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Rezensionen verfasst von
Hans-Georg Seidel "opera" (Düsseldorf)
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Paisiello, Giovanni - Nina
Paisiello, Giovanni - Nina
DVD ~ Cecilia Bartoli

5.0 von 5 Sternen Vergessener Komponist wieder zum Leben erweckt mit Bartoli Paraderolle - dem jungen Jonas Kaufmann am Anfang seiner Karriere, 23. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Paisiello, Giovanni - Nina (DVD)
Vordergründig eher ein sentimentales "Rührstück", rezeptionsgeschichtlich der Beginn sich in der Oper sowie gesellschaftlich mit dem Phänomen "Wahnsinn" differenzierter auseinanderzusetzen. Die Oper wurde somit zum Vorbild für Bellinis und Donizettis spätere "Wahnsinnsszenarien" in ihren Opern. Heute würde man von depressiver Verstimmung sprechen, die die zentrale Hauptfigur durch den Zwang äußeren Umstände, gegen ihren eigentlich Willen, als eine Art Schutzfunktion, aufbaute. Kompensation einer emotional unerträglichen Situation.
Zur Aufführung kam die zweite Fassung unter u.a. Hinzufügung einer Mozart Konzertarie, eine gängige Praxis im 18. Jahrhundert. In früherer Jahrhunderten war es ohnehin nicht weit her mit dem Verpflichtetsein auf eine originale Version, wie das heute von der Tradition in Verkennung der realen Gegebenheiten der Rezeptionsgeschichte der Oper angemahnt wird. Heute geht man mit den Werken wesentlich "sorgfältiger" um, als früher. Hat in der Regel wesentlich mehr Quellen, um die Originalversion, wenn es sie denn so gibt, durch viele Veränderungen der Werke in der Zeit, zu rekonstruieren. Letztlich steht vor einer Aufführung immer die Sichtung der Quellen und damit zwangläufig schon Interpretation, bevor eine Fassung von oft vielen eines Werkes, überhaupt auf die Bühne kommt.

Paisiello schrieb an die 100 Opern, ist heute aus dem Opernbetrieb so gut wie verschwunden.

Das Werk ist mit gesprochenen Dialogen umgesetzt, um die Charaktere besser abzugrenzen, die in gesungenen Rezitativen eher verflacht wären. Schauspielerisch und sängerisch insgesamt hervorragend umgesetzt.

Cecilia Bartoli als Nina, brillant wie immer. Eine Rolle, die ihr auf den Leib geschrieben ist. Auch schauspielerisch hervorragend.
Jonas Kaufmann als Lindoro, satter, "voller" Tenor.
Laszlo Polgar als Conte überzeugend.
Juliette Galstian als Susanna.

Orchestral farbstark umgesetzt. Sehr schöner Paisiello Klang, wenn die Qualität der Abhöranlage, das hergibt.

Eine Dokumentation über Paisiello als "Special" ist enthalten.

Insgesamt eine hervorragende Züricher Produktion aus dem Jahre 2002.


GLUCK: Orfeo Ed Euridice (Baroque Theatre of Ceský Krumlov Castle, 2013) [Blu-ray]
GLUCK: Orfeo Ed Euridice (Baroque Theatre of Ceský Krumlov Castle, 2013) [Blu-ray]
DVD ~ Bejun Mehta
Preis: EUR 35,79

5.0 von 5 Sternen Opern - Verfilmung im Barocktheater Cesky Krumlov der re-kontruktiven Art - Gluck auf höchstem Niveau, 22. Juli 2014
Die Opernverfilmung im Barocktheater von Cesky Krumlov setzt auf eine spezielle, auf die Kernsubstanz fokussierte Fassung, die die menschliche Interaktion zwischen den Handelnden in den Mittelpunkt rückt. Damit entspricht sie auch der Grundintention des Opernneuerers Gluck, der menschliche Charaktere, Gefühle, Schicksale etc. für die Oper zum Bühnenleben erweckte.

Die Besetzung des Orfeo mit einem Countertenor wie Bejun Metha ist der Versuch die Ursprungsintention mit einer Kastratenbesetzung nachzuvollziehen.
Metha interpretiert mit einem schlank "lyrischen" Counter, der eher monochromeren Art, der aber bei entsprechender Affinität, durch beseeltes Singen, Begeisterung entfachen kann.
Eva Liebau mit lyrisch schlankem Sopran als Euridice.
Regula Mühlemann als Amor.

Orchestral und vokal in barocker Anordnung der Agierenden, im gleichen Gestus und mit der entsprechenden Timbrierung barocker Instrumente. Dazu die teils tänzerische "Begleitung" der Handlung.

Insgesamt eben re-konstruktives Barock-Film-Theater auf höchstem Niveau, das aber die Affinität für Counter-Tenöre in der Schlüsselrolle voraussetzt.
Meine Wertung bezieht sich auf das gesamte filmische Konzept und dessen Umsetzung. Opern-Verfilmungen haben stets einen eigenen Charakter und können nicht mit Bühnenumsetzungen von Werken verglichen werden, weil die anderen Gesetzen optischer und akustischer Art gehorchen.
An dieser Stelle sei für Interessenten auch noch auf eine Scarlatti Oper verwiesen, die in Cesky Krumlov aufgeführt und auf DVD veröffentlicht wurde. (siehe Rezension)


Berg - Lulu
Berg - Lulu
DVD ~ Laura Aikin
Preis: EUR 32,74

5.0 von 5 Sternen Idealverkörperung der Lulu durch Laura Aikin in brillanter Inszenierung - Zürich 2002 -, 15. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Berg - Lulu (DVD)
Zur Aufführung kommt die nicht vollendete Torso - Fassung der Lulu. Die Entscheidung, die später durch Cerha und Kloke, jeweils mit unterschiedlichen Fassungen vollendete Oper, so zu präsentieren, ist eine künstlerische Entscheidung, da die Auffassung vertreten wurde, dieses unvollendete Konzept sei trotzdem von künstlerisch überzeugender "Geschlossenheit" .

Sven-Eric Bechtholf`'s Bühnenkonzept präsentiert eine metaphorischen Bildsprache mit assoziativen Doppelungen figuraler Art. Lulu als regungsloses Lustobjekt, als Altar, als pures Fleisch, gedoppelter Lulu auch als Kind, um vermuteten, kindlichen Missbrauch durch Dr. Schön zu verdeutlichen.
Bergs Faszination für den Stummfilm und aufkommenden Tonfilm seiner Zeit wird durch Filmsequenzen verdeutlich, die eingeblendet werden.
Singschauspielerisch auf ganzer Ensembleebene herausragend.

Laura Aikin als Lulu, optisch die Idealbesetzung, sängerisch technisch exzellent, sie singt die schwierige Tessitura, sie schreit nicht, sie deklamiert nicht.
Die übrigen Singdarsteller wie Peter Straka als Alwa, Alfred Muff als Dr. Schön, Guido Götzen als Schigolch, Cornelia Kallisch als Gräfin Geschwitz, Steve Davislim als Maler überzeugend mit gelegentlichen Abstrichen, die aber mehr der Geschmacksebene zuzuordnen sind.

Franz Welser Möst dirigiert einen durchstrukturierten, eher "kühlen" Klangkosmos.

Für den, der sich erstmals mit einem tonal so schwierigen Werk befassen möchte, ist diese Aufführung sicherlich ideal. Ohnehin ist diese Form der Musik nur relativ wenigen zugänglich. Sie verlangt in der Regel Kenntnisse der Kompositionsgeschichte, warum, wieso wird "modern" so und nicht anders komponiert. Diese Art von Musik stößt in der Regel auf Unverständnis und teils heftige emotionale Ablehnung. Persönlich würde ich mich zur Zeit so positionieren, dass ich an deren Verständnis arbeite, aber die großartige Leistung in dieser Aufführung würdige, deshalb - 5 - Sterne.


Verdi, Giuseppe - Aida [2 DVDs]
Verdi, Giuseppe - Aida [2 DVDs]
DVD ~ Kazushi Ono
Wird angeboten von RAREWAVES USA
Preis: EUR 24,97

4.0 von 5 Sternen Typische stilisiert archaisch minimalistische Wilson Inszenierung wie ein Bühnenritual mit guten sängerischen Leistungen, 10. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verdi, Giuseppe - Aida [2 DVDs] (DVD)
Wilson Inszenierungen stehen immer für eine Form der fast schon ritualisierten, minimalistischen Bühnendarstellung, atmosphärisch durch Licht gestaltete Bühnenlandschaften interpretierender Art bestimmen die Optik, eine Art meditative Bühnensprache, wie auch bei dieser Aida.
Die Personenregie im eigentlichen Sinne findet nicht statt, dafür eine gestisch aufgeladene Körpersprache, die Handelnden werden als eine Art Charakterspezies in Archetypenform nach C.G. Jung umgesetzt. C.G. Jung entwickelte, vereinfacht ausgedrückt, eine Theorie, in der er typisch menschliche Handlungsmuster und Charakterspezies als immer wiederkehrend definierte, als Grundpfeiler menschlicher Interaktion, als evolutionsimmanent, nur überformt durch den jeweiligen Zeitgeist, die Epoche in der jemand sozialisiert wurde.

Diese Art der Inszenierung schafft atmosphärisch starke Bilder, wird von Befürwortern gefeiert, während andere mit dieser Bildsprache nichts anfangen können, sie als monoton und nicht lebensnah erleben. Für die Aida passt der Stil von Wilson, er schafft eine rituelle Dimension des Werkes.

Rein sängerisch ist ein solider Marco Berti als Radames auf der Bühne. Sein Tenor hat nicht die charismatische Aura von anderen, großen Radames Interpreten.
Norma Fantini als Aida, hervorragender, höhensicherer Sopran mit Ausstrahlung.
Ebenso überzeugend Ildiko Komlosi mit ihrem Mezzo als Amneris.
Amonasro ist Marc Doss, solide.
Ramfis ist Orlin Anastassov,

Kazushi Ono dirigiert.

Insgesamt eine Aufführung, die für den speziellen Wilson Inszenierungsfreund ideal ist. Wer allerdings Konzepte mit schauspielerisch bekannter Interaktion vorzieht, wird mit diesem Wilson Konzept nicht so glücklich werden. Die Aufnahme ist stark höhenpräsent aufgenommen(DVD). Abgehört über Studioequipment).


Pergolesi: L'Olimpiade [2 DVDs]
Pergolesi: L'Olimpiade [2 DVDs]
DVD ~ Raul Giménez
Preis: EUR 40,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartige Gesangsvirtuosen - Oper in wundervoller Orchestrierung und hervorragenden Solisten, 9. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Pergolesi: L'Olimpiade [2 DVDs] (DVD)
Pergolesi Festival 2011 in Jesu. Zur Aufführung kommt diese Oper, die Gesangsvirtuosität in den Fokus rückt, in einer optisch ausgefallenen Konzeption. Eine kreuzförmige Plattform umgeben vom Publikum, das Orchester hinter und teils über der Bühne. Das schafft Hautnähe und unmittelbar ankoppelnde interaktionistische Präsenz.
Dazu die wundervolle Orchestrierung der Oper, in einem ungemein klangfarblich überzeugenden Ton. Bitte über gute Anlagen hören, sonst verflacht das natürlich, die Farben werden eingeebnet. Von bestimmten Barockopern sind nie Orchestrierungen durch den Komponisten vorgenommen worden. Insofern bietet sich viel kreativer Spielraum gerade auch wie hier auf historischen Instrumenten, mit einer klangfarblich interessanten Instrumentierung.

Die Zeit der altgriechischen Olympiade bietet den historischen Hintergrund dieses komplex verknüpften Beziehungsgeflechts. Zwiespalt zwischen Liebe und Freundschaft wird fokussiert. Verantwortung und Leidenschaft in aller Ambivalenz des praktischen Beziehungslebens.
Das Werk war anfangs erfolglos, überlebte nur in Fragmenten und Bearbeitungen. Kernproblem war es geeignete Interpreten und Aufführungsbedingungen zu schaffen. Insofern ist dieses Werk auch eine herausragende Rekonstruktion auf der Basis wissenschaftlicher Fakten. Das zeigt aber um so mehr, dass erst in heutiger Zeit die Rahmenbedingungen stimmen, die Interpreten von herausragenden Klasse vorhanden sind, dieses Kunstwerk angemessen umzusetzen, ein späte Verneigung vor dem Genius Pergolesi. Das gilt generell für viele Werke des Barock, die in den letzten ca. 15 Jahren durch grandiose Aufführungen wieder in den Fokus des Interesses gerückt worden sind. (z.B. Cavalli, Rameau, Lully - siehe Rezensionen)

Sängerisch ein Traum von der gesamten Besetzung. Deshalb seien nur genannt:
Lyubov Petrova als Aristea,
Yetzabel Arias Fernandez als Argene,
Jennifer Rivera als Licida,
Sofia Solovly als Megacle.

Helle, lyrische Koloratursoprane und ein Mezzo bestimmen das klangfarbliche Gesangsbild. Lange Koloraturarien zentrieren das Werk. Eher im getragenen Gestus zu singen, also kein Stakkato - Koloratur-Feuerwerk wie bei Vivaldi und teils Bartoli z.B. .

Alessandro De Marchi dirigiert Academia Monfis Regalis, die ein begeisterndes, klangfarblich brillantes Spiel zeigen. Einfach große Klasse.

Insgesamt ein musikalisches Kleinod, eine begeisternde Kostbarkeit in atmosphärisch wundervoller Musik. Zurücklehnen und genießen gilt für den, der eine Affinität für diese Art der Oper hat.


Richard Strauss - Die Liebe der Danae [2 DVDs]
Richard Strauss - Die Liebe der Danae [2 DVDs]
DVD ~ Manuela Uhl
Preis: EUR 38,99

4.0 von 5 Sternen "Tondichtung - Klangfarbenrausch" - Oper in brillanter Inszenierung - Deutsche Oper Berlin 2011 -, 4. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nach Quellenlage wollte Strauß mit dieser Oper zentral "Verstandestheater" auf der Bühne platzieren, im Gegensatz zur leichten, rein emotional zentrierten Unterhaltung, die das Genre aus seiner Sicht beherrschte. Nach Motiven von Hugo von Hoffmannsthal schuf Joseph Gregor das Libretto.
Das Werk wurde nur etwa zwanzig Mal in den letzten 60 Jahren inszeniert. Es ist in der sängerischen Besetzung nicht einfach auf die Bühne zu stellen. Die Tessitura der Rollen stellt sehr hohe Ansprüche.
Kirsten Harms konzipierte eine mythisch mystische, aber auch konkret anpackend, interaktionsstarke Inszenierung mit viel Atmosphäre. Inhaltlich geht es im weitesten Sinne um sozialpolitische Aspekte, um Reichtum, Gold, Liebe und die sich daraus entwickelnde Konfrontations- und Wertungssebene. Eine Form der Idealisierung menschlicher Liebe und Zuneigung, als Resümee. Eine "Komödie" mit Tiefgang, eben keine verflachte Komödie, auch tendenziell Tragikomödie, wenn man so will.

Sängerisch insgesamt gut besetzt, aber nicht überragend.

Manuela Uhl als Danae, sängerisch zwar souverän, aber nicht mein Timbre, mir zu monochrom. Ihre Stimme hat aus meiner Sicht an Fokus verloren, ist zu silbrig "breiig" geworden. Diese Wertung allerdings unter der Vorgabe, dass nicht auszuschließen ist, dass die Tonaufnahme diesbezüglich wenig optimal ist. (Abgehört über Studioequipment).
Mark Delavan solide als Jupiter.
Matthias Klink als sehr überzeugend als Midas. Ein hellstrahliger, fein geführter Tenor.

Die Musik ist durchkomponiert, hat hinreißenden, rauschhaften Tondichtungscharakter und erinnert an die musikalische Struktur der "Vier Letzten Lieder" von Strauß.
Andrew Litton dirigiert in prachtvoller Entfaltung des Klangfarbenrausches der Musik.

Insgesamt eine kompositorisch herausragende Strauß - Oper, die kaum bekannt ist, in einer vor allem auch inszenatorisch brillanten Aufführung.


Khovanshchina - Modest Mussorgsky
Khovanshchina - Modest Mussorgsky
DVD ~ Claudio Abbado
Wird angeboten von Zweitausendeins
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Grandiose Inszenierung - großartige sängerische Besetzung - ein Ereignis des Musiktheaters, 2. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Khovanshchina - Modest Mussorgsky (DVD)
Die Aufführung aus dem Jahre 1989 an der Wiener Staatsoper in der Inszenierung von Alfred Kirchner und dem Bühnenbild von Erich Wonder, gehört zu den ganz großen Ereignissen des Musiktheaters.
Basierend auf Schostakovitsch`s Bearbeitung des Werkes und dem dazu komponierten Schluß von Igor Strawinsky, gelingt mit einer sängerischen Besetzung der Extraklasse eine zeitlose Aufführung, die Maßstäbe setzt.

Nicolai Ghiaurov als Chowanski, große Klasse. Einer der großen Bässe des 20. Jahrhunderts.
Vladimir Atlantov mit seiner rauhen, rauchigen, slawisch timbrierten Tenorstimme als Andrei, hervorragend.
Yuri Mazurin als Golizyn, erste Klasse.
Anatoly Kotscherga als Schakowski, erste Klasse.
Großartig Paata Burchuladse als Dossefei, hier im Zenit seiner stimmlichen Verfassung.
Ludmilla Semtschuk als Maria, erstklassiger Mezzo.

Claudio Abbado dirigiert mit beeindruckendem Zugriff.

Insgesamt eine der ganz großen Ereignisse der Musiktheaters. Sollte man gesehen haben.

Technisch in Bild und Ton sehr gut, im Hinblick auf das Aufnahmejahr 1989. Auch bei quasi fast schon historischen Aufnahmen gibt es massive Qualitätsunterschiede.
Mit der Qualität der Abspielanlage gewinnt auch die Qualität dieser Aufnahme, wie bei jeder Produktion.


WAGNER: Die Meistersinger von Nürnberg (live at Salzburg Festival, 2013) ]Blu-ray]
WAGNER: Die Meistersinger von Nürnberg (live at Salzburg Festival, 2013) ]Blu-ray]
DVD ~ Michael Volle
Preis: EUR 35,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillant komödiantisch - Märchenzauber zentrierte Herheim Inszenierung mit Charakter Sachs von Michael Volle, 29. Juni 2014
Stefan Herheim enttäuscht auch mit seiner Meistersinger Inszenierung nicht, liefert eine optisch phantasievoll verschachtelte Version mit Fokus auf die komödiantisch märchenhafte Ebene. Entkernt das Werk so von jeder nationalistischen Blut und Boden Erdenschwere.
Er entfaltet mit seinem Konzept so etwas wie eine Vernetzung von Biedermeier und Sommernachtstraum.

Das Ensemble bietet sängerisch und schauspielerisch exzellente bis solide Leistungen.

Dreh-und Angelpunkt der Charakter-Sachs von Michael Volle, ein brillanter Sänger-Darstelltung, der die Facetten im Sinne des Inszenierungskonzepts blendend ausleuchtet. Es mag "schönere" Timbre geben, aber von der Durchdringung der Rolle erste Klasse.
Der Stolzing von Roberto Sacca ist mittelprächtig, nicht schlecht, aber sein angerauhtes Tenortimbre bietet nicht das, was man von dieser Rolle erwartet. Ich kenne ihn live in dieser Rolle aus Düsseldorf. Dazu noch zweimal Rene Kollo live, der hier in seiner Glanzzeit doch wesentlich mehr bot in der sängerischen Gestaltung.
Georg Zeppenfeld als Pogner erste Klasse, ein kerniger Bass.
Eva ist Anna Gabler, mädchenhafter Sopran.
Markus Werba als Beckmesser souverän, aber vielleicht nicht zwingend seine Rolle zur Zeit. Gibt aber auch andere Einschätzungen dazu wie immer. Insofern bitte sehr relativierend verstehen.
Peter Sonn als David solide.
Monika Bohinac als Magdalene überzeugend.

Danielle Gatti dirigiert überzeugend, unterstreicht das poetische Ambiente.

Insgesamt ein hervorragendes Inszenierungsergebnis der "leicht" märchenzauberhaften, komödiantischen Art. Das Konzept verdient - 5- Sterne. Eine durch und durch auch sängerisch überzeugende Aufführung wird man kaum finden. Auf einem Niveau mit den grandios inszenierten Meistersingern von David McVicar aus Glyndebourne(siehe Rezension).
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 9, 2014 3:41 PM MEST


Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
DVD ~ Ricarda Merbeth
Preis: EUR 27,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unfassbar was hier aus Bayreuth serviert wird - schon "Körperverletzung" oder " Verstehen Sie Spass" ?, 29. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Holländer (DVD)
Den brillanten Parsifal von Herheim hat man nicht geschafft auf DVD herauszubringen. Jetzt serviert Bayreuth die Inszenierung von Jan Philipp Gloger. Das Konzept, der Mensch im Medienzeitalter, gefangen im Datenfokus, der Computervernetzung, gefühlsverarmt, automatisiert. So weit so gut, ich habe das Konzept verstanden und versuche es intellektuell nachzuvollziehen mit Bezug auf den Holländer.

Der Anfang ist noch ganz akzeptabel, aber was dann folgt verschlägt mir jedenfalls die Sprache. Ich bin keinesfalls gegen neue Interpretationen, wie man aus meinen Rezensionen wissen kann, schätze aber auch insbesondere historisierende Konzepte mit überzeugender Interaktion und Charakterzeichnung wie z.B. die von David McVicar.

Was dann kommt, würde ich mal salopp als banalen Satire Gipfel bezeichnen. Die Satire Zeitschrift Titanic hätte das nicht besser machen können, um Wagner zu verreißen. Aber diese Inszenierung ist ernst gemeint und das ist tragikomisch.

Die Sänger geben ihr Bestes, liefern eine durchwachsene Leistung.

Youn als Holländer, tendenziell schlanker Bassbariton, steigerungsfähig, aber durchaus solide akzeptabel
Franz-Josef Selig als Daland, souverän wie immer.
Ricarda Merbeth als Senta, geht so gerade stimmlich, aber nicht typgerecht das Timbre.
Ihre Optik ist eine Katastrophe, dafür kann die Sängerin nichts, sie muss sich das antun, auf der Bühne wie ein Schabrackenmonster zu erscheinen, Vertrag ist Vertrag.
Auch die sonstige Besetzung, insbesondere der Steuermann, recht gut.

Thielemann dirigiert herausragend, er ist einer der großen Wagner Interpreten unserer Zeit. Aber das kann die Katastrophe dieser Inszenierung nicht mehr kompensieren.

Insgesamt ist die optische Umsetzung in der Richtung, als würde man dem Publikum nach Beendigung ein Schild vor die Nase halten auf dem stünde, sie haben gerade an einem Gag von Verstehen Sie Spaß teilgenommen.
Für mich unfassbar, wie man so eine Inszenierung veröffentlichen kann und der Welt präsentiert. Geschmäcker sind verschieden, sollen sie sein, müssen sie sein, das ist befruchtend auch in der Kontroverse. Doch was hier inszenatorisch geboten wird, spottet aller Beschreibung.
Insofern, trotz Thielemann Dirigat nur - 2 - Sterne -
Kommentar Kommentare (15) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 23, 2014 3:28 PM MEST


Donizetti, Gaetano - La Fille Du Regiment [2 DVDs]
Donizetti, Gaetano - La Fille Du Regiment [2 DVDs]
DVD ~ Juan Diego Flórez
Preis: EUR 24,88

5.0 von 5 Sternen Glänzende Leistungen von Florez und Ciofi in lebendiger - gelungener Inszenierung, 28. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Inszenierung transportiert die Handlung in die letzten Tage des 2. Weltkrieges. Hier soll ein unmittelbarerer Zeitbezug geschaffen werden. Vom operettenhaften Hintergrund der Napoleonischen Kriege im Original zum 2. Weltkrieg. Komödiantisch gut gemacht, auch in schlimmsten Zeiten wurde versucht dem Grauen noch eine Prise Ironie abzugewinnen, insofern ist die Übertragung akzeptabel.
Schauspielerisch und sängerisch erstklassig mit viel Interaktion und Schwung.

Das gesamte Ensemble überzeugt mit einer geschlossen, hervorragenden Leistung.

Glanzpunkte sängerischer Natur die hohe D Performance von Juan Diego Florez als Tonio auf seiner Rossini-Spielwiese des Belcanto. Nur Alfredo Kraus konnte unter den Tenören der letzten Jahrzehnte die Töne so sicher zementieren wie Florez.
Ebenso hinreißend Patricia Ciofi als Marie mit brillanter, höhensicherer Gestaltung.

Überzeugend das Dirigat von Riccardo Frizza.

Obwohl ich eine mehr grotesk komödiantische Umsetzung der Oper bevorzuge, bleibt nur festzustellen, hier stimmt konzeptionell und sängerisch alles. - 5 - Sterne für die sängerischen Leistungen, denn es geht primär um Musik und Gesang.

Als Anmerkung sei noch der Hinweis darauf erlaubt, dass sich im Publikum neben Begeisterungsstürmen für Florez auch hörbare Buh-Rufer durchsetzten. Wieder ein Beispiel, dass Oper auch eine Spielwiese reichlich psychopathologischer Exzesse immer war und auch heute noch ist. Neben der Fankultur gibt es auch so etwas wie die irrationale Gegenseite, die negative Fixierung auf Sänger, weil sie populär sind und großen Erfolg haben. Man muss ein Timbre nicht zwingend mögen, um eine Leistung faktisch angemessen zu würdigen.


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