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Rezensionen verfasst von
Kalle Wirsch

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Das vierte Siegel: Gesamtausgabe (KNAUR eRIGINALS)
Das vierte Siegel: Gesamtausgabe (KNAUR eRIGINALS)
Preis: EUR 7,99

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bühne frei für intelligente Fantasy, 29. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Autorin Liane Sons ist mit ihrem Roman "Das vierte Siegel" ein außergewöhnlich feines Stück Fantasy-Literatur gelungen.

Die Geschichte basiert zwar auf einem an sich traditionellen High-Fantasy-Plot (nämlich der "Queste" einer zufällig zusammengewürfelten Truppe mit keinem geringeren Ziel als der Rettung der Welt), damit haben sich aber auch schon so gut wie alle Ähnlichkeiten zu Tolkien und dessen (ab-)schreibenden Nachfahren erledigt.

Die Autorin schafft das Kunststück, konsequent alle aus dem Tolkien'schen Universum bestens bekannten und vertrauten "Standardfantasywesen" (Elben, Zwerge, Orks etc.) aus ihrer eigenen Fantasywelt auszusperren. Wenn man überhaupt Parallelen zu anderen Autoren finden will, dann hat sie vielleicht mal Markus Heitz' "Ulldart"-Zyklus gelesen (was ja grundsätzlich jedem zu empfehlen ist), und sich dort möglicherweise die Anregung bezüglich der "denkenden" Echsenwesen aus den Sümpfen geholt...jedenfalls handelt es sich bei der Szenerie, in der der Roman angesiedelt ist, um eine sehr eigenständige Schöpfung.

Letzlich aber legt es die Autorin gar nicht darauf an, den Leser durch die schiere Menge erfundener Geschöpfe oder mystischer Schauplätze zu beeindrucken. Ihre Fantasywelt hat vielmehr eher Ähnlichkeit mit einer "normalen" mittelalterlichen Welt auf unserer guten alten Erde. Wenn man bedenkt, was manche bekannten Genreautoren für erhebliche Mühe darauf verwenden, die von Ihnen erdachte Welt mit geradezu akribischer Detailschärfe und Plausibilität zu versehen (bis hin zu komplett erfundenen Sprachen, womit wir wieder beim Altmeister Tolkien wären), dann bleibt die Fantasywelt dieses Buches demgegenüber durchaus etwas unscharf und blass. Ist es der Autorin also vielleicht schriftstellerisch nicht gegeben, das Szenario, in dem ihre Figuren agieren, plausibler und ausgefeilter darzustellen, hat sie einfach nicht genug Fantasie, um ein neues "Mittelerde" zu erschaffen ?

Nein, dem ist nicht so, denn die Intention der Autorin geht erkennbar in eine ganz andere Richtung : im Mittelpunkt der Geschichte stehen ganz klar die handelnden Personen mit ihrer eigenen inneren Welt, Kern des Werkes bilden demzufolge nicht die exotischen Schauplätze, sondern die Dialoge zwischen den Protagonisten. Und auf diesem Gebiet liegt denn auch die ganz große Stärke der Autorin : diese Dialoge sind sprachlich ganz hervorragend gestaltet und schlichtweg köstlich zu lesen. Nichts wirkt hier künstlich oder gestellt, wie das in Fantasyromanen - gerade wenn sie sich um eine "angemessene" High-Fantasy-Sprache bemühen - leider häufig der Fall ist. Hier handeln, denken und sprechen "echte Menschen", die trotz der Fantasyumgebung unglaublich real und nachvollziehbar wirken. Die Charaktere sind neben der Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung im einzelnen auch als sehr vielschichtig zu bezeichnen, jede Schwarzweiß-Malerei wird vermieden.

Letztlich ist also die gesamte Fantasy-Welt hier nur Beiwerk - würden die handelnden Personen lediglich wie in einem Theaterstück auf einer Bühne stehen und ihre grandiosen Dialoge deklamieren, würde mir das Buch genauso gefallen haben, ohne dass mir etwas gefehlt hätte.

Das Buch strahlt durch die Tatsache, dass die zwischenmenschliche Ebene die größte Bedeutung hat, eine zutiefst menschliche Wärme aus, man möchte die Protagonisten, die einem ans Herz gewachsen sind, am liebsten gar nicht mehr missen und sieht dem allzu frühen Ende des kurzweiligen Werkes mit Grausen entgegen.

Das Ende läßt nicht unbedingt auf eine Fortsetzung hoffen, aber wenn die Autorin sich wieder in ähnliche Gefilde begeben würde, wäre ich sicher wieder mit dabei.

Ein Buch nicht nur für Fantasyleser, sondern für alle literarisch Interessierten.


Homunkulus (NINRAGON)
Homunkulus (NINRAGON)
Preis: EUR 3,99

14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Odenthal punktet..., 28. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Homunkulus (NINRAGON) (Kindle Edition)
Einer der eingeschworenen Fans des Autors, mit dem ich zur Qualität des Vorgängers "Ninragon" aufgrund meiner dortigen kritischen Rezension länger diskutiert hatte, hat mich auf dieses neue Werk des Horus W. Odenthal aufmerksam gemacht. Ich hatte versprochen, das Buch zu lesen, gleichzeitig aber die Verfassung einer Rezension "angedroht"...auch, um das hiesige Forum nicht ganz alleine den eingefleischten Verfechtern des Odenthal'schen Ausdruckskosmos zu überlassen, melde ich mich also zu Wort.

Mit "Ninragon" hatte ich an sich keine inhaltlichen Probleme wie andere Leser. Die doch sehr ungeschminkte Brutalität der Gewaltdarstellung konnte ich recht gut vertragen, es war ja klar, dass es sich hier um Fantasy für erwachsene, fortgeschrittene Fans des Genres handelt. Das ist ohne Abstriche auch hier der Fall. Wer so etwas nicht mag, sollte die Finger davon lassen. Mein Problem lag in der - für mein Dafürhalten - völligen stilistischen Überfrachtung der Ninrae ("Elfen")-Szenen, der im krassen Gegensatz eine moderne Gossensprache mit eingestreuten Anglizismen bei den "Barbaren" gegenübergestellt war. Die Sprache beider Erzählstränge konnte mich in "Ninragon" nicht überzeugen.

Nun, dem neuen Werk "Homunkulus" ist zu attestieren, dass es sich im Unterschied zu "Ninragon" tatsächlich flüssig und mit einigem Genuss lesen lässt. Beherrschte dort (Ninrae-Strang) der halbseitig-komplexe Schachtelsatz das Geschehen und suchte man den guten alten Punkt als Satzabschluss schon fast vergeblich, so kommt es hier zu dessen unübersehbarem Revival: Kurze. Manchmal. Ganz. Kurze. Sätze springen einen förmlich an, die Sprache ist knapp und konzis, insbesondere dort, wo schnell gedacht oder gehandelt wird (also fast immer), kommt das Stilmittel der "Sparsätze" vermehrt zur Anwendung. Das gab es bei "Ninragon" in den Kampfszenen auch schon, hier erscheint mir allerdings alles etwas gereifter, etwas mehr zurückgenommen. Die Hauptprotagonisten, die Milizführerin Danak und ihr erprobtes Team, befleißigen sich auch wesentlich weniger der Gossensprache als die Söldner um "Auric den Schwarzen". Insgesamt kann ich also mit der hier gewählten Stilistik durchaus leben. Trotz der bescheidenen Zurücknahme seiner geradezu im Übermaß vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten handelt es sich hier aber immer noch um einen "wortgewaltigen" Odenthal, der über eine wiedererkennbare und sehr intelligente Art zu schreiben verfügt. Auch hier ist die Ausdrucksbreite weiterhin enorm, nur zugänglicher und keinesfalls trivialer.

Leider bin ich ein wenig empfindlich, was Schreib-und Interpunktionsfehler angeht, solches reißt mich ungewollt aus dem Lesefluss, so dass ich mir gewünscht hätte, man hätte noch etwas mehr Mühe auf das Korrekturlesen verwendet. Die Kommata sind ziemlich willkürlich über den Text verteilt, was das Lesen - auch sehr kurzer - Sätze erschwert. Die inflationäre Überflutung des Textes mit Punkten sehe ich eher als erlaubtes Stilmittel, das hat mich weniger gestört. Der Schreibfehler selbst waren erfreulicherweise eher wenige, wenn auch in der 1. Hälfte die klitzekleinen Wörtchen das / dass häufiger verwechselt wurden...kann ja schnell mal passieren bei so ähnlichen Wörtern - ach ja, ich glaube übrigens auch nicht, dass z.B. Salman Rushdies Buch "Die satanische Ferse" hieß, das war aber wirklich ein ansonsten einmaliger Ausrutscher des Korrekturlesers ;-)

Und inhaltlich ? Hmmmm, na ja, einen Grund muss es ja wohl geben, dass ich mich nur zu 3,5 (ja, es sind 3,5, was man oben nicht darstellen kann) durchringen konnte. Ich muss gestehen, dass mir die atemlose Spannung, die mir meine Vorredner versprochen haben, nicht so wirklich permanent über den Rücken gekrochen ist. Ja, es handelt sich sicher um eine recht flott erzählte Story, diese kommt dann aber doch etwas vorhersehbar und nicht übermäßig neuartig oder inspiriert daher, scheint mir eher nur ein etwas loses Gerüst für die Platzierung der zahlreichen Kampfszenen zu bieten. Der Leser vermutet bzw. weiß schon fast von Anfang an, was Sache ist, nur Danak, die eine möglicherweise ganz leicht einfältige "gerade Klinge" ist, braucht reichlich lang, bis sie es auch erkennt. Leider ist es mir auch bei Danak - wie schon bei Auric - so ergangen, dass mir keine echte Identifikation mit dieser Protagonistin möglich war. Trotz einiger persönlicher Zutaten wie dem Auftreten vereinzelter innerer Gewissenskonflikte nach ihrem blutigen Handwerk, dem Vorhandensein eines (Haus-)Mannes (!) und sogar zweier Kinder bleibt sie mir als Person letztlich fremd. Dies gilt in noch stärkerem Maß für die Nebenfiguren, die doch eher eindimensional charakterisiert sind.

Abgesehen davon würde ich dennoch meinen, dass das Werk als Einstieg in die prinzipiell interessante Welt des Odenthal'schen Werks durchaus geeignet ist. Sicher wäre es zum Verständnis der Hintergründe durchaus hilfreich gewesen, wenn man den 3-Bänder "Ninragon" (der die Grundzüge der Welt vorstellt, in der "Homunkulus" spielt), gelesen hätte, das Buch kann aber durchaus als Einzelwerk gelesen und verstanden werden. Wer den "Ninragon" verdaulich fand, wird am "Homunkulus" vermutlich mehr Freude haben können.

Aus meiner persönlichen Sicht liegt hier eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorgänger vor, was die Stilistik angeht, gleichzeitig halte ich es aber für möglich, dass "Ninragon" dann doch das etwas ungewöhnlichere und überraschendere Werk darstellte, besonders für die, die auch die dortige Sprache faszinierend fanden und genießen konnten. Bei mir wird sich das Werk nicht unter den immer wieder lesbaren "Eisernen Bestand" einreihen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 30, 2013 7:09 PM CET


Stein und Flöte: und das ist noch nicht alles. Roman
Stein und Flöte: und das ist noch nicht alles. Roman
Preis: EUR 9,99

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleinod deutscher Phantastik, 4. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
der deutsche Fantasy-Klassiker aus dem Jahr 1983 endlich als e-book ! Meine Printausgabe aus dem Erscheinungsjahr wirkt schon etwas betagt und zerlesen, nun also gibt es "Stein und Flöte" digital und damit "unkaputtbar".

Es handelt sich hier um einen Roman, der mich schon 30 Jahre lang begleitet. Im Abstand von einigen Jahren gerät mir dieses "Märchen" (wie der Autor es selbst bezeichnet) immer wieder in die Finger und ich versinke immer wieder aufs neue darin. Jedesmal meine ich, die Faszination müsse eigentlich einmal verfliegen und es würde sich sozusagen nur um "Jugenderinnerungen" handeln, weshalb ich das Werk so häufig gelesen habe wie wohl kein anderes. Die Faszination aber hält an, in jedem Alter und jeder Entwicklungsstufe...damit ist die Frage, ob der Roman denn als "Märchen" überhaupt für Erwachsene geeignet und mit Genuss lesbar ist, eigentlich schon von selbst beantwortet. Ich meine sogar, dass man zumindest ein etwas älterer Jugendlicher sein sollte, um den Roman vollends zu verstehen. Und das, obwohl es sich tatsächlich und unbestreitbar um ein "Märchen" im engeren Sinne handelt.

Was ist denn nun das Besondere an diesem Werk, dass es auch Erwachsene in seinen Bann ziehen und bis zur letzten Seite faszinieren kann ? Nun, es ist ein Buch, aus dem man eine Menge lernen kann, über das Leben an sich und über Menschen im Besonderen. Die Menschen vor allem mit ihren zahlreichen negativen Eigenschaften, alsda wären : Gier nach Geld, Macht, Rache, Vorurteile gegenüber Menschen, die "anders" sind, sinnlose Grausamkeit, Anpassertum, Egoismus...

Viele können nicht zuhören, wollen selber immer reden, möglichst laut, um damit ihre Meinung durchzusetzen. Lauscher, der junge Protagonist der Handlung, muss - obwohl ihm das "Zuhören-Können" in die Wiege gelegt ist (wie sein Name schon sagt) - alle diese negativen Aspekte des Lebens und seiner Mitmenschen durchleiden, bis er am Ende endlich die Ruhe in sich findet, die uns allen erstrebenswert sein sollte.

Es handelt sich also hier dem Genre nach um einen ganz typischen "Entwicklungsroman" im Gewand eines Märchens, intelligent, bildreich, poetisch und mit großer innerer Ruhe von einem Könner in Szene gesetzt.

Der Leser macht diese Entwicklung des jungen Lauscher am eigenen Leibe mit, kann wichtige Erkenntnisse für sein eigenes Leben aus dem Buch ziehen und findet aufgrund der Vielschichtigkeit bei jedem Lesedurchgang wieder etwas Neues in dem Werk.

Dieser Roman nimmt einen mit auf eine große Reise und schenkt einem während des Lesens selbst eine gute Portion innerer Ruhe und Ausgeglichenheit.

Somit ist das Werk für uns Heutige noch aktueller als es zu seiner Entstehungszeit bereits war, denn im Zeitalter des Smartphones und Tablets haben wir Zuhören, Einfühlen sowie der Genuss einer gewissen "Langsamkeit" mehr denn je verlernt.

Wer sich ein Stück Rückbesinnung wünscht, der lese dieses intelligente Märchen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 10, 2014 6:49 PM CET


Ninragon: Die standhafte Feste
Ninragon: Die standhafte Feste
Preis: EUR 4,99

23 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu viele Noten, lieber Mozart..., 30. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
als ich die zahlreichen überschwänglichen Rezensionen "erfahrener Fantasyleser" hier auf Amazon begeistert verschlungen hatte, lud ich mir in geradezu fiebrigem Zustand der Vorfreude gleich alle drei Teile des gewaltigen Epos von Horus W. Odenthal auf meinen Kindle. Genau das, was ich lesen will, dachte ich, eine zukünftige Perle auf meiner Liste von Lieblingsepen der Genrekönige wie Tad Williams, Stephen Donaldson, George.R.R. Martin, Joe Abercrombie, Markus Heitz etc. !

Nach vier freudlosen Lesetagen bin ich nun bei erst knapp 40 % des ersten Bandes gelandet und werde vom schon fast übermächtigen Verlangen beherrscht, die Lektüre aufzugeben...etwas, was ich noch wirklich selten in meinem langen Leben als hartgesottener Lesebegeisterter getan habe. Selbst den "Ulysses" von James Joyce - ein verquersprachliches literarisches "Monstrum" - habe ich zumindest bis zur Hälfte gelesen, was nicht viele von sich behaupten können ;-) Nur die Hoffnung, dass die von einigen Rezensenten in Aussicht gestellten Belohnungen am Ende der Wegstrecke noch warten mögen, lässt mich derzeit noch nicht völlig an der Lektüre verzweifeln.

Warum ist das so und warum maße ich mir an, eine Bewertung zu einem Buch abzugeben, das ich noch nicht einmal ganz gelesen habe ? Weil ich einige Leser mit empfindlichen Sprachsensoren, die sich durch die in diesem Forum verbreitete Begeisterung ebenso angesprochen fühlen könnten wie ich, vorab warnen möchte : für meinen persönlichen Geschmack ist der Schreibstil, dessen sich "Horus W. Odenthal" (was für ein Künstlername, geradezu "göttlich") in diesem Werk befleissigt, so gut wie unverdaulich. Ich empfinde die Lektüre dementsprechend als geradezu qualvoll und kann mich nur wundern, wie anderen Lesern hier das Wort "flüssig" in den Sinn kommen kann...eher als "zähflüssig" empfinde ich diesen sehr extravaganten, wortreich-blumigen Stil.

Ja, mir ist klar, dass der Autor beabsichtigt, die beiden Welten der barbarischen Menschen und der ätherischen Elfen möglichst deutlich auch in der Verwendung der sprachlichen Mittel voneinander abzugrenzen - aber was hier geschieht, finde ich weit überzogen : ist es wirklich erforderlich, die Elfen so agieren und sprechen zu lassen, dass deren Universum in öder Blässlichkeit und nebelhafter Rätselhaftigkeit verharrt ? Die Sprache, derer sich die "Barbaren" bedienen und in der sie charakterisiert werden, ist in scharfem Gegensatz hierzu fast völlig der Straßen-und Jugendsprache unserer heutigen Zeit abgelauscht, selbst vor modernen eingedeutschten Anglizismen wie "taff" schreckt der Autor nicht zurück. Spätestens hier streikt mein Sprachempfinden ganz gewaltig, diese pseudomoderne Ausdrucksweise passt einfach überhaupt nicht in die mittelalterliche Fantasywelt, die er erschaffen hat. Will man solche kulturellen Unterschiede auch sprachlich herausarbeiten, muss man sich eben eine angemessene "neue" Sprache für seine Protagonisten ausdenken (siehe Altmeister Tolkien) und nicht heutigen Gossenjargon zur Fantasysprache umwidmen.

Bei einigen Rezensenten ist auch zu lesen, man könne in die vom Autor äußerst "plastisch" und "bildhaft" geschilderte Welt des Romanes vollständig eintauchen. Ich kann die Leser, die hierzu in der Lage sind, nur bewundern, deren Konzentrationsfähigkeit muss enorm sein. Insbesondere in den Passagen, in denen die Befindlichkeiten und die wissenschaftlichen Zerstreuungen der Elfen geschildert werden, scheinen mir die sprachlichen Mittel ohne jeden erzählerischen Nährwert derart übertrieben und überzüchtet eingesetzt, dass man im Endeffekt am Ende eines Satzes schon vergessen hat, wie dieser eigentlich begonnen hat.

Hier schreibt jemand nach meinem Dafürhalten mit dem klar definierten Ziel und der Absicht, seinen Rezensenten genau diese Art von bewundernden Adjektiven wie "bildgewaltig" und "wortgewaltig" zu entlocken, die sich bei einem derart opulenten Schreibstil geradezu zwangsläufig aufdrängen. Die tatsächlich vorhandenen enormen sprachlichen Fähigkeiten scheinen mir eher zum Beweis der Tatsache eingesetzt zu sein, dass der Autor eben über "Wortgewalt" im Übermaß verfügt, als dass dies in irgend einer Weise werkdienlich wäre.

Dass Herr Odenthal schreiben kann, steht nämlich völlig außer Zweifel, manche Formulierungen sind tatsächlich sehr treffend gewählt und er verfügt über eine große Ausdrucksbreite. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Autor einfach zu viel beweisen will und dass er ohne weiteres in der Lage wäre, ein Buch zu schreiben, das mich - auch stilistisch gesehen - in Verzückung geraten ließe, wenn er sich etwas zurücknähme. Sehr, sehr schade, dass ich solche Probleme mit diesem Buch habe, von der relativen Neuartigkeit des Themas her intessiert mich das Werk an sich brennend und ich finde die Fantasywelt, die hier entsteht, auch durchaus faszinierend.

Wie sagte Kaiser Joseph II. doch zum jungen Genie Mozart : "Zu schön für unsere Ohren, lieber Mozart, und zu viele Noten"...ich sage entsprechend : "Zu genial für meinen Verstand, lieber Herr Odenthal, und zu viele Worte..."
Kommentar Kommentare (16) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 8, 2015 10:43 PM CET


Taberna Libraria: Die Magische Schriftrolle
Taberna Libraria: Die Magische Schriftrolle

45 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Völlig unangebrachter Hype um dieses Kinderbuch..., 16. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
am Musterbeispiel der "Taberna Libraria" kann der aufmerksame Leser von Renzensionen einiges darüber lernen, wie wenig hilfreich die Sternebewertungen von Büchern im Einzelfall sein können !

Vorweg : bei diesem Produkt zweier Jungautorinnen handelt es sich definitiv um ein Kinderbuch, das für etwas ältere Jugendliche und Erwachsene bereits völlig unbekömmliche Lesekost darstellt : ein schwacher Plot, ein bunter Flickenteppich von Fantasyelementen, die aus anderen Büchern zusammengeklaut sind, eine kindliche Sprache, flache, unglaubwürdige Charaktere, zahlreiche Schreibfehler...

Dennoch ist es eines der bestbewertetsten Bücher im Shop und deshalb auch eines der meistgekauften. Warum bloß ?

Zum einen, weil einem dieses "Werk" ständig ungefragt "unter die Nase gerieben" wird, wenn man irgendeine Suche eingibt, egal ob es thematisch zur Suche passt oder nicht. Es gibt also kaum einen im Shop stöbernden Leser, der nicht in Kürze auf dieses Buch stößt und an der "galaktischen" Bewertung eines strahlenden 5-Sternehimmels hängen bleibt.

Zum anderen, weil die Bewerbung des Buches leider "vergisst" zu erwähnen, dass sich dieses vom Anspruch her allerhöchstens an einen ganz jungen Leserkreis wendet.

Zum dritten, weil ebenso "vergessen" wird zu erwähnen, dass das Buch mittendrin abbricht und erst den ersten Band eines Mehrteilers darstellen soll.

Und vor allem deswegen, weil es den hoffnungsvollen Jungautorinnen offensichtlich gelungen ist, massive Unterstützung durch ganze Schulklassen von "wohlwollenden" Rezensensenten zu mobilisieren. Kein anderes Buch weist derartig viele "Kurzrezensionen" mit voller 5-Sterne-Bewertung auf, bei denen man sich fragt, ob das Werk überhaupt gelesen wurde: ständige Gemeinplätze wie "toll", "super", "ich warte sehnlichst auf die Fortsetzung" etc. geben keinerlei Einblick in den tatsächlichen Charakter des Buches.

Der völlig unangemessene Hype, der hier "gemacht" wird, ist sicher ganz nett für die Aufstockung des Taschengeldes der Autorinnen, führt aber dazu, dass sicherlich viele "ungeeignete" Leser (also die große Mehrzahl) das Buch gekauft und enttäuscht zur Seite gelegt haben.

So auch ich, der ich mich nur auf die überschwänglichen Bewertungen verlassen und die Lektüre aufgrund des Stils eines besseren Schulaufsatzes nach kurzer Zeit abgebrochen hatte.

Was lernen wir daraus : es bleibt einem an neuem, guten Lesefutter Interessiertem - insbesonder im Bereich der tückischen Untiefen der "selbstverlegten" Werke - ausschließlich selbst überlassen, sich eine eigene Meinung zu bilden, ob das Buch den eigenen Erwartungen und Ansprüchen gerecht werden kann oder nicht.

Ich werde zukünftig erst nach aufmerksamem Lesen der vorhandenen Rezensionen entscheiden, ob diese mir glaubwürdig erscheinen oder nicht. Der Stil des Verfassers und die Frage, ob es sich um einen "erfahrenen" Rezensenten handelt, geben zumindest gewisse Hinweise auf die Seriosität der Bewertungen. Der Rest ist immer eine Sache des eigenen Geschmacks, daher werde ich auch nie wieder ein e-book ohne vorherige Leseprobe kaufen !

NACHTRAG 11.12.2013 : Inzwischen hat sich das Buch ja aufgrund der guten Verkaufszahlen von einem selbstverlegten Werk zu einem Verlagswerk gemausert. Dadurch ist es zwar überarbeitet und korrekturgelesen worden, aber auch "teuer" geworden - ob sich damit die hohen Verkaufszahlen halten lassen, ist fraglich. Kaum hat der Verlag das Werk in die Hand bekommen, kommt das Ganze nochmal als "Serial" heraus und löst Ärger und Frust bei denen aus, die dachten, es handle sich hier um Folgebände...das ist so ein typischer Kommerzblödsinn, den die Autorinnen nun möglicherweise büssen müssen, obwohl das sicher nicht ihre eigene Idee war...ich wünsche den beiden Damen, mit denen ich in meiner Rezension (aus handwerklichen Gründen) auch nicht gerade wohlwollend umgegangen bin, nicht, dass die Geldgier des Verlages sich nun negativ auf die Akzeptanz ihres literarischen Outputs auswirkt und wünsche daher viel Glück mit dem (echten) zweiten Band, von dem zu hoffen bleibt, dass er gelungener ist als der erste ! An alle Frustschreiber : entscheidend für Sternevergabe sollte nur die literarische Qualität eines Buches sein, die Beutelschneiderei sollte nur dem Verlag angelastet werden.
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 24, 2013 8:58 PM MEST


Die schlafende Stadt
Die schlafende Stadt
Preis: EUR 7,95

16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniales Erstlingswerk, 16. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die schlafende Stadt (Kindle Edition)
Ein unbekannter Autor tritt in fortgeschrittenem Alter mit seinem Erstlingswerk hervor und wird von allen bisherigen Rezensenten mit vollen 5 Sternen ausgezeichnet ? Kann das wahr sein ? Leider kann man ja heute vielen Bewertungen nicht mehr trauen, weil gerade neu in Erscheinung tretende Schreiber häufig nur von wohlmeinenden Freunden hochgelobt oder aber von professionell schreibenden Auftragsrezensensenten niedergemacht werden...was bin ich froh, dass ich mich dennoch dazu hinreissen habe lassen, das Buch zu kaufen ! Selten habe ich, der ich ein anspruchsvoller Vielleser (ebenfalls fortgeschrittenen Alters) bin, eine derartige Faszination bei der Lektüre eines Buches empfunden !

Grundsätzlich hatte mich das Buch deshalb interessiert, weil es unter der Rubrik "Phantastik" geführt wird und ich gerne Bücher lese, die nicht unbedingt in der realen Gegenwartswelt angesiedelt sind. Sicher weist der Roman auch ein durchaus phantastisches Element auf, aber die Gattung, der man das Werk zuordnen könnte, ist letztlich nicht von Belang : Familienchronik, Entwicklungsroman, Fantasy, Lehrbuch der Psychologie ? Ein buntes Kaleidoskop aus all diesen Elementen ist dieser Roman, vor allem aber ist er ein unglaublich fesselndes, sprachlich begeisterndes Werk, das ein wahres Kopfkino auslöst und einen in der Tat nicht mehr loslässt und über die Zeit der Lektüre hinaus gedanklich weiter beschäftigt.

Hier hat einer aus der reichen Erfahrung seines Lebens und seiner beruflichen Tätigkeit als Psychologe heraus ein trotz der grundsätzlichen Düsterkeit des Grundthemas "Tod" rundum positiv stimmendes Werk geschaffen, das einem viel Kraft zum und Freude am Leben gibt. Mich persönlich hat auch gefreut, dass der Autor, der als wahrer Tausendsassa nebenbei auch noch Musiker ist, die Musik als Quelle innerer Zufriedenheit und Lebensfreude hoch achtet. Diese Erfahrung kann ich uneingeschränkt bestätigen.

Ganz leicht macht es der Roman seinem geneigten Leser übrigens nicht, da der Aufbau anfangs nur zahllose Fragen aufwirft und erst ganz langsam ein gewisses Verständnis dafür entwickelt werden kann, was man da eigentlich gerade liest. Damit entspricht der Aufbau eigentlich ganz und gar nicht dem, was ich grundsätzlich beim Einstieg in neue Bücher schätze : ohne weitschweifige Erklärungen mitten im Geschehen zu sein und die Strukturen der Romanwelt im Verlauf der Handlung sozusagen nebenbei beigebracht zu bekommen. Der Autor stellt nämlich anfangs verschiedene Geschichten aus dem Leben völlig unterschiedlicher Protagonisten einfach nebeneinander, wobei zudem reale Welt und Phantastik auch noch vermischt werden, so dass beim Leser erst einmal völlige Ratlosigkeit über Zusammenhänge, Struktur und Intention des Werkes herrscht. Normalerweise hätte ich aufgrund meiner eindeutigen Ansichten hinsichtlich eines gelungenen Romanaufbaus unter Umständen die Lektüre abgebrochen, aber was mich bei der Stange gehalten hat, war die unglaubliche literarische Qualität und sprachliche Anmut dieser zusammenhanglos scheinenden Geschichten. Hat man die Ebene der Ratlosigkeit einmal verlassen, erschließt sich einem immer mehr, wie genial der Roman tatsächlich aufgebaut ist - ein Rädchen greift mit einem Mal nahtlos ins andere, die ganze Geschichte wird stimmig und rund. Die fortschreitende Lektüre bietet dann immer mehr "Augenöffner", bis der Leser zum Finale hinein ein Eingeweihter in der Gedankenwelt des Autors ist und nach nächtelangem Lesen das Buch erschöpft, aber glücklich aus der Hand legt.

Ich freue mich sehr, dass Andreas Steiner, der laut seiner Biographie offenbar Allroundkünstler ist, zusätzlich zu seinen sonstigen Talenten nun (endlich) auch das Schreiben entdeckt hat und wünsche mir noch viele Werke in einer derart umwerfenden Qualität von ihm. Dieses Buch wird - wenn die Wege des heutigen Literaturbetriebes noch einigermaßen gerecht verlaufen - eines Tages als zeitloser Klassiker betrachtet werden müssen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 14, 2013 2:26 PM MEST


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