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Rezensionen verfasst von
Ernst Günther "ergü" (Dresden)
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Altägyptische Märchen. Übertragen und bearbeitet von E. Brunner-Traut. 25 Abbildungen; 42 ausgewählte Märchen; Quellen u. Anmerkungen. 1. Aufl.. (Buchreihe: Die Märchen der Weltliteratur). EA dieser Ausgabe. Originalhalbleinenband (Hardcover) mit Rückenvergoldung. Sauberes frisches Exemplar. - 312 S. (pages)
Altägyptische Märchen. Übertragen und bearbeitet von E. Brunner-Traut. 25 Abbildungen; 42 ausgewählte Märchen; Quellen u. Anmerkungen. 1. Aufl.. (Buchreihe: Die Märchen der Weltliteratur). EA dieser Ausgabe. Originalhalbleinenband (Hardcover) mit Rückenvergoldung. Sauberes frisches Exemplar. - 312 S. (pages)
von unbekannt
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Amüsant und informativ, 15. August 2014
Dies ist kein Kinderbuch. Sondern ein literaturhistorisches Meisterwerk für alle, die das Alte Ägypten lieben und möglichst viel wissen wollen. Eine Sammlung von Märchen, Mythen und mythologischen Erzählungen, Fabeln, Schwänken, Zauber- und Wundergeschichten sowie Geschichten aus christlicher Zeit (so die Überschriften der Kapitel). Das unübertroffene Standardwerk dieses Sektors der Ägyptologie, ein Highlight der Märchenforschung.
Die weltweit angesehene Professorin Dr. Emma Brunner-Traut (1911-2008), Ägyptologin und Ausgräberin, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ägyptischen Museen Berlin, München und Tübingen, Ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Institutes, schrieb zehlreiche Bücher in einem breiten altägyptischen Spektrum. Die "Märchen" sind nur eins davon, doch das mit der wohl höchten Auflage. Heute würde man sagen: ein Bestseller.
Für diesen Band suchte und studierte sie im In- und Ausland Papyri, Ostraka und Grabinschriften mit Text- oder Bildergeschichten, übersetzte, bearbeitete und erläuterte sie. Quellen und Anmerkungen nehmen im Buch ganze 52 Seiten ein. Ihr fundiertes Nachwort von 19 Seiten ist mehr als das: ein Essay, der mit der Einordnung des Einzelnen ins Ganze die Gedanken- und Glaubenswelt der Alten Ägypter auferstehen und uns verstehen läßt.
Auch erfährt der Leser Vieles in diesem Buch, was damals zu Papier gebracht wurde und in die Bibel Eingang fand und/oder seinen Weg durch Länder und Zeiten nahm. Oft schmunzelt man, wenn man erfährt, wo die Wurzeln eines heutigen Sprichwortes liegen.
Ich habe beim Lesen dieses "Schatzkästleins der Weltliteratur" viel Neues über das Alte Ägypten gelernt. Dank der präzisen Kommentare erweiterte sich - mitunter unerwartet - mein Horizont. Beispielsweise wurde mir erst jetzt die Rolle der Mythen so richtig klar. Jedoch habe ich mich auch köstlich amüsiert. Namentlich bei den göttlichen und menschlichen Geschichten schlitzohriger Autoren, bei Fabeln und Schwänken und sogenannten Satiren. Wie schön man doch Kritik an den Oberen in Schlachten von Mäusen und Katzen ausdrücken kann! Oder Belehrung aller durch Löwen erreicht! ...
So sehe ich das Buch als Fundgrube der Wissenschaft wie der Unterhaltung. Da stört es auch nicht, wenn mal ein altägyptisches Wort heute anders übersetzt wurde als jetzt gängig. Wer sich ein wenig auskennt, dem kommt es sowieso in den Sinn.
Dankbar bin ich meinem Berliner Freund, der mir kürzlich das Buch (aus der zweiten, erweiterten Auflage der Erstausgabe von 1963) schenkte. Da der Titel bei Amazon und amazon marketplace noch zu haben ist, denke ich, dass eine Rezension durchaus gerechtfertigt ist. Vielleicht freut sich die junge Generation der Hobby-Ägyptologen über diesen Tipp. Um Irritationen vorzubeugen, sei angemerkt, dass manch Anbieter anstatt der Verfasserin den Herausgeber Friedrich von der Leyen nennt. Von der Leyen jedoch ist Herausgeber des Gesamtzyklus' "Die Märchen der Weltliteratur".


Pamiu: Liebling der Götter
Pamiu: Liebling der Götter
von Birgit Fiolka
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Unterhaltungsliteratur, 14. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Pamiu: Liebling der Götter (Taschenbuch)
Vorweg: Toller Urlaubsroman. Keineswegs nur für Frauen.
Obgleich ich auf alles Altägyptische scharf bin, Sachbuch wie Roman, fiel mir "Pamiu" erst jetzt auf. Vielleicht auch deshalb, weil Birgit Fiolka auf ihrer aktuellen Homepage den Titel nicht aufführt. Sollte man grübeln, aus welchen Gründen?
Es ist das sechste Ägypten-Buch der produktiven und vielseitigen Autorin, das ich las. Die Amazon-Rezensionen sind sehr widersprüchlich. Da muss sich jeder eine eigene Meinung bilden. Die meinige:
Grundsätzlich beeindrucken mich bei den Fiolka-Romanen die fundierten Kenntnisse der Schriftstellerin (die übrigens auch privat die Ägyptomanie pflegt) vom pharaonischen Ägypten. Und mir scheint, dass diese von Titel zu Titel immer besser zur Geltung kommen. Dies gilt für "Pamiu" und macht das Buch für Ägyptenfans interessant. Zwar stützt sie sich hier auf Herodots umstrittene Charakterisierung des Cheops = Khufu als Tyrann sowie auf die überholte These, dass Sklaven seine große Pyramide erbaut hätten. Aber ist das nicht das Recht eines Romanciers? Zumal Fiolka in ihrem Epilog freimütig erklärt, "welche Teile meines Buches nicht auf Fiktion beruhen" und auch zum "Kufu-Problem" Stellung bezieht.
Sie schreibt wie stets flüssig, ideenreich, spannend - wie man es von Unterhalungsliteratur erwartet. Dass diese am Meisten gelesen wird, weiß wohl jeder. Ist sie deshalb schlechter? Wer das meint, sollte im Lexikon Populäre Kultur nachschlagen.
"Pamiu" ist nach meiner Ansicht ein typischer Frauenroman. Herz, Schmerz, der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, auch mal tränenfördernd, sex and crime, doch ohne grenzelose Freizügigkeit, so dass das Buch auch Kinder lesen können. Ich sehe nichts, was dagegen spricht, wenn es gut gemacht ist, die Charaktere leben und Sprache und Stil stimmen. Und wer zweifelt, dass es an Pharaonenhöfen so haarig zugehen konnte, informiere sich in Toby Wilkinsons Dokumentation "Aufstieg und Fall des Alten Ägypten". Übrigens: Läßt sich die Grundsituation von "Pamiu" nicht mühelos auf das Heute übertragen?
Ich gestehe: Ich habe die 12 Kapitel mit den altägyptischen Vorsprüchen tieferer Bedeutung gerne gelesen und bin zufrieden. Nur am großmütigen Schluss wage ich zu zweifeln. Aber so etwas sollen Frauen ja erwarten.


Sinuhe, Sohn der Sykomore
Sinuhe, Sohn der Sykomore
Preis: EUR 4,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sinuhe für alle, 13. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinuhe, Sohn der Sykomore (Kindle Edition)
Das Original ist rund 3900 Jahre alt. Der Papyrus erzählt auf umgerechnet etwa zehn Seiten eines heutigen Romans die abenteuerliche Geschichte des Sinuhe, Beamter am Hofe des Pharaos, und gilt heute als bedeutendstes literarischen Zeugnis Altägyptens und als älteste Abenteuergeschichte der Weltliteratur. Die Wissenschaft erforschte und deutete alles, was damit nur zusammenhängen könnte (s. Wikipedia). Doch der Allgemeinheit blieb die Selbstbiographie eher unbekannt. Zwar landete Mika Waltari 1945 mit "Sinuhe, der Ägypter" einen Weltbestseller, der auch verfilmt wurde, doch mit dem Original hat sein in der Zeit Echnatons angesiedelter Stoff wenig zu tun.
Umso löblicher das Unternehmen der studierten Ägyptologin, Lektorin und Schriftstellerin Kathrin Brückmann. Mit "Sinuhe, Sohn der Sykomore" holt sie das Original in einem eigenständigen Roman, doch stets entlang der Markseteine des Originals, in die Gegenwart, so dass nun jedermann mit Sinuhe Bekanntschaft schließen kann.
Darin sehe ich das entscheidendste Verdienst der Autorin. Es bleibt nicht das einzige.
Mit bewundertswertem Quellenstudium in zwei Kulturen und ihrer reichen Phantasie macht sie aus der Vorlage eine plausible Story für den heutigen Leser. Und das voller Spannung, Abwechselung, Detailtreue, Emotionen und psychologischem Tiefgang. Durch die einfühlsame Ergänzung des alten Textes wird dieser logischer und nachvollziehbarer und gibt der Geschichte "das Fleisch", das ein Roman braucht. Dabei nutzt sie nicht zufällig auch die altägyptische Weisheitsliteratur und andere didaktischen Lehren, die noch immer Gültigkeit haben, wodurch der Leser en passant Denkanstöße für sein Leben erhält.
Ist schon die historische Genauigkeit der Schriftstellerin bei der Darstellung des Lebens im wechselvollen Mittleren Reich Ägyptens (bis ins kleinste Detail) bemerkenswert, so gelingt ihr mit der Illustration des langjährigen Aufenthalts des Helden bei den Halbnomaden und ihren Ziegenherden im Oberen Retjenu (heute wohl Syrien/ Palästina) ein großer Wurf. Über die Lebensweise der von den Alten Ägyptern verachteten "Asiaten" und ihre archaische Kultur finden sich so gut wie keine Aufzeichnungen aus dem Pharaonenreich. Und die umherziehenden Stämme und bescheidenen Stadtstaaten hinterließen, wie Brückmann im Nachwort unterstreicht, "archäologisch kaum Spuren". Mit etwas Glück konnte sie wohl von den jüngsten sensationellen Forschungsergebnissen der Ausgrabungen der Stadt Qatna profitieren, von den Traditionen, die sich unter den Nomaden bis heute vererbt haben, lernen und mehr. Zusammen mit der künstlerischen Freiheit des Literaten wurde daraus ein einzigartiges und überzeugendes Bild.
Ich jedenfalls bewundere es: So muss es gewesen sein. Allerdings will ich nicht verhehlen, dass es mir zu sehr in die Breite lief, die dramaturgisch nicht nötig ist.
Summa summarum: Sinuhe für alle. Und niemand wird es bereuen, die 605 Seiten, eingeschlossen ein fabelhafter Anhang samt Nachwort, gelesen zu haben. Diesem "für alle"
kommt entgegen, dass das Werk neben der Papierform auch als Kindle-Edition (e-book) erschien und die Autorin selbst cleveres Marketing betreibt.

(Ich habe jedoch das Taschenbuch rezensiert!)


Aufstieg und Fall des Alten Ägypten: Die Geschichte einer geheimnisvollen Zivilisation vom 5. Jahrtausend v. Chr. bis Kleopatra
Aufstieg und Fall des Alten Ägypten: Die Geschichte einer geheimnisvollen Zivilisation vom 5. Jahrtausend v. Chr. bis Kleopatra
von Toby Wilkinson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fundamental, doch eigenwillig, 11. März 2014
Als ich den Wälzer - mit anhaltender Spannung - las, fiel mir eine Episode aus der Schulzeit ein. Wir hatten einen Hausaufsatz zum Thema "Die Bedeutung des Films" zu schreiben. Ich füllte eine Normschreibheft komplett und vom zweiten mehr als die Hälfte. Die Bewertung der Lehrerin: "Gesamtnote 1, schon des Fleißes wegen."
Das könnte auch unter diesem Buch stehen. Ein fundamentales Werk des mediengeprägten britischen Ägyptologen der jüngeren Generation Toby Wilkinson, adäquat übersetzt von Enriko Heinemann und Karin Schuler. Die komplette Geschichte Altägyptens auf 825 Seiten (samt ausgiebigem Anhang) im historischen Auf und Ab mit allen erdenklichen Querverbindungen. So etwas gab es wohl noch nie, und ich habe viel dazugelernt.
Der Autor schöpft aus einem unglaublich tiefen Wissensbrunnen und führt den Leser immer wieder zu neuen Erkenntnissen, selbst bei Bekanntem. Er begnügt sich nicht mit der üblichen Kunst- und Kulturgeschichte, sondern zeichnet ein vielfarbiges Bild der Gesellschaft in Gänze mit verblüffendem Detailreichtum. Dabei erhellt er Zusammenhänge und Hintergründe, macht Mythen und Mentalitäten, Denk- und Lebensweise der Alten Ägypter verständlich, blickt auch "hinter Fassaden", widerlegt hartnäckige Legenden und enthüllt manches, das als Geheimnis galt.
Dies alles trägt er mit einer von Wissenschaftlern nicht erwarteten Schreibe vor, flüssig, locker, Jedem verständlich, unterhaltsam, dramaturgisch exzellent gebaut, so dass der Leser trotz überbordender Faktenfülle bis zum Schluss gefesselt wird. Der Begriff Fach-Literatur erhält durch Wilkinson neue Bedeutung.
Allerdings stößt man auch auf Verstörendes. Vor allem bei seinen eigenwilligen Bewertungen. Gern nutzt er die Terminologie des 21. Jahrhunderts und die ideologiegeladene Sprache der Politik oder folgt gängiger Political Correctness - für eine Zeit, die Jahrtausende zurück liegt. So stellt er beispielsweise die Pharaonen in eine Reihe mit den kommunistischen Diktaturen von Rumänien und Nordkorea, attestiert den Ägyptern pauschal Fremdenfeindlichkeit, besonders brutale Kriegführung u. a. m. Das auf tiefer Religiosität basierende Gottkönigtum sei nichts anderes als "Despotie in Reinform", die altägyptische Hochkultur "reine Machtdemonstration" ...
Derlei Interpretationen des Professors sind für mich nicht hachvollziehbar. Eher erwartete ich Vergleiche mit anderen zeitgenössischen Reichen und Herrschern (Hethiter, Babylonier, Seevölker etwa); denn erst daraus wäre erkennbar, ob das Alte Ägypten tatsächlich "Das Antlitz der Tyrannei" trug, wie es eine Kapitelüberschrift suggeriert.


Die ägyptische Kunst
Die ägyptische Kunst
von Dorothea Arnold
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

5.0 von 5 Sternen Ägyptische Kunst für die Jackentasche, 9. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die ägyptische Kunst (Taschenbuch)
Wer sich kurz, kompetent und verständlich über ein historisches oder künstlerisches Thema informieren möchte, kann seit 1995 zur Taschenbuchreihe C.H. Becks WISSEN greifen. Als ich den ersten Titel rezensierte, Schlögels "Nofretete: Die Wahrheit über die schöne Königin" fanden 16 von 16 Kunden dies hilfreich.
Die deutsche Ägyptologin von Weltruf Dr. Dorothea Arnold ist die Autorin dieses Bandes. Sie war unter anderem an Grabungen in Kairo beteiligt und 27 Jahre lang als Kuratorin, später Leiterin der Abteilung Altägyptische Kunst am Metropolitan Museum of Art New York tätig, bis sie 2012 mit 77 Jahren emeritiert wurde. Wie nicht anders zu erwarten, ist das Büchlein der profunden Sachkennerin maßgeschneidert für den Zweck.
Der Leser erhält bei aller Kürze (128 Seiten) einen fundierten und fundamentalen Überblick, der mehr ist als ein Einblick in die merk-würdige Kunst der Pharaonenzeit. Zum Verständnis sind keine speziellen Vorkenntnisse erforderlich. Die Autorin vermeidet jede Sprachakrobatik, mit welcher manch Wissenschaftler kokettiert. Sie schreibt flüssig und überzeugend, mit feinem Stil und legt den Stellenwert dessen dar, was wir heute Kunst nennen, in Religion, Politik sowie im Leben des einfachen Volkes.
Gegliedert in sechs Abschnitte mit meist drei, einmal sieben Kapiteln erläutert Frau Dr. Arnold Bauwerke, Statuen, Reliefs und Malerei, Götter-, Herrscher- und die noch heute bewunderten erzählenden Bilder, vermittelt auch Einblicke in Werkstätten und Arbeitsweisen. Trotz des limitierten Umfangs hastet sie keineswegs durch ihre Thematik. Kompliment! Eine Zeittafel ermöglicht die Einordnung, ein Orts- und Namensregister erleichtert das Auffinden. 49 Abbildungen, davon 20 in Farbe, sowie zwei Karten illustrieren den Text.
Das Bändchen ist ein idealer Reisebegleiter für Jacken- oder Handtasche. Kehrt man beispielsweise nach dem üblichen Schnelldurchlauf beim Besuch der Kunststätten ins Hotel zurück, kann man in Kürze vertiefen, was der Guide herunter rasselte.
Momentan jedoch wird es Lesern wie vielen Ägyptologen ergehen. In ihren Herzen macht sich Trauer breit, wenn ägyptische Zeitungen Monat für Monat von Museumseinbrüchen, Raubgrabungen oder Grabräuberei, Schändung von Mumien, Zerstörung oder Köpfung von Statuen, Plünderung von archäologischen Depots und einem hochkriminalisierten Markt mit Artefakten berichten. Muss man sich um die Zukunft der Vergangenheit mit ihrer einzigartigen Hochkultur sorgen?


Der Sklave Hanis von Bruno Taconi
Der Sklave Hanis von Bruno Taconi
von Bruno Tacconi
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Spät entdeckt: Memoiren eines Aufsteigers, 5. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Italieniche Medien stellten der Roman in eine Reihe mit der Erzählung des Sinuhe. Nach Erstveröffentlichung erstürmte er die Bestsellerlisten in der Heimat des Autors. Auf Deutsch erschienen mehrere Ausgaben in der (guten) Übersetzung von Rosso de Eulah. Mir war er leider entgangen. Erst jetzt entdeckte ich ihn eher zufällig. Und las ihn mit wachsender Begeisterung. Schon das Sujet setzte mich in Erstaunen.
Tacconi stellt nicht Glanz und Gloria der Gottkönige in den Focus, sondern die "bewegteste und dunkelste" Epoche in der Geschichte des Pharaonentums am Ende des Alten Reiches, die mit Hungersnot und blutiger Revolution zum Zerfall des Landes von Biene und Binse führte. Die Erste Zwischenzeit folgte und damit ein langer Fortbestand des Chaos.
Über diese Zeit sind historische Belege spärlich, die Meinungen der Ägyptologen widersprüchlich. Gegen Ende der "ewigen" Herrschaft des letztlich senilen Pharaos Pepi II. nahmen Korruption, Intrigen, Mißwirtschaft und Steuererhöhungen überhand. Nomarchen und Adel drängten auf Selbständigkeit und untergruben die staatliche Ordnung. Während sie in Saus und Braus lebten, hungerte das Volk zunhmend. Jahrelang kam es offenbar zu mageren Nilfluten. Unkontrollierte Einwanderung von "Sandläufern", "Asiaten" und "allerlei Gesindels" verschärften die Lage. Der Hass auf die Oberen hatte jedoch auch religiöse Gründe. Totenkult und Jenseits waren Pharao, Nomarchen und Edlen vorbehalten; dem Volk sprach man eine Seele und Unsterblichkeit ab.
Guy Rachet spricht in seinem "Lexikon des Alten Ägypten" eindeutig von sozialer Revolution. Aus den "Mahnworten eines ägyptischen Weisen" (Ipu-Wer?) zitiert er unter anderem: "... die Bettler besitzen jetzt Reichtum ... Tore, Säulen und Wände sind verbrannt ... die Kinder der Beamten schlägt man an die Mauer ... die Sklaven sind Sklavenhalter geworden ... Was die Pyramide verbarg, ist geleert worden...".
Diese Sachbuchinformationen sind mir wichtig. Sie belegen, dass Tacconi bei der Schilderung des anarchistischen und grausamen Volksaufstandes nicht "gesponnen" hat. Vielmehr ist er nach meiner Kenntnis der Erste, der dieser ersten Revolution in der Literatur ein Gesicht gibt. Er muss lange und gründlich recherchiert haben - bis hinein in scheinbare Nebensächlichkeiten. Im Vorwort schreibt er: "Es gibt nur wenige Quellen, die uns von diesem mörderischen Bruderkrieg berichten, und ich stütze mich, um das einem Roman angemessene Zeitbild entwerfen zu können, vor allem auf den Papyrus Leiden 344r (Die Weissagungen des Ipu-Wer), auf die Überlieferungen des ägyptischen Priesters und Geschichtsschreibers Manetho von Sebennytos, Herodots Historiae und natürlich auf die einschlägige archäologische Literatur."
Mit diesem Hintergrundwissen erkennt der Leser, dass Tacconis erster Altägypten-Roman zu Unrecht vergessen ist. Ich zähle ihn zu den interessantesten, spannendsten, wichtigsten Romanen über die Zeit der Pharaonenherrschaft. Der Vergleich mit Sinuhe ist nicht von der Hand zu weisen.
Weitgehende Authentizität verbindet der preisgekrönte Schritsteller mit Liebe, Sex & Crime, Erfolg, Niederlage und Tragödie, spart auch nicht Melodramatisches aus. Das alles erzählt er nüchtern und ohne Redundanz in einer Sprache, die den Leser von heute erreicht und doch genügend ägyptische Atmopshäre vermittelt. Philosphische Reflexionen, insbesondere zum Elend grenzenloser Revolution und dem menschlichen Charakterwandel in Krisenzeiten, bilden für mich den berühmten Punkt aufs i.
Der Autor wählt die Form eines Lebebensberichts seines Helden. Ich-Erzählung übt stets Fasziantion aus. So sind es Memoiren eines Aufsteigers, der als illegitimes Kind einer Prostituierten von der Mutter als Sklave verkauft wird, mit Gewissenhaftigkeit und Glück alle Abenteuer durchsteht, bis zum Wesir aufsteigt und schließlich zurücktritt, um sich der Familie zu widmen. Wahrlich eine fesselde und nachempfindbare Geschichte.
Wie gut, dass dieses Buch noch bestellbar ist.


Das Münchner Buch der Ägyptischen Kunst
Das Münchner Buch der Ägyptischen Kunst
von Sylvia Schoske
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Neues Museum - neues Buch, 1. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der steinerne Kopf Sesostris III., ernst und lebensecht, prägt den weißen Umschlag. In goldenen Lettern der Titel selbstbewusst und lokalpatriotisch: Das Münchner Buch der Ägyptischen Kunst. Schlicht darüber die Autorennamen Sylvia Schoske/ Dietrich Wildung. Diese edle Gestaltung durch "Kunst oder Reklame, München" macht das Buch schon auf den ersten Blick interessant.
Am 11. Juni 2013 wurde der Neubau des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst München eröffnet. Eine der drei bedeutendsten Altägyptensammlungen Deutschlands erhielt damit etwa dreimal mehr Platz als zuvor und - seine einzigartige Präsentationsform. In dem hochmodernen Bau (samt Technik) zeigt das neu konzipierte Museum - Themen statt Chronologie - seine Schätze in Beton, Glas und Licht. Ein absolutes Novum. Der Besucher erreicht es über eine große Freitreppe im Untergeschoss (!), und ihn umfängt eine Atmosphäre, die die gigantischen Bauten der Tempel und Gräber der Pharaonen ins Bewusstsein holt.
Zum neuen Museum das neue Buch. Kein Katalog, sondern eine neuartige Kunstgeschichte für jedermann. Sie geht von den wertvollen Beständen des Hauses aus, spannt den Bogen jedoch weiter. Eben ein Kompendium, das dem Anspruch des Titels und des neuen Museums gerecht wird. Die über die Fachwelt hinaus bekannten Autoren bürgen für Qualität und Kreativität. Professor Dr. Dietrich Wildung studierte in München Ägyptologie und Archäologie, machte sich international einen Namen als Ausgräber in Ägypten und Sudan, leitete von 1975 bis 1988 das Münchner Museum der Ägyptischen Kunst und von 1989 bis 2009 das Ägyptische Museum Berlin. Er schrieb zahlreiche Bücher, hatte/hat mehrere wichtige Ämter inne und wurde hoch dekoriert. Die Ägyptologin Dr. Sylvia Schoske ist seit 1982 im Münchner Museum tätig, seit 1989 als dessen Direktorin. 1988 heiratete sie Dietrich Wildung.
Beider Buch "versteht sich als Dolmetscher, der die Sprache der altägyptischen Künstler in uns verständliche Worte überträgt" (Vorwort). Es führt nach "Grundlagen der ägyptischen Kunst" in 14 Kapiteln durch die altägyptische Kunstgeschichte von 4000 v. Chr. über alle Dynastien, Zwischenzeiten und Fremdherrschaft bis hin zu "Ägypten in Rom", Meroe und dem frühen Christentum. Bei aller Wissenschaftlichkeit und Verdichtung allgemein verständlich geschrieben; die Kapitelüberschriften in einem Wort neugierig machend formuliert; die Texte mit journalistischer Raffinesse immer mal wieder locker aufbereitet, so dass scheinbare Kleinigkeiten die Beweisführung quasi illustrieren.
Das Werk ist opulent bebildert. 163 Fotos von hoher Qualität. Neben Objekten aus dem Museumsbestand sind auch vier Leihgaben aus Privatbesitz, zwei von Institutionen sowie drei der Republik Sudan zu sehen.
Ich kann das Buch nur empfehlen. Gleichermaßen das Museum, in welchem viele Stücke wiederzufinden sind. Wer weiß, wann wir wieder sorglos ins Pharaonenland reisen können.


Hatschepsut. Der goldene Falke
Hatschepsut. Der goldene Falke
von Birgit Fiolka
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,94

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prädestiniert für einen Film, 24. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Hatschepsut. Der goldene Falke (Taschenbuch)
Von der "scharzen Löwin" zum "goldenen Falken". Die Geschichte einer couragierten Frau, die als überzeugte Gottestochter und nicht aus Machthunger die tradierte Männerdomäne durchbricht und als Pharao des Friedens und der Liebe zu ihrem Volk regiert. Neuartig und kenntnisreich erzählt von einer Frau. Wobei mir scheint: So kann das auch nur eine Frau. Birgit Fiolkas Anliegen war es, wie sie im Nachwort betont, "die Geschichte der Hatschepsut aus einem anderen, tieferen und psychologischeren Blickwinkel" darzustellen. Und das gelingt ihr in faszinierender Weise. Wenngleich ihre Interpretation tief in der Historie verwurzelt ist, erreicht sie eine hohe Allgemeingültigkeit über Jahrtausende.
Es sind zwar zwei Bücher, doch ist es ein Roman. Wer sich mit einem Teil begnügt, amputiert sein Lesevergnügen. Ein Verzicht, der jenem gleichkommt, einen packenden Film in seiner Mitte verlassen zu müssen. Man wird sich ewig ärgern, nicht erfahren zu haben, wie die Story ausgeht. Happy End oder Tragödie oder was?
Fiolkas Roman bietet sich, nebenbei bemerkt, geradezu an für eine Verfilmung. Eine außerordentliche Periode der altägyptischen Geschichte, in welcher der Einzig Eine im Doppel vorkommt und beide, darunter unerhörter Weise gar eine Frau, gleichzeitig Kronen und Szepter tragen. Ein unmündiger Knabe, der zum Heerführer heranwächst und auf Eroberung drängt, und seine "Majestät Tante", die den Menschen mit Handel statt Krieg Wohlstand bringt. Die Brisanz dieser Konstellation liegt auf der Hand.
Wie das Zusammenleben der Kontrahenten in Wirklichkeit verlief, weiß niemand. Die meisten Ägyptologen präferieren eine friedliche Koexistenz. Andere glauben eher, dass eine herrschsüchtige Frau ihren Neffen unterdrückte. Keine Seite kann ihre These ausreichend belegen. Und die historischen Romane über diese Zeit haben sich in der Regel um eine neue Lesart gar nicht erst bemüht.
Das dürfte die Autorin dieses Buches gereizt haben. Sie legt den Focus explizit auf dieses Verhältnis und kommt über die Psychologie zu neuen Erkenntnissen. Ihre Hypothese ist jedenfalls überzeugender als das, was die Ägyptologie vorlegen kann, weil sie sich primär an den Menschen und ihren Charakteren orieniert. Dabei zeichnet sie die Personen im Umfeld der "Hauptdarsteller", gleichviel ob Ratgeber oder Intriganten, mit derselben Genauigkeit, vielschichtig und wandelbar. Nur bei Fiesling Sary bin ich der Ansicht, dass sie ihm zuviel Raum, Wiederholungen eingeschlossen, gibt, so dass die Proportionen in Gefahr geraten.
Vom zeitlichen Ablauf her ist es nur logisch, dass erst der zweite Band die Dramaturgie voll zur Wirkung bringt. Er hält nicht nur, was der erte verspricht. Spannung und Dramatik steigen von Kapitel zu Kapitel. Natürlich auch die Erkenntnis.
Das große Lob für die Autorin in meiner Rezension des ersten Teils kann ich nach dem Lesen des zweitens trotz einer kleinen Irritation gegen Schluss nur doppelt unterstreichen.


Lexikon der ägyptischen Baukunst
Lexikon der ägyptischen Baukunst
von Dieter Arnold
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellente Fundgrube, 30. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Zufall wollte es, dass dieses Buch das 7. altägyptische Lexikon meiner Bibliothek wurde. Hat Amun seine Hand im Spiel? schmunzelte ich. Lange nämlich dachte ich, dass ich bei der vorhandenen lexikalischen Vielfalt auf dieses so spezielle verzichten kann. Eine Studienreise zu den historischen Stätten belehrte mich eines Besseren. Es ergaben sich viele Fragen zur pharaonischen Baukunst, die nicht oder nicht ausreichend beantwortet werden konnten. Und ich wollte selbst nachlesen, schnell und fundiert informiert werden. Das kann jetzt geschehen. Mit Freude stelle ich fest, dass es sich um ein wissenschaftliches Werk auf hohem Niveau handelt, welches ohne Fachchinesisch auskommt.
Alleinautor ist der renommierte deutsche Ägyptologe Prof. Dr. Dieter Arnold, heute 77, Ordentliches Mitglied des Deutschen Archäogischen Instituts, Leiter der Ägyptenabteilung des Metropolitan-Museums New York, langjähriger Ausgräber und weltweit geschätzte Koryphäe der altägyptischen Baukunst. Ein anderer Amazon-Rezensent schrieb: "Die Werke des Autors lassen das meiste, das zu dem Thema ägyptische Architektur in deutscher Sprache erscheint, weit zurück." Also mußte ich das Lexikon kaufen!
Herausgebracht hat es Albatros im Jahr 2000, der selbe Verlag, der das gleich erstklassige Lexikon der Pharaonen von Thomas Schneider edierte. Beide Titel sind gleich aufgebaut, auf Kunstdruckpapier hochwertig gedruckt, so dass man bei "Baukunst" auch jeden noch so fein gezeichneten Grundriss im Detail erkennen kann. Der Schutzumschlag, Basisfarbton das pharaonische Blau, ist attraktiv und stimmt mit drei Friesen, der Rücktitel mit einer Scheintür, auf das Thema ein. Ein schönes Buch. Schmuckstück ist nicht übertrieben.
Arnold trug über 570 Lemma auf 301 Seiten plus Anhang zusammen, klassisch in alphabetischer Reihenfolge angeordnet; zu jedem Stichwort die Literaturangabe (gleich Schneider). 320 Illustrationen, Karten, Pläne, Zeichnungen - Bauwerke, auch in markanten Teilen, Grund- und Aufrisse, Schnitte, Schwarz-weiß-Fotos u.a. -, dazu ein farbiger Bildteil mit 48 Tafeln.
Auf der Rückseite vermerkt der Verlag, dass es sich um "das erste umfassende Nachschlagewerk seiner Art" handelt. Mein Eindruck: Eine kompetente und exzellente Fundgrube für Fachleute, Hobbyägyptologen und jene, die an der Geschichte der Architektur interessiert sind. Da ich selbst an drei Lexika (andere Fachgebiete) mitarbeitete, kann ich ermessen, welch immenses Arbeitspensum der Professor zu bewätigen hatte.


Das Herz des Pharao: Roman
Das Herz des Pharao: Roman
von Lynda S. Robinson
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Die Seelenfresserin verstört Memphis, 29. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Herz des Pharao: Roman (Taschenbuch)
Mit diesem Titel habe ich auch den wohl letzten der auf Deutsch erschienenen Meren-Reihe der produktiven Amerikanerin gelesen, die den Quasi-Kriminalkommissar Tut-anch-Amuns erfand (Der Falke..., Der Spion..., Das Auge..., Das Herz des Pharao). Mit Neugier, wachsendem Interesse, gelegentlichem Schmunzeln oder Kopfschütteln. Typisch leichte amerikanische Krimis, nur eben rund 3 300 Jahre zurück versetzt. Durchaus erfinderisch und unterhaltsam geschrieben, auch für größere Kinder tauglich.
Festzustellen dabei, dass die Autorin mit jedem neuen Buch weiter ins Ägyptologische vordringt, so dass ihr grobe Schnitzer wie im "Falken" nicht mehr unterlaufen. Im "Herz" - der deutsche gibt den Originltitel nicht wieder - spielt sie gar horrormäßig mit der Seelenfresserin Ammit, die Memphis verunsichert, und lehrt den Leser das Gruseln. Hier bezieht sie aber auch mehr Altägyptisches ein als in den ersten Büchern. Zum Vorteil gerät, glaube ich, ebenso der Wechsel der Übersetzer. Beim "Herz" überzeugen Irmhild und Otto Brandstädter.
Lynda S. Robinsons Märchen für Erwachsene sind angenehme Urlaubslektüre, spannend, doch keine Aufreger, originell und unkompliziert. Nur hinterfragen sollte man sie nicht.


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