicht restlos überzeugen kann.


The RCA Opera Treasury - Lohengrin
The RCA Opera Treasury - Lohengrin
Wird angeboten von FastMedia "Versenden von USA"
Preis: EUR 61,78

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen A Schwanenritter from Massachusetts, 8. August 2013
Rezension bezieht sich auf: The RCA Opera Treasury - Lohengrin (Audio CD)
Referenz? Nein, eine Referenzaufnahme ist diese amerikanische Einspielung dann doch nicht. Obwohl: Schöner hat den Lohengrin bis heute wohl kein Tenor gesungen als der unvergessliche Sandor Konya. Weich, glanzvoll, edel klingt sein Ritter. Man spürt, hier singt ein italienisch geschulter Sänger, der alles ganz anders (und so viel besser) macht als seine zahlreichen Kollegen. Die (vollständige) Gralserzählung im Dritten Aufzug schickt den Hörer direkt in den Himmel, oder zumindest in den Gralstempel. Nicht einmal Melchior hat diese Szene so gesungen. Sein ohne Zweifel leicht vorhandener Akzent (man muss schon taub sein, den nicht zu bemerken) stört dabei keineswegs - im Gegenteil. Er gibt diesem mysteriösen und fremden Ritter zusätzliches Charisma und Profil, ohne dass die Textverständlichkeit leiden würde. Ich ziehe Konya nicht nur seinen vielgelobten Kollegen Jess Thomas und James King vor, sondern auch René Kollo, der sich unter Karajan sehr gut schlägt, und vor allem Placido Domingo, der unter Solti zwar schön singt, jedoch mangels Sprachkenntnis nichts vom Gehalt des Textes transportieren kann.

Mit den übrigen Beteiligten ist es nicht ganz so gut bestellt: Lucine Amara ist keineswegs eine schlechte Elsa, kommt aber mit ihrer etwas zu hellen und farblosen Stimme nicht an Janowitz oder gar Elisabeth Grümmer heran. Beide Sängerinnen haben das schönere Timbre, singen textverständlicher und ausdrucksvoller, und letztere zusätzlich noch so wunderbar beseelt und vollkommen, dass es nichts schöneres gibt.
Das Paar Ortrud-Telramund ist hier auch nicht ideal - zumindest, wenn man als Maßstäbe Varnay/Uhde (unter Keilberth 1952 live in Bayreuth) oder auch Ludwig/Fischer-Dieskau anlegt. Zwar haben Rita Gorr und William Dooley hinreichend große und auch klangvolle Stimmen. Aber es fehlt an Dämonie und Verzweiflung in der Charakterisierung.

Leinsdorf dirigiert die Bostoner Symphoniker, deren Schwerpunkt, wie bei amerikanischen Orchestern üblich, auf den Blechbläsern liegt, expressiv und zügig, übergeht dabei jedoch manche Nuance, die man bei Keilberth, Kempe, Sawallisch und auch Matacic findet.
Letzterer dirigiert übrigens eine wundervolle Bayreuther Aufführung aus dem Jahr 1959, die als Alternative empfohlen sei. Konya singt dort gleichfalls (und mindestens so schön wie hier) die Titelpartie und hat in Elisabeth Grümmer die ideale Elsa an seiner Seite.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 10, 2014 5:47 PM CET


Cavalleria Rusticana/Pagliacci.(Ga)
Cavalleria Rusticana/Pagliacci.(Ga)
Wird angeboten von mario-mariani
Preis: EUR 37,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig, 27. September 2012
Leider kann ich die vorhergehenden Beurteilungen nicht ganz nachvollziehen. Giulietta Simionato hatte 1960 ihren Zenit bereits überschritten. Das junge, unverheiratete sizilianische Mädchen jedenfalls nimmt man ihr nicht mehr ab. Das klingt eher nach Azucena, Amneris oder Eboli. Der Vergleich mit der jungen Fiorenza Cossotto, die unter Karajan und neben Bergonzi ihre beste Aufnahme singt fällt für Simionato ebensowenig zu ihren Gunsten aus wie der mit der jungen Callas (1953 unter Serafin), die hier noch mit der Energie, Kraft und vokalen Sicherheit singt, die sie vor ihrer drastischen Abmagerungskur besaß.
Auch Mario del Monaco gefällt mir nur bedingt: Zwar liegt ihm die Rolle des ungestümen sizilianischen Bauern, aber ich ziehe Domingo, Bergonzi und vor allem Björling vor (obwohl die drei wesentlich kleinere Stimmen besaßen).
Cornell MacNeil ist ein ordentlicher Alfio, ist aber kein Bastianini, Merrill oder auch Panerai.
Serafin dirigiert wie immer sehr gut, aber das Temperament der früheren Aufnahme (1953) ist der altersmilden Verklärung gewichen.

Zu Pagliacci:
Hier ist del Monaco wieder der Urlatore, den wir aus zahllosen Aufnahmen kennen: Das geradezu ekelerregende Geschluchze, mit dem er das Nachspiel zu seiner Szene (Vesti la giubba) verhunzt, entwertet eigentlich schon die ganze Aufnahme. Gabriella Tucci ist keine schlechte Nedda, aber sie war eben keine ganz Große ihrer Zunft. Wer Nedda wirklich hören will, sollte zu Callas greifen, die einmal mehr konkurrenzlos ist.
Renato Capecchi ist ein hervorragender Silvio, Cornell MacNeil ein anständiger Tonio (aber Gobbi singt den Prolog viel facettenreicher und differenzierter).
Molinari-Pradelli leistet ordentliche Kapellmeisterarbeit, ein Künstler wie Serafin ist er aber nicht.
Kommentar Kommentare (20) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 10, 2013 8:59 PM MEST


Manon Lescaut
Manon Lescaut
Preis: EUR 19,45

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Callas als Manon, 27. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Manon Lescaut (Audio CD)
Nein, diese Aufnahme gehört nicht zu den Sternstunden der Sängerin. Nicht umsonst wurde sie von der Columbia zwei Jahre zurückgehalten, bevor sie veröffentlicht wurde. Die Höhenprobleme der Callas sind hier auch für den Laien deutlich hörbar, die Stimme wackelt mehr als sie sollte, man spürt die Anstrengung.
Und doch: Das Porträt, das Callas von der promiskuitiven Manon ist weit interessanter und lebendiger, leidenschaftlicher und glaubwürdiger als das ihrer Kolleginnen. Licia Albanese, Renata Tebaldi, Montserrat Caballé, Mirella Freni und Kiri Te Kanawa - sie alle singen die Partie mit ihren reicheren und wohlklingenderen Stimmen schöner, fließender, luxuriöser. Aber keiner dieser edlen und keuschen Stimmen nehme ich die Rolle wirklich ab. Renata Tebaldi klingt meist wie die fromme Klosterschülerin, deren Freizügigkeit so aufgesetzt wirkt, dass die Grenze zur Komik gelegentlich mehr als gestreift wird. Gleiches gilt für die übrigen Damen (von Albanese einmal abgesehen, die aber auch vergleichsweise oberflächlich bleibt).
Giuseppe di Stefano ist als Des Grieux keine Offenbarung, aber er singt zuverlässig und mit Esprit.
Giulio Fioravanti ist kein Bastianini oder Robert Merrill. Sein Lescaut ist ordentlich, aber die Stimme bleibt nicht im Gedächtnis. Die Nebenrollen sind mit Fiorenza Cossotto (Una voce sola), Franco Calabrese (Geronte) etc. gut und rollendeckend besetzt.
Serafin dirigiert gewohnt kompetent, aber die Leidenschaft und Schärfe scheint manchmal etwas zu fehlen.

Insgesamt eine gute Aufnahme, für Callas-Bewunderer unentbehrlich.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 5, 2012 11:42 AM MEST


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