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Rezensionen verfasst von
Marc Bieber, Autor von 'Skat: Streitfälle vor Gericht' (Osnabrück)

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Strafrecht Besonderer Teil II: Straftaten gegen das Vermögen
Strafrecht Besonderer Teil II: Straftaten gegen das Vermögen
von Rolf Schmidt
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das beste Buch auf dem Markt, 5. Februar 2009
Ist euch schon aufgefallen, wie hart umkämpft der juristische Lehrbuchmarkt inzwischen ist? Professoren stänkern in ihren Vorlesungen gegen die Autorenkonkurrenz und empfehlen nur ihre eigenen Bücher oder diejenigen von befreundeten Autoren. Skripten mit immer größer werdenden Versprechungen bei exponentiell abnehmendem Inhalt treten wieder ihren Siegeszug an. Verlage und Autoren holen Studenten mit an Bord, um so vielleicht die Zielgruppe stärker ansprechen zu können (was kaum gelingen wird, wenn man - wie z. B. der Niederle-Verlag jedenfalls in Osnabrück - die größten Schwachköpfe des Jahrgangs rekrutiert). Umso gespannter durfte man sein, wie angesichts dieser hektischen Zeiten die aktuelle 8. Auflage 2009 von Strafrecht, Besonderer Teil II - Straftaten gegen das Vermögen von Prof. Dr. Rolf Schmidt abschneidet.

Kennzeichnend für seine Bücher ist laut Prof. Dr. Schmidt >>die Kombination von lehrbuchartiger Darstellung, zahlreichen Beispiels-, Übungs- und Abschlussfällen mit Lösungsgesichtspunkten sowie Zusammenfassungen, Prüfungsschemata, hervorgehobenen Lerndefinitionen und Klausurhinweisen<<. Und genau diese Mischung ist es, die sämtliche didaktischen Mittel ausreizt, um Anfängern und Fortgeschrittenen die letzten Geheimnisse des Besonderen Strafrechts auf verständlich-plausible Weise zu vermitteln. Fett- und Kursivschreibung ergeben hier wirklich einen Sinn; in farbliche Hintergrundhervorhebungen verpackte Definitionen und eingerahmte Aufbauschemata wechseln sich ab mit unterschiedlich langen, ab und zu eingerückten oder etwas kleiner gedruckten Passagen, in die wiederum diverse Beispiele eingearbeitet sind. Das Erfreuliche daran ist: Die Darstellung wirkt nie überfrachtet, sondern es macht auch optisch Spaß, das Buch zu lesen. Wer einmal in die oberflächlichen BT-Bücher von Rengier geschaut hat, der weiß, wie eine altbackene und eintönige Optik einem das Lesen erschweren und damit vermiesen kann. Doch nicht nur die angenehme Optik ist lobend zu erwähnen, sondern auch der gut lesbare Stil. Wo bspw. das Buch von Wessels/Hillenkamp zu Strafrecht, Besonderer Teil II den Leser mit einer gespenstischen Häufung unerträglicher Schachtelsätze vergrault, lesen sich bei Prof. Dr. Rolf Schmidt die Sätze wie von selbst.

Allerdings ist hier ein juristisches Lehrbuch zu rezensieren und nicht ein modernes Computerspiel oder eine Frau aus Teenagersicht. Das heißt: Äußerlichkeiten sind nicht entscheidend; keine noch so schöne Aufmachung kann einen mangelhaften Inhalt kompensieren. Glücklicherweise ist es nicht die Optik, die dieses Buch wirklich glänzen lässt, sondern der Inhalt. Prof. Dr. Schmidt hat es vollbracht, alle klausurrelevanten Aspekte der Vermögensdelikte auf weniger als 400 Seiten unterzubringen, ohne etwas (im nicht juristischen Sinne) zu unterschlagen oder unnötige Längen zu fabrizieren. Der Klausurrelevanz entsprechend werden den Diebstahlsdelikten, den Raubdelikten und den Betrugstatbeständen verhältnismäßig viel Platz eingeräumt (jeweils um die 100 Seiten), doch selbst die Randdelikte erfahren mehr Aufmerksamkeit als in anderen Lehrbüchern, ohne dass man dadurch das (Jura-Studenten ohnehin unbekannte) Gefühl hätte, zu viel zu wissen. Die Qualität der einzelnen Kapitel ist gleich bleibend hoch, was ich als Pluspunkt verbuche, da ich zumindest keine Lust darauf habe, mir aus diversen Büchern die jeweiligen Highlights herauszupicken, weil die Professoren nur ihre Lieblingsdelikte anständig bearbeiten wollen/können. Nichtsdestotrotz sind die Kapitel zu den Diebstahlsdelikten und Betrugstatbeständen noch einmal besonders hervorzuheben. In keinem anderen Lehrbuch werden diese Bereiche mit einer derartig hohen inhaltlichen Dichte dargeboten, ohne dass zugleich Verständlichkeit oder Lesefluss darunter leiden. Wäre Jura nicht eine so verdammt ernste Sache, könnte man dieses Buch als Allgemeinbildung und Gute-Nacht-Lektüre anpreisen und verkaufen. Dennoch verlangt auch dieses Buch Aufmerksamkeit und harte Arbeit; es bereitet dem Leser nur nicht so viele Schwierigkeiten wie andere Werke beim Ernten des verdienten Lohns. Es ist diesbezüglich sogar sehr entgegenkommend, wenn man z. B. entdeckt, dass ein brandaktuelles und diskussionswürdiges BGH-Urteil zum schweren Raub (§ 251) es noch in diese Auflage geschafft hat. Prof. Dr. Schmidt muss demnach für den Druck seiner Bücher eine Druckerei gefunden haben, deren Mitarbeiter über eine entsprechend hohe Stressresistenz und Frustrationstoleranz verfügen - Eigenschaften, die seine Leser gerade nicht benötigen sollen.

Wo Licht ist, findet man aber wie immer auch ein wenig Schatten. Mich stört z. B., dadurch, dass bestimmte Aspekte immer wieder erwähnt werden, manchmal für blöd gehalten zu werden. Allerdings ist dieser vermeintliche Störfaktor zu verzeihen, denn: Welcher Autor kann es sich heute noch leisten, ein Lehrbuch nur für Fortgeschrittene zu schreiben, in dem kein Wort zweimal vorkommt? Ärgerlicher finde ich dann eher, dass die großartigen Beispielsfälle mit ausformulierten Lösungen immer mehr vom Buch Richtung Internetseite des Verlags wandern, was wohl daran liegt, dass eine Kürzung des Buches anscheinend den Interessen des Marktes (nicht aber seinen Bedürfnissen) entgegenkommt. Zuzugeben ist jedoch, dass diese Auslagerung vor zehn Jahren wesentlich größere Verfügbarkeitsprobleme mit sich gebracht hätte; heute ist es eher eine Geschmacksfrage, welche Inhalte man offline und welche online konsumieren möchte.

Das Ergebnis fällt äußerst positiv aus: Fast jeder Student, der den Lehrbuchmarkt sorgfältig prüft, dürfte, wenn er nicht Opfer der Professoren-Propaganda wird oder einem Irrglauben erliegt, die Rolf-Schmidt-Bücher, insbesondere zum hier besprochenen Strafrecht, Besonderer Teil II, als ideale Lektüre für sich entdecken. Natürlich soll mein Urteil niemanden daran hindern, durch den Rengier zu sprinten und sich dabei toll zu fühlen, weil der vermeintlich leichte und wenige Stoff so gut zu bewältigen ist, oder sich durch den Wessels/Hillenkamp zu quälen und dabei stolz und beruhigt zu sein, weil man gerade so eben noch mit den unnötig komplizierten, in schlechtem Deutsch geschriebenen Sätzen zurechtgekommen ist (merke: kompliziert bedeutet nicht Qualität). Doch moderne juristische Lehrbücher zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie den Stoff auf das vermeintlich Wesentliche beschränken (denn: wesentlich bedeutet nicht alles Klausurrelevante) oder pseudowissenschaftlich den Stoff verkomplizieren. Nein, sie müssen es vollbringen, dem Leser die Aufgabe, so viel wie nötig zu lernen, so einfach wie möglich zu machen - und genau das gelingt Prof. Dr. Schmidt. Wer also die Vermögensdelikte umfangreich und ohne vermeidbare (!) Quälereien erlernen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Wenn die anderen juristischen Autoren sich die Qualitäten dieses Buches eingestehen, wird irgendwann auch der letzte Wirtschaftsteilnehmer verstanden haben, dass nicht Tradition, Ruf oder Werbung auf dem Markt der Zukunft den Unterschied ausmachen, sondern nur zwei Faktoren: Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis.


Strafrecht Besonderer Teil I: Straftaten gegen die Person und die Allgemeinheit
Strafrecht Besonderer Teil I: Straftaten gegen die Person und die Allgemeinheit
von Rolf Schmidt
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konkurrenzlos, 5. Februar 2009
Die 8. Auflage 2009 von Prof. Dr. Rolf Schmidts Strafrecht BT I - Straftaten gegen die Person und die Allgemeinheit erweist sich erneut als nützlicher Führer durch den Dschungel der strafrechtlichen Examensvorbereitung und als ideales Buch für Einsteiger. Alles, was die Rolf-Schmidt-Bücher (z. B. auch Strafrecht, Allgemeiner Teil und Strafrecht, Besonderer Teil II) ausmacht und von der Konkurrenz abhebt - Aufbauschemata, klausurartige Streitstanddarstellungen, anschauliche Beispiele und Fälle mit ausformulierten Lösungen, vollständige und aktuelle Aufbereitung aller klausurrelevanten Aspekte -, ist auch in diesem Band enthalten.

Gegliedert ist das Buch in zehn Kapitel, die sich über etwas mehr als 400 Seiten erstrecken: 1. Straftaten gegen das menschliche Leben (Tötungsdelikte) und 2. gegen die körperliche Unversehrtheit (Körperverletzungsdelikte), 3. Brandstiftungs- und 4. Straßenverkehrsdelikte, 5. Straftaten im Amt, 6. gegen die persönliche Freiheit, 7. gegen die persönliche Ehre und 8. gegen die öffentliche Ordnung, 9. Delikte gegen die Rechtspflege und 10. Urkundendelikte. Dabei wird den Straftaten gegen das menschliche Leben (ca. 75 Seiten) und denjenigen gegen die körperliche Unversehrtheit (ca. 50 Seiten) ihrer Bedeutung entsprechend mehr Platz eingeräumt als anderen Delikten.

Zwei weitere Aspekte der BT-Bücher von Prof. Dr. Schmidt hinterlassen einen besonders positiven Eindruck. Zum einen verschafft Prof. Dr. Schmidt auch den vermeintlich unwichtigen Delikten den Raum, der ihnen - an der Klausurrelevanz gemessen - tatsächlich zukommt. Hier kommt es nicht wie in den BT-Büchern anderer Autoren vor, dass einem durchaus nicht unwichtigen Delikt nur eine Seite gewidmet wird und man zwangsläufig andere Lernmaterialien ergänzend heranziehen muss. Zum anderen schafft es Prof. Dr. Schmidt, das ganze Buch über ein gleich bleibend hohes Niveau zu halten. Ob es nun um bspw. um gekreuzte Mordmerkmale oder den tatbestandsspezifischen Gefahrzusammenhang geht: Alle Ausführungen sind vollständig, schlüssig und leicht verständlich. Dieser Umstand erspart einem das ständige Wechseln zwischen verschiedenen Strafrechtslehrbüchern, das viele Studenten bislang als notwendig erachteten, da die Autoren anderer Strafrechtsbücher bestimmte Delikte gut und andere wiederum nicht gut genug darstellten. Aufgrund der zahlreichen ausformulierten Beispiele, die Prof. Dr. Schmidts langjährige Erfahrung als Prüfer und seinen studentenfreundlichen Stil dokumentieren, kann man sogar fast auf ergänzende Fallbücher verzichten (wenn man nicht auf die ebenfalls hervorragenden, stilistisch und inhaltlich an die Strafrechtslehrbücher angepassten Strafrechtsfallbücher aus dem Rolf-Schmidt-Verlag zurückgreifen möchte).

Wenn man schon etwas kritisieren möchte, dann den Umstand, dass man bei gewissen Streitständen nicht immer derselben Meinung wie Prof. Dr. Schmidt sein muss. Im Gegensatz zu anderen Professoren verschweigt Prof. Dr. Schmidt einem aber nicht, was Rechtsprechungsansicht, h. M. oder h. L. sind, und vor allem begründet er seine Meinungen immer sachlich und überzeugend. Das ist kein Widerspruch: Durch Prof. Dr. Schmidt wird einem noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass es meistens mehrere gut vertretbare Ansichten gibt und es - gerade in 50:50-Situationen (beide Ansichten gleich überzeugend) - vor allem darauf ankommt, dass (!) man sich kritisch mit den unterschiedlichen Positionen auseinandersetzt - und eben nicht darauf, wofür man sich entscheidet (es ist ein Irrglaube vieler Studenten, im Zweifel lieber der h. M. zu folgen, um den Korrektor nicht zu verärgern). Allerdings weist Prof. Dr. Schmidt in den relevanten Fällen immer darauf hin, ob, wann und in welchem Umfang einer bestimmten Ansicht aus klausurtaktischen Gründen gefolgt werden sollte. Berücksichtigt man darüber hinaus die umfangreichen und aktuellen Literaturbelege, eignet sich das Buch zudem besser als jedes andere zum Hausarbeitseinstieg. Zum Erarbeiten und Lernen des Besonderen Strafrechts sollte das Buch jedoch gekauft und zu Hause verwendet werden, zumal das Preis-Leistungs-Verhältnis keine Wünsche offen lässt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Strafrecht, Besonderer Teil I von Prof. Dr. Schmidt ist die bestmögliche Anschaffung für Anfänger wie für Fortgeschrittene. Konkurrenzwerke wie z. B. die uninspirierten, oberflächlichen und zum Teil fehlerhaften BT-Bücher von Rengier lässt Prof. Dr. Schmidt mit diesem Buch weit hinter sich. Selbst dem wissenschaftlich minderwertigen Werk von Wessels/Hettinger, deren Autor/en bestimmte Bücher der Konkurrenz bewusst ignoriert/en, ist dieses Buch in allen relevanten Punkten (Umfang, Stil, Preis/Preis-Leistungsverhältnis etc.) überlegen. Man kann es ganz deutlich sagen: Wer mit den Strafrechtsbüchern von Prof. Dr. Schmidt nicht seine (realistischen) Strafrechtswunschergebnisse erzielt, der ist daran wahrlich selbst schuld.


Strafrecht Besonderer Teil II: Straftaten gegen das Vermögen
Strafrecht Besonderer Teil II: Straftaten gegen das Vermögen
von Klaus Priebe
  Broschiert

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Viel besser geht es nicht, 19. Januar 2009
Ist euch schon aufgefallen, wie hart umkämpft der juristische Lehrbuchmarkt inzwischen ist? Professoren stänkern in ihren Vorlesungen gegen die Autorenkonkurrenz und empfehlen nur ihre eigenen Bücher oder diejenigen von befreundeten Autoren. Skripten mit immer größer werdenden Versprechungen bei exponentiell abnehmendem Inhalt treten wieder ihren Siegeszug an. Verlage und Autoren holen Studenten mit an Bord, um so vielleicht die Zielgruppe stärker ansprechen zu können (was kaum gelingen wird, wenn man - wie z. B. der Niederle-Verlag jedenfalls in Osnabrück - die größten Schwachköpfe des Jahrgangs rekrutiert). Umso gespannter durfte man sein, wie angesichts dieser hektischen Zeiten die aktuelle 8. Auflage 2009 von Strafrecht, Besonderer Teil II - Straftaten gegen das Vermögen von Prof. Dr. Rolf Schmidt abschneidet.

Kennzeichnend für seine Bücher ist laut Prof. Dr. Schmidt >>die Kombination von lehrbuchartiger Darstellung, zahlreichen Beispiels-, Übungs- und Abschlussfällen mit Lösungsgesichtspunkten sowie Zusammenfassungen, Prüfungsschemata, hervorgehobenen Lerndefinitionen und Klausurhinweisen<<. Und genau diese Mischung ist es, die sämtliche didaktischen Mittel ausreizt, um Anfängern und Fortgeschrittenen die letzten Geheimnisse des Besonderen Strafrechts auf verständlich-plausible Weise zu vermitteln. Fett- und Kursivschreibung ergeben hier wirklich einen Sinn; in farbliche Hintergrundhervorhebungen verpackte Definitionen und eingerahmte Aufbauschemata wechseln sich ab mit unterschiedlich langen, ab und zu eingerückten oder etwas kleiner gedruckten Passagen, in die wiederum diverse Beispiele eingearbeitet sind. Das Erfreuliche daran ist: Die Darstellung wirkt nie überfrachtet, sondern es macht auch optisch Spaß, das Buch zu lesen. Wer einmal in die oberflächlichen BT-Bücher von Rengier geschaut hat, der weiß, wie eine altbackene und eintönige Optik einem das Lesen erschweren und damit vermiesen kann. Doch nicht nur die angenehme Optik ist lobend zu erwähnen, sondern auch der gut lesbare Stil. Wo bspw. das Buch von Wessels/Hillenkamp zu Strafrecht, Besonderer Teil II den Leser mit einer gespenstischen Häufung unerträglicher Schachtelsätze vergrault, lesen sich bei Prof. Dr. Rolf Schmidt die Sätze wie von selbst.

Allerdings ist hier ein juristisches Lehrbuch zu rezensieren und nicht ein modernes Computerspiel oder eine Frau aus Teenagersicht. Das heißt: Äußerlichkeiten sind nicht entscheidend; keine noch so schöne Aufmachung kann einen mangelhaften Inhalt kompensieren. Glücklicherweise ist es nicht die Optik, die dieses Buch wirklich glänzen lässt, sondern der Inhalt. Prof. Dr. Schmidt hat es vollbracht, alle klausurrelevanten Aspekte der Vermögensdelikte auf weniger als 400 Seiten unterzubringen, ohne etwas (im nicht juristischen Sinne) zu unterschlagen oder unnötige Längen zu fabrizieren. Der Klausurrelevanz entsprechend werden den Diebstahlsdelikten, den Raubdelikten und den Betrugstatbeständen verhältnismäßig viel Platz eingeräumt (jeweils um die 100 Seiten), doch selbst die Randdelikte erfahren mehr Aufmerksamkeit als in anderen Lehrbüchern, ohne dass man dadurch das (Jura-Studenten ohnehin unbekannte) Gefühl hätte, zu viel zu wissen. Die Qualität der einzelnen Kapitel ist gleich bleibend hoch, was ich als Pluspunkt verbuche, da ich zumindest keine Lust darauf habe, mir aus diversen Büchern die jeweiligen Highlights herauszupicken, weil die Professoren nur ihre Lieblingsdelikte anständig bearbeiten wollen/können. Nichtsdestotrotz sind die Kapitel zu den Diebstahlsdelikten und Betrugstatbeständen noch einmal besonders hervorzuheben. In keinem anderen Lehrbuch werden diese Bereiche mit einer derartig hohen inhaltlichen Dichte dargeboten, ohne dass zugleich Verständlichkeit oder Lesefluss darunter leiden. Wäre Jura nicht eine so verdammt ernste Sache, könnte man dieses Buch als Allgemeinbildung und Gute-Nacht-Lektüre anpreisen und verkaufen. Dennoch verlangt auch dieses Buch Aufmerksamkeit und harte Arbeit; es bereitet dem Leser nur nicht so viele Schwierigkeiten wie andere Werke beim Ernten des verdienten Lohns. Es ist diesbezüglich sogar sehr entgegenkommend, wenn man z. B. entdeckt, dass ein brandaktuelles und diskussionswürdiges BGH-Urteil zum schweren Raub (§ 251) es noch in diese Auflage geschafft hat. Prof. Dr. Schmidt muss demnach für den Druck seiner Bücher eine Druckerei gefunden haben, deren Mitarbeiter über eine entsprechend hohe Stressresistenz und Frustrationstoleranz verfügen - Eigenschaften, die seine Leser gerade nicht benötigen sollen.

Wo Licht ist, findet man aber wie immer auch ein wenig Schatten. Mich stört z. B., dadurch, dass bestimmte Aspekte immer wieder erwähnt werden, manchmal für blöd gehalten zu werden. Allerdings ist dieser vermeintliche Störfaktor zu verzeihen, denn: Welcher Autor kann es sich heute noch leisten, ein Lehrbuch nur für Fortgeschrittene zu schreiben, in dem kein Wort zweimal vorkommt? Ärgerlicher finde ich dann eher, dass die großartigen Beispielsfälle mit ausformulierten Lösungen immer mehr vom Buch Richtung Internetseite des Verlags wandern, was wohl daran liegt, dass eine Kürzung des Buches anscheinend den Interessen des Marktes (nicht aber seinen Bedürfnissen) entgegenkommt. Zuzugeben ist jedoch, dass diese Auslagerung vor zehn Jahren wesentlich größere Verfügbarkeitsprobleme mit sich gebracht hätte; heute ist es eher eine Geschmacksfrage, welche Inhalte man offline und welche online konsumieren möchte.

Das Ergebnis fällt äußerst positiv aus: Fast jeder Student, der den Lehrbuchmarkt sorgfältig prüft, dürfte, wenn er nicht Opfer der Professoren-Propaganda wird oder einem Irrglauben erliegt, die Rolf-Schmidt-Bücher, insbesondere zum hier besprochenen Strafrecht, Besonderer Teil II, als ideale Lektüre für sich entdecken. Natürlich soll mein Urteil niemanden daran hindern, durch den Rengier zu sprinten und sich dabei toll zu fühlen, weil der vermeintlich leichte und wenige Stoff so gut zu bewältigen ist, oder sich durch den Wessels/Hillenkamp zu quälen und dabei stolz und beruhigt zu sein, weil man gerade so eben noch mit den unnötig komplizierten, in schlechtem Deutsch geschriebenen Sätzen zurechtgekommen ist (merke: kompliziert bedeutet nicht Qualität). Doch moderne juristische Lehrbücher zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie den Stoff auf das vermeintlich Wesentliche beschränken (denn: wesentlich bedeutet nicht alles Klausurrelevante) oder pseudowissenschaftlich den Stoff verkomplizieren. Nein, sie müssen es vollbringen, dem Leser die Aufgabe, so viel wie nötig zu lernen, so einfach wie möglich zu machen - und genau das gelingt Prof. Dr. Schmidt. Wer also die Vermögensdelikte umfangreich und ohne vermeidbare (!) Quälereien erlernen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Wenn die anderen juristischen Autoren sich die Qualitäten dieses Buches eingestehen, wird irgendwann auch der letzte Wirtschaftsteilnehmer verstanden haben, dass nicht Tradition, Ruf oder Werbung auf dem Markt der Zukunft den Unterschied ausmachen, sondern nur zwei Faktoren: Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis.


Strafrecht Besonderer Teil I: Straftaten gegen die Person und die Allgemeinheit
Strafrecht Besonderer Teil I: Straftaten gegen die Person und die Allgemeinheit
von Klaus Priebe
  Broschiert

5.0 von 5 Sternen Besser als die Konkurrenz, 19. Januar 2009
Die 8. Auflage 2009 von Prof. Dr. Rolf Schmidts Strafrecht BT I - Straftaten gegen die Person und die Allgemeinheit erweist sich erneut als nützlicher Führer durch den Dschungel der strafrechtlichen Examensvorbereitung und als ideales Buch für Einsteiger. Alles, was die Rolf-Schmidt-Bücher (z. B. auch Strafrecht, Allgemeiner Teil und Strafrecht, Besonderer Teil II) ausmacht und von der Konkurrenz abhebt - Aufbauschemata, klausurartige Streitstanddarstellungen, anschauliche Beispiele und Fälle mit ausformulierten Lösungen, vollständige und aktuelle Aufbereitung aller klausurrelevanten Aspekte -, ist auch in diesem Band enthalten.

Gegliedert ist das Buch in zehn Kapitel, die sich über etwas mehr als 400 Seiten erstrecken: 1. Straftaten gegen das menschliche Leben (Tötungsdelikte) und 2. gegen die körperliche Unversehrtheit (Körperverletzungsdelikte), 3. Brandstiftungs- und 4. Straßenverkehrsdelikte, 5. Straftaten im Amt, 6. gegen die persönliche Freiheit, 7. gegen die persönliche Ehre und 8. gegen die öffentliche Ordnung, 9. Delikte gegen die Rechtspflege und 10. Urkundendelikte. Dabei wird den Straftaten gegen das menschliche Leben (ca. 75 Seiten) und denjenigen gegen die körperliche Unversehrtheit (ca. 50 Seiten) ihrer Bedeutung entsprechend mehr Platz eingeräumt als anderen Delikten.

Zwei weitere Aspekte der BT-Bücher von Prof. Dr. Schmidt hinterlassen einen besonders positiven Eindruck. Zum einen verschafft Prof. Dr. Schmidt auch den vermeintlich unwichtigen Delikten den Raum, der ihnen - an der Klausurrelevanz gemessen - tatsächlich zukommt. Hier kommt es nicht wie in den BT-Büchern anderer Autoren vor, dass einem durchaus nicht unwichtigen Delikt nur eine Seite gewidmet wird und man zwangsläufig andere Lernmaterialien ergänzend heranziehen muss. Zum anderen schafft es Prof. Dr. Schmidt, das ganze Buch über ein gleich bleibend hohes Niveau zu halten. Ob es nun um bspw. um gekreuzte Mordmerkmale oder den tatbestandsspezifischen Gefahrzusammenhang geht: Alle Ausführungen sind vollständig, schlüssig und leicht verständlich. Dieser Umstand erspart einem das ständige Wechseln zwischen verschiedenen Strafrechtslehrbüchern, das viele Studenten bislang als notwendig erachteten, da die Autoren anderer Strafrechtsbücher bestimmte Delikte gut und andere wiederum nicht gut genug darstellten. Aufgrund der zahlreichen ausformulierten Beispiele, die Prof. Dr. Schmidts langjährige Erfahrung als Prüfer und seinen studentenfreundlichen Stil dokumentieren, kann man sogar fast auf ergänzende Fallbücher verzichten (wenn man nicht auf die ebenfalls hervorragenden, stilistisch und inhaltlich an die Strafrechtslehrbücher angepassten Strafrechtsfallbücher aus dem Rolf-Schmidt-Verlag zurückgreifen möchte).

Wenn man schon etwas kritisieren möchte, dann den Umstand, dass man bei gewissen Streitständen nicht immer derselben Meinung wie Prof. Dr. Schmidt sein muss. Im Gegensatz zu anderen Professoren verschweigt Prof. Dr. Schmidt einem aber nicht, was Rechtsprechungsansicht, h. M. oder h. L. sind, und vor allem begründet er seine Meinungen immer sachlich und überzeugend. Das ist kein Widerspruch: Durch Prof. Dr. Schmidt wird einem noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass es meistens mehrere gut vertretbare Ansichten gibt und es - gerade in 50:50-Situationen (beide Ansichten gleich überzeugend) - vor allem darauf ankommt, dass (!) man sich kritisch mit den unterschiedlichen Positionen auseinandersetzt - und eben nicht darauf, wofür man sich entscheidet (es ist ein Irrglaube vieler Studenten, im Zweifel lieber der h. M. zu folgen, um den Korrektor nicht zu verärgern). Allerdings weist Prof. Dr. Schmidt in den relevanten Fällen immer darauf hin, ob, wann und in welchem Umfang einer bestimmten Ansicht aus klausurtaktischen Gründen gefolgt werden sollte. Berücksichtigt man darüber hinaus die umfangreichen und aktuellen Literaturbelege, eignet sich das Buch zudem besser als jedes andere zum Hausarbeitseinstieg. Zum Erarbeiten und Lernen des Besonderen Strafrechts sollte das Buch jedoch gekauft und zu Hause verwendet werden, zumal das Preis-Leistungs-Verhältnis keine Wünsche offen lässt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Strafrecht, Besonderer Teil I von Prof. Dr. Schmidt ist die bestmögliche Anschaffung für Anfänger wie für Fortgeschrittene. Konkurrenzwerke wie z. B. die uninspirierten, oberflächlichen und zum Teil fehlerhaften BT-Bücher von Rengier lässt Prof. Dr. Schmidt mit diesem Buch weit hinter sich. Selbst dem wissenschaftlich minderwertigen Werk von Wessels/Hettinger, deren Autor/en bestimmte Bücher der Konkurrenz bewusst ignoriert/en, ist dieses Buch in allen relevanten Punkten (Umfang, Stil, Preis/Preis-Leistungsverhältnis etc.) überlegen. Man kann es ganz deutlich sagen: Wer mit den Strafrechtsbüchern von Prof. Dr. Schmidt nicht seine (realistischen) Strafrechtswunschergebnisse erzielt, der ist daran wahrlich selbst schuld.


Strafrecht Allgemeiner Teil: Grundlagen der Strafbarkeit; Methodik der Fallbearbeitung
Strafrecht Allgemeiner Teil: Grundlagen der Strafbarkeit; Methodik der Fallbearbeitung
von Rolf Schmidt
  Broschiert

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das mit Abstand beste Buch, 19. Januar 2009
Mir war es bereits vergönnt, das soeben in der 8. Auflage 2009 erschienene Werk zu Strafrecht, Allgemeiner Teil von Prof. Dr. Rolf Schmidt komplett zu lesen. Die Qualität ist wie gewohnt herausragend und natürlich weist das Buch nach wie vor dieselben Trademarks auf wie z. B. Aufbauschemata und klausurartige Streitstanddarstellungen sowie diverse aufschlussreiche Beispiele und Fälle.

Zum Aufbau: Nach einer knapp 50-seitigen, insbesondere für Anfänger sehr hilfreichen Einleitung befasst sich das Buch auf ca. 200 Seiten zunächst mit allem, was zum vorsätzlich begangenen Begehungsdelikt gehört. Hierbei wissen vor allem die Ausführungen zu den Rechtfertigungs- und Entschuldigungsgründen zu überzeugen.

Weitere Kapitel befassen mit den typischen Inhalten, also mit dem versuchten Begehungsdelikt, Unterlassungs- und Fahrlässigkeitsdelikten sowie mit Vorsatz-Fahrlässigkeits-Delikten, Täterschaft und Teilnahme und Konkurrenzen etc. Besonders die Kapitel zu den Versuchs- und Unterlassungsdelikten und zur Täterschaft und Teilnahme sind herausragend: Sie fördern nicht nur das erste Verständnis des Anfängers, sondern schließen zugleich auch die Lücken von Fortgeschrittenen und ermöglichen ihnen ein völlig neues Verständnis (wenn nicht sogar das erste Verständnis überhaupt) der Materie. Absolut gelungen ist auch die mit zahlreichen Erläuterungen versehene Übersicht über die Irrtümer im Anhang, die aufgrund ihrer Eleganz (es wird so viel auf so wenig Platz untergebracht) bislang unerreicht ist. Allgemein hervorzuheben bei diesem Buch sind - wie auch bei anderen Büchern desselben Autors - die durchgehende Darstellung aller klausurrelevanten Themen, die vielen kreativen Beispiele, die große Aktualität sowie der Umfang von 460 Seiten, dem ein fairer Preis von 19,80 gegenübersteht. Die Zitierfähigkeit der Rolf-Schmidt-Bücher ist übrigens - jedenfalls prüfungsrechtlich gesehen - allgemein anerkannt (was eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist, aber es soll kein falscher Eindruck entstehen durch anderslautende, insofern missverständliche Rezensionen auf dieser Seite).

Wenn es an diesem Buch etwas zu kritisieren gibt, dann höchstens, dass manche Aspekte (zwecks besserer Einprägsamkeit) zu oft wiederholt werden, was den (vermeintlich) fortgeschrittenen Studenten manchmal nerven kann. Kritisch zu beurteilen ist zudem die Tendenz, dass immer mehr Beispielsfälle mit ausformulierten Lösungen aus den Büchern ins Internet (genauer gesagt auf die Homepage des Rolf-Schmidt-Verlages) ausgelagert werden. Man kann natürlich froh sein, überhaupt solche ausformulierten Fälle zur Verfügung zu haben, zumal diejenigen von Prof. Dr. Rolf Schmidt bekanntermaßen zu den besten gehören, und einige Leser freuen sich womöglich darüber, dass der Buchumfang dadurch reduziert wird. Doch ich würde mir wünschen, dass das Buch auch in gedruckter Fassung all seine Qualitäten vollständig ausspielen dürfte. Es spricht allerdings für das Buch, dass man sich schon als extremer Nitpicker erweisen muss, um einen solchen Kritikpunkt benennen zu können.

Fazit: Strafrecht, Allgemeiner Teil von Prof. Dr. Rolf Schmidt ist für jeden Studenten, egal ob Anfänger oder Examenskandidat, die beste Wahl für dieses Rechtsgebiet. Wer den Allgemeinen Teil des Strafrechts von Anfang an und vollständig verstehen möchte, ist mit diesem Buch gut bedient. Denn hiermit wird das oftmals ungeliebte Strafrecht transparent, verständlich und vergnüglich. Zusammen mit den beiden Rolf-Schmidt-Büchern zum Besonderen Teil des Strafrechts gewährleistet das vorliegende Werk einen umfassenden Einstieg in die Materie und eine optimale Strafrechtsexamensvorbereitung.


Allgemeines Verwaltungsrecht
Allgemeines Verwaltungsrecht
von Rolf Schmidt
  Broschiert

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das beste Buch auf dem Markt, 5. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Allgemeines Verwaltungsrecht (Broschiert)
Das Studienbuch von Prof. Dr. Rolf Schmidt zum Allgemeinen Verwaltungsrecht, das inzwischen in der 12. Auflage 2008 vorliegt, besitzt die üblichen geschätzten Qualitäten der Rolf-Schmidt-Bücher und hat sich als für meine Examensvorbereitung unverzichtbar herausgestellt. Zusammen mit dem Werk zum Verwaltungsprozessrecht deckt dieses Buch alle wesentlichen und klausurrelevanten Fragen des Allgemeinen Verwaltungsrechts in praxisnaher, verständlicher und problemorientierter Form ab. Prof. Dr. Schmidt schafft es, die Inhalte sowohl abstrakt-wissenschaftlich als auch konkret-klausurbezogen zu vermitteln, was den eigenen Horizont und das Verständnis für die Materie extrem erweitert. Längere, aber nie zu lange Ausführungen wechseln sich ab mit Aufbauschemata, klausurartigen Streitstanddarstellungen und vielen gelungenen Beispielen und Fällen. Wo bspw. das Werk von Peine nur konfus theoretisiert oder die Materialien der Repetitoren sich fast ausschließlich auf ihre (keinesfalls besseren) Übersichten verlassen, spricht Prof. Dr. Schmidt Klartext. Der Umfang des Buches ist mit knapp 500 Seiten enorm (was als Pluspunkt verstanden werden sollte), aber man hat immer das Gefühl, dass jeder Satz etwas Wichtiges (sprich: Klausurrelevantes) vermittelt. Die inhaltliche Dichte ist so hoch, dass ich in keinem anderen Lehrbuch zum Allgemeinen Verwaltungsrecht etwas Klausurrelevantes gefunden habe, mit dem sich nicht auch das Werk von Prof. Dr. Schmidt befasst (d. h. man muss nicht unbedingt ein anderes Lehrbuch kaufen). Auch Anfängern ist dieses Buch zu empfehlen, da sie ungleich stärker davon profitieren als von der Lektüre irgendwelcher Skripten (sofern sie denn nicht die für Skripten charakteristische Oberflächlichkeit und Banalität mit Verständnis verwechseln). Das besonders klausur- bzw. examensrelevante Allgemeine Verwaltungsrecht sollte jeder Jura-Student besser von Anfang an richtig lernen - und diesbezüglich ist Prof. Dr. Schmidts Werk der Konkurrenz überlegen.

Zum Aufbau: Nach einer Einführung (u. a. Darstellung der Verwaltungsarten, Abgrenzung zum Privat- und Verfassungsrecht) kann das Buch gleich mit seiner umfassenden und verständlichen Darstellung der Verwaltungsorganisation und des Behördenaufbaus punkten. Konkurrenzlos ist in diesem Zusammenhang die Problemdarstellung hinsichtlich der Privatisierung der öffentlichen Verwaltung (insbesondere bezüglich der kommunalen Daseinsvorsorge) im Rahmen der mittelbaren Staatsverwaltung. Im folgenden Kapitel zu den Rechtsquellen des Verwaltungsrechts widmet sich Prof. Dr. Schmidt am Ende ausführlich dem EU-Recht, was andere Autoren immer noch zu stark vernachlässigen. Die weiteren Kapitel decken alles ab, worüber der geneigte Student Bescheid wissen muss. So werden z. B. alle tatsächlichen und rechtlichen Facetten des Verwaltungsakts allein auf über 150 Seiten beleuchtet, und das Kapitel zum Ermessen und zum Grundsatz der Verhältnismäßigkeit glänzt mit seinem übersichtlichen Aufbau. Besonders zu gefallen weiß auch das gut verständliche Kapitel über die unbestimmten Rechtsbegriffe, den Beurteilungsspielraum und planerische Abwägungsentscheidungen (Letztere sind im von Studenten oft verhassten und vernachlässigten, aber trotzdem höchst examensrelevanten Baurecht von großer Bedeutung). Ihresgleichen suchen zudem die Kapitel zur Rechtsverordnung und zum öffentlich-rechtlichen Vertrag: Zu solchen studentengerechten Darstellungen sind die anderen, von pseudowissenschaftlichen Profilierungszwängen getriebenen Professoren nicht in der Lage. Einen echten Mehrwert stellt darüber hinaus das über 100 Seiten lange Abschlusskapitel zum Staatshaftungsrecht dar. Dieses Kapitel allein stellt bereits einen erheblichen Kaufanreiz dar, da man etwas ähnlich Studententaugliches zum Staatshaftungsrecht nicht finden wird (und die Rolf-Schmidt-Bücher in den juristischen Bibliotheken leider fast immer vergriffen sind).

Natürlich ist das Buch nicht gänzlich frei von Kritik. Manche Randkapitel hätten etwas ausführlicher sein können (das juristische Paradoxon: Es kann nie ausführlich und knapp genug zugleich sein). Andere Kapitel wiederum hätten nicht an Wert verloren, wenn sie ein wenig kürzer gewesen wären, aber die Längenfrage ist ohnehin Geschmackssache. Flüchtigkeits- bzw. Formatierungsfehler (Rechtschreibung/Grammatik, Silbentrennung) halten sich zum Glück in Grenzen. Was Buch und Autor hingegen gar nicht vorgehalten werden kann, ist der Vorwurf, das Meiste sei vom Maurer abgeschrieben (siehe die unsachliche und unqualifizierte Rezension von Dionysus). Als durch den universitären Schwerpunktbereich urheberrechtlich spezialisierter Student hat mich natürlich besonders interessiert, was an diesem Vorwurf dran ist. Ein Vergleich des Schmidt mit dem Maurer hat jedoch ergeben, dass der Vorwurf unberechtigt ist, da keine Parallelen festzustellen sind. Im Gegenteil: Wenn man die modernen Lehrbücher einiger (anderer) Professoren mit früheren Auflagen von Prof. Dr. Schmidt vergleicht, stellt man sehr schnell fest, wer von vom abgekupfert hat. Man kann diesbezüglich zwar nicht unbedingt von einem Plagiat sprechen, aber offensichtlich beeinflusst Prof. Dr. Schmidt die anderen Autoren mehr, als er sich von ihnen beeinflussen lassen muss.

Auch wenn die meisten Universitätsprofessoren in ihren Veranstaltungen lieber ihre eigenen Bücher bewerben, steht am Ende eine ganz klare Kaufempfehlung für das Allgemeine Verwaltungsrecht von Prof. Dr. Schmidt. In diesem Bereich ist das Buch zweifellos die Referenz. Mir kommt es oft so vor, als hätten die Universitätsprofessoren davor Angst, dass genau diese Erkenntnis die Studenten ereilt. Wer erst einmal festgestellt hat, dass ca. 95 % der juristischen (Lehrbuch-)Literatur aus unsinnigem Selbstbetrug besteht, der wird seine Lehrbücher genauer auswählen und zwangsläufig die Rolf-Schmidt-Bücher zumindest testweise begutachten. Im Übrigen ist der Kauf des Buches vorzugswürdig gegenüber der Lektüre in einer juristischen Bibliothek (nicht nur, weil dort immer irgendwelche anderen Studenten die Rolf-Schmidt-Bücher okkupiert haben, die man gerade braucht, um z. B. die umfassenden Verweise für ihre Hausarbeiten blindzuzitieren). Rolf-Schmidt-Bücher sollte man in aller Ruhe zu Hause durcharbeiten und (z. B. durch Erstellung eigener Übersichten auf der Grundlage dieser Bücher) auswerten. Sie sind fordernd, doch sie geben einem ungleich mehr zurück. Wer einen Marathon wie das juristische Examen bestreiten will, ist gut damit beraten, mit dem richtigen Coach im Training lieber noch ein bisschen mehr zu laufen. Dann muss ich mir auch nicht mehr anhören, wie sich Kommilitonen, die sich mit Niederle- oder sonstigen Skripten auf das Examen vorbereitet haben, bitterlich über ihr 04- bis 06-Punkte-Examen beklagen.


Das Geheimnis des perfekten Flirts: So werden Sie unwiderstehlich
Das Geheimnis des perfekten Flirts: So werden Sie unwiderstehlich
von Phillip von Senftleben
  Taschenbuch

82 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Genre-Spitzenreiter mit "Mängeln", die nicht jeden stören werden, 12. Mai 2008
Mit Flirtratgebern ist es wie mit Religionen und Gläubigen: Alle glauben an bzw. berufen sich auf eine höhere Macht, und doch glaubt im Detail jeder etwas Anderes. Wenn man die Flirtliteratur sichtet, stößt man vor allem auf drei bestimmte Religionen: 1. Werde ein Alpha-Wolf bzw. das, was die Frauen sich wünschen; 2. Manipuliere und belüge die Frauen, um sie herumzukriegen; 3. Nähere dich einem allgemeinen Ideal von Mann an (angesehener Job, viel Geld, fitter Körper usw.). Phillip von Senftleben verbindet Elemente all dieser Religionen zu einer Einheitsreligion, die nicht unbedingt innovativ ist, sich dafür aber an einer Art klassischem Gentleman mit moderner Prägung orientiert, was angesichts des gegenwärtigen zwischenmenschlichen Sittenverfalls erfrischend wirkt.

Von Senftlebens Ausführungen sind sprachlich hochwertig (wenn auch manchmal arg übertrieben) und größtenteils psychologisch fundiert. Insbesondere das, was er über Selbstliebe, Selbstironie, Höflichkeit, Charme und Unaufdringlichkeit schreibt, könnte man 1:1 übernehmen, wollte man eine allgemeine Anleitung zum Führen eines besseren Lebens verfassen. In derart wichtigen Punkten können sich die meisten Männer noch verbessern; diese können in von Senftlebens Buch zahlreiche allgemeine Erläuterungen und konkrete Beispiele finden, die ihnen dabei helfen werden.

Jetzt kommt jedoch das große Aber (und die Begründung dafür, warum es nur zu drei Sternen reicht): Wer sich genauer mit von Senftlebens Hintergrund und seinen Flirtmethoden beschäftigt, wird zwei Probleme erkennen (zumindest empfinde ich sie als solche): Glaubwürdigkeit und Beliebigkeit.
Bekannt geworden ist von Senftleben durch äußerst unterhaltsame Radiobeiträge, in denen er Frauen an ihren Arbeitsplätzen angerufen hat mit der Absicht, ihnen ihre Privatnummern zu entlocken. Seine Erfolgsquote war bzw. ist ziemlich hoch, doch mit der Zeit registriert man das System dahinter: Ein vorher zurechtgelegtes Anliegen, für das die Frau nicht zuständig ist bzw. ein ausgeklügelter Kundenwunsch, den die Frau nicht erfüllen kann, nutzt von Senftleben, um ein privates Gespräch zu starten, mit dem er die Frau irritiert und zum Lachen bringt und in dem er (vermeintliche) Gemeinsamkeiten zur Sprache bringt. Ähnlich verfährt von Senftleben auch in direkten Aufeinandertreffen mit Frauen - zumindest rät er seinen Lesern zu einem in solchen Situationen ähnlichen Verhalten. Letztlich verkommt diese Masche damit zur puren Manipulation, die so gar nicht zu der Wahrhaftigkeit und Liebenswürdigkeit passen will, die von Senftleben ansonsten auszuzeichnen scheinen. Jede Flirttechnik beinhaltet zwar ein gewisses Maß an Manipulation, aber im Vergleich zur propagierten Höflichkeit, Unaufdringlichkeit usw. wirkt es nicht stimmig, wenn von Senftleben die Frauen als Flirtopfer bezeichnet oder seinen Lesern rät, sich fürs Flirttraining eine bestimmte Rolle (z. B. Arzt) zurechtzulegen. Hilfreicher wäre es gewesen, die unausgesprochen gebliebenen Hinweise zu vermitteln, die vielen Männern eher helfen würden: Nicht jeder Kontakt mit einer Frau muss bzw. sollte darauf abzielen, die Frau für eine sexuelle Beziehung zu gewinnen. Zahlreiche Kontakte sind hilfreich und die meisten Freundschaften beständig genug, um über diese wiederum neue Menschen kennenzulernen. Ein großer Bekanntenkreis hilft bekanntlich (im wahrsten Sinne des Wortes) dabei, einen Beziehungspartner zu finden, und die gesündesten Beziehungen sind oftmals diejenigen, die aus einem langjährigen Kontakt heraus entstehen. Von Senftleben vermittelt jedoch den Eindruck, als könne man mit seiner Methode jede beliebige fremde Frau um den Finger wickeln und dabei alle Hindernisse (z. B. unterschiedliche Schichten und Freundeskreise) ohne Probleme überwinden. Deswegen gibt es einen Punkt Abzug für die aus alledem resultierende mangelnde Glaubwürdigkeit - zumal manche der Flirtsprüche, die von Senftleben zitiert, nicht aufrichtig wirken, sondern eher wie aus einem kitschigen Groschenroman stammend (zwar rät von Senftleben zu einer zurückhaltenden Verwendung der eigenen Stärken, bei seinen bisweilen unerträglich schleimigen und konstruierten Flirtsprüchen übertreibt er jedoch regelmäßig).
Leider rät von Senftleben seinen Lesern - wie die Autoren diverser anderer Flirtratgeber - zu einem in gewisser Weise beliebigen Vorgehen, was ich zumindest als fragwürdig empfinde. Wer im Rahmen seines Flirttrainings 20x am Tag mit jemandem flirte, könne daraus mindestens zwei weitergehende Kontakte (Telefonnummer bekommen bzw. Verabredung) entstehen lassen. Man stelle sich nun vor, wir würden uns tatsächlich in solche Dauerflirtmaschinen verwandeln: Was wäre die Folge? Unsere Auswahl wäre beliebig; wahrscheinlich würden wir dabei der zufällig getroffenen Richtigen zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit widmen oder würden in ihren Augen nicht aufrichtig wirken (immerhin beflirten wir jede Frau so wie sie) - falls wir sie mit dieser Methode nicht ohnehin schon verpasst oder vergrault hätten. Ich hielte es - auch aufgrund der neuesten Erkenntnisse aus der Paarforschung - für klüger, die eigenen Flirtressourcen für lohnendere Ziele zu verwenden (Personen mit gleicher Schichtzugehörigkeit oder mit zu erwartenden ähnlichen Interessen; dazu Menschen, mit denen man ohnehin zwangsweise Zeit verbringt, z. B. bei der Arbeit oder im Rahmen von gemeinschaftlich organisierten Freizeitaktivitäten). In jedem Fall wäre ein solches Vorgehen authentischer und erhabener, als zwanghaft jede attraktive Kassiererin oder Arzthelferin mit dem ewig gleichen Geschleime zu belästigen. Zwar behauptet von Senftleben, er würde nur bei Erreichen eines bestimmten Liebesgrades mit einer Frau schlafen, doch es klingt eher so, als würde er sich ziemlich schnell verlieben - oder er möchte sich diverse Frauen zur gleichen Zeit warmhalten. Diese Form von Beliebigkeit kann den Unterschied ausmachen zwischen dem modernen Gentleman, zu dem von Senftleben uns erziehen will, und dem manipulativen, egoistischen Strahlemann, der letztlich doch nur seine eigenen Bedürfnisse befriedigen will. Aufgrund der empfohlenen Beliebigkeit im Vorgehen gibt es demnach einen weiteren Punkt Abzug.

Fazit: ,Das Geheimnis des perfekten Flirts` ist eins der besseren Bücher im Bereich der Flirtratgeber, zumal es sich stilistisch und teilweise auch thematisch von der Konkurrenz abhebt. Leider versäumt von Senftleben es in seiner Selbstliebe (Selbstverliebtheit?), eine kritische Distanz zu der von ihm verkörperten und gelebten Flirtmethode zu wahren und über seine eigenen Handlungen kritisch zu reflektieren (bloß zu wissen und zu zeigen, warum man mit welchem Gesprächsinhalt was beim Gesprächspartner erreicht, zähle ich nicht dazu). Niemand verlangt, dass ein Flirtbuch wissenschaftlich ausgerichtet ist, aber für manche Leser macht es z. B. einen Unterschied, ob man in jedem Menschen das Besondere sehen soll (so von Senftleben) oder ob man versuchen muss, die besonderen Menschen zu sehen (meine Ansicht). Nichtsdestotrotz ist von Senftlebens Buch momentan die sinnvollste (und zudem unterhaltsamste) Lektüre, wenn man(n) beabsichtigt, beim anderen Geschlecht in Zukunft ein wenig erfolgreicher zu sein.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 7, 2013 12:29 AM MEST


Nippon Novel: Naruto- Unschuldiges Herz, blutroter Dämon
Nippon Novel: Naruto- Unschuldiges Herz, blutroter Dämon
von Masatoshi Kusakabe
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nur für Sammler!, 22. März 2008
Fans der Naruto-Reihe könnten sich bei "Naruto: Blutroter Dämon" womöglich irregeführt fühlen. Hierbei handelt es sich tatsächlich um einen kurzen Roman, dem lediglich einige wenige Illustrationen beigefügt sind (eine farbige Einlage am Anfang sowie Szenen aus dem Manga und ein paar Entwürfe über das Buch verteilt - insgesamt also eher dürftig). Erzählt wird allerdings keine neue Geschichte; stattdessen dreht sich der Inhalt um die ersten Manga-Bände (Stichwort "Zabuza", einer der Lieblingsbösewichte von vielen Naruto-Fans). Die Geschichte wird routiniert erzählt, auch wenn manchmal die Erzählperspektive unstimmig wirkt. Leider hält sich die Geschichte zum einen sehr stark an den Manga (leider deswegen, weil es keine neuen Szenen gibt), zum anderen werden wichtige und witzige Szenen ausgelassen, die für die Charakterisierung und das Verhältnis unter den Charakteren äußerst wichtig sind und die gerade in einem Roman problemlos hätten untergebracht werden können (einerseits die Naruto-Sasuke-Kussszene, andererseits das Verwandlungsspiel, als Naruto in der Gestalt von Sasuke von Sakura erfahren will, was diese über ihn - Naruto - denkt, wodurch mitreißende Szenen entstehen). Dazu kommt noch, dass die sprachliche Gestaltung es bei weitem nicht mit der Bildgewaltigkeit des Manga bzw. Anime aufnehmen kann. Darin liegt letztlich das Hauptproblem dieser Veröffentlichung: Wer die Naruto-Reihe noch überhaupt nicht kennt, dem gibt dieses Werk keinen großen Anlass, sich damit zu beschäftigen, und wer sich mit "Naruto" bereits befasst hat, dem beschert dieses Werk lediglich ein paar Momente der Erinnerung. "Naruto: Blutroter Dämon" zeigt somit (jedenfalls in dieser Form), dass "Naruto" als Manga bzw. Anime deutlich besser funktioniert. Mich als eingefleischten Naruto-Fan ärgert es am meisten, zu diesem Ergebnis gelangen zu müssen.

Fazit: Weder für Neueinsteiger noch für Fans unbedingt empfehlenswert, sondern eher etwas für Sammler.


Visions of Eden
Visions of Eden
Preis: EUR 15,42

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein zwiespältiges Comeback, 13. September 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Visions of Eden (Audio CD)
Als jemand, der alle Alben von Virgin Steele in seinem Besitz hat, war ich besonders gespannt auf den neuen Longplayer der Band, die mich überhaupt erst zum Metal gebracht hat. Nach all der Zeit waren die Erwartungen natürlich extrem hoch. Immerhin liegen das letzte "halbe" neue Album ("The Book Of Burning") und das letzte "reguläre" Album ("The House Of Atreus, Act II") schon vier bzw. sechs Jahre zurück und schwächelten bereits ein wenig.

Das gilt unglücklicherweise in noch stärkem Maße für das neue Album. Virgin Steele hat sich nämlich weit von dem entfernt, was sie früher auszeichnete, so dass ich einige bisher gelesene Lobeshymnen auf "Visions Of Eden" überhaupt nicht nachvollziehen kann. Geniale Hymnen sucht man vergeblich, stattdessen bekommt man verschachtelte Songs präsentiert, die fast alle die 6-Minuten-Marke überschreiten. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Keyboard, so dass die meisten Songs sehr getragen und deshalb leider auch manchmal einschläfernd daherkommen. Es stecken zwar in jedem Song eine Menge Ideen, doch im Endeffekt gibt es zu viele Wiederholungen und bei zahlreichen Songs reichen die Ideen nicht, um die jeweilige Länge zu rechtfertigen (zumindest werden diejenigen, die wie ich auch viel im Bereich des Progressive Metal hören, so denken). Das ist umso mehr bedauerlich, da einige auch für Virgin Steele neue Elemente vereinzelt auftauchen, z. B. (synthetische?) Streicher und der kurze Auftritt eines Opernsängers.

Nichtsdestotrotz bleiben die Höhepunkte in der Unterzahl. Der Opener "The Birth Of Adam (Immortal I Stand)" gehört noch zu den besseren und schnelleren Liedern mit einem coolen Intro. Danach aber ziehen sich die Songs wie Kaugummi in die Länge. Sie klingen zwar immer noch eindeutig nach Virgin Steele, und ich habe gegen eine melancholische Atmosphäre nichts einzuwenden, aber ohne jede Abwechslung rauschen die Songs ab einem bestimmten Punkt nur noch an einem vorbei. Eine Ausnahme stellt höchstens noch das sehnsuchtsvolle "God Above God" (Track 7) dar, womit "Visions Of Eden" auch seinen Höhepunkt erreicht. Von da an plätschern die restlichen vier Songs bloß vor sich hin. Gerade nach "God Above God" stellt sich die Überlänge der CD (fast 80 Minuten) als weiterer Kritikpunkt heraus: Man ermüdet schnell, wenn man die CD am Stück hört. Eine Doppel-CD wie z. B. bei "The House Of Atreus, Act II" wäre hier wohl die bessere Lösung gewesen, doch auch beim Abschluss der Atreus-Reihe war die Qualität der Songs bereits schwankend (aber immer noch besser als auf "Visions Of Eden").

Am Ende wird uns somit ein ambitioniertes und zurückhaltendes Album präsentiert, das zu lang ist und die typische Virgin-Steele-Power vermissen lässt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Produktion am heutigen Standard gemessen viel zu dumpf und nicht druckvoll genug geraten ist. Da greife ich lieber zu "The House Of Atreus, Act I", das zwar auch ein Konzeptalbum darstellt, aber völlig anders ist als "Visions Of Eden". Hier findet man gleich am Anfang göttliche Hymnen wie "Kingdom Of The Fearless" und "Through The Ring Of Fire" und bekommt Gänsehaut-Balladen mit "Child Of Desolation" und "The Gate Of Kings" serviert.

"Visions Of Eden" ist beileibe kein schlechtes Album, das allerdings die Fangemeinde spalten oder sogar verschrecken dürfte. Nach all den Jahren durfte man von Virgin Steele zumindest meiner Meinung nach erheblich mehr erwarten. Es würde mich wundern, wenn mehr Songs als "Immortal I Stand (The Birth Of Adam)" und "God Above God" es in die nächste Livesetlist von Virgin Steele schafften. In jedem Fall aber muss man sich Gedanken um die Zukunft von Virgin Steele machen. Für coolen Heavy Metal fehlen die Hymnen, für Symphonic Metal (mein Steckenpferd) die Ausrichtung und für Progressive Metal die Ideen. Ich bin mir daher sicher, dass das nächste Album, wenn es denn je erscheint, in erheblichem Maße "back to the roots" gehen wird.

Marc Bieber, Autor von "Skat: Streitfälle vor Gericht" (gibt es auch bei Amazon)


Symphony Of Enchanted Lands II - The Dark Secret
Symphony Of Enchanted Lands II - The Dark Secret
Preis: EUR 20,38

22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rhapsody auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, 4. Oktober 2004
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das neue Rhapsody-Album ist zweifellos das bisher stärkste. Mit der Entwicklung zum ernsten, epischen, dramatischen und erwachsenen barockhaltigen, opernlastigen Film Score Metal ist Rhapsody endgültig die erste Wahl für diejenigen, denen reiner Metal zu dumpf und reine Klassik zu langweilig ist. Der Stil der Band ist unvergleichlich; die angeblich zahlreichen „Kopien" existieren nicht. Gäbe es sie, müssten sie sich alle an dieser neuen Referenz im Bereich des klassisch angehauchten Metals messen lassen. Die über 70 Minuten mit Orchester, Chor und einem gesanglich stark verbesserten Fabio Leone sind extrem kurzweilig und anspruchsvoll und vergehen wie im Flug. Erfreulich ist auch, dass „Synthis" nur sehr spärlich und vor allem passend eingesetzt wurden. Zu den Songs im Einzelnen (in Klammern die ungefähre Länge):
„The Dark Secret/Ira Divina" (4:12): Sprechintro mit Christopher Lee (hat eine tolle Stimme, aber ich wünsche mir stellenweise eine klarere Aussprache), der abgelöst wird von sensationellen Chören, die von Bläsern und Streichern begleitet werden. Noch besser als die Einleitungen „In Tenebris" und „Lux Triumphans" auf den Vorgängeralben.
„Unholy Warcry" (5:53): Längere Version mit einer (wie bei allen bereits auf „The Dark Secret" erschienenen Songs) noch klareren Produktion. Typische singleauskopplungsfähige Rhapsody-Mid-Tempo-Hymne mit Chor und Streichern im Hintergrund. Neu an dieser Version ist das Weglassen des ersten Teils der Sprecheinleitung im Vergleich zur „The Dark Secret" - Version; der zweite Teil wird in den ausgedehnten Mittelteil integriert, der mit viel (leider zum Teil unpassendem) E-Gitarrengefrickel aufwartet. Gutes Lied, aber die kürzere („The Dark Secret" -) Version gefällt mir besser, da sie eingängiger ist.
„Never Forgotten Heroes" (5:32): Einleitung mit Glockengeläut, mysteriösen Chören und Pianoklängen, nimmt dann Tempo auf und wird zu einer tollen Rhapsody-Hymne mit einem der besten Refrains auf der CD.
„Elgard's Green Valleys" (2:19): Kurzes, harmonisches Flöten- und Solo-Streicher-Instrumental mit Vögelgezwitscher und kurzer Sprechpassage. Ganz nett, hätte aber nicht unbedingt sein müssen.
„The Magic Of The Wizard's Dream" (4:29): Beste Rhapsody-Ballade überhaupt! Mischung aus „Wings Of Destiny" und „Lamento Eroico" mit Flöte, Piano, Streichern, einem mitreißenden (im Background mehrstimmigen) Refrain und einer tollen Gesangsleistung.
„Erian's Mystical Rhymes" (10:31): Dreiminütiges Mörder-Intro mit Wolfsgeheul, Wind, Monsterstimme, Chören, Streichern, Bläsern, Drums; entwickelt sich zum getragenen Stampfer. Exzellente Soli, zwei Minuten vor Schluss fröstelnder Sprechpart mit Bläsern im Hintergrund, wird immer verstörender und geht in ein Gänsehaut-Outro mit Flöte und Klavier über. Starker Song.
„The Last Angels' Call" (4:36): Flotte Rhapsody-Hymne mit dem eingängigsten (mehrstimmigen) Refrain auf der CD; interessant: Die instrumentalen Veränderungen im Hintergrund. Der Song erinnert an „Power Of The Dragonflame" und wäre am ehesten als Single-Auskopplung geeignet.
„Dragonland's Rivers" (3:44): Beginn mit Wassergeplätscher, kurzer Sprechpassage und schnaufenden Drachen (knapp eine Minute), dann setzt die Flöte ein. Balladeske Entwicklung hin zum erwachsenen „Forest Of Unicorns". Erneut mehrstimmiger Refrain, dann Ausklang mit Gitarrengezupfe, Wassergeplätscher und Vögelgezwitscher. Hörenswert und beruhigend, aber sicher kein Höhepunkt.
„Sacred Power Of Raging Winds" (10:05): Einer der stärksten Songs: Anfängliche Sprechpassage (erneut Christopher Lee), der Wind weht, treibende Drums und E-Gitarre setzen ein, wobei das Tempo jedoch immer wieder durch kleine Beruhigungspassagen gedrosselt wird. Im Refrain wird der Chor hervorragend eingesetzt. Anschließend kommen die beiden Höhepunkte des Songs: Zum einen ein mitreißendes Sing-Sprech-Duell zwischen Fabio Leone und einer monsterartigen Stimme, begleitet vom Chor, der weiblichen Stimme und vom gesamten Orchester; zum anderen ein 4-Minuten-Solo, das wirklich alles hat und aus dem die Streicher am Anfang, die wahnsinnig schnell gespielte Barock-Flöte im Mittelteil und das Duell zwischen Streichern und E-Gitarre am Ende hervorstechen. Nach dem Solo wird mit einer genialen Abwandlung des Refrains (die sogar besser ist als dieser) erneut zu jenem übergeleitet, ehe der Rest dem Chor vorbehalten ist.
„Guardiani Del Destino" (5:50): Italienischsprachige Version von „Guardians Of Destiny" („The Dark Secret"). Mit Flöte und Streichern im Hintergrund ist der Song sehr getragen, steigert sich aber immer wieder zeitweise ins Dramatische mit einem exzellenten Chor. Und das Solo mit Piano und Akustikgitarre passt wunderbar. Unterschiede zur englischsprachigen Version: Ausgedehntes Intro mit wehendem Wind und sich zu Wort meldenden Krähen (wenn ich mich nicht irre), Verstärkung des Frauenanteils im Chor und minimale zusätzliche bzw. abgewandelte Chorpassagen. Die englischsprachige Version klingt zwar besser auf ihren Text abgestimmt als die italienischsprachige Version, dafür gewinnen die italienischen Lyrics zusammen mit dem ansprechenden Gesang von Fabio Leone dem Song ganz neue Facetten ab. Sicher einer der ausdrucksstärksten Songs auf der CD.
„Shadows Of Death" (8:12): Filmreifer Beginn mit dem Einsatz von mehreren Bläsern, die dann von E-Gitarre und Drums unterstützt bzw. abgelöst werden (eine Minute lang); entwickelt sich dann zu einem getragenen, aber auch vertrackten Song mit sehr anspruchsvollen Soli. Fabio Leone und der Chor wechseln sich hinsichtlich des Gesangs größtenteils ab, während die Stimmung allmählich düsterer wird („Perhaps never to return alive"). Schön: Das Outro von „Erian's Mystical Rhymes" wird wieder aufgegriffen. „Shadows Of Death" zündet von allen Songs am spätesten und ist gerade deswegen eine Perle.
„Nightfall On The Grey Mountains" (7:19): Beginn mit Wind, Wolfsgeheul, mysteriösen Stimmen und anschließend einsetzenden, wieder sehr gelungenen Chören (zwei Minuten lang). Erneut ein sehr getragener Song, der jedoch exzellent zur Gesamtstimmung passt. Rhapsody macht also nicht den Fehler, unbedingt den längsten Song am Ende aufzubieten oder gar die „obligatorische Abschlussballade". Der Refrain ist wieder einmal mehrstimmig und dabei verträumt und entschlossen zugleich. Alle hervorzuhebenden Elemente auf dieser CD vereinen sich noch einmal in diesem Abschlusstrack. Mit einem neuerlichen „Perhaps never to return alive" beginnt der Chorausklang. Am Ende sind wieder (ähnlich auch wie bei „Gargoyles, Angels Of Darkness") Wind, Wolfsgeheul und mysteriöse Stimmen zu hören, und man selbst ist in sich gekehrt und wird ehrfürchtig und mitgenommen zurückgelassen.
Worte sind zu schwach zum Beschreiben (und 1000 sind vor allem zu wenig), also lasst euch einfach von diesem Meisterwerk bezaubern. Für diejenigen, die auch auf das Drumherum stehen, gibt es übrigens auch eine Limited Edition mit DVD (mit diversen Videoclips zu „Unholy Warcry" und dergleichen).
Diese CD könnte der Beginn einer neuen Ära von Rhapsody und des klassisch inspirierten melodischen Metals allgemein sein. So möge sie es dann auch sein.


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