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Rezensionen verfasst von
Ernst Günther "ergü" (Dresden)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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Aufstieg und Fall des Alten Ägypten: Die Geschichte einer geheimnisvollen Zivilisation vom 5. Jahrtausend v. Chr. bis Kleopatra
Aufstieg und Fall des Alten Ägypten: Die Geschichte einer geheimnisvollen Zivilisation vom 5. Jahrtausend v. Chr. bis Kleopatra
von Toby Wilkinson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

4.0 von 5 Sternen Fundamental, doch eigenwillig, 11. März 2014
Als ich den Wälzer - mit anhaltender Spannung - las, fiel mir eine Episode aus der Schulzeit ein. Wir hatten einen Hausaufsatz zum Thema "Die Bedeutung des Films" zu schreiben. Ich füllte eine Normschreibheft komplett und vom zweiten mehr als die Hälfte. Die Bewertung der Lehrerin: "Gesamtnote 1, schon des Fleißes wegen."
Das könnte auch unter diesem Buch stehen. Ein fundamentales Werk des mediengeprägten britischen Ägyptologen der jüngeren Generation Toby Wilkinson, adäquat übersetzt von Enriko Heinemann und Karin Schuler. Die komplette Geschichte Altägyptens auf 825 Seiten (samt ausgiebigem Anhang) im historischen Auf und Ab mit allen erdenklichen Querverbindungen. So etwas gab es wohl noch nie, und ich habe viel dazugelernt.
Der Autor schöpft aus einem unglaublich tiefen Wissensbrunnen und führt den Leser immer wieder zu neuen Erkenntnissen, selbst bei Bekanntem. Er begnügt sich nicht mit der üblichen Kunst- und Kulturgeschichte, sondern zeichnet ein vielfarbiges Bild der Gesellschaft in Gänze mit verblüffendem Detailreichtum. Dabei erhellt er Zusammenhänge und Hintergründe, macht Mythen und Mentalitäten, Denk- und Lebensweise der Alten Ägypter verständlich, blickt auch "hinter Fassaden", widerlegt hartnäckige Legenden und enthüllt manches, das als Geheimnis galt.
Dies alles trägt er mit einer von Wissenschaftlern nicht erwarteten Schreibe vor, flüssig, locker, Jedem verständlich, unterhaltsam, dramaturgisch exzellent gebaut, so dass der Leser trotz überbordender Faktenfülle bis zum Schluss gefesselt wird. Der Begriff Fach-Literatur erhält durch Wilkinson neue Bedeutung.
Allerdings stößt man auch auf Verstörendes. Vor allem bei seinen eigenwilligen Bewertungen. Gern nutzt er die Terminologie des 21. Jahrhunderts und die ideologiegeladene Sprache der Politik oder folgt gängiger Political Correctness - für eine Zeit, die Jahrtausende zurück liegt. So stellt er beispielsweise die Pharaonen in eine Reihe mit den kommunistischen Diktaturen von Rumänien und Nordkorea, attestiert den Ägyptern pauschal Fremdenfeindlichkeit, besonders brutale Kriegführung u. a. m. Das auf tiefer Religiosität basierende Gottkönigtum sei nichts anderes als "Despotie in Reinform", die altägyptische Hochkultur "reine Machtdemonstration" ...
Derlei Interpretationen des Professors sind für mich nicht hachvollziehbar. Eher erwartete ich Vergleiche mit anderen zeitgenössischen Reichen und Herrschern (Hethiter, Babylonier, Seevölker etwa); denn erst daraus wäre erkennbar, ob das Alte Ägypten tatsächlich "Das Antlitz der Tyrannei" trug, wie es eine Kapitelüberschrift suggeriert.


Die ägyptische Kunst
Die ägyptische Kunst
von Dorothea Arnold
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

5.0 von 5 Sternen Ägyptische Kunst für die Jackentasche, 9. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die ägyptische Kunst (Taschenbuch)
Wer sich kurz, kompetent und verständlich über ein historisches oder künstlerisches Thema informieren möchte, kann seit 1995 zur Taschenbuchreihe C.H. Becks WISSEN greifen. Als ich den ersten Titel rezensierte, Schlögels "Nofretete: Die Wahrheit über die schöne Königin" fanden 16 von 16 Kunden dies hilfreich.
Die deutsche Ägyptologin von Weltruf Dr. Dorothea Arnold ist die Autorin dieses Bandes. Sie war unter anderem an Grabungen in Kairo beteiligt und 27 Jahre lang als Kuratorin, später Leiterin der Abteilung Altägyptische Kunst am Metropolitan Museum of Art New York tätig, bis sie 2012 mit 77 Jahren emeritiert wurde. Wie nicht anders zu erwarten, ist das Büchlein der profunden Sachkennerin maßgeschneidert für den Zweck.
Der Leser erhält bei aller Kürze (128 Seiten) einen fundierten und fundamentalen Überblick, der mehr ist als ein Einblick in die merk-würdige Kunst der Pharaonenzeit. Zum Verständnis sind keine speziellen Vorkenntnisse erforderlich. Die Autorin vermeidet jede Sprachakrobatik, mit welcher manch Wissenschaftler kokettiert. Sie schreibt flüssig und überzeugend, mit feinem Stil und legt den Stellenwert dessen dar, was wir heute Kunst nennen, in Religion, Politik sowie im Leben des einfachen Volkes.
Gegliedert in sechs Abschnitte mit meist drei, einmal sieben Kapiteln erläutert Frau Dr. Arnold Bauwerke, Statuen, Reliefs und Malerei, Götter-, Herrscher- und die noch heute bewunderten erzählenden Bilder, vermittelt auch Einblicke in Werkstätten und Arbeitsweisen. Trotz des limitierten Umfangs hastet sie keineswegs durch ihre Thematik. Kompliment! Eine Zeittafel ermöglicht die Einordnung, ein Orts- und Namensregister erleichtert das Auffinden. 49 Abbildungen, davon 20 in Farbe, sowie zwei Karten illustrieren den Text.
Das Bändchen ist ein idealer Reisebegleiter für Jacken- oder Handtasche. Kehrt man beispielsweise nach dem üblichen Schnelldurchlauf beim Besuch der Kunststätten ins Hotel zurück, kann man in Kürze vertiefen, was der Guide herunter rasselte.
Momentan jedoch wird es Lesern wie vielen Ägyptologen ergehen. In ihren Herzen macht sich Trauer breit, wenn ägyptische Zeitungen Monat für Monat von Museumseinbrüchen, Raubgrabungen oder Grabräuberei, Schändung von Mumien, Zerstörung oder Köpfung von Statuen, Plünderung von archäologischen Depots und einem hochkriminalisierten Markt mit Artefakten berichten. Muss man sich um die Zukunft der Vergangenheit mit ihrer einzigartigen Hochkultur sorgen?


Der Sklave Hanis von Bruno Taconi
Der Sklave Hanis von Bruno Taconi
von Bruno Tacconi
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Spät entdeckt: Memoiren eines Aufsteigers, 5. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Italieniche Medien stellten der Roman in eine Reihe mit der Erzählung des Sinuhe. Nach Erstveröffentlichung erstürmte er die Bestsellerlisten in der Heimat des Autors. Auf Deutsch erschienen mehrere Ausgaben in der (guten) Übersetzung von Rosso de Eulah. Mir war er leider entgangen. Erst jetzt entdeckte ich ihn eher zufällig. Und las ihn mit wachsender Begeisterung. Schon das Sujet setzte mich in Erstaunen.
Tacconi stellt nicht Glanz und Gloria der Gottkönige in den Focus, sondern die "bewegteste und dunkelste" Epoche in der Geschichte des Pharaonentums am Ende des Alten Reiches, die mit Hungersnot und blutiger Revolution zum Zerfall des Landes von Biene und Binse führte. Die Erste Zwischenzeit folgte und damit ein langer Fortbestand des Chaos.
Über diese Zeit sind historische Belege spärlich, die Meinungen der Ägyptologen widersprüchlich. Gegen Ende der "ewigen" Herrschaft des letztlich senilen Pharaos Pepi II. nahmen Korruption, Intrigen, Mißwirtschaft und Steuererhöhungen überhand. Nomarchen und Adel drängten auf Selbständigkeit und untergruben die staatliche Ordnung. Während sie in Saus und Braus lebten, hungerte das Volk zunhmend. Jahrelang kam es offenbar zu mageren Nilfluten. Unkontrollierte Einwanderung von "Sandläufern", "Asiaten" und "allerlei Gesindels" verschärften die Lage. Der Hass auf die Oberen hatte jedoch auch religiöse Gründe. Totenkult und Jenseits waren Pharao, Nomarchen und Edlen vorbehalten; dem Volk sprach man eine Seele und Unsterblichkeit ab.
Guy Rachet spricht in seinem "Lexikon des Alten Ägypten" eindeutig von sozialer Revolution. Aus den "Mahnworten eines ägyptischen Weisen" (Ipu-Wer?) zitiert er unter anderem: "... die Bettler besitzen jetzt Reichtum ... Tore, Säulen und Wände sind verbrannt ... die Kinder der Beamten schlägt man an die Mauer ... die Sklaven sind Sklavenhalter geworden ... Was die Pyramide verbarg, ist geleert worden...".
Diese Sachbuchinformationen sind mir wichtig. Sie belegen, dass Tacconi bei der Schilderung des anarchistischen und grausamen Volksaufstandes nicht "gesponnen" hat. Vielmehr ist er nach meiner Kenntnis der Erste, der dieser ersten Revolution in der Literatur ein Gesicht gibt. Er muss lange und gründlich recherchiert haben - bis hinein in scheinbare Nebensächlichkeiten. Im Vorwort schreibt er: "Es gibt nur wenige Quellen, die uns von diesem mörderischen Bruderkrieg berichten, und ich stütze mich, um das einem Roman angemessene Zeitbild entwerfen zu können, vor allem auf den Papyrus Leiden 344r (Die Weissagungen des Ipu-Wer), auf die Überlieferungen des ägyptischen Priesters und Geschichtsschreibers Manetho von Sebennytos, Herodots Historiae und natürlich auf die einschlägige archäologische Literatur."
Mit diesem Hintergrundwissen erkennt der Leser, dass Tacconis erster Altägypten-Roman zu Unrecht vergessen ist. Ich zähle ihn zu den interessantesten, spannendsten, wichtigsten Romanen über die Zeit der Pharaonenherrschaft. Der Vergleich mit Sinuhe ist nicht von der Hand zu weisen.
Weitgehende Authentizität verbindet der preisgekrönte Schritsteller mit Liebe, Sex & Crime, Erfolg, Niederlage und Tragödie, spart auch nicht Melodramatisches aus. Das alles erzählt er nüchtern und ohne Redundanz in einer Sprache, die den Leser von heute erreicht und doch genügend ägyptische Atmopshäre vermittelt. Philosphische Reflexionen, insbesondere zum Elend grenzenloser Revolution und dem menschlichen Charakterwandel in Krisenzeiten, bilden für mich den berühmten Punkt aufs i.
Der Autor wählt die Form eines Lebebensberichts seines Helden. Ich-Erzählung übt stets Fasziantion aus. So sind es Memoiren eines Aufsteigers, der als illegitimes Kind einer Prostituierten von der Mutter als Sklave verkauft wird, mit Gewissenhaftigkeit und Glück alle Abenteuer durchsteht, bis zum Wesir aufsteigt und schließlich zurücktritt, um sich der Familie zu widmen. Wahrlich eine fesselde und nachempfindbare Geschichte.
Wie gut, dass dieses Buch noch bestellbar ist.


Das Münchner Buch der Ägyptischen Kunst
Das Münchner Buch der Ägyptischen Kunst
von Sylvia Schoske
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Neues Museum - neues Buch, 1. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der steinerne Kopf Sesostris III., ernst und lebensecht, prägt den weißen Umschlag. In goldenen Lettern der Titel selbstbewusst und lokalpatriotisch: Das Münchner Buch der Ägyptischen Kunst. Schlicht darüber die Autorennamen Sylvia Schoske/ Dietrich Wildung. Diese edle Gestaltung durch "Kunst oder Reklame, München" macht das Buch schon auf den ersten Blick interessant.
Am 11. Juni 2013 wurde der Neubau des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst München eröffnet. Eine der drei bedeutendsten Altägyptensammlungen Deutschlands erhielt damit etwa dreimal mehr Platz als zuvor und - seine einzigartige Präsentationsform. In dem hochmodernen Bau (samt Technik) zeigt das neu konzipierte Museum - Themen statt Chronologie - seine Schätze in Beton, Glas und Licht. Ein absolutes Novum. Der Besucher erreicht es über eine große Freitreppe im Untergeschoss (!), und ihn umfängt eine Atmosphäre, die die gigantischen Bauten der Tempel und Gräber der Pharaonen ins Bewusstsein holt.
Zum neuen Museum das neue Buch. Kein Katalog, sondern eine neuartige Kunstgeschichte für jedermann. Sie geht von den wertvollen Beständen des Hauses aus, spannt den Bogen jedoch weiter. Eben ein Kompendium, das dem Anspruch des Titels und des neuen Museums gerecht wird. Die über die Fachwelt hinaus bekannten Autoren bürgen für Qualität und Kreativität. Professor Dr. Dietrich Wildung studierte in München Ägyptologie und Archäologie, machte sich international einen Namen als Ausgräber in Ägypten und Sudan, leitete von 1975 bis 1988 das Münchner Museum der Ägyptischen Kunst und von 1989 bis 2009 das Ägyptische Museum Berlin. Er schrieb zahlreiche Bücher, hatte/hat mehrere wichtige Ämter inne und wurde hoch dekoriert. Die Ägyptologin Dr. Sylvia Schoske ist seit 1982 im Münchner Museum tätig, seit 1989 als dessen Direktorin. 1988 heiratete sie Dietrich Wildung.
Beider Buch "versteht sich als Dolmetscher, der die Sprache der altägyptischen Künstler in uns verständliche Worte überträgt" (Vorwort). Es führt nach "Grundlagen der ägyptischen Kunst" in 14 Kapiteln durch die altägyptische Kunstgeschichte von 4000 v. Chr. über alle Dynastien, Zwischenzeiten und Fremdherrschaft bis hin zu "Ägypten in Rom", Meroe und dem frühen Christentum. Bei aller Wissenschaftlichkeit und Verdichtung allgemein verständlich geschrieben; die Kapitelüberschriften in einem Wort neugierig machend formuliert; die Texte mit journalistischer Raffinesse immer mal wieder locker aufbereitet, so dass scheinbare Kleinigkeiten die Beweisführung quasi illustrieren.
Das Werk ist opulent bebildert. 163 Fotos von hoher Qualität. Neben Objekten aus dem Museumsbestand sind auch vier Leihgaben aus Privatbesitz, zwei von Institutionen sowie drei der Republik Sudan zu sehen.
Ich kann das Buch nur empfehlen. Gleichermaßen das Museum, in welchem viele Stücke wiederzufinden sind. Wer weiß, wann wir wieder sorglos ins Pharaonenland reisen können.


Hatschepsut. Der goldene Falke
Hatschepsut. Der goldene Falke
von Birgit Fiolka
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,94

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prädestiniert für einen Film, 24. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Hatschepsut. Der goldene Falke (Taschenbuch)
Von der "scharzen Löwin" zum "goldenen Falken". Die Geschichte einer couragierten Frau, die als überzeugte Gottestochter und nicht aus Machthunger die tradierte Männerdomäne durchbricht und als Pharao des Friedens und der Liebe zu ihrem Volk regiert. Neuartig und kenntnisreich erzählt von einer Frau. Wobei mir scheint: So kann das auch nur eine Frau. Birgit Fiolkas Anliegen war es, wie sie im Nachwort betont, "die Geschichte der Hatschepsut aus einem anderen, tieferen und psychologischeren Blickwinkel" darzustellen. Und das gelingt ihr in faszinierender Weise. Wenngleich ihre Interpretation tief in der Historie verwurzelt ist, erreicht sie eine hohe Allgemeingültigkeit über Jahrtausende.
Es sind zwar zwei Bücher, doch ist es ein Roman. Wer sich mit einem Teil begnügt, amputiert sein Lesevergnügen. Ein Verzicht, der jenem gleichkommt, einen packenden Film in seiner Mitte verlassen zu müssen. Man wird sich ewig ärgern, nicht erfahren zu haben, wie die Story ausgeht. Happy End oder Tragödie oder was?
Fiolkas Roman bietet sich, nebenbei bemerkt, geradezu an für eine Verfilmung. Eine außerordentliche Periode der altägyptischen Geschichte, in welcher der Einzig Eine im Doppel vorkommt und beide, darunter unerhörter Weise gar eine Frau, gleichzeitig Kronen und Szepter tragen. Ein unmündiger Knabe, der zum Heerführer heranwächst und auf Eroberung drängt, und seine "Majestät Tante", die den Menschen mit Handel statt Krieg Wohlstand bringt. Die Brisanz dieser Konstellation liegt auf der Hand.
Wie das Zusammenleben der Kontrahenten in Wirklichkeit verlief, weiß niemand. Die meisten Ägyptologen präferieren eine friedliche Koexistenz. Andere glauben eher, dass eine herrschsüchtige Frau ihren Neffen unterdrückte. Keine Seite kann ihre These ausreichend belegen. Und die historischen Romane über diese Zeit haben sich in der Regel um eine neue Lesart gar nicht erst bemüht.
Das dürfte die Autorin dieses Buches gereizt haben. Sie legt den Focus explizit auf dieses Verhältnis und kommt über die Psychologie zu neuen Erkenntnissen. Ihre Hypothese ist jedenfalls überzeugender als das, was die Ägyptologie vorlegen kann, weil sie sich primär an den Menschen und ihren Charakteren orieniert. Dabei zeichnet sie die Personen im Umfeld der "Hauptdarsteller", gleichviel ob Ratgeber oder Intriganten, mit derselben Genauigkeit, vielschichtig und wandelbar. Nur bei Fiesling Sary bin ich der Ansicht, dass sie ihm zuviel Raum, Wiederholungen eingeschlossen, gibt, so dass die Proportionen in Gefahr geraten.
Vom zeitlichen Ablauf her ist es nur logisch, dass erst der zweite Band die Dramaturgie voll zur Wirkung bringt. Er hält nicht nur, was der erte verspricht. Spannung und Dramatik steigen von Kapitel zu Kapitel. Natürlich auch die Erkenntnis.
Das große Lob für die Autorin in meiner Rezension des ersten Teils kann ich nach dem Lesen des zweitens trotz einer kleinen Irritation gegen Schluss nur doppelt unterstreichen.


Lexikon der ägyptischen Baukunst
Lexikon der ägyptischen Baukunst
von Dieter Arnold
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellente Fundgrube, 30. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Zufall wollte es, dass dieses Buch das 7. altägyptische Lexikon meiner Bibliothek wurde. Hat Amun seine Hand im Spiel? schmunzelte ich. Lange nämlich dachte ich, dass ich bei der vorhandenen lexikalischen Vielfalt auf dieses so spezielle verzichten kann. Eine Studienreise zu den historischen Stätten belehrte mich eines Besseren. Es ergaben sich viele Fragen zur pharaonischen Baukunst, die nicht oder nicht ausreichend beantwortet werden konnten. Und ich wollte selbst nachlesen, schnell und fundiert informiert werden. Das kann jetzt geschehen. Mit Freude stelle ich fest, dass es sich um ein wissenschaftliches Werk auf hohem Niveau handelt, welches ohne Fachchinesisch auskommt.
Alleinautor ist der renommierte deutsche Ägyptologe Prof. Dr. Dieter Arnold, heute 77, Ordentliches Mitglied des Deutschen Archäogischen Instituts, Leiter der Ägyptenabteilung des Metropolitan-Museums New York, langjähriger Ausgräber und weltweit geschätzte Koryphäe der altägyptischen Baukunst. Ein anderer Amazon-Rezensent schrieb: "Die Werke des Autors lassen das meiste, das zu dem Thema ägyptische Architektur in deutscher Sprache erscheint, weit zurück." Also mußte ich das Lexikon kaufen!
Herausgebracht hat es Albatros im Jahr 2000, der selbe Verlag, der das gleich erstklassige Lexikon der Pharaonen von Thomas Schneider edierte. Beide Titel sind gleich aufgebaut, auf Kunstdruckpapier hochwertig gedruckt, so dass man bei "Baukunst" auch jeden noch so fein gezeichneten Grundriss im Detail erkennen kann. Der Schutzumschlag, Basisfarbton das pharaonische Blau, ist attraktiv und stimmt mit drei Friesen, der Rücktitel mit einer Scheintür, auf das Thema ein. Ein schönes Buch. Schmuckstück ist nicht übertrieben.
Arnold trug über 570 Lemma auf 301 Seiten plus Anhang zusammen, klassisch in alphabetischer Reihenfolge angeordnet; zu jedem Stichwort die Literaturangabe (gleich Schneider). 320 Illustrationen, Karten, Pläne, Zeichnungen - Bauwerke, auch in markanten Teilen, Grund- und Aufrisse, Schnitte, Schwarz-weiß-Fotos u.a. -, dazu ein farbiger Bildteil mit 48 Tafeln.
Auf der Rückseite vermerkt der Verlag, dass es sich um "das erste umfassende Nachschlagewerk seiner Art" handelt. Mein Eindruck: Eine kompetente und exzellente Fundgrube für Fachleute, Hobbyägyptologen und jene, die an der Geschichte der Architektur interessiert sind. Da ich selbst an drei Lexika (andere Fachgebiete) mitarbeitete, kann ich ermessen, welch immenses Arbeitspensum der Professor zu bewätigen hatte.


Das Herz des Pharao: Roman
Das Herz des Pharao: Roman
von Lynda S. Robinson
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Die Seelenfresserin verstört Memphis, 29. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Herz des Pharao: Roman (Taschenbuch)
Mit diesem Titel habe ich auch den wohl letzten der auf Deutsch erschienenen Meren-Reihe der produktiven Amerikanerin gelesen, die den Quasi-Kriminalkommissar Tut-anch-Amuns erfand (Der Falke..., Der Spion..., Das Auge..., Das Herz des Pharao). Mit Neugier, wachsendem Interesse, gelegentlichem Schmunzeln oder Kopfschütteln. Typisch leichte amerikanische Krimis, nur eben rund 3 300 Jahre zurück versetzt. Durchaus erfinderisch und unterhaltsam geschrieben, auch für größere Kinder tauglich.
Festzustellen dabei, dass die Autorin mit jedem neuen Buch weiter ins Ägyptologische vordringt, so dass ihr grobe Schnitzer wie im "Falken" nicht mehr unterlaufen. Im "Herz" - der deutsche gibt den Originltitel nicht wieder - spielt sie gar horrormäßig mit der Seelenfresserin Ammit, die Memphis verunsichert, und lehrt den Leser das Gruseln. Hier bezieht sie aber auch mehr Altägyptisches ein als in den ersten Büchern. Zum Vorteil gerät, glaube ich, ebenso der Wechsel der Übersetzer. Beim "Herz" überzeugen Irmhild und Otto Brandstädter.
Lynda S. Robinsons Märchen für Erwachsene sind angenehme Urlaubslektüre, spannend, doch keine Aufreger, originell und unkompliziert. Nur hinterfragen sollte man sie nicht.


Hatschepsut. Die schwarze Löwin
Hatschepsut. Die schwarze Löwin
von Birgit Fiolka
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,94

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Optimal authetischer Roman, 29. August 2013
Dem Buch wünschte ich ein klareres Coverbild und ein besseres Layout. Auf den ersten Blick glaubt man, an Fantasy oder Esoterik zu geraten, und wer darin blättert meint, beim Computersatz sei vergessen worden, die Silbentrennung zu aktivieren. Erst beim Lesen stellt sich heraus, dass es sich um einen der besten der unzähligen Lebensromane der Hatschepsut handelt.
"Die schwarze Löwin" ist der erste von zwei Bänden aus der Feder von Birgit Fiolka, die mit ihrem Erstling um Ramses II. Tochter Bint-Anat einen Bestseller landete, und man kann ihr nur wünschen, dass sie mit diesem Doppel einen gleichen Erfolg erringt. Zumal sie sich damit selbst übertroffen hat.
In einem Statement auf ihrer Homepage zu den Hatschepsut-Romanen schreibt sie: "... man muss die Epoche verstehen und dramaturgisch wiedergeben können." Das ist ihr meisterhaft gelungen. Die Autorin stützt sich nicht allein auf genau recherchierte, auch neu entdeckte Fakten und füllt die archäologischen Lücken mit Phantasie und Logik ihrer Erzählkunst aus. Sie vermag tief einzudringen in die Lebens-, Gedanken-, Vorstellungs- und Gefühlwelt der Menschen jener Epoche mit dem absoluten Primat des Glaubens an die Götter, namentlich den thebanischen Hauptgott Amun, an die unumstößliche Maat, deren Mißachtung die Welt ins Chaos stürzt, an das Weiterleben im Jenseits, wenn das Herz des Menschen, vor dem Göttergericht gegen die Feder der Maat gewogen, die Prüfung besteht ... So erweckt Fiolka den Geist der Zeit zu mühelosem Nachvollzug des Lesers und erreicht dichte Atmosphäre und optimale Authentizität. Ausführliche Beschreibungen von Palästen, Kleidung, Festen und dergleichen sind nicht nötig.
Dieser erste Teil schildert spannend und berührend Hatschepsuts dornenreichen Weg zur Macht. Dabei wird die immer wieder kontrovers debattierte Frage, weshalb man sie als Frau wider die Tradition zum Pharao krönte und das Volk das Außergewöhnliche tolerierte, auf eigene und überzeugende Weise beantwortet. Das ist so schlüssig, trotz aller Fiktion so nahe an der (wahrscheinlichen) Realität, dass man meint, es hätte gar nicht anders sein können. Die meisten handelnden Personen haben wirklich gelebt, und jene, die die Autorin "dramaturgisch" notwendig erdachte, fügen sich verblüffend echt ein und bereichern das Spektrum der Charaktere. Eine geradezu geniale Idee Hatschepsuts lebender Ka.
Die Gliederung in die zwölf Stunden der Nachtfahrt des Re, die Personage am Anfang, das Nachwort und der ausgiebige Anhang tun ein Übriges.
Ich jedenfalls bin begeistert und freue mich auf den zweiten Teil. Das umso mehr, als die Autorin den Spannungsbogen jener Dramaturgie eingedenk so weit zog, dass man "Der goldene Falke" einfach lesen muss.


Die Macht der Pharaonen: Waffen und Militär im alten Ägypten
Die Macht der Pharaonen: Waffen und Militär im alten Ägypten
von Peter W.F. Heller
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Steinkeule bis zum Kriegsschiff, 9. Juni 2013
Er hat sich sein Markenzeichen fleißig erschrieben. Wissenschaftliche Gründlichkeit allgemeinverständlich umgesetzt und zu spannendem Lesevergnügen gemacht. So sollten Sachbücher heute sein.
Über ihn selbst findet sich im Internet ersraunlich wenig. Dr. Peter W. F. Heller (65), freier Archäologe, studierte Klassische Archäologie, Ägyptologie und Alte Theologie in Göttingen, Köln, New York, Miami, spricht sieben Sprachen, darunter Mittelägyptisch. Umsomehr erfährt man aus den Büchern des produktiven Autors. Amazon bietet aktuell sechs an.
"Die Macht der Pharaonen" sein jüngstes. Auf 432 Seiten (der Rest Leseproben aus weiteren Titeln) und reich illustriert mit Zeichnungen, Fotos, Karten, Plänen etc. (181 Schwarz-Weiß-Abbildungen in gutem Druck) widmet sich Heller Waffen und Militärwesen des Alten Ägyptens von der prädynastischen Zeit bis zum Untergang des Pharaonentums und der Herrschaft der Eroberer. Ein opulentes Werk, gespickt mit einer Fülle von Fakten, Daten, Hintergründen, Berichten von Zeitzeugen in Gräbern und Papyri (teils selbst übersetzt) sowie Geschichten. Alles auf neuestem Forschungsstand, manches erst von ihm selbst entdeckt.
Schon das ungewöhnliche Inhaltsverzeichnis macht neugierig. Wer anfängt zu lesen, hört von der strategischen Lage bis zu den Göttern des Krieges nicht mehr auf. Jedenfalls erging es mir so. Immer wieder erfährt man Neues oder Unbekanntes, während sich Bekanntes oftmals als Saga erweist. Am Ende der elf Kapitel hat man eine komplette Geschichte Altägyptens auf einem speziellen Gebiet kennengelernt, ohne welches die frühe Hochkultur nicht überlebt hätte. Gewiss mag das eine oder andere Experten bekannt sein (s. Bibliographie), doch eben nicht der Allgemeinheit. Und selbst Hobby-Ägyptologen dürften staunen.
Schwerlich, aus diesem kompakten Abriss etwas herauszuheben. Herstellung und Gebrauch der Kriegs- und Prunkwaffen etwa? Die raffinierte Weiterentwicklung der von den Hyksos erbeuteten Streitwagen? Rüstungen für die militärische Elite und Panzer für die Pferde? Der Bau von Nil-, See- und Kriegsschiffen? Heeresstruktur und Besoldung? Die gigantischen Festungen, im Süden fast ausnahmslos im Nassersee untergegangen? Manöver, Militärlager, Schlachtordnungen und Fehlspekulationen? Es bliebe Stückwerk; denn der Autor hat an alles gedacht und detailreich, überzeugend, hochinteressant dargestellt.
Auch der 50-seitige Anhang ist eine Fundgrube. Darunter das umfangreichste Verzeichnis der Herrscher, das ich bisher kannte, eine Kurzbeschreibung der Götter und die Bedeutung ägyptischer Namen.
Meine Begeisterung kann ich nicht verhehlen. Zumal "Die Macht der Pharaonen" bereits Hellers zweites Altägypten-Kompendium ist. 2008 erschien "Ärzte, Magier, Pharaonen. Mythos und Realität der altägyptischen Medizin". Offenbar beabsichtigt er eine Trilogie. Im Anhang zur "Macht..." avisiert der Verlag "Das Recht der Pharaonen. Recht und Richter im alten Ägypten".


Die Dienststelle: Ein kriminalistischer Tatsachenroman aus Hamburg und St. Petersburg
Die Dienststelle: Ein kriminalistischer Tatsachenroman aus Hamburg und St. Petersburg
von Klaus-Dieter Billerbeck
  Taschenbuch
Preis: EUR 27,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krimi aus Innenansicht, 17. April 2013
Nichts ist spannender als die Wirklichkeit. Das weiß einmal mehr, wer dieses Buch gelesen hat. Hier war niemand am Werk, der sich am Computer verzwickte Kriminalfälle samt Brand- und Schießorgien ausdenkt und es zwischendrin mittels Familienproblemen der Fahnder menscheln läßt. Hier hat ein gestandener Kriminalkommissar, nach 40 Jahren im Ruhestand, Erlebnisse und Erfahrungen eines turbulenten Lebensabschnitts aufgeschrieben ohne sich hinter einem Pseudonym zu verbergen. Kein Märchen für Erwachsene also, sondern echt "ein kriminalistischer Tatsachenroman aus Hamburg und St. Petersburg".
Es war eine brisante Zeit, damals vor exakt 20 Jahren. Der plötzliche Fall des Eisernen Vorhangs versetzte viele Westeuropäer, Politiker zuerst, in Euphorie. Keinem kam es in den Sinn, dass sich gleichzeitig unbemerkt eine neuartige Kriminalität mit hier nie gekannter Brutalität auf allen nur denkbaren Wegen einschlich. Die "Bisnismen" aus den Großstädten der zerbrochenen UdSSR, zusammengeschlossen meist aus alten Kadern in streng hierarchisch aufgebauten "Organisationen", erkannten sofort die Möglichkeiten, die ihnen eine übertolerante Gesetzgebung und ein intoleranter Datenschutz boten. "Deutsche Polizei - Kinderpolizei", spotten sie. Und den Richtern sagten sie "Verbrecherschutz vor Opferschutz" nach.
Klaus-Dieter Billerbeck erlebte die Anfangsphase, als die St. Petersburger Gruppierungen der sogenannten Russenmafia ihre erste Dependance in Hamburg etablierten, was (noch) niemand wahrhaben wollten, "life und in Farbe". Dank eines russischen Insiders und eigener Russischkenntnisse war er wohl der erste deutsche Kriminalist, der Einblicke in die kriminellen Netzwerke von Hamburgs Partnerstadt St. Petersburg erhielt.
Dies ist das eine Pfund, mit dem der Autor wuchern kann. Das andere ist die Innenansicht seiner Dienststelle zur Aufklärung von Kunstdiebstählen mit ihren Problemen, Animositäten, Alltäglichkeiten, die er offenbar authentisch und ohne Schönfärberei nachzeichnet. Beiden Strängen, die sich schließlich verknüpfen, folgt er in der Dramaturgie des Kriminalromans. Von Kapitel zu Kapitel - sie sind nach den jeweiligen Örtlichkeiten benannt - steigt die Spannung. Die coole Erzählweise gewinnt an Emotionalität; echte Liebe, wo bislang nur käufliche eine Rolle spielte. Charakter- und Milieuschilderungen überzeugen. Geradezu faszinierend, wie Billerbeck die beiden Städte ins Bild setzt- man könnte die Sehenswürdigkeiten mühelos anhand des Buches aufspüren.
Viel und unterhaltsamer Lesestoff. Und: Die Tragweite des Ganzen wird ohne Zeigefinger deutlich.
Der Schluss ist typisch für unsere Gesellschaft.
PS. Auf der Rückseite des Buches erfährt man, dass "Die Dienststelle" aufgelöst wurde und Hamburg als erstes Bundesland eine Dienststelle "Organisierte Kriminalität (O.K.)" gründete.


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