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Rezensionen verfasst von
Franz Meier

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Lübecker Blut: Kriminalroman
Lübecker Blut: Kriminalroman
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Originelles neues Ermittlerpärchen in Lübeck, 19. März 2015
Kurt Eider befindet sich auf dem Abstellgleis. Nach 34 Dienstjahren als Kriminalkommissar fristet er sein Dasein in einer Behelfsbaracke. Sein ehrgeiziger ehemaliger Mitarbeiter Goran Pilz ist an ihm vorbeigezogen, hat ihn als Dienststellenleiter ersetzt und zum Nichtstun im behelfsmäßigen Nebengebäude verdammt. Da bringt eine bisher unbekannte Enkelin Abwechslungnin den tristen Alltag. Doch kaum ist sie in Lübeck angekommen stecken die beiden mitten in einem Mordfall. Die Kanadierin Jette Eiden muß mit ansehen, wie die Lübecker Bahnhofsbuchhändlerin erschossen wird. Gemeinsam mit ihrem deutschen Großvater nimmt sie gegen alle Widerstände die Ermittlungen auf. Jette und Kurt sind ein sehr unterhaltsames, mitunter verschroben skurriles Duo, das sich gut ergänzt. Eine asolute lLeseempfehlung und man kann nur hoffen, dass dies nichtnihr letzter Fall bleibt.


Frauenmahd: Kriminalroman (Garmisch-Krimis 4)
Frauenmahd: Kriminalroman (Garmisch-Krimis 4)
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie kommt die Haschischplantage ins Bestattungsinstitut Kupfer?, 19. März 2015
Na endlich. Als Hartingerfan kann man aufatmen: Gonzo ermittelt wieder. Weisshaupt, Dotti und natürlich Dorf (Sorry liebe Garmischer, Verzeiehung Partenkirchener, also: Garmischpartenkirchener, wobei: die gibts ja garnicht, wie wir von Hartinger und seinem Schöpfer Ritter wissen) also: Dorf-Polizist Bernbacher sind auch wieder mit von der Partie. Einen liebgewonnenen Protagonisten (welchen, das wird hier nicht verratet), opfert Ritter in seinem furiosen Finale. Bis dahin aber hat Hartinger manche Prüfung zu bestehen, immer auf der Flucht wahlweise vor der Mutter seines Sohnes, Gesetzeshütern oder Gesetzesbrechern. Lokalkolorit satt, aber eben nicht krachledern dumpf; (Lokal-)Politik gepaart mit Größenwahn zum schmunzeln und herzhaften Lachen: kurz: ein echter Hartinger, der seinem Allgäuer Kollegen in nichts nachsteht.


Als der Dackel aus dem Gemälde verschwand
Als der Dackel aus dem Gemälde verschwand
von Manuela von Perfall
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Picassos Dackel und Dürers Hase auf Abwegen, 19. März 2015
Ein ungewöhnliches Ermittlerpärchen hat hier einen ebenso ungewöhnlichen Kriminalfall zu lösen: Nasti, der edle Rassehund der Familie des Museumsdirektors und Straßenköter Zack machen sich auf die Suche nach verschwundenen Tieren. Verschwunden sind sie nicht aus dem Zoo, Tierpark oder dem Wald, sondern aus Bildern. Naselitz Adler fehlt ebenso wie Dürers Hase, Velasquez Pferd fehlte der Reiter, Max Beckmanns Frau Quappi der Papagei und nichtbzuletzt Picassos berühmter Dackel Lump. Unterstützt von Max, dem Sohn des Museumsdirektors machen sich die beiden vierbeinigen Ermittler auf die Suche. Mehr wird nicht verraten, denn es ist ein wundervolles Kinderbuch sowohl zum Vorlesen, bei dem man selbst etwas lernt, als auch eins, dass die Kinder Dank der großen Schrift gern selbst lesen. Bildungsbeflissene Eltern oder Patentanten werden besonders glücklich darüber sein, dass der Verlag auf Farbtafeln in der Mitte des Buches auch die Originalwerke, aus denen die Tiere entsprungen sind zeigt. Deshalb fünf Sterne für ein ebenso spannendes, wie unterhaltsames Buch, das noch dazu der Bildung dient. Denn ganz erhrlich, wer erinnert sich noch genau an Marc Chagalls grünen Esel oder weiß spontan, wie Salvador Dalis Elefant mit Giraffenbeinen aussieht.


Was ich noch sagen wollte
Was ich noch sagen wollte
von Helmut Schmidt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

9 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vertane Chance und große Enttäuschung - Schweigen zur eigenen Wehrmachtsvergangenheit, 19. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Was ich noch sagen wollte (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist eine vertane Chance – und damit eine Frechheit gegenüber dem Käufer – und dem enttäuschten Leser. Wie substanzlose es ist, das hätte man sich schon denken können, als die einzige groß in der Presse rund ums Erscheinen gehypte „Neuigkeit“ Schmidts Verhältnis zu einer anderen Frau war. So what? Inklusive des Namens dieser langjährigen Geliebten wusste das in Hamburg und Bonn jeder, der es wissen wollte.
War es wirklich das, was Helmut Schmidt noch sagen wollte? Oder suchten da der Verlag – und sein Agent Thomas Karlauf nach einer (letzten?) Möglichkeit, noch einmal Kasse zu machen mit oder soll man besser sagen auf Kosten des Alt-Kanzlers. Als das Buch angekündigt wurde und parallel dazu eine profunde aus den Quellen gearbeitete Studie der Bremer Historikerin und Publizistin, Dr Sabine Pamperrien Helmut Schmidt und der Scheißkrieg: Die Biografie 1918 bis 1945 erschien konnte man hoffen, nein, musste man erwarten, dass Helmut Schmidt zu den in diesem Buch aufgeworfenen Fragen Stellung nimmt. Doch dazu kein Wort. Selbst das – nach Pamperriens Recherchen – falsche Geburtsdatum seines Großvaters wird hier wieder genannt (aus früheren eigenen Werken abgeschrieben?).
Schade, sehr schade: dies Buch hätte ein Vermächtnis werden können, auch und gerade dazu, wie man mit der eigenen – nicht immer einfachen und nicht immer widerspruchsfreien - Vergangenheit umgeht. Doch dazu war Helmut Schmidt wohl leider entweder selbst zum Ende seines Lebens nicht bereit (anders als der Titel das suggeriert), oder schlicht nicht mehr in der Lage. Deshalb: Dies Buch ist eine vertane Chance und eine große Enttäuschung.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 29, 2015 12:19 PM MEST


Helmut Schmidt und der Scheißkrieg: Die Biografie 1918 bis 1945
Helmut Schmidt und der Scheißkrieg: Die Biografie 1918 bis 1945
von Sabine Pamperrien
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein interessantes – und ein notwendiges Buch – gelobt von ZEIT und FAZ, 19. Dezember 2014
Da hier zum einen bislang Rezensionen von jemandem stehen, der es nicht gelesen hat und zum andern von jemandem, der aus seinen klaren ideologischen Vorurteilen keinen Hehl macht nun doch der Versuch, einer etwas faireren Betrachtung. Denn wie Michael Wolffsohn als Rezensent in der FAZ feststellt: „Die Autorin hat nach den Regeln der Historikerzunft geforscht, geprüft und geschrieben. Ihre Methode ist ebenso einfach wie überzeugend und angemessen.“

Der Autorin wird in anderen Besprechungen vorgeworfen, sie verunglimpfe den Alt-Kanzler als Nazi. Das ist Quatsch. Denn genau diese plump verkürzende boulevardeske Verkürzung ist eben nicht ihr Ding. Sie beschreibt in ihrer Biographie über den jungen Helmut Schmidt vielmehr sehr differenziert seine Herkunft, sein Elternhaus, seien Erziehung auf der Hamburger Lichtwarkschule. Und sie rekonstruiert dann akribisch seinen Werdegang in der Nazi-Zeit, vom frühen (und freiwilligen) Eintritt in die HJ über seine Karriere als Soldat bis hin zu seiner Teilnahme als Beobachter am Prozess gegen die Widerstandskämpfer des 20. Juli. Sie tut dies – nach allen Regeln der Historikerzunft (wie ihr übrigens auch der Rezensent in der ZEIT bescheinigt, deren Mit-Herausgeber Helmut Schmidt ja immer noch ist).

Sie wertet dafür erstmals akribisch seine Wehrmachtsakte aus und zitiert dabei Stellen, die sein früherer Biograph Hartmut Söll entweder übersehen oder ignoriert hat. Sie hat mit Zeitzeugen gesprochen und macht plausibel, was Helmut Schmidt während seiner Zeit als Soldat im Belagerungsring um Leningrad, das ausgehungert werden sollte eigentlich gesehen, erlebt und mitbekommen haben muß. All das macht ihn weder zum in der Wolle gefärbten Nazi noch zum Kriegsverbrecher – und genau das unterstellt ihm auch die Autorin nicht, anders als überwollende Rezensenten ihr es unterstellen. Aber was doch erstaunt ist sein späterer Umgang mit diesem Teil der Geschichte und seiner Biographie, an denen die Autorin das von ihr rekonstruierte geschehen immer wieder spiegelt.

Dass Helmut Schmidt der Autorin den Zugang zu diesen Akten gewährt – und dafür einer Verkürzung der Schutzfristen zugestimmt hat mag aber – Achtung nun kommt eine Spekulation meinerseits – auch durchaus damit zusammenhängen, dass er sich (im Gegensatz zu Teilen seiner Umgebung) weder für unsterblich noch für unfehlbar hält. – Und das dies für ihn durchaus ein Weg sein mag, mit diesem Teil seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen (was er im Kriegsgefangenenlager schon begonnen hatte).

In diesem Sinne ist das Werk von Sabine Pamperrien ein wichtiger Baustein zu einem umfassenden Bild des Alt-Kanzler und auch ein Teil des Mosaikes aus dem sich das Bild seiner Generation ergibt, zu der auch andere prägende Figuren der Bundesrepublik wie Franz Josef Strauss gehören. Dafür sollte man der Autorin dankbar sein und nicht versuchen, ihre sehr akribisch und behutsam gewonnenen Erkenntnisse zu diffamieren.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 23, 2014 10:59 PM CET


Little Britain: Notizen von der Insel
Little Britain: Notizen von der Insel
von Christian Zaschke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amüsanter Lesegenuß in kleinen Portionen, 16. Oktober 2014
Christian Zaschke ist seit einigen Jahren Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in London. In diesem Büchlein zeigt er sich einmal mehr als Meister der kleinen Form (wie schon in seinen gemeinsam mit Eduard Augustin und Phillip von Keisenberg verfassten Bestsellern: "Fußball Unser" und "Ein Mann ein Buch"). Es versammelt die Kolumnen, die er in den vergangnen Jahren unter diesem Titel für die SZ schrieb. Für Liebhaber ein Genuß, sie nocheinmal nachlesen zu können, für Neulinge eine Entdeckung. Feine Ironie und Sprachwitz gepaart mit einem neugierigen Blick aufs Alltägliche lassen den Leser eintauchen in ein Zaschkesches Panoptikum und ihn miterleben, wie er London kennen- und liebenlernt.
Es gibt unzählige London-Bücher und noch mehr, die "den Deutschen" "die Briten" erklären. Dies hier zählt zweifellos zu den unterhaltsamsten.


Brasil 2014. Die Weltmeisterschaft. Das Buch.
Brasil 2014. Die Weltmeisterschaft. Das Buch.
von Klaus Hoeltzenbein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fünf Sterne Buch zum 4. Stern, 31. Juli 2014
Dies Werk ist keines der üblichen Turiner-Rückblicksbücher. Das ist es auch, aber es ist noch viel mehr. Es ist auch ein Brasilienbuch - und ein Buch über die Highlights früherer Weltmeisterschaften. Man blättert, man liest, man liest sich fest, man liest vor. Man lässt das Buch auf dem Ess- oder Wohnzimmertisch herumliegen: die Kinder blättern, lesen, lesen sich fest, lesen sich gegenseitig vor und diskutieren, ob es von dieser oder jener Szene nicht noch ein besseres Bild gegeben hätte.
Der besten Sportredaktion Deutschlands ist hier mal wieder ein Meisterwerk gelungen. Ich habe es schon 3x verschenkt (beim Buchhändler des Vertrauens gibts Exemplare - v.a. Aber kann man es als Abonnent der SZ in deren shop günstiger erwerben), werde das - auch zu Weihnachten - sicher noch ein paarmal tun und kann es nur jedem - zur eigenen Erinnerung, aber auch als Geschenk - wärmstens empfehlen.


Widerstand und Auswärtiges Amt: Diplomaten gegen Hitler
Widerstand und Auswärtiges Amt: Diplomaten gegen Hitler
von Jan Erik Schulte
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein notwendiges und differenzierendes Buch, 26. November 2013
Ein kluges, ein differenziertes und differenzierendes, vor allem auch ein notwendiges Buch. Es zeigt an ein paar interessanten Beispielen – auch (und das ist besonders verdienstvoll) aus verschiedenen Hierarchieebenen, dass, wo und wie im Auswärtigen Amt Widerstand gegen die NS-Diktatur geleistet wurde. Und es tut dies, ohne auch nur in Ansätzen den Eindruck zu erwecken, das AA sei ein Hort des Widerstandes gewesen. – Das war es nicht – und der professionelle Hauptcharakterzug der Diplomaten ist und bleibt der Opportunismus.

Aber: das AA war eben auch keine Verbrecherhöhle, wie der miserable Band Das Amt und die Vergangenheit: Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik 2010 behauptete. Das vorliegende Buch ist in Teilen auch als Antwort auf diesen Kommissionsbericht zu sehen. Es rückt zurecht, zeichnet individuelle Biographien und Schicksale dort, wo „Das Amt“ pauschaliert und mit plumper, überholt geglaubter Kollektivschuld argumentiert. Dies ist also sozusagen das eine Antwortbuch. Dass es hier lediglich 4 Sterne erhält liegt daran, dass –wie immer in Sammelbänden – manche Autoren besser schreiben können als andere. Manche tun das eben ziemlich hölzern. Ein weiteres, mindestens ebenso spannen „Gegenbuch“ Diplomatenjagd: Joschka Fischer, seine Unabhängige Kommission und Das AMT hat übrigens gerade Daniel Koerfer vorgelegt – durchweg spannend und lesbar geschrieben, wie bei diesem Autor seit seinem Buch über Adenauer und Erhard nicht anders zu erwarten.

Insgesamt wird mit diesen beiden Büchern die Diskussion über die Geschichte des AA und seiner Diplomaten wieder fundierter und wissenschaftlicher, als das seit dem in erster Linie geschichtspolitisch motivierten Werk „Das Amt“ der Fall gewesen war. Es ist zu hoffen, dass dazu auch der demnächst erscheinende Band Das Auswärtige Amt und seine umstrittene Vergangenheit: Eine deutsche Debatte beiträgt, der die wichtigsten Beiträge aus der Diskussion seit 2010 versammelt.


Das Amt und die Vergangenheit: Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik
Das Amt und die Vergangenheit: Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik
von Eckart Conze
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,95

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Subventionierte Fleißarbeit mit vielen Schwächen, 21. November 2013
Was für eine vertane Chance. – Da bekommt eine vielköpfige Historikerkommission Millionen an Steuergeldern, um sich über Jahre mit der Geschichte des Auswärtigen Amtes zu beschäftigen und dann kommt ein derartig dürftiges Ergebnis heraus. Zunächst: das Buch ist schlicht schwer lesbar, um nicht zu sagen schlecht geschrieben. Trotz des sehr erfahrenen Lektors Thomas Karlauf merkt man, dass hier nicht nur die vier auf dem Cover genannten Herausgeber, sondern noch mindestens ein weiteres Dutzend Autoren am Werk waren .Herausgekommen ist keine Geschichtserzählung, sondern ein hölzern bürokratischer Text.

Zum zweiten sind die Kernthesen des Buches fragwürdig: zum einen wird behauptet, das AA und seine Diplomaten seinen zentral verantwortlich gewesen für den Mord an den Europäischen Juden. Zum zweiten wird dem AA nach 1945 personelle Kontinuität mit der braunen Vergangenheit vorgeworfen. Zum beiden Kernthesen – und vielen Details der historischen Analyse gab es massive Kritik. Am prägnantesten zusammengefasst hat diese der Berliner Geschichtsprofessor Daniel Koerfer in seinem sehr lesenswerten (und gut lesbaren!)jüngsten Werk Diplomatenjagd: Joschka Fischer, seine Unabhängige Kommission und Das AMT.

Und schließlich ist der Titel Etikettenschwindel. "DAS AMT" ist eben gerade KEINE umfassende Geschichte des Auswärtigen Amtes und seiner Diplomaten in der Nazi-Zeit und der Bundesrepublik, sondern beschränkt sich ausschließlich auf die Verstrickung des AA in den Völkermord an den Juden – sowie personelle Kontinuitäten nach 1945. Die historische Forschung ist sich inzwischen einig: ein Buch mit vielen Schwächen und falschen Kernthesen. Den zweiten Stern vergebe ich hier nur, weil es doch eine Fleißarbeit mit einigen durchaus interessanten Details ist - die man allerdings in der Wortwüste suchen muss wie das sprichwörtliche Sandkorn.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 26, 2014 10:10 AM CET


Diplomatenjagd: Joschka Fischer, seine Unabhängige Kommission und Das AMT
Diplomatenjagd: Joschka Fischer, seine Unabhängige Kommission und Das AMT
von Daniel Koerfer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend wie ein historischer Krimi, 20. November 2013
Das Buch liest sich über weite Strecken wie ein Krimi. Der Berliner Geschichts-Professor (Freie Universität) Daniel Koerfer (bekannt geworden Ende der Achtziger Jahre mit seiner Studie „Kampf ums Kanzleramt. Erhard und Adenauer“) erzählt die Geschichte, wie der damalige Außenminister Joschka Fischer eine Historiker-Kommission einsetzte, die die Geschichte des Auswärtigen Amtes in der Nazizeit erforschen sollte .Diese Kommission hat, so zeigt Koerfer eindrucksvoll an vielen Beispielen, schlampig gearbeitet, Quellen falsch interpretiert und auch für die Zeit nach 1945 die falsche These aufgestellt, nämlich behauptet, dass die alten braunen Seilschaften für massive Personelle Kontinuität gesorgt haben, statt die richtige Frage zu stellen, warum den aus den ehemaligen Pgs, den Mitläufern und ja, auch den Schreibtischtätern nach 1945/49/52 dann loyale Beamte der neuen Bundesrepublik wurden und halfen, diese zu einer stabilen Demokratie – fest verankert im westlichen Bündnis zu machen. Thomas Schmid hat dazu in einer sehr ausführlichen Besprechung des Buches in der WELT das Notwendige gesagt (den link kann ich hier leider wegen amazons Rezensionsrichtlinien nicht angeben - man kann ihn aber leicht googeln).

Wer Koerfer gelesen hat, der fragt sich, wie der damalige (und inzwischen bald ehemalige) Außenminister Westerwelle, als ihm der Kommissionsbericht Ende 2010 überreicht wurde, verfügen konnte, derselbe solle künftig zum Pflichtprogramm der Ausbildung von Nachwuchsdiplomaten gehören. Sollte das tatsächlich noch immer der Fall sein, so muss Koerfers Studie künftig komplementär dazugehören. Schon um die künftigen Diplomaten zum selbständigen Denken zu erziehen.

Ja, im Auswärtigen Amt gab es Nazis. Es gab viele Mitläufer (nicht wirklich überraschend, ist doch Opportunismus eines der hervorstechendsten Charaktermerkmale vieler Diplomaten)– und eine Handvoll Täter. Aber: das Auswärtige Amt war – anders als Fischers Kommission es behauptet – eben nicht eine – oder gar DIE Schaltzentrale der Planung und Durchführung des Völkermordes an den europäischen Juden.

Daniel Koerfers Buch zeigt, wie eine wirklich solide gearbeitet – und hervorragend lesbare - Studie über das Auswärtige Amt in der Nazizeit und nach 1945 hätte aussehen müssen. Seine historischen Fallstudien über Ernst von Weizsäcker ,aber auch über die deutsch-sowjetische Beutepartnerschaft zwischen 1939 und 1941 sind kleine Meisterwerke. Nicht nur für Geschichtsstudenten eines der eindrucksvollsten Details bildet Koerfers kritische Auseinandersetzung mit einem – angeblichen Schlüsseldokument, das den meisten deutschen Medien 2010 als schlagender „Beweis“ dafür diente, wie tief das AA in den Völkermord verstrickt war. „Liquidation von Juden“ stand da als Reisezweck auf der Reisekostenabrechnung von Franz Rademacher. – Ein schlagender Beweis, dass es „alle gewusst haben“? – Wohl kaum, wie Koerfer in seinem Kapitel über „Deutsche Funktionseliten im Allgemeinen und Franz Rademachers Reise nach Belgrad 1941 im besonderen“ (S.379-418) eindrucksvoll zeigt – inklusive der Abbildung von Dienstreiseantrag (S. 401) und Reisekostenabrechnung (S. 402/403). – Noch mehr wird hier nicht verraten. Das muss man selbst lesen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 20, 2013 4:12 PM CET


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