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Mich gibt es gar nicht

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Das Wohltemperierte Clavier
Das Wohltemperierte Clavier
Preis: EUR 50,18

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Undogmatisch, unprätentiös, ungekünstelt, uneitel, 17. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Wohltemperierte Clavier (Audio CD)
András Schiff ist wirklich ein Phänomen. Pianistisch perfekt wie Rudolf Buchbinder, musikalisch reflektiert wie Alfred Brendel, dazu politisch engagiert wie Daniel Barenboim - man möchte kaum glauben, all dies in einer einzigen Person zu finden. Jetzt hat der musikalische Tausendsassa eine Neueinspielung des Wohltemperierten Klaviers vorgelegt.

Dass der Künstler den Notentext im Schlaf beherrscht, braucht nicht extra betont zu werden. Das kann und darf man bei einer Studioaufnahme voraussetzen, bei Schiff sowieso. Bemerkenswert ist aber, wie undogmatisch der Künstler an die Sache herangeht. Er hat die Erkenntnisse der Alte-Musik-Bewegung verinnerlicht, macht sich aber nicht zu ihrem Sklaven. Vielmehr entscheidet er an jeder Stelle von Neuem, was musikalisch sinnvoll ist. Beispiel Triller: mal trillert Schiff mit Vornote, mal ohne, mal lang, mal kurz, mal schnell, mal langsam. Und jedes Mal stellt sich der Höreindruck ein: ja, so und nicht anders muss es an dieser Stelle sein.

Dabei ist der Pianist alles andere als ein Umstürzler. Das Selbstverliebte, das gesucht Originelle, das Anders-Machen um des Anders-Machens willen, was mich bei Glenn Gould so abstößt - Gould-Fans mögen mir verzeihen -, geht Schiff gänzlich ab. Er hat hohen Respekt vor dem Werk und will es für unsere Zeit angemessen interpretieren. Und so setzt er behutsam Crescendi und Decrescendi ein, gelegentlich auch dezent das Pedal, aber immer im Dienst an der Musik, niemals als Selbstzweck. Hier spielt jemand, der Bach zum Klingen bringen will, nicht sich selbst.

Hans von Bülow soll gesagt haben, das Wohltemperierte Klavier sei das Alte Testament der Klaviermusik, Beethovens Sonaten das Neue. Bei den Beethoven-Sonaten ziehe ich die Aufnahme von Rudolf Buchbinder noch eine winzige Nuance gegenüber Schiff vor, wie ich in meiner dortigen Amazon-Besprechung ausgeführt habe. Wer aber das Alte und das Neue Testament aus einer Hand (genauer gesagt: aus den zwei Händen eines einzigen Pianisten) haben möchte, der findet zur Zeit auf dem Markt nichts Besseres als die Einspielungen von András Schiff bei ECM.


Nabucco: Callas-Bechi-Sinimberghi Neapel
Nabucco: Callas-Bechi-Sinimberghi Neapel
Wird angeboten von marvelio-germany
Preis: EUR 9,97

3.0 von 5 Sternen Tumultartige Szenen, 29. August 2013
Den Worten von Inken W. aus der Rezension vom 13. April kann man nur zustimmen, ebenso der Bewertung. Es kommt aber noch etwas hinzu. Beim bekanntesten Stück der Oper, dem Gefangenenchor "Va, pensiero" brechen nach knapp 4 Minuten heftige Unruhen unter den Zuschauern aus, Geschrei, Gebrüll, mitten in die Musik hinein. Die Musiker spielen bzw. singen weiter, und die Zuschauer beruhigen sich zunächst wieder. Sobald aber der Chor zu Ende ist, kommt es zu tumultartigen Szenen im Publikum. Lautstarke Buh-Rufer und Beifall-Klatscher versuchen, sich gegenseitig zu übertönen. Und das alles ist auf der Aufnahme zu hören!

Schließlich wird der Chor wiederholt, diesmal ohne Störung, und am Ende einhellig beklatscht. Es mag technisch schwierig bis unmöglich sein, die Nebengeräusche des alten Tonbands zu unterdrücken, aber den ersten Durchgang des Gefangenenchors samt dem nachfolgenden Pandämonium hätte man getrost herausschneiden können. Mit dem zweiten, ungestörten Durchlauf wäre die Oper immer noch vollständig gewesen.

Abschließend sei bemerkt, dass die Nebengeräusche gegen Ende der Oper immer schlimmer werden. Am Schluss ist man wirklich froh, dass es vorbei ist. Und das ist sehr, sehr schade, denn Maria Callas hat die Abigaille nur im Jahr 1949 auf der Bühne gesungen und ist mit diesen Aufführungen berühmt geworden. Es gibt allerdings noch einige Studioaufnahmen, wo sie die Arie der Abigaille aus dem 2. Akt singt. Live auf der Bühne in dieser Rolle ist sie aber nur in dieser Aufnahme zu hören. Sagte ich "zu hören"? Am Schluss ist sie nur mehr zu erahnen durch das Rauschen und Knacken hindurch.


Kreuzkogel: Rother Bergkrimi
Kreuzkogel: Rother Bergkrimi
von Eric Barnert
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... und dabei mag ich keine Thriller!, 28. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Kreuzkogel: Rother Bergkrimi (Taschenbuch)
Der Serientitel "Alpenkrimi" täuscht in diesem Fall: es handelt sich weit mehr um einen Thriller als um einen Krimi. Hätte ich das zuvor gewusst, dann hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht gelesen, weil ich Thriller nicht mag. Für mich gehört die Suche nach dem Täter einfach dazu; außerdem bin ich kein Freund von Gewaltorgien.

Doch die anfängliche Enttäuschung war bald überwunden. Und am Ende bin ich begeistert und vergebe die Höchstpunktzahl. Warum?

Nun, da ist zunächst einmal der erfreuliche Verzicht auf Gewalt. Nur ein einziger Mensch kommt im Rahmen der Handlung zu Tode, das ist für einen Thriller extrem wenig. Statt dessen besteht ein Großteil der Handlung darin, dass und wie der Protagonist Martin Keller seinen Verfolgern immer wieder aufs neue entkommt. Amüsant und spannend geschrieben!

Zum zweiten handeln alle Figuren im Rahmen ihrer Wesensart glaubwürdig. Sicher, es ist ein bisschen überzeichnet, dass gleich mehrere Personen - Josef Brugger, Stefanie Meiser und ihr Vater, Klaus Herrmann, Prof. Faulbacher und andere - alles stehen und liegen lassen und sich nur noch mit Martin Keller und seinen Problemen beschäftigen. Aber der Autor Eric Barnert ist sich dessen bewusst und lässt nichts unversucht, die Dringlichkeit des Falls deutlich zu machen.

Und schließlich versteht es Barnert sehr geschickt, die gleiche Episode aus verschiedenen Blickwinkeln zu schildern, ohne dass Langeweile aufkommt. In einem Kapitel sind wir bei Martin Keller und lesen, was er als nächstes unternimmt, um zu entkommen. Im nächsten Kapitel springen wir ein wenig zurück auf der Zeitachse und sind bei den Verfolgern; wir wissen schon, was jetzt kommt, aber nun erleben wir die Reaktion der anderen, und auch, wie sie sich auf die neue Situation einstellen. Auf diese Weise werden alle Figuren plastisch und lebendig.

Es gibt eine CD-Reihe mit dem Titel "Ich mag keine Klassik, aber das gefällt mir." In Abwandlung davon möchte ich sagen: "Ich mag keine Thriller, aber so lasse ich sie mir gefallen." Mehr noch: ich freue mich schon auf Martin Kellers zweites Abenteuer, das im letzten Satz angekündigt wird.


Birgit Nilsson Sings Wagner/Strauss
Birgit Nilsson Sings Wagner/Strauss
Preis: EUR 15,35

5.0 von 5 Sternen Hervorragende Auswahl, 5. August 2013
Dieses Doppelalbum enthält 11 Ausschnitte aus Live-Aufnahmen von Birgit Nilsson, die zwischen 1949 und 1977 entstanden sind. Sie erstrecken sich also über einen Zeitraum von 28 Jahren. "Vocal consistency was one of the most astonishing features of Nilsson's singing" steht im Booklet. Mit Verlaub: das stimmt so nicht ganz. Wie alle Sänger, denen eine lange Bühnenlaufbahn beschieden war, hatte auch Birgit Nilsson gegen Ende ihrer Karriere mit großen Formschwankungen zu kämpfen. Nicht alle Auftritte, auch nicht alle Studioaufnahmen aus ihrer letzten aktiven Zeit zeigten sie auf der Höhe ihrer Kunst. Daneben standen aber immer wieder Sternstunden, wo der einmalige Glanz ihrer Stimme strahlte wie in alten Zeiten.

Daher ist, je später das Aufnahmedatum, desto mehr eine kluge Auswahl vonnöten, um die große Kunst der Birgit Nilsson zu präsentieren. Und hier leistet das vorliegende Album Mustergültiges. Sämtliche Ausschnitte zeigen die Sängerin in Top-Form, und Stimme klingt 1977 wirklich nicht viel anders als 1949. Wagner und Strauss sind da zu hören, und in der Tat war Birgit Nilsson, trotz ihrer Turandot, Tosca, Aida und Lady Macbeth, in erster Linie im deutschen Fach zu Hause (auch wenn sie zeitlebens mit dem deutschen "ch" kämpfte).

Schon die erste Aufnahme, "Ariadne auf Naxos" auf Schwedisch, ist ganz hervorragend gelungen. Ein Jammer, dass sie diese Partie nicht öfters und länger gesungen hat. Aber auch als Salome, Elektra, Färberin leistet sie Außerordentliches, als Isolde und Brünnhilde sowieso. Eine Rarität: man kann sie auch als Elisabeth und als Elsa erleben. Beide Parts gehören ins jugendlich-dramatische Fach, und Birgit Nilsson hat sie bald abgelegt.

Ein kleiner Wermutstropfen ist der Tristan-Ausschnitt unter Artur Rodzinski aus Florenz, mit dem die zweite CD beginnt. Hier müssen die Mikrofone sehr ungünstig platziert gewesen sein, denn Birgit Nilsson ist manchmal kaum zu hören. Wenn ihre Stimme durchkommt, dann merkt man, dass sie ganz hervorragend singt; an ihr selbst kann es also nicht liegen.

Das Booklet listet sehr sorgfältig zu jeder Aufnahme auch Birgit Nilssons Bühnenpartner auf, selbst wenn sie nur wenige Takte singen. Eine Ausnahme: beim Lohengrin aus Bayreuth unter Eugen Jochum ist einmal kurz Friedrich von Telramund zu hören, und hier wurde der Name des Sängers vergessen. (Nach der Aufführungsdatenbank auf der Homepage der Bayreuther Festspiele war es Hermann Uhde.) Und beim Siegfried-Ausschnitt aus Bayreuth unter Rudolf Kempe singt Hans Hopf natürlich nicht den Siegmund, wie irrtümlich angegeben (Siegmund ist zu diesem Zeitpunkt der Bühnenhandlung längst tot), sondern den Siegfried.

Fazit: für alle Wagner-, Strauss- und Nilsson-Fans ein Muss.


La Forza Del Destino
La Forza Del Destino
Preis: EUR 28,24

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Und wo bleibt der erste Zweikampf?, 18. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: La Forza Del Destino (Audio CD)
Diese Aufnahme entstand 1957 bei der RAI in Rom, vermutlich als Mitschnitt einer konzertanten Aufführung. Sie zeigt das sehr hohe Niveau des Operngesangs in dieser Zeit, auch wenn es nicht die ganz großen Stars sind, die die Hauptrollen singen: weder Callas noch Tebaldi als Primadonna, weder del Monaco noch di Stefano als Primtenor, weder Gobbi noch Taddei als erster Bariton.

Anita Cerquetti, die Donna Leonora der Aufnahme, macht ihre Sache sehr gut. Sie wurde im Folgejahr bekannt, als Maria Callas eine Norma-Aufführung in Rom abbrach; Cerquetti sprang in den späteren Vorstellungen der Serie ein. Pier Miranda Ferraro singt den Don Alvaro anfangs zu gemütlich, zu harmlos, steigert sich dann aber immer mehr. Dieser Tenor ist außerhalb Italiens nur wenig bekannt geworden. Und Aldo Protti, der Don Carlo, ist hier in Top-Form. Renato Capecchi als Fra Melitone bewegt sich haarscharf an der Grenze zur Karikatur. In der kleinen, aber wichtigen Rolle des Padre Guardiano lässt sich kein Geringerer als Boris Christoff hören.

Dass es live ist, merkt man am Beifall bei allen Aktschlüssen. Ansonsten verhält sich das Publikum für italienische Gepflogenheiten geradezu mustergültig und klatscht nicht in die Musik hinein; falls es Beifall nach den Arien gegeben hat, so wurde dieser fein säuberlich herausgeschnitten.

Leider - und das ist der Knackpunkt - wurde nicht nur der Applaus herausgeschnitten. Im Velletri-Akt fehlt der Zweikampf zwischen Carlo und Alvaro komplett. Nach der "Urna fatale" mit der Stretta "E salvo! O gioia immensa!" folgt sofort die Feldlager-Szene samt Melitone-Predigt und Rataplan. Was man schmerzlich vermisst, ist die Szene, wo Alvaro nach seiner Operation wieder die Bühne betritt, wo Carlo ihn mit seinem richtigen Namen anspricht und sich selbst zu erkennen gibt, und wo die beiden erstmalig auf Leben und Tod kämpfen. (Der Kampf endet "unentschieden", weil sie von den Wachen getrennt werden.)

Es kann sein, dass diese Szene bei der damaligen konzertanten Aufführung weggelassen worden ist, aus welchen Gründen auch immer. Aber logisch ist es nicht: Carlo jubelt, dass er jetzt endlich die ersehnte Rache nehmen kann, und die Rache findet nicht statt. Außerdem ist die Szene für den weiteren Verlauf der Handlung nicht ganz unwichtig. Wenn sie fehlt, dann sollte man wenigstens im Beiblatt darauf hinweisen, vielleicht einen Satz zu den Gründen spendieren, aber nicht die Entdeckung dem Hörer selbst überlasssen.

Es ist das große Verdienst der Myto-Serie, herausragende Aufführungen der Vergangenheit in bestmöglicher Tonqualität herauszubringen, obendrein zu einem sehr günstigen Preis. Die Kehrseite der Medaille ist es, wenn man dann solche "Überraschungen" erlebt.


Tristan und Isolde
Tristan und Isolde
Preis: EUR 31,42

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine echte Alternative, 1. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Audio CD)
Diese Tristan-Einspielung ist 1960 entstanden und 1961 erschienen. Ein ungünstiges Timing, wie sich herausstellte. Damals lag die Furtwängler-Aufnahme noch nicht allzu lange zurück, und wenige Jahre später sollte der Bayreuther Live-Mitschnitt unter Böhm herauskommen. Beide Tristan-Einspielungen gelten bis heute als maßstabsetzend, und Solti hat dagegen einen schweren Stand. Zudem stand Solti 1960/61 noch nicht im Ruf eines herausragenden Wagner-Dirigenten; erst mit der Ring-Aufnahme sollte sich das ändern.

Vor fast vier Jahrzehnten habe ich mit diesem "Tristan" - damals natürlich noch auf LP - das Werk kennen gelernt, und jetzt habe ich meinen damaligen Höreindruck auf der CD überprüft. Ergebnis: die vielfach unterschätzte Solti-Aufnahme bietet eine echte Alternative zu Furtwängler und Böhm, und fast allen späteren Einspielungen des Werks (Kleiber, Pappano, ...) ist sie deutlich überlegen.

Die Besonderheit ist das Klangbild. Der Dirigent formt das Orchester sehr differenziert durch und bettet die Singstimmen in den Gesamtklang ein. Er deckt seine Sänger nicht zu, aber er erlaubt ihnen auch nicht, sich strahlend über das Orchester zu erheben. Also das gerade Gegenteil zum Bayreuther Klang mit dem abgedeckten Orchestergraben. Legitim, weil Wagner, als er den "Tristan" schrieb, diese Idee noch nicht gehabt hatte.

Birgit Nilsson ist fast noch besser in Form als in der Böhm-Aufnahme wenige Jahre später. Ihr gehauchtes "Tristan!" im ersten Akt (als beide gerade den Liebestrank zu sich genommen haben) hat mich vor Jahrzehnten zum Wagnerianer und zugleich zum Nilssonianer gemacht, und ich finde es heute noch hinreißend. In dieser Konsequenz leise zu singen, funktioniert wohl wirklich nur im Tonstudio.

Nilssons Partner Fritz Uhl singt den Tristan sehr nobel, klangschön, hat aber auch die notwendigen heldischen Reserven für die leidenschaftlichen Ausbrüche. Seine größte Stärke ist die Textverständlichkeit. Bei ihm eine "schwache Leistung" zu konstatieren, wie in einer anderen Rezension zu lesen, kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, heute wäre jedes Opernhaus der Welt - einschließlich Bayreuth - heilfroh, einen solchen Tristan bieten zu können.

Uhl war zum Zeitpunkt der Aufnahme 32 Jahre alt und damit wohl einer der jüngsten Tristane überhaupt. Seiner Stimme scheint die Rolle nicht geschadet zu haben, denn er stand noch 30 Jahre später auf der Bühne. Ob er den Tristan jemals live gesungen hat, konnte ich nicht feststellen. In Bayreuth sang er Erik und Siegmund, was auf eine Vorliebe für kürzere Rollen hinweist. Jedenfalls waren es damals, 1960/61, Wolfgang Windgassen, Ramon Vinay, Hans Hopf und Hans Beirer, die das Heldenfach beherrschten, und Uhl gehörte, zusammen mit James King, Jess Thomas und Jon Vickers, zur nächsten aufstrebenden Generation von Heldentenören.

Eine besonders eindrucksvolle Leistung bietet Tom Krause als Kurwenal. Die Partie ist heikel, sehr heikel, und mancher gestandene Heldenbariton hat als Kurwenal schwer Federn lassen müssen. Man denke nur an Hermann Becht und später Andreas Schmidt in Bayreuth, Fischer-Dieskau (unter Kleiber) und Olaf Bär im Tonstudio. Krause ist wirklich eine Idealbesetzung für den Part.

Auch ansonsten ist die Besetzung opulent. Waldemar Kmentt - später als Walther von Stolzing in Bayreuth zu hören - singt hier den jungen Seemann, und Ernst Kozub is Melot. Kozub wäre der Wunsch-Siegfried von Solti und seinem Produzenten John Culshaw gewesen, allein, es hat nicht sollen sein. Und auch Regina Resnik als Brangäne macht ihre Sache sehr gut.

Alles in allem hätte die Aufnahme vier Sterne verdient. Weil sie so häufig unterschätzt wird und unverdientermaßen in den Hintergrund gerät, spendiere ich - quasi als ausgleichende Gerechtigkeit - den fünften Punkt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 14, 2013 9:09 PM MEST


Die Farben der Freiheit
Die Farben der Freiheit
von Birgit Erwin
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viel Historie, wenig Krimi, 11. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Farben der Freiheit (Broschiert)
"Historischer Kriminalroman" prangt als Untertitel auf dem Buchdeckel. Ein historischer Roman ist es zweifellos, aber auch ein Krimi?

Das Autorengespann Birgit Erwin und Ulrich Buchhorn hat seine bisherigen historischen Romane im 10. Jahrhundert am Bodensee angesiedelt, zweifellos inspiriert durch Ulrich Buchhorns Namen, denn das heutige Friedrichshafen hieß bis 1810 Buchhorn. Diesmal haben sich die beiden für einen - historisch wie geografisch - gänzlich anderen Kontext entschieden. Ihr neues Buch spielt Mitte des 19. Jahrhunderts in Heidelberg, Frankfurt und Karlsruhe. Und die Historie ist nicht nur die Staffage der Handlung, sondern ihr eigentlicher Inhalt, geht es doch um das Frankfurter Paulskirchenparlament und um die Revolution von 1848/1849 in Baden samt ihrer letztendlichen Niederschlagung.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Joseph Viktor von Scheffel (im Buch nur Joseph genannt), bekannt als Dichter durch den "Trompeter von Säckingen", das Frankenlied und etliche andere Werke, die sich zum Teil noch heute ungebrochener Popularität erfreuen. Scheffel durchlebt und durchleidet die dramatischen Revolutionsereignisse, hin- und hergerissen zwischen Sympathie für die Demokratie-Bestrebungen und Abscheu gegenüber den Gewalttaten der selbsternannten Herrscher. Das ist sehr gut dargestellt, und der Leser erhält ein plastisches Bild dieser ereignisreichen Jahre. Besonders lobenswert auch der historische Anhang, wo die Autoren deutlich machen, was in dem Buch historisch ist - auch in der Biografie Scheffels -, und wo die freie Erfindung beginnt.

So weit, so gut. Leider versuchen Erwin und Buchhorn, auch noch eine Krimi-Handlung und eine Liebesgeschichte hinein zu packen, und das ist eindeutig zuviel des Guten. Der Roman beginnt mit einem mysteriösen Todesfall in Heidelberg, doch man erfährt nie, wer dieser Tote war, und auch nicht, ob es sich wirklich um einen Mord im strafrechtlichen Sinne handelt oder doch eher um einen unglücklich verlaufenen Zweikampf. Und auch die - unerfüllte - Liebe Scheffels zur Witwe Henriette Hoffmann bleibt Episode, wird gelegentlich mal wieder hervorgezogen, ohne den Leser wirklich zu fesseln. Schätzungsweise mindestens 2/3 des Buches befassen sich mit den historischen Ereignissen, und wenn Krimihandlung und Liebesgeschichte zusammen 1/3 des Buches ergeben sollten, dann ist das hoch gegriffen.

So bleibt als Fazit, dass "Die Farben der Freiheit" ein lesenswerter historischer Roman ist, der lebendig und anschaulich eine wichtige Epoche der deutschen Geschichte vor Augen führt, eine Epoche, in der wesentliche Grundlagen unseres heutigen politischen Selbstverständnisses gelegt worden sind. Ein Krimi oder ein Liebesroman ist das Buch aber nicht, und die Autoren hätten gut daran getan, auf diese Abschnitte zu verzichten.


Rheinsteigmord
Rheinsteigmord
von Oliver Buslau
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Warum ist es denn am Rhein so schön..., 8. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Rheinsteigmord (Broschiert)
Dieses Buch - zu meiner Schande sei es gestanden - habe ich mir wegen des Titels und wegen des Bildes auf dem Umschlag gekauft, bin ich doch 2007 selbst den Rheinsteig von Bonn bis zum Niederwald-Denkmal bei Rüdesheim gewandert. (Auf den allerletzten Abschnitt im Rheingau bis Wiesbaden musste ich damals verzichten). Das Bild zeigt denn auch einen der großartigsten Ausblicke am Rheinsteig, den vom Spitznack auf die Loreley.

Das führt allerdings in die Irre; die Handlung spielt im nördlichen, nicht ganz so spektakulären Teil des Rheinsteigs, hauptächlich um Rheinbrohl. Und ich muss gestehen, dass ich mich von meiner damaligen Wanderung zwar an die Rheinbrohler Ley deutlich erinnere, nicht jedoch an das dortige Mahnmal für das 29er-Regiment.

Das Buch ist leicht und locker geschrieben, und als Pluspunkt ist hervorzuheben, dass man schon nach wenigen Seiten in der Handlung "drin" ist und mit den Figuren mitfiebert. Bei vielen anderen Büchern sind dem Leser die handelnden Personen zunächst fremd, und man braucht längere Zeit, bis man mit ihnen "warm" wird und sich für ihre Probleme interessiert. Hier geht es, dank Oliver Buslaus flottem Schreibstil, ganz schnell.

Auch die Handlung ist originell und phantasievoll aufgebaut. Aber - und das ist der Knackpunkt - motiviert die Entdeckung, die im Prolog beschrieben wird, wirklich die nachfolgenden Morde? Die Entdeckung beinhaltet allenfalls die Möglichkeit, dass ... (hier muss ich etwas auslassen, um nicht zu "spoilern"), keineswegs die Gewissheit. Und die Morde unterdrücken ja auch nicht die Entdeckung an sich.

Vollends unglaubwürdig ist schließlich das Verhalten des Täters etwa in der Mitte des Buches. Dass er Fred betäubt, um ihn zum Hauptverdächtgen zu stempeln - geschenkt. Aber dass er ihm in diesem Zustand einen Film aus dem 1. Weltkrieg vorführt - was soll das, bitteschön, bringen? Und auch der Schluss des Buches, wo Fred in die Hände des Täters fällt, aber doch mit heiler Haut davonkommt, funktioniert so nur auf dem Papier.

Fazit: es ist, wie so oft, das unglaubwürdige und nicht nachvollziehbare Verhalten des Täters, das mich zum Punktabzug veranlasst. Und das ist, angesichts der originellen Grundidee, eigentlich schade.


Abgrund: Tobs Thanners erster Fall. Rother Bergkrimi
Abgrund: Tobs Thanners erster Fall. Rother Bergkrimi
von Stefan König
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der kriminelle Wundermann, 7. Mai 2013
Ohne "Spoilern" sei der Hinweis erlaubt, dass der Autor Stefan König gegen eine der goldenen Grundregeln des Krimis verstößt, nämlich gegen die, dass der Täter bereits im ersten Teil des Buches auftreten muss. Mit anderen Worten: der Täter soll aus dem Kreis der Personen kommen, die dem Leser vorgestellt worden sind. Es kann eine scheinbar völlig unwichtige Nebenperson sein, aber eingeführt sein muss er. Der "große Unbekannte" darf die Tat nicht begangen haben.

Nun, in diesem Buch ist der Täter ein "großer Unbekannter", der erst im Zuge der Ermittlungen auftaucht und dem Leser vorgestellt wird. Aber im Grunde ist dieser Regelverstoß nur konsequent und passt sehr gut zum Gesamtaufbau. Und in der Realität wird die Polizei den Täter wohl auch nicht immer im Kreis der zuvor bekannten Personen finden.

Das Buch ist spannend, schlüssig und auch sprachlich gelungen. Die Abenteuer der Hauptfigur Tobs Thanner sind plastisch und nachvollziehbar dargestellt. Man merkt, dass der Autor selber ein begeisterter Bergfex ist und sich sowohl mit der Bergsteigerei allgemein als auch im Wetterstein und Karwendel, wo ein Großteil der Handlung spielt, wirklich auskennt. Besonders gefallen hat mir, wie der Absturz, mit dem das Buch beginnt, immer wieder mal auftaucht und zuletzt die Brücke schlägt zum zweiten Band der Reihe. Gut und geschickt gemacht!

Der Grund, warum ich mich dennoch nicht für die volle Punktzahl entscheiden kann, ist die Figur des Täters. Denn so überzeugend die übrigen Figuren - Tobs, Ricardo, Mel, Donath, Elena Donath, Brunner, Kommissar Kölbl usw. - auch agieren, so wenig glaubwürdig ist der Schuldige dargestellt. Zunächst ist er ein wahrer Wundermann: er dringt unbemerkt in die Berghütte ein, während Tobs und Elena sich dort aufhalten, später gelangt er unbemerkt in das Haus von Donath in München, wo er den Computer in Betrieb setzt und danach ebenso unbehelligt das Haus wieder verlässt. Dann aber lässt er ohne triftigen Grund seine Maske fallen. Warum ist er denn ein zweites Mal in die Hütte gegangen und nicht besser über alle Berge geflohen? Antwort: weil es dem Fortgang der Handlung dient.

Es ist dies ein Schwachpunkt, den man in sehr vielen Krimis findet: Handlungsweisen des Täters, die kaum menschenmöglich und/oder völlig unmotiviert sind. Und genau hier liegt für mich die Unterscheidung zwischen einem guten und einem sehr guten Krimi. Beim sehr guten Krimi handeln alle Figuren motiviert und nachvollziehbar. "Abgrund" ist ein guter Krimi.


Norma: Callas-Del Monaco-Simionato-Zacca
Norma: Callas-Del Monaco-Simionato-Zacca
Preis: EUR 12,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Kabinettstück der Tontechnik, 23. April 2013
Hier ist den Toningenieuren ein Meisterstück gelungen, das alleine schon die Anschaffung rechtfertigt.

Auf den Bändern dieser alten Scala-Aufnahme fehlt nämlich die erste Viertelstunde. Aber siehe da: das Fehlende wird aus einer anderen Aufnahme ergänzt, die ein halbes Jahr früher entstanden ist. Bruchlos! Mario del Monaco singt weiter, als wäre nichts gewesen, und plötzlich hat er ein anderes Orchester (davor: Orchestra di Roma della Rai, danach: Orchestra del Teatro alla Scala) und einen anderen Dirigenten (davor: Tullio Serafin, danach: Antonino Votto). Und als Bühnenpartner antwortet ihm ein anderer Flavio (davor: Athos Cesarini, danach: Giuseppe Zampieri).

Im Beiblatt ("Booklet" sind diese 4 Seiten nicht zu nennen) ist angegeben, wo der Schnitt erfolgt, und ich habe mir die Stelle wiederholt angehört. Man merkt wirklich nichts. Keine plötzliche unmotivierte Temporückung, keine Änderung in der Intonation, rein gar nichts. Spitzenmäßig gemacht!

Auch die Auffühung selbst ist natürlich ein Meilenstein. Die Callas in Bestform singt die Rolle ihres Lebens, der schon erwähnte Mario del Monaco (in späteren Jahren ein berüchtigter "Brüller", hier erstaunlich differenziert und klangschön) ist Pollione, Giulietta Simionato verkörpert die Adalgisa: besser geht's wirklich nicht. Belcanto im wahrsten Sinne des Wortes!


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