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Rezensionen verfasst von
Erich Feldmeier

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Wir sind das Kapital. Erkenne den Entrepreneur in Dir. Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie
Wir sind das Kapital. Erkenne den Entrepreneur in Dir. Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie
von Günter Faltin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie vermeiden wir eine unprofessionelle Vorgehensweise bei Gründungen?, 31. März 2015
Rezension Jürgen Faltin: Wir sind das Kapital. Entdecke den Entrepreneur in Dir. Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie, Murmann-Verlag 2015

'Positiv untern ehmen' statt nur plakativ 'Positiv denken' zu fordern ist eine schöne und passende
Beschreibung für dieses Buch. Günter Faltin spricht die Unternehmer-Persönlichkeiten an, die, wie er in zahllosen Beispielen schildert, in uns allen schlummert und wartet, entdeckt und aus dem Dornröschenschlaf geweckt zu werden.
Anders als in der Politik , muss ich als Entrepreneur nicht auf Mehrheiten warten (S. 252).
Insbesondere der Emanzipations-Gedanke wird hier thematisiert und die oft übersehene Notwendigkeit, daß es für eine gesunde und intelligente Volkswirtschaft /immer/ Gründer geben muss, ob sie nun im klassischen Sinne erfolgreich sind oder nicht.

Günter Faltin spricht v.a. aus der Praxis, nicht (nur) als Hochschullehrer.

Meine Schlüsselstellen sind Das Marketingmonster, S. 32 ff und das Kapitel Gründungskonzept Stimmig zur Person auf S. 42, 92, 126 ff.
Er scheut sich nicht unbequeme, ketzerische Fragen zu stellen, etwa ob Forscher, deren Ausbildung eine volkswirtschaftliche Investition darstellt, ihr Kapital an Betriebswirtschaft&Marketing verschwenden sollen, Dinge, die ihnen meist nicht liegen.
Stattdessen plädiert er vehement für Arbeitsteilung und Modularisierung.

Eine regelrechte Sensation thematisiert er auf S. 66 resp. S. 229.
Bis zu 80 % aller Unternehmen scheitern, geschätzt 70 % der Annahmen in Businessplönen sind falsch. Warum lassen wir (resp. Unternehmer-Mentoren), bzw. lässt eine Regierung, samt der bürokratisch-untauglichen Förderunstrumente so eine unprofessionelle Vorgehensweise zu?

Der 'ewige Schumpeter' wird wohltuend endlich einmal in einem neuen Licht gesehen (S. 59, S. 118).

Ein 'Hätte ich doch nur früher' – Buch, das insbesondere jungen Menschen für ihre Berufsfindung ans Herz gelegt wird (spart viel Lehrgeld ;-) , ob sie nun tatsächlich gründen oder nicht.

EF, 31.03.15


Ich halte nicht die Klappe. Mein Leben als Überzeugungstäter in der Chefetage
Ich halte nicht die Klappe. Mein Leben als Überzeugungstäter in der Chefetage
von Thomas Sattelberger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugende, authentische Schilderungen 'aus dem Herzen der Wirtschaft', 31. März 2015
Rezension Thomas Sattelberger: Ich halte nicht die Klappe.
Meine Jahre als Überzeugungstäter in der Chefetage. Murmann-Verlag 2015

Das Buch hebt sich wohltuend von gewöhnlichen Managementbüchern aber auch von herkömmlichen Biographien ab.
Es schreibt da einer mit erstaunlich offener Federführung und überzeugender Authentizität.
Besonders erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die ungeschönten Bekenntnisse der politischen Ver(w)irrungen garniert etwa mit einem Herrhausen-Zitat von 1972(!, S. 94), das zeigt wie borniert das ideologische Lagerdenken in herkömmlichen Links-Rechts-Schematas ist.
An dieser Stelle, soviel sei gleich verraten, soll angemerkt werden, daß Thomas Sattelberger auch an bestimmten Typen der Unternehmensführung kein gutes Haar lässt.

Dass etwa zwei Jahrzehnte nach der marktschreierischen Diktatur eines Jack Welch (CEO von General Electrics, S. 65) die Fahnen der reinen Effizienzlogik immer noch hochgejubelt werden, macht nicht nur Thomas Sattelberger sprachlos.

Er (ent)führt die Leser in die heiligen Hallen der bekannten DAX-Unternehmen und gibt einen schonungslosen Einblick in die Mechanismen und Strukturen der Alltagsentscheidungen in der Unternehmensführung.
Sehr interessant ist jedoch auch, daß'es immer und überall Menschen gibt, die zu ihrer Überzeugung stehen und mit denen man vernünftig zusammenarbeiten kann, jenseits aller Barrieren und Vorurteile.
'Augen zu und durch' ist in den meisten Fällen keine gute Alternative, dies wird wohlbegründet und detaillreich ausgeführt.

Allen jüngeren Menschen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, sei das Buch wärmstens empfohlen. Durchs Buch zieht sich ein roter Faden: Dreh- und Angelpunkt für Wohlstand und Fortschritt ist laut Sattelberger die Aus- und Weiterbildung; praktische Beispiele und Thesen, wie sie u.a. auch leidenschaftlich von Gunter Dueck in 'Professionelle Intelligenz' vertreten werden.

EF, 31.03.15


Genial gescheitert: Schicksale großer Entdecker und Erfinder
Genial gescheitert: Schicksale großer Entdecker und Erfinder
von Thomas Bührke
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen ...ein geniales Buch!, 20. März 2014
Thomas Bührke's Buch gehört zu einer Serie von Büchern über Innovatoren, die ich nicht missen möchte.
(Bsp: Armin Strohmeyr: Verkannte Pioniere, Max Höfer: Meinungsführer, Denker, Visionäre, Carsten Deckert: anleitung zum Uninnovativsein, aber auch Bill Bryson: Eine kleine Geschichte von fast allem)
Thomas Bührke führt als Hauptgründe an:
'Mit ihren Ideen bedrohten sie damalige Konventionen und forderten ihre Kollegen zu heftigen Diskussionen heraus'
Der Sokrates-Effekt (gekränkte Autoritäten alter Männer) lebt fort - traurig aber wahr.
Das Buch zeigt die Parallelen unmissverständlich auf.
Höchst empfehlenswert!


Mythos Fachkräftemangel: Was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewaltig schiefläuft
Mythos Fachkräftemangel: Was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewaltig schiefläuft
von Martin Gaedt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein lesenswertes -praxistaugliches- Buch zu Demographie, Fachkräftemangel, Verhaltensstarre, 19. Februar 2014
Rezension Martin Gaedt: Mythos Fachkräftemangel. Was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewaltig schief läuft, Wiley-Verlag, 2014, 19,99 €

Martin Gaedt hat ein beeindruckendes, massentaugliches Buch geschrieben jenseits der Lagerkämpfe und Ideologien von Gewerkschaften und Arbeitgebern. Glücklicherweise hebt es sich ausserdem aus der romantisierenden Welt der Motivations-Bücher ab.

Trotz harter Worte und deftiger Kritik nimmt man dem Autor ab, daß er sich ernsthaft und engagiert für echte V erbesserungen einsetzt statt in leere Appelle zu verfallen, die schon so oft nutzlos verpufft sind.

Martin Gaedt gibt uns einen lesenswerten Einblick in die demographische Wende und zeigt uns, daß die reinen Zahlen relativ sein können. Er argumentiert mit der Plausibilität der Praxis und zeigt detailliert auf, was bei den typischen Abläufen in Behörden, Unternehmen, Verbänden und Interessensvereinigungen falsch läuft.

Die 'Agentur für Arbeitslosigkeit' kritisert er scharf, die Ergebnis-Orientierung fehle völlig, weil der Steuerzahler eh die Vor-Finanzierung übernommen hat. Mit 108.000 Mitarbeitern und 5,38 Mrd. € ließe sich erheblich mehr an Vermittlungs-Dienst-Leistung erzielen und ausserdem Jugendlichen in der Berufsfindungsphase eine individuelle, spannende Perspektive aufzeigen, die ja schliesslich deren Leben und die Gesellschaft & Sozialkassen massiv beeinflusst (S. 73, 82, 224).

(Mit Porsche wurde leider ein denkbar schlechtes Beispiel für Wertschöpfung gewählt, wenn mit abstrusen Finanzgeschäften mehr Geld als mit dem eigentlichen Produkt Auto erzielt wurde....)

Unternehmen:
Selber schuld seien die Unternehmen schreibt Martin Gaedt, denn schliesslich gibt es genügend Beispiele wie man es besser machen kann, selbst in der tiefsten Provinz. Daß es Unternehmen nicht einmal schaffen, diese positiven Beispiele zu kopieren, zeigt wie verkrustet Denkmuster immer noch sind.
Das was bei der Vermarktung von Produkten nie vorkommen würde, findet erstaunlicherweise beim angeblich wertvollsten Kapital in Unternehmen täglich statt. Eine aktive 'Vertreibung von Interessenten, paradoxerweise von denjenigen, die sie am meisten brauchen' (36, 101, 113)
Für Hochglanzkampagnen und teure Werbeagenturen im 'produkt placement' seien Unternehmen stets offen, beim Thema 'Personal' verharren sie in Ignoranz und Verhaltensstarre.

Die vielen aufgelisteten Beispiele von Kompetenzlosigkeit sind erschreckend & ernüchternd. Real stattfindende Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft sind ein wichtiges Thema im Buch, z.B. Innovationsdruck, Kreativität, Socialmedia. Erstaunlich, daß zahllose Unternehmen immer noch glauben, einfach die Werbeauftritte des letzten Jahrtausends in Facebook, Twitter, Chats und Blogs reinkopieren zu können.

Nichtssagende Stellenanzeigen, langweilige, phantasielose Karriereseiten, verheerende Standard-Absageschreiben auf individuell formulierte Anschreiben. Der 'Mismatch' ist mit Händen zu greifen. Bei Absagen wird Gaedt leidenschaftlich. Vorausschauendes Denken und Talent Management findet praktisch nirgendwo statt. Daß die handverlesenen Silber- und Bronze-Medaillengewinner lustlos abserviert werden, zeigt, wie unfähig die sog. Rekrutierung abläuft.

Meine Schlüsselstelle findet sich auf S. 50, 219, 236 und ist ein beeindruckendes Highlight des Buches. Nicht zufällig tun sich Parallelen zur verkrusteten Verwaltermentalität in Behörden und Personalabteilungen auf. So wird 'Lotus Notes' vor der Übernahme durch IBM als kreativer Schuppen beschrieben, der inzwischen wie eine Behörde wirkte.

Zitat:
„Wo war der Erfindergeist geblieben? Ein Manager kam auf die Idee, einen Test zu starten.
Was wäre, wenn sich alle 16 Gründer von Lotus Notes bei IBM bewerben würden?
Für alle 16 Gründer wurden aktuelle Bewerbungen geschrieben ... zur Tarnung wurden Namen und Alter geändert.... Das Ergebnis war ernüchternd:
Kein einziger der kreativen Gründer kam auch nur ins erste Vorstellungsgespräch...
Das Auswahlverfahren bevorzugte Bewahrer- und Verwalter-Typen...
standardisierte Tests im Assessment-Center sortieren spannende Kandidaten aus.
Am Ende wird immer der gleiche Typ Mitarbeiter ausgesucht. Die Ähnlichkeitsfalle schnappt zu".
(Das Zitat stammt passenderweise von Bob Sutton, der mit Jeffrey Pfeffer schon vor Jahren die betriebswirtschaftlich verheerende Knowing-Doing-Gap im Management leidenschaftlich beschrieben hat. Es werde Milliarden-schwere Management-Literatur publiziert - ohne Handlung...)

Man höre und staune. Personaldiagnostikverfahren, seit Jahrzehnten eine Routine-Kernkompentenz in den Personalabteilungen, ändern nichts daran, daß die eigentlich wertschöpfenden Mitarbeiter systematisch aussortiert werden.
Da kann @wilddueck noch 20 Bücher schreiben, ändern wird sich offensichtlich so schnell daran nichts.

Arroganzstarre. Respekt. Wertschätzung. Hierarchien. Freche Bewerber (S. 112, 187 ff)
Wertschätzung = Wertschöpfung. Ja! Doch warum sind Veränderungen trotz betriebswirtschaftlichem Vorteil so schwer?
An dieser Stelle fehlt mir der eigentliche Clou. Demographie-Management heißt ja nicht, lediglich Zahlenkolonnen aufzulisten. Jedes Ding hat seine Ursache(n).
Die 'Evolution der Horde' ist ein Problem, das wir seit Jahrtausenden nicht konstruktiv 'lösen'.
Sokrates wurde zum Dank für freche Innovation der Schierlingsbecher gereicht. Die erste Erwähnung eines bestraften Nachrichtenübermittlers findet man bei Pausanias (160 n.C.).
Zahllose Milliarden gehen alljährlich flöten, weil nur 'positive Dinge nach oben transportiert' werden.

Frank Schirrmacher etwa schrieb im Methusalem-Komplott:
„Das Jahrzehnt zwischen 50 und 60 ist jener Zeitraum, in dem ... Lebenserfahrung in unvorstellbarem Ausmaß verschwendet wird. Man kann, etwa bei Männern in Führungspositionen, studieren, wie viel Energie in die unablässige Abwehr einer gefühlten Gefahr investiert wird“

Guy Kawasaki, David Ogilvy, u.a. prägten den passenden Begriff Zwergengesellschaft, wenn jedeR Fachkräfte(!) einstellt, die 'kleiner' als das Alphamännchen sind.
Stephan Scholtissek (accenture) und Michael Diekmann (Allianz) sprechen von 'Prozessen, bei denen wir noch ganz am Anfang stehen'.

Aber auch Max Planck, Utz Claassen, Gregory Bateson, Elliot Aronson, Patrick van Veen, Ernst Mach, Carsten Deckert und unzählige andere haben die Crux der Innovation in Worte gefasst.
„Wir mögen es nicht, wenn jemand uns Dinge sagt, die nicht in unser Weltbild passen“.
Deshalb gibt es Fachkräftemangel, Frühpensionierung und Langzeitarbeitslose 50plus. Eine 'Verschwendung in unvorstellbarem Ausmaß'.

Das Buch ist schön gegliedert mit eye catchern, die die wesentlichen Argumente prägnant zusammenfassen. Höchst lesenswert!

EF, 18.02.14


Der zweite Code: EPIGENETIK oder: Wie wir unser Erbgut steuern können
Der zweite Code: EPIGENETIK oder: Wie wir unser Erbgut steuern können
von Peter Spork
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lohnenswerte Einführung in die Epigenetik, 31. Januar 2014
Peter Spork ist ein gutes und illustrativ geschriebenes Sachbuch gelungen.
Er nimmt uns mit auf eine Reise in das Innerste unser Zellen. Das populärwissenschaftliche Buch bietet dank seinem einfachen Stil auch für Laien eine lohnenswerte Einführung in die Lebenswissenschaften, speziell in die Genetik.

Unter Epigenetik verstehen wir die Veränderung von DNA-Bindungsstellen, so daß bestimmte Gensequenzen 'dauerhaft' abgeschaltet werden. Gene haben also Schalter, mit denen sie stillgelegt werden können. Dies geschieht im wesentlichen durch DNA-Methylierung, Veränderung der Histonkomplex-Proteine und RNA-Interferenz. Peter Spork zeigt uns einige plausible Möglichkeiten auf, warum solche Veränderungen geschehen.
Diese Veränderungen können durch psychische oder physische Einwirkung (von außen) geschehen.
Viele der mutmaßlichen Veränderungen wirken gar schon während der Embryonalentwicklung im Mutterleib und sie können an die nächste Generation weitergegeben werden, ohne daß das Erbgut selbst verändert wird.
Er betont mehrmals ausdrücklich, daß es sich dabei noch um experimentelle Thesen handelt, wenngleich diese Thesen zunehmend durch zahlreiche Forschungsergebnisse untermauert werden.
Er schlägt dabei ausdrücklich eine Bresche für die oft unsichtbare Grundlagenforschung:
„Auf eine wissenschaftliche Studie kommen Tausende, die weniger spannend für die Öffentlichkeit sind, ohne die Fortschritt aber undenkbar wäre.“ (S. 49)

Peter Spork gibt uns viele charmante und bestechende Beispiele warum Evolution auch ohne Veränderungen der Erbsubstanz -in viel schnelleren Zeiträumen- stattfinden kann. Auch der Unterschied des Menschen zum Schimpansen ist mit 1,3 % Abweichung der Erbsubstanz recht gering, die körperliche (phänotypische) Ausprägung dagegen unterscheidet sich stark.

Über große Passagen des Buches werden interessante Beispiele aus dem Alltag geschildert, wie jedeR Einzelne selbst einen aktiven Beitrag zu seinem Leben leissten kann. Die Botschaft, man möge sich doch positiv mit Sport, gesunden Nahrungsmitteln und einer psychisch gesunden Lebensführung auseinandersetzen, kommt auch bei Laien an.
Insbesondere das Gratis-Universalheilmittel 'Sport' wirkt präventiv gegen die sog. Volkskrankheiten, man kann es kaum genug betonen.

Im Schlusswort warnt er ganz unmissverständlich vor falschen Heilsversprechungen, Scharlatanerie und dubiosen Geschäftemachern.
Leider, und das ist ein echter Wermutstropfen, werden dies die zahllosen Laien, für die dieses Buch gedacht ist, m.E. nicht richtig einschätzen können. Wenngleich es zahllose Forschungsergebnisse im Labor und in der Zellkultur gibt, so heißt dies noch lange nicht, daß diese Erkenntnisse irgendeine Bedeutung für die Gesundheit von Menschen haben. Dieser bedeutende Unterschied ist falsch gewichtet bzw. verpackt.
Als Kritikpunkt ist beispielsweise zu nennen, daß Untersuchungen an 43 Patienten genannt werden – wo doch schon aus statistischen Gründen eher 43.000 benötigt werden.

Aufgefallen sind mir auch die ausschliesslich psychosomatischen Phänomene, wonach Störungen der Psyche sich auf den Körper auswirken können. Genausogut könnte es auch somato-psychische (genetische?) Krankheiten geben, die zu ernsten Gesundheits- und eben auch Wohlbefindlichkeits-Störungen führen. Viele Krankheiten werden eben, wie der Autor selbst schildert, zuallererst genetisch vererbt.
Die Proteomik, also die Ausprägung der genetischen Information und deren unglaublich viele potentielle Wechselwirkungen, sind naturgemäß noch unerforscht, obwohl 'wir alle' doch schon im Jahre 2000 fest mit der 'zweiten Mondlandung' gerechnet haben (S. 33 ff)

Dörfer, Inseln und Länder mit sehr vielen Hundertjährigen und deren jeweilige Lebens-Rezepte sind durchaus spaßig, aber kurzfristig kaum verifizierbar -und:
Unter 'Gesunder Ernährung' wird wahrscheinlich in der Öko-Szene was anderes verstanden als besispielsweise in Bayern und Baden-Württemberg; Flächenstaaten mit ländlichem (Bauernhof-, Tourismus-)Charme, mit vielen handwerklich geprägten Dorfmetzgereien, folglich vielen Übergewichtigen, hoher Lebenszufriedenheit und langer Lebenserwartung.

„Baden-Württemberg hat seit Beginn der 70er-Jahre im bundesweiten Vergleich regelmäßig die höchste Lebenserwartung Neugeborener“
[...]

Stilistisch empfinde ich die Hinweise auf 'renommierte' Forscher unangemessen. Dieses Adjektiv wird in gutgemeinter Absicht benutzt um der noch wenig fassbaren Grundlagenforschung eine seriöse Bedeutung zu verleihen und sich von der Scharlatan-Szene abzugrenzen. Leider zeigt die Geschichte, daß zahllose bahnbrechende Forscher, Tüftler und Erfinder von renommierten Autoritäten öffentlich verspottet wurden, so z.B. im Falle des Harald zur Hausen.

Insbesondere die letztgenannten Kritikpunkte sind ja streng genommen kein Widerspruch zu Peter Spork's Argumentation und sollen natürlich niemand abhalten ein amüsantes Buch über lebendige und praxisnahe Wissenschaft zu lesen. Im Gegenteil, um interessant für große Bevölkerungskreise zu sein braucht die (Natur-)Wissenschaft und die Grundlagenforschung einen Aufhänger im praktischen Alltag und mutige neuartige Thesen. Die Reproduzierbarkeit von innovativen Thesen ist immer ein Vabanque-Spiel, wir sollten jedoch auf die herausragenden Fähigkeiten der Naturwissenschaften vertrauen, die Reproduzierbarkeit schonungslos zu überprüfen.

Das Fachgebiet Epigenetik gewinnt an Interesse. Bernhard Kegel hat nahezu zeitgleich ein Buch über Epigentik geschrieben. Auch er warnt vor voreiligen Schlüssen aus spannenden Forschungsergebnissen. Beide Bücher haben ihre Zielgruppe. Zu unrecht werden sie medial gegenübergestellt, gar ausgespielt.
Peter Spork ist ein populärwissenschaftlich geschriebenes Buch mit ernstem wissenschaftlichen Hintergrund gelungen, das vor allem auch Laien erreicht, denen der Zugang zu wissenschaftlichen Themen oft versperrt bleibt.

EF, 27.01.14


Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators
Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators
von Brigitte Hamann
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut empfehlenswert, 10. Januar 2014
Die Beschreibungen von Brigitte Hamann sind faszinierend zu lesen.
Insbesondere die Darstellung von Dr. Karl Lueg(n)er sind trefflich gelungen.
Neben dem Klassiker 'Gorgias' zur Rhetorik, des Schönredens, Aufwiegelns und Volksverhetzens ist dieses Buch ein Schlüsselerlebnis zur Kunst des 'Filibusterns', sprich Dauerquatschens, das noch heute großen Anklang findet.
Argumente statt Komaquatschen!


Wie gerecht ist die Gerechtigkeit?
Wie gerecht ist die Gerechtigkeit?
von Peter Felixberger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine philosophische Streitschrift zur Gerechtigkeit, 22. November 2013
Die gute Bildung merkt man dem Buch an. Das Buch ist auf recht anspruchsvollem sprachlichem Niveau, was für eine Doktorarbeit normal ist. Dadurch wird jedoch der potentielle Leserkreis arg eingeengt.

Peter Felixberger fühlte sich nach eigenen Worten zu dem Buch motiviert, weil die Lager, die der Verteilungs-Gerechtigkeit anhängen mit denjenigen der Leistungs-Gerechtigkeit nicht reden können. Ganz nebenbei wird auch die Chancen-Gerechtigkeit behandelt.
Die Vertreter der Verteilungs-Gerechtigkeit sind nach heutigen Kategorien im linken, ethischen und idealistischen Spektrum anzusiedeln. Die Wirtschafts-Liberalen aus dem sog. konservativen Flügel dagegen vertreten eher die angelsächsische Position der freien Markt-Entfaltung mit geringen staatlichen Eingriffen. Beide Lager stehen sich unversöhnlich, geradezu hilflos gegenüber und sind nicht in der Lage bzw. bereit, sich auf die Argumente der Gegenseite einzulassen.

Das Buch enthält einen phantastisch knappen doch repräsentativen Überblick über die Philosophie-Geschichte seit dem ausgehenden Mittelalter bis zur Neuzeit.
Das Buch zeigt die verschiedenen politisch-philosophischen Strömungen und ihre jeweilige (emotionale) Aufladung, die erst dazu führt, daß sich die jeweiligen Parallelwelten über lange Zeiträume festsetzen. So entwickelt sich ein /voreingenommener/ Umgang mit dem jeweiligen Gedankengut.

Das Buch erfüllt eine sehr wichtige Funktion, indem es unzweideutig herleitet warum sich etwa die Programme der politischen Parteien aber auch die gesellschaftlichen Strömungen, in denen wir eingebettet sind, entwickelt haben und warum es so schwer ist auch nur einen Hauch gegen die Strömung(en) zu schwimmen.

Peter Felixberger haut uns argumentativ, v.a. mit dem feinsinnigen Wolfgang Kersting, die Geschichte der neuzeitlichen Philosophie um die Ohren bis der Rauch hervorquillt. Die -höchst berechtigte, zuweilen naive Vorstellung der Etablierung einer umfassenden Gerechtigkeit für alle Menschen ist historisch unhaltbar, die wichtigste Erkenntnis des Buches.
Dieses knappe 'Halbsatz-Fazit' allein beinhaltet enormen sozialen Sprengstoff.

Besonders gut haben mir die äußerst knappen & prägnanten Zusammenfassungen ganzer Jahrzehnte in jedem Kapitel gefallen. So findet man auch als soziologischer & philosophischer Laie den Faden immer wieder. Soziologisch-philosophisch ist die Arbeit absolut überzeugend.

Etwas zu kurz gesprungen empfand ich die wirtschaftsliberale Sichtweise, die nur innerhalb wirtschaftlicher Grenzen unserer kleinen Welt gilt. Das umgebende System, die Natur, ist der eigentliche Begrenzer unserer wirtschaftlichen Handlungen; dies sollte mindestens als oberste Maxime immer als Damokles-Schwert mitschwingen. Zudem zeigt sich in der täglichen Wirtschaftspraxis, dem sog. Projekt-Management, daß wir täglich immer wieder verheerend an Komplexität (und Anschluss-Kommunikation!) scheitern. Jeder weiß intuitiv, daß bestimmte Versäumnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt kaum revidierbar sind. Dies gilt erst recht für ein weltumspannendes Öko-System Erde mit mehreren Milliarden Akteuren, die chaotisch-eigensüchtig ihre eigenen wirtschaftlic hen Interessen verfolgen.

Der zentrale Fehler des 'Übertreffens im Wettbewerb mit Anderen' wird immer noch dem sog. Kapitalismus zugerechnet, m.E. ein verheerender Argumentations-Fehler der Wirtschaftsliberalen aber auch der Kapitalismuskritiker, den auch Peter Felixberger nicht vollständig auflöst, bzw. rein soziologisch nicht auflösen kann.
'Höher, Schneller, Weiter' ist etwa durch Tor Norretranders, Thorstein Veblen oder auch Jon Krakauer plakativ und anschaulich beschrieben worden.

Man sollte das Wort Anschlusskommunikation mögen, wenn man das Buch liest und sich rechtzeitig Gedanken machen warum die jeweiligen politisch-philosophischen Strömungen in ihrer Zeit verankert sind. Diese Verankerung ist aus soziologischer Sicht berechtigt, trifft jedoch naturgemäß nicht alle Sektoren der Gesellschaft und die Ansichten & Lebensumstände aller Menschen.

Das Thema einer Doktorarbeit ist naturgemäß eng fokussiert. Insofern ist es verständlich, daß einige Aspekte ausgeblendet sind, die der wichtigen Alltags-Thematik der Gerechtigkeit etwas mehr praktisches Feuer verleihen würden. Zum einen gilt dies für die Philosophie-Geschichte seit der Antike. Die Platon'sche Kostgeld-Debatte habe ich persönlich schmerzlich vermisst, wenn die Gerechtigkeit des Steuer-Systems behandelt wird.

Lohnenswert wäre etwa ein Blick in Brigitte Hamann's Buch 'Hitlers Wien', das recht nüchtern zeigt, daß -zweitens- Populismus à la Dr. Karl Lueger siegt und nicht die Argumente.
Dieser Populismus findet sich auch bereits in der Antike – etwa bei Platon's Zwiegesprächen:
„Von der Überredung der Masse hängt Politik, Macht, Rechtsprechung, Schicksal ab... es entscheiden die besten Redner...Dies ist nun die wunde Stelle der attischen Demokratie: Es ist unmöglich, die Menge in so kurzer Zeit zu belehren."

Peter Felixberger möchte argumentieren, nicht belehren.
Das hohe sprachliche Niveau grenzt jedoch die Zielgruppe der vielbeschäftigten Politiker und Manager aus, die alles -nur keine Zeit- haben, sich in intellektuell anspruchsvollen Feinheiten zu vertiefen.
Im übertragenen Sinne zeigt Peter Felixberger selbst, daß eine umfassende Verbreitung und Verankerung fester ethischer Wertvorstellungen in breiten Bevölkerungsschichten enorm wichtig ist, um eine friedvolle Gesellschaft zu ermöglichen, in der nicht das brutale Recht des Stärkeren gilt.

Immerhin gehört schon Mut dazu ein solches Buch in eine schnelllebige intellektuellen-feindliche Umgebung hineinzupublizieren.
Peter Felixberger sollte ernsthaft überlegen, eine zweite erweiterte Auflage herauszugeben -mit Spieltheorie in allen Facetten, erdrückenden neurobiologischen Fakten und einem Exkurs in die Ökologie- auf einfacherem sprachlichem Niveau, ähnlich wie Daniel Kahneman.
In so einem Buch würde man dann auch an die Wurzel allen Bösens rühren und ans Herz der Bestie des unbedachten 'Schneller, Höher, Weiter' vorstossen können. Ein Dolchstoss für die Gleichschaltungs-Gerechtigkeit?

Zusammengefasst ein Buch mit überwältigenden Fakten und einer Argumentation, die ihresgleichen sucht, zu einem enorm wichtigen Thema, das das Alltags-Verhalten von Menschen 'emotional auflädt' und stark beeinflusst.

19.11.13, Erich Feldmeier


Schnelles Denken, langsames Denken
Schnelles Denken, langsames Denken
von Daniel Kahneman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,99

5.0 von 5 Sternen Das beste Buch über Freiheit seit der frz. Revolution, 12. April 2013
Grandios!
Wenn wir uns frei entscheiden wollen, täglich in ganz vielen Situationen, müssen wir wenigstens wissen, warum uns das sog. denkfaule #system1 vorgibt, wie wir uns zu entscheiden haben - ohne dass uns dies eigentlich bewusst ist.
Seit der frz. Revolution das beste Buch über Freiheit, denn die Werbemaschinerie des Internet ist gerade erst angelaufen und D. Kahneman lässt keinen Zweifel daran:
"Und natürlich gibt es eine Reihe von Leuten, die gewillt und in der Lage sind, unsere Leichtgläubigkeit auszunutzen“


Hilfe, mein Chef ist ein Affe: Ganz natürliche Erklärungen für unser Verhalten
Hilfe, mein Chef ist ein Affe: Ganz natürliche Erklärungen für unser Verhalten
von Patrick van Veen
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Frauen imitieren das Verhalten ihrer männlichen Kollegen, 8. November 2011
Patrick van Veen beschreibt in seinem beeindruckenden Buch:
'Hilfe, mein Chef ist ein Affe' warum wir uns 'im Büro' so schwer tun.

Der provokante Titel mag dazu verleiten, zu glauben, dass hier Managementschelte betrieben werde.
Das Gegenteil ist der Fall. Es geht um unser aller Verhalten.

Seine Hauptthese:
"Ignorieren Sie die Informationen nicht, die seit Jahrmillionen in unseren Genen gespeichert sind!"
untermauert und illustriert er überzeugend mit Beispielen aus dem Alltag.

Die im Vorwort benannte Beobachtungsgabe des Wissenschaftlers greift er u.a. in den letzten beiden Kapiteln auf, wenn er von Verarmung der Kommunikation spricht, die im Tiereich einzigartig ist - gerade und trotz der modernen Kommunikationsmittel.

Die umfassende Beobachtungsgabe ist der Schlüssel zum Verständnis von Ursachen für unser Verhalten.
Leider ist diese Beobachtungsgabe bei vielen Menschen im hektischen Alltag nicht sehr ausgeprägt, ganz einfach weil nicht jeder die Gabe bzw. das Interesse an Wissenschaft hat bzw. 'keine Zeit'.
Ironischerweise führt dies genau deshalb immer wieder zu denselben frustrierenden Erfahrungen des ineffektiven Arbeitens, ja noch mehr zu den irrwitzigen Annahmen der 'schnellen Lösungen' von Problemen und Konflikten.

Besonders interessant und gut gelungen fand ich die Vergleiche und Analogien, z.B. von Erving Goffman (S. 102) über die Beraubung des Individuums in -nicht selbstgewählten- Gefangenschaften
und insbesondere zu Hierarchien, Statussymbolen und Meetings.

Ein Highlight kommt gleich zu Anfang:
Was unterscheidet Bonoboweibchen von anderen Menschenaffen?
Sie bilden stabile Allianzen und unterstützen sich gegenseitig...
Warum findet man bei uns trotzdem immer noch so wenige Frauen in Führungspositionen?
Frauen imitieren im Arbeitsalltag lieber das Verhalten ihrer männlichen Kollegen. Statt eine Verbündete zu finden, versuchen sie, die männlichen Kollegen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen (S. 31). So treffend hat das noch niemand aus der Riege der Frauen-Karriere-Ratgeberinnen formuliert.

Meine Lieblingsstellen sind die Passagen über Infantizid, also das Ermorden von 'sog. geliebten Babys' (S. 112, 176), die direkt auf den Büroalltag, die geliebten 'Projekte' angewendet werden.
Veränderungsprozesse (Change Management) kann man also auch modern, systematisch und effektiv angehen, statt 'herumzuschnippeln'.

Kleiner Joke am Rande: Der Autor scheut sich keineswegs, sich selbst fotografisch bei den Menschenaffen einzureihen.
Man merkt, der Mensch hat Humor und steht hundertprozentig zu seiner Arbeit und seinem Beruf.
Warum solche Bücher (wie z.B. auch Frans de Waal: Der Affe in uns) nicht längst an vorderster Stelle der Mangementliteratur stehen ist unverständlich.

30.07.11, EF


Die Natur des Menschen: Grundkurs Soziobiologie
Die Natur des Menschen: Grundkurs Soziobiologie
von Eckart Voland
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein beeindruckendes Buch zur Natur der Evolution, 8. November 2011
Fälschlicherweise reagieren viele Menschen recht empfindlich bei dem Thema Soziobiologie.
Dabei geht es gerade nicht darum, Individuen in irgendeiner Art zu bevormunden oder gar moralisch zu kritisieren;
die Evolution ist moralisch recht unvoreingenommen...
im Gegenteil erhalten wir erst dadurch die Gelegenheit, uns mit 'möglichen' Ursachen unseres Verhaltens auseinanderzusetzen. Ethik statt Moral, das ist die Quintessenz.
Eckart Voland zeigt uns eine Fülle an unbestechlichen Details, die (statistisch!) nicht wegzudiskutieren sind.
'Schuld' ist niemand Geringeres als die Evolution.


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