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Rezensionen verfasst von
Hans-Georg Seidel "opera" (Düsseldorf)
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Richard Wagner: Vorbote Des Antisemitismus
Richard Wagner: Vorbote Des Antisemitismus
von Jacob Katz
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Kein Freispruch aber auch nicht zentral "schuldig" mittels sachlicher Textanalyse des israelischen Sozialhistorikers Jacob Katz, 26. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der oft emotional eskalierende Streit um die substanzielle Wertung von Wagners speziellen antijüdischen Einlassungen im Hinblick auf eine zentrale Verantwortlichkeit für die nachfolgende Geschichte, wird vom Autor auf ein sachlich, nüchtern analysierendes Maß, gesetzt.
Dies allerdings nicht in dem man Wagner zum Humanisten verklärt, wie in Künstlerbüchern geschehen, wo der Wunsch allein der Vater des Gedankens war. Er orientiert sich an der biographischen Aufarbeitung von Wagners Texten, Zitaten und dem Tagebuch Cosimas.
Damit liefert er keine an Glauben und Vermutungen orientierte Aufarbeitung, die er bei Autoren wie Zelinsky, Rose und Epigonen bemängelt. Eine Beurteilung allein aus der nachfolgenden Geschichte, sei unzulässig.
Auch ohne Wagner wäre der Nationalsozialismus etabliert worden.
Er entlässt Wagner aber nicht aus einer sekundär moralischen Mitverantwortung, da er an der Etablierung von Denk-und Gefühlsmustern, auch in aggressiver Art, beteiligt war, an die Nachfolgende problemlos anknüpfen konnten.
Wagner selbst säße quasi über Wagner zu Gericht und wäre nicht in der Lage sich einen historischen Freispruch zu erteilen.

Resümee des Rezensierenden.
Wagner war auch polarisierender Brandstifter und alles andere als Humanist, wie ihn z,B. Kollo und Weikl in ihren Büchern sehen möchten. Seinen Erlösungsphantasien kann man zwar eine gewisse harmonisierende Geneigtheit nicht absprechen, aber das kann man nicht mit Humanismus gleichsetzen. So viel Vorurteil, auch wenn das für das 19. Jahrhundert fast der Regelfall war, verbietet das.
Ausschließlich gefühlszentrierte Wagnerianer leben in einer Art Glaubenskokon, einer Art von kunstfundamentalistischer Sicht, die durch rationale Analyse nicht erschüttert werden will. Insofern kann man Gläubigkeit auch nicht rational hinterfragen. Gefühlsabwehr ist die Folge.
Persönlich lehne ich gefühlige Zentrierungen ab, denn das Thema Wagner verlangt nach rationaler Aufarbeitung. Wobei Gefühligkeit zwei Seiten hat, diejenige der Harmonisierer und die der Hasser.
Es gilt, das Alt-Bayreuther Gefühlsmilieu nicht wieder präsent werden zu lassen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 29, 2015 6:55 PM CET


Richard Wagner: ... dem Vogel, der heut sang ...
Richard Wagner: ... dem Vogel, der heut sang ...
von René Kollo
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kann denn Liebe zu Richard Wagner "Sünde" sein?, 14. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kann es, wenn man so schreibt wie Rene Kollo.
In hymnischer Zuneigung schreibt er hier eine Rosamunde Pilcher Fassung in Sachen Wagner. Es lohnt sich nicht inhaltlich darauf einzusteigen, denn außer Hymnus und Verniedlichung problematischer Aspekte gibt es kaum Substanz.
So sahen Wagner Jünger ihren Meister bevor sie ihn nach seinem Tod überführten in den rassistischen Kreis mit den bekannten Folgen. Mit schöngeistiger Verblendung Wagner glatt gebügelt. Faktendarstellung und Bezüge werden wunschorientiert drapiert.
Wenn man, wie der Autor, die Problematik wagnerianischer Ideen, negiert, nicht erkennt, bietet man auch künftigen Gefolgsleuten des braunen Terrors wieder eine Plattform. Denn bei Wagners Werken lugt die braune Geneigtheit wieder aus jeder Ecke, wenn die Möglichkeit dazu vorhanden wäre.
Um es klar zu sagen, Wagner war nicht schuld am Holocaust, es lässt sich auch keine Vernichtungsmentalität aus seinen Schriften ableiten. Dies zu proklamieren, ist ideologisch vorfixierte Simpelststrategie. Aber er war eine ideologische Stellschrauben-Figur der Kunst, die in diese Richtung gedreht wurde und werden konnte.
Wagner aus dem geistigen Horizont des 19. Jahrhunderts interpretieren, völlig klar. Aber so, wie Kollo das macht, geht das nicht. Man kann einem Künstler wie Wagner nicht fundiertes Wissen, einen philosophisch gesellschaftspolitischen Horizont attestieren und ihn dann inhaltlich in 10.klässler Manier abhandeln.
Kollos Vorstellungen zum Musiktheater und zu Inszenierungen ist praktiziertes, gesundes Volksempfinden. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Es kann nie eine Wahrheit über Wagner geben, das hat die Wissenschaft seit Jahrzehnten gezeigt. Aber es gibt sehr differenzierende Darstellungen. Was der Autor hier schreibt, ist eher für das Kaffeekränzchen in Sachen Wagner.

Aus Sympathie für den Künstler Kollo noch drei Sterne, obwohl das inhaltlich eigentlich nicht geht und in Teilen schon atemberaubend einfältig ist.
Kommentar Kommentare (66) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 29, 2015 8:13 PM CET


Freispruch für Richard Wagner?: Eine historische Rekonstruktion
Freispruch für Richard Wagner?: Eine historische Rekonstruktion
von Bernd Weikl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Destillat des guten Wagner und des bösen "Regietheaters", 22. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die vielen, miteinander verwobenen Themenkomplexe, machen es schwierig, hier zu werten.

Der kultursoziologische Teil von Prof. Bendixen und auch Weikl`s Ausführungen zur Einordnung Wagners in den romantischen Denk-Fokus des 19. Jahrhunderts und die Folgerungen daraus, durchaus überzeugend.
Daraus resultierend, ist der Vorwurf, Wagner, gleich nationalsozialistischen Wertedenken, völlig deplatziert.
Diese Erkenntnis wird leider noch von ideologischen Bannerträgern vertreten, hat sich aber so als Vorurteil über Generationen fixiert.
Daß Adorno und Zelinsky mit Epigonen im Weitertransport dieser Interpretationsideologie, schlicht irrten, sollte unter ernsthaften Wissenschaftlern eigentlich kein Streifpunkt mehr sein. Allerdings ist das Bedürfnis zu medialer Verwurstung ungemein präsent, denn wer daran glauben will, den überzeugen auch Fakten nicht. Gerade auch, weil hier differenzierende Betrachtung basierend auf Wissen, zwingend wäre.

In weiten Teilen unzugänglich ist mir die Pauschalkritik am Regietheater, Weikl lobt den Chereau Ring, was war der dann?
Hier wird aus meiner Sicht von den Autoren ein tendenziell weich gespültes Erbauungstheater der Schönheit proklamiert. Weikl will ein Verbot von Nazi-Symbolik in Wagner Inszenierungen durch Gerichte erreichen. Wie sollte ein bereinigtes Inszenierungsverhalten durchgesetzt werden? Vom Ansatz her Zensur. Fachleute sollen der Intendanz beigeordnet werden. Wer wählte die aus nach welchen Kriterien, völlig unsinnig.
Hier wird eine juristische Posse inszeniert und so was schadet der Grundtendenz. Inszenierungswellen kommen und gehen, alles eine Frage der Zeit, nicht erst heute, schon zu Wagners Zeiten. Obwohl ich persönlich eher historisierende Konzepte vorziehe, muss man die Ausreißer schlicht tolerieren. Hier dogmatisierte Bekehrung betreiben zu wollen, völlig kontraproduktiv.

Resümee, letztlich spiegelt Weikl sein eigenes humanistisches Denken im Geiste Wagners und da kommen Bedenken, ob hier nicht zu positiv überzogen wird.
Wagner war antijüdisch in einem kulturellen Sinn, so die These, nicht antisemitisch im heutigen.

Weikl`s nachfolgende Strategie mit dem Buch " Warum Richard Wagner verboten werden muss", halte ich für abwegig, denn von Satire ist da nichts zu erkennen.
Kommentar Kommentare (31) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 27, 2015 4:29 PM CET


Georges Bizet - Carmen [2 DVDs]
Georges Bizet - Carmen [2 DVDs]
DVD ~ Marina Domashenko
Preis: EUR 38,19

4.0 von 5 Sternen Zeffirellis Folklore Inszenierung in der Arena die Verona - ideal für den traditionellen Geschmack, 11. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Georges Bizet - Carmen [2 DVDs] (DVD)
Eine Bild opulente Zeffirelli Inszenierung auf der Riesenbühne von Verona mit allem Folklore Ambiente.

Löste Carmen bei der Uraufführung noch einen heftigen Skandal aus, weil die Carmen Darstellerin mit kurzem Rock und zerlöcherten Strümpfen auftrat, fortan künstlerisch kalt gestellt wurde, so waren es später die vielen Fassungen und Unterfassungen des Werks, die verunsicherten. Bizet Korrekturen seiner Konzeption 1875 wurden anfangs für unecht gehalten, konnten erst viel später eingeordnet werden. Dem Welterfolg schadete das alles nichts.
Carmen, in der Regel als optische Folklore Oper wahrgenommen, beinhaltet zentral das Konfliktpotential zwischen den Geschlechtern im Fokus zwischen kleinbürgerlichem Machismo, patriarchalisch bigottem Bürgertum und emanzipatorisch sexueller Libertinage. Die Selbstbestimmung der Frau ist zentrales Thema dieser Oper.

Sängerisch mit Maria Domaschenko als Carmen und Maya Dashak als Micaela hervorragend besetzt. Mario Berti als Don Jose solide wie Raymondo Aceto als Escamillo.

Orchestral flüssig und schmissig zündend.

Insgesamt die ideale Aufführung für den traditionellen Horizont.


Mussorgsky, Modest - Khovanshchina
Mussorgsky, Modest - Khovanshchina
DVD ~ Paata Burchuladze
Preis: EUR 27,99

5.0 von 5 Sternen Brillant interaktionistische Charakter Inszenierung mit überragenden sängerischen Leistungen, 2. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Mussorgsky, Modest - Khovanshchina (DVD)
Das Werk, das in vielen Fassungen und Unterfassungen vorliegt, hier in der Fassung von Dimitry Schostakovitch und dem Schluß von Igor Stravinsky. Das Werk als solches gibt es gar nicht, es ist nur ohne Orchestrierung überliefert.
Dimitry Tscherniakov steht für moderne interaktionistische Inszenierungen, so auch hier.

So bietet das Konzept ungemein hautnahes, optisch nüchternes, psychologisierendes Musiktheater, das dem Ornamentik Liebhaber nicht gefallen wird. Die Bühne als psychisch "sprechender Raum".
Inhaltlich wird auf eine der Umbruchstellen in der russischen Geschichte von der mittelalterlichen in die Neuzeit Peter des Großen fokussiert, eine private und eine geschichtliche Ebene verbandeln sich. Ein politisches Beziehungsdrama mit Intrige, Mord, religiösem Fundamentalismus etc...
Sängerisch überragend besetzt u.a.
Paata Burchuladze, als Ivan Khovanski - fulminanter Bass,
Dosifey, Anatoly Kotscherga, großartiger Bass,
Klaus Florian Vogt als Golitsyn,
Marfa, Doris Soffel, exzellent ,
Valery Alexejew, Shaklovity

Ein hervorragendes Dirigat von Kent Nagano und das fulminante Charakter-Singen machen diese Aufführung zu einem Highlight modernen Musiktheaters.


Poulenc, Francis - Dialogues des Carmélites [2 DVDs]
Poulenc, Francis - Dialogues des Carmélites [2 DVDs]
DVD ~ Patricia Petibon
Preis: EUR 21,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandiose Inszenierung der "sprechenden Bühne" mit glänzendem Charakter-Singen, 2. Dezember 2014
Oiver Py`s Inszenierung in schlichter, aber atmosphärisch ungemein dichter Bildsprache, gehört zu den Meisterwerken moderner Inszenierungskunst.
Das Erlösungsmysterium aus den Schrecken der Französischen Revolution wirft die Frage nach dem Sinn des Sterbens für religiöse Fixierung, aus Solidarität auf. Befreiungsakt, Ich-Findung der Blanche aus angstvoller Neurose im Märtyrertod oder doch nur narzisstische Selbstbespiegelung?
Die Umsetzung der Sinnlosigkeit des Opfers macht diese Inszenierung ohne religiös überhöhenden Kitsch deutlich.

Dazu u.a. die glänzenden Charakterdarstellungen von Rosalind Plowright, Patricia Petibon, Veronique Gens. Ganz großes Charakter-Singen. Insgesamt herausragend besetzt

Orchestral hevorragend umgesetzt.

Eine der ganz großen Aufführungen des Musiktheaters. Unbedingt ansehen.


Meyerbeer, Giacomo - Il Crociato in Egitto [2 DVDs]
Meyerbeer, Giacomo - Il Crociato in Egitto [2 DVDs]
DVD ~ Michael Maniaci
Preis: EUR 33,63

5.0 von 5 Sternen Religiöser Fundamentalismus im romantischen Grand Opera Format mit herausragenden sängerischen Leistungen - Arienoper -, 28. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Religiöser Fundamentalismus, Blut, Ehre, Vaterland und die die daraus schon immer resultierenden Konfliktpotentiale in romantischer Überhöhung, die Kernsubstanz dieser Grand Opera, hier von Pier Luigi Pizzi in einem ästhetisch schlichten, aber romantisch zentrierten Bühnenbild dargeboten. Opulenz ohne Kitschornamentik.
Eine Oper mit happy end, im Bereich zwischen "tötet die Ungläubigen" und letztendlicher Versöhnung. Leider nicht die Realität abbildend, wo dieses Postulat eine Blutspur in der Menschheitsgeschichte hinterlassen hat. Damit die emotional religiöse Fixierung als Grundübel manifestiert, dem das rationale Denken selten Einhalt gebieten konnte. Die Massaker Instanz ist immer das Gefühl, der Glaube, denn wer hörte je, "tötet die nicht Denkenden".

Erstklassige sängerische Leistungen, Rollen, die extreme stimmliche Anforderungen stellen. Meyerbeer schrieb die Rolle des Armando für einen Kastraten, in dieser Zeit schon der Ausnahmefall. Hier von einem Sopranino gesungen.

Glänzend Patricia Ciofi als Palmide, Koloraturrolle.
Laura Polverelli mit ihrem wunderbaren Mezzo als Felicia.
Iorio Zennaro, virtuoser Tenor als Osmino,
Marco Vinco als Aladino.
Michael Maniaci , Sopranino, singt den Armando.

Lange Arien und prachtvolle Duette zeichnen das Werk aus. Insbesondere das Ineinanderfließen von Sopran und Sopranino ergibt einen betörenden Mischklang.

Emmanuelle Villeume dirigiert.

Insgesamt Grand Opera, wie sie viele lieben würden. Bietet dieses Werk emotionale Ankoppelung, die die Mehrheit sucht.


Verdi, Giuseppe - Rigoletto
Verdi, Giuseppe - Rigoletto
DVD ~ Louis Quilico
Preis: EUR 23,64

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sängerisches Juwel aus dem Archiv der Metropolitan - 1981 - traditonell- Pavarotti, Quilico, Pierre ..., 25. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Verdi, Giuseppe - Rigoletto (DVD)
Aus dem Archiv der Met zu neuem Leben erweckt, eine traditionelle Inszenierung, die aber schon bemerkenswert interaktionistisch ist.

Bild restauriert, Ton ebenfalls. Nicht heutiges Niveau, aber sonst hervorragend, wobei der Ton ausgezeichnet kommt.

Die Aufführung ist sängerisch Traumklasse.

Luciano Pavarotti im Zenit seiner Leistungsfähigkeit als Duke, einer der grossen Tenöre des 20. Jahrhunderts.
Christiane Eda Pierre, eine hervorragende Gilda, der Name nicht so bekannt,
Louis Quilico ein robuster Bariton als Rigoletto, erstklassig.,
Ara Berberian, toller grundierter Sparafucile,
Monterone von Richard J. Clark, substanzvoll,
Klasse Isola Jones als Maddalena,

James Levine dirigiert mit zündend, elanvoll, eine wunderbare Interpretation.

Insgesamt der ideale Rigoletto für den nur traditionell orientierten Opernseher. Für Stimmenliebhaber ist diese Aufführung ein Fest.


Wagner: Parsifal (Royal Opera House, 2014) [Blu-ray]
Wagner: Parsifal (Royal Opera House, 2014) [Blu-ray]
DVD ~ Simon O'Neill
Preis: EUR 35,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kubisch "architektonische" Bühnenoptik - die Nüchternheit der Zeit in geometrischen Formen - sängerisch durchwachsen -, 24. November 2014
.......zum Raum wird hier die Zeit.... der Raum dieser Inszenierung ist Ausdruck unserer Zeit der eher nüchternen Optik. In kubischer Architektonik wird hier die Bühne zum Austragungsort von Wagners Welterlösungswerk. Atmosphärisch ausgeleuchtet sind auch eher nüchterne Räume durchaus tragend. Aber diese Optik ist keinesfalls für Traditionswahrer des bürgerlichen Realismus. Es ist eher von optischer Abstraktion und Stilisierung die Rede, betrachtet man die Bühne.
Parsifal, zusammengesetzt aus drei Schichten der ideologischen Betrachtung, der christlichen, der buddhistischen mit einer Prise Schopenhauer. Das sexuelle Streben ist Ausdruck des Lebenswillens und als solches zu überwinden. Die Triebverdrängung wird dann auch zum wesentlichen Aspekt auf dem Wege zum Heil. Zu welchem Heil? Erlösung von was? Wagners Doppelmoral in einer Regression des Denkens kompensatorisch erhöht zur Erlösung?
Es ist typisch für Wagner, dass er eigene Probleme, stets zu weltanschaulichen machte und das mit einem teilweise schon totalitären Anspruch eines religiösen Fundamentalisten. Diese grundstrukturelle Geneigtheit seines Denkens hat ihm dann in der langen Nachfolgegeschichte jede Mengel an fundamentalistisch nationalistischen, rassistischen Pilgern eingebracht, die sein vieldeutiges Werk, eindimensional ausgeschlachtet haben. So reicht die Interpretation des Parsifal von der rassistischen Blutideologie bis zum schöngeistig hysterisierenden Nirvana - Mystizismus. Insofern sollte man das Stück eher als Denken des 19. Jahrhunderts in einer weltanschaulichen Gemengelage des nicht eindeutig Konkreten betrachten.

Diese Aufführung ist sängerisch durchwachsen.
Rene Pape als Gurnemanz, balsamisch, wer es mag, sicher ideal.
Simon o`Neill als Parsifal, beachtlicher Tenor.
Angela Denoke als Kundry, tendenziell recht fahler Sopran,
Klingsor, Willard White, solide,
Gerald Finley, Amfortas, solide.

Antonio Pappano dirigiert.

Insgesamt kein romantischer "Tempel" - Parsifal, sondern die Nüchternheit unserer Zeit in geometrische Optik gegossen.


Richard Strauss - Der Rosenkavalier [Salzburger Festspiele 2014] [2 DVDs]
Richard Strauss - Der Rosenkavalier [Salzburger Festspiele 2014] [2 DVDs]
DVD ~ Krassimira Stoyanova
Preis: EUR 35,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kupfers brillant historisierendes Musiktheater - ungekürzte Fassung der Oper- sehr selten gespielt-, 23. November 2014
Harry Kupfer liefert in den historisierenden Bühnenbildern von Hans Schavernoch brillantes Musiktheater der Interaktion. Die Ringstraßen-Architektur, Straßen und Parks, Häuserfronten, sie bilden den Bühnenhintergrund bis im dritten Akt dann die Farbe einer Praterlandschaft die Szene stützt.
Hier wird die ungekürzte Fassung aufgeführt, die sehr selten gespielt wird, auch Karajan führte nur die gekürzte auf. Der Zensor hatte 1911 die aus der damaligen Sicht prekären Stellen gestrichen. Oper war inhaltlich auch fast immer das Ergebnis von Zensur, nicht die Ursprungsidee der Schaffenden kam zur Aufführung, sondern das, was die Zensur durchwinkte. Neben vielen unterschiedlichen Fassungen und Unterfassungen von Werken, sei es durch Überarbeitung durch den Komponisten oder pragmatische Anpassung an Aufführungsbedingungen, ist ein Werk nie einzig originär. Immer ist die gezeigte Fassung auch Ergebnis einer Rezeptionsgeschichte und Interpretation, die schon beim Quellenstudium anfängt.

Sängerisch darstellerisch glänzen Krassimira Stoyanova als Marschallin und Gunther Grossboick als Ochs.
Sophie Koch überzeugt als Octavian.
Moja Erdmann mit feinstäubigem Sopran als Sophie.

Franz-Welser Möst dirigiert bei hochgefahrenem Orchestergraben, pointiert, ausladend, aber die Stimmen nicht zudeckend.

Insgesamt aufgrund der brillanten Inszenierung der ungekürzten Fassung sicher ein Highlight.


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