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Rezensionen verfasst von
Dr. Claudia Dorchain
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Das Yogasutra: Von der Erkenntnis zur Befreiung
Das Yogasutra: Von der Erkenntnis zur Befreiung
von Patanjali
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klassiker mit erfreulicher Vollständigkeit, 30. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Texte aus dem Sanskrit oder Pali (Mittelhochindisch) sind schwer aufzufinden; entweder nur für den Kenner und Philologen gedacht, wie die kanonischen Übersetzungen von Paul Deussen, oder allzu stark popularisiert. Dieses Buch zeigt einen erfreulichen Mittelweg: das Yogasutra des Patanjali, einwandfrei übersetzt, in vollständiger Version mit zahlreichen Deutungshilfen. Unverzichtbar für den Indienfreund. Inhaltlich handelt das Yogasutra, wie der Name schon sagt, von Meditation. Was Meditation eigentlich ist, wie man sich konzentriert, wie man von störenden Ablenkungen absieht und was es eigentlich mit der Erleuchtung auf sich hat, das sind aktuelle Fragen, denen sich Patanjali stellt und die heute nichts von ihrer Brisanz verloren haben. Lesenswert.


Horns Ende: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Horns Ende: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Christoph Hein
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesenswert, 24. September 2012
Ein verstörendes Buch, das mit psychologischem Scharfblick die Gewalt einer Gesellschaft offenlegt, die keine Abweichler von der Norm duldet, für die der Begriff "Individuum" ein Schimpfwort ist. Am Beispiel des existenziell bedrohten und zuletzt in die völlige wirkungslosigkeit abgeschobenenen und isolierten Wissenschaftlers Dr. Horn wird gezeigt, wie ein leiser Mord ohne Spuren - und mit blütenweissem Gewissen der Exekutierenden - inszeniert wird. Darüber hinaus wird hier ein immer schneller drehender Strudel von Gesellschaftsszenen entfaltet, die alle mit der Ausgrenzung des Anderen zu tun haben. Fremd sind hierbei "natürlich" immer die anderen - und jeder ist anders fremd. Das Unbehagen in der Kultur schlechthin, nicht nur in der DDR, sondern in Deutschland allgemein. Das Arsenal vergifteter Spiessbürger: Rufmord per Behörde, Stigmatisierung via Beruf, Auskundschaftung hinter der Vorzimmergardine, unterschwelliger Hass, schwelend wie ein Herbstfeuer. Lesenwert. Bedrückend!


An der Grenze des Jenseits - Die Verwandlung des Blutes: Zwei Essays zu den Themen Okkultismus und Yoga
An der Grenze des Jenseits - Die Verwandlung des Blutes: Zwei Essays zu den Themen Okkultismus und Yoga
von Gustav Meyrink
  Broschiert
Preis: EUR 13,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klassiker vom Indien-Kenner Meyrink, 20. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zu Meyrinks Zeiten war Yoga hierzulande eine kaum verbreitete Technik für Sonderlinge, Meditation in Europa fast unbekannt. Sein Essay "Die Verwandlung des Blutes" handelt von seiner Entdeckungsreise nach Indien, seiner Spurenlese über östliche Bewusstseinspraktiken, die noch kaum bekannt und fast unzugänglich waren, aber auch seiner abenteuerlichen Sinn-Suche bei diversen mystischen Orden im Abendland, die er mehr oder weniger humorvoll von Glorifizierungen entkleidet. Er schildert eindrucksvoll und zuweilen sehr erheiternd, welche Hinternisse sich für den Suchenden zu Beginn des 20. Jahrhunderts auftaten, als Buchhandlungen "geheimes Wissen" versteckt handelten und die moderne Verfügbarkeit von Internetrecherchen als SciFic Szenario gegolten hätte. Ein zeitgeschichtliches Dokument, das für den Kenner wenig Neues bietet, aber durch den Humor Meyrinks und seine kluge Menschen- und Situationsbeobachtung falschen Propheten die Maske abreisst. Am Ende bleibt die Spurensuche im Rückkehrschluss des Eigenen: an sich selbst zu arbeiten, auf seine Worte und Gedanken zu achten, das ist die "Verwandlung des Blutes", die hier keinesfalls pietistisch als Ausnahmebetätigung mit Erlösungscharakter verstanden wird, sondern als Alltagspraxis. Ein wertvolles Dokument und für Meyrink-Freunde eigentlich nicht wegzudenken.


Die Narben der Gewalt
Die Narben der Gewalt
von Judith Lewis Herman
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Opferfibel, nicht -bibel, 20. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Narben der Gewalt (Gebundene Ausgabe)
Judith Herman gelingt es, darzulegen, in welcher Weise Opfer von Gewalt diese in ihre Identität einbauen oder einzuarbeiten zu versuchen. In diesem unaufdringlichen Buch (trotz des grellen Covers) wird einfühlsam und unerhört kenntnisreich beschrieben, wie sich erlittene Gewalt wie ein schleichendes Gift in die Psyche der Betroffenen schleicht und dort auch auf lange Sicht verheerende Schäden anrichten kann, die oftmals in einer Totaldemontage des bürgerlichen Lebens, fast immer im Verlust der Selbstachtung äussern. Herman ist wahrhaftig und präzise, sie nennt die Dinge beim Namen, ohne anklägerisch zu sein, die Konsequenz aus dieser Lektüre kann jeder selbst ziehen. Fazit: wer beruflich mit Menschen arbeit, die Gewalt erlitten haben, ob in der Opferhilfe, in der Beratung von Paaren und Familien, ob Richter oder Gutachter, sollte unbedingt diesen modernen Klassiker von Herman lesen.

Nachteil: Herman begrenzt ihre Argumentation auf Vergewaltigungsopfer; andere Formen von Gewalt, die vergleichbare Folgen und Kollateralschäden bedingen können, kommen leider kaum oder gar nicht zur Sprache. Hier hätte ich mir eine breitere Fächerung der Fallstudien gewünscht, das hätte aber vielleicht den Rahmen dieses Buchs gesprengt. Lesenswert, mit kleinen Verbesserungsmöglichkeiten.


Antichrist: Two Thousand Years of the Human Fascination With Evil
Antichrist: Two Thousand Years of the Human Fascination With Evil
von Bernard McGinn
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Unverzichtbar für Kulturwissenschaftler, 20. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Mystikkenner und Philosophieexperte McGinn liefert in seinem epochalen Werk einen bisher kaum dagewesenenen Überblick über das, was die christliche Tradition als Gottes Gegenspieler definiert hat. Mit Rückblicken auf die Bibel und ihre Referenzen, mit bemerkenswerter Klarheit und Stringenz in der argumentation, führt McGinn den Leser durch eine Ideengeschichte vom Bösen. Absolut empfehlenswertt für alle, die sich mit Kulturgeschichte befassen - auch Traditionslinien des kulturpessimismus - der keine moderne Erscheinung ist - werden durch das "bewegliche" Böse erklärt. Hochinteressant und sehr anspruchsvoll, dabei erfreulich leicht zu lesen. Vier Sterne nur, weil ich sicher bin, noch nicht alles erfasst zu haben.


Das Gute, das Böse und das Schöne. Über moderne Ethik
Das Gute, das Böse und das Schöne. Über moderne Ethik
von Colin McGinn
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Wider die Schöngeistigkeit, 20. September 2012
Colin McGinn schreibt unprätentiös über das, was für Generationen von Dichtern und Denkern als das Ideale galt: das Gute, das Wahre und das Schöne. McGinn wagt es, den platonischen Spiegel zu durchbrechen und nüchtern hinzusehen, was vom Konstrukt der Idealität übrig bleibt, wenn man es seiner Sprachlichkeit entkleidet. Er sucht das Ideale im Bild, in der Musik, teilweise in ethischen - nonverbalen - Grundhaltungen von Romanfiguren, wie sie in Gesten zum Ausdruck kommen. Sehr spannend sein kurzer Ausflug in die Welt der "gothic novel" und seine Beschreibung von Frankensteins Monster als "Nicht-Ideal" und dennoch, gerade deshalb, ein beachtlicher Zerrspiegel und Distanzierungsmedium abhängig vom Ideal.

Lesenswert, aber oft unscheinbar formuliert - ohne philosophiche Vorbildung wird der Leser über manche Passagen hinweglesen und ihren vielseitigen und traditionsreichen Gehalt sowie die leisen Anspielungen nicht erfassen, was schade wäre angesichts der bemerkenswerten Deutungstiefe.


Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne
Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne
von Jan Philipp Reemtsma
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 30,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr guter Überblick, 20. September 2012
"Vertrauen" und "Gewalt" zu erklären, und diese Erklärung in einen Zusammenhang mit der Moderne zu bringen, ist ein gewagtes Unterfangen und eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Herr Reemtsma löst diese Aufgabe elegant und eloquent, mit vielen klugen Einsichten, inspirierenden Zwischenbemerkungen und präzisen Teilanalysen, die allein schon für eine spannende Lektüre sorgen. Verständlich schreibend und mit erkennbar breiter interdisziplinärer Bildung zeichnet er eine Geschichte der Gewalt und schliesst mit der Feststellung, dass Gewalt schon immer eine Konstante in der Geschichte der Menschheit war, sich die Moderne allerdings dem Problem der Gewalt ausschliessend nähert, anders: Gewalt war schon immer da, für die Moderne wird sie zum Problem. Warum das so ist, erklärt er schlüssig anhand von zahlreichen Legitimationsfiguren in der vor- bis postdemokratischen Politik.

Nicht ganz eindeutig bleibt, weshalb Reemtsma durchgängig Gewalt stets körperlich sehen und deuten will. Gewalttypen wie die psychische, verbale Gewalt etc. kommen bei ihm kaum vor oder werden unter körperlicher Gewalt subsummiert, da sie körperliche (Krankheits-) Folgen haben können; für mich ist diese Argumentation nicht schlüssig, weder psychologisch noch soziologisch.

Nachteil: das Buch verliert sich etwas zu sehr im Detail. In der Mitte des Buchs hatte ich den Eindruck, die Argumentation würde in zwei oder drei Teile auseinanderdriften. Weniger Beispiele und weniger Verästelungen innerhalb der Kapitel hätten der logischen Stringenz gut getan. Dennoch absolut lesenswert und ein empfehlenswertes Basiswissen für alle, die einen zeitgemässen Einstieg in eine wichtige Debatte suchen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 28, 2013 2:05 PM CET


Anna am Halse - 16 Erzählungen
Anna am Halse - 16 Erzählungen
von Anton Tschechow
  Bibliothekseinband

4.0 von 5 Sternen Tchechow, ein unterschätztes Genie, 20. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich liebe Tchechows Hell-Dunkel-Zeichnungen. Er ist moderner als viele, die sich heute dafür halten. Tchechow versteht es, mit wenigen Worten die unerhörte Tiefendimension von menschlichen Beziehungen - ob zwischen Eheleuten, Vätern und Kindern oder sozialen Ständen - völlig klar und ohne sentimentalen Beigeschmack, dennoch stets auf eine selbstverständliche Weise um die Würde seiner Personen, bemüht, in einer sprachlichen Eleganz darzustellen, die sehr selten ist.

Hier verrät sich der Könner, der mit einem Pinselstrich, scheinbar zufällig, die gesamte Szenerie entwirft - und das gekonnt, vollendet, so dass jede Veränderung eine Verschlechterung wäre. Tchechow hat in Deutschland nicht den Ruf, den er verdient. Stilistisch könnten sich die meisten der "jungen autoren" ein Beispiel an ihm nehmen. Wobei ich glaube: Tchechow schreibt, wie er ist, und ähnlich schreiben kann nur, wer eine ähnliche Reife und Durchdringungstiefe, gemischt mit einem unaufdringlichen Humor, miteinbringt. Prädikat: lesenwert, immer wieder.


Les larmes d'Eros (Domaine Francais)
Les larmes d'Eros (Domaine Francais)
von Bataille
  Taschenbuch

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Dialektisch, 20. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Georges Bataille hätte Priester werden können. Eros und thanatos sind bei ihm wesenhaft verflochten; nicht nur in Betracht der pathologischen Persönlichkeiten, denen er seine Kapitel widmet und auf die eine solche Gleichsetzung sicher zutrifft, sondern allgemein. Für Bataille ist Eros das dunkle Geheimnis des Menschen - Nietzsche jedoch würde sagen: Eros ist das dunkle Geheimnis nicht des Menschen, sondern des Pfaffen.

Bemerkenswert ist die Darstellung der Werdegänge von pathologischen Persönlichkeiten wie Marschall Retz, Gräfin Báthory und manchen anderen, die in klinisch gestörter Weise Erotik und Verbrechen verbanden. Allerdings ist Batailles Spurenlese weder kriminologisch, noch wirklich psychologisch. Er betreibt eine Art historische Topographie, indem er den Typus des Lustmörders an Quellenbelegen nachzeichnet. Das ist zulässig und das Verfahren gelingt ihm auch an vielen Stellen. Die eigentlich philosophische Ausbeute bleibt jedoch bescheiden und kommt über dialektische Schwarzmalereien nicht hinaus. Deshalb Punktabzug: zwei Punkte für ein im Grund lesenswertes und teilweise erschütterndes Sittengemälde, das jedoch allzu sehr aufs Individuelle zielt, um soziologisch zu sein, und allzusehr an biblisch-theologischen Vorurteilen über den "Sündenfall" haftet, um philosophisch zu sein.


Die sexuelle Revolution
Die sexuelle Revolution
von Wilhelm Reich
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens", 20. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die sexuelle Revolution (Taschenbuch)
"Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Sie sollten es auch bestimmen."

So lautet das Vorwort zu meiner Ausgabe, das wunderschön die Intention des vielseitigen Autors, der zugleich Wissenschaftler und praktischer Psychologe war, widerspiegelt. Diesem bemerkenswerten Buch wird allgemein nicht die Beachtung geschenkt, die es verdient. Die 68er Generation nahm für sich in Anspruch, dieses Werk, das ursprünglich "Die Erotik im Kulturkampf" hiess, politisch umzusetzen, ohne jedoch die leisen Untertöne dieses Buchs auch nur ansatzweise zu verstehen, vielleicht nicht einmal wahrzunehmen. In der 68er Bewegung hat im Grunde der, den der Psychoanalytiker später in seinem 1945 erschienenen Buch "Rede an den kleinen Mann" anspricht, der Spiessbürger, der laut Reich gern zu Führern aufsieht, Menschen unterdrückt, Erotik mit Konsum, Grenzverletzung, neuen Normen (die nicht unbedingt besser sind) und Ausbeutung gleichgesetzt. Das ist völlig unvereinbar mit Reichs Werk.

Wer die 68er für eine Befreiungsbewegung hält und nicht deren implizite Autorität und Normativität sieht, sollte sich die Mühe machen, Reichs Klassiker gründlich zu lesen, und es werden ihm die Augen aufgehen über eine ganz andere Vision der Würde aller Menschen. Was Reich schreibt, trägt das Pathos großer europäischer Humanität. Ihm geht es um die Freiheit der Menschen; eine Freiheit, die mit der sexuellen Selbstbestimmung anfängt, aber keinesfalls damit endet... Ein Werk, das auf jeder Seite für Wahrheit, Mut und Würde eintritt, nicht ohne seine eigenen Widersprüche und die Probleme in der möglichen Umsetzung präziser zu benennen, als es spätere Kritiker - und schlimmer noch unkritische Anhänger - getan haben.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 4, 2014 12:30 AM MEST


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