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Rezensionen verfasst von
ell (Wien)

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Avatar - Aufbruch nach Pandora
Avatar - Aufbruch nach Pandora
DVD ~ Sam Worthington
Preis: EUR 6,97

8 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Neue Effekte, aber sonst war (fast alles) schon da., 21. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Avatar - Aufbruch nach Pandora (DVD)
Ich liebe Katzen und hatte deswegen gleich eine Schwäche für die Na vi. Wie sie anmutig, agil und eben felid durch die Wälder Pandoras schleichen. Was hätte man aus ihnen alles herausholen können, hätten sich die Schöpfer von AVATAR überlegt, ihnen ein anderes Bewusstsein als unser menschliches zu geben. Sie denken in den gleichen langweiligen Kategorien von Schuld. Etnologen werden ein oberflächliches Sammelsurium aus Riten einiger Naturvölker wiederentdecken. Ein wenig enttäuschend, obwohl der Film gute Ansätze hat. Luciferine in Flora und Fauna, die nachts den Wald erleuchten. Eine hübsche Idee! Die neuronale Schnittstelle der Na vi, die sie mit allen Lebewesen kommunizieren lässt. Eine tollt Idee, und genau hier hätte sich das "lebende System Pandora" besser selbst geholfen, als sich durch einen "Retter von außen" zu einer finalen Schlacht verleiten und verheizen zu lassen.
Warum bedarf ein Volk, das angeblich im Einklang mit der Natur lebt, einer hierarchischen Struktur? Hat eine ansehnliche Sammlung an Waffen, obwohl es vor der Invasion der Menschen alles in Hülle und Fülle gibt?
Die Effekte sind toll, aber sonst hat die Story viele Möglichkeiten, sich alter Klischees zu entledigen, verschlafen.


Gestatten: Elite. Auf den Spuren der Mächtigen von morgen
Gestatten: Elite. Auf den Spuren der Mächtigen von morgen
von Julia Friedrichs
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,95

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Erfolg der "Auserwählten Generation", 1. März 2010
Den erstaunlichen Wurf von Julia Friedrichs habe ich bestellt, bevor er noch in Österreich lieferbar war, habe den erfrischenden Text mit einem Mischgefühl aus Begeisterung und wachsender Besorgnis gelesen, dennoch an vielen Stellen, die meinen eigenen Erfahrungshorizont berührten, herzlich gelacht und das Buch daraufhin in einer meiner Vorlesungen thematisiert.

Erfreulich ist, dass es in einem enger werdenden, exzessiv kontrollierenden, wirtschaftspolitischen Machtsystem noch möglich ist einen öffentlichen Blick auf diskrete Rituale und elitäre Zeichengebung derer zu werfen, die längst eine über Generationen abgeschlossene Kaste der erfolgreich Vernetzten, vernetzt-Erfolgreichen gebildet haben; aufzuklären, was evident, aber bisher kaum durch Material belegbar war.

Dieses Buch wird - was erstaunt - nur halbherzig bekämpft, aber auch nicht ignoriert, sondern gelesen: ein Sonderfall glücklicher Wort- und Stilwahl. Frau Friedrichs' fundierte, engagierte Recherche halte ich für eine Voraussetzung zum Verständnis solcher, sich ausbreitender, auch immer öfter korrupter, zunehmend hermetischer, Parallelgesellschaften.

Basis einer gesellschaftlichen Fehlhaltung (der Abkehr von sozialer Durchlässigkeit zu exklusiven Gunsten der je eigenen, gegenüber der Mehrheit geheim gehaltenen, Interessen) ist allerdings eine Grundeinstellung. Diese wird vermutlich sehr früh beim Säugling vorgenommen, indem sie fundamentale Abhängigkeiten fixiert:
Manifeste Sätze wie "weil ich es sage" werden internalisiert und stehen hernach einigermaßen freien Entscheidungen oder bloßen Willensäußerungen dadurch entgegen, dass alternatives, sozial kompetentes Denken und Handeln für "untersagt" oder zumindest "unschicklich" oder einer "Karriere" abträglich gilt.

Das Selbst wird über "Erfolg" definiert, und - in Abwehr der logischen Existenzangst - kein Misserfolg geduldet, bzw. gemeinsamer Erfolg nur im Rahmen des vordefinierten gesellschaftlichen Substrats (der eigenen Kaste). Große Karrieren entfalten sich eher bei jenen, die sich über "Leistung" und das "Haben" - nicht über ihr "Sein" - definieren und daher in Beziehungen Macht als Surrogat für zugewandte Befriedigung suchen.

Es wäre hoch an der Zeit, Menschen im kreativen, sozialen "Sein" - im Mensch-, nicht im kurzfristigen Erfolgreichsein auf Risiko und Kosten Anderer - auszubilden.

Der Verlag ist für die Verbreitung eines solchen Textes zu würdigen.


Die verlorenen Spuren
Die verlorenen Spuren
von Alejo Carpentier
  Taschenbuch

5 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wer urteilt, verliert, 24. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Die verlorenen Spuren (Taschenbuch)
Stets knapp davor, eine "unschuldige", archaische Lebensweise, die nur Zeit zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang kennt, für sich selbst zu entdecken, kann der Mussikwissenschaftler und Erzähler die vielfältigen Errungenschaften und Bequemlichkeiten der "zivilisierten" Welt nicht aufgeben. Nicht einmal von echter Zerrissenheit kann man sprechen, denn selbst mitten im Urwald fallen seine Beschreibungen - "Nichts Prahlerisches, kein Vortäuschen paradiesischer Unschuld liegt in dieser sauberen Nacktheit, die sehr verschieden ist von der, die nachts in unserer Hütte keucht und sich krümmt und die wir hier spielerisch in Freiheit sezten, staunend, wie angenehm es ist, die Luft und das Licht auf Körperteilen zu spüren, die die Leute DORT nicht ein einziges Mal in ihrem Leben der frischen Luft aussetzen." - stets bewertend aus.

Viel zu viel von "DORT" ist hier enthalten, das Werstesystem wurde bereits fest verinnerlicht, anstatt sich frei, in dieser neuen Sonderzone mitten im Urwald, nicht mehr nach dem früheren Leben umzudrehen. Es holt den Erzähler ein. Man hat eine Suchaktion nach ihm gestartet, und ausgerechnet jener Mann, der später Gefährte der geliebten Frau wird, holt ohne Umschweife den Koffer, bereit, den Besucher einer Welt, in die er nicht wirklich gehört, in seine Sphäre zurückzuschicken. In dieser Szene verhält sich der Protagonist erstaunlich passiv, und obwohl er der Geliebten versprcht, wiederzukommen, hält sie ihn bereits für sich verloren.

Die komplizierte Liebesgeschichte ist mit den verschiedenen Stimmen einer musikalischen Partitur vergleichbar. Ehefrau, Geliebte und Rosario, die große Liebe. Die Beiden gehen in einem Missverständnis von Liebe miteinander um. "Roh, wie nur zwei Liebende sein können, die sich eben gefunden haben und die, weil sie des Wunders noch nicht versichert und noch nicht aneinander gestillt sind, alles niederreißen, was sich ihrer nächsten Vereinigung in den Weg stellt, haben wir Mouche (die an Malaria erkrankte Geliebte des Erzählers) fortgeschafft" Unstillbare Gier ja und eine Deskruktivität, die an den Wahnsinn einer allgemein verbreiteten Normalität der zivilisierten Lebnseweise gebunden ist, kann ich aus diesen Zeilen lesen, aber keinesfalls bewahrende, schöpferische Liebe. Die kann sich nicht erfüllen, wenn die Bedürfnisse des Gegenübers nicht begriffen werden.

Der Erzähler verliert nicht nur die Spuren vor seiner Zeit, sondern auch die seiner möglichen Nachkommen. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Rosario, wie der ausgewanderte Grieche Yannes später dem Fassungslosen berichtet, nun Frau des Häuptlingssohns Marcos, noch vom Erzähler schwanger ist. Obwohl ihm die Rückkehr jeder Zeit offen stünde, er den geheimen Hinweis im Urwald, der zu der verborgenen Stadt führt, kennt, resigniert er.

Der Roman verarbeitet ein interessantes Konzept,allerdings zu kopflastig und prätentiös geschrieben, reichlich verziert mit antiker griechischer Mythologie. Man sollte vielleicht an die antike Tragödie erinnert werden. Zu oft redet der Text auch in heiklem Zusammenhang von "Blut" und "Rasse".


Im Pechwald: Erzählung
Im Pechwald: Erzählung
von Josef Traxler
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Spuren der Erinnerung, 11. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Im Pechwald: Erzählung (Gebundene Ausgabe)
Dieser schmale Erzählband ist einem ausgestorbenen Handwerk, der Pecherei, gewidmet. Ein Mann erinnert sich seiner Kindheit als Sohn eines freiberuflichen Pachtpechers im Alpenvorland des südlichen Niederösterreichs. In den Zwanziger- und Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts erreichte die Pechgewinnung und -verarbeitung in dieser Region ihren Höhepunkt, und jeder, der sich zu diesem Beruf bei viel frischer Luft in der Natur in der Lage sah, konnte ohne eine Lehre das Handwerk ausüben.

Einerseits geht von der kunstvollen Reduktion des Erzählten große Faszination aus - nichts wird verklärt, beschönigt, mystifiziert oder weggelassen - andererseits schwingt zwischen den Zeilen eine wichtige Nebenbotschaft mit: Wie selbstverständlich sich der Mensch der Natur und ihrer Ressourcen auch bediente, achtete er damals noch ständig auf ihre möglichste Schonung.


Die große Gier: Korruption, Kartelle, Lustreisen: Warum unsere Wirtschaft eine neue Moral braucht
Die große Gier: Korruption, Kartelle, Lustreisen: Warum unsere Wirtschaft eine neue Moral braucht
von Hans Leyendecker
  Taschenbuch

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dreihundert Seiten Spannung zwischen Gier und Moral, 7. August 2009
Das Buch ist sehr beeindruckend wegen seiner exakten Recherche. Es löst dennoch keine Neidreaktionen beim Leser aus, ist also nicht populistisch zu nennen und deshalb besonders wertvoll, wenn man sich ein Bild über Vernetzungen, gemeinsame Ich-AGs und das Ergebnis von Generationen lang geplanten Seilschaften machen möchte.

Die Begrenzung der Zeitperspektive mit dem Jahr 2007 lässt es insofern beinahe prophetisch erscheinen, als danach die, von den besagten Neztwerken offenbar aktiv und zum eigenen Vorteil einzelner Insider produzierte, Krise tatsächlich eingetroffen ist. Auf eine weitere Hintergrundrecherche kann man gespannt sein!


Die Eroberer
Die Eroberer
von Alan Dean Foster
  Broschiert

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr witzig, 6. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Eroberer (Broschiert)
Wären Franz Liszt und Hector Berlioz dinotopische Bürger gewesen, hätten sie unter ihrer Zuhörerschaft tyrannosaurische Fans gehabt. Ihren Ruhm als Komponisten hätten sie sich in den Musiklexika mit dem einen oder anderen Parasaurolophus geteilt. Für die begleitende Beratung während einer Buchausleihe hätte sich vielleicht sogar der Chefbibliothekar Enit, ein Deinonychus, Zeit genommen.
Nach einem hektischen oder frustrierenden Arbeitstag dann noch das Tüpfelchen auf dem i? Ein defekter Aufzug?! Nicht so in Dinotopia - ein freundlicher Sauropode hebt zu jeder Zeit mühelos Mensch, dinosaurische Mitbürger oder Fracht in das gewünschte Stockwerk.
Nach gemeinsamem Badespaß in einem der von Wasserfällen gestalteten natürlichen Sprungbecken, ist Schuppenschrubben Pflicht - als Zeichen gegenseitiger Zuneigung und Respekt zwischen dinosaurioschen und menschlichen Jugendlichen.
Wussten Sie, dass sich ein junger Stegosaurus seines ersten, in jugendlichem Übermut angetrunkenen Alkoholrausches so dermaßen schämt, dass es bei diesem einzigen Ausrutscher bleibt? Beispielhaft pflegeleicht!

Auf der großen, seit millionen Jahren naturbelassenen Insel Dinotopia leben Dinosaurier und Menschen gleichberechtigt und friedlich zusammen, schließen Bündnisse, arbeiten gemeinsam, kennen weder Geld, Gier oder Gewalt. Eine Gruppe von gestrandeten Piraten allerdings droht eine Zeitlang die friedvolle Ordnung der Dinotopischen Gesellschaft ernsthaft zu gefährden.

Das Buch ist so herzerfrischend selbstironisch und humorvoll geschrieben, dass man dieser positiven Utopie, die wir uns in solchem Umfang gar nicht mehr vorstellen können, beinahe alles von ihrer Naivität verzeiht.


Kontinent
Kontinent
von Gertrud Leutenegger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,80

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu zaghaft, 3. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Kontinent (Gebundene Ausgabe)
Wieder stehe ich vor einem Rätsel in Buchform. Ich lese mich durch typische "leuteneggersche" Aufgeregtheit, die Wiedererkennungswert hat, andereseits beansprucht die Erzählperspektive Souveränität und gedämpfte Leidenschaften. Die Sprache will sich in einem Moment Gehör verschaffen, schreckt im nächsten so vor dem Erzählten zurück, als wage sie ja nichts anzufassen.

Die Erzählerin bezieht ein Bergdorf, um Naturaufnahmen für eine Jubiläumsschallplatte des ansässigen Aluminiumwerks zu machen. Auf ihren Gängen durch die Natur lernt sie die Geschichte des Dorfes und ihrer Bewohner kennen. Das Umland des unbenannten Dorfes geht ohne Übergänge in die Erinnerung an die Landschaften Chinas und den Versuch, einer unglücklichen Liebesgeschichte Gefühl zu geben, über.

Die Verbindung des eurasischen Kontinents durch zwei entlegene Punkte, gründliche Motivarbeit, die nachsichtige Erotik einer einsamen Frau, eine Prise Perversion, Sex & Crime, auch dass die Autorin versucht, den rätselhaften Tod des Bewässerungsinspektors des Dorfes wie einen analytischen Krimi aufzubauen, kann die Geschichte nicht wirklich beleben. Die Personen sprechen in barocken, elaborierten Dialogen, die unnatürlich und Lichtjahre von einer herkömmlichen Umgangssprache entfernt sind. Zwischendurch schwächt Leutenegger die Aufdringlichkeit der Übertreibungen durch Beschreibungen des Dorfes, seiner Bewohner und Naturlandschaften ab.

Ein kleiner Leserkreis könnte vielleicht von diesem Buch begeistert sein: Als kurzweilige Lektüre für die an Adalbert Stifters Zeitlandschaften oder an Handkesche Genauigkeit Gewöhnte, wobei Leutenegger an beide bei weitem nicht herankommt.


Solaris
Solaris
von Stanislaw Lem
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über das (Un-)Mögliche, 19. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
Schon der formale Aufbau dieses Romans hat mich fasziniert. Die Sprache pendelt zwischen dem richtigen Maß an Spannung und wissenschaftlicher Nüchternheit. Sie spielt inhaltlich mit Phänomenen des Alls - wie Paradoxa und Spiegelungen.

Als eine von denkbaren Flugbahnen eines Planeten, der zwei Sonnen umkreist, könnte der lebende, intelligente Ozean auf Solaris die Achterschleife gewählt haben, vielleicht sogar die liegende Acht, das Zeichen für Unendlich. Dem "roten Tag" folgt der "blaue Tag". Die sich den Forschern darbeitende Welt ist zwar am nächsten Tag eine andere, doch schon am übernächsten wiederholt sie sich. Die Wissenschaft füllt Archive ohne voranzukommen, sie kann das Erkennbare zwar bis in kleinste Details beschreiben, aber keine Botschaft, kein Ziel, keinen Sinn daraus ableiten. Zwar gelingt dem Ozean die "Operation Mensch" - die Erschaffung von bis in feine Strukturen übereinstimmende Kopien, doch seinen Grund dafür kann er nicht mitteilen.

Dem Autor gelingt es, Leser, gegenwärtig stationierte Crew und Ozean als drei Systeme so zu positionieren, dass Kontaktnahme tatsächlich unmöglich ist. Kris Kelvins Alpträume von sich selbst als "formlosen Klumpen", als "Uferlosigkeit", die lautlos um Auslöschung bettelt, liegt für mich als gerichtete Botschsaft des Ozeans an den Menschen, Hilferuf eines "locked-in"-Seins, so deutlich auf der Hand, dass ich regelrecht "durch das Buch" in den phantastischen Raum des Geschehens greifen und den erwachten Wissenschaflter, der alles seiner eigenen Psyche zuschreibt, noch einmal wachrütteln wollte: Begreifst du denn nicht, dass der Ozean versucht, deiner Wahrnehmung entgegenzukommen? Spielraum für Vermutungen, Theorien, Möglichkeiten, in denen man sich auflösen oder, wie der Stationsleiter Gibarian, verzweifeln kann.

Angesichts der Ereignisse auf der Raumstation wird sich der Erzähler Kris Kelvin seiner neuen, von allen Konventionen geschälten, Existenz bewusst, die er der Erde und ihren Bewohnern nie wieder zur Gänze würde preisgeben können. Angelockt durch ein Mimoid, eines der anorganischen visuellen Phänomene des Ozeans, blickt der Astronaut schließlich mit "wachsender Intensität des Selbstvergessens" auf das seit Jahrzehnten begehrte, gigantische Lebewesen.
Vergessen unterbricht die Wiederholung. Man kann danach selbst ihr wieder mit neuer Erwartung begegnen.


Türme. Roman
Türme. Roman
von Annemarie E. Moser
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch fürs Leben, 10. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Türme. Roman (Gebundene Ausgabe)
Jeder von uns hat Bücher, die uns ein Leben lang begleiten werden, die weit über den Begriff Literatur hinausgehen, weil sie unsere Stimme geworden sind, zu unsrer Verblüffung aussprechen, was uns immer schon auf der Zunge lag und wir so nicht hätten sagen können.
Dieses Buch gehört für mich persönlich zu den besten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Eine erwachsene Frau erzählt ihrem toten Vater rückblickend ihr Leben. Es geht um die Frage, wie das Leben während des Heranwachsens ausgesehen hätte, wäre der Vater nicht verstorben, zugleich darum, das Leben, wie es tatsächlich verlaufen ist, anzunehmen. Dass die Erzählerin dazu bereit ist, verdankt sie einer kritischen Auseinandersetzung mit sich und ihrer Umwelt, der Bearbeitung von Konflikten und schließlich dem geglückten Ausgang einer Psychotherapie.
Obwohl es um das Schicksal einer Frau geht, ist es kein typisches Frauenbuch, die Autorin spricht vielfach Menschlichkeit an, und Männer wie Frauen werden sich mit der Suche nach Authentizität, nach einer Gemeninschaft, in der man aufgehoben ist, Sinnsuche, identifizieren können.

Obwohl die Protagonistin viele Konflikte durchleben muss, bleibt ihre Sprache unaufgeregt und intelligent-kritisch.
Die für mich "packendsten" Kapitel erzählen von ihrem Beitritt in eine strenge, fundamentalistisch-religiöse Gemeinschaft, die namentlich nicht erwähnt wird. Der Autorin geht es nicht darum, bestimmte Religionsgemeinschaften oder Frömmigkeit zu verunglimpfen, sondern sie schildert den hohen Preis, den manche Mitglieder zu zahlen bereit sind, weil sie ihre eigene Persönlichkeit, Bedürfnisse oder auch Beziehungen einer rigiden Anpassung, dem blinden Gehorsam, Ausgrenzung und vorschnellem Urteilen über alle, die der Gruppe nicht angehören, opfern.

In der von Autoren wie Literaturwissenschaftern oft beklagten "Krise des Erzählens" könnte die Arbeitsweise von Annemarie Moser sogar einen richtungsweisenden Ausweg bieten.


Die Eleganz des Igels: Roman (dtv premium)
Die Eleganz des Igels: Roman (dtv premium)
von Muriel Barbery
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die bisher schlechteste Tarnung der Hybris, 8. Juli 2009
Die erste Seite hielt, was die Ankündigung versprach: selbstironisch und klug geschrieben. Ich las weiter und geriet in die Endlosschleife einer zunehmend ermüdenden Koketterie: "Niemand erkennt mein Genie, und deswegen strafe ich die Welt mit geheimer Verachtung."

Renee und Paloma, einander täuschend ähnlich, werfen hochmütige Blicke auf ihre Umgebung, die einseitig überzeichnet dargestellt wird. Alle Reichen sind grundsätzlich dumme Egoisten, die blind in die Sackgasse ihrer Dekadenz trippeln, ihren Reichtum nicht verdienen und von beiden Erzählerinnen mit Hohn überhäuft werden. Warum die beiden hochintelligenten Geschöpfe ihre Begabungen vor der Umgebung verheimlichen, hat keinen "vernünftigen" Grund und liest sich fast nach Rumpelstilzchenart: Ach wie gut, dass niemand weiß...

Hätte der Text, so wie angekündigt, Humor gehabt, wäre er noch zu retten gewesen, aber so matscht bald alles auf der Stelle eines überspannten Konstrukts, hinter dem eigentlich nicht viel steckt. Mit großartigem Trommelwirbel werden "tiefgründige Gedanken" angekündigt, die sich bei näherer Betrachtung als aufgedunsene Binsenweisheiten entpuppen: HabŽ Freude an kleinen Dingen! Genieße den Augenblick! Fast peinlich naiv. Wozu der ganze Aufwand?

"Ich hatte recht. Ich bin entlarvt.
Panik überfällt mich." (Seite 189)

Ist hier jemand in Not? Handelt es sich um ein, um bei dem Wort zu bleiben, wirklich "tiefgründiges" Problem?
Nein! Die Bildung der Concierge droht nur aufzufliegen, und das ist dann ein Problem, wenn man danach vielleicht die Blicke auf die vormals verachtete Welt neu justieren müsste.
"Deine Sorgen möchte ich haben" - wird auch so mancher vom realen Leben gebeutelte intelligente Wappler, der die Nikomachische Ethik wie ein andrer die Kronenzeitung liest, denken, wenn er erfährt, dass sich Renee besorgniserregnend kränkt, weil Husserl sie nicht so leicht über seine Schwelle der Phänomenologie lässt. Und prompt folgt die Strafe der Hybris auf dem Fuß. "Nach einem Monat frenetischer Lektüre beschließe ich mit einer lebhaften Erleichterung, dass die Phänomenologie eine Hochstapelei ist."

Die Aufgeregtheit der lange abstinenten Renee, als wieder ein Mann in ihr Leben tritt, ist mir sogar verständlich. Die Niederungen des Fleisches sollen, hilflos kompliziert, endlich über so viel Geist siegen - aber der Schluss des Buches...! So ein melodramatischer Kitsch!

Zwei berührende Szenen, die mir gefielen, fand ich allerdings in dem Roman: Die Lehrerin mit der fünfjährigen Renee und Erinnerungen an den verstorbenen Ehemann Lucien.


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