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Beiträge von Rainer Ascherson
Top-Rezensenten Rang: 2.445
Hilfreiche Bewertungen: 873
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Rezensionen verfasst von Rainer Ascherson (Berlin)
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Üppiger Bildband über die klassischen Gärten Japans, 12. März 2012
In ihrem Buch '"Der japanische Garten"' stellt Helena Attlee uns 28 'klassische' Gärten in Japan vor. In ihrem Text erzählt sie die Geschichte der einzelnen Gärten und erläutert die kulturspezifische Symbolik der Pflanzen und einzelnen Gartenelemente - zusätzlich gibt`s am Ende des Buches eine Liste mit Adressen und websites der Gärten, um eine Besichtigung der Anlagen vorzubereiten. Für mich ist es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie in diesen Gärten jede bearbeitete Pflanze, jeder Stein, jeder Baum mit größter Sorgfalt zur Illusion eines nahezu unbegrenzten Raumes arrangiert wird. Seit über Tausend Jahren gilt was der Dichter Li Gefei in seiner '"Chronik der berühmten Gärten von Luoyang"' als die wichtigsten sechs Gartenattribute definiert hat (Seite 51): "Weite und Aufgeschlossenheit Kunstfertigkeit und Alter Wasser und weiter Blick" Beispielhaft erwähnen möchte ich den Garten von Ryoan-ji, vielleicht Japans berühmtester Garten. Hier gibt es keine Pflanzen, kein Wasser, keine Bäume ' aber: 15 Steine. Diese sind so plaziert, dass von jedem beliebigen Punkt nicht mehr als 14 davon zu sehen sind. Das Arrangement soll dem Gedanken Ausdruck verleihen, dass Vollkommenheit hier zwar existiert, aber auf dieser Welt nur sehr schwer zu erlangen ist. Wundervoll sind die beigefügten Bilder von Alex Ramsay. Zum einen zeigen sie Panorama-Ansichten der Gärten, zum anderen Detail-Ansichten der Gartenanlagen, aber auch herrliche Portraitaufnahmen von Pflanzen und Tieren. Schön finde ich, dass viele Bilder Kirschen, Aprikosen oder Azaleen in voller Blüte zeigen. Menschen sind so gut wie nie auf den Bildern zu sehen, höchstens wie sie ' in traditioneller Tracht ' gärtnern. Viele Aufnahmen entwickeln einen regelrechten Sog, sodass der Leser in diese Landschaft hinein gebeamt wird. In einem Portrait über den Garten von Daichi-ji wird der Abt des Klosters gefragt, ob er viel im Garten meditiere, seine Antwort (Seite 17): "'Nein, aber ich erspüre ihn mit dem Herzen".' Das hat mich ein bisschen an "'Der kleine Prinz"' von Antoine de Saint-Exupéry erinnert, wo der kleine Prinz sagt: '"Man sieht nur mit dem Herzen gut!"' und dazu können wir Leser doch nur sagen: '"Genau!"' Die englische Ausgabe (gleiche Buchgröße) kostet bei Amazon übrigens lediglich 15,95 € (sic!) - leider zu spät gemerkt.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Na ja..., 4. März 2012
Dr Marina Singh reist ins Amazonasbecken, die letzte Habe ihres toten, verschollenen Arbeitskollegen, Dr Anders Eckmann, zu bergen und seiner Frau in die USA zu bringen. Gleichzeitig soll sie im Namen ihres Chefs, dem 61-jährigen Mr. Fox (zufällig auch ihr Geliebter), nach Dr Annika Swenson schauen. Diese ist seit Jahren im brasilianischen Urwald (mit diversen anderen Wissenschaftlern) unter anderem damit beschäftigt, die Substanz zu isolieren, die dem Stamm der "Lakaschi" Fruchtbarkeit bis ins hohe Alter ermöglicht. Seit 26 Monaten hat Fox nichts mehr von ihr gehört, die monatlichen Geldzuweisungen wurden allerdings abgehoben. Die Charaktere der Protagonisten sind holzschnittartig, um genauer zu sein: sie sind wie mit der Kettensäge geschnitten. Beim Lesen fühlte ich mich wie als würde die Autorin entlang einer (unsichtbaren) checkliste alle relevanten '"Frauen"'-themen abarbeiten: Marinas unverarbeitete Beziehung zu ihrem Vater, ausführliche Diskussion über die Art und Sinn der Partnerschaft zu ihrem (älteren) Lebensabschnittpartner, Kinderwunsch einer über 40-jährigen und als running gag, die "Lakaschi"-Frauen, die ständig an den langen Haaren der westlichen Besucher herumwerkeln, weil sie eigentlich alle Friseurinnen werden wollen (Einschub der Protagonistin der Autorin). Habe ich schon erwähnt, dass eine der Wunderpflanzen die Farbe hellblau ("Avatar" läßt grüßen) besitzt? Unwichtig eigentlich zu erwähnen, dass die lateinischen Namen der Arten binär sind, also aus zwei Wörtern bestehen (und nicht wie im Roman aus drei). Möglicherweise wird für Leserinnen die Perzeption des Romans aber eine andere sein, als wie für mich als Leser. Gibt's etwas Positives zu berichten? Ja, Ann Patchett hat einen luftig, lockeren Stil, sodass ich das Buch an einem Wochenende durchgelesen habe. Weil ich mich für Pflanzen interessiere, fand ich die Erwähnung des 'Farnkrautphänomens' interessant. Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt, aber: bei lichtmikroskopischer Betrachtung des Zervixschleims zeigt dieser kurz vor der Ovulation ein Farnkraut ähnliches Kristallisationsmuster. Das Ganze Buch hat auf mich wie das Essen einer Tütensuppe gewirkt: zwar schmecken die einzelnen Zutaten nach Gemüsesuppe, aber irgendwie wirkt es zu konstruiert und die Inhaltsleere wirkt im Nachgang nach wie Glutamatgeschmacksverstärker.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Dies Irae - phänomenale Naturbeobachtungen -zwei interessante Zugaben: Schriftwechsel mit C. Darwin & Literatur Nobelpreis 1914?, 20. Februar 2012
Irgendwie hatte Fabre beim Abfassen seines 3. Bandes seiner 'Erinnerungen' 1886 eine schlechte Zeit. Er regt sich (S. 154) über Taxonomen auf, deren 'Zyklopenkauderwelsch' die Wissenschaft nicht braucht. Wettert über 'die von der Wissenschaft gepriesene Faulheit' (S. 82); schimpft über die 'düsteren Hirngespinste eines Schopenhauer' (S. 107); geht mit Deutschland ins Gericht (Seite 361): 'da diese Theorie aus Deutschland kommt, kann sie mir nur tiefes Misstrauen einflössen'und überhaupt Charles Darwin und seine Evolutionstheorie ist im ganzen Buch immer wieder Erwähnung wert, so z.B. 'Unsinn...dass der Mensch von einem ungehobelten Affen abstammt.' Das ganze endet mit der Aussage (Seite 367): 'Meine lieben Insekten...Für heute muss ich mich verabschieden. Um mich haben sich die Reihen gelichtet..Werde ich weiterhin von euch reden können?' Gott sei Dank wird der Leser bei Lektüre des Bandes wieder einmal von Fabres Beobachtungsgabe, Humor, Geduld und Experimentierfreude beim Studium der Insekten fasziniert. Wer hat jemals schon von dem im Bienenstock der Pelzbiene parasitär lebenden Trauerschweber, eine Kuckuksbiene, gehört? (By the way: den Druckfehler auf Seite 70 wo von Brustschmarotzer (statt Brut-) die Rede ist, sollte man bei einer Neuauflage revidieren). Die Entdeckung der Neuen Welten geht also munter weiter. Diesmal muss sogar Fabres Arbeitszimmer daran glauben und wird zum Versuchslabor für Studien zum Brutverhalten der Bienen umfunktioniert. Daneben gibt es noch Berichte über die Zweigestreifte Dolchwespe (mit immerhin 10 cm Flügelspannbreite), Trauerschweber, Pelzbiene, Stelis, Mauerbiene, Schuppen Mörtelbiene, Empusa das 'Teufelchen' und die Gottesanbeterin. Aber auch über das Liebesspiel der Weichkäfer (Seite 228): 'man könnte meinen, das Tier habe einen epileptischen Anfall...die Paarung dauert etwa zwanzig Stunden.' Natürlich geht Fabre auch auf das Verhalten der Menschen ein und gibt seine Meinung zum Besten 'ich kenne außer dem Menschen keinen Parasiten, der auf Kosten anderer lebt (in derselben Art)' (Seite 79). Sein Motto: 'Tätig sein heißt leben.' (Seite 82). Die dem Buch beigegeben Zeichnungen überzeugen mich (meistens) nicht. Der Hauptkritikpunkt: nur wer die Tiere kennt, kann erahnen was bzw. wer auf den Abbildungen von Christian Thanhäuser 'verhuscht' dargestellt sein soll. Symptomatisch die Darstellung eines Pflanzenhaufens (Seite 205), nachdem Fabre zwei Seiten vorher das "Teufelchen" (Empusa pauperata) vorgestellt hat 'in der hiesigen Insektenwelt gibt es kein eigentümlicheres Geschöpf". Inzwischen habe ich mir den Naturführer von Heiko Bellmann 'Bienen, Wespen, Ameisen' gekauft, der zumindest auf Gattungsebene die meisten von Fabre aufgeführten Tiere enthält (=bebildert). Positiver Nebeneffekt: die Beobachtungen Bellmanns zeigen noch einmal deutlich was für ein formidabler Naturforscher Fabre war. Aber wie in den Rezensionen der vorherigen Bände geschildert: Das Fabres Gesamt-Werk nun uns Lesern in deutscher Sprache zur Verfügung gestellt wird, verdient Lob und Ehre und sollte nicht durch meine 'Bilder-Kritik' marginalisiert werden. Die Zugaben des Buches haben es in sich. Da ist zum einen der komplette Briefwechsel von Fabre mit Charles Darwin. Herausgegeben hat ihn Julia Voss und diesem einen einleitenden Essay voran gestellt. Fabre resümiert im Brief an Darwin (vom 03.01.1880): 'Wir mögen uns zwar über die Schlüsse..nicht immer einig sein, aber eine vollkommene Harmonie zwischen uns schaffen wird, ist die tiefe Bewunderung für den Fleiß der Insekten' (Seite 383). Der zweite Appendix ist ein Artikel von Clemens J. Setz, dieser deckt auf, dass Fabre nicht nur 1912, sondern auch 1914 für den Literatur Nobelpreis vorgeschlagen wurde. Er suggeriert außerdem (Laudatio von Erik Karlfeldt und Besuch des französischen Präsidenten), dass Fabre den Nobelpreis auch 1914 wirklich erhalten habe. Laut Wikipedia und dem von ihm zitierten nobelprize.org ist der Literatur Nobelpreis aber 1914 nicht vergeben worden. Ich habe deshalb bei nobelprize.org angefragt. Antwort des Nobelprize.org-Teams (e-mail v. 14.02.2012): 'J-H Fabre was not awarded the Nobel Prize in Literature, although he was nominated both in 1912 and 1914.' Weiterhin gilt: Es ist reines Vergnügen sich jedes halbe Jahr auf das Erscheinen (und Lesen) eines neuen Bandes von Fabres 'Erinnerungen eines Insektenforschers' zu freuen, dieser Spaß soll ' laut Verlag ' noch bis 2015 andauern. Toll. Fantastico!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Klasse Photos + ansprechender, informativer Text = tolles Pflanzenbuch, leider mit Fehlern, 19. Dezember 2011
Hugh Johnsons 'Bäume' ist in einer blumigen, humorvollen, anschaulichen Sprache geschrieben, die mir sehr gut gefällt und die das Lesen dieses Buches zu einem großen Vergnügen macht. Einige Beispiele: Seite 168: 'Magnolia dentata hat breite, reinweiße Blütenblätter, die so dick wie ein Briefmesser aus Elfenbein sind.' Seite 98: 'Die Zapfen der Korea Tanne erinnern mich an dekadente, mit Gold und Edelsteinen verzierte Porzellannachbildungen von Pralinen oder Spiegeleiern.' Seite 99: 'die Pindrow-Tanne hat in meinem Garten 25 Jahre überlebt; ohne jemals so zu wirken, als würde es ihr Spaß machen.' Das reich bebilderte Buch zeigt die Bäume in Detail- und Großaufnahmen. Besonders die meist doppelseitigen 'Lebensraum-Bilder' empfinde ich als sensationell. Die Bäume zeigen eine Erhabenheit, die einen berührt und der Betrachter wird regelrecht in die Landschaft hinein gebeamt. Im Anfangsteil lernt der Leser einiges über die Biologie der Bäume, ihre Einführung in die Gartenlandschaft, Ökologie, Erforschung und Systematik kennen. Die Definition eines Baumes ist schnell erklärt (Seite 9): 'Ein Baum ist eine verholzende Pflanze, die mindestens sieben Meter hoch werden kann und vorzugsweise einen einzigen Stamm hat.' Der Hauptteil des Buches besteht in der Vorstellung der einzelnen Baumarten, ca. 600. Johnson schreibt hier eine Prosa, die beim Lesen Laune und Spaß macht, so dass man im Buch regelrecht schmökert. Die Douglasie hält er übrigens für den größten schönen Baum und der hässlichste Baum ist ' seiner Meinung nach ' eine Trauerform des Bergmamutbaumes. Im letzten Teil des Buches geht der Autor auf die zwölf-Monatsabfolge von Blüten, Blättern und Früchten ein. Ein Kapitel beschäftigt sich mit der Bedeutung der lateinischen Namen, im Verzeichnis der Baumarten gibt es Hinweise auf Höhe, Besonderheiten und Klimaansprüche. Gibt es auch Anlass zur Kritik: Ja, beispielsweise fehlen, die m.M. nach, interessantesten Bäume der Welt: Boabas, das sind zwar nur acht Arten, aber trotzdem schade, das sie keine Erwähnung fanden. Johnson stellt uns als größten Baum der Welt 'General Shermann' mit einer Höhe von 84 Meter und 31 Meter Stammumfang vor. Leider erwähnt er nicht, das G.S. nur noch ein Schatten seiner selbst ist: erst durch Feuer, dann durch Sturm ist er seit 2005 nur noch 35 Meter hoch (s.b. James Balog 'Baumriesen'). Auf Seite 95 werden die taxonomischen Rangstufen verwechselt (Varietät und Unterart und zwar zweimal direkt hintereinander). Abbildung Seite 11: Wasserstoff wird mit Kohlenstoff verwechselt. Generell: bei dieser Anhäufung an Wissenswertem wäre ein Literaturverzeichnis nicht schlecht gewesen. Abschließend gesagt, ohne die oben erwähnte Kritik noch einmal aufzugreifen, ist das Buch 'Bäume' von Hugh Johnson ein haptischer und optischer Genuss. Der Text ist äußerst kurzweilig zu lesen und ich empfehle es gerne weiter...
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Unterhaltsam. Amüsant. Beginn einer Neuauflage von Nancy Mitfords Werken., 19. Dezember 2011
Der Verlag Graf startet mit dem 1935 geschriebenen Roman und nun zum ersten Mal ins Deutsche übersetzte '"Landpartie mit drei Damen'" die Neuauflage der wichtigsten Bücher von Nancy Mitford. In dem Buch sind alle Eigenschaften versammelt, die das Lesen der Bücher von Mitford so genussvoll machen: Humor, eine triviale Geschichte, Ironie, Spott, witzige Formulierungen & Happy End. Ein Beispiel möge genügen: Seite 99f: 'Wollen Sie mich heiraten?' 'Seien Sie nicht töricht.' 'Töricht ist mein zweiter Name.' Im Mittelpunkt stehen zwei Mitgiftjäger, Noel Foster und Jasper Aspect. Foster hat eine kleine Erbschaft bekommen, die die beiden Protagonisten ein halbes Jahr über Wasser halten. Während dieser Zeit versuchen sie eine reiche Frau zu angeln und so nimmt das 'Schicksal' seinen Lauf... Als einer der köstlichsten Ideen von Mitford, empfinde ich das erfundene 'Peersmont', ein Irrenhaus für durchgeknallte, alte Lords, die hier in einem nachgebauten Oberhaus weiter über Politik schwadronieren können. Das Buch ist durchsetzt mit ironische Spötteleien über den britischen Faschismus. Nancy Mitford hat eine Neuauflage des Buches 1951 abgelehnt (Brief an Evelyn Waugh): 'Es ist zu viel passiert, als dass man Naziwitze komisch oder nicht geschmacklos finden könnte. Es geht nicht mehr. Immerhin ist es 1934 geschrieben, ich konnte wirklich nicht voraussehen, was danach noch alles passieren würde.' Auf der anderen Seite: wenn man eine Werkschau von Mitfords Büchern beginnen will, gehört dieses Buch dazu. Der Verlag hat deshalb ein erklärendes Nachwort von Charlotte Mosley (eine Verwandte von Nancy Mitford) beigefügt. Interessant finde ich hier vor allem, dass deutlich wird wie viele Protagonisten des Romans von Familienmitgliedern inspiriert wurden. Nancys Schwestern Diana und Unity waren überzeugte Faschisten. Vor allem Diana (sie war mit Mosley, dem Chef der British Union of Fascits, verheiratet) war gegen die Veröffentlichung des Romans, weil sie 'Faschismus für eine viel zu ernste Angelegenheit für einen komischen Roman hielt'. Aber auch Unity stellte sich quer: ' Der Nationalsozialismus ist meine Religion, nicht bloß meine Partei'. 'Bravo' dem Verlag für den Mut Nancys Mitford Bücher wieder aufzulegen. Ich freue mich schon auf die nächsten Bände...
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Amüsant. Traurig. Gut., 26. Oktober 2011
Selten habe ich mich beim Lesen des Anfanges eines aktuellen deutschen Romans so amüsiert wie bei "Der Hals der Giraffe" von Judith Schalansky. Die Hasstriaden der 55 Jahre alten Biologie-Lehrerin Inge Lohmark über ihre Schüler fand ich amüsant. Allein das Diagramm der Sitzordnung mit den kennzeichnenden Merkmalen der einzelnen Schüler fand ich köstlich bizarr. Wer sich so engagiert, muss seine Schüler eigentlich lieben'. Im weiteren Verlauf der Geschichte stellt sich aber heraus, dass Lohmark eine extrem frustrierte Person ist, die echte Probleme mit ihrer Umwelt hat. Sätze wie "zum Glück ist Mutter tot", "zum Glück starb Meerschweinchen Freddy (das Haustier ihrer Tochter) schnell" illustrieren, hier ist etwas nicht in Ordnung. Die Geschichte selbst ist schnell erzählt (und extrem gut zusammengefasst im Klappentext des Buches): Das Buch handelt von einer Biologielehrerin in einer Stadt im vorpommerschen Hinterland, die die letzte neunte Klasse im Charles Darwin Gymnasium zum Abitur führt. Hier versucht sie die Lehren Darwins auf das Leben und die Entwicklung ihrer Zöglinge (und sich selbst) zu übertragen. Als Gegenpol treten die anderen Mitglieder des Lehrkörpers auf, und es entwickeln sich interessante Diskussionen, ob Darwin recht hat oder doch die Ideen von Lyssenko und Mitschurin richtig sind, dass also die Veränderung der Umwelt, eine Veränderung des Menschen bewirkt. Dann tritt ein Ereignis ein, dass das Verhalten von Lohmark verändert'. Mir hat der Stil von Schalansky gut gefallen: der Text liest sich leicht und "frisch". Ab und zu tauchen Wörter auf, die eigentlich schon lange vergessen sind, z.B. "Polylux" oder "Gummihopse". Haptisch und optisch ist das Buch ein reines Vergnügen, allein wenn man es auf dem Tisch liegen sieht, stellt sich bei mir schon ein Lächeln ein: es hat einen schönen Einband, wie ein altes Biologiebuch. Immer wieder sind Abbildungen im Buch eingestreut, die sich auf eine Passage im Text beziehen, so z.B. die Stellersche Seekuh oder die Quallen von Erich Haeckel. Erstaunt war ich darüber, dass nur von zwei Zeichnungen der Urheber angegeben wird, sind doch einige der Abbildungen sehr bekannt. Schalansky hat ein tolles Buch geschrieben und die Typographie und den Einband formidabel gestaltet, dass ich gerne weiterempfehle. Anbei ein Witz aus selbigen (Seite 164): Geht ein Frosch in ein Milchwarengeschäft. Fragt die Verkäuferin: "Na, kleiner Frosch, was möchtest Du denn?" Sagt der Frosch: "Quark".
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Berichte aus dem Leben eines Umweltschützers und Naturbeobachters, 21. Oktober 2011
Der bekannte Sozio-Biologe und Ameisenforscher E.O. Wilson hat mit nun 81 Jahren, nach über 25 wissenschaftlichen Büchern, mit '"Ameisenroman"' seinen ersten Roman geschrieben. Um es direkt zu sagen: das Beste Kapitel ist die 'Ameisenchroniken'. Hier wird das Leben und Sterben und der Kampf mehrerer Ameisenkolonien aus Sicht der Tiere erzählt. Allein dafür lohnt der Kauf dieses Buches. Auf 90 Seiten wird hier Naturkunde anschaulich, spannend, interessant und leicht lesbar geschildert. Und bei der Schilderung der Ameisengesellschaften wird dem Leser sehr klar (gemacht), es gibt viele Anknüpfungspunkte zwischen Mensch und Ameise. Eingebettet ist Kapitel IV in eine 'menschliche' Rahmenhandlung: Wilson schildert das Leben von Raphael Semmes Cody, genannt Raff beginnend als Kind bis etwa 28 Jahren, als Naturforscher, Umweltschützer und Jurist. Aufgewachsen im Süden der USA bekommt er den Ehrenkodex seines Vaters, Ainestey ' einem Automechaniker, vermittelt: 1. Niemals Lügen oder betrügen; 2. Niemals eine Frau schlagen; 3. Niemals einen kleineren Mann schlagen, wenn du es verhindern kannst; 4. Nie als erster zuschlagen, aber auch 5. Nie klein beigeben bei geben, wenn du weißt, dass du im Recht bist. Auch die Vorstellung von einem gelungenen Leben von Marcia, Raffs Mutter, ist ziemlich konservativ: Frauen der Mittel- und Oberschicht sollten gewandte Hausfrauen sein und die Männer Versorger. Raff geht früh in die Natur heraus und ist fasziniert von der Vielfalt und Schönheit des Lebens. Er wohnt in der Nähe des Lake Nokobee, wo letzte Reste der Kiefernsavanne existieren, einem der reichsten botanischen Ökosysteme der USA. Wie Wilson naturkundliche und ökologische Beobachtungen in seinen Roman einbaut finde ich sehr gut. Raff studiert zuerst Biologie, als er allerdings hört, dass 'sein' Naturparadies Nokobee durch Baumaßnahmen gefährdet ist, studiert er in Harvard Jura, um dies zu verhindern. Das Buch "Ameisenroman" enthält auch einige autobiographische Elemente, Wilsons Kindheit im Süden und seine Leidenschaften für Ameisengesellschaften. Raffs Nennonkel Professor Frederik Norville, Ökologe an der Florida State University, ist eindeutig als Avatar von Wilson zu erkennen. Gibt es Schwächen? Ja: die Sprache ist einfach, die Charaktere vieler Protagonisten ist oft nur holzschnittartig erkennbar und die Schilderung des Kampfes Raff versus Immobilienhaie hätte ruhig etwas ausführlicher ausfallen können. Auch der Auftritt der skurillen Evangelikalen (inklusive Verfolgungsjagd) halte ich für überflüssig bzw. diskussionswürdig. ABER: die Naturschilderungen von Wilson sind toll und seine ' unausgesprochene - Kernthese: 'Menschlicher Fortschritt und der Schutz der Natur, sollten gleichberechtigt behandelt werden' können wir doch alle zustimmen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Guter Thriller, aber z.T. mit Längen, 10. Oktober 2011
Harry Hole kommt Heim nach Oslo, um den wegen Mordes an Gusto Hansen verdächtigen Oleg Fauske, der Sohn seiner großen Liebe Rakel, aus der Patsche zu helfen. Im ersten Teil geht es vornehmlich um Drogenhandel, Dealer, korrupte Polizisten, promiskuitive Politikerinnen, Junkies etc. Wir bekommen sogar die Geschichte des Heroins erzählt: 1897 war Heinrich Dreser an der Entwicklung des Aspirins beteiligt. Entwickelte aber diesen Stoff zum Heroin weiter, der bis 1913 in Norwegen als Hustensaft verkauft wurde. In kursiv gesetzten Texteinschüben erzählt der tote Gusto wie es zu seinem Tod kam, parallel dazu berichtet Nesboe wie Hole ermittelt. Klingt langatmig, ist es auch anfangs. Aber zur Mitte des Buches nimmt der neue Roman von Nesboe an Fahrt auf und überzeugt. Mit immer neuen Wendungen unterstützt der Autor den Spannungsbogen. Wie in den Thrillern zuvor hat Nesboe wieder besonders grausame und perfide Todesarten für seine Mordopfer ausgesucht: '"Man on the moon"' und "Zjuk". Warum der Verlag den neuen Roman '"Die Larve"' genannt hat wird nicht klar, der norwegische Titel lautet "'Gjenferd"', was '"Gespenst'" bedeutet. Darauf nimmt Nesboe auch an einer Stelle Bezug: der Hauptverbrecher, genannt Dubai, 'ist "wie eine Art Gespenst, das durch die Stadt schlich"' (Seite 434). Nach den fulminanten Büchern "Schneemann"' und '"Leopard"' geht die Saga um Harry Hole mit '"Die Larve"' nicht ganz so spannend und brillant geschrieben weiter.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Langatmig, mit z.T. guten Passagen, die Charaktere der Hauptdarsteller verändern sich wieder zum Negativen, 3. Oktober 2011
Das schlimmste was man über einen Krimi sagen kann, ist: er ist langweilig. Und ja: '"Bastard'" der neue Roman von Patricia Cornwall ist über weite Strecken langatmig, redundant und langweilig geschrieben. Cornwall verzettelt sich immer wieder im Schildern des Beziehungsgeflecht ihrer Protagonisten und in technischen Detailbeschreibungen. Aber es gibt immer wieder Stellen im Buch, so die akribisch genaue Beschreibung, wie Kay Scarpetta die Ursache des Mordes am Opfer untersucht und herausfindet, die ich äußerst gelungen und spannend geschrieben fand. Der Fall, um dem es im Roman geht, ist schnell erzählt: Mark Bishop ein sechsjähriger Junge wird bestialisch ermordet, zeitgleich wird eine Leiche in Scarpettas Institut eingeliefert, die am nächsten Morgen blutend aufgefunden wird (lebendig ins Kühlfach gelegt?). Ohne große Überraschung: beide Fälle gehören zusammen. Hat man so etwas schon erlebt, dass eine Autorin ihre Romanfiguren so demontiert und der Lächerlichkeit Preis gibt? Nein, ich finde es einfach schrecklich und traurig. Das '"Peter Marino-Bashing"' geht weiter: "'Er ist und bleibt ein Elefant im Porzellanladen"' (Seite 71); '"Was hat er denn angestellt, außer einfach nur so zu sein wie immer?"' (Seite 78). Auch Kay Scarpetta bekommt ihr Fett weg: sie ist nun keine selbstbewusste Ermittlerin mehr, sondern eine zerfahrene, unsichere Frau (Seite: 138: 'Ich bin eine Fremde in meinem eigenen Leben'). Nach den beiden letzten Romanen, wo ich einen positiven Trend zurück zur 'alten', gut, d.h. flott und spannend mit interessanten Protagonisten, schreibenden Patricia Cornwall erkennen konnte, ist die Serie um Kay Scarpetta nun wieder an einem Tiefpunkt angelangt. Warum der Verlag das Buch '"Bastard'" genannt hat und nicht -' wie im Orginal -' "Leichenhalle" ('Port Mortuary'), was eine Anspielung auf Kay Scarpettas Arbeitsplatz 'Cambridge Forensic Center and Port Mortuary' ist, wird nicht klar.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Gute Unterhaltung über die Natur und Ökologie, 21. August 2011
Ein Spiel, mit dem Kinder ihre Welt erkunden, besteht aus einer einzigen Frage: Warum? Auf jede Antwort ergibt sich eine neue Frage: Warum? So verfährt auch Joseph Reichholf, nur das seine Leser Erwachsene sind und das '"Warum'" sich auf den Bereich Natur eingrenzt. Aber was heißt da schon 'eingrenzt': Warum legen Vögel Eier? Warum hat die Natur die Liebe erfunden? Warum sind die Tropenwälder so artenreich? Warum gibt es beim Menschen verschieden Hautfarben? Warum im Fernsehen die brutalsten Gewaltszenen gezeigt werden, nicht aber Details einer Sexszene? sind einige Fragen, die sich Reichholf stellt. Nicht alle Fragen kann der Autor letztendlich beantworten, er zeigt aber Zusammenhänge auf und ist dabei in Sprache und Stil sehr unterhaltsam. Reichholf bezieht Stellung zu aktuellen Fragen: Biodiesel lehnt er ab. Atommüll möchte er nicht endlagern, sondern einschmelzen in flüssiges Magma, dass an diversen Stellen im Pazifik in Tiefseegräben im Erdinnern verschwindet (S. 283). Besonders harsch geht er mit den "'Klimaretter'" ins Gericht. "Denn 'der Klimawandel ist längst die perfekte Ausrede, das Notwendige nicht zu tun, weil das Klima gerettet werden muss"' (Seite 234). Das Notwendige heißt bei Reichholf: Stopp der Vernichtung der Tropenwälder und Stopp bzw. Einschränkung der Güllefluten eingebracht durch die Landwirtschaft. Das für mich beste Kapitel ist 'Das Maultier und der Blumenkohl' (Seite 138ff). Hier erklärt Reichholf, dass alle bei uns angebauten Getreidesorten genetisch optimiert wurden und '- wollten wir dies nicht '- wir uns lediglich mit Kohl und Rüben zufrieden geben müssten. Was ich mir bei einer Neuauflage wünsche, ist ein Literaturverzeichnis, das einem ermöglicht bestimmte, in den jeweiligen Kapitel beschriebene, Sachverhalte genauer Nachzulesen.
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