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inflationäre Langeweile in konservativ, christlicher Gewandung...albern und hanebüchen, 2. Juni 2013
Über John O'Briens Romanserie bin ich auf Amazon USA auf
ein mir ganz neues Genre gestoßen. Das Prepper / Survi-
valist Genre. Dieses Genre scheint drüben in den USA
immer mehr Leser & Leserinnen zu gewinnen. Der Autor,
James Wesley Rawles, ist einer der erfolgreicheren
Schreiber dieses "Art von Lektüre".
Da ich mir auch ein Bild machen wollte und von den ein-
schlägigen Lobeshymnen etwas angefixt war, habe ich mir
beim Buchhändler meines Vertrauens "Patriots" bestellt.
Patriots erschien 1995 zuerst als "Shareware". 1995 wurde
es als Buch verlegt und 2009 gab es eine Auflage, die auf
Amazon.com Platz 6 in den Verkaufszahlen erreichte...
Für mich persönlich recht unverständlich, aber dazu komme
ich noch.
Kurz zum Hintergrund:
Die Ökonomie in den USA steht kurz vor dem Zusammenbruch.
Das jahrelange "Auf Pump" leben hat den Dollar geschwächt
und selbst Staatsanleihen bringen nicht mehr das nötige
Geld in den Haushalt, das die USA für ein funktionierendes
System braucht. Die FED beginnt im großen Maße Geld zu
drucken, was wiederum die Inflation ins Uferlose treibt.
Dadurch steigen die Preise für Waren und auch die Zinsen
für Anleihen, die die Gläubiger erhalten, steigen exorbi-
tant.
Dieses Chaos verschlimmert sich, als die ausländischen Geld-
geber und Investoren ihre Pfründe in Sicherheit bringen. Zu
guter Letzt folgt der Börsencrash, der sich auf global aus-
wirkt.
Mitten in diesem Chaos ist eine kleine Gruppe von Personen,
die sich seit Jahren auf dieses Szenario vorbereitet hat.
Prepper oder Survivalists, die über die Jahre trainiert und
Ausrüstung für den "Ernstfall" gekauft haben. Von Waffen,
über BDUs, Benzin bis zu fast "gleichen" Pickups reicht das
Equipment, in welches sie tausende von Dollars gesteckt haben.
Als sich die Ordnung dem Ende zuneigt und das System ausein-
ander bricht, verabreden sie sich auf der Farm eines der Grup-
penmitglieder in Idaho zu treffen.
Dort treffen die meisten auch ein und haben erst mal mit der
Organisation und dann mit dem Leben nach dem Crash, dem "Crunch,
wie der Autor es nennt, zu kämpfen.
Mein Eindruck zu "Patriots" ist mehr als durchwachsen. Während
die ersten 20 bis 30 Seiten sehr interessant sind und den Zu-
sammenbruch des Wirtschaftssystems in den USA und die globalen
Folgen beschreiben, ist der Rest des Romans in Form eines
Bericht, wie ich ihn aus dem Geschäft, oder der Schule gewöhnt bin,
geschrieben. Und wie Berichte nun mal so sind, sind sie recht ein-
tönig und langweilig.
Seitenweise wird über verschiedenste Trainingsmethoden geschrieben,
erklärt warum fast alle Waffen das gleiche Kaliber haben und die-
selben Modelle sind und wieso sich alle Teammitglieder einen ähn-
lichen Pickup bzw. ein ähnliches Fahrzeug kaufen mussten.
Dazu kommen unzählige Abkürzungen für Waffen, Zelte, Equipment
und Trainingsmethoden. Ich weiß wahrscheinlich jetzt mehr über die
Prepper und deren Ausrüstung, als so mancher von ihnen selbst.
Die Gruppe selber ist zusammengesetzt aus erfolgreichen Menschen,
die alle überaus gläubig sind (konservative Christen und sogar
ein Mann jüdischen Glaubens - überraschte mich persönlich sehr, da
der Autor den christlichen Glauben sehr stark hervorhebt - fast
schon elitär darstellt - und ich nur darauf gewartet habe, dass
seitens des Autors irgendwelche negativen Kommentare in den Roman
einfließen), alle studiert haben, gute und hoch dotierte Arbeits-
stellen haben und gut 10 Jahre für diesen "Fallout" der Gesell-
schaft trainiert und vorgesorgt haben.
Beispielhaft hierfür sind haltbare Nahrung für mehrere Jahre und
Munition, die zahlenmäßig in die zehntausende reicht. Dem nicht
genug, beschreibt der Autor schon fast minutiös, wie gewisse Plan-
ungen umgesetzt wurden. Sei es die Metallverkleidung und Einbruchs-
sicherung seiner Türen (locker 2 bis 3 Seiten), die unterirdischen
Tanks für Wasser und Benzin, oder seine Solar- und Windanlage. Es
liest sich schon fast wie eine Anleitung zum Selberbauen. Dazu kommt
dann noch wer, was gebaut hat und welches Material dazu verwendet
wurde, oder wer es geliefert hat.
Eine nicht zu verhehlende Abneigung gegenüber der Regierung ist sehr
deutlich aus dem Roman herauszulesen. Sehr deutlich wird dies in Be-
zug auf die Waffengesetze der USA und deren Umgehung durch die Mitglie-
der der Truppe.
Dazu kommt dann noch die überaus hohe moralische Einstellung der Gruppe.
Für mich in so einer Zeit, in der es um das nackte Überleben geht, nur
teilweise nachvollziehbar. Nutzte jemand etwas von Dritten (Essen, Unter-
kunft, etc.) ohne deren Wissen, hat diese Person etwas anderes als "Be-
zahlung" zurückgelassen...
Außerdem kommt sehr deutlich hervor, dass der Autor ein Waffennarr ist
und keineswegs konform mit dem eingeschlagenen Kurs der USA in Bezug auf
Feuerwaffen geht. Das er sich dauernd auf die Verfassung beruft, muss ich
nicht unbedingt erwähnen...
Das ganze christliche Brimborium, von Gebeten über Leute sollten heiraten,
wenn sie eine Beziehung haben, hat dann nochmals einen fetten negativen
Touch in die Geschichte einfließen lassen.
Der Gipfel kam dann, als die provisorische Regierung der USA mithilfe der
UN versucht wieder Recht und Gesetz in die USA zu bringen. Eine gemischte
Truppe von US-Soldaten und Europäern marschiert durch die Lande, um mit
Zuckerbrot und Peitsche die Zivilisation zurückzubringen. Die richtig bösen
sind die Europäer, die brandschatzend und mordend durch die Lande ziehen,
die UN-Truppen sind mit altem NVA-Gerät ausgestattet und der Autor schreibt
sogar wortwörtlich von einem alten Wehrmachtssergeant, der irgendwann die
Truppenbefehlskette übernimmt...Grausig...dazu kommen dann noch belgische
UN-Truppen, die Nervengas gegen die Zivilbevölkerung einsetzen...dazu
rauchen sie dann noch Haschisch...Da muss man sich dann fragen, was sich
der Autor Abends so einwirft...
Im Prinzip werden eh alle Verbrechen nur von den UN-Repräsentanten, den
korrupten Regierungsvertretern und den europäischen Blauhelmtruppen be-
gangen. Dazu kommt, dass alle europäischen Soldaten, dermaßen faul und
blöd sind (Darstellung des Autors), und nur die US-Truppen einigermaßen
Disziplin haben...und eine gewisse Ethik...als Beispiel sei hier kurz
genannt, dass das europäische Oberkommando eine "Scorched Earth" Doktrin
befiehlt...
Eine Aussage des Autors möchte hier kurz erwähnen, die vielleicht ein
bisschen Licht zum Hintergrund des Buches bringt:
"I'm often asked why I make such a 'big deal' about choosing conservative
Christians, Messianic Jews, or Orthodox Jews for neighbors. The plain truth
is that in a societal collapse there will be a veritable vacuum of law en-
forcement. In such times, with a few exceptions, it will only be the God
fearing that will continue to be law abiding. Choose your neighborhood wisely."
Ich denke, dass sagt dann schon alles...
Fazit: Mit großen Hoffnungen ans Lesen gegangen und danach für blöd verkauft vor-
gekommen...meine Güte, was für ein Trash...1 Stern