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Rezensionen verfasst von
Katrina
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Unsere kleine Farm, Bd.3, Laura und ihre Freunde
Unsere kleine Farm, Bd.3, Laura und ihre Freunde
von Laura Ingalls Wilder
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Authentisch und spannend, 20. Februar 2014
Dies ist das 4. Buch, das ich von der ganzen Serie gelesen habe. Es hat mir, nach Lektüre von Band 1,2 und 5, bisher am besten gefallen. Am Ende vom 2. Band verlässt die Familie ja ihr kleines Haus in der Prärie, weil die Regierung die Grenze für das Indianerland neu definiert hat und Ingalls keinen Ärger mit Indianern haben wollten. So bleiben das neu gebaute Haus und die frisch bestellten Felder zurück.
In diesem Band fangen sie noch mal neu an. Sie tauschen ihre beiden Pferde und die Plane ihres Wagens gegen zwei Ochsen und ein Haus, das eigentlich eine ausgebaute Erdhöhle ist, mit einem Norweger, der weiter zieht. Sie selbst bestellen die Felder und der Vater fängt enthusiastisch mit dem Bau eines Holzhauses an, das Material hat er auf Pump gekauft. Er ist sicher, dass er nach der Weizenernte Geld für die Rückzahlung hat und auch für dringend benötigte andere Sachen. Doch dann gibt es eine Heuschreckenplage, die nicht nur in wenigen Tagen die ganze Ernte zerstört, sondern auch das Präriegras und das Laub von den Bäumen frisst. Ich fand die Darstellung der riesigen Heuschreckenschwärme, die wie dunkle Wolken über das Land kommen, sehr beeindruckend.

Es gibt nur einen Ausweg: der Vater zieht nach Osten und verdingt sich als Erntehelfer. Keine leichte Zeit für Caroline und die Kinder, die wochenlang ohne Nachricht von ihm sind, in einer Zeit ohne Telefon. Auch im Folgejahr wird es nicht besser, doch dann kommt ein harter Winter mit Schneestürmen, die so stark sind, dass man kaum das Haus verlassen kann. Der Vater kommt fast im Schneesturm um. Das alles ist sehr ruhig, und vielleicht darum umso eindrucksvoller geschildert. Und die Familie weiß: nach solch einem Winter wird es im Sommer keine Heuschrecken geben. Sie haben Hoffnung, dass es bergauf geht. Ich fand das Buch sehr spannend zu lesen, und so hat mich auch das schlechte Lektorat nicht so gestört, das mich in den anderen Bänden ziemlich genervt hat.

In diesem Band lebt die Familie im Plumcreek, in Walnut Grove, so wie auch in der Fernsehserie. Reverend Alden, die Lehrerin Miss Beadle, Familie Oleson inklusive der blöden Nellie - all die alten Bekannten aus der Fernsehserie tauchen hier plötzlich auf. Laura und Marie gehen erstmals zur Schule, es gibt sogar eine Kirche mit Sonntagsschule und andere Kinder zum Spielen. Ich fand diesen Band etwas "belebter", etwas lebendiger geschildert und weniger hölzern als die ersten Bücher. Und freue mich auf Band 4!

Ein Buch,das sicher auch Kinder heute noch gerne lesen, auch wenn es eine ganz andere, heute sehr fremd erscheinende Zeit schildert in einem Land, das so gar nichts mehr mit den heutigen Vereinigten Staaten zu tun zu haben scheint.

Leseempfehlung.


AQUA SPHERE Tauchringe Tauchring-Set 4 verschiedene Farben
AQUA SPHERE Tauchringe Tauchring-Set 4 verschiedene Farben
Wird angeboten von water-fun
Preis: EUR 15,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut, 19. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Gehen schnell unter - gut.
Haben leuchtende Farben und sind unter Wasser gut zu erkennen - gut.
Fairer Preis - gut
Handlich, solide verarbeitet, tun was sie sollen - ebenfalls gut.

Negativ? Bislang nichts bemerkt. Alles zusammen: sehr gut.


Unsere kleine Farm, Bd.2, Laura in der Prärie
Unsere kleine Farm, Bd.2, Laura in der Prärie
von Laura Ingalls Wilder
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Spannender Inhalt - literarisch eher Durchschnitt, 11. Februar 2014
Das wirklich Interessante an diesen Büchern ist, so scheint es mir, ihre Authentizität. Laura Ingalls schildert - rückblickend und aus der Sicht des Mädchens Laura - die Erlebnisse der Familie, die in diesem Band aus den Wäldern Wisconsins in die Prärie übersiedelt. Das ist in sehr einfachen Worten, ohne großen Spannungsbogen und mit, wie ich finde, eher etwas hölzernen Dialogen geschehen.
Der Reiz der Bücher liegt darin, dass sie ihre eigenen Erlebnisse schildert. Wie die Familie - ohne Not, und ohne dass auf die Gründe näher eingegangen wird (außer, dass in den Wäldern von Wisconsin immer mehr Menschen leben und das Wild irgendwann knapp wird) - in die Prärie zieht, nur im Planwagen mit ihrem ganzen Besitz, reißende Flüsse überquert und dann irgendwann in der Steppe anhält und die Eltern anfangen, ein Haus zu bauen, ist faszinierend zu lesen. Als erwachsener Leser merkt man schon, dass es so ganz "plötzlich losgefahren, irgendwo angehalten und gebaut" nicht gewesen sein kann, denn der Vater hat sich sehr wohl vorher darüber informiert, welches Land zum Besiedeln frei gegeben wurde. Er verfolgt auch die Beschlüsse der Regierung, die irgendwann die Grenze verschiebt und damit die Ingalls im Indianerland leben lässt - was für sie dann der Grund ist, ihr Haus und ihre gerade bestellten Felder aufzugeben, und sich wieder auf den Weg zu machen.
Dieser Band ist inhaltlich in etwa das, was der Pilotfilm zur TV-Serie "Unsere kleine Farm" auf beeindruckende Weise zeigt.

Mich persönlich hat am meisten die Sicht des Kindes auf die Indianer beeindruckt: bedrohliche Menschen, von denen die Siedler wenig bis nichts wissen, deren Bräuche sie nicht verstehen und die ihnen Angst machen. Hier existieren wirkliche Parallelwelten, die nur in wenigen Kapiteln aufeinanderprallen - die Kinder aber sehr verängstigen.
Vieles bleibt unklar - auch, weil das Buch eben sehr aus Kindersicht geschrieben ist, und Hintergründe einfach nicht vorkommen, weil die Mädchen diese auch nicht kennen und erfahren.
Wer sich für die weiße Besiedelung der USA interessiert, für den sind diese Bücher interessant, auch wenn sie kein wirklicher literarischer Genuss sind. Ich denke, für Kinder sind sie trotzdem spannend und interessant - und sicher auch lehrreich.

Ich mag die Bücher und werde mir auch die restlichen Bände zu Gemüte führen.

Nicht so schön bei dieser Ausgabe: englische Begriffe sind manchmal sehr gewöhnungsbedürftig übersetzt. So ist der Danksagungstag nichts anderes als Thanksgiving, da würde man heute wohl den englischen Begriff wählen und ggf. in einer Fußnote erklären. Manchmal geht es etwas durcheinander mit Zeiten: "eines Tages" und "in einer Nacht" steht dann plötzlich für ""jeden Tag" bzw. "mehrere Nächte" - das ist so verwirrend, dass man mehrmals drüberlesen muss. Auch Begriffe wie "heuer" und "Jänner" hätte man in der ansonsten gebrauchten hochdeutschen Form wählen können. Aber man verstehts ja trotzdem.


Die Abenteuer der "schwarzen hand"
Die Abenteuer der "schwarzen hand"
von Hans Jürgen Press
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,95

5.0 von 5 Sternen SCHÖN!, 8. Februar 2014
Mein gerade 8 gewordener Sohn hatte dieses Buch mit in den Ferien. Die waren verregnet, aber wir hatte trotzdem Spaß, denn wir saßen unter Decken und lösten die Fälle der Schwarzen Hand. Kurze Geschichten, die auch ein Leseanfänger schon schafft. Wunderschöne, liebevolle Zeichnungen, die man genau betrachten muss, um auf die Lösung zu kommen.
Vier Kinder geraten in kleine Kriminalfälle. Auf jeder Seite gibt es eine kleine Geschichte, daneben ein Bild, das einem hilft, dem Täter auf die Spur zu kommen. Detail für Detail führt schließlich zur Aufklärung des Falls.
So rätselt man sich von Seite zu Seite, erfährt auf der Folgeseite jeweils die Auflösung und hat so gleich doppelt Spaß und Erfolg: beim Rätseln und bei der Erkenntnis, dass man schon selber ein Buch lesen kann.

Ich hatte das Buch als altmodisch in Erinnerung. Das ist es auch, aber das macht gar nichts.
Ein tolles Buch für Kinder ab ca. 6 Jahre, das sehr viel Spaß macht


Pünktchen und Anton
Pünktchen und Anton
DVD ~ Sabine Eggerth
Wird angeboten von MEDIMOPS
Preis: EUR 48,00

5.0 von 5 Sternen Toller Schwarzweiß-Film, 30. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Pünktchen und Anton (DVD)
Ich war ja ein bisschen skeptisch, ob dies ein akzeptabler Film für eine Kindergesellschaft von 7- und 8jährigen sein könnte. 60 Jahre als und in schwarz-weiß... Hat geklappt. Jungen und Mädchen waren angetan und außer kleinen Kommentaren wie "komisch, dass da keine Farben waren" wurde er von allen mit Spannung verfolgt.
Die Geschichte von Pünktchen und Anton bietet alles, was eine gute Kindergeschichte ausmacht. Ein Junge und ein Mädchen im Mittelpunkt, ein bisschen Spannung (Einbruch), viel Spaß (ide Kinder spielen großartig), ein bisschen Pädagogik (was darf man Kindern zumuten? Wie viel Elternzeit braucht ein Kind) - ein richtig runder Film.
Ich finde,dies ist eine super Literaturverfilmung, auch, wenn die Handlung an einigen Stellen leicht vom Buch abweicht ("macht aber nichts", so ein Kinderkommentar).
Neben den tollen jungen Hauptdarstellern ist auch der Vater von Pünktchen ganz wunderbar. (Der bekannte Schauspieler Paul Klinger spielt auch in der anderen Kästner-Verfilmung, "Das fliegende Klassenzimmer von 1954 mit, dort ist er der "Nichtraucher" - genauso toll wie als Direktor Pogge in "Pünktchen und Anton").

Schöner Film für Kinder, schön für nostalgische Erwachsene zum Mitschauen.


Mit dem Rücken zur Wand: Roman (Gulliver)
Mit dem Rücken zur Wand: Roman (Gulliver)
von Klaus Kordon
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Sechs Sterne für ein tolles Buch, 30. Januar 2014
Als Kind habe ich vor vielen Jahren den ersten Band dieser Trilogie gelesen: Die roten Matrosen. Das ist lange her. Und obgleich ich wusste, dass es später Folgebände gab, habe ich erst 30 Jahre später diesen 2. Band gelesen. Unfassbar, wie jemand so spannend, so informativ und so unglaublich berührend schreiben kann! Die Geschichte des Arbeiterjungen Hans, der im Berlin um 1932/33 als Hilfsarbeiter bei AEG anfängt, dort seine Freundin Mieze kennenlernt und im Laufe der Zeit mehr und mehr merkt, dass er sich politisch positionieren muss, ist unglaublich fesselnd zu lesen. Hans'Eltern sind Kommunisten, ebenso sein großer Bruder. Seine Schwester aber hat sich mit einem Nazi verlobt, ausgerechnet mit Günter Brem, dem früheren Freund von Hans'großem Bruder. Die Eltern brechen den Kontakt zu Martha ab. Und Hans muss sich das erste Mal entscheiden. Er zieht bei Martha aus und schläft lieber bei seinen Eltern auf dem Küchentisch. Im Laufe des Winter erfährt er, dass Mieze Halbjüdin ist. Er wird zu ihr stehen. Mehrere Male wird er von Nazis zusammen geschlagen. Immer mehr Freunde und Bekannte werden von Kommunisten zu Nationalsozialisten. Hans fühlt sich in die Enge gedrängt, und gibt nicht auf, trotz der menschlichen Enttäuschungen, trotz der eskalierenden Gewalt. Als sein Vater und sein Bruder nach dem Reichstagsbrand verhaftet werden steht für ihn fest: er wird nicht nach Moskau emigrieren, wie seine Eltern es gerne hätten, er wird in Berlin bleiben und zusammen mit Mieze Widerstand gegen die Nazis leisten.
Neben dieser sehr persönlichen Geschichte erfährt der Leser sehr viel über die LEbensverhältnisse in Berlin-Wedding, über die Kämpfe innerhalb der politischen Linken und über den Beginn einer Zeit, die mit dem 2. Weltkrieg enden wird.
Ich habe mehrere Male meinen U-Bahnhof verpasst, weil ich einfach immer weiter lesen musste und morgen beginne ich mit Teil drei und kann es kaum noch abwarten.

Ein Buch, das eine kommunistische Arbeiterfamilie in den Mittelpunkt stellt, wirkt ein bisschen aus der Zeit gefallen. Aber ich würde es rückhaltlos für Kinder ab 12 Jahren empfehlen. Es ist besser als jeder Geschichtsunterricht und anschaulicher als jedes Museum.
Mein Sohn hat heute gefragt, ob Kinderbuchautoren eigentlich auch einen Literaturnobelpreis bekommen können. Ich würde Klaus Kordon auf die Anwärterliste setzen.


Liebe Sophie!: Brief an meine Tochter
Liebe Sophie!: Brief an meine Tochter
von Henning Sußebach
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut - aber zu lang, 28. Januar 2014
"Liebe Sophie" ist ein sehr schmales Bändchen. Ein kleines Buch, in dem der Autor Henning Sußebach, Journalist bei der ZEIT, sich an seine 12jährige Tochter wendet und versucht, ihr und vor allem sich selber zu erklären, warum die Schule im Leben seiner Tochter so einen wichtigen Stellenwert hat, dass für viele andere Dinge keine Zeit mehr bleibt. Er ist erschüttert, und je mehr er mit Experten darüber spricht, desto verzweifelter wird er. Und doch merkt er immer wieder, dass er genau in diesem Hamsterrad ist, dass ihn gerade beim Nachdenken darüber so unglücklich macht.

Das könnte interessant sein. Es liest sich auch ganz schön. Es gibt sicher viel Stoff zum Nachdenken, wenn man sich bislang diese Fragen noch nie gestellt hat und durch diese Lektüre zum ersten Mal wirklich darüber nachdenkt, was dieser ganze globale Wettbewerb, die PISA-Tests, das Turbo-Abi und und und für Auswirkungen auf Kinder und auf die ganze Gesellschaft haben.
Ich hatte aber auch schon vor der Lektüre darüber nachgedacht. Und darum war mir das ganze zu lang. Die Gedanken des Autors, so war mein Gefühl ab der zweiten Buchhälfte, drehen sich irgendwie im Kreis. Er kommt nicht weiter. Und er kommt aus diesem Gedankenkarussell nicht raus. Denn alles, was ihn stört, das lebt er ja auch. Und er kann irgendwie auch nicht anders.
Er rät zum Ausbruch - und erklärt gleich wieder, warum alles ist, wie es ist.

Henning Sußebach hat einen wunderbaren Artikel in der Zeit geschrieben. Unter der Überschrift "Liebe Marie" kann man ihn sich ergooglen. Dort wird in kurzer, sprachlich klarer Form all dies auf den Punkt gebracht, was er dann dank des Erfolgs seines Artikels, zu einem Buch erweitert hat. Meiner Meinung nach hätte er das nicht zu tun brauchen. Der Artikel sagt alles. Das Buch zieht sich am Ende wie Kaugummi und man ist hinterher nicht klüger als vorher.
Denn Sußebach ist kein Revolutionär, der seiner Tochter sagt: "Lass den ganzen Mist, schmeiß die Schule, geh nach der 10. ab, mach mal ein Praktikum in einem Bereich, auf den Du noch nie gekommen bist, geh mal ein bisschen jobben und verdien Dir das Geld für eine große Reise. Und wenn Du dann zurück kommst, überleg Dir in Ruhe, womit Du eigentlich in Zukunft Dein Geld verdienen willst." Nein, er rechtfertigt das Verhalten von Eltern und Lehrern, erklärt, entschuldigt. Er kann nicht anders.

Mir hat das leid getan beim Lesen. Ich finde, der Artikel bringt besser rüber, worum es dem Autor geht. Den würde ich rückhaltlos empfehlen. Das Büchlein kann, muss man aber nicht lesen.


Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen
Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen
von Emile Bravo
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

5.0 von 5 Sternen Süß und traurig, 11. Januar 2014
"Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen" ist eine graphic novel, ein Roman in Bildern. Jean ist sechs. Er lebt mit seinem kleinen Bruder Paul, seinem Vater und dem Kindermädchen Yvette zusammen. Eine Mutter, die bei ihnen lebt, hat er nicht und er weiß auch nichts von ihr.
Als er in die Schule kommt, bereitet ihm dieser Umstand erstmals Probleme. Denn alle sollen erzählen, was ihre Eltern machen - und er weiß nicht, was er sagen soll.

Hier werden sehr anschaulich die Probleme aus Kindersicht geschildert: ein kleiner Junge, ein vielbeschäftigter Vater - aber niemand zum Reden, niemand, dem er sich anvertrauen kann. Und da ist das Nachbarmädchen Michele, etwas älter als Jean, die mit ihm spielt, wenn sie niemanden anderen hat und die Freude daran findet, jüngere Kinder zu kommandieren und ihnen Geschichten zu erzählen. Sie ist es, die Jean eines Tages mit einer Postkarte von seiner Mutter überrascht, die angeblich zu Michele kam, weil die Mutter nicht möchte, dass jemand anderes aus der Familie davon erfährt.
Jean freut sich: endlich nimmt seine Mutter Gestalt an. Aber: sind die Karten echt?

Bei Besuchen bei den Großeltern mütterlicherseits erfährt Jean von allen Seiten Mitleid , er weiß nicht warum. Er sieht ein Foto von seiner Mutter, wagt aber nicht, nach ihrem Verbleib zu fragen und die Großeltern entscheiden, dass es nicht ihre Aufgabe ist, mit den Kindern zu sprechen.
Die Großmutter väterlicherseits zieht zu ihnen, aber auch sie sagt nichts. Ebensowenig der Psychologe, der Jean in der Schule untersucht.
Jeans Mutter ist gestorben. Das muss schon einige Jahre her sein, denn die beiden Jungen erinnern sich nicht an sie. Und für die "Großen" ist es so klar, dass sie gar nicht mehr darüber reden. SIE wissen es ja, SIE erinnern sich. Aber das ist vielleicht auch die traurige Wahrheit: sie haben darüber vergessen, dass die Kinder sich nicht an etwas nur wenige Jahre Zurückliegendes erinnern können, sie wollen sich der traurigen Erinnerung nicht stellen. Und darum bleibt der Tod der Mutter ein Tabu. Im Haus der Familie gibt es keine Fotos von ihr, der Vater spricht nicht von seiner Frau, es gibt keinen Tag im Jahr, an dem man sich an sie erinnert, z.B. ihr Geburtstag. Offenkundig gibt es auch keine für die Kinder zugänglichen Fotoalben oder so etwas. Dann hätten sie wenigstens einen Gesprächsanlass.

Was man in diesem Buch sehr gut lernt - wenn man es vielleicht schon vergessen haben sollte - ist, mit welchen Ängsten Kinder leben (müssen). Und wie wichtig es ist, dass man mit seinen Kindern spricht, auch über Dinge, die einem selber schwer fallen. Ich habe mich während des Lesens oft gefragt, was wohl mein Sohn sich nicht zu fragen traut - und ob ich ihm wirklich alles beantworten könnte und wollte.
Mein Sohn ist acht. "Meine Mutter ist in Amerika" ist das allererste Buch, das er selber - zumindestens teilweise, weil die französischen Namen ihm Probleme bereiten - mit Spannung selber gelesen hat. Mir vorgelesen, weil ich ihn das inhaltlich sehr komplexe Buch nicht alleine lesen lassen wollte. Er hat tausend Fragen und die Geschichte beschäftigt ihn sehr.

Das Ende bleibt offen. Aber Jean beginnt zu akzeptieren, dass seine Mutter nicht wieder kommt.
Es ist ein süßes Buch, das sich sehr in die kindlichen Protagonisten einfühlt. Und es ist ein trauriges Buch, weil es die Sprachlosigkeit in der Familie so deutlich macht. Ich finde, das ist ein Buch, das Kinder nicht alleine lesen sollten und das Erwachsene gerne mit - und alleine lesen, wenn sie mehr über die Welt ihrer Kinder erfahren wollen.


Die wilden Piroggenpiraten: Ein tollkühnes Abenteuer um eine entführte Mohnschnecke und ihre furchtlosen Retter
Die wilden Piroggenpiraten: Ein tollkühnes Abenteuer um eine entführte Mohnschnecke und ihre furchtlosen Retter
von Maris Putnins
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Literarisch hochanspruchsvolles Buch für belesene Kinder, 8. Januar 2014
Die wilden Piroggenpiraten ist ohne Zweifel ein spannendes Buch, basierend auf der witzigen Idee, Gebäck und allerhand andere Lebensmittel zum Leben zu erwecken und spannende Abenteuer bestehen zu lassen. Aber: es ist sowohl sprachlich, als auch von den drei parallelen Erzählsträngen für Kinder nur dann witzig und vor allem verständlich, wenn sie auch sonst sehr viel anspruchsvolle Literatur gewöhnt sind, sei es durch Selberlesen oder Vorlesen.

Denn selbst für mich als belesenen Erwachsenen ist es oft schwierig, die verschachtelten Sätze, teil mit skurrilen Phantasieworten gespickt, korrekt vorzulesen. Und ich bin sehr geübt im Vorlesen. Stellen, an denen es um verschiedene Segel oder anderes Fachvokabular geht, bringen mich an meine Grenzen. Und dann gibt es noch die spunische Armada, die grickischen Oliventörtchen und die Hippopotamusspeckpiroggen (lesen Sie das mal laut vor!)... Für Kinder ist es auch nicht immer ganz klar, welches Gebäck da gerade agiert: Speckpiroggen, Pelmeni und Tschebureki, Empanadas und Reispiroggen, Eclairs und Mohnschnecken - das sind alles nicht ganz die Dinge, die man so im täglichen deutschen Kinderleben zu sich nimmt. Zum Glück gibt es die Rezepte zum Nachbacken, waren wir schon häufiger in Osteuropa und haben das meiste zumindestens schon mal irgendwann gegessen, so dass ich immer mal wieder sagen kann "Die Teile, die Du in Riga auf dem Markt gegessen hast, die mit der Hackfleischfüllung..."

Viele witzige Ideen sind Anspielungen auf echte historische Begebenheiten (Napoleon auf Elba) oder auf Länder, die es wirklich gibt (Spunien, die Hafenstadt Murseille), was Kinder aber so nicht erkennen (können). Die langen, komplizierten Beschreibungen sind für kleinere Zuhörer oft sehr sehr schwer verständlich. Nach den ersten drei, vier Kapiteln war ich sehr gespannt, ob mein Siebenjähriger das durchhält. Er tut es, aber ich muss schon immer wieder mal was erklären oder rekapitulieren, zumal im Laufe der Geschichte immer mehr Figuren hinzukommen.

Ich mag das Buch. Mein Sohn mag es auch. Aber bevor man es kauft, sollte man da mal ein bisschen querlesen, um sicher zu gehen, dass man beim Vorlesen bzw. Selberlesen (immerhin 650 Seiten!) nicht schlapp macht.


Höhepunkte sowjetischer Kochkunst: Die Geschichte meiner Familie in Russland und Amerika
Höhepunkte sowjetischer Kochkunst: Die Geschichte meiner Familie in Russland und Amerika
von Anya von Bremzen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irre Mischung, 3. Januar 2014
Anya von Bremzen scheint eine bekannte Journalistin zu sein, so der Klappentext des Buches. Ich hatte noch nie von ihr gehört, aber ihr Buch hat mir sehr gefallen. Als 11jährige mit ihrer Mutter aus Moskau in die USA emigriert schreibt sie heute ein Buch über ihre Familie, die Geschichte der Sowjetunion und die russische und sowjetische Küche, eine ziemlich wilde Mischung, wie man meinen sollte. Das Buch orientiert sich an der Geschichte der Familie ihrer Mutter Larissa, beginnt zu Beginn des 20. Jh. in der Hafenstadt Odessa, mit jüdischen Rezepten. Man erlebt Leningrad, Moskau, die kriegsbedingte Zeit der Familie in Lenins Geburtsort Uljanowsk, kommt nach Aserbaidschan und schlussendlich wieder nach Moskau, wo das Mädchen Anya Anfang der 1960er Jahre geboren wird.
Die Zeit, die selbst ihre Mutter nicht erlebt hat, kommt noch etwas hölzern in der Darstellung daher, orientiert sich sehr an Geschichtsbüchern und wirkt recht langatmig und konstruiert. Die ersten 50, 60 Seiten fand ich daher eher anstrengend zum Lesen. Aber dann, wenn die persönlichen Erinnerungen der Mutter beginnen, nimmt die Geschichte Fahrt auf, wird bunt, lebendig, grausig im Krieg, spannend zur Zeit der Entstalinisierung und vollends rund, als die Erzählerin zu ihren eigenen Lebenserinnerungen an ihre Kinheit im Moskau der 1960er Jahre kommt.
Am Ende des Buches stehen die Rezepte, eins für jedes Jahrzehnt. Außerdem gibt es einige Fotos aus dem Familienalbum, die man gerne sieht, wenn man die ganze Zeit von eben dieser Familie liest. Da Anya von Bremzen seit den späten 1980erJahren auch wieder die Familie in Moskau besucht, endet die sowjetische Küche auch nicht mit der Emigration, sondern reicht bis ins Jahr 2011.

Fazit: ein gut zu lesendes, informatives, oft kurzweiliges, sehr kulinarisches, aber auch lehrreiches Buch für alle, die sich für ein Land jenseits der Geschichtsbücher interessieren und persönliche Einblicke in die Sowjetunion, Jahre nach ihrem Verschwinden, spannend finden.


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